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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag, 12. Dezember 1918.

Die Bedeutung derDeulschen demo­kratischen Partei für die Frauen.

Von einer Sfrau wird uns geschrieben

Seit unter Sturm und Pot den grauen das Wahl, recht verliehen wurde, hämmern ihnen unablässig Sum­men aus allen Lagern den G-'dnnken ein, daß Wahlrecht -- W a h l ps l l ch t ist. Kein Zweifel, daß die Frouen, die die Mehrheit der Wählerschaft bilden, sich ihrer V c r a n t w o r t u n g von Tag zu Tag bemußter werden müssen. Tausende und Abertausende loollen mit bauen am deutschen Volksstaat, wollen als zielbewusste Burgerinuer ihre Pflicht erfüllen. .

Hausfrauen. Mütter, Erzieherinnen der äugend, Pflegerinnen der Schwachen und §tr^nken, Beamtinnen, Angestellte. Handwerk -rinnen. Arbeiterinnen haben wah- rend des Krieges gelernt, dir Vorgänge des öffentlichen Lebens mit wachen Augen zu verfolgen, wissen Ursache und Wirkung wohl voneinander zu scheiden. Sie wol­len nicht blind und unbedacht dem Werben der Parteien, das von rechts und links überlaut ertönt, Folge lei'ten, sondern prüfen und 'elhsi entscheiden welcher Partei sie angehören, für welche sic in eifriger Mitarbeit tatkräftig wirken wollen. .

Sie werden den r e ch t s stehenden Parteien nicht ver- gessen, wie diese den grauen des Wahlrecht verweigert haben' um es ihnen auch jetzt nur unter dem Zwange der Not und mit innerlichen Vorbehalten zuzugestehen. Von diesen Kreisen ist nicht zu erwarten, daß sie den be­rufstätigen trauen die .elbständige Wahrnehmung ihrer Rechte in allen wirtschaftlichen Interessenvertretungen zugestehcn, daß sie ihnen helfen werden, alle noch be- stehenden Schrankeil. o!e ihren Blldungsaufstieg hem- men, zu beseitigen. _ , , . _ ..

Das alles freilich werde,' die l l u k s stehenden Kreise, di' den Frauen im Kamp' um Erlangung ihrer Rechte beigestanden haben, ihnen gern versprechen, und doch werden die arbeitenden grauen auch hier gut tun, ernst- lich zu prüfen ob Werre und Taten jener Gruppen sich immer decken. Denn wo es sich in der rauhen Wirklich­keit darum handelt, im Kumpf um den Arbeitsplatz, der gerade heute heißer denn je mtbrannt ist, gerechte Ent­scheidungen zu treffen, geht auch radikalen Verfechtern der Frauenforderung-m meist Männerrecht vor Frauenanspruch. Der»m sind auch weder in den Arbeiterräten noch in den Arbeiterausschüssen Frauen in dem ihrer Zahl entwrechenden Umfange vertreten.

Aber auch die H in s f i a u e n haben allen Grund, di.- schönfärberifchei Zukunftsverheißungen der - s o z i a° l i,'t r s ch e n Parteien weit von tich zu iveisen. Zu schtvcr Hatz ui sie unter- d-:r Zirangswntschaft, unter der Aus- schaltung des Hand-ls gelitten, um nicht den Abbau aller dieser Maßnahmen herbrizusebnen. Nach vier Jahren schlimmster C-ntbehrunaen müssen sie es ab- lebnen, den Wiederausbau ihres eigenen Heims und ihrer Familie durch bolschewistische E x p e r r- mente gefährdet zu leben Keine Mutter wird ange- sichls der immer bedeahlicher werdenden Ernäbrungs- 'ck'wierigkeiten, die das Leben ihrer Kinder gefährden, sich Bestrebungen anschl'ef.en. mit denen die Gefahren terroristischer Ausschreitungen eng verknüpft sind.

D>e Deutsche demokratische Partei aker.

die für schnellste Herbeliübrung ge/etzlicher Zu-

stände wirkt, voll' politische Gleichstellung der Frauen mit den Männern v'rlanat und den deniokroti- schen Gedanken der Gleichlw""chtiminc, aller Volks- genossen vertritt, will auch, dass bald wieder Zustände eiwreten, die den Frauen die Mitarbeit am Neuaufbau des Reiches ermöglichen und ihnen Gelegenheit zur Aus- Wirkung ihrer weiblichen Eigenschaften in Faniilie, Ehe und Beruf gewährleisten!

Die Verlanqerung des Waffen­stillstandes.

Die Ankunft der deutschen Delegierten in Trier.

W. B. Trier, 12. Dez. (Drahtberickst.) Die deutsche» Delegierten der W-affenstillstanidskommission sind nunmehr sämtlich in Trier angekomm-eu. Nachdem gestern morgen Staatssekretär Erzberger mit etwa 30 Personen und deren Bealeirern, von Berlin kommend, im Hotel.Zur Post" abge­wogen waren, kamen gestern nachmittag 15 deutsche Dele­gierte von Spaa, unter Amen Genera', v. Winterseld, an. Letztere wohnen imT-omhotdl". Es sind 7 Personen. Bei ihrer Ankunft war der Hauptbahnbof durch die amerikanischen Truppen äbyesperrt. Sowohl die Kommissionsmitglieder im Dom-dotel" als auch die im HotelZur Post" sind strengstens interniert. Niemand -hat zu ihnen Zutritt. Die Vertreter der Alliierten sinh noch nicht angekommen. Heute wird Marfchall Fach in Trier anJcimnen.

Verschärfte Bedingungen für die Verlängerung?

W. B. Bern, 11. Dez. Für den Fall der Verlange- rung des Waffenstillstandes verlangt derPetit Partsien"

such tag Latent« »«rkchärfi« »«tdäagunge« stell«, weil

Abend-Ausgabe.

Deutschland die festgesetzten Bedingungen nicht strikt einge- halten bat. So fordert das Blatt, daß weitere deutsche Städte besetzt werden. was eine einfache Anwendung des Kriegs rechts bedeute, aus die Deutschland niemals verzichtet haben würde.

Auch zur See leine Milderungen.

W. B. Berlin, 11. Dez. Die Verhandlungen mit der britischen Kommission in Wilhelmshaven lassen erkennen, daß Milderungen . nicht zu erreichen Md. Trotz der deutschen Proteste verlangt der englische Admiral genaue Angaben über die im Bau befindlichen Kciegsichlspe. Trotzdem der englische Vertreter in Spaa auf Abliefe.'ung des PanzerkreuzersMackensen" verzichtete und trotzdem, wie deutscherseits mitgeteilt, dieses Schiff nicht vor vier Monaten schleppbereit sein kann, hat der englische Admiral die Nichterfüllung seiner Forderung, das Schiff bis Ende Dezember zur Überführung fertigzustellen, rls Nichterfüllung der Waffenstillstandsbedingungen bezeichnet und in diesem Sinne seiner Regierung berichten zu wollen erklärt. Er.be- steht ferner auf Auslieferung der nach dem Völkerrecht rechtmäßig in deutschen Besitz übergegangenen Schiffe. Trotz des Hinweises auf die bedenklichen Folgen für die deutsche Bolksernährung zeigte die Kommission kein Entgegenkommen in der Frage der Freigabe der Fischerei und des Verkehrs zwischen den deutschen Hären und bezog sich auf die diesbezügliche bereits erfolgte ablehnend: Antwort Beattys. Der englische Admiral verlangt ferner, daß bis zum 17. DezerWH s ä m t lTM'B eKi tz u n g e n von außer Dienst gestellten Schiffen interniert werden, bis auf die JnstondSsetzungskommandos, wie sie auf einer Hulk ver­bleiben. (Unter einer Hulk versteht man ein altes, aus- rangiertes Fahrzeug, das nur noch zu Wohn- und Lagerzwecken dient.) Ebenso wie nach der Besichtigung des Linienschiffes Baden", die durch Nichtausführung der vom Hochseckpmmando im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat ge­troffenen Anordnungen seitens einzelner Marinemann­schaften gestört wurde, hat auch bei den Vorbesprechungen über die Übergabe der i n t e r n i e r t e n Ente n t e s ch i f f e die englische Kommission gedroht. He. Wasfenitillstandsver- handlungen abzubrechen, wenn nicht eine glatte Abwicklung

f mäß den in den KommissionSoerhandlungen festgesetzten nordnungen erfolgen würde.

Die englische Marinekommission in Kiel.

W. B. Kiel, 12. Dez. (Drahtbericht.) Das englische LinienschiffHerkules" mit einer Marinekommission der Entente an Bord ist in Begleitung von zwei Zerstörern gestern abend im Kieler Hafen eingelaufen.

Die Besetzung.

Sr-. Köln, 12. Dez. (Eig. Drahiibericht.) Der englische Befehlshaber Fergusson wird nach seinem heutigen Eintreffen die Einzelheiten der englischen Bekanntmachung mit dem Kölner Oberbürgermeister besprechen. Man kwfft. daß die scharfen Bestimmungen, die -von den Besatzungstrupp-en Köln auserlegt wurden, in den nächsten Tagen bereits eine Milde­rung erfahren.

Schwere Ausschreitungen belgischer Soldaten.

W. B. Amsterdam, 11. Dez. Wie die sozialdemokratische ZeitungHet Volk" aus Baals meldet, haben am Sonntag­abend belgische Soldaten in Aachen schwere Ausschreitungen begangen. Sie plünderten Kaufläden, mißhandel­ten Bewohner und erstachen einen Juwelier. Französi­sche Soldaten stellten die Ordnung mit Waffen­gewalt wieder her.

Die Ablieferung drs rollenden Materials.

IV. B. Bern, 11. Dez. Aüs Metz wird demProgres de Lyon" geinüldet, daß die Ablieferung des rollenden Materials zwar langsam, aber ohne sichtlichen Widerspruch seitens der Deutschen erfolge.

Wilson und die Friedenskonferenz.

W. 13. Amsterdam, 11. Dez. Einem hiesigen Blatt zufolge schreibt dieTimes": Der Entschluß des Präsi­denten Wilson, an der eigentlichen Friedenskonferenz nicht teilzunehmen, ist ein Zeichen von Vorsicht, d-enn obwohl Wilson in Amenka wie in England der Premierminister ein Parteiführer ist, so ist er außerhalb Amerikas eine Art republikanischer König, ein Symbol von Amerikas Macht und Würde. Symbole aber debattier-"! nicht in der Öffentlichkeit und man debattiert nicht mit ihnen. Der große Einfluß des Präsidenten wird ani besten hei den nichtformellen Be ratungen zwischen den Alliierten, die der formellen Kon serenz vorausgchen, zur Geltung kommen.

W. B. New Jork, 12. Dez. (Drahtbericht. Reuter.) George Washington", der Dampfer des Präsidenten, hat jetzt ruhigeres Wetter. Ein rasch fahrender Zer störer wird von den Azoren mit einer großen Menge von Depeschen, die ber Präsiden: auf der Reise schri'b. zunickkevren. Der Präsident hatte auf der Reise e r n st e Konferenzen mit dem italienischen' französischen Botschafter.

und

Eine Einladung der Schweiz au Wilson.

W. B. Bern, 11. Dez. (Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur.) Der Bundesrat hat dem Präsidenten Wilson mstteilen lassen, daß er sich freuen würde, wen»

Nr. 580. * 66. Jahrgang.

Wilson anläßlich seiner Europareise auch die Schwei; mit einem Besuch beehren wollte. Der Buudesrat w-irtze darin einen Beweis der Freundschaft zwischen der größten und der ältesten Republik -sehen. Wilson wäre Gelegenheit geboten, sich persönlich von der Sympachie des Schweizer Volkes zu überzeugen.

Taft über den Völkerbund.

W. B. New York, '.2. Tcz. (Drahtberichi. Reuter.) Tast erklärte bei einem Tin.u im Sotusklub: Wenn von der Friedenskonferenz keni Völkerbund errichtet werde, so sei der Krieg ern Mißerfolg und es würde auch der Friedensvertrag und d:c nachherige Frieden Miß­erfolge sein.

Tie Forderungen Belgiens.

IV. B. London, 10. Dez. (Reuter.) Das in London er­scheinende belgische BlattLa Metropole" teilt mit, daß der belgische Minister des Äußern H u y s m a n s am 2. Dez. rn Beantwortung einer Anfrage erklärte, von Deutschland weroe in erster Linie die Rückerstattung des Milliarden­schadens verlangt werden. Bezüglich der territorialen Veränderungen könne er keine Erklärung abgeben. Wenn man aber zwischen den Zeilen der Thronrede lesen wolle, worin auf alle Verträge Bezug genommen wäre, so könne man daraus ebensoviel entnehmen, wie er mitzuteilen in der Lage ist. Die fraglichen Stellen bezögen sich besonders auf den internationalen Vertrag von 1839, worin Belgien der haupt­sächlichen " i in.f> urg und Luxemburg beraubt

und der deutsche Bund mit den belgischen Städten und der Provinz Limburg bereichert worden sei. Dieser Vertrag machte die Holländer zu Herren der unteren Schelde. Ant­werpen sei infolgedessen seit Beginn des Krieges emgeschlossen und von ieder Hilfeleistung gegen die Eindringenden von der See aus abgeschlossen gewesen. Mit der Erklärung, daß der Vertrag, der Belgien solches Unrecht zugefügt hat, ungültig sei, zeigte der König, in welcher Richtung sich die Forderungen der Belgstr bewegen würden, daß z. B. die Niederlande ihre Monopolstellung auf dem internationalen Fluß, der Schelde, würden aufgeben müssen.

Holland und Wilhelm H.

w. B. Haag, 12. Dez. (Drahtbericht.) In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte, der Vorsitzende des Ministerrats Huys.de Beerenbrouck, die Regierung würde es leichter haben, wenn der frühere deutsche K a i s e r sich n i ch t als Zufluchtsort Holland ausgesucht hätte. Er fuhr dann fort: Ter Kaiser hat aber, wie aus der amtlichen Mitteilung des holländischen Gesandten in Berlin hervorgeht, vor seiner Flucht mach Holland auf den Thron ver- zichtet. Am 11. November folgte dann die bekannte Ur- künde, die in Amerongen unterzeichnet wurde. Am S. Nov. wußte die Regierung, daß der Kaiser abgedankt hatte. Nach der Thronentsagung konnte von einer Internierung keine Rede mehr sein. Es handelte sich einfach um die Frage deS Gastrechts und der Gastfreundschaft, um eine Tradition, die in Holland seit Jahrhunderten besteht. Die Negierung wußte, daß Holland dadurch in Schwierigkeiten kommen müßte, aber sie wollte nicht gegen dielen sahrbundertealien Grundsatz han­deln. Die Regierung kann sich nur aut den Standpunkt der vollendeten Tatsachen stellen. Jedes Ersuchen, den Aufent­halt des Kaisers in Holland für eine unneutrale Handlung darznstellen, weist die Regierung Hollands zurück. Ein even­tuelles formelles Ansuchen um Auslieferung des früheren Kaisers würde ans eigene Gesetzlichkeit und auf die bestehenden Verträge hin untersucht werden müssen. Es ist auch möglich, daß fremde Regierungen wünschen werden, mit Holland wegen eines neuen Aufenthaltes des früheren Kaisers in Unterhandlung zu treten. Die Regie­rung würde nicht abgeneigt sein, zuzustimmen, wenn Holland dabei eine Stellung eingeräumt würde, die sich mit der Ehre und Würde des Landes verträgt. Tie Regierung vehält sich ihre Entscheidung vor. Gegen etwaige Intrigen wird die Regierung ernstlich auftreten.

Erkranlung der früheren Kaiserin.

W. 13. Haag. 11. De;. Wie ..Het Vaderlano" melde:, ist die frühere deutsche Kaiserin in Amerongen an einem Herzleiden sehr ernstlich erkrankt. Ein Berliner Arzt wurde telegraphisch nach Amerongen gernfen.

Einberufung des Reichstags?

Berlin, 11. Dez. Das .,B. T." schreibt:Die Entente ist allem Anschein nach tatsächlich nicht geneigt, mit der sozia­listischen Regierung und den Arbeiter- und Soldatenräten Deutschlands zu verhandeln, da sie in diesen Körperschaften keine Vertretung des gesamten deutschen Volkes erblickt. Sie dürste, nachdem sie seit vier Wochen bereits jeden direkten diplomatischen Verkehr mit der Reichsleitung vermieden hat, morgen bei Beginn der Verhandlungen über die Verlängerung der Wafsenstillstandsstist in ^rier eine dahingehende Er­klärung abgeben. Angesichts dieser Sachlage schweben inner­halb des Kabinetts Verhandlungen darüber, den Reichstag wieder einzuberusen, um der gegenwärtigen Regierung eine parlamentarische Grundlage zu geben. Schon jetzt kann ge­sagt werden, daß die Regierung notgedrungen die Kons:- guenzen aus dem Verhalten der Entente wird ziehen müssen. Man rechnet in unterrichteten Kreisen damit, daß der Reichs­tag bereits Anfang nächster Woche znsammentritt. Ein solche; Beschluß dürfte spätestens im Laufe des morgigen TageS er folgen. Wir möchten in diesem Zusammenhänge darauf hin weisen, daß die Reichstagung der Arbeiter- und Soldatenratc -»uf Montag, den. Dezember, nach Berlin einberuten ist

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