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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der AposteMrche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6283 und 6283.
Montag, 18. November 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr 540. * 66. Jahrgang.
Amtliche Bekanntmachungen.
Aufruf zur Bildung einer freiwilligen Dolkswehr.
Es werden gediente, unbescholtene, in Wiesbaden ansässige Soldaten im Alter von 24 bis 50 Jahren zur Bildung einer Dolkswehr gesucht.
Meldung und Annahme erfolgt auf dein Bureau des Arbeiter- und Soldatenrates im Schloß, Eingang Markt- straffe.
Die Dolkswehr wll die infolge der Demobilmachung abgehenden Truppen ersten und die Sicherheit der Stadt übernehmen. Die Einstellung erfolgt gegen Bezahlung.
Der Vollzugsausschuß: Schlitt, Lindig, Göbner, Ha^se. Einführung des Achtstundentages.
Um einer drohenden Arbeitslosigkeit vorzubeu! wird für alle Betriebe des Stadt- und Landkreises Wiesbaden, des Untertaunus- und Rbeingaukreises vorn Montag, den 18. Noonnber ab der Achtstundentag ein- geführt, ^ür den Ausfall an Arbeitsstunden ist ein Lohnausgleich emzutühren.
Ausweise für Arbeiter- und Soldatenräte.
Um mißbräuchlicher Anmeßung des Rechts eines Bevollmächtigten des Arbeiter- und Soldatenrates entgegen zu wirken wird tie Bevölkerung daraus oufnte’f» iom gemacht, daß die Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates im Besitze eines Ausweises sind, der die Unterschriften des Voltzuosausichnsses: Göbner, Lrndig, Harte, Schlitt, den Stempelaufdruck' Arbeiter- und Soldatenrat und das Bildnis des Inhabers des Ausweises trägt.
Gesetze und Verordnungen.
Es wird der Einwohnerschaft hierdurch bekannt gemacht, daß alle bestehenden Gesetze und Verordnungen noch zu Recht bestehen mit Ausnahmen derjenigen, die durch ministerielle Verfügung autzer Kraft gesetzt sind.
Versammlung der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrätr.
Am Mittwoch, den 20. November. nachmittags 3 Uhr, findet im Schlosse zu Wiesbaden eine Versammlung der Arbeiter-, Soldaten- und Banernrate aus den Kreisen Wiesbaden-Stadt, Wiesbaden-Land, Untertaunus- und Rheingaukreis statt. Jede Gemeinde schickt 2 Räte, die mit einem vom Arbeiter- und Bauernrat der betreffenden Gemeinde und der Gemeindebehörde bestätigten Ausweis versehen sein müssen.
Reichskanzler Ebert über die deutsche, Republik. y
W. T.-B. Berlin, 16. Nov. Der Reichskanzler Ebert gewahrte dem Herausgeber der Am»rikanischen Korrespondenz. William Voscldt. eine Unterredung, in der er u. a. sagte: Man wird in Amerika und überall mehr durch unsere Handlungen als durch meine Worte erkennen, daß wir die ernst begonnene Arbeit ernst und energisch fortsetzen wollen. Das deutsche Volk, soweit es noch nicht demokratisch ist, wird eö nach und nach werden, ©t sind ein langsam denkendes Volk. Schnell sind wir nicht, dagegen sind wir aber ein j besetz reioekiierendes und Gerechtigkeit liebendes Volk. Die Männer der gegenwärtigen Regierung bilden die Regierung des ganzen deutschen Volkes. Wir behalten weiter nnlere Mandate der sozialistischen Partei und haben alle G-lcgenbeit. für unsere Prinzipien und unseren politischen Glauben einzutreten, und gerade weil wir an die Rechte des Volkes gl-a"ben, werden wir fortfahren, wie bisher, ohne die Rechte Andersdenkender zu verletzen, für unsere Prinzipien und unseren politischen Glauben einzutreten und bemüht -ein.an dem Aufbau einer Weltordnung mitzuarbeiten, in welcher die produzierende Klaffe nicht eine ent- j erbte Klaffe sein soll. Diese Gerechtigkeit wird überall triumphieren, iro wirklich demokratisch regiert wird, und nirgends wird dieser gerechte Grundsatz wahrere und allgemeinere Anerkennung finden als gerade beim deutschen Volk, und deswegen wird die deutsche Republik auch in der Einwohnerzahl nächst der amerikanischen die größte Republik der Welt werden. Jetzt handelt es sich für uns und in gewissem Grade auch für unsere früheren« Gegner um die B r o t f r a g e. Ihr Präsident scheint auch in dieser Hinsicht richtig zu denken. Hunger kann un§ nicht 'türken. Es heißt jetzt die schwer erkämpfte Demokratie aus- -ubauen und wenn notwendig fiir ihr Fortbestehen zu kämpfen. Die junge deutsche Republik hat ein Interesse daran, von dem omerikaniscben Volk und seinem Präsidenten nerffanden zu werden. Dir hoffen, daß dt? um so leichter geschehen wird, als viele Jdsengänge de? Präsidenten Wilson und damit des amerikanischen Volker ganz den Gedanken entspreclien, die die deutsche Republik und ihre Regierung, ibre Volksbeauftragten beherrscht haben und weiterhin be- berrsck-cn. Im b»si>nderen sind die Forderungen nach einem Frieden des Rechts und der Gerechtigkeit, nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker, nach der Herrschaft der Völker über ihr eigenes Land und nach Organisation eines Völkerbundes wesentlichen Bestandteile des Programms der gegenwärtraen Regierung. Um infer politisches Programm und die Demokratie in Deutschland durchführen zu können, ist die Frage der Bol? s- ernährung das Fundament «ne« jeden staatlichLn
Lebens. Diele Frage ist eine unbedingte Voraussetzung des Weiterbestehens der deutschen Volksrepublik. Wir haben cs deshalb mit Freuden empfunden, wie sehr der Präsident der Bereinigten Staaten diese Voraussetzung durch das Versprechen einer tatkräftigen Hilfe anerkannt hat. übermitteln Sie Ihrem Herrn Präsidenten und dem amerikanischen Volke unseren Dank und lassen Sie uns hoffen, daß nach einem gerechten Frieden uns gemeinsame Ideen auch gemeinsamer- Arbeiten ermöglichen werden zum Heile des amerikanischen und des deutschen Volkes, aber auch zum Segen der ganzen Menschheit.
Der neue Wahlrechtsgesetzentwurf.
Br. Berlin, 18. Nov. (Eig. Drahtberichi.) Der Entwürfe des neuen Wahlrechts sieyt, wie der „Vorwärts" ineldet, Wahlkreise bis 150 0 00 Einwohner vor. Für das ganze Reichsgebiet wird die Verhältniswahl eingeführt in ähnlicher Weise wie das vom Reichstag für einige Großstädte beschlossen war. Ersatzwahlen gibt es nicht. Beim Ausscheiden eines Mitglieds rückt der n ä ch st e in der Liste auf. Die Wählerlisten sind am 2. Januar auszuleqen. Einsprüche vis zum 11. verzubringen und bis zum 25. zu erledigen. Über die nachträgliche Aufnahme von M i l i t i r v e r s o n e n, die im Januar heimkehren, soll eine besondere Verordnung ergehen. Die Wahlen sollen dann, wie -chon gemeldet, am 2. Jebruar vorgenommen werden. Das Verfahren ist wie bei der Reichstagswabl, nur daß diesmal Männer von 25 bis 20 Jabren und Jrauen über 20 Jahre mitwählen. Für den Fall. daß Deutsch- Österreich den Eintritt in die deutsche Republik bewerkstelligen sollte, soll seinen Abgeordneten der Beitritt zur Nationalversanimlu" l ent'vrechenü den allgemeinen Re kein offen steh»n. Eine Be, choerung der Wahl in Österreich soll da? R 'äst der Beteiligung nicht aufheben
Der Zusammenschluß des Bürgertums.
Berlin, 18. Nov. Der geschästsführend- Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei hat gestern endgültig der Vereinigung mit der nationalliberalen Partei und den Unterzeichnern des demokratischen Ausrufs zugestimmt.
Verschmelzung der Konservativen.
Berlin» 18. Nov. Wie verschiedene Blätter erfahren, haben am Samstag Einigunasverhandlungm zwischen den Deutschkonservativen und den Freikonservativen statt, gesunden, die zu dem Ergebnis führten, daß die beiden Parteien sich verschmelzen und in Zukunft gemeinsam auftreten werden.
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Für die Teilnahme an der deutschen Nationalversammlung _ in Befracht kommende ßshiefe
Die Zugeständnisse Fachs.
Berlin, 17. Nov. Die deutsche Waffenstillstandskommission veröffentlicht die Fortsetzung ihres Berichts über die Verhandlungen im französischen Hauptquartier. Der Bericht gibt diesmal eine ausführliche Darstellung des Verlaufes der Verhandlungen und Besprechungen und eine Zusammenstellung der von der Kommission erzielten Zugeständnisse. In dem Bericht heißt es u. a.:
Marschall Foch hatte zunächst jede Verhandlung abgelehnt. Es gelang aber, ihn umzustimmen und zu erreichen, daß Verhandlungen in nicht offizieller Form stattfanden. Die Grundlage bildete ein von der deutschen Delegation aus- gearbeitcter Gegenvorschlag, der auf sämtliche Punkte ein» ging. Nachdem Foch das Schriftstück erhalten hatte, wurde er in weiteren vertraulichen Besprechungen ausgiebig erörtert, wobei der Marschall auf sämtliche Gegenvorschläge einging und antwortete. Die Zugeständniffe sind in ihrer Mebrzabl schr-n bekannt. Einen wichtigen Erfolg erzielte die Waffenstrllstandskemmission in der elsaß-lothringischen Frage. Sie setzte es durch, daß die in den französischen Bedingungen angewandte Bezeichnung pays ertvahi für die Reichslande ausgemerzt wurde, diese also nicht mehr als besetztes Gebiet bezeichnet wurder^p Da durch wurde für die Friedensver
handlungen die Anwendung der Wilsons chen Grundsätze auf die elsaß-lothringische Frage in vollem Umfange gewahrt. Erreicht wurde ferner, daß Verwaltung, Gesetzgebung und Rechtsprechung in den linksrheinischen Gebieten unverändert, also deutsch bleiben. Ein weiteres Zugeständnis ist es, daß die Nichteinhaltung der Räumungsfrist kein Grund zur Kündigung sein soll. Auf di; deutschen Vorstellungen gegen die verlangte Besetzung der rechtsrheinischen Brückenköpfe berief sich Marschall Foch immer wieder auf das Telegramm Bethmanns an den Pariser Botschafter Baron Schön von Ende Juli 1914 worin als Garantie der Neutralität Frankreichs die Beseyung von Toul, Epinal und Verdun gefordert worden war. Neu ist endlich die Mitteilung, daß die deutschen Truppen in O st a f r i k a nicht bedingungslos kapitulieren müssen. Es wurde vielmehr für ste ehren voller Abzug erzielt und sie werden bis zur Ankunft deutscher Schiffe in Sansibar von der Entente verpflegt werden. Endlich bleibt es Deutschland Vorbehalten, seine Kriegsschäden anzu melden.
Die französischen Friedensbevollmächtigten.
kr. Genf, 16. Nov. ?Eig. Dwhtbericht.1 Als Bevollmächtigte Frankreichs für die Friedensoachandlungen werden der frühere Ministerpräsident Brrand und das führende Parlamentsmitglied Bourgeois sowie der Vertreter einer wichtigen Kolonie genannt. Dem „Co«-.-»-^ fießa Sera" wird aus P a t i s berichtet: In der bevorstehenden Konferenz in Versailles werden die Friedensbedingungen der Alliierten auf Grund des Wilson-Programms und der früheren unter den Alliierten geschlossenen Abkommen beschlossen werden.
Der Beginn der Pralkmlnarfriedensverhandlungen
Berlin, 18. Nov. Dem „Vorwärts" zufolge wird der Beginn der Verhandlungen über den Präliminarfrieden in nächster Zeit, jedoch kaum vor Ende dieses WsnatL zu erwarten sein. Sie werden in Paris oder Versailles stattfinden und sollen bis Ende Januar beendet sein. Danach wird die Beratung des eigentlichen FriedenZvertr-igeS besinnen Dazu wird ein Apparat von vielen hnndertDelegrer- ten aufgsboten werden. Eine ganze Anzahl von Spezialkommissionen muß gebildet werden, die im Zu» sammcnhang mit der Friedenskonferenz tagen sollen.
Die Alllerten kn Metz.
W. T.-B. Metz, 18. Nov. Im Sauft des g-strigeu Nachmittags firn» die ersten Vortrupps der Alliierten — Franzosen, Engländer und Amerikaner — in Autos so wie in kleineren Abteilungen hier eingetrosfen.
Ilnfere Schiffe auf dem Wege zur Internierung.
Berlin, 18. Nov. Der erste Teil der für die Internierung bestimmten derrtlchen Schiffe bat, wie die „Vossische Zeitung" berichtet, gestern nachmittag den Kieler Hafen verlaßen und ist durch den Kaiser-Wil- helm-Kanal nach der Nordsee abgedampst, wo die Schiffe weitere Befehle erwarten, in welchen Häfen sie interniert werden.
Frankreichs Vertreter in Marineangelegenheiten.
Br. Genf, 16. Nov. (Eig. Drahtberichi.) Der Kreuzer „Admiral Aube" -hat Brest verlaffen, um sich nach dem Firth of Forth zu begaben, wo er sich mit zwei Torpedobooten zur Verfügung des Admirals Grosser stellen wird, ter als Vertreter Frankreichs in der Komm'.ffion der Alliierten die Ausführung der auf die Marine bezüglichen Waffenstillstandsbedingungen zu sichern hat.
Die Polen als Herren von Stadt und Provinz Posen!
W. T.-B. Berlin, 17. Nov. Dem „Vorwärts" wird aus Posen vom 15. Nov. telegraphiert: Seit gestern befinden sich die Stadt und ein großer Teil der Provinx Posen in polnischen Händen, und zwar geschah diese Uw Wandlung nicht durch d-n Einzug d»c polnischen Legi» n ä r e von außen, sondern dadurch daß die Polen im Arbeiter- und S o l d a t e n r a t die Macht an sich brachten. Am 9. November kamen Matrosen und Soldaten nach Posen und verhandelten mit dem Vorstand der sozialdemokratischen Partei und regten die Bildung von Soldatenräten an. Die sozialdemokratische Partei verhielt sich dieser Anregung gegenüber abwartcnd. Schließlich wurde aber, wie verlautet, die Bildung von Arbeiter- und Soldatcnräten von dem Gouverneur s e l k st anaeordnet. In den Arbeiter- und Soldatenräten trat der sozialdemokratische Einfluß ra.ich zurück. Der frühere volnftwe Abgeordnete S e y d a nak,w die Sache in die Hand, indem er unter lcharsen Ausfällen nick die Juden die Besetzung der A.eh'iiir» und Solda^nrätc mir Polen foiderte. Am 14. Noven'ber erschien eine Wache de» polnischen Legion vor dem Rath ins aal- -'In'ae Alarmschüsse ab und begann dann ihre Ve'Handlungen mit dem Arbertcr- und Soldatenrat. Es wurden den Polen vier weitere Sitze zrrgestanden. Di? sozialdemokratische Partei stellte sich seitdem auf den Standpunkt, daß mit dem Übergang de- tatsäcklichen voliti'cken Macht in die Hände der polnisch- nationalen Bewegung! als mit einer Tatsache gerechnet
