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Montag, 28. Oktober 1918.

Abend-Ausaabe.

Nr. 504. 66. Jahrgang.

Die neue deutsche Note an Wilson.

W.T.B. Berlin, 27. Okt. (Amtlich.) Die deutsche Antwortete hat folgenden Wortlaut:

Die deutsche Negierung hat von der Antwort des Prä- scheuten der Bereinigten Staaten Kenntnis genommen.

Der Präsident kennt die t i e f g r e i s c n d e n Wand­lungen, die sich in dem ü c u t s ch c n V e r s a s s n n g s- leben vollzogen haben und vollziehen. Dir Friedens- Verhandlungen werden von einer Volksrcgierung geführt, in deren Händen die entscheidenden Machtbefugnisse tatsächlich und versasiunasmäßia ruhen. Ihr sind auch die militärischen Gemal­te n u n t e r st e l l t.

Die deutsche Negierung sieht nunmehr den Vor­schlägen sür einen W a s s e u st i l l st a n d entgegen, der einen Frieden der Gerechtigkeit e i n- leitet, wie ihn der Präsident in seinen K u u d- aebunaen gekennzeichnet hat.

gez. Sols, Staatssekretär des Auswärtigen.

*

Der Sinn der neuen Antwort.

Berlin, LS. Okt. Die dritte Note an W-lson ist, wie di« Dossische Ztitpng" schreibt, nach Ton und Inhalt die sclbstver- siändlichsie K r n s e q u e n , der l ieber unternommenen Schrille zur Herlkisül-runa des Friedens. Einen Fortschritt der Gesamt, läge lann iie nicht bedeuten, da angejichts der vollzogenen Uinge. stalwng der inneren Bithaltnisse Deutschlands der nächste Schutt in der Entwickelung des Friedens be ; den Gegnern liegt. Die Note fragt nicht heißt es imBerliner Lokal.Anzeiger", nach den Bedingungen der Feinde für einen Waffenstillstand, sondern nach ihren Verschlagen zu einem solchen. Das bringt zum Aus­druck, dost Deutschland nicht als ein uch unterwcrsender, sondern als gi'eichbc reät ipter Faktor zum Berhandlungstisch schreiten mill. Luch der Satz, nach dem der Wassenstillstand einen Frieden der Gerechtigkeit cinleiten soll, macht einer, deutlichen Borbehalt gegen, über Fordernngcn, wir sie durch die Presse in London, Paris, Rom, Mailand und New Pork gestellt worden sind. Die Kämpfe der letzten Wocke baden den Nachweis geführt, drß die militärische Lage nicht üuniindestcn den Zwang zu etuer Wasfenstreckung enthält. Wässenslillstandsbedtagunpeu. die einer Wasienjireckiuig gleich- kätnen, und riu Friede, der kein solcher der Gerechtigkeit wäre, sind für uns unannehmbar Da? will der Schlußsatz der deutscher: Note besagen. ImBerliner Lageb ott" liest man: _ In Frankreich weilten sich die Soziclisten gegen Llemenceau. der aus keine erdenkbare Siegestrophäe verzichten will. In Eng. laud versuchen Lenderson und seine Genossen zügelnd zu wirken, während zwischen den erdrosselnden Waffenstillstands be- dingnngen der 5ionseipc,tivcn und den Forderungen der Liberalen kaum ei» wesentlicher Unterschied kestcbt. DieDeutsche Tages­zeitung" schreibt Aus der letzten Note Wilsons ließ sich hrrauslesen, daß Wilson wirklich geneigt sei, Wassenstillstandsbedingungen Pt machen oder wenigstens bei seinen Verbündeten zu befürworten, dir vom Standpunkt de- Deutschen Reiches aut annehmbar seien. Mehr konnte man nickt darin sinde». Trotzdem gehl die deutsche Antwort weiter. Cie unterstellt dem Präsidenten, daß er einen Frieden der Gerechtigkeit einleiten -volle, wie er ihn in seinen Stuitö. gedungen gekennzeichnet Hobe. Der Friede, den Wilson in seinen Kundgebungen gezeichnet hat, war aber ein Friede der Gewalt, wenn auch im Reichstag betont wird, daß Wiison einen Rechts- frieden Vorschläge. DerVorwärts^ sogt: Aus all: Fälle ist es Zeit, daß wir die Bedingungen für einen Wastcnstillstand kennen lernen. Nach den Andeutungen Wilsons, noch nichr der englischen und französischen Piesse, müssen wir uns aus Bedingungen gefaßt machen, die uns alle tief i n S Herz greifen. Es wird einen Augenblick der l e i d e v. s di c f 11 1 fl. e n A u s w a l lu n g geben, und der Schrei nach dem letzten Bcrzweislungs- ? a m p s wird ertönen. Da werden wir uns dann sagen müssen, daß es jetzt daraus ovkommt, zweckloses Blutvergießen zu vermeiden. Tie Ausgabe des Militärs wird damit erledigt sein. Ti« Diplomatie wird dann in 'hrc Rechte treten. Alles, wa» noch zu retten und z» fewimien ist, kann nur noch in den Ver­handln »gen der Friede »skcnierenz gewonnen und gerettet werden. «Das hängt doch wohl alles von der Beurteil»",q unserer militärischen Möglichkeiten durch die zuständige» Stellen ab. TerPoiwäit«" tritt, scheint uns, bevor es soweit ist, für völlige Uutciwersur.g ei», die uns hoffentlich noch zu ersparen ist. Schristl.,

DieKöln. Lolksztg " schreibt: In der Tat ist das jetzt das Wesentliche, woraus et ankoiuwt: Will und vermag Wilson noch, zusammen not seinen Verbündeten, einen Frieden des Rechtes und der Gerechtigkeit zu schließen, einen Frieden, der dem deutschen 7(>-Millioncn Volke Licht und Lust zum Leben läßt, und zweitens: Welche Bedingungen, unter denen die Waffen ruhe» sollen, stellt die Gegenseite? Werden es Bedingungen sei», di« ein sieggewohntes Voiktheer sieggewohnt gegenüber emer Welt von Feinden, von Bergwerken und Fabriken annehmen kann, ohne sich bis yir ehrlosen Kapitulativn zu verdeniütigen, die u n m ö q - lick ist? Die Antwort aus diese Frage wartet die deutsche Reichs- regicrung und m.t ihr das deutsche Volk ab Vielleicht trifft iie schon in kuizer Zeit ein, wenn die Gegenseite über die Dassen, stivstandsbcl »igungen sich geeinigt hat."

Fachs angebliche Forderungen.

Berlin» 28. Okt. Wie demB. L.-A." berichtet wird, sehen die Forderungen Fachs sür einen Waffenstillstand ii. a. die Besetzung deutscher Festungen vor.

Oberst Neplngton für die Rheingrenze l

W. T.-B. Brrn, 27. Okt. In der .Morniuq Post" vom 22. Oktober führt Oberst Repington die unerlöbliclfe militärische Notwendigkeit aus Frankreich durch die Rheingrenze strategisch zu sichern. Durch den Der- fall Österreichs, den schon die nächste Generation Italiens bedauern und bereuen werde, würde Deutschland für die Zukunst ebenso sehr gestärkt wie durch den Ver­fall Rußlands. Wie auch immer sonstige Friedens- tedingungen lauten mögen, diese zwei Eieigntsje blieben

für Deutschland ein absoluter ® c winn. Deshalb müßten die W e st m ä ch t e dem Beispiel der Römer folgen und den Rhein als Sckmtzgrenze gegen einen künf­tigen deutschen Angriff fistlegen.

Die weitgehenden Ansprüche des interalliierten parlamentarischen Ausschusses.

W. T.-B. London, 27. Okt. sReuter-Meldnng.) Die Kon­ferenz der französischen, italienischen, belgi­schen und britischen Sektionen des interalliierten par­lamentarischen Komitees nahm einstimmig folgende Reso­lutionen an: 1. Es ist wesentlich, daß die seht im Kcmpf für die Freiheit vereinigten Nationen ibre enge und herzliche Verbindung b e i b e h a l t e n. bis die noch immer drohenden Gefahren durch dis vollkommene Überwindung der feindlichen Mächte beseitigt und die Gefahr der künftigen Wiederkehr von Schrecknissen, wie sie gegenwärtig die Mensch­heit heimsuchen, abgewandt ist. 2. Es ist von hervorragender Bedeutung, daß die Regierungen der jetzt im Kampfe für tie Freiheit vereinigten Nationen sofort an die gemeinsamen Vorbereitungen eines Schemas für die Sicherung und Ent- Wicklung der Gesellschaften der Nationen nach dem Kriege und zitr Erreichung eines dauerhaften, durch das ver­einigte Vorgehen tec freien Völker >,ewäkrleisteten Friedens heran tritt 3. N eugestaltung Mitteleuropas muß auf der Grundlage d<WN a t i o n a l i t c n vor sich geben, und zwar im Hinblick sowohl auk das Recht der Völker, über ihr eigenes Geschick zu bestimmen, als auf die Bürgschaften, die wesentlich sind fiir einen dauernden Frieden Europas. 4. Die Verluste an HandelsschiffSranm durch den Unter- seevootskrteg müssen so weit als möglich durch Ablieferung feindlichen Schiffsraums gutgemacht werden. 5. Tas Ki mitee stillt hn- im Kriege assoziierten Negierungen die Notwendigkeit vor, daß die interalliierten Luftstreitkräfte sich nöt'ger.falls an der Übc'-windilng eines letzten feindlichen Widerstandes durch einen Luftfeldzug über dem feind­lichen Gebiet beteiligen. 6. Das Komitee fordert die asso­ziierten Regierungen auf. unverzüglich eine Kommission zwecks E'nreich.rng von Vorschlägen für eine internationale Luftgesetzgebung zwecks Einrichtung bestimmter Luftver­kehrslinien einzusetzcn.

Die frnhea volnischen Ansprüche.

Warschau. 28. Okt. <7raka»er Blätter geben Mel­dungen polnischer Politiker in der Schweiz wieder, noch welchen die Entente darauf best-ben würde, daß Deutsch- land vor dem Beginn der Fried-msverhandlunqcn alle polnischen Landesteile mit Danzig räume. Diese Gebiete sollen mir polnisch- amerikanischen Divisionen besetzt werden. ^ yf

Ein österreichisches Sonderfriedens- Angebot.

- Frankfurt a. M.. 29. Okt. (Drahtb.'ncht. zf.) Hiesigen Blättern zufolge hat die Antwortnote de? Grafen Andrasfy an Wilson folgenden Wortlaut-

In Beantwortung der an die österreichisch-unaari- sche Regierung gerichteten Note des Herrn Präsidenten Wilson vom 18. d. M. und im Sinne des Entschlusses des Präsidenten, mrt Österreich-Ungarn besonders über die Frage des Waffenstillstands und des Friedens zu sprechen, beehrt sich die osterreichisch-ungarisch? Regie­rung zu erklären, daß sie ebenso wie die früheren Kund­gebungen des Herrn Präsidenten auch seinen in der letzten Note enthaltenen Auffassungen über die Rechte der Völker Österreich-Ungarns, speziell über jene der Tschecko-Slowaken und der Jugo­slawen z u st i m m t, daß somit Österreich-Ungarn sämtliche Bedingungen angenonunen hat. von welchen der Herr Präsident den Eintritt von Verhandlungen über den Waffenstillstand und den Frieden abhängig niacht. Nach Ansicht der österreichlich-ung.ii'ichen Re­gierung steht sonach dem Beginn dieser Verhandlungen nichts mehr im Wege. Die österrelchisch-ungurische Re­gierung erklärt sich daher bereit, ohne das Ergeb­nis ande'rer Verhandlungen ab zu warten, in Verhandlungm über den Frieden und icher einen sofortigen Waffenstillstand auf allen Fronten Öster.-.'ich-UnparnS einzutrelen und bittet den Herrn Präsidenten Wilson, die diessälligen

Einleitungen lreffen z» wollen.

Die deutsche Ostmark.

W. T.-B. Graz, 26. Okt. Der yeutr hier abgebaltene deutsche Volkstag nahm .'instinunig eine Enrschließung an. in der die Frei'reit und Unaol>ängigk"it der deutschen Ostmark gefordert, von der Gründung eines freien, un- abhängigen tichecho-sloivak'ichui und südilawiicheu Staates Kenntnis aeninimen, sowie die Forderung auf- gestellt wird, daß die R e g i ? r u n g s g e m a l t in den deutschen Ländern unverzüglich in die Hand zu nehnren sei.

Die Errichtung des slowakischen Staates.

Xi. Wien. 28. 5 kt -Eig Drohtberickt. zb.) Da» Exe­kutiv kam ltee des ri.-m ijisiheii Nationalrats hat sich konstituiert Es wird i npesäumt die Verwaltung für einen e'gcven flrti nhUi-rn Siaat treffen.Naradni "Mb inende, sich, sckcnfsienc gegen die Bestrebungen der Dcutsch- Vöhmen nach JhifcHuf an Denfichland. Das agranscke Blatt fordert die Einlezielnng Nikderösterreickis und Preußisch Schlesiens ii- ten tsck.ck-kchen Staat. NachCesko Slowo srllrn bereits Sckritie einer Amnestie sür Friedrich Adler, den Möider Störgbks, einqeleitet sein.

Karolyi in Aim.

X; Wie«. 23 Okt (Eig. Drahtbericht, zb.) Der An- wesenlieit des Grafen Karolh' in Wien wird in politischen Kreisen g reßc Beden:.->-g beigemrsien. Karolyi wir» mit Lammascf n»t A'ierusiy über tie Fragen der Errichtung eines sell staut ige» ungarischen Außen­ministeriums verhandeln.

Norwegisches Dreiureden zur nordschleswkgischen Frnge.

W. T.-B. Kristiania, 27. Okt. Die nosidscbleSwigsche hrage, die bereits seit einiger Zeit die nevwegische Presie befchaftlyt, wird weiter eifrig erörtert, teilweise in .einer Weise, als handle es sich um norwegisches Gebiet. Einig« Blatter ver­langen di« Rückgabe von ganz Noridschleswig biS zur Eider oder sogar die Jnternationalisierung de» Kaiser-Wilhelm-Kanal» und befürworten ein« Jn-terdenrlon der Alliierten beim Fridd^nKsch-lutz. Ge^en diese verbandsfreunLlichen Stimmen wendet sich nachdrücklich et« Artikel imMorgenbladet". Unter Himr« » auf die pol'tifche Gefahr, die Skandinavien aus solchem Vorgehen erwachsen könne, weist der Verfasser bestimmt den Gedanken, dem ge- schlag«nen Deutschland Novdsckles>wig abzuringen, zuruck, .ritt aber warm dafür ein. dem neuen Deutschland den GeDanie« der Durchführung von Recht und Gerechtigkeit auch un Nord- geb'et na-hezulegen, unter Betonung de» Umstanidc», daß der Gedanke einer GrenzreAulierung schon solcher von amtlicher deutscher Stelle erwogen worden sei. Der Verfasser meint, daß ein spontanes Entgegenkommen des neuen frei­heitlichen Deutschlands wicht ausgeschlossen sei. Er findet erne Lhjung darin, daß den Dänisch sprechenden Gebietsteilen das

Einmarsch der Rumänen in die Dobrudscha.

MV. T.-B. Wien, 27. Okt. Der Berichterstatter der «Nene, Freien Presie" meldet auS Tfchrrnowitz: Rumänische Truppra rückten in die Dabrudscha ein. Die RumSuen sind eutfdiloffen, ihre letzte Karte auszuspielen und glauben diesmal Gluck zg haben. Tie Veränderungen in Österreich und oie LoS- trennungsabsichtrn der Ungarn werden, wie sie glaubenä dir Geburt G r o 6 t « m a n i e « 8 brschlrunigcn. Da» Erscheinen der « l l i i r r t e n an der rumänische» Grenze ritz selbst brsonncue Elemrnte in den KrirgSwirbel. Dir Rationalisten beher» scheu dir Loge.

Zum Rücktritt Ludendorffs.

Es versteht sich von ''elbst. daß dem zurückgetretenen Generalquartiermeister der Dank des deutschen Volkes gewiß ist. Niemals wird Deutschland ver­gessen, welckie geivaltigen Schlachten der Helfer Hinden- burgs zur Rettung des Vaterlands gewannen hat. Uno noch die Kindeskinder werden von den glorreichen Laven erzählen, da der Name Ludendorsjs von Mund zu Mund ging, während von allen Türmen und Zinnen di; Fahnen in das Land hi.rausw-hen. . ^ .

Es war ein beinahe natürlicher Vorgang, daß wah­rend dieses lan-.ieu ffrie.'.s das siegreiche Heer sich auch der Politik glaubte annehmon zu müssen. Wir vec- stehen es vollkommen, daß Lndendorsf nach und nack der Meinung wurde, er r.iüsse die Ernte, die er durch das Seliwert einqebracht hatte und die er schon gesichert glaubte, nunmehr auch sc verteilen, daß Deutschland da- durch an Macht fiir alle Zeiten zunehm;. Es ist nicht zum erstenmal geschehen, daß ein siegreicher General sich in die Politik '».»-ir-t bat und e-s ist abermals nicht das erste Mal, dag solcher I>-riaea zu einer statasirovh; g> führt hat. Wir möchten di; Stellen, die es dem Genera! Ludendorff m'h" als leicht gemacht haben, sich von dein sieggekrönten Schl rchtf-ld in die Schreibstube^der Politik und di; Divlo'n rtie zu beaeben nicht von Schuld krei- sprechen. Anderersisits läßt sich nicht leugnen, daß Ludendorfis volfiisch; Eingi-ffe dem Deutschen Reich eine Fülle von vsinlichen Frl.-en l ingebrach^ haben, und zwar sowohl was di- äußere wie was die innere Polrirk betrifft. W-n, nun a.,r zuletzt der General Lndendo'ff es nicht an Versuchen fehlen ließ, die N e u o r d n u n g der Rei chsreuier-i aa zu durchkrmzen so mußte notwendig der Augenblick kommen, wo die ReichSlcitung sich von diefem nerdienstvallen General z» trennen Hütte, wollte sie nicht dasiir vemn^wv'-tlich werden, d. tz statt der von ihr in z'sirebten neuen Ordnung die Anarchie um sich gri^e. Scki'ießlich ist es ruinier besser, eine ein- zelne Persönlichkeit, und sei sie noch io wertvoll, zu opfern, als das Wmn's ein'»gl>-en. ein ganzes Volk dem Drrderben zui'l'itrn zu «asten. Was Teutschlrrnp