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Mittwoch, 6. November 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr. 520. - 66. Jahrgang.
Die Midie Delegation non Berlin obgetei t.
W.T.-B. Berlin, 6. Nov. (Drahtbericht. Amtlich.) Die deutsche Delcqation zum Abschluß eines Waffenstillstandes und zur Aufnahme von Friedensver. Handlungen ist heute nachmittag von Berlin nach dem Westen abgereist. ^ ^
Ae Mootl kl Alliierten eingetroffen.
W.T.-B. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Die Antwort auf die letzte Note der deutschen Regierung an den Präsidenten Wilson ist heute hier eingetroffen. Ihr Wortlaut wird heute abend bekannt gemacht werden. Sie enthält die Stellungnahme der verbündeten Mächte zu Wilsons Friedensprogramm, behandelt Ansprüche der Gegner auf Schadenersatz und stellt der deutschen Regierung anheim, mit dem Marschall Foch in Verbindung z«
Persönliches Erscheinen Wilsons auf der Friedenskonferenz?
Lugano, 5. Nov. (Frkff. Ztg.) Nach einer Meldung der Londoner .Times" au» New Dort Hai Wilson beschlossen, per- sönlich auf der Friedenskonferenz zu erscheinen.
W« Bericht über die Verhandlungen vor dem Abschluß.
Haag, 4. Nov. Die Deröffentlichung der Waffenstill- skmdsbedingungen auf der Versaffler Konferenz wurde bestimmt in der Nacht vom Freitag auf Samstag" Moar- tet. Die Grundfrage ist nun, wie weit die Miierten gehen müssen, um einen Wiederbeginn der Feindselig, keiten durch Deutschland unmöglich zu machen. Im Saufe der Verhandlungen haben sich die mäßrgenden Einflüsse immer deutlicher geltend ge- macht, und zwar in gleichem Maße, in dem es sich als notwendig herausgestellt hat, die Friedensbedin- gungen zusammen mit den Bedingungen für den Waffenstillstand ins Angszu fassen. Im engli- scheu Kabinett sind die Anhänger eines vernünfti- gen Friedens stärker vertreten, als es nach autzenhin zur Geltung kommt, und angesichts des ungeheuren Druckes der öffentlichen Meinung, die sich jeder Führung durch die Verantwortlichen entzogen hat, zur Geltung kommen kann. Auf einem extremen Standpunkt steht setzt hauptsächlich Frankreich. Die Bedeutung des erfolgreichen Widerstandes der deutschen Front in diesem Augenblick kann überhaupt nicht über- schätzt werden. __
Der Tagesbericht vom 6. November.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Nov. (Amtlich.)
Westlicher Krirakschanplah.
Jnfanteriekämpfr in der Scheldeniederung. Auf dem Schlachtfeld zwischen Schelde und Oise haben wir uns vom Gegner abgesetzt. Der Feind, der gestern nach stärkstem Artilleriefeuer seine Angriffe wieder aufnrhmen wollte, stieß auf geräumte Stellungen. Bei seinem weiteren Borgeben wurde er durch unsere Nachhuten in Einzel- kämpfe verwickelt, die im Wald von Mormal und südöstlich von Landrerirs größeren Umfang annahmrn. Der Feind stand am Abend westlich von Barai am östlichen Rand de« Waldes von Mormal, östlich von Landrecies und östlich von Guise. Auch zwischen der Oise und der M a a 8 haben wir größere Be. wegungeu durchgeführt. Der Gegner ist im Lauf des TageS gefolgt nnd bat westlich der A i S n e die allgemeine Linie Marlr-Dizy le GroS-Fely erreicht. Östlich der Aisne stehen wir mit ihm nördlich von Le CheSne und westlich von Beau- mvnt in GrfechiiSfühlung. S t a r k e « n g r i f f e des Feinde» bei Beaumont und Letanne wurde« abgewiesen.
Südlich von Dun stieß der Amerikaner unter hefti. ge« Feuerschutz über die Maas und drang in die Waldungen «uf den östlichen MaaShöhen zwischen Milly und BiloSneS ein. Das sächsisch« Jäger-Regiment Nr. 7 warf den in der Mitte der Kampffront auf Fontainrs vordringenden Feind zurück und nahm den Epinry-Wald wieder. Die Kämpfe fanden am Kamm der östlichen MaaShöhen ihren Abschluß. Auf dem östlichen tlfer der MaaS schlugen brandenburgische und sächsische Regimenter neue Angriffe der Amerikaner auf den Höhen Mich von Sivry nnd in dem Wald von Etraye ab.
Wir schoflen am 4. November 45 feindliche Flug. »e«,e ab. Oberleutnant Bvlle und Leutnant Koennecke ctccaern ihren 35. Luftsieg.
Der Erste Geueralquartiertnerster: Gröner.
Die bolschewistischen Umtriebe in Deutschland.
Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Ruhland.
O W. T.-B. Berlin, 6. Nov. lDrahtbe eicht.) Die „Nord d. Allg. Ztg." bringt folgende amtliche Erklärung: In der von der „Nordd. Allg. Ztg." am 3. Rovencker veröffentlichten Erklärung war gegenüber den Angriffen der deutschen Presse darauf hingewiesen, daß die Regierung weder das Streben der bolschewistischen Regierung nach Erregung der Revolution in Deutschland außer acht gelosten, noch die nachsichtig? Behandlung der Mörder des Grafen Mirbach durch die ruffische Regierung ruhig hingenommen bat. In der Tat hat die deutsche Regierung nicht nur in der Angelegenheit der Bestrafung des Grafen Mirbach dauernd mit der bolschewistischen Regierung weiter verhandelt sr.neern sie hat auch während der beiden letzten Monate zu verschiedenen Malen wegen offensichtlicher Verletzung des Artikels 2 des Brester Friedensvertrags bei der hiesigen russischen Botschaft Protest entlegen müssen. So wurde Ende September gegen die Aufrufe der russischen Regierung zum Zwecke der bolschewistischen Propaganda Verwahrung eingelegt, im Monat Oktober mutzte ferner eine Veröffentlichung in der . Jsweitija", dem amtlichen Organ der Sowjetregierung, sowie ein Funkspruch Tschi- tschcrins, eine offiziell verbreitete Kundgebung des russischen Zentral-Exekutivkomitees und verletzende Luherungen der Volkskommissare Lenin und Simowjeff in öffentlichen Versammlungen unter Protest bei der hiesigen russischen Botschaft zur Sprache gebracht werden. Im ganzen wurden im Monat September und Oktober fünf Protestnoten an die russische Regierung gerichtet Diese Vorfälle bedeuten Wohl eine grobe Verletzung de? Brester Friedens, waren jedoch nicht geeignet, um auk ihrer Grundlage einschneidende Maßregeln gegen die Bolsckewiki-Reaierung zu treffen. Eine Untersuchung gegen die hiesige Vertretung, gegen die der Ver- dacht bestand, in Verbindung mit gewissen Gruppen innerhalb Deutschlands offen auf die Revolution hinzuarbeiteu, hat kein so greifbares Resultat ergeben, dah ein Einschreiten daraufhin möglich gewesen roäre. Diese Tatsache erfuhr seit vorgestern durch den Vorfall mit einem Kurier der russischen Botschaft eine vollständige Änderung. ES ist festgestellt worden, dah die hiesige russische Vertretung ihre völkerrechtliche Exterritorialität zum Zwecke der politischen Provaganda. die auf den Umsturz der de- stehenden deutschen Regierung hinarbeitete, in illoyalster Weise benutzte. Dieser Umstand zwang zum sofortigen Handeln. Der kaiserliche Generalkonsul in Moskau erhielt deshalb den Auftrag, folgende Rote der russischen Regierung zu überreichen'
Die kaiserliche Regierung hat schon zu wiederholten Malen dagegen Einspruch erheben müssen, dah durch Kund- gedungen russischer amtlicher Stellen entgegen der Abmachung des Artikels 2 des Brester Friedensvertrags eine unzulässige Agitation gegen deutsche Staatöeinrichtungen getrieben wird. Sie sieht sich nicht länger in der Lage, sich auf Proteste gegen die Agitation zu beschränken, die nicht nur eine Verletzung der gesamten Vertragsbestimmungen, sondern auch einen schweren Ver st oh geoen die elementarsten Gepflogenheiten des Völkerrechts bedeutet. Als die Sowjet- regierung nach Abschluß des FriedensvertraqS ihre diplomatische Vertretung in Berlin errichtete, wurde der bekannte russische Bevollmächtigte, Herr Joffe, ausdrücklich auf die Vermeidung jeder agitatorischen und propagandistischen Tätigkeit in Deutschland hingewiesen. Er erwiderte darauf, er kenne den Artikel 2 des Friedensvertrags und wisse, dah ihm als Vertreter einer fremden Regierung obliege, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einzumischen. Joffe und die ihm unterstellten Organe haben sich infolgedessen hier einer Rücksicht und eines Vertrauens zu erffeuen gehabt, die den exterritorialen fremden Vertretungen gegenüber üblich sind. Das entgegengebrachte Vertrauen ist jedoch getäuscht worden. Schon seit einiger Zeit zeigte sich, dah die russische diplomatische Vertretung durch intimen Verkehr mit gewissen, auf den Umsturz der staatlichen Ordnung in Deutschland hinarbeitenden Elementen und durch Verwendung, solcher Elemente im Dienste der Vertretung an der umstürzlerischen Bewegung in Deutschland Interesse nahm. Durch folgenden Zwischenfall, der sich am 4. November ereignete, bat sich herausgestellt. dah die russische Vertretung burcb Einführung von Flugschriften mit Aufforderungen zur Revolution unter Verletzung des divlomattschen K u r i e r V r i v i l e q s an den Umsturzbestrebungen sogar reoen Anteil nimmt. Infolge Beschädigung einer zum amtlichen Gepäck des gestrigen russischen Kuriers gehörigen Kiste auf dem Transport ist festgestellt worden, daß diese Sendung in deuffcher Sprache abaesahte, nach ihrem Inhalt zur Verbreitung in Deutschland bestimmte Flugschriften ent» hielt. Einen weiteren Grund zur Beschwerde gibt der kaiser- lichen Regierung die Behandlung, welche die Sowjerregterung der Frage der Sühne des Mordes an dem kaiserlichen Ge- fandten Grafen Mirbach hat zuteil werden lassen. Die russische Regierung hat feierlickst versichert, alleö run zu wollen, um die Schuldigen der Bestrafung zuzusühren. Die kaiserliche Regierung aber hat keinerlei Anzeichen dafür, fest
stellen zu können, daß die Verfolgung oder Bestrafung der Sckuldigen eingeleitet oder auch nur beabsichtigt ist. Dre Mörder sind aus dem von Sicherheitsorganen der Regierung umstellten Hause entkommen. Die Anstifter, dce sich offen geäußert haben, den Mord beschlossen und vorbereitet zu haben, sind noch heute straflos und sollen sogar nach den eingegangenen Nachrichten amnestiert werden. Die kaiserliche Regierung erhebt hiermit E i n s p r u ck gegen diese Vertrags- und Völkerrechts Verletzung. Sie muh von der russischen Regierung Bürgschaft dafür verlangen, dah eine solche mit dem Friedensvertrag in Wider- spruch stehende Agitation und Provaganoa in Zukunft unterbleibt. Sie muß ferner darauf bestehen, daß der Mord an dem Gesandten Grafen Mirbach gesühnt wird, indem die Mörder und ihre Anstifter bestraft werden. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem diese Forderungen erfnllr sind, muh die kaiserliche Regierung die Regierung der Sowsetrepublik er. suchen, ihre diplomatischen und sonstigen amtlichen Vertreter aus Deutschland zurückzuziehen. Sie wird in gleicher Weise die amtlichen deutschen Vertreter tn Rußland für diese Zeit abberufen.
Die Abreise der russischen Gesandtschaft
aus Berlin bereits erfolgt.
W. T.-B. Berlin, 6. Nov. (Amtlich. Drahtbericht.) Die russische diplomatische Vertretung reiste heute früh mrt Sonderzug nach Ruhland ab.
Scharfe Ablehnung der russischen Agitation durch den „Vorwärts"!
Berlin, 6. Npv. Der „Vorwärts" schreibt: Schon lauge ffl behauptet worden, dah sich die ruffische Botschost in die inneren Verhältnisse des Deutschen Reichs einmische und jene im Deutschland nur sporadisch vertretene Richtung begünstigt, die ihrer Partei politisch am.nächsten steht. Wir haben diese Behauptung im guten Glauben bestritten, aus Erklärungen gestützt, die von der russischen Boffchaff selbst gegeben worden sind. Diese Ercklärunaen aber haben sich leider als unwahrhastig herausgestellt, so daß wir zu unserem Bedauern gezwungen sind, von 'der russischen Boffchaff in jeder Beziehung Abschied zu nehmen. Wiederholt wurde von uns vor geheimnisvollen Flugblättern gewarnt, die den Zweck verfolgen, Uneinigkeit und Zersplitterung in die Reihe:: der Arbeiterschaft zu tragen und sie zu einer Politik zu ernrun- tern, die russischen Verhältnissen enffprechen mag, den deutschen aber nicht entspricht. Unsere Arbeiter werden jetzt gegen Flugblätter nur um so voffichtiger sein. Wir wollen keine russischen Zustände, denn wrr wissen, dah daS russische Volk unter der bolschewistischen Herrschaft Hu n g e r » stirbt, obwohl Ruhland ein vorwiegend Ackerbau treibender Land ist. In Deuffchland mühte die Anwendung gleicher Methoden zu noch viel entsetzlicheren Zuständen führen. Die deutsche Arbeiterschaft fft sozialistisch durch und durch, aber den Socialismus asiaticus, der sich Bolschewismus nennt, lehnt sie ab. Diese Ablehnung ist bei den alten Anhängern der alten Sozialdemokratie vollständig; sie wird aber auch von dem weitaus größten Teil der Unabhängigen geteilt. Mit dem Bolschewismus einverstanden ist nur ein ganz kleiner Kreis, die Spartakus-Gruppe. Während die Unabhängigen wie wir Sozialdemokraten den Frieden wollen, bekämpfen die Spantatusleute den Frieden. Sie sehen in WiffonS Frie- densproaramm nur ein Mittel, die soziale Revolution Deutsch- landS zu ersticken und möchten am liebsten den Krieg bi-zur völliaen A uflösung weiterführen. Die deuffche Arbeiterklasse lehnt es ab, sich ruffischen Zwecken dienstbar zu machen. Sie bat fürwahr Besseres verdient, als das ruffische Hunger- elend, dos noch hundertmal ärger ist als in Deutschland. Sie will den Frieden, die Demokratte und den Sozialismus und lehnt unerbetene Belehrung ab.
Verhandlungen mit den Matrosen in ftiel.
Br. Kiel, 6. Nov. s.Eig. Drahtbericht. zb.) Am Montagabend wurden Verhandlungen der M a trafen mit dem Gouverneur und Staatssekretär Ha uh- m a n n als Vertreter der Regierung gepflogen, in denen ein Teil der Forderungen der Matrosen erfüllt wurde. Staatssekretär Haußmann sagte weiteres Ent. gegenkommen zu. Es herrscht R u h e und Ordnung. Abgesehen von den bedauerlichen Verlusten am Sonntag ist die Bewegung so gut wie unbluffq verlaufen. Wie das „Berliner Tageblatt" weiter berichtet, ist Staats- sekretär Konrad Haußmann gestern wieder aus Kiel in Berlin eingetroffen, während der Abgeordnete Noske in Kiel geblieben ist. Gestern abend fand eine Sitzung der Kriegskabinetts statt, in der Saußmann Bericht erstattete.
Italienische Beutegier.
Eine amtliche österreichische Protesterklärung.
W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich wird verlautbart: In Punkt 1 der Arischen dem Armeeoberkom
mando und der italienischen Heeresleitung abgeschlossenen Waffenstillstand Bedingu ngen wurde die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten zu Land, zu Wasser und in der Lust vorgesehen. Am 8. November, 3 Uhr früh, würbe an Ge A rm«
