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Donnerstag, 5. Dezember 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr 568. ♦ 66. Jahrgang.
Die Einigung der liberalen Parteien.
V. 8. Berlin, 4. Dez. Zwischen der Deutschen demokratischen Partei und der Deutschen Bolkspartei ist ein« Verständigung erzielt worden, die zu dem Eintritt der Volks- partei in die Deutsche demokrattsche Partei geführt, hat. Die Deutsch« demokratische Partei hat dabei den Standpunkt vertreten, daß eine Einigung nur auf der Grundlage ihrer Aufrufs vom 18. November möglich sei, und diejenigen Persönlichkeiten, die bei der Agitation für aunexionistische Kriegsziele unb bei der Amerika gegenüber vertretenen Politik eine führende Rolle gespielt, sowie diejenigen, die gegen das gleiche Wahlrecht gestimmt haben, innerhalb der Partei nicht hervorireten werden.
B. A. Berlin, 5. Dez. ^Eig. Drahtbericht.) Zu der von Wolfs verbreiteten Meldung. wonach die Deutschs Volkspartei, die einen großen Teil der Nationalliberalen umfaßt, aufhört, als selbständige Pratei zu existieren und in die Deutsche demokr rtiiche Partei eintritt, erfahren wir noch, daß groß: nationalliberale Verbände, besonders in der Provinz Hannover, beabsichtigen, bei dem Zusamm'nschlnß ihre Organisationen zunächst forrbestehen zu lassen.
Der Entschluß der Nattonalliberalen.
TV. 8. Berlin, 4. Dez. Der Zusammenschluß der Deutschen Bolkspartei und der Deutschen demokratischen Partei ist heute, wie die Nationallibcrale Korrespondenz meldet, auf Grund der nachstehenden Vereinbarungen vollzogen worden. Angesichts der nun auch terminmäßig festgelegten Wahl zur Nationalversammlung und unter dem Eindruck der weit- gehe^>en Bestrebungen im Lande, welche sich für eine Einigung aller liberalen Elemente mit wachsender Stärke ausspreckfen, sind auch die Parteileitungen der Deutschen demokratischen Partei und der Deutschen Volkspartei erneu: zusammengetreten, um den Weg für eine Bereinigung beider Parteien zu finden. In der Aussprache ergab sich eine völlige Übereinstimmung darüber, daß die für eine programmatische Einigung ausgearbeiteten Rickitlinien den Gedanken der Reichs- und Volkseinheit stark betont, daß ferner in der Frag« Ser notwendigen Nationalisierung grundsätzliche Unterschiede nicht bestehen und daß die eigene wirtschaftliche und private Industrie unter Wetterführung der sozialpolitischen Gedanken die Grimdlage unseres Wirt- schaftslebens bleiben müsien. Nachdem über diese Grundgedanken sich eine völlige Einheitlichkeit der Auffaffung heraus- gestellt hat. hat die Leitung der Deutschen Volkspartei, welche die in dem demokratischen Aufruf vom 16. November nieder- geleglen Richtlinien billigt, es für richtig geheißen, eine e i n° heitliche Front des liberalen und demokratischen Bürgertums herzustellen und empfiehlt allen Parteien im Lande ein Zusammenwirken Mit der Deutschen demokratischen Partei auf dieser Grundlage. Die Mit- Wirkung führender Persönlichkeiten der alten nationalliberalen Partei und der Deutschen Bolkspartei im Rahmen der Deutschen demokratischen Partei ist dadurch gesichert, daß der Staatsminister Dr. Friedberg, »er Reichstagsabgeord- nete Iustizrat Dr. Bollert, Landtagsabaeordneter Dr. Blankenburg und Frau Klara Nende-Bölker in die provisorischen Ausschüsse der Deutschen demokratischen Partei emtreten. Nachdem Dr. Stresemann bestimmt erklärt hatte «an möge von seiner Persönlichkeit absehen, mußte die Partei^ leitunq zu ihrem größten Bedauern von ihrem einmütigen Wunsch, ihn in diese Ausschüsse zu entsenden, Abstand nehmen Der Zentralvorstand der nationalliberalen Partei, der leider wegen der VerkehrSschwierigkeiten in dieser Zeit nich: emberufen werden konnte, wird, wenn es die Umstände irgendwie gestatten, zusammenberufen werden.
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Wir begrüßen diesen Zusammenschluß der liberalen Parteien mit ganz besonderer Freude. Wir sind nun doch in einer sehr großen Anzahl von Wahlkreisen auf gutem Wege zu einer cinbeitlichen Front des Bürgertums gegenüber der Sozialdemokratie. Da- mit sind die Vorbedingungen zum Wahlkampf für die National versammln na für den nichtsozialisti- scheu Teil des Staatsbürgertums ganz wesentlich verbessert worden. Tu->g. wir nun in dm bevorstehenden Monaten bis zum Februar iedcr an seinem Platze alles, um die Rettung unseres Staates vor dem Untergangs der ihm bei einem zu weiten Ausschlagen des fozialifti- kchen Pendels droht, sickerzusiellen. Dazu gilt es jetzt, die Weckung und Zusanm^aiassung des gesamten Bür- llvstums auf einheitlicher Afront durchzufübren. Es kommt jetzt ans die staatsbürgerliche Mitarbeit kedes einzelnen an. Darum heißt cs jetzt fiir alle: Organisiert euch in der neuen großen einheitlichen Deutschen demokratischen Bartei.
Sofortige Einberufung des Rc ich-tags — eine berechtigte Forderung der Deutschen demokratischen Partei.
TV. B. Hamburg, 4. Dez. Die Deutsche demokratische Partei sandte an die Volksbeaustragten Ebert und Haafe ein Telegramm, in dem -sie ' ofortige. keine Stunde mehr aufzuschiebende Einberufung des Reichstags, der auf demokratischer Grundlage gewählten Der- tretung des deutschen Volkes, mit der alleinigen Tagesordnung: Legalisierung des gesetzlosen Zustandes, gefordert wird. N u r d i e B e st ä t i g u n g der bestehenden Negierung als voni Willen des ganzen Volkes getragen, könne Helsen.
Ein Weiterer Erfolg der Deutschen demokratische« Partei.
W. B. Stuttgart, 4. Dez. Die größt« württem- bergische Zeitung, das Stuttgarter „Neue Tageblatt" mit 100 000 Beziehern, hat sich der Deulschen demokrcttischen Partei angeschlossen.
Die Absicht der Besetzung Berlins?
TV. B. Berlin, 5. Dez. (Drahtbericht.^ Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet: Wie'ein amerika
nischer Funkspruch vom 29. November rneldet, sollen die Alliierten und die amerikanischen Truppen Berlin zeitweise besetzen, um dort Polizeidienst zu versehen.
Wahrscheinlich Verlängerung desWaffenstillftande.
TV. B. London, 4. Dez. (Reuter.) Die interalliierte Konferenz besprach die Dauer'des Waffenstillstandes, der »wahrscheinlich verlängert werden wird. Die allgemeine-, Friedenskonferenz wird in Bans wahrscheinlich Ende Januar stattfinoen.
TV. B. Stuttgart, 5. Dez. 'Drahtbericht.) Auf eine Anfrage der Heeresgruppe Herzog Albrecht teilte die Oberste Heeresleitung mit. >'s beitehe keinerlei Be» fürchtung, daß der Waffenstillstand von der Entente gekündigt würde.
Ein Flugdienst für die Friedenskonferenz.
TV. B. Amsterdam, 4. Dez. Dem „Allgemeen Han- delsblad" zufolge schreibt die Times" daß wegen der übermäßigen Belastung der Telegraphenlinien beabsichtigt ist. für die Fri«den°kons°renz e»nen regelmäßigen Flugdienst einzurichten, deiscn sich auch die Presse für ihre Telegramms bedienen darf.
Die SchadenTchätzung der belgischen Industrie.
TV. 8. Brüssel, 3. Dez (Havas.i Der AauptauSschntz für die Industrie sckätzt den durch den Krieg bewirkten Schaden der belgischen Industrie auf Grund einer ersten Untersuchung auf 6360 Millionen Franken.
Ausweisung deutscher Bürger aus Straßburg!
TV. 8. Berlin, 4. Dez. Der französische Kommandant von Straßburg hat etwa hundert deutsche Bürger a u S gewiesen und in Kehl über die deutschen Linien abgeschoben. Unter den Ausqewiesenen befindet sich eine große Anzahl von angesehenen Persönlichkeiten, Kaufleuten, Anwälten, ein Oberschulrat und neun Dozenten der Universität. Die Aus- gewiesenen mußten Straßburg unter Zurücklassung ibrer Habe innerhalb 24 Stunden verlassen und krmen ebne Barmittel in badischem Gebiet an. Die Reichsleitung hat durch die Waffensttllstandskommission telegraphisch zunächst 10 OOO M. für eine Hilfsaktion der badischen Regierung zur Verfügung gestellt und wird weitere Mittel bereithalten.
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Die englische Kommission für dir deutschen Häfen.
Br. Rotterdam, 5. Dez. (Erg. Drahtbericht.) Wie die „Daily News" aus Edinburgh meldet, ist das Groß- kampfschiff „Herkules" in Begleitung einer Zer- störerdivision nach Wilhelmshaven und Kiel ousgefahren. Das Blatt erfährt dazu, daß den Admiral Browning auch italienische und französische Offiziere begleiten.
Das Strafoerlangen der Londoner Alliierten- Konferenz.
TV. B. London, 4. Dez. Das Reutersche Bureau erfährt: Da infolge der Erkrankung des Obersten Hause Amerika bei den Konferenzen der Alliierten nicht ver- treten war, muß über die Verhandlungen Still- schweigen bewahrt werden. Es steht aber fest, daß man zu einer vollständigen Tiniaung gelangt ist und mit Lloyd George und den richterlichen Beamten der Krone völlig darin üb-reinstimmt, daß Deutschland sobald wie möglich tür lerne Missetaten büßen müsse und daß die verantwortlichen Personen ohne Rücksicht auf ihren Rang vor Gericht gebracht und soweit wie möglich b e st r a f t werden müssen. Die Lon- doner Beratungen werden zweifellos von großem Einfluß auf die Friedenskünfere:lz sein.
Die uns zugedachte „Strafe"!
TV. B. Rotterdam, l. Dez. Ehurchill erklärte in einer Wählervsrfammlunq in Dundee, man brauche nicht zu fürchten, daß Deutschland mit »insr leichten Strafe davonkommen würde. Die Zt.-nfe werde alles Bisherige an Schrecklichkeit übertreffen.
Auch zur See keine Milderung.
TV. B. Berlin, 3. Dez. Über die nachgesuchte Milderung der Waffensttllstandsbedingungen 'zur See ist eine Antwort von Admiral Beatty angttommen. Eine Milderung der Bestimmungen über die Handelsschiffahrt und Fischerei in der Ostsee tritt vorläufig nicht ein.
Die Münchener Garnison verlangt die Nationalversammlung.
TV: 8. München, 4. Dez. Bor dem Ministerium des Äußern am Promenadenplatz fand heute mittag eine Demonstration statt. Von den Kasernen des Pionierbataillons zog ein Demonstrationszug geschloffener Front- und Heimattruppen unter Borantragung einer schwarz - rot - goldenen Fahne nach dem Ministerium des Äußern. Dort begab sich eine Abordnung der Pioniere zum Ministerpräsidenten, der sie im Beisein des gesamten Ministeriums empfing« Der Sprecher, der erklärte, daß hinter den Demonstranten die gesamt «Münchener Garnison stehe, forderte das Ministerium auf, um jede antirevolutionäre Propaganda unmöglich zu machen, sofort den Termin der Nationalversammlung fiir den Volksstaat Bayern bekannt zu machdn. Ministerpräsident Eisner versichette, daß in den nächsten Tagen bereits der Termin für die Nationalversammlung dem Volke bekayntgegeben werde. Auch di« Minister Auer und Roßhaupter sprachen im gleichen Sinne. Darauf begab sich der Ministerpräsident auf die Straße und wiederholte dort vor den Pionieren und der ange- fammelten Bevölkerung feine Zusicherung. . — Wie die „Staatszeitung" dazu bemerkt, wurde von den Pionieren dabei mit besonderem Mißfallen festgestellt, daß die republikanischen Sicherheits mann schäften versuchten, sich um den Ministerpräsidenten als Schutzgarde zu scharen und daß von eine: übernervösen Persönlichkett Automobile mit Maschinengewehren gegen dio vor dem Ministerium versammelten Pioniere aufgesahre» wurden. Die Pioniere setzten durch, daß die Sicherheitswache und die Maschinengewehr-Automobile wieder abrückten. Auch wurde dem Ministerium zum Ausdruck gebracht, daß der Vorsitzende des Soldatenrates Sauber keineswegs das Vertrauen der gesamten Münchener Garnison genieße. In Gemeinschaft mit der Mannschaft ging in dem Zuge eine Reih« von Offizieren. Während der Demonstration kam auch das zweite Infanterie-Regiment mit klingendem Spiel ' zum - Promenadenplatz gezogen, um sich der Kundgebung der Pioniere anzuschlietzen.
Was die A. und S. uns kosten.
TV. B. Berlin, 5. Dez. (Drahtbericht.) Gegenüber der durch eine Korrespondenz verbreiteten Nachricht, daß der Finanzbedarf der Arbeiter- nnd Soldatenräte bisher 800 Millionen Mark betragen habe schreibt die „Freiheit". Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß diese Angaben schon deshalb dem stärksten Zweifel begegnen müssen, weil es ja bisher gar keine Möglichkeit geben konnte, halbwegs ?>,verlässige Berechnungen d«.r von den Arbeiter- und Soldaten raten in Anspruch genommen Beträge oorzunehmen: die allerverschiedensten Stellen, Dutzende, vielleicht sogar Hunderte, wären da zu befragen. 500 Millionen sind eine völlig haltlose Behauptung.
Keine überstürzte Durchführung der Trennung von Staat und Kirche.
Berlin, 5. Dez. Die ..Deutsche Tageszeitung" teilt aus einer Unterredung mit dem Kultusminister Hänisch mit. wie weit von diesem gegangen werden soll. Der Minister denkt nicht daran, unter Provokation der christlichen Volksteile und durch schwere Verletzung in ihren innersten Gefühlen eine überstürzte Durchführung der Trennung von Staat und Kirche zu ermöglichen, wenn- gleich er sie grundsätzlich als Programm verfechte.
Die Sozialisierungskomnrission.
Berlin, 5. Dez. Heute nachmittag tritt di« Sozialisierungskommission zusammen. Der „Vorwärts" er- wartet von ihr, daß ne in gründlicher Bearbeitung größte Arbeit- leisten and b;r 'pälerim Notwendigen' nicht das Mchstliegende vergessen wird. Bon einem großen Teile der Arbeiterschaft wäre in politischer und gewerkschaftlicher Schulung das Wesen des Sozialismus begriffen. Man wird o»n ibr kein Wunder erwarten, sondern einsehen, daß di« Ziele des Sozialismus nur in geduldige, ernster Geistesarbeit erreicht werden können. Aus einem Abgrund, wie er treser gar nicht sein kann, streben mir wieder zur Höhe. Durch einen vier Jahre langen Krjeg verarmt, durch die Niederlage mit neuen drückenden Abgaben bedrobt. wollen wir zu einem Zustand gelangen, der dem körperlich und geistig Arbeitenden einen gewissen Wohlstand sichert. Der Aufstieg ist schwer aber sicher. Die Hastr-
