Verlag Langgasse 21
„Tagblattha»»-.
Schaltce-Halle geäffnti von S Uhr morgens bis 7 Uhr abends, Postscheckkonto: Frankfurt <t. M. Nr. 7405.
Wöchentlich
Bezug»-Preis für beide Ausgaben : Mt. 1.40 monatlich. Mk. 4.20 vierteljährlich durch den Verlag Langgasse 21, ohne Brtngerlohn, Mt. 5.26 vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bismarckring lg, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und m den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
^-gbl-tthaus" Nr. 6650 - 53.
Don 9 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags. Psstschecklonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.
Anzeigen-Preis für die Zelle: 25 Pfg. für örtliche Anzeigen: SS Pfg. für auswärtige Anzeigen; 1.26 Mk. für örtliche Reklamen; 2.50 Mk. für auswärtige Reklamen. 20 "/s Teuerunas-Zuichlag. — Bel wieder. Holter Aufnahme unveränderter Anzeigen entsprechender Nachlaß. — Anzeigen-Annahme: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags; für die Morgen-Ausaabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Berliner AbteUung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin IV. 57, An der Apostellirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.
Freitag, 29. November 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr 558. • 66. Jahrgang.
Hindenburg an das Feldheer.
IV. T.-B. Berlin, 28. Nov. Hindenburg richtete folgenden Aufruf an das Feldheer: Soldaten, di? Ihr mehr als vier Jahre lang treu in Feindesland aaögchalten habt, denkt daran, nie unendlich wichtig es für Heer und Heimat ist, daß sich die Rückführung der Armeen und die Entlassung ihrer Verbände in voller Ruhe und Ordnung vollziehen. Nur wenn jeder einzelne von Euch treu auf seinem P o st e n bleibt, dis die Stunde der Entlastung aus den Reiben des Heeres für ihn gekommen ist, wird es gelingen, die mannigfachen Reibungen zu überwinden, welche die Rückführung sclcki gewaltiger HeereLmasten mit sich bringt. Soldaten, die Jbr so oft in Zeiten des Kampfes selbstlos Euer eigenes Ich dem Mehle des Ganzen untergeordnet habt, vergebt auch jetzt nicht, daß die Heimat in letzter Stunde von Euch Opfer fordert. Sie sind gering gegenüber all dem. was Ihr in den vier langen Jahren des Krieges geleistet habt. Alles, außer den Jahrgängen 1 R 9 6 b i S 1 8 9 9, die zunächst bei den Fahnen bleiben, soll so schnell wie möglich entlasten werden. Laßt Euch nicht verführen, vorzeitig und eigenmächtig Euren Truppenteil zu verlassen. Vergegenwärtigt Euch stets, zu welchen Schwierigkeiten bei der Unterbringung und Verpflegung sowie im Abtransport es kommen mutz, wenn jeder einzelne von Euch regellos nach Hause strebt.
Die Ordnung zusammenzuftalten, ist jetzt wichtiger denn je. Nur so wird die glatte Zurückführung des Feldheeres nach den östlich des Rheins zunächst vorgesehenen Unterbringungsräumen möglich sein. Von dort ist die Leitung der Verbände mit der Eisenbahn oder durch Fußmarsch zu den Ersatztruppenteilen vorgesel>en. Mit Rücksicht auf die große Anhäufung von Truppen und beschränkte Transportmöglichkeiten kann dies nur allmählich erfolgen. Längere oder kürzere Wartezeiten bei oft beschränkter Unterkunft werden sich für manche Formationen nicht vermeiden lasten. Auch hier habt Geduld und Vertrauen. Es wird jeder von Euch so frühzeitig zu seinem Ersatztruppenteil befördert werden, als die Umstände es gestatten. Keiner von Euch wird vergessen! Seid versichert, dch, die Oberste Heeresleitung in Verbindung mit den Heimatstellen allesisusbietet Um Euch fa bald als -möglich Euren Angehörigen zuzufühven. Doch eins tut not hierbei: Rübe und Ordnung! (Gez.) v. Hindenburg.
Aus der A. und S.-Sitzung in Berlin.
W. T.-B. Berlin, 28. Nov. Der Vorsitzende teilt mit, dag ein Antrag eingegangen ist. dem Vollzugsrat ein Ver - rrauens- oder Mißtrauensvotum auszusprechen, aus welchem Beschluß der Vollzugsrat die Konsequenzen zu ziehen habe.— Kamerad Gefreiter Molkenbuhr erstattet den Bericht des Vollzugsrates. Er führt dabei aus- Die erste Ausgabe des VollzugSrateS war. weiteres Blutvergießen zu verhindern. Wir Fanden nicbr nur vor nichts, sondern vor einem Trümmerhaufen. Unser Wirtschaftsleben hat kein Fundament mehr. Wir sind sämtlicher Rohstoffe entblößt- In der schamlosesten Meise Hot mau mit allen Stoffen, namentlich auch mit Nahrunasmitteln, Raubbau getrieben. Auch militärisch lmt die vorherige Negierung nichts Unterlasten, was geeignet gewesen wäre, das Volksganze und bor allen Dingen unsere Kameraden zu vernichten. Zunächst kamen Anträge an ins heran, die Löhnung der Mannschaften zu erhöhen. Die zuständigen Stellen batten für diese Forderungen ein williges Ohr. Die Ungerechtigkeit muhte beseitigt werden, daß Bureausoldaten für 70 Pf. Dienst machen mußten, während Zivilangestellte im gleichen Dienst 200 M. monatlich bekamen. Niemand soll auf die Straße gesetzt werden. Tie erhöhte Löhnung würde in zehn Wochen 1V ? Milliarden Mark verschlingen. Deshalb soll niemand länger als notwendig zurückgehalten werden. Weitgebendste Abrüstung ist nötig, auch wenn wir in Berlin kein Ersatzbataillon erhalten sollten. Wir müffen auch üie äußeren Fesseln des Militarismus abstreifen. Tobei muß Vorsicht obwalten. Die Machthaber, die seit Jahrhunderten festen Boden gefaßt batten, fügen sich noch nicht kampf- und restlos in das ein, was die neue Ordnung will. (Sehr richtig?) In geradezu schamloser Weise hat die vorherige Regierung unsere Kameraden in Gegenden verschickt, von wo wir sie niemals wieder zurückkehren sehen werden. In de: Ostarmee stecken 850 900 Kameraden in einem Chaos. Wir wiffen nicht, ob wir sie jemals Wiedersehen werden. Polen steht uns skeptisch gegenüber; durch Polen gibt es keine Verbindung zu uns. Aus der U k r a i n e führen zu uns keine Eisenbahnen. Wir sind ohne Nahrungsmittel Und besitzen nur mangelhafte Bekleidung. (Unruhe.) Im Süden steht die Armee Mackensen. Die letzten 48 Stunden haben uns die Gewißheit gebracht, daß sie in der ungarischen Tiefebene interniert werden wird. Am besten steht es noch im Westen. — Der Voll zugsrat bat sich dann mit der Frage der Nationalversammlung beschäftigt. Auf ie 200 000 Einwohner soll ein Delegierter kommen, auf je 160 000 Soldaten auch einer. In Berlin zeigen sich schwerwiegende Vorgänge. Genoste Kurt Eisner hat demgegenüber erklärt, daß er um jeden Preis ein Abiplittern vermieden wissen will. Gegen den Wasserkopf Berlin aber besteht eine große Animosität. (Zuruf- Mit Recht!) Der Voll- zugsrat ist zunächst nur ein Provisorium und Sachwalter des deutschen Volkes. — Unteroffizier Eornig- Leider bin ich wicht in der Lage, dem Vollzugsrat heute das Vertrauen aus. -usprechen. Wir dürfen nichts vertuschen und nichts verschweigen. Der heutige Ruf der Berliner Soldatenräte sLachen.) ist in Gefahr; ihn müffen wir schützen und wieder- herstellen. Der Vollzugsrat hat das EhaoS nur noch vermehrt. Und das muß auf ujt# Soldaten räte in Berlin ein schlechtes 2icht werfen.
Wir werde« z« Mitschuldigen von der Diktatur gemacht.
Wir stehen in dem Rufe, den Bolschewismus (Hul-Rufe.) >
m feffcem.
Vor allen Dingen gebrauchen wir eine Kontrolle über den Vollzugsrat. Sie müffen verschwinden, wenn sie unser Vertrauen nicht dauernd verdienen. Not tut die baldige Zusammenberufung der Nationalversammlung. (Brausender Beifall fast im ganzen Hause.) , (Forts, folgt.)
Eine berechtigte ernsteste Warnung an den Berliner A. und S.
W. T.-B. Berlin. 28. Nov. I« der heutigen, im Reichstag tagenden Versammlung der Soldatenrate Berlins gaben die Vertreter der Ostfront folgende Erklärung ab: In Vertretung von 466 606 Kameraden der Ostfront erklären wir, daß die Versammlung uns geeignet erscheint, durch ihr gewaltsames Vorgehen nicht nur die Reichseinheit anfs schwerste zu gefährden, sondern vor allem schwerste Unruhen in die Straßen von Berlin zu tragen. Die Hoffnungen unserer Kameraden an der Ostfront, die nur bei der Krftnltuno der Einheit beruht, bricht dadurch zusammen. Wir bitten noch einmal alle Kameraden, die Folgen zu überdenken und Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten.
Die Delegation der Ostfront: Aehme und Bergmann.
Tie Frage des Zeitpunktes.
W. T.-B. London» 28 Nov. (Drahtbericht.) Die Friedenskonferenz kann früher zusammentreten, als angenommen wurde, da viele Vorbereitungen beendet sind. Die englischen Friedensdeleaierten und ihre Stäbe werden 400 bis 500 Mann stark sein. Unterkünfte kür sic werden binnen 14 Tagen vorbereitet sein. Gelegentlich des Besuches Clemenceaus in London wird er sich mit Lloyd George über den Termin des Zusammentritts der Friedenskonferenz besprechen.
Doch Beschleunigung des Friedensschlusses im snglischsn Sinne.
W.T.-B. London. 28. Nov. „Daily Erpreß" schreibt: Man hofft, daß Fock Clemenceau nächste Woche nach London zur interalliierten Kriisercnz keqleitcn wird. Die Annahme, daß die Westfriedenikoiijerenz die Fricdensbedingungkn nicht innerhalb K Monstep zur Unt-r;chchmkiq-vorbereitet tzabii! könne, wird, wie das Blan schreibt, in ministeriellen Kreisen Englands bestritten. Europa könne nicht drei Monate warten. Die Temobilisation und die WiedcranfbauplLne müssen notwendigerweise verschoben werden, kis der Friede gezeichnet ist. Die Friedens» konserenz wird also wahrscheinlich den Friedensvertrag in der Hauptsache s ck ! e u n i g st regeln. Der Vertrag wird sobald als möglich unterzeichnet und die Anordnungen für eine Art inter. nationaler Prlirei getroffen werten, um ihn durchznsetzm. Internationale Kommissionen werden die Einzelheiten in erheblich lä n a c r e r Zeit ausarbeiten. Wirtschaftliche Fragen, die Frage der Rohl'osfbcschasfiing und andere schwierige Probleni; müssen von diesen Kommissionen erwogen werden Offenbar kann aber die Unter zeichnung tcs Fi ietonkvertrag.es nicht verschoben werden, bis alle diese Fragen fei ticixr stellt sind.
Die wieder aufgerührte Schuldfrage.
W. T.-B. Berlin, 29. Nov. (Drahtbericht.) Zu der Schuld am Kriege sagte der im bayerischen Gesandtschaftsbecicht als Gewährsmann genannte frühere Staatssekretär Zimmermann zu einem Vertreter der „Deutschen Allgemeinen Zeitung": Wir sind in der Tat der Ansicht gewesen, daß mit der Bluttat von Serajewo für Österreich-Ungarn die Schicksals st un de geschlagen hatte. Die während des Krieges bekannt gewordenen Urkunden beweisen, daß Rußland schon seit Jabren der dortigen Regierung den Erwerb österreichisch - ungarisch er Gebietsteile zugesschert batte. Daß Österreich-Ungarn sich gegen die großserbischen Machenschaften z u r W e h r setzte, war nickt nur sein gutes Nicht, sondern auch im Jntereffe der Gesundung der Verhältnisse in Europa. Wir haben Österreich-Ungarn zu seinem Vorgehen gegen Serbien weder zugeraten, noch au fgestachelt, und unS vielmehr lediglich darauf beschränkt, ihm davon nicht ausdrücklich abzuraten. Der Inhalt des Ultimatums an Serbien war von uns für viel zu scharf gehalten. Österreich-Ungarn hat das Ultimatum uns zu spät von Wien mitgeieilt, so d-rß uns eine Möglichkeit, auf seine Milderung pinzuwirken, nicht mehr gegeben war. Unsere aus Lokalisierung des Konfliktes zwischen unseren Bundesgenossen und Serbien gerichteten Bemühungen wären -wohl erfolgreich gewesen, wenn England fernen großen Einfluß auf Petersburg ebenso energisch geltend gemacht hätte wie wir unseren in Wien. Schließlich hat dann die russische Gesamt mobilmach uwg. die von gen zum Kriege drängenden Gewaltpolitikern in Petersburg überstürzt wurde, unsere Bemühungen zum Scheitern gebracht. Deutscherseits muß hiernach die Verantwortung für die Entwicklung des österreichisch-serbischen Konfliktes'abgelehnt werden. Die historische Wahrheit-, wird erst bann kestgestrllt werden können, wenn der Staatsgerichtshof oder noch bester ein internationaler Gerichtshof das einschlägige Material gewissenhaft unterbreiten wird. Die Untersuchung der Schuldfrage durch einen unparteiischen Gerichtshof würde zweifellos alle jetzt unter schweren Verdächtigungen leidenden deutschen Staatsmännern nur erwünscht, sein.
Ludendorffs politische Schuld.
W.T.-B. Wie«, 28. Nov Der Berner Korrespondenr des „Neuen Wien-r Icnrrials" erhält von einer Persönlichkeit, welche mit dem Ministerium de? Äußern in Wien nahe jtand, folgende authentisch? Mitteilungen: Graf Czernin erklärte kurze Zeit nach feinem Amtsaustritt im Jahre 1917 als Außenminister im Aufträge Kaiser Kails in Beiltn Kaiser Wilhelm Lsterreich- Ungarn stehe am Ende seine: militärischen und
wirtschaftlichen Kräfte und könne den Krieg kaum den Winter über srrt setzen, Czernin legte infolgedessen Kaiser Wilhelm ans das dringlichste nahe, Frieden zu schließen, wenn es sein müßte mir großen Opfern. Lsterreich-Ungarn erklärte ffch seinerseits zu dem wmtüthcndften Entgegenkommen bereit. Leise: Wilhelm
wies damals, rlme persönlich Stellung zu nehmen, Czernin an das Große Hauptquartier, wc- eine Beratung mit Hindenburg und Ludendorss staltsand wobei allerdings Hindenburg ziemlich passiv blieb und Ludendorsf d<N Wort führte. Czernin legte in sehr bewegten Worten die traurige Lage der Monarchie dar und schloß- Österreich-Ungarn steht vor dem Ende. Es kann einfach nickt mehr lange. Ludendorss erklärte: Ich bin der Ansicht, daß lediglich das unglückselige Berwaltungsstzssem an der p-ssi- miftischcn Aufsossung schuld ist und daß bereits gewaltige Kräfte Osterreicy-Ungarns ausgcfcbrl leien. „Ich b>n," so schloß Ludendorsf, „bereit, den Bi weis dafür zu liefern, -ndem ich der Verwaltung Lsterrcrch-Ungarns während der Kriegszeu deutsche Kam- missäre artacpiere. Cie Werder sehen, daß die Sache ge ul.' Über die Antwort aufs hoch st e betroffen, erstattete Czernin Kaiser Karl Bericht, der natürlich einen solchen Eingriff in die innere Verwaltung Osterreich-Üngarns entschieden a b l e h ii t c. Kurze Zeit darauf begab sich Czernin neuerdings ins deutsche Hauxtauartier und ließ nunmehr zum erstenmal durchblickcn, daß iistecrcick-Ungarn gezwungen sein könnte, der einer längeren Foristbung des Krieges einen Sonderfrieden zu schließen. Aus diese Erklärung hin erhob sich Ludendorss und sagte mit cirrstem Ernst- „Sagen Sie Kaiser Karl, daß an dem Tage, an welchen, Lstcrreich-Ungarn einen Sonderfrieden schließt, er die KricaserklSrwng Deutschlands zu gewärtigen bade. Einen solchen Alt von Treubruch könnten wir nur mit dem Beginn von Fcindleligkciten beantworten." Graf Czernin brach hierauf das Gespräch ab und kehpte nach Wien zurück und erklärt« Kaiser Karl: „Unser Schicksal ist aus Tod und Leben mit Deutschland verbunden. Wir können nicht anders, als an seiner Seite aut harren."
Das preußische Kabinett.
W. T.-B. Berlin, 28. Nov. lAmtlich. Drahtbericht.) Innerhalb der preußischen Regierung (Staatsministerium) bilden Hirsch. Ströbcl, Braun, Eugen E r n st, Adolf Hossmann und Dr. R o s e n f e l d das politische Kabinett. Die Besetzung der Einzelministerien ist folgende: Handel- Fischbeck. Be-geordneter Huc. die zweite Stelle ist noch nicht besetzt; Krieg: Scheuch, Unterstaatssekretär Göhre; öffentliche Arbeiten: Hofs, Beigeordneter Paul Hof- manu und Brunner; Inneres: .Hirsch und Dr. Breitstein, beigegeben Eugen Ernst; Wissenschaft, .Purist und Volksbildung: Adolf Hoffmann und Hönisch; Finanzen: Tr. Südekum und Simon: Landwirtschaft, Domänen und. Forsten: Braun und Hofer; Justiz: Dr. Rosenfeld und W. Heine.
Die nrue Leitung des preußischen Justizministeriums.
W. T.-B. Berlin, 28. Nov. Von der preußischen Regierung wurden an Stelle des bisherigen Justizmiuisters Dr. Spahn Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld und Rechtsanwalt Wolfgang Heine mit der Leitung des Justizministeriums beauftragt. Heine ist durch anderweitige Verpflichtungen, die er in Anhalt übernommen hat. vorläufig an der Übernahme verhindert. Rosenfeld trat heute mittag sein Amt an und richtete beim Empfang durch die Beamten und Angestellten des Justizministeriums an diese eine Ansprache, worin er der Erwartung Ausdruck gab, daß die Beamten und Angestellten auch den Aufgaben der neuen Negierung ihre volle Kraft widmen werden, zum Wohle der Rechtspflege und des ganzen deut- sehen Volkes. Hierauf gab der Unterstaatssekretär Dr. Möge! namenS sämtlicher Beamten und Angestellten des Justizministeriums die Erklärung ab, daß sie bereit seien, unter Wahrung ihrer politischen Überzeugung den Weisungen der neuen Regierung mit der Pflichttreue, die dem preußischen Beamten eigen sei, Folge zu leisten. Rosenfeld nahm diese Erklärung entgegen und verpflichtete sodann die Beamten und Angestellten deS Justizministeriums auf die neue Regierung,
Amtliche Bekanntmachungen.
Auf Anordnung des Staatssekretärs des Reichsernährung»- amts tritt mfi dem heutigen Tage sein« Verordnung vom 80. Juli 1918 über Äbliefsrung von Bucheckern wieder in Kraft. Die inzwi-schen ergangene Bekanntmachung über Freigabe der Bucheckern an die Sammler wird im Interesse der Aufrechterhattung der Volksernährung hiermit aufgehoben.
Wiesbaden, den 28. November 1918.
Arbeiter- und Soldnienrar Wiesbaden.
Die Bevölkerung vcn Wiesbaden wird hiermit nochmals ausgefordert, sämtliche Waffen bis spätestens Samstag, den 30. November 1918, abends 6 Uhr, an die Waffensammep- itelle, Füsilierkasern« Schiersteiner Straße. Eingang Äroßen- babn-Endstelle, abzuliefern. Luxuswafien und Jagdgewehre sind von der Ablieferung vorerst befreit.
Wiesbaden, den 28. November 1918.
Arbeiter- und Soldatenrat Wiesbaden. ,
Die in Pr'vakhaushaltungen beschlagnahmten Lebensmittel sind vom 29. November ab in der alten Artilleriekaserne 1. Stock. Eingang Memstraße, von 8 bis 1 Uhr vormittags und von 3 bis 4 Uhr nachmittags, abzuliefern. Di« Einwohnerschaft wird darauf aufmerksam gemacht, daß ein Teil der beschlagnahmten Lebensmittel der Säuglingsfürsorge überwiesen wird.
Wiesbaden, 29. November 1918.
Arbeiter, und Soldamnrat Wiesbaden.
Di« Durchführung des Waffenstillstandes zur See.
W. T.-B. Berlin, 28. Nov. Äon zuständiger Seite trirE uns über den weiteren Fortgang der Beratungen der Marine mitgeteilt: Die 15. Unterseebootsstaffel von 27 Booten ist am 27. November abgegangen. Der Begleitdampfer ..Scharnhorst" ist auf dem Rückmarsch Trotz großer Personalschwis- rigkeiten gelang es, sieben Dampfer bereit zu stellen, welche voraussichtlich morgen in Ser gehen, um die Mannschaften äs
