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Donnerstag, 21. November 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr 544. ♦ 66. Jahrgang.
Keine Milderung
der Waffenstillstandsbedingungen.
W. T.-B. Berlin, 20. Nov. Me zurzeit in der Presse auftauchenden Nachrichten über erreichte oder uns zugesagte Milderungen der Wusfenstlllstandsbedintzungen entsprechen nicht den Tatsachen. Vielmehr rst festzustellen: Trotz aller Vorstellungen und aller bereits zutage getretenen Unzuträglichkeiren in der praktischen Durchführung der unS auserlegten schweren Bedingungen des Waffenstillstandes ist von unseren Gegnern nicht das geringste Entgegenkommen gezeigt worden.
Die deutsche Waffenstillstandskornmisslon: Staats
sekretär Erzberger.
Die Entenlevertreter für die Friedenskonferenz.
' W. T.-B. Rotterdam, 20. Nov. Der Parlamentskorrespondent der „Daily News" ist in der Lage, die Regelung für den Friedenskongreß und die Namen der meisten Delegierten der Entente zu melden. Die Vorbereitung ist eine dreifache', in London wird das Rerchskriegskabinett zü- sammenkommen, um über die Politik des britischen Rei.hes zu verhandeln. Alle Premierminister der Dominions sollen an den Beratungen teilnehmen und das Kabinett soll sofort nach Bothas Eintreffen zusammentreten. Ferner soll gegen Diitte Dezeml-er eine wichtige Konferenz der Alliierten in Paris ftattfinden. Es handelt sich darum, eine Übereinstimmung Mischen den Verbündeten herbeizufiihren. Der Stab der britischen Delegation wird aus 200 Offizieren und Beamten bestehen. Der Friedenskongreß soll, lvenn möglich, im Januar in Versailles zusammentreten; er wird sein Hauptquartier in Paris haben. Frankreich wird durch Clemenceau, Briand, Tardieu und Bourgeois vertreten sein; ' das britische Reich durch Lloyd George, Balfour, wahrscheiulicb Lord Reading, einem A r b e i t e r v c r't r e t e r und einem oder mehreren Vertretern der Dominions. Wie der Korrespondent der „Daily News" erfährt, beabsichtigt die Regierung. wenn sie nach den Wahlen noch am Ruder bleibt, Äsquith einen Sitz im Koalitionsministerium anzubieten, damit er dem Friedenskongreß als Vertreter der Regierung beiwohnen kann, Tie Vereinigten Staaten werden durch Wilson, Elihu Root» L a n s i n g und den Obersten H o u s e vertreten sein. Italien durch Orlando und S o n n i n o . Japan durch E h i m d a und Matsui, Rumänien durch Take Joncseu, Griechenland durch Venizelos, Serbien durch Paschitsch, die 'Tschecho-Slowaken durch Mazaryk und die Jugoslawen durch Den e s z.
Tie Verhandlungen über den Waffenstillstand zur See.
W. T.-B. Berlin, 20. Nov. Über den Gang der Verhandlungen der Abordnung der deutschen Marine mit dem englischen Flottenchef Admiral Beatty in Rosyth erfahren wir von zuständiger Stelle folgende Einzelheiten: Ter englische Flottenchef hatte an den Chef der deutschen Hochseeflotte Admiral v. Hipper unmittelbar persönlich durch Funkspruch dre Aufforderung ergehen lassen, einen Flaggoffizier der deutschen Marine zu weiteren Verhandlungen nach Rosyth zu entsenden/ Der Ehef der Hochseeflotte beauftragte darauf Konteradmiral Meurer mit der Führung der Verhandlungen. Die Ankunst in Rosyth erfolgte am 15. November, 7 Uhr abends. Die Zusammensetzung der deutschen Abordnung war, dem englischen Flottenchef durch Funkspruch bereits, mitgeteilt. Auf die Anfrage des Konteradmirals Meurer, ob auch die drei Mitglieder des Soldaten za teS der Flotte der Sitzung beiwohnen sollten, lehnte der auf die „Königsberg" entsandte englische Offizier die Beteiligung des Soldatenrates im Auftrag des Admirals Beatty ab. Die drei Mitglieder mußten infolgedessen auf der „Königsberg" Zurückbleiben. Auf dem englischen Flaggschiff „Queen Elizabeth" wurde unter dem Voriitz des Admirals Beatty sofort eine Sitzung abge- halton, an der außer Beatty von englischer Seite Admiral. Madden, Admiral Tyrwhitt. der Ebef des Stabes der englischen Flotte, Vizeadiniral Brock und eine Reihe von Offizieren des englischen Flottenltabes teilnabmen. Admiral Beatty las die Zusammenstellung der von ihm gewünschten Aus- führungsbestimmungen des Waffenstillstandsvertrages vor und erklärte, daß er von der Entente und den Vereinigten Staaten beauftragt seil alle Fragen des Waffenstillstandes zur See zu regeln. Er bat Konteradmiral Meurer, sich die cheich? Vollmacht tür die Verhandlungen nicht nur als Beauftragter der Hochseeflotte, sondern der ganzen deutschen Marine erteilen zu lassen. Diese Vollmacht wurde ofovt auf^iunkentelegraphischem Wege eingeholt und von reutscher Seite erteilt. Auf die mündliche Mitteilung des Konteradmirals Meurer, daß an Bord der „Königsberg" sich »rei Mitglieder des Soldatenrates der Flotte und der Rcpu- »lik Oldenbur g-F r i c s l a n d befänden, lehnte Admiral öeatty jede Verhandlung mit dieser Abordnung ab, da er nicht autorisiert sei. Mitglieder einer Regierung zu empfangen, »ie von der englischen Regierung nicht anerkannt sei. In der zweiten Sitzung am 16. Novenrber beantwortete Konteradmiral Meurer die von Admiral Beatty gestellten Fragen, an die sich die Besprechung einzelner Punkte anschloß. Zn das Schlußprotokoll, das nach der Schlußsitzung am 6. Nov. abends aufgestellt wurde, wurden im wesentlichen die klusführüngSbeitimmungen für die Überführung der Unter- iseboote und der zu internierenden Schiffe und Torpedo- wote sowie eine Reihe Fragen ausgenommen, die die deutsche ilbvrdnung nach ihrer Rückkehr in Deutschland noch klären nutzte. Erwähnenswert ist. daß Admiral Beatty sich bereit Marte, auf die ist Artikel 24 der WaffenstiLstandsbedingun-
gen geforderte Besetzung der Oftseebefesiigungcn vorläufig zu verzichten, wenn von deutscher Seite sofort die erforderlichen Minenräumarberten in der Ostsee in Angriff genommen würden. /
Die Tranerfeier für die Berliner Opfer v der Revolution.
B. A. Berlin, 21. Nov. (Eig. Drabtbericht. > Auf dem Tempelhofer Feld fand gestern, um 11 Uhr vormilkags, die Trauerfeier für die Opfer der Berliner Revolution statt. ES war ein großes, 2hä Meter Hohrs Holzvodium errrckict worden. Aus dem 'chwarz gehaltenen Unterbau erhob sieb in 5 Meter Höhe ein wuchtiger, rat geflaggter Aufbau, auf dem die acht Särge der Gefallenen standen. Eine ungeheure Men- sthenmasse, schätzungsweise ungefähr 60- bis 70000 Personen, waren zusammengeströmt. Kränze, deren- Anzahl mir 200 kaum zu hoch gegriffen sein dürfte, wurden herbeigetragen. Die Kranzspende der preußischen Regierung aus- Eichenlaub und Tannengrün trug auf den roten Schleifenbändern die Inschrift, „Den Freiheitskämpfern die preußische Regierung." Die Reichsleitung hatte einen Lorbserkranz mit der Inschrift „Den Opfern der Revolution der Rat der Voiksbeauf- tragten." Der Kranz der Kommandantur Berlin trug nur schwarz - rot - goldene Schleifen. Als erster Redner sprach Richard Müller im Namen des 'VollzugSausschusteS ,der Arbeiter- und Svldatenräte, sodann sprach Molken- buhr. Hierauf sprach für die Reichsleitung Kabinettsmitglied Hanse. Nach Haase sprach ich Auftrag der preußischen Regierung der Minister des Innern Hirsch. Die letzten Grüße der Berliner Arbeiter' und der Stadt Berlin überbrechte Stadtverordneter Rechtsanwalt Dr. Kurt Rose n- f e I d. Nachdem die Reden beendet, ordnete sich der Tran e r- gug. Vom Schloß und vom Krnnnrrnzenpalais, von der Universität und zahlreichen öffentlichen Gebäuden wehte die rote Flagge auf Halbmast. Es war ,1 Ubr. als die letzte Gruppe des Zuges erst das Brandenburger Tor erreicht hatte und die Spitze bereits am Friedhof der März-Gefallenen anlangtc. Hier empfingen die Opfer der Revo- , lution im Namen der Stadt Berlin der Obe rbürgermeister Mermuth und -der Bürgermeister Dr. Reicks. Auf dem Friedhof sprachen die Mitglieder der unabhängigen sozialdemokratischen Partei Luise Tictz und Karl Liebknecht. Irgendwelche Zwischenfälle oder Unfälle haben sich nicht ereignet.
Die Trikolore auf dem Straßburger Münster.
Straßburg, 21. Nov, (Eig. Drahtbericht,) Französische Flieger unitreisten heute nachmittag den Münsterturm, auf dessen Spitze gleichzeitig die rote Fahne durch die Trikolore ersetzt wurde. Dies geschah unter deni brausenden -Jubel der auf den Straßen und Plätzen versammelten Menge, die die Marseillaise unstunmte. Die F 'anzosen unikreisten den Münsterturm 10 Minuten lang und verschwanden dann in westlicher Richtung.
Das belgische Königspaar in Antwerpen.
W. T.-B Amsterdam, 20. Nov. Hiesigen Blättern zufolge ist da? belgische Königspaar gestern in Antwerpen angekommen.
Mackensens Heinriehr.
Br. Berlin, 21. Nov, (Eig. Drahtbericht.i Nachdem Generalfeldmarschall v. Mackem-m mit seinem Stabe bereits ans Budapest hier einqetroffen war, sind, wie die „Voss. Ztg." erfährt, zunächst zwei weitere Züge mit deni gesamten Wirt'chaftsstabe aus Budapest in Berlin eingetroffen. Sie haben sowohl in Rumänien als auch in Ungarn die geforderte Entwaffnung a b a e- lehnt und ihre Waffen erst auf d e.u t i cf) c m Gebiet abgeliefert. Unterwegs hatten sie des öffnen K ä nr p f e mit R u m äne n, U n g a r n und T f ch e ch o - S l o w a- ken zu bestehen, bei denen sie jedoch nur einige Verluste zu verzeichnen hatten.
Die Kosten des Weltkriegs.
Haag, 20. Nov. Hollandsch Nieuws-Bureau nreldet aus Washington: Der Finanzrat der Vereinigten Staaten hat die Kriegskasten dctz Weltkrieges für alle Kriegführenden bis vergangenen 1' Mai auf insgesamt 175 Milliarden Dollar angeschlagen. In seiner Berechnung wird festgestellt, daß voraussichtlich die geiamte.Summe bis Ende dieses Jahres etwa 2 0 0 M i l l i a r d e n Dollar betragen tvird. Von dieser Tcstalsumme sind etwa 160 Milliarden Dollar dunst Kriegsanleihen der verschiedenen Staaten gedeckt.
Wilsons Völkerbundsgedanke
und der englische Weltausbeutungsplan.
W T.-B. Rotterdam, 21. Nov. (Drahkbericht.) Dem „Nieuwe Rotterd. Courant" zufolge melden „Daily News" aus New Kork: Die einflußreiche Vochenfchrfft „Neue Republik", dir «As ein «Sprachrohr Wilsons gilt, schreibt: Der Sieg brrugt England in eine mächtigere 'Stellung als nach der Schlacht bei Waterloo. Der ganze Handel wird den Beherrschern der Meere unterworfen sein. Die einzige Gefahr für die englische Übermacht bilden die U-B ooie. Die Vereinigten Staaten sind jetzt die gefährlichsten Mitbewerber Englands, mir denen die alliierten Seemächte zu rechnen haben. Das Mart nimmt an, -daß die Streitigkeiten zwischen den beiden Mächten ;u einem gefährlicheren Kampf führen kann als der jetzige Krieg. Wenn die vereinigte Seemacht der Bereinigten Staaten und England dazu verbündet würden, für den englisch-amgrikanisck»en Bund eine privilegierte Weltstellung auf dem Gebiet des
Handels und der Industrie zu erobern, so würde has ein Zusammenarbeiten ausschließlich der Ausbeutung sein, die auf die Dauer durch Uneinigkeit untereinander und durch den Unwillen anderer Völker doch mißglücken würbe. Infolgedessen muß mau den Völkerbund schaffen.
Tie maritime „Abrüstung" der Union.
W- T.-B. Philadelphia, 18. Nov. Marinesekretär Daniels erklärte in einer Gesellschaft von Marinearckn- tekten und Marineingenieuren: Die Vereinigten Staaten werden fortfahren, Schiffe zn bauen. Sie werden ihr großes Schiffsbauprogranlm fortsetzen, nicht weil wir die kleinen VölterMiierrschen wollen, sondern um den großen und klsinenMeichermaßen die Freiheit der Meere zu, sichern und um zur Überwachung der Welt beizutragen.
W. T. B. Wa-hingtvn, 18. Nov. (Reuter.) Das Marineamt schätzt das Marinebudget für 1920 auf 2-141900 000 Dollar. Das Budget wurde ursprünglich uir der: Fall der Fortdauer des Krieges ausgestellt. Man erlvartet daher bedeutende Adstrick>e. Ursprünglich, tvar u. a. für den Zeitraum von drei Jahren ein Bau- vrogranim von 136 Schiffen, einschließlich von zehn Überdreabuoughts vorgesehen.
Tschechisch-ungarische Zusammenstöße in Oberungarn.
W. T.-B. Budapest, 19. Nov. (Meldung des Ungarischen Korr.-BllveauS.s Der uingarische Nationalrat sandte Truppen nach Oberungarn, die es von tschechischen Eindring lingen säuberten. Hierbei haben zwischen Sucsany und Rutrka die sich zurückziehendeu Tschechen Lokomotiven ohne Lenker mit Shnellzuqsgesckwindigkeit gegen einen ungarischen Panzerwagen losgelassen, dessen sämtliche Insassen dis auf einen Leutnant, der schwer verletzt wurde, infolge des Zusammenstoßes umkamen.
W. T.-B. Prag, 20. Acw. (Dschecho-slowakisches Preffebur.) Die Vorgänge in der Slowakei und die Ausschreitungen der Magyaren gegen das ilowakifche Volk wurde» sofort dem Minister des-. Äußern Dre BeneS in Paris mitgeteilt. ©etter- lertSte sofort bei den Entenierogierungen Schritte ein, damit die Entente, die Magyaren zwinge, bie Bedingungen des Präliminarfriedens zu erfüllen.
Ungarn und dle bcrechtigtcn Anspriiche aus das deutsch sprachige Grenzgebiet.
VV. T.-B. Budapest, 20. Nov. Minister Oskar Jasfi sprach sich zu einem Mitarbeiter des „Az Est" energisch gegen die Ansprüche des dcutsch-Ssterrerchischen Staatsrats auf die von Deutschen bewohnten Gebiete der vier westlichen ungcrri scheu Komitate aus. Sämtliche Fragen dieser Art gehörten vor die Friedenskontereng. Ungarn fürchtete keinerlei Plebiszit, es welle nur, daß ein solches sich in allen einzelnen Fragen völlig frei kundgebe, nicht «cher unter dem Terror fremder Truppen.
Der Streit der Südflaweu und Italiener uni Fiume.
W. T.-B. Fiume, 20. Nov. Auf Grund des Beschlusses einer gestern hier abgehaltenen Konferenz der Vertreter der Ententenrächte haben die serbischen Truppen Fiume verlassen. Daraufhin sind italienische Truppen in Fiume eingerückt. Sie b c festigte n die sü dflawtfchen Embleme und Fahnen und benahmen sich wie die Herr e n der Stadt. Der Agramer Nationalrat trat sofort zu einer außerordentlichen Sitzung zu fammen. Er beschloß, bei sämtlichen Ententeregierungei, energisch gegen das Vergehen der Italiener zu protestier e n. Per italienische Kommandant in Fiume benutzte als Borwand ffir sein Vorgehen die Behauptung, «s wären Ausschreitungen gegen die italienische Bevölkerung in Fiume zu befürchten gewesen. Auf di« Intervention der südslawischen Regierung in Agram erklärte der französische Oberibefchlö- haber in Saloniki, daß die Entente dem italienischen Komma:: danten in Fiume den Befehl erteilt habe, Fiume sofort zu räumen. Gleichzeitig wurde eine französische D i v i f i o n von Saloniki nacb Fiume dirigiert. Französifch-itclli^». rrifche Truppen werden gemeinschaftlich muh witKige Punkte Dalmatiens besetzen.
Waffemtillstund in Lemberg!
W. T.-B. Krakau, 21. Nov. > (Dr^htberrcht. Wiener ktvti.-Bureau.) Am Süimtagvoninttag wurde in Lemberg em 48stündigcr Waffenstillstand besckilosten, der beiderseits mit einer dreistündigen Frist vor dem End termin gekündigt werden kann.
Teutjth-Dsterrrichs Gesandter ffir Berlin.
VV.'". 8. Wien, 21. Nov. (Drahtberickit ) Nack) dein .Neuen Wiener Abendblatt" verkantet in vaitairwntari- sche,; Kreisen, daß der sozialistische Schriftsteller Privat- dozent Dr. Ludo M. Hartmann als Gesandter des deuffch-öststerreichischen Staates in Berlin in Aussicht g.'iN'inmen ist.
Englische Sauiiäisautomobite tu Wien.
IV, T.-B. Wien, 21. Nov. (Drahtbericht.) Heute trafen hier fünf englische Simirälsautomobüe ein. Sie brachten Lebeusmittestfür die Kriegsgefungeneu der EntcntÄäudsr,
Umwälzung in der Ukraine.
W. T.-B. Kiew, 20. Nov. Ein Erlaß des Heünanö überträgt den Oberbefehl über olle Truppen in der Ukraine Gene »rl Graf Keller und eüklärt das gesamte Gebiet der Ukraine als Kriegsschauplatz, Alle Zivilbeihörden sind , dem Qberbefeksth Haber unterstellt. Der Erlaß ist zurückzuführen «ruf den Äoo- marfch natiouirl-utvmnifcker Truppenteile »wk SH**,
