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Dienstag, 22. Oktober 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr. 494.. 66. Jahrgang.
WM« Spigf auf die MWea.
Die Höhen dem Feinde wieder entrissen und behauptet.
Wieder hohe Verluste der Amerikaner. Starke englische Borstötze bei Kortrik verlustreich abgewiesen.
IV. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Oft. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
An der L >, S und S ili e l d e Jnfanteriegefeckite. Mehrfach suchte der Feind mit kleineren und stärkeren Abteilungen die Flüsse zu überschreiten. Nordöstlich von K o r t r i k drang er mit Panzerwagen, südöstlich von Kortrik mit starken Kräften gegen unsere Linien vor. Er wurde überall vertu st reich nbgewiesen. Bizewachtmeister Müller der !) Batterie Feldartillerie-Regiments Rr. 221 vernichtete hierbei sechs Panzerwagen des Gegners. Die Engländer besetzten die von m>L glschonten Kirchtürme von St. Bmend mit Maschinen- gewehren. Beiderseits von Splcsmes und Le Eateau hat l>er Feind seine Angriffe nicht erneuert. In nächtlichen Teil- ni,griffen fielen die Gehöfte von Amcroal in seine Hand.
Hrerrsaruppe Deutscher Kronprinz.
Französische Angriffe, die am Morgen nördlich der Serre. rm Nachmittag auf breiterer Front zwischen O i s c und Serre gegen unsere Linien vorbrachen, wurden abge. wiesen, Nordwesilich von DeSbrecourt führten schlesische Truvprn einen erfolgreichen Gegenangriff durch. Auf de» AiSnehöhen östlich von Bonziers dauern heftige Kämpfe an. Württembergifche Regimenter haben im Verein mit preußischen und bayerischen Bataillonen dem Feind in erfnlg- retchen Gegenangriffen die Höhen östlich von Bandy, zwischen Ballay und Chestres und nördlich von Balaise, wieder entrissen und gegen starke Gegenangriffe des Gegners behauptet. östlich von Oliz» scheiterte ein Teilangriff des Feindes.
Heeresgruppe Gallwid.
Nach hefttger Artillerievorbereitung griff der Ameri- lauer nördlich von Sommeranes und in breiterer Front beiderseits von B a n t h e v i l l r an. Im Feuer und im Gegenstoß stnd die Angriffe des Gegners gescheitert. Vornehmlich im Feuer unserer Maschinengewehre und Infanteriegeschütze erlitt der Amerikaner wiederum hohe Verlust e.
Aue einem Geschwader von etwa 8 feindlichen Flugzrugr«, das Ortschaften im L a hn t a l angriff, wurden vier Flugzeuge abgcschossen, Leutnant Brltjens errang seinen 35. Lnftsscg.
, Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nordöstlich von K r u s e v a c und am Bukovik s ch e i t e r.
1 e n feindliche Angriffe. Erfolgreiche eigene Unter» n e h m u n g e n bei Trubarevp an der südlichen Morava.
Der Erste Generalauartiermeister: Ludendorff *
W. T.-B. Berlin, 21. Oft., abends. (Amtlich.) Der Feind beschränkte sich an den Kampffronten auf Teilangriffe, die von uns a b ß e tu i c f e n wurden. Unser Gegenangriff gegen die vom Feinde besetzten Höben auf dem östlichen Aisne-User beiderseits Bonziers ist in gutem Fortschreiten.
Die Zusammensenunst der neutralen Kommission, bktr. dir VrrWüstungen.
IV. T.-B. Berlin, 21. Oft. Die neutrale Kommission zur Untersuchung der „Verwüstungen" im Rückzugsgebiet sitzt sich zusammen aus dem spanischen Gesandten Marquis Billalobar, dem holländischen Gesandte« van Vollenhofen und den folgenden Delegierten der Reliefkommission: Sau ca
(Spanien), Langenbecg (Niederlande) und van Bree (Belgien),
Eine politische Amnestie in Belgien.
W.T.-B. Brüssel, 22. Oft. Der Generalgonverneur Freiherr v. Faikenbausen erließ unterm 18. Oktober allen Belgiern und Angehörigen der neutralen Staaten, die von deutschen Militärgerichten oder Mi-litärbefehlshabern ün Gebiete des Generalgouvernements zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden und ihre Strafe zurzeit in Begien verbüßen, den Rest ihrer Strafe im Gnadenwege. Ausgeschlossen sind diejenigen, welche wogen gemeiner Verbrechen verurteilt sind. Der Gene- ralgouverneur bestimmte weiter, daß diejenigen Belgier und Angehörigen neutraler Staaten, gegen die im rnilttärpolizei- licken Verfahren Freiheitsentziehung verfügt wurde und die sich zurzeit in -Belgien oder Deutschland in Lagern befinden, frei gelassen -werden. Mit der Entlassung wurde am 21. Oktober begonnen. Nur eine beschränkte Anzahl Persönlichkeiten, deren freie Bewegung in Belgien nach oer Natur der Dinge unmöglich ist, solange daselbst noch gekämpft wird, wrrtz erst bei der Räumung Belgiens in Freiheit geletzt werden. Für diejenigen Belgier, die ihre Strafe in 2rutschland verbüßen, ist ein gleicher Gnadenerlaß in Vorbereitung. _
Die deutsche Antwort an Wilson.
Die Aufnahme in der deutschen Presse.
Berlin, 22. Oft. Zur deuffchen Note schreibt das „Berliner Tageblatt": Der Eindruck, den Form und Inhalt der deutschen Note an Wilson im Reichstag hervorgerufen haben, kann als günstig bezeichnet werden. Hervorgehoben wurde insbesondere die Ehrlichkeit des deutschen Friedenswillens, die zum Ausdruck kommt. Mau hofft, daß die Diskrkßn» über; de» Friede» fortgesetzt werde und daß
Wi l s o n nunmehr die Gelegenheit wahrnehmen werde, der Welt den von ihm propagierten Rechtsfrieden zu bringen.
Die „Kreuzzeitung" kann sich nur mit dem e r st e n Punkt der Note einverstanden erklären, und sie gibt sich über das Schicksal der Note keinen optimistischen Erwartungen hin. Die letzte Wilsonnote und auch die neuerdings an Österreich gerichtete haben mit brutaler Offenheit enthüllt, welchen Plan Wilson hat. Damit steht die Frage im Vordergrund ob es lohnt, den Weg über Wilson weiter zu gehen. Deshalb hätten wir es mit Freuden begrüßt, wenn gleichzeitig mit der Note ein AppellandasVolk gerichsit -worden wäre.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt redaktionell: Die Note ist sachlich und inhaltlich das Ergebnis längerer Verhandlungen und stellt die übereinstimmende Meinung aller zur Mitwirkung berufenen Stellen der deutschen Volksregierung dar. Die Note stellt Wilson erneut vor die ver- antw-ovtungsvolle Frage, ob er die unzweifelhafte deuffche Friedensbereiffchaft als Hebel benutzen wird, um sein« Ideale zu verwirklichen, oder ob er sich vor den Mächten beugt, die auch jetzt noch die Fcrffetzung des Krieges verlangen, um auch künftig die Welt nach den Grundsätzen der Macht und Gewalt regieren zu können. x
Der „Vorwärts" sagt: Aus der deuffchen Antwort an Wilson sprick-t ein völlig veränderter Geist. Was gleichgeblieben ist, ist der Wille zur nationalen Selbst- e r b a l t u n g, das heißt, jetzt aber nicht mehr der Wille zur Selbsterhaltung regierender Kasten und veralteter Staatseinrichtungen, sondern zur Erhaltung des deutschen V o l k e s se l b st. Wenn es dem Gegner ernst ist mit -dem Frieden der unparteiischen Gerechtigkeit, so liegt ein Weg vor ihm offen, auf dem kein Hindernis mehr zu überwinden ist.
Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses verschoben?
Berlin, 22. Oft. Laut „Berl. Lok.-Anz." wird die für heute anbcraumte Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses möglicherweise verschoben werden.
Die Entente und die »4 Punkt« Wilsons.
Eine N!tslveich»ndc Erklärung Bonar Laws im Unterhaus.
Br. Bern, 22. Oft. (Erg. Drahtbericht, zb.) In der letzten Sitzung des Unt-chouseS wurde Schabkanzler und Sprechminister Bonar Law von mehreren Abgeordneten über das Verhältnis der Entente zu den 14 Punkten des Präsidenten Wilson befragt. Bonar Law erklärte im Namen der englischen Reisterung. daß die Regierungen der Entente zu den '4 Punkten des Präsidenten Wilson und seinen späteren Kriegszielerklärungen noch keinerlei Stellung genommen haben. Ebensowenig hätte die Entente die Frage diskutiert, ob die 14 Punkte Wilsons als Basis für Friedensverhandlungen mit Deutschland dienen könnten. Auf wettere Anfragen, die sich mit dem gleichen Gegenstand befaßten, lehnte Bonar Law die Antwort ab.
Eine italienische Note znr Antwort Wilsons.
IV. T.-B. Bern, 22. Oft. (Drahtbericht.) Agenzia Stefani in Rom veröffentlicht folgende Note: Die Antwort Wilsons auf die österreichisch-ungarische Note ist in ihren leitenden Gedanken völlig klar. Ssi kommt einer Weigerung gleich, heute in der österreichisch-ungarischen Regierung den legitimen Vertreter der Völker Österreich-Ungarns an- zu-erkennen. Dir in der Proklamation Karls I. gemachten Versprechungen über eine einfache Autonomie der verschiedenen Nationalitäten, die der einen oder anderen Hälfte der Doppelmonarcksie angehüren, genügen nicht, um die Lage zu ändern. Diese Erklärung Wi.'ions bestätigt die legitimen Bestrebungen der Unabhängigkeit der kämpfenden Völker. Sie kann diesen Bestrebungen nur neue Kraft geben und so die Bewegung beschleunigen, die Österreich-Ungarn der Auflösung entgegentreibt.
Die voraussichtliche österreichische Antwort an Wilson.
Br. Berlin, 22. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Zu der Wilsonnote an Österreich-Ungarn erfährt das „B. T." von unterrichteter Seite: Die k. und k. Regierung war von der Form und dem Inhalt der Washingtoner Antwort gleichmäßig überrascht. Alle Nachrichten, die aus dem neutralen Ausland sowohl wie was dem Wege über die schwedische Gesandffchast in Wien an das k. und k. Ministerium des Äußern gelangt waren, ließen erwarten, daß Wilson der Zertrümmerung Österreich-Ungarns nicht zustimmen werde. Trotz dieser Wendung der Dinge wird die k. und k. Regierung in versöhnlichem Sinne antworten, und zwar in den folgenden Richtlinien: Durck, das Manifest vom 18. Oft. sei ja vieles von dem, was Wilson anstrebe, bereits a n g e - bahnt. Die Bildung der unabhängigen Staaten, die sich auch zu föderativen Gebilden zusammenschließen sollten, sei im Gange. Die k. und k. Regierung schlage daher vor, daß das Washingtoner Kabinett, nachdem die Gewähr bestehe, daß den österreichisch-ungarischen Einzelstaaten volle Frei- heit der nationalen Ausgestaltung bis zur Selbständigkeit gegeben sei, weiteres Blutvergießen verhindert und ehestens in W a f f e n st i l l st a n d s v c r - Handlungen eintrete, während deren die Verhandlungen der österreichischen Nationen untereinander forffch reiten würdeir.
Ein neuer Bvrstoir der Tschechen im Herrenhaus.
IV. T.-B. Wien, 22. Oft. (DrahtverichtZ Das Herren-- tzausmitglled Fer und andere bürgerliche tschechische Herren-
hauSmitglieder richteten an den Ministerpräsidenten eine An- frage, worin sie ihre Solidarität mit den Bestrebungen auf Errichtung eines tschechischen Staates erklären und den im M a n i f e st vertretenen Weg für ungangbar erklären. Der Präsident rügte die in der Anfrage gegen Ungarn sowie das verbündete Deutsche Reich gerichteten Angriffe (Stürmischer Beifall; Händeklatschen.). Graf Clam-Marttnch gab im Namen einer Reihe engerer Parteigenossen eine Erklärung ab, in der gegenüber der Anfrage die Treue zu Österreich- und der Dynastie betont wird. Ministerpräsident Frhr. v. Huffarek erklärte, die Antwort Wilsons biete keinen Anlaß den angebahnten Gedankenaustausch als abgebrochen zu betrachten. Wir werden vielmehr nach sorgfältiger Erwägung der in der Depe'che Wilsons enthaltenen Momente unsere Friedensaktion fortketzen und an die Beantwortung der Note schreiten. Wir hoffen, daß die Friedensdiskussion trotz aller Schwierigkeiten die Welt in nicht allzu langer Zeit aus den unsäglichen Leiden des Krieges herausführen wird.
Eine südslaw schr Erklärung gegen das Manifest Kaiser Karls.
W.T.-B. London, 20. Oft. lReuter-Meldung.) DaS südslawische Komitee in London veröffentlichte bei einer Zusammenkunft, die am 19. Oktober abgehalten wurde, folgende Erklärung: Das jugoslawische Komitee in
London als Vertreter und Bevollmächtigter von sieben Millionen Kroaten und Slowenen Österreich- Ungarns und zahlreicker südstawischer Gemeinwesen in Ncrd- und Südamerika und den englischen Dominions lehnt endgültig das Manifest ab das am 16. Oktober Kaiser Karl an seine Völker gerichtet hat. Das Komitee spricht namens der Südslawen Österreich-Ungarns, denen die bedrückende Herr- schaff eben dieses Monarchen das freie Wort versagt bat. Unser Volk ist durch und durch entschlossen, jedes Band mit den Habsburgern und ihrer Monarchie zu zerreißen. Die Jugoslawen ''pcechen den Habsburqern nachdrücklich das Recht ab, in ihrem Namen zu sprechen. Das Manifest, welches sich der Welt als Beginn der Freiheit und Selbstbesttmmung zur Schau stellt, ist ein Stück frecher Heuchelei. Das jugoslawische Komitee vrotestiert gegen alle und j^e Znm-utung, daß jugoslawische Ideale in irgendeiner Form innerhalb der hobsburgischen Monarchie erreicht werden könnten. Unser Volk erwartet die Erfüllung seiner Ideale durch den Sieg der Alliierten und der Vereinigten Staaten, wobei es mft allem, was in seiner Macht steht, Hilst.
Die ukrainische Konstituante Österreichs.
W.T.-B. Lemberg, 21. Oft. Die ukrainische Kcmstittiant- beriet in ihrer efften Sitzung über Organisationsarbeiten und beschloß, vorerst in Lemberg und Czernowih besondere Delegationen zu bilden. Die gestrigen Beschlüsse der ukrainischen Naffcnalversammlung sollen -durch eine Sonderobovdnung der österreichffchen Regierung zur Kenntnis gebracht wenden.
Die italienische Forderung von Triest und P»la.
Bern, 21. Oft. (zb.) Der „Secolo" fordert von Österreich für den Fall eia«?- Wafsenstillstandes die sofortige Räumung von Triest und von Pola. Wilson dürfe diese Bedingungen des demokratischen Italiens nicht unberücksichtigt lassen.
Ein anderer italienischer Oberkommandierender auf Wunsch der Entente?
Berlin, 22. Oft. Wie dem ,.B. T." aus Genf berichtet wird, verö-ffentticht die schweizerische Presse eine Meldung, die besagt, daß General Diaz nicht mehr Oberkommandierender der italienischen Armee sei. Wie schon früher gemeldet, bestanden seit längerer Zeit Unstimmigkeiten zwischen Diaz und Fach, der vergeblich eine Offensive a-n der italienischen Front verlangt hatte. Die Alliierten scheinen daraufhin die Entlassung von Diaz und keine Ersetzung durch den Herzog von Aosta verlangt zu haben.
Deutsch-spanische Verständigung in der Schiffsfrage.
Br. Berlin, 22. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der spanische Ministerott hat einer Meldung der Kopenhagens: „National Tidende" zufolge folgend- amtliche Note versandt: Der Ministerrat sieht den geeigneten Augenblick für gekommen, um die öffentliche Meinung darüber zu unterrichten, wie es sich mit der Frage des Ersatzes für unsere versenkt- Hcmdelstonnage verhält, die der Ministerrat am 20. August in San Sebastian gefordert hat. Der Ministerrat teilte damals mit, daß die Regierung tie sttengste Neutralität beobachten werde. Sie besprach die Erklärungen der Berliner Regierung, wonach dies- auf d'e Maßnahmen der spanischen Regierung einging, die sie für qer-cbt ansehe und daß der Austausch der Meinungen mit dem Reichskanzler die herzlichste Freundschaft zwischen beiden Regierungen bewahren würde. Spanien wünschte die verfügbaren deutschen Schiffe im spanischen Handelsverkehr zu verwenden. Die Zeit verging und neue Versenkungen spanischerSchiffe machten es dringend notwendig, sofort zu handeln und Zuflucht zur Beschlagnahme der deutschen Schiffe zu nehmen, die in spani- scheu Häfen Schutz gesucht hatten. Der Austausch von Mit- teilungen führte dazu, daß sieben deutsche Schiff- von zusammen 21 000 Tonnen bezeichnet wurden, die von der deutschen Botschaft dem spanischen Lebensmittelmmijterüun aus- geliefert wurde«.
