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Verlag Langgasse 21

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Montag,

14. Oktober 1918.

Abend-Ausgabe.

Nr. 480. - 66. Jahrgang.

Um den Rechtsfrieden!

Die Formulierung der deutschen Antwortnote läßt das Bestreben unserer Regierung erkennen, eine klare und zugleich ei schöpfende Antwort zu geben, um so, wenn möglich, weitere Rückfragen aus Washington überflüssig ;u machen. Aus tiefem Grunde hat unsere Note, was vielleicht auffallend wirkt, vielfach die Wortwendungen von Wilsons Anfragen übernommen. Unsere Antwort wurde, wie wir wiederholt zuverlässig betonen können, nach eingehender Darlegung der militärischen Lage durch die Obcrste Heeres­leitung, in steter Fühlungnahme mit dieser und unter Zustimmung derselben abgefaßt. Sie hat die einmütige Zustimmung des Kriegskabinetts, sämtlicher Staatssekretäre, des preußischen Staatsministeriums und des Bundesrotsausschuffes für auswärtige Angelegenheiten er­halten. Nach der Erklärung des Reichstagspräsidenten Fehrenbach vom 5. Oktober kann auch als festsrehend ange­sehen werden, daß sie die Billigung der überwältigen­den Mehrheit des Reichstags finden wird. Durch jene im Namen des deutschen Volkes und des Reichstags ab­gegebene Erklärung, wonach der Reichstag das Friedensangebot billige und sich zu eigen mache, war die wohl mehr rhetorische Frage 3 des Präsidenten Wilson nach der Aktivlegiti- m a t i on der deutschen Regierung schon vorher beantwortet.

Was die vom Präsidenten Wilson geforderte R ä u m u ng der besetzten Gebiete in Frankreich und Belgien be­trifft, die in Wilsons zweiter Rückfrage als Vorbedingung des Waffenstillstandes aufgeführt ist, so hat die deutsche Regierung sich dazu bereit erklärt und dem Präsidenten an- heimgestellt, den Zusammentritt einer gemischten Kommission zu veranlassen, welche die zur Räumung erforderlichen Ver­einbarungen treffen soll. Die Einzelbeiten der Räumung, die natüäich nicht im Kampf, sondern erst nach Ab­schluß des Waffen still st andes erfolgen kann und geraume Zeit erfordern dürfte, muffen in der von deut­scher Seite vorgeschlagenen Kommiffion vereinbart werden, wobei wir verlangen, daß die Grundsätze des Völker­bundes (keine Geheimverträge, Schiedsgerichte usw.) be­reite zu betäfigen sind. Wie die Räumung im einzelnen zu bewerkstelligen sein wird, kann jetzt selbstverständlich noch nicht erörtert werden. Im übrigen muß hierzu darauf hin­gewiesen werden, daß die Reichsleitung die besetzten Gebiete rmmer nur als Faustpfand bezeichnet hat.

Was endlich die Frage des Präsidenten betrifft, ob die deutsche Regierung die Sätze, welche Wilsvn in der Bot­schaft vom 8. Januar und in feinen späteren An­sprachen als Grundlage eines dauernden Rechtsfriedens .niedergelegt hat, annehme, so hat die deutsche Regierung sich auch hierzu bereit erklärt. Aber die Voraussetzung hierfür ist, daß auch die Regierungen der nfit der Union verbundenen Mächte sich auf den Boden dieses Pro­gramms stellen. Diese Voraussetzung soll für uns eine Sicherung sowohl gegen die bisher von den Alliierten proklamierten ausschweifenden Kriegsziele als auch gegen etwaige neue Forderungen der Entente bilden. Weiter muß betont werden, daß Wilsons 14 Punkte nicht etwa wörtlich deir Inhalt eines Friedensvertrages. sondern nur die Grundlage hierzu bilden konnten. Die einzelnen Punkte müffen bei den Friedensverhandlungeu sinngemäß Und gerecht ausgelegt, näher umschrieben und präzisiert werden. Das gilt sowohl für den elsaß-lothringifchen Streitpunkt wie für die polnische Frage. So spricht Wilson in seinem Punkt 8 von einer „Wierdergutmachung" des angeblichen Unrechts, das wir Frankreich durch die Reannexion dieses ursprünglich deutschen Gebietes zugefügt haben sollen. Offenbar denkt Willon hierbei an die Vornahme einer Volksabstimmung und an eine neue Grenzvegulierilng. auf Grund derer so­wohl in bezug auf Elsaß-Lothringen wie auf Polen betont werden muß, oaß, wenn der Friede, wie cs Wilson will, Dauer versprechen soll, er nicht von vornherein der Rekanchesucht den Boden bereiten darf.

Überhaupt können die Verhandlungen, auf deren Ein­leitung jetzt wohl gerechnet werden darf, nur dann zu dem ton der gesamten Menschheit ersehnten und allen Staaten dringend notwendigen Weltfrieden führen, wenn unsere Gegner von demselben ehrlicken Friedens­willen erfüllt sind.wie wir. mit diesem an den Verhand­lungstisch treten und sich ebenso wie wir zu Wilsons Programm bekennen, von dem das ihr« bisher noch ganz erheblich abwich. Im übrigen betonen wir ncchmols: das deutsche Volk muß sich vor Augen halten, daß auch dir Einleitung von Friedensverhandlungen noch nicht deren Zu­standekommen bedeutet, denn nur zu einem Verzichtfrieden, nicht zu einem Vernichtungs- und Unterwer- sungsfrieden Huben wir uns bereit erÄlärr. Und nur einen Frieden, der unsere Ehr« und untere nationale Zukunft sichert, werden wir an­nehmen. Das muh der Leitsatz des deutschen Volkes sein, und ist es sichec auch auf die Gefahr hin, daß uns noch einmal der „Endkampf auf Leben und Tod" beschieden wäre, wenn die Friedensverhandlungen jenen ehrlichen Willen unserer Gegner vermissen lassen sollten, wenn der Völker­bund, zu dem wir uns reinen Herzens bekennen, etwa nur dem Zweck dienen sollte, das deutsche Volk, das stark genug ist. sein Dasein aus eigener Kraft zu behaupten, einzu» schnüren und zu erdrosseln.

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Befriedigung über die deutsche Antwort

in Washington.

B. A- Berlin, 74, Oft. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Wie eine keutermeldnng aus Washington besagt, haben die offiziellen . kreise in Washington die deutsche Antwort vorläufig nur durch Kuakspruchübermittlung kennen geleimt und erkläre», datz die

drei Fragen Wilsons befriedigend beantwortet scheinen. Wer.» diese Rcutermeldung. zutrifft, so kann in Berlin am Mittwoch oder Donnerstag die Antwort Wilsons eintreffen.

Versöhnungsworte des Staatssekretärs Lansing.

W. T.-B. Rotterdam, 13. Okt. Dem „Nieuwe Rotter- damscke Courant" zufolge müden „Central News" aus New Dort am Freitag: Der Staatssekretär La-using, der gestern im Theologischert Seminar von Auburn sprach, erklärte, daß die Friedens-Verhandlungen n ah e seien, und daß nicht nestattet werden dürfe, daß der Geist der Rache die Bcraiicklagungen benachteilige. Solche Haltung von seiten der Alliierten würde den aufrichtigen Geist der Rechtschaffen­heit, welcher für die Grundlegung eines dauerhaften Friedens wesentlich ist, erheblich schwächen. Wenn der Krieg gewonnen ist, darf das am-evikan-ische Volk keinen erbarmungö- lösen Haß gegen diejenigen Fremden hegen, die den mili­tärischen Diktatoren der Mittelmächte dienten. Es muß ein Unterschied zwischen Herren und Dienern gemuckt werden. Es scheint mir die Aufgabe derer zu sein, die aus die öffentliche Meinung einen Einfluß ansüben, darüber zu wacken, datz diese Leidenfchafi die Verwirklichung der Pläne zu der Neuregelung und Ordnung der Welt, wenn der Frieden wivderhergestellt ist, nicht verhindert.

Die alldeutsche „Deutsche Zeitung" auf drei Tage verboten.

Br. Berlin, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie die „Deutsche Zeitung" in einer Sonderausnabe mitteilt, ist ihr Erscheinen vom Oberkommando in den Marken auf drei Tage verboten worden.

Der neue Chef des Zivilkabinetts.

Berlin, 14. Okt. Wie das „B. T." erfährt, ist zum Nach­folger des aus dem Amte geschiedenen Herrn v. Berg der frühere Staatssekretär Dr. Clemens Delbrück als Chef des Zivilkabinetts ausersehen. Dr. Delbrück wurde bekanntlich am 22. Mai 1916 durch Dr. Helfferich auf dem Posten eines Staatssekretärs des Innern abgelöst.

Die neuen Männer in Elsatz-Lothringen.

Berlin, 12. Okt. Der Straßburger Bürgerineister Dr. S ch w ander hat den an ihn ergangenen Ruf, Stait- halter von Elsaß-Lothringen zu werden, angenommen. Gleichzeitig ist enffchieden worden, daß der elsäffische Reichs­te, gsobgeordnete Hauß (Zentr.) Staatssekretär in der elsässisch-Iothringischcn Regierung wird.

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Die Thronrede zur Eröffnung der türkischen Kammer.

IV. T.-B. Konstantinopel, 14. Okt. (Drahtbericht.) Die Kammer wurde heute mit der Thronrede des Sultans er- öffi.et. Die Thronrede erinnert an-die schwierige Lage, in die die Türkei durch den Zusammenbruch Bul­gariens geraten sei. Sie habe durch ihr Friedensangebot gemeinsam mit den Verbündeten für die durch die Wirkung des langanhaltenden Krieges- heimgesuchte türkische Nation und heldenhafte Armee einen ehrenhaften Frieden berbeizufiihren versucht. Vereint mit den Mittel­mächten habe die Türkei die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung des Landes getroffen. De: Sultan hoffe auf einen g ü n st i g e n Ausgang und daß die Armee den ivährend des Krieges erworbenen Ruhm bis zum Ende bewahre. Er flehe zu Gott, datz er die türkische Ration vor dem Zusammenbruch behüte und Spaltungen und Streitigkeiten nicht zulasse. — Die Kammer wählte Haiti mit 70 Stimmen znm Präsi-' denten gcgeii 50 Stimmen, die für Fethi waren. Nizza- Pascha wurde zum Senatsprästdenten ernannt.

Räumung des Kaukasus durch die Türkei?

ve. Paris, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie die Radiostation der Sowjetagentur in Kiew meldet, hat sich die Türkei bereit erklärt, den Kaukasus zu räumen.

Der Brief des Prinzen Mar von Baden.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

A Berlin, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Gestern fanden im Zusammenhang mit der unzweifelhaft bestehenden neuen Kanzlerkrise zahlreiche Besprechungen statt. Im Mittelpunkt dieser politischen Unterhaltungen stand der Brief des Prinzen Max von Baden an den Prinzen Alexander von Hohenlohe, der zu den jetzigen Verwicklungen geführt hat. Auch der gestrige Tag brachte keinerlei Entscheidung. Immer­hin scheint sich aber eine Klärung zu vollziehen. Alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten haben Be- schlüffe über ihre Stellungnahme zu der Angelegenheit gefaßt. Nach unseren Informationen wollen es die bürgerlichen Parteien im jetzigen Augenblick, wenn es irgendwie mög­lich ist, zu keiner Kanzlerkrise kommen lassen, und auch bei den Sozialdemokraten hat eine ruhigere, Be­urteilung der Lage sich geltend gemacht, so daß man damit rechnen kann, daß, wenn gewisse Sicherungen erfüllt sind, auch diese Partei dem Verbleiben des Prinzen Max von Baden in seinem Amt keine Schwierigkfiten mehr bereiten wird. Die Forffckrittliche Volkspartei hielt gestern eine Fraktionssitzung ab, in der sie sich auch mit der Frage der Kanzlerkrise beschäftigte und entsprechende Beschlüsse faßte. Die Sitzung des interfraktionellen Ausschusses, an der alle Vertreter der MehrheitSparteien teilnahmen und zu der auch die parlamentarischen Mitglieder der Regierung und die Staatssekretäre erschienen waren, dauerte etwa 1% Stunden. Sie konnte ksirre definitiven Beschlüffc fassen.

da, tvie bemerkt, die Sozialdemokraten infolge des fehlenden Fraktionsbeschlusseö eine bindende Erklärung nicht abzugeben vermochten. Schließlich fand im Reichsamt des Innern aus Einladung des Vizekanzlers v. Paher eine Besprechung der Vertreter der Mehrheitsvarteien statt. Wie wir weiter hören, wird in de: „Nvrdd. Ällg. Ztq." in allernächster Zeit der Brief des Prinzen Max von Baden veröffentlicht werden und gleichzeitig damit eine Erklärung des Reichs­kanzlers dazu. Es steht also mit Bestimmtheit zu hoffen, daß noch :n den ersten Tagen dieser Woche die leidige An­gelegenheit aus der Welt geschafft sein wird.

Ter Inhalt des Briefes.

Der im Auslande verbreitete Wortlaut des Briefes des Prinzen Max ist in Deutschland immer noch nicht bekannt. Die „Ftkf. Zig." teilt über ihn mit: Der Brief, den der Prinz an seinen in der Sch-weiz lebenden Vetter im Januar ge­schrieben hat, ist die Antwort auf einen bis jetzt unbekannten Brief dieses als berbcrrayenden Pa-zisistcri tätigen Mannes. Der Brief des.Prinzen Max ist in etwas schweren Gedanken- gärigen und in einem nicht leicht verständlichen SM geihalten, aber er cickhäit unstreitig Kritiken über Demokratie. Parlamentarismus, über K r i e g S z i e I c und Kriegsentschädigungen, die in Widerspruch zu dein stckhssn, was aus früheren Reden des Prinz-eu und aus seinem jetzigen Regierungsprogramm und seinem Auftreten im Reichstag bekannt geworden ist. Dieser Widerspruch löst sich auch nicht restlos, wenn man annimmt, daß -das, was der Prinz in dom Brief gegen Parlamentarismus und Demokratie gesagt hat, sich auf di« Formen bezieht, die diese Einrichtungen in den Weststao.ten angenommen laben. .ES bleÄbt dann noch manches psychologisch ungeklärt. Der Brief, der von Entente­spionen gestohlen sein muß und nun im Ausland zu dem Zweck verbreitet wird, unsere Friedensariüahnung zu vereiteln, ist bodaucrlick ini höchsten Grade und ist «tu unglücklicher Zu­fall in einer Stunde wichtiger Entscheiönngeu für Deutschland. Tie Erklärung, die der Prinz vor den Führern der MchrhMS- parteien und -den Staatssekretären über den Brief abgegeben hat, hat die meisten Teilnehmer ider Beratung befriedigt, rmd man kann wohl sagen, -daß -diejenigen Parteiführer und Staatssekretäre, die mit dem Prinzen als ReichÄmiziler in 'diesen Tagen zusmnmenaewirkt haben, an der Ehrlichkeit seines Entschlusses zur Herbeiführung des Friedens und demokra­tischer Reformen, überhaupt an der Ehrlichkeit feines Pro­gramms. nicht z-lveiiseln. zumal, da ja auch schon die Taten ge­nügend dafiir sprechen. Das Entscheidende wird aber sein, ob die Masse der Beölkerung, die hinter den MehrheitSparteien steht, nack dem Bekanntwerden des Briefes noch dasselbe Ver­trauen zum Prinzen und zu der Ehrlichkeit der ersten, aus pa-rlam-entarisch-demokratifcher Grundlage errichteten Volks- r-egierung hat, an deren Spitze er steht, und weiter, wie «s im Ausland und den Stellen, mit denen wir Frieden machen -wollen, um dieses Vertrauen bestellt sein wird.

Der Tagesbericht vom 14. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Okt. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

V o r st ö st e des Gegners gegen die K a r, c! f v o it t beiderseits von Douai wurden ab ge wiesen. Der Feind, der vorübergehend in Aubignh-au-Bac eindrang, wurde im Gegenstoß wieder hinansgeworfen. Nordöstlich von Cambrai sind stärkere englische Angriffe zwischen Bouchain und Haspres gescheitert. Südlich von SolesmcS säuberten wir ein aus den letzten Kämpfen noch verbliebenes Dng» ländern est.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nöri.ich der Oise wurden erneute Angriffe der Franzosen bei und südlich von Aisonvillr abgewiese». Nördlich von Laon und an der A i S n e stehen wir in unser cn

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neuen Stellungen. Die erfolgreichen Kämpfe der letzten Tage am Chemin des Dames und in den Stellungen, an der SuippeS, von denen der Feind in fast täglich wieder»

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