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Die deutsche Republik.
Der Ruf nach einer deutschen Nationalversammlung
iBon unserer Berliner Abteilung.)
# Berlin, 13. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Langsam, noch etwas schwerfällig kommt die Regierungsmaschrne wieder in Gang. Die Nebel, welche bisher die inneren Vorgänge der Umwälzung verdeckten, beginnen sich zu lösen. Das Chaos lichtet sich. Die deutsche Republik, welche nunmehr erstehen soll, beginnt äußere formen zu zeigen, und es muß jetzt tatkräftig mrt dem inneren Aufbau begonnen werden. Es hat keinen Zweck, Vergangenem nachzutrauern und tatenlos in der Ecke zu stehen. Jetzt müssen alle anfassen und sich mit dem Gegebenen abfinden. Bisher hat das Bürgertum mit verhaltenem Atem der rasenden Entwickelung der Dinge zugeschaut ohne Stellung zu nehmen. ohne einzugreifen. Es macht einen geradezu beschämenden Eindruck, wenn man sieht, wie Leute, die gestern noch das große Wort führten und gegen Zensur und Beschränkung der bürgerlichen Freiheiten donnerten, heute mit schlotternden Knien zum Abwarten mahnen. Wenn das in der Tat die Stimmung in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft fein sollte, dann, ja dann verdiente sie wirklich nichts anderes, als beiseite gedrängt zu werden, und oie Sozialdemokraten hätten recht, wenn sie eine solche Bevölke- rungsschicht ausschalteten.
Man hört vielfach aus dem Lager der fetzigen rern sozialistischen Regierung, daß die Frage der Einberufung der deutschen Nationalver- s a m m l u n g oder, wie sie jetzt heißt, ..Konstituante" zu Mißbelligkeiten geführt hat. Wenn aus amtlichen Krei- sen verlautet daß über diese Frage, die unserer Ansicht noch die b r e n n e n d st e und w i ch t i g st e i,t. zwischen dcn regier enden sozialdemokratischen Parteien noch keine Erörterungen gepflogen worden sind, so beweist das nur, daß diel? Erörterungen aus Besnrchtnnq-n h-r-ius, sie n-öcktcn den kaum gekitteten Riß zwischen Sozraide IN c f» o t c n und Unabhängigen neu erstehen loilen, bi; ber unterlassen sind. Sicher ist es heute, nicht nur für d-c Sozialdemokratie, sondern für die gesamte weiv-re Entwickelung der deutschen Republik sowie im Interesse der öffentlichen Sicherheit von weitgehendster Bedeutung, daß b c i d e P a r t c i e n zusammen- Hallen. Aber anderer-feits muß klar ausgesprochen werden, daß nicht nur etwa das B ll r a e r t u m. sondern auch weitest-, fl reise, sicher die Mehrzahl der Sozialdemokraten, heute, nachdem die Anfangs- stadien als überwunden angesehen werden köniren, wissen wollen, w c> r a n s i e s i n d. Es waren stets die Sozial- demckraten. welche von ieber die dringend? Forderung stellten, daß in der Politik mit o f f e n e n Karten gespielt werden müsse und besonders die Unabhängigen haben es dem alten Reaime zum Vorwurf gemacht, daß man nickt den Mut gehabt habe, unbegueme Entsckei- dunaen zu treffen. Heute unter dem neuen Reaime ein ähnliches Spiel. Es scheint geradezu unverständlich, daß die unabhängigen Sozialdemokraten sich gegen Wahlen zu der Konstituante wehren, es cckso zu verhindern suchen, daß weitere Kreis? an der Reaie- rung sich beteiligen, die beute sicher auf republikanischem Boden stehen und eine sozialistische Regierung sicher nur stützen, sie vor allem auf ein? noch breitere Basis stellen würden. . .
Ander? würde es sein, wenn die Sozialdemokratie rm- stände wäre, tatsächlich die neue Regierung allein zu firbren, d. b. wenn sie die bürgerlichen Elemente von- ständko entbehren könnt- Aber das kann sie nicht und will sie nickt und die Beamtenschaft hat denn mich bis zu den höchsten Spitzen ibre Geschäfte rubig weilerae- sührt. Der Apparat ist nicht ins St o ck e n gekommen und nachdem nun einmal die sozialistische Regie- rung das Bürgertum in Form der Beamtenschaft sowie in vielen anderen Dingen nickt entbehren möchte und sie benutzt, bat sie auch nicht das Reckt, zu einer politi- sehen Unterdrückung zn schreiten. Wir haben es in Rußland erlebt, wohin es geführt hat. als man dr? Wablen »ur Konstituante dauernd lsinausschib. Die rad,- kalsten Elemente bekamen die Oberhand. Der Bolsck"- w i s m ii s. der sogar nach Ansicht K a n tz k v s, der doch gewiß sehr links steht, nichts mehr mit dem Sozialismus gemein hat. siegte über alle anderen sozialistischen Strömungen. Die Besorgnis, daß die Wahl zu einer Konstituante die Sozialisten um die Frückte ihres Sieges bringen könnte — und das ist sicher der Haupt- grund der Opposition dagegen — ist aber vollkommen unbegründet. Es kann nicht der geringste Zweifel Herr, schon, daß die Wahlen eine großeMehrhert der Sozialdemokratie ergeben werden. Die bürgerlichen Abgeordneten bilden fraglos eine Minder heit, die nicht zu fürchten ist: namentlich aber die libe ralen Kreise, die stets mit dem sozialistischen Gedanken sympathisiert haben und während der letzten Jahre auch bei den Dohlen fast durchweg die Sozialdemokratie unterstützten, empfinde» di« 2er»öseruaa der Wahlen
geradezu als ein? Zurücksetzung. Schon beginnt eine Bewegung, die zeigt, daß die bürgerlichen Kreise nicht länger gewillt sind, tatenlos zuzuschen. Der A u t- ruf des Hanssbundes sowie drc der Fort- schrittlichen VolkSpartei zeigen die Richtung, in der man sich zu oewegen gedenkt. Die aufzubaucnde Organisation wird vor allem dafür 'orgra, daß man nicht weiter die Bürgerjchoft. wie in den bisherigen Tagen der Revolution — wegen ihres Verhaltens vielleicht nicht mit Unrecht — völlig übersieht. Tie sozialistische Regierung aber sollte auch nicht verkennen, daß es höchste Zeit ihrerseits ist, an die Bürgerschaft heranzu- treten. , ^ .
Wir wollen unsere deutsche Republik, die aus Not und Elend, aus Blut und Eisen in der schwersten Stunde, die das deutsche Volk je erlebt hat, geboren ist, alle ausbauen. Gerade die nächsten Wochen, in denen dre F r t e- den--» erhandl ungen geführt werden, müssen der Welt zeigen, daß die neue deutsche Republik die ans den Trümmern des alten Kaiserreiches entstanden ist. ein geordnetes StaatSmesen darstellt. Das Vergangene muß vergessen und begraben 'ein Nur einig, nur vorwärts schauen, kann die deutsche Revublik einer Zukunft entgegensehen, die die geschlagenen Wunden vernarben läßt und unser Vaterland wieder emporführt, einer neuen besseren Zeit entgegen.
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Heranziehung bürgerlicher StaatsiekretSre.
Sr. Berlin, 13. Nov. lEig. Drabtbericht.) Wie da« „93. T." stört, hot die sozialistische Reaierung dem fortfcfiritt- licben Abgeordneten Justizrat Dr Waldstein die Leitung des Rerchssustizamtes und dem ehemaligen Staats- fekretär Dr. D e r n b u r g die Leitung des Reichsscbay- a m t e s angeboten. Die beiden befragten Persönlichkeiten haben sich ihre Entscheidung Vorbehalten.
Der neue Chef der Reichskanzlei.
B. A. Berlin, 13 Nob. (Eig. Drrbtbericht.) Wie wir stören, ist von der Reichsregie rung der bekannte sozialdemo- kratische Journalist Kurt Baake zum Chef der Reichskanzler ernannt worden. Baake erstem sich in den Kreisen der Preise allgemeinen Ansehens. E-r ist Vorsitzender des Vereins der Parlrmentsiournaliste» und Mitglied de? Vorstandes des Bezirksverstandes Berlin-Brandenburg im Reichs- Verband der deutschen Presse.
Aufruf der nat onalliberalen Reichstagsfraktion.
8. A. Berlin, 13. Nov. lEig. Drabtbericht.) Die in der Reichshauptstodt anwesenden Mitglieder tcr naiionalliberalen Fraktion des Reichstags erlasicn einen Aufruf, in dem sie di? Ausschreibung von W a h l e n zu einer konstituierenden Nationalversammlung fordern, sobald alle Wähler in der Lage sind, ihre staatsbürgerlichen Wahlpflichten zu er- füllen. Weiter fordern st? in diesem Aufruf auch, daß alle der nationalliberalen Partei anacbörigen Beamte und Landwirte der provisorischen Regierung mit allen Kräften bei ihren Bemühungen bei stehen, um den geordneten Gang der staatlichen Geschäfte aufrecht zu erhalten und die Ernährung der Bevölkerung zu sichern.
Schwaizgoldrol für den Berliner Soldatenrat.
Sr. Berlin, 18. Nov. (Eig. Drahtbericht.) Der Soldatenrat hat für seine Mitaliedcr die sch-warMoldrotc Armbinde als Wahrzeichen der deutschen Demokratie eingcfuhrt.
Das vorb ldllche hessische Ministerium.
W. T.-B. Tarwstadt, 13. Nov. (Drahtbericht.) Das neue heffische Ministerium ist heute vormittag gebildet worden Ministerpräsident ist der susialdemokratische Abgeordnete Ulrich, der gleichzeitig die Leitung des Ministeriums oes Innern übernimmt. Die Leitung der Finanzen übernimmt der fortschrittliche Abgeordnete. Beigeordneter Henrich (Darmstadtl, die Leitung der Justiz der Zentrumsabgeordncte Justizrat v. Brentano (Offenbach» und die Leitung des Kultus der fortschrittliche Abgeordnete Profeffoc Urstadt aus Gießen.
W. T.-B. Darmstastt, 13 Nov (Drrbtbericht.) Das neue Ministerium hat noch sollende Erweiterung erfahren: Die Leitung der Minist.'rirl.ibr-il lng des Ernährungswesens übernimmt der sozialdemokratische Abgeordnete Reumann, die des Arbeitsamtes der sochild.-mok:Nische Abgeordnete Nab.
Der Thronverzicht des Königs von Bayern.
w. T.-B. München, 13. Nov iDrabtbericbt.) Die Korrespondenz Hofswann meldet amtlick- Dem Ministerium ging folgende Erklär»na zu- „Zeit meines Lebens haste ich mit dem Volke und für das Volk oeacsteitet. Die Sorge um das Wohl meines aeliebten Bauern war stets mein hohes Bestreben. Nachdem infolge der Ereianiffe der letzten Tage ich nicht mehr in der Laae b:n, die Negierung weiterzuführen, stelle ich allen Beamten und Offizieren und Soldaten die Weiterarbeil unter d-n gegebenen Verhältnissen frei und entbinde sie des mir geleisteten Treueides.
A n i f, 13. November L u d w l g.'
Auf diese Kundgebung wurde geantwortet: Der
Mini st errat des Volks siaars nimmt den Thrvnver. zicht Ludwigs III. girr Kenntnis. Es steht dem ehemalige;! König und seiner Familie nichts im Weg,sich wie jeder andere Bürger ftei und unangetastet in Bayern zu bewegen, sofern er und seine Angehörigen gegen den Bestand des Volks- staats nichts unternehmen. Der Ministerrat des Volksstaats Bayern: Kurt Eisner, Bauer, v. Fraucudorffer, Jaffe, Roß- Jyni y tMf , L«n«, Unterteil««.
(Sitte Waffensttllstandsverscharfung.
Auch Helgoland soll besetzt «erden.
W. T.-B. Berlin, 13. Nov. (Drahtbericht.) Der deutschen Waffrnstillstandsdelegatiou ist folgender Z u s a tz zu dem Ber- trag zugegangen: Auch mit Rücksicht auf die neuen Ereignisse wird den Bedingungen des Waffenstillstandes hinzugesetzt: Falls die Fahrzeuge nicht in den bezeichneten Fristen, übergeben werden sollten, werden die Negierungen der Verbündete» und der Bereinigten Staaten das Recht haben» Helgoland zu besetzen und ihre Übergabe zu sichern.
Die Verhandlungen mit der englischen Admiralität.
W. T.-B Wilhelmshaven, 13. Nov. (Drahtbericht.) Letzte Nacht gab durch Funkspruch der Chef der englischen Flotte dem Chef der Hochseestreitkräfte Anweisung, sich mit einem Kreuzer an einer bestimmten Stelle einzufinden, um die Besprechung zur Ausführung der Waffen st ill st andsbrdin- g n n a e n aufzunehmen.
IV T.-B. Wilhelmshaven, 13. Nov. (Drahtbericht.) Der kleine Kreuzer „Königsberg" ging um 1 Uhr mittags mit den Bevollmächtigten des Arbeiter- und Sol- daienrats der Flotte zur Zusammenkunft mrt den Vertretern der englischen Admiralität in See. Den Vertretern ist eine Vollmacht gegeben worden, in der es heißt: Ter Arbeiter- und Soldatenrat der Nordseestation und der Flotte erteilt hiermit dem Obermatrosen Wilhelm We« g e r 8. dem Oberstruermann Alfred Jahn und dem Obermaschinisten, maat M or m a n die Vollmacht» im Namen des Arbeiter- und Soldatenrats der Rordseestation» dem sich die Flotte unterstellt hat, an den Beratungen über die Ausführungen der W a f f r n- stillstandsbedingungrn teilzunrhmen und Verträge abzuschließrn. Unterzeichnet ist die Vollmacht vom P r ä s i - deuten der Republik Oldenburg-O st friesland Bernhard KuHut und dem Chef der Hochsee st reit- kräftr v. Hipper. Hipper nimmt nur alS fachmännischer Berater an den Verhandlungen teil, während daS anSführende Organ der Arbeiter- und Soldatenrat ist.
Die zu internierenden deutschen Kriegsschiffe.
W. T -B. Berlin. 13. Nov. (Drahtbericht.) Zu Ziffer 23 der Waffeustillstandsbedingungen (Internierung deutscher Kriegsschiffe in neutralen Häfen oder in Häfen der vrrbüu- deten Mächte) sind von England zunächst folgende Kriegsschiffe namhaft gemacht worden: „Bayern", „Kronprinz Albert",
„Großer Kurfürst", „Kronprinz Wilhelm", „Markgraf", „Friedrich der Große", „König Albert", „Kaiserin", „Kaiser", „Prinzregent Luitpold". Hindenburg", „Derfflinger". „Sei-dlitz", „Moltke", „v. d. Tann", „Brummer", „Bremse", „Köln", „Dresden". „Emden". „Frankfurt", „Wiesbaden", 50 modernste Zerstörer. Die Abfahrt muß bi« zum 18. Nov„ 8 Uhr vormittags, erfolgen. Das Ziel ist noch nicht genannt. Die Schiffe sollen mit reduzierter Besatzung fahren und ohne Munition.
Hindenburg pflichttreu aus seinem Posten.
Sn. Köln, 13. Nov. (Eig Drahtbecickt.) Die gestern aus dem Großen Hauptquartier zurückoekehrten Vertreter deS kölnischen Arbeiter- und Soldatmcates erklärten: Hindenburg hält es für seine Pflicht, auf feinem Posten zu bleiben, lis das Heer in seine Heimat zurückgekehrt ist. Die Kölner Vertreter haben sich auch mit dem Soldatenrat im Großen Hauptquartier ausgesprochen. Tie Oberste Heeresleitung gab die Erklärung ab, daß die Kölner Revolution am vergangenen Freitag von unabsehbarer Bedeutung gewesen sei. Die Oberste Heeresleitung ilnd der deutsche Kronprinz haben sich durch Fernsprecher fortgesetzt über die Umwälzung im Volk und den Zusammenbruch der Kölner Garnison unterrichten lassen. Aas Grund der Kölner Vorgänge wurden im Großen Hauptquartier außerordentlich weitgehende Beschlüsse gefaßt und auf Anregung des Großen Hauptquartiers sofort in der Etavpe und an der Front Soldatenräte nach Kölner Muster gebildet. Dadurch wurde eine ungeheure Katastrophe vermieden.
Ein ernster Appell Brantings an Wilson.
IV. T.-B. Stockholm, 12. Nov. Zur Note SolfS an den Präsidenten Wilson äußert sich Br an trug mt „Socialdcmo- kraten" folgendermaßen: Dieser würdige Appell, den die neue deutsche Regierung an Wilson richtet, damit dieser die wirtschaftlichen 93e d i n g u n g e n des Waffenstillstands mildert, mutz die ganze Sympathie aller rechtlich Denkenden haben. Das deutsche Volk besitzt ein Recht darauf, zu fordern, daß jene Nationen, die während des ganzen Kriegs immer wieder erklärten, der Kampf gelte nicht dem deutschen Volk, sondern seinem Militarismus, jetzt nicht die ersten Schritte, die es als freie Nation tun soll, Zwang, die ersten Schritte, die es als fteie Nation tun soll, erschweren. Wilson tft in der Reihe seiner Äußerungen Dolmetsch des W e l tg e w i sie n s gegenüber den deutschen Gewaltherren gewesen. Jetzt steigt von derselben ganzen Welt in ent scheidender Stunde die Aufforderung zu ihm auf, sein Wort, das schwerer wiegt, als eines anderen einzelnen Mannes, für die Linderung jener Waffenstillstaudsbe. dingungen in die Wagscha-le zu werfen, die offenbar das neue Deutschland mit all jenen unberechenbaren Katastrophen bedrohen die eine weitere Erschwerung der Lebensmittelzuftchr über sein gepeinigtes Volk bringen müßte.
Noch keine amerikanische Demobilisierung.
W. T.-B. Washington, 13. Nov. (Drahtbericht.) Der Marriiesekretär Daniels teilt mit, daß keine sofortigen Schritte zur Demobilisierung irgend eines Teils der amcxila» nischen Seestreitkräfte getan worden sind.
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