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Montag, 25. November 1918. 3lb01tb ! 3lll5pb0. Nr 550.. 66. Jahrgang.
Amtliche Bekanntmachungen. /
Beschlagnahme von LebensmlttelvorrSten ln Privat- hanshaltungen.
Laut Beschluß deS Arbeiter- und Soldatenrats sind von heute ab alle in Privathaushaltungen des Stadtkreises Wiesbaden befindlichen Vorräte an Getreidemehl- Fleisch, Fleisch- üauerwaren und Wurst. Fett, Zucker, Eiern beschlagnahmt und bis längstens 30. November zur Ablieferung zu bringen. Für jeden Haushaltsav.gchörigen dürfen zurückbehalten werden: 3 Pfund GetreidemeÄI. 3 Pfund (insgesamt) Fleisch, Fleisch- dauerioaren und Wurst, l Pfund Fett, 4 Pfund Zucker und 20 Eier. Die Ablieferung bat im Schloß, Eingang Marktktraße. zu erfolgen. Folgende Preise werden bezahlt: Für das Pfund Getreidemehl 30 Pf., Fleisch 3,10 M., Fleisch- dauenvaren und Wurst 4 M., Fett jeder Art 5 M.. Margarine 2,85 M., Zucker 55 Pf.,-für Eier 60 Pf. das Stück.
Wer gegen diese Verordnung verstößt, hat sich vor dem Arbeiter- und Soldatenrat persönlich zu verantworten.
Wiesbaden, den 24. November 1918.
Arbeiter- und Soldotenrat Wiesbaden.
Keine Verlängerung der Polizeistunde.
Durch Unbefugte ,st in die hiesigen Zeitungen eine Notiz gelangt, wonach die Polizeistunde auf liy 2 Uhr abends festgesetzt sei. Der Arbeiter- und Soldatenrat hat im Einvernehmen mit sämtlichen Behörden Wiesbadens im Interesse der Kohlcncrsparnis die Polizeistunde auf l 1 Uhr festgesetzt. Diese Stunde ist auf das pünktlichste einzuhalten; alle Lokale, in denen um 11,10 Uhr sich noch Personen aushalten, werden rücksübteirS geschlossen.
Wiesbaden, den 23. November 1918.
Der Stadtkommanrant: Schlitzt.
Pflkchtunterrlcht der gewerblichen Fortbildungsschule.
Der Arbeiter- uiÄ» Soldatenrat hat beschlossen, daß die im Laus des Kriegs vom Pflickitunterrichi der gewerblichen Fortbildungsschule befreiten Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen nunmehr den Schulunterricht regelmäßig zu besuchen haben. Der volle Schulunterricht tritt sofort in Kraft.
Arbeiter- und Scldatenrat Wiesbaden.
Die Nationalversaininlung.
Weitere 500 000 Frontsoldaten für sofortige Einberufung!
W.T.-B. Kr-fkld, 24. Nov. Nachstehendes Tele- aramw wurde lieute an den Reichskanzler Eberl gerichtet: Der Arbeiter- und Soldatenrat Krefeld und der Soldatenrat bot 4. Armee beschlossen in einer im Hofe der Husarenkaserne abgehaltenen Versammlung, die Re- gieruna des i.^.hskanzlers Ebert in jeder Weise zu unterstützen. Sie wrde-ten ’inft'mmn, ungeachtet ton Gegenströmungen < ;ir»r Minderheit, die sofortige Einberufung rur.-r Narionalbernnumiung als Festi- gung der Stellung des deutschen Volkes nach innen nnd außen. Tie Forderungen geben Len einmütigen Willen ton 500000 Frontsoldaten wieder.
Auch das 10. Armeckorps gegen die Berliner Diktatur!
W. T.-B. Hannover, 25. Nov. (Drahtbericht.) Gelegentlich der gestrigen Versammlung deS Arbeiter- und Soldatenrates aus dem Bereiche des lO. Armeekorps wurde die nachstehende. von Davidsohn eingebracbte Resolution mit überwiegender Mehrheit (140 gegen 4 Stimmen! angenommen: Die zur Tagung der Arbeiter- und Soldatenräte im Bereiche des 10. Armeekorps am 23. November 1918 in Hannover ver- sammelten Delegierten erklären alle auf Einführung der Diktatur im Reiche zielenden Bestrebungen für eine beschwerliche Gefahr für die Zukunft der nationalen, wie auch internationalen Hoffnungen nnd Pläne der Arbeiterund Soldatenräte. Jede blinde und rohe Machtpolitik muß über kurz oder lang dem Zusammenbruch verfallen, genau wie die Macht der Hohenzollecn. Im Gedanken der Proportionalwahlen, die wir erstreben, ist niedergelegl, daß allen Schichten des Volkes die Möglichkeit zur Mitberatung und Mitbestimmung gewährt werden soll. Sobald die Be- scheinigung der noch zu entlaflenden sowie wahlberechtigten aktiven Soldaten und Frauen gesichert ist welche schnellstens ermöglicht werden soll, muß die Nationalversammlung einberufen werden. Zur Klärung dieser und anderer wichtiger Fragen ist vorder eine Reichskonferenz aller Arbeiter- nnd Soldatenräte einzube rufen.
Tie gleiche Stellungnahme im übrigen Nordwestdeutschland.
W. T.-B. Bremen. 25. Nov. (Drahtbericht.). Eine von 107 stimmberechtigten Delegierten des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates N o r d w e si d e u t schlank s besuchte Versammlung tagt heute in Bremen. Man sprach sich mit 81 gegen 20 Stimmen prinzipiell für eine Nationalversammlung aus. Mit großer Mehrheit wurde eine Entschließung angenommen, nach der sich die Versammlung auf den Standpunkt der sozialen Republik stellt, nach Abscliluß der Demobilmachung die baidmög- lichste Einberufung der Nationalversammlung fordert und für die Zwischen seit ein Vrooftorrum in der Regierung verlangt wird, über das ein allgemeiner Delegier- tentag der A.- und S.-Rate Deutschlands und Deutich- vtterreich? entsch«d-n soll.
IV. T.- B Krefeld. 24. Nov. Folgende Telegramme wurden an die Volksbeauftragten gerichtet: Im Auftrag von 500 000 Frontsoldaten verwahrt sich der Soldatenrat der 4. Armee aufs schärfste aegen die Anmaßung des Arbeiter- und Soldatenrats Berlins, der unter Umgehung der Nationalversammlung die diktatorische Gewalt über das ganze deutsche Volk erstrebt. Die Front wird sich niemals der Diktatur einer Minderheit unterwerfen. Im Auftrag von 500 000 Frontsoldaten protestiert der Soldatenrat der 4. Armee gegen die von der Spartakusgruppe beabsichtigte Errichtung eines Frontsoldatenrats in Berlin. Die in Berlin anwesenden Soldaten vertreten nicht die Front. Die Front bar ihre eigenen Frontsoldatenräte erwählt. Nur diese, deren vornehmste Forderung die Einberufung der Nationalversammlung ist, erkennt sie an.
Eine Mahnung des „Vorwärts" an die * Spartakiisgruppe.
Berlin, 23. Nov. Der „Vorwärts" schreibt: „Wir wollen keine Gewalt und kein Blutvergießen, und darum wenden wir uns nochmals an die Anhänger der Spartakusgruppe selbst und appellieren an ihre Vernunft und an ihr Gewissen. Niemand will ihnen die Freiheit verwehren, in Wort und Schrift ihre Überzeugung zu verfechten. Aber wenn sie sich das Reckt herausnehmen, nicht auf Majorität, sondern auf Gewehre gestützt, nach ihrem Willen zu regieren — was dann? Dürfen sie von uns erwarten, daß wir mit weniger Mut für unsere Überzeugung eintreten werden als sie für die ihre? Ein Gewaltsieg des Spartakusbundes würde nach unserer Überzeugung die entsetzlichsten Folgen für das Volk und ganz besonders für die Bevölkerung von Groß-Berlin haben, d'e dadurch vom Reiche abgeschnitten würde. Uns droht völliger Verfall. Sozialisten, die während des Krieges auf der alleräußersten Linken gestanden haben, sehen dies? Gefahr und warnen vor ihr. Wir wollen nich:, daß noch mehr geblutet und noch mehr gehungert werden koll. Mir wollen Friede. Freiheit, Brot! Keines von diesen dreien kann uns der Spartakusbund geben. Seine Politik führt nicht zum Frieden, sondern zu neuen Kriegen draußen und innen, nicht zur Freiheit, sondern zuc Gewaltherrschaft. Sie, bringt uns schließlich nickt Brot, sondern Hunger. Die Millionen der Stadt Berlin müssen den paar tausend Anhängern Liebkneckts so laut wie möglich sagen, daß sie keinen Tag von ihnen regiert sein wollen. Das ist das einzige Mittel, sie zur Besinnung zurückzubringen. Es muß mit aller Energie angewandt werden."
Bezeichnend dafür, daß die gegenwärtige Regierung an- fängt, sich stark genug zu fühlen, ist die Tatsache, daß sie heute ihr ergebene zuverlässige Truppen durck die Hauptstadt Berlin hat marschieren lassen, um der Bevölkerung zu zeigen, daß eS noch Sckutz gegen Ordnung und Sicherheit bedrohende Fana- tike: oiht. Die Matrofen-Division, die den Sau., der Regierung übernommen hat, und ein weiterer Teil der Berliner Garni'on. Infanterie und auch Artillerie, waren um 3 Uhr nachmittags von dem Kommandanten Wels im Hofe der Aleranderkaserne versammelt worden und zogen dann mit Musik über tie Linden, tie Wilhelmstraße und die innere Stadt nach ihren Ouartieren.
Ein erfreulicher Erfolg der alten Sozialdemokratie in Grotz'Dresden.
Berlin, 25. Nov. Nach einer Meldung des „B. T." erlitten gestern die Unabhängigen bei den Wahlen zum Ärbciterrat Groß-DresdenS eine Niederlage. Sie erhielten nach der Zähluna vis zum späten Abend nur 4300 Stimmen, die alte Sozialds'nokearir dapcaen 50 400 Stimmen. Demnach dürften die unabhängigen Sozialdemokraten unter den 50 in wählenden Arbeiterräten kaum 3 bis 4 Vertreter erhalten.
Die heutige Konferenz der Bundesstaaten.
Berlin, 25. Nov. Heute wird das Reich zum ersicn- nial wieder in sichtbare iSr**’»n:.n i tretin. Die Sin- lad,mg der Reichsregiermiq vereint die Virilerer der deutschen Freistaaten im Konqreft'aal des Reiclsskanzler- palaich um, wie der Volksbeaurtr-r>',re Ebert an den hessischen Ministervräsideuten telegraphierte, zum Ausdruck zu bringen, daß sie weit davon entfern: ist. die Einzel staaten auszuschalten, vielmehr auf e u a st e Z »s a m m e n u r beit mit ihnen bei der Wie- deraufrtchtunq des Reiches Wert lege. Mehrheitsbeschlüsse sind nicht m erwarten. Aber in solchen liegt auch nicht der Wert der Freistaatenkonsercin, die vor allem die Aufgabe hat. den Zugehörigke'tSu'illen der Teuftchen zu dokumentieren in dem Augenblick, da der Zerstückelungswille unterer G? g n e r so übermächtig ist, daß die Aufrechter Haltung des Waffenstillstandes zweifelhaft geworden isr. Daß die N at i o n a lv e r s a m ru l u n a, das vornehmste Mittel zur Reichsreaieruug, wie Ebert sagt, an erster Stelle der Erörterung stellen wird, ist sicher. Ebenso ist eine Erörterung der terroristischen Ericheinungen zu erwarten. Aber auch Ernährungs- und Transvort- probleme, Demobilisierung und sonstige Lebensfragen für ganz Deutschland werden eingehend zu behandeln sein.
8. A. Berlin» 25. Nov. (Eig. Trahtbericht.) Die für heute einberufeue Konferenz der deutschen Freistaaten beginnt um 10 Uhr im Reichskanzlervalais. Aus der Tagesordnung steht aor allem die Frage der Nationalversammlung. Aus a I l * n Freistaaten sind Mitglieder der BolkSregierungen i» Berlin «ngetrossen.
Ein Vertreterlag der Truppensoldatenrate in Ems.
W.T.-B. Berlin, 24. Nov. Der Vollzugsallschuß, des Soldatenrats bei der O. H.-L. erläßt heute aus vielfältige dringende Aufforderung von Frontsoldatenräten folgenden Aufruf: An alle Soldatenräte der Heeresgruppen des Armee-Obei kommandos der West-, Ost- und Südostfront zur schleunigsten Weiterleitung an die unterstellten Generalkommandos und Divisionen: In zahlreichen Kundgebungen von Soldatcnräten des Feldheeres kommt zu uns der dringende Wunsch auf sofortige Einberufung des allgemeinen Ver- tretertages der Tr uppen-Soldaten räte, deren Stimme bei der Neugestaltung der Dinge im Reich nicht überhört werden soll Einen solchen Vertretertag berufen wir hiermit aus den 1. Dezember, vormittags 9 Uhr nach Bad Ems ein. Jede Division, jedes Generalkommando, Armee-Oberkommando und jede Heeresgruppe — die drei letzteren für die ihnen unmittelbar unterstehenden Trupven — wollen je einen mit schriftlicher Vollmacht verschonen Vertreter cntsen- den Die Vorbereitunaen au der Tagung übernimmt der Soldatenrat bei der O. H -L. Der Raum der Tagung wird am Babnhcf Bad Ems noch bekannt gegeben Soldatenräte! Werbt und wrgt dafür, daß jede Division durch einen aus der Truvve gewählten Vertrauensmann vertreten ist. Es handelt sich um eine e i n- tägige Zusammenkunft.
E ne deutsche Protestnote an die Geane-.
W. T.-B. Berlin, 23. Nov. An die gegnerischen Negierungen ist folgende Note gerichtet worden'
„Im Vertrauen auf die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten verkündeten Grundsätze eine? Recktsiriedens waadte sich das deutsche Volk um Vermittlung eines Waffenstillstandes an Wilson An Stelle des erwarteten, von Grundsätzen des Rechts und der B-illigkett nnd vom Wunsche einer zukünftigen Versöhnung der Völker beherrschten Waffenstillstandes ist uns ein Waffenstillstand der Vergewaltigung und Vernichtung geworden. Tie Bestimmungen dieses Waffenstillstandes bedeuten in ihrer Durchführung nicht eine Brücke zum Frieden, sondern einer Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die Forderungen des'Waffenstillstandes werden der Welt den ersehnten Frieden nicht bringen, sie wollen die Wiederherstellung frird- lichex Ruhe in Deutschland und eine geordnete Demobilisierung unmöglich machen. Sie sollen das schwergeprüfte Land dem ChaoS und der Anarchie preisgeben. Unsere feierlichen Proteste gegen dieses der Menschheit h o b n - sprechende Verfahren sind ungestört verhallt. Mag die Härte der Waffenstillstandsbedingunaen mit der Notwendigkeit begründet sein, dem Deutschen Reiche den Wiederbeginn der Feindseligkeiten unmöglich zu macken, so ist doch unseren Feinden inzwischen klar geworden, daß diese Be- gründiing nickt mehr stichhält, denn das deutsche Volk will die Feindseligkeiten nicht wieder beginnen und kann cs nickt. Die dentsche Regierung sieht rn der Ausrechterhaltung der harten Bestimmungen
ein Attentat gegen die Grundsätze der Zivilisation
und muß den Schluß ziehen, daß es den Regierungen der alliierten Länder auf nichts anderes ankommt als auf Vergewaltigung und Vern'chtungdes deutschen Volkes.
Sofort nach Abschluß der Waffenstillstandsverhandlungen wandte sich die deutsche Regierung wiederum an deä Präsidenten der Vereinigten Staaten mit der Bitte, so schnell wie möglich Verhandlungen über einen Präliminarfrieden herbcizuführen. Bis beute ist die deutsche Regierung ohne Nachricht darüber, wann endlich die Regierungen der alliierten Länder mit dem Frtedenswerk einen Anfang machen wollen. Das deutsche Volk beginnt zu zweifeln, ob sich hinter dieser Verzögerung des Friedens nicht d>e A b - sicht der Feinde verbirgt, die gehetzten und ermüdeten deutschen Truppen durch Nichterfüllung von unerfüllbaren WasfenstiMandsbedrngungen ins Unrecht zu setzen untz- damit für die Alliierten einen Titel z» schaffen Hk bis F o r t- s e tz u n g des Krieges. Wenn der Friede als Rechtsfriede geschloffen werden soll, so drrf den Entscheidungen in rechtlich strittigen Fragen nicht voraegriffen werden. Die deutsche Regierung muß diesen vom Präsidenten ausgestellten Grundsatz gegenüber feststellen, daß die von der französischen Regierung in Elsaß-Lothringen getroffenen.Maßregeln, ebenso wie das Verfahren der Polen in den östlichen Grenzgebieten Deutschlands und einzelne Maßnahmen der nickt deutschen Bestandteile des ehemaligen Lsterrech-UngarnS gegen die Deutschen nichts anderes sind als Versuche, den Entscheidungen der Friedenskonferenz mit Gewalt vorzugreifen. ^
Gegen alle diese Versuche wie gegen die Verzögerung des Friedensschluffes legt die deutsche Regierung schärfsten P r o t e st eim AuS der Gesinnung, die aus einem solchen Verfahren spricht, kann ein Friede von Dauer nicht hervor- grhen. TaS deutsche Volk kann vorübergehend vergewaltigt werden, wird aber nicht aufhören, das Leben und sein Recht zu fordern.
Berlin, 23. November 1913. iGez.) Solf» Staatssekretär.''
Keine Nachgiebigkeit der Franzosen.
W. T.-B. Spaa, 21. Nov. Ju der heutigen Plenarsitzung der WaffenstillstandsLiMMission teilte General N u d a n r mit, daß Marschall Foch die in dem Schreiben der deutschen WaffenstillstandSkrmmiffion erbetenen Milderungen dev Waffenstillstandsbedingungen — insbesondere als» die Dgr-
