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Mittwoch, 16. Oktober 1918. AbeNd-AUSgttÜb. Nr. 484.. 66. Jahrgang.

Wilsons neue Antwort.

(Don unserer Berliner Abteilung.)

# Berlin, 16. £It iE:g. Drrhstbericht. zb.) Wenn der cmrliche Wortlaut der Note, der in Berlin bis jetzt noch nicht eingetroffen ist, mit dem norliegenden Text der Wilson- Note über einstimmt. so ist die Antwort des Präsidenten nicht nur überflüffig gewesen, sondern man must sie als dem Frie- dcnswerk geradezu schädlich bezeichnen. Deutschland bat sich im Vertrauen auf die Ritteriichkeit des Präsidenten und in der Annahme, daß er seine Person durch seine Taten hinter seine Worte stellt, an ihn gewandt. Was Herr Wilson in seiner jetzigen Note aber zu ecre:,chea sucht, ist nichts weiter als ein brutaler Gewaltfriede. Er hat die Formulierung seiner Note so ungeschickt und provozierend wie nur möglich abgefaßt und es must der deutschen Regie­rung schwer fallen, in angemessenen: Tone zu antworten. Selbstverständlich ist man sich über diese deutsche Antwort noch nicht im klaren, ja, die Vorarbeiten dazu dürften noch nicht einmal abgeschlossen sein. Endgültiges kann erst gesagt werden, wenn der Wortliui vorliegk und man sicher ist, daß Reuter nicht Zusätze eingelchoben und Redewendungen ein­geschaltet hat, die der Note die Schärfe verleihen, die sie jetzt fraglos hat.

Die Note beschäftigt sich zum weitaus gröhten Teile mit militärischen Fragen. Die Beurteilung derselben wird man fachmännischer Seite überlassen und c!)e die Oberste Heeresleitung nicht gesprochen hat, kann bier keinerlei Entscheidung fallen. Mit Entschiedenheit aber >-nd mit aller Empörung eines Volkes, sas vier Fahre lang sich gegen eine Welt von Feiirden schützen mutz, müssen wir uns ober auch gegen die Unter st eil lrngen wenden, die Wilson, den alten Märchen der Enteutehetzprefiepropaganda glanberld, von d e u t s ch en G r a u s a m k e i t en auch uns erzählen will. Wir wissen das besser, Herr W'lson, und wir kennen unsere deutschen Soldaten, die inrt Erbitterung und znsammcrige- bijsenen Zähnen den grausamen Krieg führen, weil sie die Nor dazu zwingt.'aber unfähig sind zu sadistischen Greueln, dre man ihnen nachsagen will. Es geschieht nicht mehr als das. was der Krieg erfordert, nicht mehr und nicht weniger, und wenn von sinnlosen Z e r st ü r u n g e n t,e Rede ist, dann gehe Herr W-lion doch selbst m die französischen Städte hinter der Front und sehe zu, was seine eigenen Verbündeten :n nutzloser Raserei dort anrichten.

Nur ein kleiner Absatz in der Note beschäftigt sich mit P o l i t i s ch e n Fragen. Herr Wilson spricht von der M acht, die bis jetzt das Schicksal der deutschen Nation be­stimmt hat und meint, wenn es zu einem Frieden kommen solle, müsse das deutsche Volk von nun an sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Der Satz ist vollkommen gegenstandslos. Schon früher entschied über Krieg und Frieden nicht „eine Macht", sondern gemeinsam Kaiser und Bundesrat. Ehe Wilsons Note aber eintcaf, ist in dieser Richtung nach eine Erweiterung in der Ver. f a s s u n g eingetreten. Der Bundesrai hat schon (wie in unserer heutigen Morgen-Ausgabe gemeldet) seine Zustim­mung zur Abänderung des A r t i k c l s 1 i der Verfassung ge­geben, so daß unmehc über Krieg und Frieden nicht mehr allein Kaiser und Bundescar, sondern auch noch der Reichstag zu entscheiden hat. Fraglos wird diese Ver­fassungsänderung im Reichstag angenommen werden und hiermit kann dieser Satz WilsonS als erledigt angesehen wer­den, denn diese Verfassungsänderung bietet alle Garantien, die verlangt werden sollen.

Wenn der amtliche Wortlaut, wie schon eingangs er­wähnt, mit der bisher vorliegenden, durch Reute: oerbreit-ten Fassung übereinstimmen sollte, so wird sich Herr Wilson nicht wundern dürfen, wenn das Friodenswerk zum mindesten als stark geschädigt angesehen w irden mutz. Es gibt keine Regie­rung, di« den Mut hätte, vor dem deutschen Volk zu verant- Worten, worauf diese Note hinausläuft, cur eine brutale Demütigung des Deutschen Reiches, auf einen Gewalt- frieden, wie ec schlimmer nicht gedacht werden kann.

Die Beratungen über die Antwort.

Die ungünstige Wirkung in Berlin.

kVon unserer Berliner Abteilung.)

# Berlin» 16. £ft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Be­ratungen über die Antwort cm Wilson, die am gestrigen Tage begonnen haben, wurden auch heute fortgesetzt. Das gesamte Kriegskabinett uach der Reichskanzler hielten heute morgen eine lauge Sitzung ab. Wenn auch, wie wir schon bemerkten, der Ton der Note vielleicht eine andere Nuance haben wird als unsere früheren Mitteilungen an Wilson, so wird sie doch auch weiter von versöhnlichem Geist ge­tragen sein. Die Hauptarbeit dürste diesmal die militärische Seite zu leisten haben, da die Fragen Wilsons sich ja zum größten Teile aus diesem Gebiete be- wegen. Ob dl« deutsche Antwort aus die erneute Note Wilsons me Unterschrift desPrinzenMaxvon Baden tragen wird, »der aber wieder der Staatssekretär des Auswärtigen Dr. S o l f nach außen hin die Verantwortung übernimmt, steht noch nicht fest. Es könnte sogar der Fall sein, daß unsere Nächst« Note zwei Unterschriften tragen könnte, und zwar aus Gründen, die sich aus dem Inhalt selbst ergeben würden.

Die offizielle Übergabe des Antwortschreibens Wil­sons hat bis zur Stunde noch nicht stattgefunden, da

Note noch nicht in die Hände der hiesigen schweizerischen Gesandtschaft gelangte. Man rechnet jedcch damit, daß dies noch im Laufe des heutigen Tages geschehen wird, falls nicht, wie beim letzten Male, eine Verzögerung in der Übermittelung Eintritt. Damals wurde die Note in Frankreich aus irgend­welchen Gründen zurückgehalten. Man hofft, die neue »zrursch« Antwor-t bis zum EMtvejft» das Original­

textes soweit fertiggestellt zu haben, daß dann nur noch redaktionelle Änderungen notwendig sind, vorausgesetzt, daß er mit dem bekanntgewordenen Wortlaut übereinstimmt. Zu den Beratungen, die zurzeit teils im Auswärtigen Amt, teils in der Reichskanzlei stattfinden, werden alleStaats- sekretäre sowohl wie auch die in Berlin anwesenden militärischen Stellen hinzugezogen. Ob man die Note im Hauptausschuß vor der Absendung .wieder vorlegen wird, stebr noch nicht fast, doch scheint es wünschenswert, daß dies wieder geschieht, schon um der Antwort eine breitere Grundlage und eine bessere Resonanz zu geben. Die Führer der Parteien und die politisch stark interessierten Abgeordneten sind meist in Berlin verblieben und werden, so weit es angängig ist, auf dem lausenden gehalten.

Im allgemeinen kann man sagen, daß die Wirkung der Wilsonschen Antwort aus di« politischen Kreise recht u n g ü n st i g war. Man batte aus die konziliante Ant­wort Deutschlands wenigstens eine in .dem früheren Ton Wilsons gehaltene Note erwartet und nicht dre scha rfe Ton­art, die der amerikanische Präsident jetzt anzuschlogen beliebt. Man ist der Ansicht, daß die Pariser und Londoner Kabinette diesmal mehr zur Sprache gekommen sind als Herr Wilson selbst. Wenn man auch nicht sagen kann, daß das Friedenswerk ernstlich gefährdet worden ist, so mutz dich zugegeben werden, daß Wilsons Note in weiten Kreisen stark enttäuschte.

Die „Nordd. Allg. Ztg." über die Grundlage unserer neuen Antwort.

—• Berlin. IG Okt. Die Antwort des Präsidenten Wilson ist, wie die „Norkd. Allg. Ztg." schreibt, früher als man erwartet hat, eingetrosfen. Sie führt die Diskussion teils weiter, teils erweitert sie vieselbe. Es wird alst eine neue Gegenäatzerung der deutschen Regierung notwendig werden. Die Ausstellung des Pr in- zips ist neu, daß die durch die Raumuno zu schaffende Lage die letzlge miinäriiche Überlegenheit der Entente unangelastet lassen müsse. Im Zusammenhang mit dieser Frage erhebt die Note gegen die deutsche Kriegführung den Vorwurf der UnMensch­lichkeit und beschuldigt sie ungesetzlicher Handlungen. Der Vorwurf ist ui. berechtigt und übersieht zum mindesten die Mil.tarischen Notwendigleiren, unter deren Zwang die deutsche Heeresleitung bandelt. Die deutsche Negierung hat die Hand dazu geboten, uni die Leiden zu mildern und den Verwüstungen des Krieges überhaupt Einhalt zu gebieten. Es ist also unbillig, ihr die alleinige Schuld an dem jetzigen, gewiß bedauernswerten Zu­stand der bewohnten Kampszone zuznschieben. Die Beantwortung der amerikanischen Note erfordert eingebende Beratungen. Dabei wird die deutsche Regierung sich weiter von dem Geist der Versöhnlichkeit und dem Wunsch nach Beendi­gung des Blutvergießens leiten lassen und ihren Entschluß unter Wahrung der Interessen des deutsche!! Volkes fassen.

Das berechtigte Aufbäumen des Volkes.

B. A. Berlin, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Reichskanzler, dem anläßlich der neuen Antwort Wilsons von den verschiedensten Seiten telegraphisch und brieflich Kund­gebungen zugegangen sind, in denen die Entschlossen­heit zur Verteidigung des Vaterlandes aus­gesprochen wird, läßt durch die Presse Mitteilen, daß er mit besonderem Dank für den kraftvoll zum Ausdruck kommen­den Willen Kenntnis genommen hat, für das Vaterland in seiner schwersten Zeit mit allen Mitteln einzustehen.

Die-Beurteilung in der deutschen Presse.

Unter der Überschrift „Rechtsstieden oder Gewaltsrjeden" führt die „Morgenpost" au§: Wir haben lange gezögert, Wilson unser Vertrauen zu schenken. Aber schließlich haben wir es getan in dem Glauben, daß es wirklich ein Rechtsfriede sei, den er ver. niilteln wolle. In der Tat ist ober das, was er nnS in seiner ncncn Note zumntet, nicht die Grundlage, auf der ein Rechts- ftiede aufgebaut werden kann, sondern es sind die Vorbedingungen für einen Gewaltsriedem Die Sprache der Wüsonschen Antwort -st hochmütig und verletzend. De» Ton, den er anpischlagen für gut befunden hat, läßt daraus schließen, daß er nicht um die schnelle Wiedirherjtellung eines für Deutschland erträglichen und die Welt nützlichen Friedens besorgt ist.

Im „Bert. Tagedl." heißt es: Deutschland hat die Entsagung gezeigt, die bei schwachen Völkern den Tadel der Geschichte zu er- warten hätte, die aber in Zukunft ein sicheres starkes Volk nicht zu erniedrigen vermag. Wie aber steht es mit denjenigen, die alles Erreichbare erreichen könnten, die aber in entfesselter Trmmphlust es dahin treiben, daß noch Tausende am Wege verschmachten noch Hnnderttausende fallen müssen?

Di- „Bojsische Zeitung' sagt: Die deutsche Regierung hat um Entsendung einer gemischten Kommission gebeten, um über den Wassens illstand zu verhandelm Statt hieraus einzugehen, leitet Wilson eine Diskussion über menschenunwürdige, ungesetzliche Hand- lungen ein, die angeblich von den deutschen Truppe» vorge- nommen sein sollen. Den praktischen Zweck de: Forderung um Beschleunigung des M a f f c n st i l l st a n d e s und des Friedens kann der Präsident mit dieser Methode nicht verfolgen Er scheint vielmehr die Ak sicht zu haben, die Diskussion in die Länge zu ziehen, um die mi'rtärische Überlegen- beit der Entente, von der er spricht, noch weiter aus zu ge- st a l t e n.

Der „Serl. Lolalanzeigrr" sagt: Wilson will, daß die Entschei. d»ng über Krieg und Frieden nicht mehr von einem einzigen ab- hangt. Diese Forderung stellt er in einem Augenblick auf, in dem von ihm ganz allein tatsächlich die Entscheidung darüber ab- hängt, ob der größte und blutigste Krieg aller Zeiten beendet wer­den soll cder nicht.

Der „Vorwärts" führt aus: Die writgehenderr Forderungen der englischen und ftanzösischen Presse machen den dringenden Rat not. wendig, den Bogen nickt zu überspannen. Das deutsche Volk ist heute sri'cdensxeneigt wie nock nie. Es arbeitet an seiner demokratischen Erneuerung und ist bereu, dem Gedanken eines durch den Dölkcrbnnd gesicherten Friedens große Opfer zu bringen. Ein R ü ck s ch l a g e n dieser Stimmung ist möglich, wenn sich der Eindruck verstärkt, daß man auf der anderen Seite nicht geneigt ist, dem brutschen Volle einen letzten Verzweif­ln ngskamps zu ersparen.

Die „Frankfurter Zeitung" sagt u. a.: „Daß die neue Rote aber ein Fortschritt ans dem Wege zmn Frieden sei, wie es' die beiden verangegangenen deutschen und hie erste amerikanische Note

zu lein schienen und wie man es auch von dieser erwarten durste, wird man nickt sagen können. Im Gegenteil spricht aus dieser Nrte ein anderer, sch reiferer Geist als aus der ersten, und es ist offensichtlich daß aus die Fassung dieser Note andere Kräfte Einsluß genommen haben. Der Geist Tlemen- c e a u s und Lloyd Georges macht sich bemerkbar und Zweifel tauchen auf, ob diiser Weg zum Ziele führen kann." Der Präsident verlangt zum Schluß wieder die .Vernichtung jeder willkürlichen Macht, dre für sich gcbein, und nach ligenem Belieben den Frieden der Welt stören kann, nnnkkstens soll st; zu tatsächlicher Machtlosig­keit herabxcdrückt werden „Die Macht, welche bisher die deutsche Nation beherrscht bat." ist von dieser Art, sagt dre Note. Es ist klar, daß diese Stelle auf das persönliche Regiment in Deutschland «„spielt Wir haben es seit Jahrzehnten bekämpft und wissen, das- ans ihm für Deutschland sehr viel Unheil entstanden ist Nun sind wir aber dabei, dieses persön­liche Regiment zu beseitigen und soeben hat der Bundesrat eine Änderung der Verfassung angenommen, die das Recht über Krieg und Frieden zu entlchciden aus einem dynastischen zu einem Bolks- recht macht. Bon einer Macht, die im geheimen das Schicksal des deutschen Volkes bestimmt, wird man nun nicht mehr sprechen können.

Die „Kölnische Zeitung sagt zur Antwort Wilsons: „Der erste Eindruck der Antwort ist der, daß Wilson der Rolle emes Schieds­richters in dem großen Ringen, als den er sich in seinen Reden ausgegeben und die deutsche Regierung ihn angesprochen hatte, nicht gerecht geworden ist. Er macht sich in der Tat die Forde­rungen der Verbandsmächtc zu eigen und redet ganz nach dem Konzept der französischen Zeitungen von „Unmensch- lichen Handlungcn" der deutschen Kriegführung zu Wasser und W Lande, ohne sich auch mir die Mühe zu macken, die Bekundung der deutsche» Heeresleitung anzubölcn. daß die französischen Städte von französischen und englischen Granaten und D o in b e n zerstört werken, geschweige denn ihr gerecht zu werden. Wer so einseitig und parteiisch urteilt, verwirkt das Ver­trauen, das er vnbeichl auch bei einem großen Teil unseres Volkes durch seine ideal aufgcpvtzten Pläne von Völkerglück uns Weltfrieden ccnossen hätte. Zudem will der Präsident offenbar einer Entschei­dung auswcicben, sonst hätte er sich angelegen stin fassen, die Bürgschaften und Sicherheiten, die er jetzt verlangt und die zu ver­einbaren drch Sache der gemischten Komn/isnon wäre, die die deutsche Reciernng in Vorschlag gebrach: hat, bekannt zu geben." Das Blatt schließt: „Sobald der Wortla-,t der Antwort eingetrofsen ist, wird sie im Reichstage nach allen Seiten beleuchtet werden, und man darf anuebmen. daß ihrerseits unsere Regierung ein­mal einige F r c g en an Hcirn Wilson stellen und bitten wird, sich endlich in oller Tcutlichkeit darüber auszusprechen, was er denn eigentlich will. Die Hoffnung aber, daß uns Veihandlungen mit diest-in Manne dem Frieden näher bringen werden, muß noch seiner neuesten Auslassung u m einige Pflöcke zurückgesteckt werden.

Englischer Enthusiasmus.

Br. Rotterdam, 16. Okt. ((Kg. Drvbtbericht. zb.) Lloyd George empfing gestern Hunderte von Telegrammen von briti­schen Personen aus allen Kreisen, die die Regierung auf- fcrdiern. festzublviben und eine bedingungslose Kapitulation zu verlangen.

Weitere englische Pressestimmen gegen einen Waffenstillstand.

W. T.-B. Rotterdam. 15. Okt. Der Londoner Korrespon­dent des „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet: Man erhält aus den Morgenblättern den Eindruck, daß die öffentliche Meinung gegen die Bewilligung eines mit einfacher Räumung ge- pa.itten Waffenstillstandes ist. Man ist der Über­zeugung, daß es Fach in seiner Hand hat, Deutschland zur Übergabe zu zwingen, und daß man ihn vor den Kopf stctzen würde, wenn man sich mit weniger begnügen würde. Die „Times" schreibt- Deutschlands Vorschlag, eine ge­naschte Kommission einzusetzcn, fei keine Annahme der Forde­rung WilsonS. Solfs habe in Ausdrücken geantwortet, die nicht aufrichtig seien. Die Deutschen wünschten Zeit zu ge­winnen, um ihre Armeen wieder zu Atem kommen zu lassen. — >,Daily Mail" schreibt- Die deutsche Antwort bedeute keine Annahme der Bedingungen Wilsons; sie sei nur eine un« aufrichtige Erklärung, daß diese angenommen worden seien. Der Waffenstillstand würde keine Entwaffnung oder Übergabe der deutschen Armeen bedeuten, sondern nur, daß Fach den Deutschen erlauben würde, den Schwierigkeiten, in denen sie sich jetzt befinden, unter dem Vorwand zu entrinnen, daß sie das französische und belgische Gebiet räumen wollen. — Die „M nrn' ng Post" schreibt- Es sei eine Tatsache, daß die militärische Lage nie die Deutschen sekr gefährlich sei und daß jeder Waffenstillstand diese Lage zu seinem Vorteil ändern würde. — „M anchester Guardian" schreibt: Deutschland hat s i rb ergeben, das ist die unverrückbare Bedeutung der deutschen Antwort. Der Friede mag vielleicht noch nicht unmittelbar bevorsteben, aber die allgemeine Grund­lage dafür ist abgesteckt und angenommen. Für den Waffen­stillstand würden die Alliierten, weil sie dem Feinde damit gestatten würden, sich aus der gefährlichen Lage zu befreien, eine Vergütung haben müssen. Die beste Garantie wäre eine zeitweilige Besetzung von Essen und die Räumung Elsaß-Lothringens, das dann vielleicht vorläufig von einem neutralen Lande besetz: werden könnte. Außerdem müßten die Transportschiffe und die anderen Schiffe vor Angriffen gesichert werden. Der Unterseeboots­krieg müsse für immer aafhören. D:e Auslieferung der deutschen Unterseebootsflotte würde eine unmittel­bare Garantie dafür sein.

Die türkische Rote kn Washington.

W. T.-B. Washington, 35. Okt. (Reuter.) Die Rote der Türkei, in der Wilson um Vermittlung zur Herbeiführung des Friedens ersucht wird, ist verspätet eingetrofsen.

Eine K-mf.'-evz im Wersten Hause.

W. T.-B. Washington, 14. Okt. (Reuter-Meldung.) Nach Empfang des amtlichen Textes der deutschen Note berief Wilson Lansing, Baker, Daniel und Oberst House in das Weiße Haus zu einer Konferenz, die zwei Stunden dauerte.