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Samstag. 23. November 1918.

Abend-Ausgabe.

Nr 548.. 66. Jahrgang.

Eine besondere Republik Rheinland? - ^

B. A. Berlin, 23. Nov. (tfifl. Drahtbericht.) In einem unter der Überschrift „Republik Rheinland" er­schienenen Artikel im „Vorwärts" heitzt es: Im Rhein­land wird mit z u n e h m e n d e,n E r n st und von ein .in täglich w ach sende n Perionenkreis die Frage der Loslösung vom Reich und der Bildung eines eigenen Stuatswesens erwo len. Vor einer Woche kaum in ganz schwachen Umrissen erkenntlich, liegt Heu e bereits ein fix mnd fertiger Plan vor. Jedermann spricht schon davon, morgen aber kann vielleicht Deutschland und die Welt vor eine fertige Tatsache gestellt sein. Ge­nährt worden ist dieser -Plan vor allem durch die Vor­gänge in Berlin, die dem rheinischen Bürgertum die b o l s ch e w i st i s ch e Gefahr als sehr drohend er­scheinen lassen. Tag in Berlin dre be s o n n e n e n Ele­mente die Oberhand behalten würdea, wagt man, namentlich nach den Ereignissen der allerjünalten Tage, kaum noch zu hoffen. Man wartete mit brennender Un­geduld auf die Veröffentlichung des Festpunktes der Wahl zur K o n st i t u a i t e, die man so schnell wie nur möglich gewählt sehen will und schiebt die Ursachen für die Hinauszögerung ans angeblichen Widerstand der Unabhängigen. Ferner aber ist «s tzix Furcht vor einer allzu schroffen a n l i ch r i st l i che n Esesebgebnng, i die naturgemäß vor all»m die klerikalen den sevaratisti- schen Ideen zuaänqü, macht. Die G r e n z e n des neu zu bildenden Staates sind nach nicht fest abgesteckt. Man ist aber bestrebt, das Industriegebiet vollständig einzualiedern. NaS Süden hin wird man den Anschluß an die Rbe: nvfalz und H e s s e n suchen. Schon haben bekannte Wirstchnftspilitiker die Rechnung über die ökonomische Lebensfähigkeit der neuen Republik eingestellt. Ihre Ergebnisse sollen durchaus günstig sein.

Der wachsende Widerstand gegen die Berliner Diktatur.

XV. T.-B. Darmstadt, 22. Nov. Der höfische Arbeiter-. Bauern- und Soldotenrat faßte in seiner heutigen Voll- versammlling den Beschluß, nachst-chenden Funkspriich an alle süddeutschen und aleichaesinnten norddeut­schen Arbeiter-. Bauern- und Soldatenräte zu senden- Der hessische Arbeite-», Bauern- und Soldatenrat ner» langt im Einv-rständnis mit der hessischen Regierung von der Reichs reriernna die umgehendste Einbe­rufung der R a t i -> l a l v e r s a m m l u n g, die d'>» allein wirkliche Veitretnng des deutschen Volkes dorstellt. Er lehnt eine Diktat urirgendwelcher Klassen ab. Dw hessische A-beiter-, Bauern- und Goldawnrat bistet die süddeutichen Arbeiter-, B^uern- »und Soldatenräte und die narddeuffchon Arbeiwr-, Bauern- und Soldatem-bw, die aloicker Gesinnung sind, gemeinsam mit dem fwssstchen Arbeiter.. Bauern- und Soldatvurat mtn der Reiche,reaim,mg Obia-es zu verlan­gen. Der hessische Arbeiter-, Bai'ern- und Soldatenrat ist dvi- Ansicht, daß im Fülle, wo die Reichsregle, una die Nationalversamml"ng nicht baldigst einberuten ?rnn und kine Diktatur in Be-lin aufkowmen Wllte. die si"lddeustch"n find die asti-^nesinnten norddeutschen Ar- froi*-cr-, Bauern- >md Soldatenräte« a'-^oinwm mit den Reaierunaeu die Eiuberistung der Natianalversamni- l,"'g in einer süddeutschen Hauptstadt veran­lassen sollen.

Eberls Antwort an die hessische Nealeru^a.

zV. D.-8. BerNn. 23. Nov. fDrahtbersckf.z Auf d«ts TrTm'nmm be8 beffiftben F*na*8mhtfte>-* NNoick »eilt der Belk^beanktroo^e Gtzo-» im Nomen dre Re-chsronle-nng sei» genhe» m't: Durch ib»e Ginlndnng f>»r -V } n * r 1 ft n « » nt ?it r'-rr Konfo-onz ttt Be-lin brachte dir R«sck,»reosern-n znm Bnsdrnck dad sirwritdavan entfern» ist. die fkinzesstaaken anszuscklief, en, sie vielmehr auf engste Zusammen­arbeit mit ibnen an der !M!edero«sr!chtnnq des Reiches Wert legt. Tie sieb« in der Nasiimelverfamnt- lnnq ebenfalls daS vornehmste Mittel Z«r Erreichung eine» Ziele«. Sie strebt nicht nach der D'ltatnr eines S»oate8l oder eines Bundesstaates, sondern nach einer solidari­schen Demokratie des einheitlichen Deutschlands.

Ein energischer Einspruch der 4. Armee aenen den Bois^emis»-^«;.

W. T.-B. Aachen, 22. Bor. An den Reichskanzler Cbert wurde nachstehendes Telegramm gerichtet: sin der gestrigen Sitzung des Solrx-tenraieS der 4. Armee erklärten die Dele- gierten, dab die stronttninpe die Vergewaltigung politischer Rechte durch den Terror nicht zuloNe Die stront bietest alle Kräfte auf. um einen geordneten Niickwarsch dnrchzusübren. Sie stebt geschlossen aus dem Boden detz RegienuigSprogrammS des Reichskanzlers Cbert, erwartet die s o f y r t.i g e E i n b e - rufung der Nationalversammlung und tveiü jede »olschewkftische Idee rotschiede« zwrück-

Auch der Frankfurter A. und S. gegen die Berliner D'ttaturge'üste.

W. T.-B. Frankfurt a. M., 22. Nov. Der Frankfurter Soldatenrat hat in einer vollzählig besuckiten Vollver­sammlung nach eingehender Dlskussion folgende Ent­schließung einstimmig angenommen Der Soldatenrat Frankfurt a. M. protestiert entschieden gegen den Ver­such, die Regierung sRat der Volksbeaustraqten) zu einem Organ des Vollzustsauschusses des Berliner Arbeiter- und Soldatenrats zu machen. Tie Regierung kann keineswegs der Diktatur des Rates einer e i.n- zelnen Stadt unterstehen. Sie muß Organ des gesamten Volkes fein und das Vertrauen der Volks­mehrheit haben. Die Regierung bat vor allem einen baldigen Frieden herbeizuführen und alles zn tun. um durch eine Nationalversammlung dem Willen des gesamten Volkes Ausdruck zu geben.

Das Reqierungsblptt über die Natsonalvsrs^mmlunq.

Berlin, 28. Nov. In der „Deutschen Allg. Eltg." wird ge­schrieben: Man weiß aut seitzn der Herren, die die National­versammlung auf die leichte Schulter nehmen möchten, ganz genau, daß die Regierung unbedingt für die Einberufung der Konstituante ist und sein muß. um zu einem baldigen Frieden zu gelangen. Hinsichtlich des Zeitpunktes der Eizchernfung der Nationalversammlung bestehende Ver­schiedenheiten der Nufkassung beziehen sich lediglich auf prak­tische und keineswegs politische Gesichtspunkte. Es ist zu hoffen, daß in dem Anfang der nächsten Wocke in Berlin zu­sammentretenden Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenräte Einheitlichkeit in dieser Hinsicht besteben wich. Die Ein- heitlickkeit des Reiches muß unter allen Umständen gewahrt werden. Der Entwurf zu den Wahlen wird auf dem Boden deL erweiterten ReichstagswablrechtS in Verbindung mit dem durch das äan?e Reich hindurchgehen, den Proportionalwahrecht aufgebaut werden. Wirtschaftliche Eifersucht zwischen Rörb und Süd kann heute kaum m Frage kommen.

Eimr neue Warnung Willons für die Berliner Radikale«.

Berlin, 23. Nov. Au« zuverlässiaer Quelle wollen per- schiedene Blätter berichten können, D-lson habe durch Per- mittlung einer neutralen Regierung der iehigen Berliner Negierung mitteilen lallen, er warne ernsthaft davor, in Berlin Unrnben zu dulden oder einen neuen Vertreter der Moskauer Sowjetregierung in Berlin zu,ulaffen, da d» Entente entschlollen sei. den W a s f e n st i l l st a n d zu k ü n • digen, wenn diese Warnung lein Bebör finde.

Ein dischöflicher Einspxuch gegen die Trennung von Staar und Kiribe.

Erzbischof Kardinal Hartmann hat laut „Köln. Volksztg." an die preußische Regierung folgenSe« Schreiben gerichtet: „Wie nur zuverlässig mitgeteilt wird, beabsichtigt die gegen­wärtige Regierung bereits in den nächsten Tagen durch eine Verordnung die Trennung von Staat und Kirche vom l. Avril 1910 ab einzufübren. Hiergegen lege ich namens der sämtlichen Bischöfe Preußens feierlich Verwahrung ein. weil die geplante Maßnahme ein flagranter Rechts­bruch ist. Die jetzige Regierung kann nickt als berechtigt angeieben werden, bestehende Gesetze vus-mheben durch die ae- plante Trennung, die nicht nur eine Reihe 6:esetze. sondern auch VersallunaSurkunden verlebt. Durch die Trennung wird die katholisebe Ki-che Rechte beraubt, die ihr gesetzlich zuge- sickert sind auf Grund von rechtsverbindlichen Verträgen und ans Grilnd der Ersatzpfsicht für Güter, die ibr durch die staat­liche Gewalt genommen sind. Wenn beabsichtigt wird, diese Trennung ans dem Wege einer Aaß-n Verordnung und nichr durch die Gesetzgebung zu vollziebrn. so ist das keine ge­setzliche Maßnahme, sondern ein Akt Willkür- l i ch e r Gewalt."

Bankt «Kette****« BentK^v-a für int«.

JWn, 29 Nob. Nach einer Msitoffzing d-s Kardinal­staatssekretärs bat der Pabst ans die Bitte des Kardinals von sbartmann vam 14. November d. I. w.-aen Versorgung des Rhoinlandes mit Lohonsmitteln boim ameri­kanischen und französischen Episkepat wie auch bei der eng­lischen Rogiernna sogleich entivrech-nde Sch-itte getan. Auch schon vorher batte d-r tNavi: sich heim Präsidenten Wilson um Milderung be- Waffennitzsiandsbobinmmgen und um Be­schaffung von Nabrungsmitteln für Derrtschland bemüht.

Hs«*enstttr-t an die Re*chskekkn->t.

W. T.-B. Berlin, 22. Nov. Generalteldmarschall V. H : n< denburg telegraphierte aus dem Hauptgugrtier in «cklnß Wilhelmshöhe unter dem 20. Rav. an die Reichsleitung: „Die Dasfenstillstanvskommiffion meldet, daß die Haltung der feindlichen Mitglieder der Kommission, insonderheit 8er französischen, durchaus ablehnend ist, daß die Gegner weiterbin Unmöglichkeiten fordern, und daß es mcW ausgeschlollen ist. daß die Franzosen sich einen Rechts­titel für die Wioderaufoahms des Kampfes schaffen wollen. Ich wnß anSdrüollich hetonen. daß daS dontsche Heer infolge der Härte der Wcstfenstillstandsbedingungen und unter dem Einfluß der Ereignille in der Heimat nickt in der Lage ! st.den Kampf wieder aufzunehmen. Selbst der, Kampf allein geaen die französische Armee;«äre nicht möglich. Ich halte es nir meine Pflicht, dies auch deshalb zu betonen, west au» den Äußerungen der feiudticheu

Preffe hervorgeht, daß die feindlichen Negierungen nur mit einer deutschen Regierung, die sich auf die M,e h c h e i t deS Volkes stützt, Frieden schließen werden."

Die Hesresgrrrppr Gollwitz ersucht um Eingreifen -er Reichsleitu "g.

W. T.-B. Berlin, 22. Nov. Die Heeresgruppe Gallwitz drahtet: Das Entlasten in die Heimat ganzer geschloffener rückwärtiger Verbände iBäckerei-Kolonne, Pionier-, Fern- sprech-Formationen) sowie e-nzelner auf eigene Faust zurück­kehrender Mannschaften durch die Arbeiter- und Soldutrn- räte dauert fort. Da die Führung und Ernährung des ord­nungsgemäß znrückkommrndcn Feldheeres sowie bie_ Her­stellung von Übergängen über den Rbein dadurch aufs höchste gefährdet ist, 'sind energische Maßnahmen der Reichsleitung erforderlich, um ihren klaren Weisungen Geltung zu verschaffen. Besonders ungünstig sind die Ver» hältniffe in M a i n z und F r a n k f u r t. ES wird gebeten, das Erforderliche zu veranlaffen.

An Heimat uod Hrer!

XV. T.-B. Berlin, 21. Nov. Die B 'rvffecmng de« Feldheeres auf vem Rüamorich ist durch Plünderung von Verpflequngszüaen und Verpsl-gungsn-llgozinen aufs äußer st e bedroht. Heimat und Heer wer­den dringend aufgefordert, mit allen Kräften solche Vor» kommniffe zu verhindern, dg sonst der Zusammenbruch der Verpflegung mit den schlimmsten Folgen unaus­bleiblich wäre. Bist rdocung oder der Versuch einer sol­chen hat die s ch ä r s st e n S t >- a f e n zur Folge. _

Ebert. Haase. Göhre

Dir Vollevduna der enolischen Blockade.

Sr. Haag, 23. Nov. sDrahtbericht.s Der .Nieuwe Rotterd Courant" schreibt: Die englischen Maßnahmen in der Offfer bedeuten, daß dos Deutschland umschließende Blockadenetz jetzt völlig zugezoaen wird Deutschland wird ohne Festigung feiner Regieru-gsform nicht r>ur keinen Frieden, sondern be- überbandnehmendem Bolschewismus auch keine Leben», mittel erhalten. Die Entente wünsche eine Sicherheit dar­über, daß die Lebensmittel nicht in einem Chaos verloren gehen, sondern o r d n u n a s g e m ä ß verteilt werden.

„Maasbode" schreibt: Die Schärfe der Waffenstillstands» bedingungen kann eine Reaktien verursachen. Eine ungün­stige Eniwichlnng des Verbältniffes in Deutschland ist immer noch zu befürchten. Dre ll n ab h ä n g i a e n laden durch die Behinderung der Einberuivng der NationaloersaMmlunz eine große Verantwortung auf sich.

Die Zukunft der ausgelieferten deurfchen Krieg»- schiffe.

XV. T.-B. Amsterdam, 22 Nov. Noch einer Reuter- Meldung aus London schreibt die „Dailsi Ebronicle": Was immer auch in Zukunft mit den deutschen Kriegs­schiffen geschehen wird, wir können sicher sein, daß Deutschland sie niemals z u rü ckerhal ten wird.

Weitere U Boots-Ablisferuna.

W. T.-B. London, 23. Nov. (Drahtbericht. Reuter.l Heute sollten in Harwich 24 U-Boote abgeliefert werden. ES kamen aber nur 20 an. Nach einer drahtlosen Meldung ist wabrsckein- lich eins gesunken. ES herrscht sta rker Wind und schwere- Seegang.

1600000 tranzittBchr Tote!

W. T.-B. Bern, 22. Nov. Nach erster Äußerung des Senators Doumer, des Vorsitzenden des tzrereöausschuffc» im Senat, betragen die Verlust,: Fraukrerchs an Toie.t 1-8 Millionen.

Die französische Auffassung der „Selbstbrstimmung' Elsah-L rthringens.

XV. T.-B. Bern, 22 Nov. Die französische Press» bringt den Nanener Funkspriich vom 10 November der Volksbegliftrggteu gn den Straßburger Sodgtenrgt. wo» nach die Besetzung EI'rß-Lollringens durch die Truppen der Entente nicht dis Lösung der els-iß-lotluiugikcben Frone im Sinne des S e! b sl b e st i m m u n g s r e ch t s dorstellt und knüpft da,an die Bemerkung, daß fi.ij Deutschland mit dem Verlust der briden Provinzen n b» finden müsse. Es 'ei nicht daran zu rütteln, daß d!« ebemaliaen Reichs'onde -ein integrierender Bestandteil Frankreichs geworden seien. Man werde auf eine Volks» abstimmung nicht eingeben.

wr„ (trH» r T**••'** t -- ..«rattfl« tv»*'on".

^Die Deutschen sind »nd blelben^Dondite«, ihr Schicks«! rührt tu«

W T^B- Bern, 22 RrS. Während die französische sop«- listische Preffe. der .«>»:meware zu den Bergängen in Deutschland

y*r • >h uvtetsagt worden waren, sich auch zur Solf» *-•- - K • V ; rv, r cdiett "ch Ht reaktionären Blätter gegen

diereff,» 'in' se:-' scka-^er Wrlst- Bemerkenswert ist, daß di«

GÄstRerr V?-t gefterr. mriicü'icar durste, und zwrr nach

c : ik-' llbeistv-:-.,! an i.r Hie nationalt,tischen Blätter

meüieil dies!' Net: - ! 5 r ? r e; :i u q s v e r s u ch und muss«

als sr'cher „'an le:: wrrörn. D«'6<dland mülle sich endlich dm in 'schicken.' dah e, glc.tr kapitnlirrl davr. besieg« sei mitz sch siiaen wiiffe ,P-',„ Batisicn" mein«, die Hungersnot m Deutschland kenn: sä ,nch: so arg lem, da der keutsche Beden bestellt worden sei. Das -rrli,iiir LtzaMal. das Deutschland bcransgedsir soll, sei den Alliieitc» gestthiln weiden Die Deutschen' sind und bleiben Banditen, ihr Schicksal bernbr» uns nick,t. Rnr dt« Zntrrrgr» bat 211 umtu {ml in dtruckstcht^». SRtt Dtl dtzM.