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Mittwoch, 27. November 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 553. • 66. Jahrgang.

Der Waffenstillstand.

Deutsche Proteste gegen französische Übergriffe.

8. A. Berlin, 26. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Über den Stand der Verhandlungen der W a f s e n st i I l st a n d s k o m- niission in Spaa erfahren wir, daß General Winter» f e l d t eine Note übergeben hat, in der Vertreter der Ententemächte nach Berlin eingeladen werden zur Durchführung de« Austausches der Kriegsgefangenen. General Nu da nt erwiderte darauf, daß in den nächsten Lagen Vertreter Frankreichs. Englands und Amerikas in Berlin eiutreffen werden. General Wintcrseldt übergab so­dann im Namen der deutschen Regierung eine N o t e , in der auf die furchtbaren WirWlgen der Blockade und der dirtschastlichen Bedingungen des Waffenstill­stand-Vertrags bingewiesen und ferner gebeten wird, wegen der eiseilbahntechiiischen Schwierigkeiten in der Stirn den Abtransport einer Division auf dem Seewege über Sewasto­pol zu gestatten. Es iöird daraus hingcwiesen. das, man ver» suche. Personal zur BetriebSführung der den Alliierten »brr» «ebenen Bühnen zusammen zu bekommen. Der e n g! i s ch e Berttet," gab eine 'choise Erklärung darüber ab. daß die innerpolit-sche Laae Deutschlands keine ausreichende Entschnl- dianng für die traurige Behandlung der englischen Kriegs­gefangenen sei. Für die unnötigen Leiden würde voller Er- satz verlangt und eine Bestrafung der Schuldigen gefordert werden. Tie Bedingungen des Waffenstillstands wurden evtl. mi> Gewalt durchgeseht. General Winterfeldt p r o» testierte in einer Erklärung dni^cqen dast am 23. o. M. von den Franzosen vertragswidrig verschiedene Orte IN der Pfalz besetzt wurden.

W. T.-B. Spaa, 26. Nov. (Drahtbericht.) Heute ist General Nu da nt folgende Note überreicht worden: Hierher gelangten Nachrichten zufolge ist seit der Besetzung E l satz - Lothringen» durch die Alliierten der V e r k e h r zwischen diesen Gebieten und dem gan-en »Deutschland gänzlich unterbrochen. D-.cS erstreck, sich nickt nur ans den Per­sonen. und Güterverkehr, sondern auf den Telephon-, Tele- gramm- und Poitverkehr. Hierdurch ist auch der ZahlunaS- verkehr zwischen Elsaß-Lothringen und dem übrigen Deutsch­land z»m Stillstand gekomn-en. Wie ohne weiteres ersichtlich, würden hierdurch Folgen hervorgernfen. die da» Wirt,chaft». leben in den elsatz-lotbringischen Gebieten aufs schwerste be­drohen Die Lohngilder können an vielen Stellen nicht reckt- zeitig bcsckmftt iverden. Ferner geben die Gelder für ausgc- fübrte Licserungen nicht an die EmpsangSberechtigten ein. Seit drei Tagen sind ähnliche Zustände auch in den be­setzten linksrheinischen Gebieten eingetreten, besonders in S a a r b r ü ck e n. ES wird gebeten, diese unlwltbare.i Fuständc. namentlich auch im Interesie der linksrbeinischen Arbcitcrsckmst. die an erster Stelle hiervon betroffen wird, so- fort abzastcllen. <Gez.) v. Haniel.

Der vorzeitige feindliche Einmarsch in die Pfalz.

W T-B Zweibrücken, 26. Nov. (Drahlberrcht.) Bis zum Seutiae'n Too hcAwn tue in der Westpsalz eingerücktcn feind- ^ckzen Truppen ihren Vormarsch nicht weiter fortge­setzt Außer der Hornbackier Gegend u»d der Aroßste:n- harrsenrr Höhe sind noch ein« Reth« Ortsckstiftcn besetzt wor'.en. Derschiedenillch wunden von Patrouillen Soldaten und Zwitrsicn sesigenommen. di« nach ihrer Vernehmung sofort wieder auf freien F-utz gcsrtzt wurden. Über das Beneh­men der seindllchuui Truppen sind bisher keine Klagen lau, geworden. In der vergangenen Nächst kamen auf dem hiesigen Bahnhof die Quartiermacher für di« B e s e tz u n g der Landauer Gegend durch.

Verlängerung des Waffenstillstandes?

Br. Haag. 26. Nov. (Drahtbericht.) In Londoner poli. tischen Kreisen erwartet man eine Verlängerung des Waffen­stillstands. um di« Verhandlungen Über einen Präliminar- frieden zu ermöglichen, dessen Abschluß man Anfang Februar erwartet.

Die Besetzung von Köln und Mainz.

Br. Basel, 26. Nov. Wie die „Neue Korrespondenz" mel- dc't, werden die Engländer Köln und die Franzosen Mainz besetzen.

Die englische Flotte auf der Fahrt nach Kiel.

Br. Haag, 26. Nov. (Droh «bericht) Aus London wird ' berichtet: Am Montagsrüb ist die englische Flotte nach Kiel «rb«efal"-en. darunter 3 Mincn>feger, die noch KcPcnhagc.a geben, um die Fahrtrinne bei Sllscnoer nach der Kieler Buch, freizumachen für die großen Schlachtschiffe der englischen Flotte.

Die Ententeschiffe lm Schwarzen Meer.

/ W. T.-B. Kiew, 26. Nov. (Drakstbericht.) Laut einer Meldung der Ukrainischen Telegraphen-Agentur kam in Noworosiik ein Geschlvader der Entente an. bestehend aus drei Linienschiffen, zwei Kreuzern und zwei Torpedobooten. Zertungsmeldungen zufolge liefen in Sewastopol auch der eng­lische Kreuzer „Canterbury" und ein Torpedoboot ein. An vielen Orten wurden die Schiffe von einer grotzc» Menschen, menge begrüßt. In Kiew wurde der Bel-gec-ragSzustand auf. gehoben.

W. T.-B. Kiew, 23. Nov. Morgen wird die englische Flotte in Sewastopol erwartet. In Odessa ist als Vertreter der Entente Konsul Henot eingetroffen. Er stellte dem Het- nian die baldigste Ankunft der Ententetruppen in Odesta in Aussicht. Zunächst sollen Kiew. Odessa und Charkow von chneu besetzt werden. Die Entente liefe durch ihren Vertreter «cart de« *e»H4*s Ge jchi>t» » tm g« r »i&m» d-tz f«* m

Aufrechterhaltung der durch den Hetman geschaffenen Staats­ordnung wünsche und die deutschen Truppen für ver­pflichtet erachte, die Ordnung und Ruhe im Lande aufrecht zu erhallen. '

Das Verlangen nach der Internierung der Ma ckenfen-Armee.

Br. Budapest, 26. Nov. (Erg. Drahther:cht.) Die Blätter bringen ein Telegramm des Generals Francket d'Esperei, in dem die Entwcckfnung und Internierung der Armee Mackensen gefordert wird, weil die Frist vom 19. November überschritten ei. Von authentischer Seite wird das Telegramm bestätigt. Fcldmarschall Mackensen hält aber an dem Standpunkt fest, datz auch für seine Truppev der Waffenstillstand zwilchen Deutschland und der Entente maßgebend sei. Die ungarische Regierung befindet sich dadurch in einer schwierigen Lage; sie ist einerseits dem französischen Druck ausgcsetzt und sieht an­dererseits das Kohlenabkommen mit Deutschland gefährdet, das eine Lebensfrage für Ungarn ist. Die ersten 3000 Tonnen ind übrigens aus ungarischem Gebiet bereits angckommen.

Die Räumungsgebiele.

Zum Durchzug deutscher Truppen durch Holland.

W. T.-B. Haag, 26. Nov. (Drahtbericht.) Anläßlich der in ausländischen Zeitungen erscheinenden Berichte über den Durchzug vor. deutschen Truppen von Belgien nach Deutsch­land über Limburg teilt das M i n i st e r i u m deS Äußern u. a. folgendes mit: Nach dem Abschluß des Waffenstillstandes hatte die Internierung von Truppen der Kriegführenden keinen Sinn mehr. Die Freilassung der hier befind­lichen'I n t e r n i e r t e n beider Parteien lag auf der Hand. Die Negierung beschloß, »m so eher dazu überzugchen, als die englische Regierung sie wißen ließ, daß die Freilassung auch der deutschen Kriegsgefangenen in Holland bei ihr keinem Bedenken begegnen würde. Unter diesen Verhält­nissen war es zwecklos. Holland wiederum mit einer großen Anzahl Internierter zu belasten. Gegen die Ablehnung des Ersuchens der deutschen Truppen »prach das Interesse der nordbelgischen Bevölkerung denn nach eingegangenen Berichten wären Zusammenstöße nicht ausgeschlossen gewesen. Die Regierung beschloß daher, den erwähnten Truppen, die infolge des Waffenstillstandsvertrages Belgien innerhalb einer bestimmten Zeit geräumt baden mußten und die weder für Interniernng in Betracht kamen, noch zurückgewicsen werden dursten, zu erlauben, stch über das niederlän­dische Hoheitsgebiet zu begeben und ihren Weg abzu­kürzen. und zwar unter Aufsichr und unter der Bedingung, daß das Waffen- und Kriegsmaterial in Holland zurückzu- lasicn sei. Von dieser Absicht wurden di? am folgenden Morgen zu diesem Zweck auf das Ministerium deS Auswärtigen ge­ladenen Gesandten der Vereinigten Staaten, Belgiens. Frank­reichs, Großbritanniens und Italiens durch den Minister des Äußern in Kenntnis gesetzt. Bedenken gegen diese Mitteilung wurden nicht geäußert. Gemäß der Neutralitätsprokla­mation werden die Kriegsschiffe der Kriegführenden, die in das holländische Hoheitsgebiet kommen, ohne daß eine Einkahrt durch Proklamation gerechtfertigt ist, interniert. Dementsprechend wurde mit den aus Antwerpen kommenden deutschen Torpedobooten verkabren. Es ist be- könnt, datz die holländische Regierung den aus Belgien kommenden Schissen die Durchfahrt nach Deutschland nicht gestattet, wenn die Schiffe belgischen Eigentümern gehören. Schiffe, bei denen dies nicht der Fall, können frei nach

Amtliche Bekanntmachungen.

Auf Befehl der Heeresgruppe Gallwitz versammeln sich sämtliche in Wiesbaden anwesenden beurlaubten und zur Kur weilenden (diese so weit gehfähigl Offiziere bis ein- chlietzlich Regimentskommandeure am Donnerstag, den 28. d. M., vormittags 1b Uhr, m kleinen Konzertsaale deS Kurhauses.

Wiesbaden, den 26. November 1018.

Garnitonkomman d c>.

In der Stadt laufen die widersprechendsten Gerücht« über Internierung von waffcnfä hrgen Leuten, seitenc der ;u ern artenden Besatzung. Alle diese Gerüchte ind verfrüht. Der Arbeiter- und Soldatenrat wird rechtzeitig öffentlich bekanntgeben, wenn authentische Nachrichten über die von der Ersetzung geplanten Maßnahmen hierher gelangt stnd. Bis zu diekcm Zeitpunkt kann die Bevölkerung be­ruhigt sein.

Wiesbaden, den 26. November 1918.

Arbeiter- und Soldatenrai Wiesbaden.

Zu der Verfügung vom 24. November, betreffend Be­schlagnahme von Lebensmittelvorräten in Privothaushaltungen, wird hinzugefügt, daß sich die Abgabe von Fleisch ii'chl auf die selb st geschlachteten Schweine der Selbsiverso rger bezieht.

Wiesbaden, den 20 November 1918.

Arbeiter- und Soldatenrat Wiesbaden.

Augen auf!

Als Präsident Wilson nach dem deutschen Wosten- stillitandsangebo: feine wiederholten Noten nach Europa sandte, hat man dieselben bei uns jedesmal mit Unge­duld erwartet, und man halte glauben müssen, daß man sie gerade an den Stellen, die die Lcruntworliinq im Reiche trugen, infolge der ungeheuren Traqwlite, die tieien Noten zukam, besondels aufmerkjanl gelesen batte. Tielleicht hat man das auch getan. Aber man bat es of'enbar doch nicht verstanden oder nicht verst.'hen wollen, was der Praiidcnt utinict und immer wieder foideite. was aber so unzweideutig war, das; 'clbsi dem einmchen Laien darüber kem Zweitel mehr auikonimen konnte — die A b st a n k u n g desKaisers. Die alte Regierung aber, in der noch ein Stück von dem Bvzan» tinismus, der das Kaifertuin früherer Zeit unigab, lebte, hat nicht gewagt, aus der Stelle und recht zeitig dem .siaiser zu sagen, daß seine Person das einzige Frie­denshindernis bedeutete. Damit hat sie d'e jchu>erste Verantwortung ans sich genommen, die je eine Regierung auf sich nehmen konnte. Eine Verantworrimg. die sie wohl kaurn vor dem deutschen Volke und vor der Geschichte wird tragen konn-'n. Mit der neuen r)kegle- rung soll ein n e u e r G c l st in Deutschland eingezoaen sein. Alles das. waS früher Gottcsgnadentum hwß. ist beseitigt und an feine Stelle ist das Gottesgnadentum des Volkes getret-n. das frei und „nb-hins.'rt durch den Willen eines Machthabers fern Geschick bestimmt.

Aber auch seht scheint die neue Regierung in den alten Fehler verfallen zu wollen, daß sie nicht ver- steht und nickst verstehen will, was Wilsen in seinen neuen Antworten auf un'ere Blttnoten fordert, llnum- wunden hat es der Präsident der Vereinigten Staaten ousoesprochen, daß er nicht daran denkt, Deutschland mit Lebensmitteln zu verforaen. wenn nicht voll­ständig geordnete Zustände herrschen, lind daß er keinen Frieden schließen will, wenn er nickst in der Lage ist. mit einer Regierung ’» verbandeln. die eine wirk­liche Vertretung bes gesamten dentschen Volkes darstellt. Wilson Ordert heute mit genau derselben Schärfe, mit der er 'cirtmeit die Ab dankung des Kaisers verlangt hat. die Einberufung der N a t i o n a l v er s a m m ' n n g. Es bieße eine verderb­liche Voaelstraußpolitik treiben wenn man sich bei uns dem verschließen wollte. Es ist selbstverständlich, daß Herr WMon kstiq amug ist zu wissen, daß nicht inner- bald weniger Taae diese 'ein" Forderung erfüllt werden kann. Es ist gber «ben so selbsirerständlich. daß er miß- tragisch werden muß und werden wird. >nenn er siebt, daß man in Deutschland dieser seiner deutlichen Forde­rung nicht Rechnung trnam still. Die Fwae der Natio- nalve"sgmmsung lst beute nickt mebr und nicht weniger als eine Lebensfriae st'ir Deutschland geworde,!. Die alte Reaienina übernahm eine furchtbare Vera'rt- wortnng, als sie den Käisir «icH rechtzeitig zur Ab- d a n k" n g veronloßte. Dawals aing es mit den Frie­den Die neue Regierung wiird? eine noch viel größere Verantwortung übernebtnen. wenn sie i^stt gea^msiber der unzw?'de:itiaen Fordlmuna des Vräsidenten Wrsson nach der Nationolversamniluna den Kovf in den Sand stecken woMe. Denn beute aelst es um Flieden und Brot. Obne Nationawerte-mmlung kein Friede und ebne Rgtionalversammluna k'in Brot.

Wilson wird niemals mit einer deutschen Negierung verhandeln, die nicht Gewähr oafür bieten kann, daß tatsächlich die Friedensbedingungen auch erfüllt werden. DaL Ende der künstlichen Verzögerung bet