ertft L. Samstag, 30. November 1918.
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MesdavLner TagME.
Morgcn-Ansgabe- CrstcS Blatt. Nr. NS.
Wiesbadener Nachrichten.
— Ein Erlaß an Offiziere. Der Oberbefehlshaber' der Heeresgruppe C, v. Gollwitz, gK»t fÄßenden Erlaß zur Kenntnis: An verschiedenen Stellen im Heimatgebiet haben Offiziere und aber« Mlitävbevmte ihre Posten verlassen. Das OffizierkcrpZ des Feldheeres hat sich in ferner Gesamtheit der gegenwärtigen Regierung zur Verfügung gestellt, um mitzu- ivirken bei der geordneten Demobilmachung des Heeres. Alle Offiziere und obere Militärboamien im Heimatgeknet werden ersucht, auf ihren Posten zu bleiben und die schwere Aufgabe der Demobilmachung zu initcrstützen. Zuwiderhandelnde werben zur Rechenschaft gezogen werden. Wer seinen Posten verläßt. verliert seine Stellung und den Anspruch aus Pension.
— Zur Frage der Knrtssfelliefrrung a«S dem Landkreis Wiesbaden gehen uns fortgesetzt ein« große Anzahl Zufchrff- ten zu, die beweisen. daß die Beunruhigung von Tag zu Tag größer wird. Eine derfeDcn lautet: Auch die H.'inge Ausführung der Stadtverwaltung über die bis zum 15. Dezember gelieferten Kartoffeln kann nicht ohne Beantwortung bleiben. Die Stadt fühlt sich in dem Bewußtsein, den Einwohnern gegenüber ihr« Schuldigkeit getan zu haben. Das trifft aber nicht zu. Di« von der Stadt gelieferten Kartoffeln waren von schlechter Beschaffenheit und durch Fäulnis zum Teil un- genießbar. Hierdurch gingen dem Verbraucher mindestens 30 Prozent verloren. Die gelieferten Kartoffeln können also nicht diS mm IS. Dezemker ausreichen. Wenn daö LandratS- amt der Ansich: ist, daß die Winterlartoffeln erst vom 15. Dezember ab gefordert werden können, so muß den beiden Behörden die Frage vorgelent werden: .Wer leistet Ersatz für die gelieferte ungenießbare Ware?" Es ist höchste Zeit, daß man sich endlich darüber einig wird, damit die Erregung in der Bevölkerung nicht auf die Spitz« getrieben wird.'— @ia kaufmännischer Kritiker sagt: Für di« Kartoffellieferung haben die Haushaltungen feit 2 Monaten ihr gutes Geld eingezahlt. Die Summen gehen in die Hunderttausende. Wo» wird dann mit den auflaufenden Zinsen angefangeu? Kein HauShaltungSvocstand hat nur «inen Augenblick daran gedacht, daß er seine Winterkartoffeln am 16. Dezember — in todsicher erfrorenem Zustand — bekommen werde. Der Einwand, daß t-ie Kartoffeln verspätet eingebracht worden seien, ist nur in beschränktem Maße zutreffend. Ich kann ja auch, wenn ich 1H b-t S0 M. fiir den Zentner zahle, so viel Kartoffeln haben, als ich will! Was für den Landkreis Wiesbaden gesagt wird, g.lt auch f.'rr den UntertaunuSkrei». Wir hätten längst alle unsere Karloffcln, wenn man «S beim voriajähriaen Modus gelassen hätte.
~ 3 «r Ausgabe von städtischem Kriegsnotgeld. Die
ReichSbaichtellen Mainz und Wiesbaden find durch daS Reichsbankdireltorium in Berlin angewiesen worden. daS von den Stätten Mainz und Wiesbaden hcrauSgegrben« Kriegs« Notgeld wechselseitig in Zahlung zu nehmen.
— Der Personenverkehr nach Mainz und RüdrShrim gesperrt. Einer Mitteilung der Eisenbahndirektion Mainz ge» mäh ist seil gestern vormittag der Personenverkehr zwischen Mainz (Hauptbabnhof) und Wiesbaden, bezw. Mainz-iHauvi- bahnhofi-Biel-rich-Wesl.RüdeSheim über die Kafferbrücke bi» auf weiteres gesperrt.
- Politische Bildung der Jugend. Wir stehen vor den Wahlen zur NationaL-ersammlung, an denen auch dir Jugend vom 20. Jahr an teilnehmen soll. Wie ist in aller Kürze die mangelnde politische Aufklärung der Jugend zu erreichen? Die Unterzeichner deS Aufrufs in der gestrigen Abendausgabe, die keiner Partei argahoren, beabsichtigen. Männer und Frauen aller Parteien zu bitten, vor der Jugend ihre politischen An« schauungen zu entwickeln. Die Versammlung findet am Sonntag. den 1. Dezember, nachmittags 6 Uhr, in der Aula der Lyzeums 2 am Bossplatz lnicht, wie fälschlicherweise geschrie« ben war. am Schloß platz) statt.
— KleinbeleuchtungSmittel. Das Petroleumamt gibt im Anzeigenteil bekannt, 'daß im Monat Dezember wieder zwei
E Verteilungenvon Petroleum statffinden. Zunächst wird da» rld v der Petroleumkarte vom 2. bis zum 12. Dezember in rültigkeit gesetzt und darauf nur Petroleum abgegeben. Für Mitte de» Monats Dezember ist die zweite Verteilung vorge« sehen, bei der außer Petroleum noch Kerzen und Karbid ah. gegeben werden, mit deren Anlieferung biS dahin gerechnet wird. Tank der noch im Deutschland lagernden und jetzt frei« gegebenen Petroleummengen brauchst rm Monat Dezember noch Leine Kürzung der bisher zur Verteilung gelangten Petroleum« menge vorgenommen zu werden. Der Vcrkehrrschwieri^kmten wegen mußte die Stadt da» ihr zur Verteilung überwiesen- Petroleum schon im Lauf de» Monat» November übernehmen, da der Älebasterraum der festen Verkaufsstellen für die Aus« nähme dieser Menge 'bei weitem wicht auSreichte. wurde e» not- wenditz, vorübergehend eine Reihe weiterer für den Petroleum« vertrieb eingcr-chteten Geschäfte zum Verkauf heranzuziehen.
Bei der Durchführung der für die Petrolerimverteilung nach Act de» festen Kundensystems geschaffenen Organisation entsteht nun durch die Vermehrung der Verkaufsstellen eine gewisse Schwierigkeit. Es muffen nämlich die Kunden einer bestimmten Verkaufsstelle einem anderen Geschäft überwiesen werden, und sofern besten Behälter raum kleiner ist als derjenige der festen Verkaufsstelle, muffen die Bezugsberechtigten nach Leerung des Behälters an ihre feste Verkaufsstelle zurückverwiesen werden Wenn dadurch für einzelne auch doppelte Wege entstehen, so ist doch.jedenfalls der Petroleumbezug sichergcstellt, was heutzutage die Hauptsache ist.
— Der Organisten- und Kantorenoerein im Regierungsbezirk Wiesbaden hatte sich mit einer Eingabe wegen Regelung der Organistenbesoldung und der Anstellung der Onanisten an die diesjährig« Bezirks,ynode gewandt. Dre Eingabe war mit dadurch veranlaßt, daß die organische Verbindung zwischen Lehr- und Oryanistenamt unter Befürwortung des „Orgr- nistenvereins" gelöst und damit die Pensionsfähigkeit de? kirchlichen Einkommens verloren gegangen war. Di« Synode beschloß, den Antrag der Knchendchörde zur weiteren Behandlung der Angelegenheit zu überweisen und den Gemeinden zu empfehlen, wo die Mittel dafür vorhanden find, den Organisten KriegSteuerungSzulagen zu gewähren, zi'gleich di« Behörde zu bitten, die AnstellungSeerhültniffe der Organisten, Kantoren und Vorleser einheitlich «t regeln.
— Zur Beachtung für alle zu besetzende« Gebiet«; Der Regierungspräsident zu Koblenz macht zur Besetzung des dortigen Regierungsbezirks folgende» bekannt: Der Bevölkerung :st mt Verkehr mit dem Feind ein ruhiges, angemessenes Verhalten zu empfehlen. Nur wenn sie dem Feind mit deutschem Stolz begegnet, wird sie auch von ihm drezentg« achtungsvolle Behandlung erfahren, auf die sie nach den Heldentaten unserer Truppen Anspruch hat. Jeder Mann, jede Frau muffe die mitionale Ehre und Würde Hochhalten. Jeder möge zur Auf» rechterhalturig der Ordnung und Ruhe beitragen.
— Abtransport bet transportfähigen Kranken und Verwundeten. Einer Drahtmeldung au» Berlin zufolge werden nach den weiteren Vereinbarungen der WaffenstillftandSkom- mission mit den Alliierten alle rronSportfähigen Kranken und Verwundeten aus den deutschen linksrheinischen Gebieten und den Gebieten der Brückenköpfe abgeführt.
— Sachgemäße Sufbewahrnng der Waffen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß alle Waffen, insbesondere Jagd- gewehre. Hieb- und Stichwaffen, gegen «ine Gebühr in den Kellergewälben der Polizeidirektion sachgemäß angenommen und aufbewahrt werden können. Die vereinten Wiesbadener Waffenqeschäste von Herrn Bartels, Seelio und Doerfch haben sich bereit erklärt, die Annahme fachgemäß zu leiten, di« Waffen zu pflsoen und sie vor dem Verderben zu schützen. Die An: ahmezeit soll von Dienstag, den 2. Dezember, morgen» von bis 12 uhr, eirmehalten werden. Eine ,'tcher« Garantie für die abgegebenen Gegenftäilde kann nicht gewährleistet werden, doch rechnet man damit, daß der französisch« Kommandant mit dieser Einrichtung zufrieden sein wrrd und man alles dort belasten kann. Die Gewehre, welche von dem Kommandanten zur Ausübung der Jagd freigraeben werden, können koforr wieder ausgehändigt werden.
Dorberlchtr über Kunst, DortrSqe und Verwandter.
* SurhanS. Zn Ehren ht auf dem Wege In die Heimat hier einqua, »irrten «riefe» ,'nt lür Samrtag, Sonntag, Montag und Tr-nSt-godend in dem festlich geschmückten große» Saale besondere Krieger-Konzerte i-rrgesehen. Da der Besuch voraussichtlich kehr stark sei» wird, müssen an den kezeichneten Abenden bi« Abonn«. ment», und Tageskarten «her Gültigkeit gesetzt werden.
* Konzert. Der ,B«rein der Künstler und Kunstfreunde" verpflichtete das trkani.tc Schörtz-Ouartelt aus München für kommen, ben Dienstag, abends TM* Nhr, im Zioilkastno. Es kommen rr„^ , teite von Haydn, Schumann und Beethoven zum Bottrag.
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Der Rückmarsch b*r Fronttruppra.
= Mainz, b!>. Nor Dem .Mainpr Anz" wird üb« den Rückmarsch utii von anderer Seite aemtttet: Der Rückmarsch der Fronttruptcn, d«« jetzt am Rhein aafommen, gleicht einer Hochs ur. Stündlich überschreiten Zrbmausende den Fluß, ab« noch imm« ist di« Frag« rsfe», ob ti nwplich kein wir», alle Truppenkörper rechtzeitig noch dem rechtsrhlinischen neutralen Gebier htnüberzn. bringen. Man ha» leider schon einen Teil der schwiertgsten Transporte ansgeben muffen Da es nicht möglich war, alle La za. rette tm besetzten Gebiet zu räumen, mußten viel« Lazarette mit den Kranken und Verwundeten sowie mit Ärzte- uno Pflegepersonal zurncktkeiken. Die spanisch« und die hollLndis.hr diplomatische Misl-on in Brüssel wurden gebeten, den Schutz dieser Laza-ttte zu ükcrtichmen Sehr bitter tft, daß sehr viel M a»er iel zurnckgclessen werden mußte, nur zwar nicht nur Munition und Kriegsgerät, sondern auch Eisendrhn- mrd Btückenmatctial, las vir gerade jetzt sehr gut hätten gebrauch»., können. Dazu krnnnen »och tie Proviantlager und Be.
kkeidungsmoxozine, denn Plünderung die erst« Tat der feindlichen Berölkerung war. Wenn j« deutsch« Orgaursation sich bewährt hat. kann bei diesem Rückmarsch, wobei orr van den Feinden zuaeslandenen gcringen Fristen die schwerste Gefahr für das GcNngen puderen Wenn ttatz dieser schier unmöglnhen Bedingungen alles klappte, so ist daß den! Keneralftad des Feldheeres m danke:: Man muß, sc 'chreiat die »Boff. Ztg.'', daran er.
rnnern, daß der Beginn desWaffcnstillstandeS mtt dem ersten Tag der Revolution zvsammrnftel und der festgefügte Körper der Front znsammenzilbrechen drohte. Daß' cs »hr gelang, die drohende Un- ordnung, namentlich durch di« Maßnahmen lokaler Soldatenräte, im Keime zu crslicken und die Frontarmee wieder fest in die Hand zu bekomuien, muß der Heeresleitung doch angerechnet werden. Die Etappe, deren Rns durch die lang« Dauer der Krieges nicht gerade bester oemorten war, blieb leider nicht bis zuletzt treu und entlief einfach in di« Heimat, brachte Unruh« und Verwirrung in den Verkehr, und diese Tisziplinlofigkeit kostete dem Vaterland Hunderte von MUlienen, Jetzt aber herrscht größte Ord. nun«. Es ist knie geneirc Gliederung «nd Verteilung der Armsen aus d«e einzelnen Straßen erfolgt. Jeder Truppe.rkörper gehört zu einer Marschgruppe, die eine bcscndcie Marschstraße erhält. Der« eint schlagen und getrmnt marschieren, war immer preußischer Grundsatz gewesen.
HarcdeistejJ.
Berliner Börse.
K Berlin, 28. Nov. (Eie. Drahtbericht) An der Börs» Überweg zwar anfanes wiederunj da* Angebot und einzelne Werte, wie Badische Anilin tihd Elberfelder Farben, sowie Rbeinnielali er litten 4- bis 6proz. Kurseinbußen. In» alltremeicen bekundete sich aber eine entscheidend» Widerstandsfähielieit und das Derkuntrabedürtnis sowie in gewissen Füll« auch 8tützunfskftufe der Banken führten bald zu einer E t h o 1 u n e. Bemerkenswert war die Festigkeit des Sebiflahrisak tienmarktea. wo Pensa eenen cestern tiefc un mehr als 8 Proz. und Hamburs- Südan-erikaniwhf um 2 Proz. bewerten. Auch sonst konnten, sich noch einzelne Werte Über den gestrigen Stand hinaus heben, wie Boohumer, Bismarekbütte und Phönix. Paimlertklieii Inster, zehwach und ebenso gaben Deutsche Kali der gestrigen schlieftfchen Abschwächuna weiter nach. Auslandswerte verke hrten in fester Haltuns. Von Anleihen zeigten 6sterreirhi?ch-us «arische gute Haitune, während deutschs sich weiter absrhwSchten. Die Börse schloß für Dividenden werte Lllgeneio schwach.
tanken uni Geldmarkt.
* Eeirbshank. In der Zentralaussrhußsitznmr der Reiehsbaak gedarbte Präsident Di. Havenstnin in wannen Worten der Broten Verdienste, die sich das verstorben3 Mitglied des Zentralausschusses Albert ßatlin am die Rekhstank und das gesamte Wirtschaftsleben erworben habe. Weiter verwies er auf die gewaltigen Entnahme« ar Zahlungsmitteln in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende November ä. J. Er beleuchtete dabei die «roßen volkswiitscbaftlichen Schäden der Hamsterei von Bankroten. die allerdings jetzt wieder im Abnahmen begriffen sei. Das Ergebnis der 9. Kriegsanleihe nannte Exzellenz Havenstem aneesiehts der bestehenden Verhältnisse erstaunlich gut und betonte dabei das überaus Hotte Zeitmaß der Einzahlungen.
* Zinszahlung der österreichische» Kriegsanleihen Nach einer Veröfienllichune der Zahlstellen für österreichische Kriegs«»leihen hat das k u. k. Finanzministerium für die 4 und R Anleihe die Anordnung getroffen, daß die am 1. Dezember fällig werdenden Zinsscbeine bis au! wei eres angekauft werden, und zwar zum jeweiligen Kurse für Auszahlung Wien.
rlarktberio'iti.
W.-T.-B. Berlin. 29 Nov. ( Drahtberieht.) Die Anfuhren von Brotgetreide an die Mühlen haben sich in den lebten Tagen vergrößert uni scheinen erfreulicherweise anzudauern. Im hiesigen Verkehr zeigte sich lebhafte Nachfrage »ach Kohlrüben zu Futferzweck vi. doch ist das Zustandekommen von Abschlüssen natürlich von der Freigabeerlaubnls abhängig. Für OemüseSämereien hält diu Nachfrage an. Bemerkenswert ist. daß die kürzlich festgesetzte» Kontrakte für Früh- und Herbstaemüse von der Ernte 1Ü10 in ihren wichtigsten Punkten verändert worden sind. Die neuen Richtpreise, die von der Reichskommission für Oeit'üfesämei eien nekannt .rcmacht worden sind, weiche» von den in* Ai" 0 '«i feef<«e«etzten Preisen nur wenig ab. Heu und Stroh bleiben knapp.
Dt« Norgen-Ausgabe umfaßt S Seiten.
Haupttchrtftletter- «. tz«,«r!,»rn.
»«wntwortN» ftlr SdeEtwl: *. HegerdorN: ftlr ooNtttch» Nachttckwm «wo den Handel W. Ltz: für den Unlerdallungeieil s. » Nauendorf, für den letalen und orootnneNen Teil und Senchtslaal: t. Loeacker.' ffic di« Anzetg«. und Reklamen. H. Darnauk. ISmiltch m wiendadaa' Druck». Verlag der L. »chetlenbers'Ichen Hotbuchdruckerei m wleodaden^
«orechNunde der Schrtltleituna ir dt» I Uhr.
(8. Fensetznna..
Nachdruck verboten.
Die tVedernanns
Roman von Ilse Dore Tunner.
„Ich dewunuere n>ü» :ct) majt kann", sprach sie weiter, ohne der kurzen Antwoit des Leutnants Beuch- tuna zu schenk-n. „iü, bewtlnd-re also besonders die un- ermüdliche Tätigkett der Damen dieses HTuseS.. Ich könnte das nicht und eigentlich sollte man doch diese Arbeiten den Wirtschafterinnen überlassen', «S qibt deren ka so viele, die Sleüunq suchen."
Wedeniann wußte sch-in qenücend von ländlichen Ver- höltnissen, um darüber klar zu fern, daß im Gegenteil gute Wirttnnen und Kau-hilfen für Gutswirischaften sehr knapp waren, aber er wollte seine Nachbarin durch einen Widerspruch nicht kränken.
Dabei schweifte sein Blick hinüber zu der anderen Tischseite, wo die beiden Töchter deS Hauses saßen. Helene trua zum schwarzen Rock eine rotsridene Bluse, dazu einen kleinen Kraa-m und Manschetten von -selb- lichen echten Spitzen und eine große Goldbrosche. Käthe, die Braunäuniae, prangte in einer blaiiseidenen Blltsz, die übrigens thr»r fri'chen Haut aut kleidete, und dos Tülljabot war mit zwei qakreuzten Ähr.-n, dem Wappen- zeichen der KöttsmuS, aon starkem Gold; befestigt, die auf jeder Grane einen kleinen Diamant zeigten.
„Ja, ich bewundere die Damen auch", stimmte Wede- mann bei. und er war sich bewußt, mit diese-n Urteil die lauter- Wahrheit ntsaqt ttt haben.
„Ach. wie schab' w-nn dieser flotte Leutnant mit dem Gute des Onkels im Hintergründe etwa eine von den Kötlerauer WirtschaftSsttnatikerinnpn heiratete!" hatte Mathilde aedacht, als ihr der Volontär voraestellt wurde. Beim Kaffee aber hatte ne sestpestellt. daß er doch „ein panz anderer" Mann sei. und nachdem ste das Terrain leicht untersucht, ob diese Art Damen Wedentanns Interesse erregten, wechselte ste das Gespräch und ließ sich höf- Irch interessiert von seinen Schwestern und ihrem kunst- schönen Dabeuo in Cb>irlottenburg erzäblen.
Bei Jobst Wedeinann stand es fest, den Besuch in Lupelin nicht zu versäumen, um im Gesprö-H mit Mathilde, die auch musikalisch war, nicht alle seine bisherigen Interessen verkümmern zu la>s;n.
Dabei wa- es ihm anaenehm. daß Mathilde Rollin- aers Auskunft ihm dis beiden anderen Jiamiiieli näher- brachte>E Herr und ftrau von Bandoni auf Bandews- felde, die sehr häuslich lebten, weil ssirau von Dandows reich uefüllte Kinderstube ihre aanze Kraft und Zeit in Anspruch nahm, und di» auch hente schon wieder sorgend nach der Uhr blickt», da ste nicht, wie ihr Mann, zum Abendessen blieb, sondern zur Schlafenszeit ihrer vier Jüngsten, unter denen ein halbjähriaes Zwillingspaar war. wieder daheim sein tollte.
Dann war noch da der Amtsrat B-iremveihcr, der durchaus nicht den Eindruck emsS Landwirts machte, sondern in seiner pedantischen, Vortragenden Art etwas von einem Professor hatte.
Seine weittragende und wohlgesibte Stimme (er hiell öfters Vorträge üb-r landwirtschaftliche, nationalökonomische und sozialpolitisch» Jsraaen im Belvederesaol der Kreisstadt) schallte fortwälnend über den Tisch, sobald Pausen in dem allgemeinen Stimmenarw'.rr entstanden, hörte man die dozierend»» Töne: .Nein — nein — wie ich klhnen schon sa.lte. die Feldwirtschaft darf niemals auf Kosten der Bi chwirtschaft vorqizoaen werden. Meine Wiesen — —"
„Wahrhaftig, der AmtSr.it ist wieder auf seinen Wiesen", flüsterte Mathilde in loiniskliem Entsetzen, „na. von denen kommt er nicht bald wieder herunter wir werden hören, wieviel Finde«- Heu der erste und d»r zweite Schnitt in den letzten zehn fahren brachte, der Mann hat dafür ein unheimliches Gedächtnis. Gut, daß ich nicht seine Zrau bin."
„Ich bin den Herrschaften jo eilig vorgeftellt worden, daß ich gar nicht rocht weiß, wo die Amtsrälin sitzt."
„Da — neben firau von Kotterau."
Jobst sah hinüber, wo an der schmollen Ouerseite ba
Tafel das in grauem Damastgewande Drängende Geburtstagskind saß.
ftni» Amtsrat Berk»nweiher war klein, zierlich, sehr elegant gekleidet und trug die grauen Ljaore zu einer kunstvollen Jirisiir getürmt. In ihrer Nahe faß die Schwester ihres Mannes. Fräulein Berkenweiher, die fast taub, mit einem Hörrohr bewaffnet sich nicht an der Unterhaltung beteiligen konnte, aber mit lebendigen, grauen Augen freundlich umherichaute.
AIS man, nachdem endlich der Kaff,'»tisch verlassen worden war, sich zwinglos in den beiden Wohn- zimmern tmd des Freiherrn Zimmer bewegte, wurde Wedemann von seiner gesprächigen Nachbarin getrennt, dt« sich nun wohl oder üb»! den beiden Haustöchtern auch widmen mußte. Er geriet, als der Freiherr .'sigarran onbot, in den Kreis des '«lehrten A.-ntSratS. der ihn so- wrt aufforderte, ihn doch zu besuchen, seine Muster vcn Saatkorn und seine australischen Han.wel zu besichtigen, »nd dann gleich daran die Aufforderung knüpfte:
„Wenn Sie etwas Liichtiaek in so kurzer Zeit von zwei Volontärjahren lernen wollen, so müssen Sie sich unbedingt meine Lehrbüitzer anschaffen. Schütt und Weise haben sic verlegt — und Schütt und Weise der- legen nur erstklasiigr wissenschaftliche Werk»."
. Fortsetzung ?olgt.
Nene Bücber.
? -Kenr-k Werbtnsn* Meyer and I„ 1 iu, R r b c n b t r p*. ttm Bn«üveL,el, herousgkqebrn von August Sangmesstr. (r'e»it„, B-rloa von Gebrüder Patte, (Dr. Georg Pvct»l„ Sin superkluger «viistrichter hat neuerdings per- h-ck-t. den «roßei Lchwei/cr Eviler und Meister der sistortschen Novelliftik alt fühl ktnwßten Kunstgrei« un« zu verleiben. Wer fiese neue Mode nicht mitmacht, der wirb mir vollem Anteil dtesea Briefwechsel kogiüßen, in dem der Dichter mit leinen, 'Uerarischrn Freunde und fluyen Anreger iiber seine SchSpsungcn sich aussprichb Em Blick in die Lichtrrwrrlstatt wirb un« jo verminnt, aller auch Ser geschästskunttg« Hc,m-ktzeber der .Deutschen Rundschau", per
8 L»«LLl'L'«»L°' " mmx ‘
K. P.
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