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Donnerstag, 5. Dezember 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 567.. 66. Jahrgang.
Das Finanzabkommen.
W. B. Spaa, 4. Dez. Der Vertreter der Trans- Ozean-Nachrichtenpejellsckyist meldet: Die Finanz-
kommission der internationalen Wa ffenstillstands- t o m m i s s i o n Unterzeichnete am 1. Dezember das Schlutzprotokoll. worin n. a. folaende Vereinbarung mit- .fletcilt wird: Die deutsclfe Regierung veröffentlicht, drtz keinerlei Maßnahmen zu erteilen sind, welche ihren fiskalischen und privatwirt'chaftl:che>r Besitz in irgendeiner Weife verhindern, da dieser Beutz das gemeinsame Unter' Pfand der Alliierten zur Deckung der Kriegsschulden ist, worauf fie Anspruch haben. Weiter wird veröffentlicht, daß von der deutschen Regierung Eisenbahnen, Kanäle. Bergwerke, Forsten foiute Unternehmungen kolonial- wirtschaftticher, industrieller und kommerzieller Art, welche ihr gehören oder woran sie beteiligt ist. weder zu verkaufen, noch zu verpfänden sind, ferner verpflichtet sich die deutsche Regierung während der Dauer des Waffenstlllstandes keine Goldausfuhr vcrzu- nchmen. Sollte sie sich -unbedingt gezwungen seben, für die normalen Bedürfnisse ihres wirtscknftlichen Bestehens diese Bedingungen abzuweisen, so muß sie vorher die Regierung der Auiierte.l in Kenntnis letzen Die deutsche Regierung verpflichtet sich weiter, außer>h>Ib der normalen Bedürfnisse ihres Wirtschaftslebens aus dem Bestände der A u S l a ri d s w e ch s e l, welche den. Reichs» schatzanrt oder der Reichsbank gehören oder sich in ihrer Eigenschaft als Devisen^entrale in ihrem Besitz befinden, 'einerlei Übertragung in das Ausland weder diiekt noch dl'rch Mittelspersonen vorzimchmen. Dieselbe Verpflichtung wird eingegangen für die ausländischen E f f e k t e n. die der deut'ckjen Regierung und der Reichs- bank gehören oder die ihnen als Unterlagen vonLombard- vnischüssen dienen. Jede .Handlung, die dieser Vereinbarung widerspricht, wird von der Regierung der Alliierten als rechtsungültig angesehen. Die deutsche Regierung wird alle möglicherweise daraus zu ziehenden Fol- gen zu tragen haben. In bezug auf die R ü ck e r st a t- tung der nach Deutschland übergeführten Beträge aus den Gebieten der Alliierten, welche im WafsensiiLstands- vertrag vorgesehen ist, wurde vereinbart, daß die Rückzahlung der aus Belgien und Nordfrankreich stammenden Geldsumn'-m in derselben Währung geschehen soll, wie sie seinerzeit durchgefiihrt wurde. In Fällen, in denen dies' nicht möglich ist, soll die Rückerstattung in Mark erfalaen, und zwar zum provisorischen Kurse von 1,24 Franken für 1 Mark. Jedoch bc- hält sich die illiicrte Regierung das absolute Recht vor. später den Ausrausch üct Markbetcäge gegen französi- schi und belgische ^rankin zu dem gleichen Kurse oder gegen Lieferung von Goldwähimnaswerten aus Basis von Franken für die Mark zu fordern.
MiNons Europareik-.
W. B. Amsterdam, i. Dez. (Drahtberickt.) Reuter meldet aus.Brest, daß Wilson ain 1-2. Dezember, nach- mittags, an L«nd gchen wird. Es werden ihm militärische Ehren erwiesen. Er wird im Namen der Regierung von Leygues und T-irdieu empfangen werden. Der Zug des Präsidenten wird um 1 Uhr morgens in Paris eintreffen.
W. B. New Bork, 1. Dez. (Drahtbericht.) Der Dampfer „GeorgeWasbinaton", der mit dem Präsidenten Wilson nach Europa kommt, wurde mft der st ä r k st e n drahtlosen Einrichtung rusgerüstet, die sich je an Bord eines Schisses befand. Diese Einrichtung wird eS dem Präsidenten ermöglichen, ms der Reise fortwährend mit Dashin.jton m Fuhlung zu bleiben.
Die Räumung.
W. B. Berlin, 3. Der. Das Kriegsmrnisteriuin gibt bekannt: Am 2. Dezember '.nr unsere vorderste Linie gegen den Feind die folgend:: Rhein bis Köln. Westrand westlich Ziilpich-5 Kilometer östlich Gmünd» Blandcnheimerdorf-10 Kilometer südöstlich Schleiden- Traben-Trarbach-6 Kilometer südwestlich Kirn-Kaisers- lautern-Speyer-Rhein.
•W. B. Ludioigshasen, 1. Dez (Drahtbericht.) In N e u st a d t a. H. ist heute von den Desatzungstruppen das Post- und das Bahnhoft-aebäude besetzt worden. — In Ludwigshafen trif beute mittag ein französischer Offizier mit 3 Mann ein und begab sich in das Gauptpostgebäude. Der Televbonverkehr von Ludwigs- Hafen nach dem rechtsrheinisäien Gebiet ist vorläufig eingestellt.
W. B. ÄBIn, 3. Dez. Dar GouvernemenrKöln ist nach Kloppenburg in Oldenburg verlegt worden. Die Geschäfte im Gouvernementsbezirk hat bis auf weiteres der deutsche Generalstabsoffizier im Brückenkopf Köln übernommen. Die Diensträmnc des Generalstabsoffiziers befinden sich im GouvernementsgebäuLe.
W. B. Düffeldorf, 4. Dez. (Drahtbericht.) Der Komman. Tont der belgischen Truppen in Reutz ordnete an, daß von heute «beud 8 Uhr ab jeder Berkehr zwischen den
beiden Rheinufern, also auch auf der Düsseldorfer
Rheinbrücke, ferner der Straßenverkehr Düsseldorf-Neuß, der Schiffahrtsverkehr auf dem Rhein und der Postverkehr auf dem linken Rheinufer verboten ist.
Die ersten Kontributionsforderungen der Besatzungstruppen.
W. B. Berlin, 3. Dez. Der .Vorwärts" meldet: General Nu de nt hat der deutschen Kommission eine Note überreicht, in der für die englischen Besatzungstruppen für den ersten Monat 40 Millionen Mark gefordert werden, für die amerikanischen 54 Millionen. Die erste Rate von '0 Millionen ist am 5. Dezember in Barmen, weitere 30 Millionen find am 12. Dezember in Köln abzuliefern. Die Forderungen über weitere Kosten der Besatzung werden noch bekanntgegeben.
Keine deutsche Soldaten im zu besetzenden Gebiet!
W. B. Berlin, 3. Dez. Die Alliierten und die Vereinigten Staaten haben gestern der deutschen 'Waffenstillstandskommission erklärt, daß sie es nicht dulden werden, daß deutsche Soldaten nach dem Ausscheiden aus ihrem Truppenteil in d-m besetzten Gebieten u m- herirren. Jeder Soldat, der auf dem linken Rhcin- ufer verbleibt, wird von den Alliierten als Kriegs- gefangener behandelt.
Die Londoner AUilertenkonferenz einstimmig für
Verlangen nach Auslieferung des Kaisers.
W. B. London, 3. Dez. ^Reuter.) DieKonferenz zwischen der? britischen, französischen und italienischen Vertretern ist am Morgen in der Downing-Street wieder ausgenommen worden. Vorher hatten sich dre Mitglieder in den Räumen des Premierministers versammelt. Die Konferenz wird heute nachmittag fortgesetzt werden. Man hofft die Arbeiten heute abend zu beendigen.
W. B. London, 3. Dez. «Reuter.) Wie Reuter erfährt, hat sich bei den Beratungen der Londoner Konferenz gezeigt, daß man e r n st l in m r g der Ansicht ist. daß von Holland die Auslieferuna des E rck a i s e r s und des Exkronprinzen wegen Verletzung des Völker- rechtes während des Krieges verlangt werden kann.
Der offizielle Einzug der französischen Regierung in Elsas».Lothringen.
Br. Genf, 4. Dez. >'Eig. Drahtbericht.) Präsident Poincar6-wird am Samstag Paris im Sonderzuq verlassen, um seinen anqeknndigrcn offiziellen Einzug in Elsaß-Lothrinqen zu halten. Der Präsident wird am Sonntag und Montag Straßburg betuchen. In einen, zweiten Sonderzug werden die Vertreter der beiden Kammern, insgesamt 300 Deputierten und 100 Senatoren. sowie das diplomatl'che Korps der Entente dem Präsidenten folgen.
W B. Bern» 3. Dez. Mirmant, der Oberkominiffar für Elsaß-Lothringen, hat angeordnet, daß überall wieder die früheren französischen Bezeichnungen eingeführt werden müssen. Die deutschen Straßenschilder und die deutschen F i r m e n i n s ch r i f t e n sind zu entfernen. Ferner hat der Generalinspekteur für den öffentlichen Unterricht in Elsatz-Lnthringen, Houlet, dem Straßburger Korrespondenten des „Petit Parisien" erklärt, daß das gesamte Unterrichts- wesen mit den französischen Universitätsorganisationen in Einklang gebracht werden muß. DaS gesamte deutsche Lebr- personal wird abgesetzt Die deutschen Kollegien auf der Universität wurden heute schon eingestellt. In den Gymnasien und Schulen wird die Umbildung so schnell wie möglich vorgenommen, wobei ftanzösisck>e Lehrer, womöglich Elsaß-Lothringer, herangezogen werden sollen.
Freies Geleit für unsere Truppen aus Finnland.
W. B. Berlins. Dez. Tie deutsche Waffenstillstandskommission meldet aus ävaa Tie Entente sicherte unseren in Finnland befindlichen Truppen freies Geleit nach Deutschland zu.
Keine Internierung der Armee Mackensen?
W. B. Berlin» 3. Dez. Das Auswärtige Amt teilt mit: Nach dem bisherigen Ergebnis der Verhandlungen in Spaa über den Rückmarsch der Armee Mackensen durch Ungarn be- stebr die begründete Hoffnung, daß die Armee nicht interniert wird und ihren Heimmarsch f o r t s e tz e n kann.
Zur Haltung Ungarns.
W. B. Budapest, 4. Dez. (Drabtbericht.) Nach einer Mitteilung des Budap fiter Abendblattes habe sich die ungarische Regierung, der Aufforderung der hier weilen» den militärischen Entenlc-Vertr-rer folgend, zu der Auffassung bekannt, daß im Ai ans des Waffenstillstands- vertrageS die divlomatisisien Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn nickst irwher aufrecht erhalten werden können. In diesem Sinne soll eine Mit- teilung an den deutschen Generalkonsul m Budapest, den Grasen Fürstenberq. ergehen. Von informierter Stelle wird demgegenüber festgestellt,, daß eine Aurfor- derung der Entente in dem oben bSzeichneten Sinne an dir ungarische Regierung allerdings ergangen ist, jedoch ist eine Entscheidung bisher nicht gefallen.
Die gewaltsame Ausschaltung des Reichstags.
Ebert-Harsc an F'hrcnbach.
Berlin, 3. Dez. Die Reichs regierung. hat folgendes Telegramm an den Präsidenten Fehrenbach aus dessen Protest gerichtet: Ihre staatsrechtliche Auffaffung ist unbegründet. Alle Zivil- und Militärbehörden erkennen mit Recht an, daß die gesetzgebende Gewalt beim Rate der Volks- beauftragten ruht. Wir waren deshalb zu den von »ns getroffenen Maßnahmen befugt und halten sie ausrecht. Ebert. Haase.
Die neuerlichen Vorgänge in Berlin.
W. B. Berlin, 4. Dez. (Drahtbericht.) Die vorgestrigen bedauerlichen Vorgänge beim Einmarsch der Garde-Funker unter Vorantritt von 6 Offizieren und unter gegenrevoluiionären Kundgebungen veranlaßten die Delegierten bezw. Kommandeure von etwa 20 Berliner Regimentern, in einem zu diesem Zweck veranstalteten Zusammen- , sein nachdrücklich gegen ähnliche Absichten, von welcher Seite sie auch kommen mögen, Stellung zu nehmen. Sie faßten, um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und um mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Einflüssen, die daS Wirken der Regierung im Sinne der sozialen Revolution beeinträchtigen könnten, entgegenzutreten, folgenden Entschluß:
1 Die versammelten Vertreter der Regimenter des Garde- korps wählen unter Hinzuziehung der hier nicht anwesenden Truppenteile am morgigen Tage einen siebengliedrigen Groß- Berliner Aktionsausschuß als oberste Instanz zur Wahrung aller da? Gardekorvs betreffenden Angelegenheiten. 2. Die bier anwesenden Vertreter von Regimentern des Gardekorps wählen einen fre-en Ausschuß mit dem Auftrag, der vom Arbeiter- und Soldatenrat eingesetzten Regierung Ebert-Haase ihr Vertrauen und die Versicherung auszusprechen, daß namentlich die gesamten Regimenter der Regierung Ebert- Haase rückhaltslos zur Verfügung stehen, um die Regierungsherrschast der sozialistischen Revolution und ihren sachgemäßen Ausbau gegen schädigende Einflüsie, von welcher Seite sie auch kommen mögen, mit allen im Augenblick erforderlichen Mitteln zu schützen. /
Geste» Sols und Erzbrrger.
W. B. Berlin, 3. Dez. Der 53er-Ausschutz, der die gesamte Vertretung der Marine darstellt, bat sich dem Beschluß des Berliner und Münchener Vollzugsrates auf Entfernang Sotts und Nichtzulassung Erzbergers zu den FriedeuSver- handlungen angefchlossen.
Die Eingriffe der A. u. S. in dem Ernährungswesen.
W. B. Berlin, 3. Dez. (Amtlich.) Beschluß des Reichs- auc-'chusses. An alle Arbeiter- und Soldatenräte des Reiches! Das Reichsernährungsamt beklagt sich darüber, daß die Fälle sich mehren, in welchen die Arbeiter- und Soldatenräte Eingriffe in die Saatkartoffelbestände vornehmen. An alle Arbeiter- und Soldatenräte ergeht daher die dringende Mahnung, allen Anordnungen der Reichs- bezw. der Provinzial-Kartoffelstellen sowie der Saarstellen Folge zu leisten und den unberechtigten Eingriffen in das gesamte Ernährungswesen mit allen Mitteln vorzubeugen. Der Boll- zugorat des Arbeiter- und Soldatenrates Groß-Berlin
Die Neugestaltung des Schulunterrichts.
W. B. Berlin, 4. Dez. (Drahtbericht.! Das neue preußische Kultusministerium erläßt Aufrufe an die Lehrer und Schülerschaft der höheren Schulen, in denen die Richtlinien für die Neugestaltung des gesamten Erziehungssystems in freiheitlichem Geiste aufgestellt sind. In dem Aufruf an die Lehrerschaft, von der wissenschaftliche Objek- tivilät im Unterricht und Unterlassung jeglicher politischer Verhetzung verlangt wird, heißt es: Deuischlands furchtbare Niederlage stellt auch die Erzieher vor eine schwere Prooe der Einsicht und des Charakters. Es liegt nahe, nunmehr in der. Jugend das Gefühl von Haß und Rachsucht gegen unsere Fpinde zu nähren und dabei des Glaubens zu sein) daß man lediglich ein hochgesteigertes vaterländisches Empfinden in der Jugend zu wecken sucht. Wir müssen uns auis ernsteste gegen jeden Fanatismus wenden. Hatz und Rache darf auf keinen Fall der Jugend gepredigt werden, auch dann nicht, wenn die Feinde uns öffentlich unrecht tun. Mit dem Gedanken der Rache darf nicht gespielt werden. Immer müssen wir an der Hoffnung und an dem Willen festhalten, daß einstmals der Völkerhaß auf der Erde ganz auksterben und daß dieser Krieg der letzte gewesen sei. Wir besteben unverbrüchlich darauf, drtz jedenfalls die Schulen nie wieder zur Stätte der Volks- Verhetzung und Kriegsverherrlichung werden. Der Ausruf wünscht, daß der Erzieher nicht Vorgesetzter, sondern mehr als ein älterer führender Kamerad ihrer Schüler betrachtet und wenigstens im amtlichen Verkehr mit den Schülern diesen die Freiheit des Wortes und der Überzeugung einräumen soll. In dem Aufruf an die Schiiler wird erklärt, daß sie in Anbetracht auch der von der Jugend gebrachten Opfer nicht mehr als unreif und unmündig behandelt, sondern vielmehr unter eigener Verantwortung an der Gestaltung dieses Lebens Mitwirken soll. Dazu werden folgende Einrichtungen bestimmt- In sämtlichen höheren Lehranstalten findet alle zwei Wochen eine Schuktzemeinde, d. h. eine völlig fieie Aussprache vcn Lehrer und Schüler über die Angelegenheiten des Schulwesens, der Disziplin, Ordnung usw. statt. Die Leitung der Versammlung hat ein von der Schülerschaft in geheimer und gleicher Wahl ernannter Lebrerl In der Schulgemeinde bat der Schulleiter und das ganze Kollllegium tchlzunebmen. auch haben Schüler von Obertertia an auswärts Zutritt. Die Schulgemeinde kann chre Wünsche und Meinungen in Form von Entschließungen zum Ausdruck bringen. Anordnende oder gesetzgebende Besugnisse hat sie jedoch zunächst nicht
