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Samstag» 26. Oktober 1918.

Abend-Ausgabe.

Nr. 502.. 66. Jahrgang.

Vor neuen großen Entschlüssen.

Ein Kronral.

(®on unserer Berliner Abteilung.)

Hs- Berlin, 28. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Kron- rat, der gestern um 8 Uhr nachmittags begann, dauerte bis in die Nachtstunden. Cs nahmen gnßer dem Kaiser und dem Kriegskabinett verschiedene führende mili­tärische Persönlichkeiten daran teil. Im Vordergrund der Beratungen standen im Zusammenhang mit den dem Reichs­tag zugehenden Vorlagen über die Einfügung der mili­tärischen Kammandogewalt in das jetzige Regie- rungsshstem militärische Personalfragen. Wie wir er­fahren. dürften sich in dieser Richtung einige Verände­rungen vollziehen, die geeignet sind, gewisses Aufsehen zu erregen Bei gewissenhafter Prüfung der Lage und der sich daraus ergebenden Konsequenzen w'rd man sich aber sagen müssen, daß zu einer Zeit, wie der jetzigen, alles nur von dem Gesichtspunkt der politischen Notwendigkeit be­urteilt werden muß. ohne irgend welche Gefühlswerte dabei in die Wagschale zu werfen. Gerade der in der gestrigen NeichStagssihung durch den Abgeordneten Korfanty ver­lesene Depeschenwechsel des Generals v. Ludendorff mit Herrn v. Hintze zeigt, zu we'chen die Gesamtpolitik der Gegenwart und Zukunft gefährdenden Folgen Äußerun­gen führen können, die von urilirärischer Seite über p o l i - rische Angelegenheiten getan werden. In den Äußerungen Ludendorfss über die Regel ing der litanisck.cn Fragen emp­fiehlt der General, um ein Versprechen des Kanzlers zu umgehen, den militärischen Lreuslikt mit Litauen. Solche Vorgänge sind aber nur zu geeignet, Wilson in seinen Ansichten über die Art der Regierung zu stärken und neben der Tatsache, daß je, es Vertrauen zu den Ab­machungen einer solchen Re-pecui-g scblei, muß, geeignet, das gesamte FriedenSweck ini US schwerste zu gefährden.

Die notwendigen wetteren Verfassungs­änderungen.

Berlin» 26. O-t. Der MehrheitSantrag, betreffend die Stellung der Zivilgewalt über die militärische Gewalt, wird imVorwärts" bereits mitgeteilt. Danach u:vd die Reichsverfossung in Artikel 11 wie folgt abgeändert Zur Erklärung des Krieges im Namen des Reiches ist die Zu­stimmung des Bundesrats und des Reichstags erforderlich, ^riedensverttäge sowie diejenigen Vrrträqe mit fremden Staaten, welche sich auf Gegenstände der Reichsgcsetzgebung beziehe». bedürfen der Zustimmung des Bundesrats und »es Reichstags.

Im Artikel 15 werden folgende Absätze hinzugefügt: Der Reichskanzler bedarf zu seiner Amtsführung des Ve r- t r a u e n s des Reichstags. Der Reichskanzler trägt die Ver - rntwortung für die Handlungen von politischer Bedeutung, d'e der Kaiser in Ausübung der ihm nach der Reichsver- -assung ziistrbenden Befugnis vornimmt.

Im Artikel 53 wird folgender Satz hinzugefügt: Die Er­nennung, Versetzung, Beförderung und Vcrabsch'edung von Offizieren und Beamten der Marine erfolgt unter Gegenzeichnung des Reichskanzlers.

Im Art'kel 64 n>erden im ersten Satz des Absatzes 2 hinter rem WortKailer" die Worte eingeschaltet:unter Gegen­zeichnung des Reichskanzlers".

Im Artikel 66 werden folgende Abschnitte hinzugefügt: Tie Ernennung. Versetzung. Beförderung und Verabschiedung »er Offiziere und Militärbeamten eines Kontingents erfolg: rnter Gegenzeichnung der Kriegsministers des Kontingents. Tie Kriegsminister sind dem Bundesrat und dem Reichst«^ °ür tue Verwaltung ibreS Kontingents verantwortlich.

DerVorwärts" bemerkt zu dem Antrag noch folgendest l. Er :st schon seit 8 Tagen in Vorbereitung, also durch )ie neueite Note WilsonS nicht ver,inlaßt. 2. Ereignisse aller- etzttr Zeit haben dieie Verfassungsänderung besonders »ringend werden lassen; denn ein Staat darf nicht einmal »on siegreichen Generalen sein« Polittk sich vor- chreibcn lasten, noch weniger von foldten, die nicht in allen Sagen die erforderliche Einsicht ihres Amtes bekundet taben.

Vewaltiges, für uns erfolgreiches neues Ringen!

W. T.-B. Grosses Hauptquartier 26. Okt. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschalivlatz.

Ein gewaltiges» dank der glänzenden Tapfer, eit unserer Truppen erfolgreiches Ringen au i e l e n Teilen der Front.

Hcrresqruppe Kronprinz Rupprecht.

In der L >, k v i e d e r u n g» südwestlich von D e i z e» nid zwischen der L»S und der Schelde brach der Feind rach hrktigem Jener zu starken Angriffe» vor. Vom Rord- lügel des Angriffs bis zu der von Kortrik auf Oudenarde vbrenden Bahn wirsen wir ihn vor unseren Linien ab. hierbei baden sich daS 6. Garde-Infanterie-Regiment unter einrm Kommandeur Major Hadolni an der LnS, die 40., aaififchr Infanterie-Division am Svitaals DoSfchon und das wfsifche Regiment Nr. 118 unter seinem Kommandeur Major wn Wenranch an der Schelde wieder erfolgreich geschlagen. KSrdlich der Schelde brachten wir den Feind nach anfäi g- ächem geringem Gelandegewiun sehr bald zum Stehen: die «eue Linie zwischen Jngooigrm und Avelgen wurde gegen viedrrholte Anstürme am Nachmittag behauptet. Auf sem Kampffeld hielt die feindliche Artillerie tagsüber die Unter der Front liegenden, vom Krieg bisher unbe­

rührt gebliebenen Ortschaften unter Feuer Zum großen Teil wurden sie hierdurch zerstört. Dir belgische Bevölkerung hat schwere Verluste an Toten und Verwundeten erlitten. Zwischen der Schelde und Oise beschränkte sich der Engländer gestern auf heftige Teilangriffe. Südlich von Fauars Warfe« wir den Feind durch umfastend angesetzten Gegenangriff in! seine Ausgangsstellung zurück. Südwestlich von L e Q u e s n o i und nordwestlich von Lendrecies scheiterten seine Angriffe vor unseren Linien.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen der Oise und A i s n e große einheitliche An- griffe der Franzosen auf mehr als 60 Kilometer breiter Front. Seinen Hauptstoß richtete der Feind gegen unsere Linien zwischen der Oise und Serre sowie zwischen, Siffonnc und der Aisne. Dev Serre- und Souche-Abschnitt suchte er unter Aussparung der von Natur ans starken Ge­ländeabschnitte zu gewinnen. Die am frühen Morgen zwischen Oise und Serre vorbrechenden Angriffe scheiterten vor unserrn Linien. Am Nachmittaq faßte der Feind in Billers le Sec nnd auf der Höhe östlich des Ortes Fuß. An derZ übrigen Front wurde er auch am Nachmittag abgewiesen nnd erlitt in unserem Feuer schwere Verluste. Am Serre- und Souchr-Abschuitt konnte der Feind bei Mortiers nnd Froidmont» bei Vesle und Pierrrpont unsere Linien er- reichen. Truppen des Generals Freiherr von Lüttwitz nahmen in einheitlichem Gegenangriff zwischen Vesle und Pieiitpont ihre alte Stellung wieder. An der übrige» Front hat unser Feuer den Feind am überschreiten der Ab­schnitte verhindert. Westlich der AiSne waren die An- gtiffe des Gegners von starken Panzerwagen-Ge­schwadern begleitet. Sie sind östlich von Sistonne und beiderseits von La Solvenier trotz siebenmaligem An­sturm völlig gescheitert. Besonders starke Kräfte setzte der Gegner zwischen Hizv le Conte und der Aisne aiu Vo> der östlich von Panogne kämpfenden 4. Garde-Infanterie. Division liegen allein 28 zerschossene Panzerwagen. Gefreiter Menkchkiel der 9. Batterie des 6. Feldartillerie-Regiments hat hiervon 8 Panzerwagen, Unteroffizier Brockmann der- srlbcn Batterie 10 Panzerwagen vernichtet. Auf den Höhen westlich der Aisne drang der Feind in nufere Stellung rin, um deren Besitz tagsüber schwer gekämpft wurde. Trotz heben Kräfteeinsatzes kannte der Feind hier von seiner Ein- brnchsstelle am Sachsen»-»,« inordwcstlich von Herpy) keiner­lei Vorteile mehr erzielen. Nur Teile unserer vorderen Linie blieben in seiner Hand.

Teilangrisfe in der Aisne- Niederung südwestlich van A m a g n e. Der Feind, der bei Ambln vorübergehend airf das nördliche Aisneufer vorsties:, wurde im Gegenstoß wieder über den Fluß zurückgcworfen. Östlich der Aisne lebte der Artilleriekampf nur vorübergehend ans. Teilangriffe des Gegners drückten unsere Posten ans den Nordrand der Höhe nördlich von Grandpre zurück. Im übrigen wnrde er ab- grwiesen.

Heeresgruppe Gallwitz.

Beiderseits der Maas blieb die GefechtStätigkeit auf StörnngSfener und kleinere Jnfanreriegefechte beschränkt. Auf drrn «blichen Flußufer säubert-;» sächsische Truppen ein aus den letzten Kämpfen zurückgebliebenes Amerikanrrurst.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Südlich der S e l l e machten wir bei erfolgreicher Unter­nehmung Gefangene.

Der Chef detz Generalstabs des Feldheeres.

*

Die amerikanischen Truppenverschiffungen trotz des U-Bootkriegs!

Berlin, 26. Okt. DemB. T." wird aus dem Haag ge- meldet: Aus W-.-sbington wird berichtet, daß bereits 2 3«) 000 amerikanische Truppen verschifft wurden.

Belgische Zeugnisse über die Haltung unserer zurückkehrenden Truppen.

W. T.-B. Amsterdam, 24. Okt Der Berliner Korrespon­dent vomAlgemeen Handelsblav" schreibt: Von belgischer Seite hörte ich mir mit Lob über die Haltung der zurück­gehenden deutsche» Truppen reden, und zwar war eS in ruhigen Gesprächen mit belgischen Bürgern. Sie wußten, daß sie es mit einem holländischen Journalisten zu tun batten. Kleine Verfälle, die von den Deutschen selbst auf- richtig bedauert werden, können hieran nichts ändern. Im voraus muß ich daran erinnern, daß, wenn der Krieg fort- daucrt, natürlich der Augenblick kcmmen wird, wo die Deut­schen eine neue Wider st andslinie festlegen und auf diese dann leider das feindliche Artille rrefeuer ziehen werden. Eine Wiederholung der Verwüstung würde dann automatisch folgen. Es würde dann ungerecht sein, die Verantwortung dafür nur auf die deutschen Schultern zu legen. _

Erfolge unserer U-Boote lm Mittelmeer und in der Nordsee.

W. T.-B. Berlin, 26. Okt. lAmtlich. Drahtbericht.) Unsere Mittelmeer-Unterseeboote vernichteten nach neueren Meldun­gen in erfolgreichen Angriffen aus stark gesichertru Geleit», züge» über

42 000 Bruttoregistertonue»

Schikfsraum. De« weiteren wurde eine mit einem Zerstörer znsammenarbeitende Unterseebootsfalle durch mehrere Artillerietreffer beschädigt.

Mehrfach wurde als Ladung der versenkten Schiffe Kriegsmaterial festgestcllt. Ein Munitionsdampser flog unmittelbar nach dem Torpedotreffer mit hoher Stich- i^rr**** >'»d unter aewaltiger Detonation m die Last.

Der Seglerverkehr in der Nordsee sowie der Pbosphat- travspore m», Sfenx tTuniS) nach Italien wurde durch Ver­senkung ran 31 Srglern geschädigt.

Der Chef des AdmiralstabeS der Marine.

Die Konstituierung des deutsch-österreichischen Staates.

Br. Berlin, 26. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Voll­zugsausschuß der deutsch-österreichischen Nationalversamm- ll »g har Um deutschen Botschafter Grafen Wedel in Wien einen Besuch abgesiattet, um ihm die Konstituierung Us deutsch-österreichischen Staates anzuzeigen und ihn zu bitten, der kaiserlichen Negierung hiervon Mitteilung zu macheil ReichSratsabgeocdneter Seitz hielt dabei eine An­sprache, die vom Grafen Wedel erwidert wurde.

Die Ernährungsschwierigleiten in Drutsch- Österreich.

dkl Wien, 24. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Im Auftrag des DerwaltungSausschusses der deutsch - österreichischen Nationalversammlung reisten heute mehrere Abgeordnete nach Berlin, um mit dortigen maßgebenden Stellen wegen der schwierigen Ernährungsverhältnisse in Deutsch-Österreich zu verhandeln. D:e Abgeordneten begeben sich daraus auch nach Dresden und München, um Bayerns Hilfe für T i r c l zu erbitten.

Huskarek nach Budapest abqereist.

W. T.-B. Wie», 25. Okt. ,'Drahtbcricht.) Das Wiener Korrespondenz-Bur:aa meldet: Der Ministerpräsident

Hussarek 'st gestern abend nach Bndrpeft abgeceist.

Die Nachfolgeschaft WekerlrS.

Ni. Wien, 25. Oft. (E'g. Drabibericht. zb.) Als Nach- seiger Weierles werden Apponyi, Andrassl) und K a r o l d i genannt.

llnabhängigkeitskundgebungen in Budapest. ,

Berlin, 26. Okt. Wie demB. L.-A." gemeldet wird, kam rs im Laufe des gestrigen Tages in Budapest an mehreren Stellen zu Volksversammlungen. Die Massen, vor allem Arbeiter und Studenten, zogen unter Hochrufen auf ein un­abhängiges Ungarn durch die Straßen. Polizei und Militär wurden aufgeboten, brauchten aber nirgends einzuschreiten.

Die Forderungen der Südslawen.

Ni. Wien, 24. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der süd­slawische Rattonalrat in Agram verlangt die Errichtung eines selbständigen einheitlichen südslawischen Staates aus all denen Gebieten, in denen Slowaken, Krocten und Serben wohnen, ohne Rücksicht auf die staatlichen Grenzen und weist das ungarische Angebot zurück.

Eine italienische Offensive.

Der Feind in Gegenstötzen wieder zurückgeworfen.

W. T.-B. Wien, 25. Okt. Amtlich wirb verlautbart:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Das Friedensangebot der Mittelmächte hat unsere Feinds tat Südwesten nicht daran gehindert, unser« und ihren Armeen neue Blutopser aufzuladen. Heftiges Artilleriefeuer leitete vorgestern zwischen der Assoschlucht und der Adria den Angriff ein, der gestern früh an der vcnetiairischen GebirgS- frvnt und :m Raume südlich des Montello losbrach. In ge­wohnter Tapserkeit, Pflichttreue und Manneszucht haben unsere braven Truppen den Ansturm abgeschlagen. Aus der Hochfläche der Sieben Gemeinden war das Gelände s ü t I i ch von A s i a g o, der Monte Stsomol und das Gebiet des Monte di Vcnl Bella, der Schauplatz erbitterter Kämpfe. ES gelang dem Feinde, stellenweise in unsere Gräben einzu- dringen. Aber er wurde wieder zurückgeworfen und mußte in der Nacht auch den am längsten behaupteten S i s o -- mol wieder räumen. Die Szepter Infanterie - Regi­menter Nr. 82 und 181 und das Honved-Rcgiment Nr. 39 haben den Hauptanteil an diesen Erfolgen gehabt. Zu noch größerer Heftigkeit steigerte sich das Ringen im Berglande östlich der Brenta. Auch hier vermochte der Feind vorübergehend örtliche Erfolge zu erzielen. Er setzte sich auf dem Della Caprila, Asolone. dem Monte Perttca und dem Solarole in unseren vordersten Gräben aus kurze Zeit fest, mußte jedoch sehr bald dem mit äußerstem Schneid geführten Gegenangriff unserer Braven wieder weichen. Fünfmal rannten die Italiener gegen den Cpinuccio vergebens an

Das Infanterie-Regiment Nr. 9 (Stry-, das den A s o - l o n e im bravourösen Gegenstoß wieder zurückgewann, die Regimenter 73. 99 und das junge südungarische Regiment Nr. 129, das den Spinurcio verteidigte, die Schützenregimente: 14 und 24 haben sich mit Ruhm bedeckt. Unsere brave Ar­tillerie bewährte sich weltlich und östlich der Brenta wre immer als treue Helferin der Infanterie im Kampfe.

Der Verstoß einer englischen Division auf der Piave-Insel Papadepeli vermochte nur den Nordflügel unserer Vorp'osten ettras zurückzudrücken. Der südliche Teil der Insel wurde völlig behauptet.

Balkan-Kricgsschnuplatz.

Im nördlichen Albanien weitere Nachhut- und Banden- kämpfe. Im Santschak Novibazar sind Entente-Abtei­lungen dvich Bandenzuzug bei Navaros angelangt. Südlich von K r a g u j e v a c beiderseits der Morawa in der Zlatowo Planina haben österreichisch-ungarische und d e u i s ch e Truvvcii nachdringende feindliche Bataillone erfolgreich abge» wehrt.

Der Chef des GeneralstabeL