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Verlag Langgasse 21

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin V>. 57, An der Apostellirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.

Donnerstag, 28. November 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 555.» 66. Jahrgang.

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Erfolgreiche Einsprüche der Waffen- stllstandskomm ssion.

W.T.-B. LttdwigShafen. 27. Nov. (Drahtbericht.) Das Oberkommando der Truppen in der Pfalz teilt mit: Nach einer Meldung der pfälzischen Bezirksämter räumen die Ententetruppen die Ortschaften an der Sud­grenze der Pfalz, welche sie entgegen dem Wortlaut der Waffenstillstandsbedingungen vorzeitig beseht haben. Anscheinend erfolgt die Räumung auf Grund des Einspruchs der Waffenftillftandskommiffion.

W. T.-B. Berlin, 27. Nov. (Drichtk ericht.) In der gestri­gen Sitzung der Waffenstillstandc-kommiffion teilte der fran­zösische Vorsitzende ein Telegramm folgenden Inhalts mit: Auf Befehl von Ma-schall Foch verkehren die Züge in Elsah- Lothringen entsprechend dem Vorschreiten "der französischen Truppen bis zu den Linien der Vorposten. Diese dürfen weder in der einen noch in der anderen Richtung überschritten wer­den; ausgenommen sind die LebensmittÄtransporte. Eine Regelung des Personenverkehrs folgt. Dringlich ist die Her- beischafsung der notwendigen Mittel für ine Industrie in Elserß-Lothringen. Dies gilt besonders- für Koks aus der Ruhrgcgend für Diodenh»?en, dessen Heransclxisfung seit dem 19. November beteits zugeiaffen ist. Der Telegramm- und Telephonverkehr nach Lothringen ist bereits wieder zugelaffen. Es darf damit gerechnet werden, daß im Laus der nächsten Tage weitere Erleichterungen im Verkehr mit Elsatz-Lothrinnen zu erwarten sind. Die deutsche Wasfenstill- Mudskommission: Staatssekretär Erzberger, Vorsitzen-oer.

IV. 1.-8. Bern, 27. Nov. Der französische Kommissär in Stratzburg Marin^uer erklärte lautPetit Peirisien" mehre­ren alliierten Pressevertretern gegenüber ausdrücklich, daß das komvlizierte und delikate Instrument -der deutschen Ver­waltung smakchine, wie es bisher im Eisatz funktio­nierte. nicht ebne weiteres umgeworfen werden könnte. In demselben Sinne verlangt der frühere ReichstagS- abgeo-dnete Weil! imPetit Parisien", datz die deutsche Ver­waltung :m Eisatz vorläufig beibebalten und die deutschen Beamten lediglich durch französische ersetzt werden sollen.

Frankfurt a. M. als neutrale Zone?

W.D.v. Frankfurt a. M.. 27. Nov. (Drahtbericht.) Dem Frankfurter Arbeiter- und Soldatenrat ist auf eine Anfrage bei der Reichsreaiernng folgende Antwort zu- geaanqen: Berlin, 27. Nov. Dort verbreitete Gerüche, daß Franzosen Frankfurt beieben, entbehrt jeder Begrün­dung. Verhandlungen schweben, datz Frankfurt mit sämtlichen Vororten der neutralen Zone einverleibt wird. Das Resultat dieser Verhandlungen wird mitgeteilt, so­bald die Antwort hier eintrffft.

Der deutsche Wunsch auf Fristverlängerung der Eisenbahn- auslirfrrung.

W. T.-B. London, 27. Nov. sDrahtbericht.l Reuter er­fährt. datz Self erklärt habe, Satz sich die Ausführung der Waffenstillstandsbedingungen hinsichtlich der Auslieferung der Lokomotiven, Eisenbahnwagen usw. immer schwieriger gestalte infolge der schlechten Zustände des rollen­den Materials. Es wird der Wunsch ausgesprochen, datz die Frist für die Auslieferung bis zum 1. Januar ver­längert wird.

Tie Frage der Freiheit der Meere.

W. T.-B. London, 27. Nov. (Drahtbericht.! Reuter.) Im Laufe seiner Rede in Dundee erklärte Churchill in Be­antwortung über die Frage der Waffenstillstandsbedingungen: Wir sind völlig ungebunden binsichtlich der Freiheit der Meere. Die deutsche Nation als Ganzes war an diesem Angriffskrieg schuldig. Sie haben alle dafür zu zahlen. Jeder einzelne Deutsche, der bestimmten Brüchen des Kriegsrechts zu Lande oder zur See überführt werden kann oder nachweis­lich Gefangene grausam behandelte, sollte vor Gericht gestellt und wie ein Verbrecher bestraft werden, wie hochgestellt er auch sei. Die juristischen Berater der Krone sind beschäftigt, diese Frage zu prüfen, damit wir imstande sind, unsere In­teressen gegen die Schuldigen varzubereiten.

Das Todesurteil der U-Boote aus der Friedenskonferenz?

IV. T.-B. London, 27. Nov. (Drabtbericht. Reuter.) Wie dieTimes" aus N e w ?) o r k aus gut unterrichteter Quelle erfährt, wird die amerikanische FriedenSdeleyation für eine völkerrechtliche Bestimmung eintreten. wonach die Untersee­boote als Waffe gegen den Handel vollständig ausge­schaltet werden.

Unsere in Spanien internierten U-Bovtc.

W. T.-B. Bern, 27. Nov. TerProgres de Lyon" meldet aus Ferrol, datz daS deutsche U-BootU. C. 4L" zwecks AuS- befferung in das Marinearsenal gebracht wurde. Man erwar­tet einen englischen Kreuzer, der von diesem und einem ande- ren gleichfalls internierten U-Boot Besitz nehmen soll.

Das Entrnfeqekchwadsr im Schwarzen Meer.

W. T.-B. Paris, 27. Nov. (Drahtbericht.) Ein alliiertes Geschwader von 5 Schlachtschiffen, 2 Kreuzern und 9 Zer- störern unter dem Befehl des englischen Admirals Calthorpc ist am 25. d. M. nach Sewastopol abgefahren. Ein Kreuzer, zwei Zerstörer und ein Unterseeboot waren dem Geschwader vorausgefahren.

Eine deutsche Einladung an Wilson?

Sr. Berlin, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Einflutzrerche Kreise suchen auf die neue Regierung dahin zu wirken, datz von deutscher Seite eine Einladung an den Präsidenten Wilson gerichtet werde, auch De'itschland oder einen deut­

schen Hafen zu besuchen, falls er sich zur Friedenskonferenz nach Europa begeben f cEte.

W. T.-B. Bern, 26. Nov. DerPetit Parisien" berichtet, datz der französische Botschafter in Washington den Präsi­denten Wilson begleitet Wilson wird in Abindertug seines ursprünglichen Programms z u e r st nach Paris kommen.

Eine Pariser Soziaiistenkuudqebuno.

IV. T.-B. Vorn, 27. Nov. DemPopulaire" zufolge fand am Sonntagabend in Paris im Cirque d'hiver -das große Meeting der Confederation generale du Travcnl zur Feier des Abschluffes des Waffenstillstands statt. Über 10 900 Arbeiter nahmen daran teil. Mehrere taufend Arbeiter mutzten abge- wiesen werden. Jouhaux nahm Stellung gegen jede terro­ristische A n n ex i o n und verlangt die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Völker im Rahmen des Völkerbundes. Als v-eiterer Redner verlangte Bidegarret die Verstaatlichung der Eisenbahnen und der Transportmittel. Merheim richtete sodann einen brüderlichen Grutz an das deut­sche Proletariat. Das französische Proletariat muffe die Appwlle des deutschen Proletariats beantworten, sonst drohe der deutschen Revolution, wie vorher der russischen, eine Ent­zweiung Nach Schlich der Zusammenkunft marschierten um 11 llbr abends geschloffen« Trupps nach der Rue de la Rspublique, wo die Internationale gesungen wurde.

Das Vrrlanqsn nach Auslieferung Wilhelms II.

IV. T.-B. Paris, 2b. Nov. (HavaS-Meldung.) Der Pro­fessor an der Rechtsfakultät Bertholemh veröffentlicht im ,Matin" einen langen Art'kel, in dem er zum Schluß sagt' Die vom Kaiser befohlenen Grausamkeiten sind selbst iw Kriegszustand durch das Völkerrecht und das internationale Recht verdammt und bilden Verbrechen gegen das gemeine Recht. Der Kaiser ist rechtlich strafbar als Miturheber der Grausamkeiten, die er im Widersvruch mit den KriegSbrä lchen zu begehen befahl. Folglich kann Wilhelm ausqelicfect werden.

W. T.-B. London, 27. Nov. (Drabtbericht.) Reuter er­fährt, daß das Kriegskabinett dem Rechtsberater der Krone den Auftrag, geneben hat, über die Frage des jetzigen Aufenthaltsortes des Kaisers und über die Rechtslage des Falles Bericht zu erstatten.

Teilweise Wiederaufnahme der englischen Ausfuhr.

IV. T.-B. London, 27. Nov. lDrahtbericht. Reuter.) De: Direktor des Kriegshandelsamtcs kündigt an, daß der Aus­fuhrhandel nach Holland unter Lizenz wieder ausge­nommen werden kann. Das Kriegshandelsamt ist bereit, Ausfuhrgesuche entaegenzunehmen. Diese Erklärung bezieht sich aber nicht auf Baumwollwaren, Wolle und Wollwaren, über die noch besondere Bekanntmachung erfolgt.

Die früheren Friedensversuche.

Ni. Wien, 27. Nov. (Eig. Drahtbericht.) DieNe-ie

f reie Presse" meldet aus dem Haaa: In diplomatischen reisen wird folgendes mitgeteilt: Noch vor Beginn der

großen deutschen Offensive, die im Frühjahr 1918 erfolgte, hatten vertrauliche Verhandlungen zwischen englischen und französischen Stellen und österreichisch­ungarischen inoffiziellen Vertretern das Resultat ge­zeitigt. daß man auf seiten der Alliierten bereit war, in eine Friedenserörtcrung einzutreten, und zwar unter Bedingun­gen, die für die damaligen Verhältnisse immerhin sehr günstig waren. Deutschland hätte Belgien räumen und zwei Drittel einer festzusetzendcn Entschädigungssumme zahlen müssen, wäbre.id die Alliierten bereit waren, ein Drittel der Ent­schädigungssumme zu tragen. In Elsaß-Lothringen hätte eine Volksabstimmung über dessen Zukunft zu entscheiden ae- babt, wobei der Prozentsatz der seit 1870 ansgewanderten Be­völkerung zuaunstcn Frankreichs bätte mit eingerechnet werden msiffm. Abtretung der Gebiete Südtirols an Italien. Inter- Nationalisierung von Triest; Serbien, Montenegro und Rumä­nien hätten sofort, geräumt werden und eine Entschädigung von den Mittelmächten erhalten müssen, wobei noch die Alliier­ten zu einer prozentualen Beteiligung bereit waren, Rück­gabe der deutschen Kolonien. In diesen^ Moment sollte die Note des Grafen Burian erscheinen, durch die er die Kriegführenden zur Konferenz über die Friedensfrage ein- laden wollte. Die Note hätte zur Einberufung der Kon- serenz geführt, auf der über den Frieden unter den genannten Bedingungen bätte beschlossen werden sollen. Das Hindernis für die Ausführung dieses Schritte? bildete Ludendorfs, der, den österreichisch-ungarischen Diplomaten antwortete: Laßt uns siegen!" Zu seiner Umgebung äußerte sich L rden» dorff dahin, man müsse sich in Wien mit dem Friedensschrirt sehr beeilen, wenn man nicht zu spät kommen wolle. Vier­undzwanzig Stunden später begann die deutsche Offensive. Als Graf Burian Mitte September seine Note erließ, war es bereits zu spät.

Baverisches Verlangen nach Bestrafung der Schuldigen.

W.T.-B. München, 27. Nov. (Drabtbericht.) Der Arbeiter-, Scldaten- und Bauernrat des provisorischen ba sterischen Nationalrates forderte die schleunigste Einsetzung eines SiaatSreichshofes für das Deutsche Reich zur Untersuchung und Verurteilung derjenigen Personen, die durch ihr verbrecherisches Treiben den Weltkrieg herbeige­führt sowie die Beendigung des Kriege? durch einen V e r - stöndigungsfrieden vereitelt und somit den Zu­sammenbruch Deutschlands verschuldet haben. Ferner vec- langt er strengste Bestrastlng aller jener, die auf betrügerische Weise sich während des Krieges bereichert Haben-

Rücktritt eines ungarischen Ministers.

W.T.-B. Budapest, 27. Nov. (Drahtbericht.) Der Minister des Innern Theodor Bettbtzany hat sein Ent- laffungLgesuch zurückgezogen.

Herr v. Bethrnann Hollweg zu den bayerischen Veröffentlichungen.

W. T-B. Berlin. 27. Nov. (Drahtbericht.) In der Derössent- lichunx Herrn v. Bcihmann Hollwcgs in derDeuiscken Allgemeinen Zcilnng^ (vcraleiche gestrige Abcnd-Auvgabe) heißt es weiter: Mit diesen, Zustande mußte Deutschland rechnen, wenn es die Bedeutung der serbischen Machenschaften gegen Öster­reich-Ungarn richtig einichatzen wollte, und das wac der Grund, der einzige Grünt, weshalb Deutschland dem Borgehen gegen Serbien zutzimmte. DuUetc Österreich-Ungarn tatenlos sein« weitere ll n t c r n, i n i c r n » g , sr mußte Teutscklond einem Zu. stände entgegenschen, wo es, sozusagen b ü n d n i s l o s der aus dr« russische Alliance und die englische Freundschaft gestützte,: Revanche- pollt'k" Frankreichs allein gogl,»iberstand Wie wenig es rn nnjerer Absicht lag, einen allgemeinen Krieg zu entfesseln, ergib! sich aus unserer gesamten weiteren Haltung Sie erinnern sich, daß wir das Wiener Kabinett energisch aussen der ten, das zwischen chm und dem Zeters bürge: Kabinett entstantene Mißverständnis zu beseitigen und ihm in der s ü; ä,, st c n Form ,u erkennen gaben, wie wir zwar bereit sc-en, r-nserr Lunde-pslicht zu erfüllen, es aber ab- Ichnen müßten, uns durch Österreich-Ungarn durch die Nlchtdeae.)- utito unfercr SKctfcbläße in ten Weltbraud hinein« zieh-,-, zu lassen. Glauben S,e. daß man einem eigenen Bundes, genossen gcocnuber crne wiche Sprache führt, gleichzeitig aber des Krieg will, den man obne diefen Bundesgenossen garnichi aus. führen kann! Erinnern Sic sich endlich, wie infolge unserer Be. n.ühnngen die Konversation zwischen Wien und Petersburg in Fluß kam, als Rußland plötzlich cnigcgei, den »ns ausdrücklich g.-gebenen Versicherungen feine ganze Armee mobil machte und daß dies« Mobilmachung der Krieg war, der von einer ailniächligen Parte, Rußlands gewollte Krieg. Nun, ich meine, darum kann lei, den Ent- büüunxen des Prozesses S»>bomlinow kein Mensch mehr - e»,e,r Zweifel haben. Das sind Tatsachen, die durch nichts aus der Welt ocschafst werden können Uns die Sck.uld am Krieg anszuburden, heißt, die Gegner für ichuldlos zu erklären, die Jahrzehnte vereint P'äne getrieben staben, die sie n u r bei einer lriegrischen Ezplosio.r vc, wirklichen konnten, es uns aber zu verwehren und dagegen au,, zulehne», das ist nicht recht, das ist Unrecht. Wie kam es nun. daß trotz dieser Tatsachen über die ick io. schon im Reichstag wieder- ho.t gesprochen habe, die Schuld Deutschlands zur Überzeugung der ganzen Welt geworden ist. Auch darüber will lch meine An- sicht ganz offen aussprcchen. Ich sehne ja den Tag herbei, wo ich dazu beitrage, vor einem unparteiischen Staatsge- r i ch t s b o f. dem allerdings von beiden Seiten alles Material zur Verfügung gestellt werden sollte, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Ob die bayerische Regierung den ictzrgen Moment z» ihrerBcrcsscntlichung richtig gewählt bat, kann ich nicht beurteilen, weil niir ihre Riotive unbekannt sind. Ich fürchte, aus eln,eittge und fragmentarische Pr-btilation kann nur Verwirrung entstehe« und zweiscle, ob es riä-tig ist, in diesem Moment, wo wir dem Frieden ei'tgcoevsehen scllen, die Leidenschaften neu aufzupeitschen. Darum will ich meinerseits jetzt nicht von der Vropagandr sprcchen, mit der cs unskic Gegner verstanden hasten, durch Mischung von Wahrem und Falschem uns bei der gesamten Rtenschheit in Miß- kredit zu bringen, sich selbst ober als die ^steinigen selbstlosen Ver­fechter aller großen und edlen Menschheitsgedanken hinzustellen Ich will vielmehr ganz offen und nüchtern von dem Teil der Schuld sprechen, rer uns selbst an dem Weltunheit trisst. Zunächst ein kurzes Wort über Belgien. Es ist bekannt, >v:e me wn- selige Not- und Zwangslage, welche unseren Einmarsch rn Bclgien berbeikuhrte, uns nicht nur den Rus von Barbaren, son­dern auch den Borwurs der am Krieg Schuldigen elntrng. Ich habe am 4. August offen und ehrlich über Belgien gesprochen. Sw wissen, wie mir meine damaligen Worte später von einem großen Teil unwicr öffentlichen Mcmung als Verbrechen angercchnet wur­den. Ich bleibe noch heute her jedem meiner damaligen Worte stehen; ick bake ihnen nichts hinzuzusügen. Dann Elsaß- Lothringen Präsident Wilson fordert bekanntlich m seinen 14 Punkten Wiedergutmachung des U, rechtes, das Frankreich durch Preußen im Jahre 187 1 hinsichtlich Elsaß- Lothringens zngesilgt worden sei, das, wie de- Präsident sich aus- drückt, den Weltsrieden währcnd i-ahezn 50 Jahren in Frage ge­stellt habe. Eine Auseinandersetzung darüber, ob Deutschland mit seiner Annexion im Jabrc 1871 ein Unrecht begangen hat, oder ob jene Annepiov von dem Standpunkte des internationalen Rechts und Unrechts olnlich wie die zahllosen Annexionen zu beurteilen ist, die unsere jetzigen Eigner im Lause der <8eschrchte für sich vor» gcromnien haben, eine Auseirandersetzung hierüber würde jetzt wohl kaum zum Ziele führen. In den Worten des Präsidenten wird aber ich darf das hervorheben die Anerkenntnis Hn ausge­sprochen, daß es rm proltiscken Effekt die Aspirationen Frankreichs auf den Ruckerwerb Elsaß-Lothringens waren, welche rm letzten halben Jahrbnndcrt die Welt nrchr zur Ruhe kommen ließen. Unsere Schuld aker erblicke ich darin, daß wir es nicht ver­standen haben, Elsaß-Lothrrrrgen eine Behand­lung angcdeihen zu lassen, welche leinen Bewohnern den Wechsel ihrer staailirben Zuacbörigkeit allmählich vergessen ließ, und welche es zugleich bärtc verhintcrn können, daß in großen Teilen der Welt allmählich das Gefühl von eii'em gewaltigen, von uns -m Jahre 1871 begangenen Unrecht entstand, ein Gejühl, das ini Jahre 1871 speziell in Enaland und Amerika durchaus nickt Gemeingut war. Englands Beispiel hat in der Weltgeschichte häufig gezeigt, in welcher Weise Gcwalisamleiten von Eroberungen allmählicher Ver- glsienheit üherliesert werden. Vir allem aber müssen wir zuge- sieben, daß wir durch die Mängel unseres Nationalcharakters und die Sünden »nstres allgemeinen Gebarens zu der kriegerische» Hochspannung beigitiogen hoben, we'che die politische Aimospbäre nicht nur im letzten Jahrzehnt cisiillte. Worte; die als Provo­kation gcdoutet wc-dcn konnten, sind wiederholt gefallen. All­deutsche Treibereien haben uns im Anslande und im Jn- lande den girßen Schaden zngesngt; vor allem war es die soge­nannte Flotten Politik, die uns in Verhängnis-ellste G:geii-. sätze ftibite Dazu mannigfache Mängel in unserer innere» Politik. Erlösten Sic mir in dieser Stunde, wo w:r nach 4>H» jchrigcm. heldciimiitioen Kampfe unserer Truppen wehrlos dast-hen und wo gewaltige innere Zuckungen den Bolkskärper erbeben macken, noch weiter im cigenen Fleliib und Blut zu wühlen. Wie ich die Ve-.antwrrlunp. die unsere Gegner trifft, nur in ihren großen Momenten stizziert habe, sr auch unseren Teil an der Sckuld. Die Dcltge'chichti- mag richten. Rur wer furchtlos und klar der Wahr­heit ins Gesicht sieht und sehen kann, bat ein Recht auf Leben. Frei wellen wir dasteben gegenüber eigener Schuld, aber wenn vns das Schicksal .uck noch sc hart geschlog-r, hat, unwahre Bekenntnisse lassen wir uns von ihm nicht abringen. Wir sind keine Pharisäer, aker wir sind auch keine Sklaven Gerade im tiesftei. Unglück behalten wir den felsenfesten Willen, auch in schwerster Zukunft Mitarbeiten zu wollen an de« großen Aufgaben der Menschheit, die das Weltunheil dieses Krieges mit blutige» Letter» ca hss gtmasteni geschrieben ha»