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Samstag, 5. Oktober 1918.
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Der neue fturs.
Die neuen Staatssekretäre Gröber, Scheidemann und Erzberger.
Dr. Solf als Leiter des Auswärtigen Amts.
IV. T.-B. Berlin, 4. Oft. Die Reichstagsabgeordneten Gröber, Scheidemann und Erzberger sind zu Staatssekretären ohne Portefeuille ernannt worden. Auch die anzekündigte Ernennung des Reichstagsabgeordneten Bauer zum Staatssekretär des neu zu errichtenden Reichs- arbeitsamtes ist heute erfolgt.
Zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ist der Slaatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf berufen worden. Er wird sich aber, wie wir hören, auch in seiner neuen Stellung während der Dauer des Krieges von seinem bisherigen Riffort nicht trennen, dessen Geschäfte von dem Unter staatssekretär Dr. Gleim geführt werden sollen.
Der Eintritt der Nationalliberalen in die Mehrheit und Mehrheitsregierung.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Wie wir hören, haben die Verhandlungen zwischen den Nationalliberalen und den Mehrheitsparteien zu einem Erfolg geführt. Die Nationalliberalen werden sich danach an der neu zu bildenden Regierung beteiligen. Cs ist jedoch noch unentschieden, wer von den Nationalliberalen in die Regierung entsandt wird.
Die deutsche Bereitschaftserklärung für den Völkerbund.
Berlin, 6. Oth. Dem „B. T." zufolge lautet in dem Programm der Mehrheitsparteien, das die Grund- läge für die Politik der neuen Reglerung bildet, die Bc- reitschastserklärung zum Beitritt zu einem Völkerbund folgendermaßen: Der Völkerbund umfaßt alle
Staate« und beruht auf dem Gedanken der Gleichberechtigung aller Völker. Sein Zweck ist die Sicherung eines dauernden Friedens, eines unabhängigen Daseins und freier wirtschaftlicher Entfaltung der Völker. Der Völker- bund schützt mit seinen gesamten Machtmitteln die ihm beitretenden Staaten unter Anerkennung ihres Besitz st andes in den ihnen vom Bunde gewährleisteten Rechten und schließt alle seinen Zwecken widersprechenden Sonder Verträge aus. Grundlagen des Völkerbundes sind: umfassende Ausgestaltung des V ö l- kerrechts: gegenseitizr Verpflichtung der Staaten, jeden Streitfall, der nicht durch diplomatische Mittel lös- bar ist, friedlicher Behandlung zu übergeben; Durch, sührung des Grundsastes der Freiheit der Meere: Verständigung über a l l s e i t i g e und gleichzeitige Abrüstung zu Lande und zu Wasser; Verbür- guna der o s f e n e n T ü e für den wirtschaftlichen Völker- verkehr; internationaler Ausbau der Sozialgesetzgebung und des Arbeiterschutzes.
Ein neues Friedensangebot an Wilson?
3. A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die ,,Tägl. Rundschau" bringt unter der Überschrift „Die Friedenskundgebung im Reichstag" folgende wichtige Meldung: Die neue Regierung beginnt heute bei ibrer Vorstellung im Reichstag ihr Werk der' nationalen Verteidigung damit, daß sie der Volksvertretung Mitteilungen von einem neuen Friedensangebot an Wilson macht, das zum erstenmal genaue Vorschläge enthält: 1. Wiederherstellung Belgiens mit Entschädigung; Autonomie Elsaß-Loth- ringen s; Volksabstimmung in den Rand- staaten; Eintritt in den Völkerbund.
Inwieweit diese Information der alldeutschen „Tägl. Rundschau" der Wahrheit entspricht, läßt sich im Augenblick nicht nachprüfen. Die nächsten Stunden werden uns hierüber Aliskunft geben.
Die Reichstagssitzung ans heute nachmittag verschoben.
3. A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Beginn der heutigen Reichstagssitznng. der für 1 Uhr festgesetzt war, ist auf 5 Uhr nachmittags verschoben worden.
Neue außenpolitische Ereignisse.
3. A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht, zjb.) Die Verschiebung der Reichs tu gssitzung ist, wie wir erfahren, zurückzu-führen auf außenpolitischeEreignisse, deren Mitteilung und Darlegung auch einen wesentlichen B e st a n d t e i l der zu evwartenden Kanzlerrede bilden wird. ES ist bereits bekannt geworden, daß die Sowjetregierung den Brest-Lttowsker Vertrag mit der Türkei formell ge- kündigt hat. Nach dem Mehrheitsprogramm soll der Vertrag von Brest-Litowsk kein Hindernis mehr bieten sür eine Erörterung der Ostfragen auf der allgemeinen Friedenskonferenz. Es ist anzunehmen, daß die Sowjetregic- rung schon jetzt entsprechende Schritte unternommen hat.
Generalstabsvortrag beim Kaiser
W. T.-B. Berlin, 5. Okt. > Drahtbericht.) Der Kaiser empfing gestern vormittag den Generalfeldmarschall v. H i n-
denburg und hörte de» Generalstabövorttaa.
Abend-Ausgabe. Nr. 4«e.. k«. Jahrgang.
Rückttitt des Chefs des Zivilkabinctts.
3. A. Berlin, 5. Skt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie wir hören, wird der Chef des Zivilkabinctts des Kaisers. Herr v. Berg, demnächst aus dem Amte scheiden.
Die Titelfrage bei den neuen Staatssekretären.
3. A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bei den Besprechungen, die der Ernennung von Sozia-ldemökraten zu Staatssekretären vorangegangen sind, ist auch die Frage erörtert worden, ob die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder den Titel Exzellenz führen sollen: Wie die „B. Z." hört, hatten die Sozialdemokraten gebeten, von einer Verleihung des Titels Exzellenz cm sie abzu- sohen. Es wurde ihnen ober erwidert, daß die bürgerlichen Abgeordneten auf diesen Titel nicht verzichten, und selbstverständlich könnte kein Unterschied zwischen den bürgerlichen und sozialdemokratischen Abgeordneten gemacht werden.
Neuwahl eines Reichstags-Vizepräsidenten.
3 A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Infolge der Ernennung des sozialdemokratischen Abgeordneten Schcide- monn zum Staatssekretär wird der Reichstag einen neuen Vizepräsidenten aus der sozialdemokrati'chen Fraktion zu wählen haben In erster Linie dürste, wie wir hören, hierfür der Abgeordnete Eb ert in Frage kommen.
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Die Wahlrechtsvorlage im Herrenhaus.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Der Wahlrechtsausschuß des Herrenhauses beriet in seiner heutigen Sitzung das Gesetz, bitreffend die Verfassungsänderung. Dabei wurde im wesentlichen den Beschlüssen de? Abgeordnetenhauses mit der Mcßgobe zugestimmt, daß zu einer Verfassungsänderung statt der % Majorität nur eine ^Majorität erforderlich lein soll. Die Beratung über die Ausdehnung des Etatsrechtes des Herrenhauses und die Lösung etwaiger Konflikte zwilchen den beiden Häusern durch die Einführung der Durchzählung wurde nicht zu Ende geführt. In der morgigen Sitzung wird die erste Lesung aller Vorlagen beendet werden.
3. A. Berlin, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.). Wie die „B. Z," hört, wird das Herrenhaus lediglich den Teil der preußischen Verfassungsvorlage verabschieden, der sich aus die Reform des Wahlrechts zum Abgeordnetenhaus bezieht. Die in erster Linie beschlossen« A l t e r s z u s a tz - st i m >m e soll wieder beseitigt, dos allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht ohne Einschränkung also angenommen werden.
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Aufhebung des russisch-türkischen Friedensvertrags durch die Sowjet- Regierung! Ä
B. A. Berlin. 5. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Vorwärts" veröffentlicht den Text einer Note, dre die russische Sowjrtregierung an die Türkei übersandt hat. Die Note zählt die Fälle angeblichen Bruchs der Verträge von Brest-Litowsk seitens der Türkei auf, die ihre Krönung fanden in der Expedition gegen Baku und kommt zu dem Schluß, die ottomanische Regierung habe sechs Monate lang unausgesetzt den Vertrag von Brest-Litowsk trotz aller Proteste der Sowjetreg'erung verletzt, und jetzt endlich habe sie ihre Taten gekrönt, indem sie eine der wichtigsten Städte der russischen Republik eingenommen und in eine schreckliche Ruine verwandelt bat. Dadurch hat die ottomanische Regierung gezeigt, daß der Vertrag von Brest-Litowsk, der zwischen der Türkei und Rußland geschloffen wurde, nicht mehr in Kraft ist. Die Regierung der russischen sozialistischen föde- rativen Republik ist gezwungen festzustellen, daß infolge der Handlungen der ottomanischen Negierung der Vertrag von Brest-Litowsk, der zwischen Rußland irnd der Türkei friedliche Beziehungen Herstellen soll, null und nichtig ist. (Gez.) Tschitschcrin.
Der „Vorivärts" veröffentlicht hierzu weiter einen Artikel Radeks in der „Jswestija" vom 1. Oktober, der deutlich zeigt, daß man auch von Deutschland die Aufhebung des Brester Friedens fordert. In diesem heißt es: Schweigend
zeigt Rußland dem deutschen Volk seine Wunden. Jetzt, wo das deutsche Volk schwere Prüfungen erlebt, gibt es auch dem Herzen des russischen Volkes keine Freude. Das russische arbeitende Volk ersehnt keinen Sieg der amerikartischen und Londoner Börsen. Es spürt setzt an seinem eigenen Leibe, was die , Befreiuvgsziele" des anglo-französischen Imperialismus bedeuten. Das russische Volk hat mit dem deutschen Imperialismus keinen Verständigungsfrieden schließen können. Dieser hot ihm vielmehr einen harten Macht frieden aufgezwunyen. Dies spiegelt im gegenwärtigen Moment auch unser Empfinden Wider. Wir zeigen schweigend unsere Wunden und nehmen an, daß der Schi'tt, ser für Deutschland selbst vorteilhaft wäre, von ihm selbst auch unternommen werden wird.
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Die Friedensbedingungen für das abgefallene Bulgarien.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Der Tcansozean-Gefellschast geht aus Sofia unterm 2. Oktober folgende Meldung zu:
Bulgariens Waffenstillstand ist heute unterzeichnet worden.' Die offizielle Veröffentlichung dieses Schrittes und der Bedingungen erfolgt am 4. Oktober in der Dobranje. Über die FriedenSbedingungen verlautet folgendes:
1. Demobilisierung des bulgärischen Heeres bis auf eine, nach anderen Mitteilungen ßwei Divisionen. Die westlich des Meridian von Skopie befindlichen
bulgarischen Truppen werden in Kriegsgefangen, schuft übergeführt. ....
2 Räumung aller seit 1915 besetzten fremden Gebiete, doch erhält Bulgarien voraussrctstlrch dre Dobrudscha bis Kabanin. Die mazedonische F r u o e bleibt offen bis zu dem allgemeinen Friedenskongreß.
3. Abzug aller Deutschen und Österreicher
Linnen mer Wochen. „ . '. .
4. D,e Unverletzlichkeit Altbulgariens wrrL gorantieit, ebenso seine Souveränität.
Noch keine Besserung der Lage in Bulgarien sür uns!
Berlin, 4. Okt. Es verlautet nach dem ,.B. L.-A.", daß der bisherige bulgarische Ministerpräsident Malinow zuruck- getreten sei.' Auch die neuesten Nachrichten klären die Verhältnisse in Bulgarien noch nicht völlig. Vom deutschen Stand- Punkt cruH betrachtet, hat sich aber die Luge Nicht ge-- bessert. Die bulgarische Presse scheint einmütig rmt dem geschlossenen Waffenstillstand e i n v e r st a n d e n zu sein. Sie hebt hervor, daß es ein unvermeidlicher Schritt gewesen .sei und daß die Vorwürfe der B ü n d n i s un t r e u e unberechtigt seien. Das Vorgehen sei eine Folge der Unte r » schä tz ung der militärischen Bedeutung der Salo- n i I i f r o n t. __
Neue starke Angriffe an der Weststont.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Okt. (Amtlich.)
Westlicher Krieqsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz. Rupprecht.
In Flandern wurden erneute Angriffe des Feindes gegen Hooglede und Roeselare abgcwiescn. Gegen unsere neuen Linien östlich von A r m e n t i e r e s ist Fernd über Bois-Grenier-Fournges-Wingles und über d«e Bahn dicht östlich von Lens gefolgt. Bor C a m b r a i zeitweilig anflebende Artillerietätigkeit.
Heeresgruppe Boehn.
Der Engländer setzte briderseits von Le Catelet seine st a r k e n Angriffe fort. Er n a h m L e C a t e l e t. D>e Höhen nördlich und östlich der Stadt wurden gehalten. Der ttt Beure- voir eindringende Feind wurde im Gegenstoß wieder geworfen. Nördlich von St. Quenfin griffen die Franzosen zwischen Sequehart und M-rcourt an. In Lesdins und Marco u r t faßten sie Fuß. Lesdins nahmen wir wieder. An der übrigen Front und südlich von St. Quentin scheiterten die feindlichen Angriffe vor unseren Linien.
Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Gallwitz.
Franzosen und Italiener griffen erneut in Teilvorstößen und in einbeitlich geführtem Angriff unsere Stellungen auf dem Rücken und an den Hängen des C h e m, n des DameS zwischen Ailette und Aisne an. Schleswig- Holsteinische und württembergische Regimenter brachten die Angriffe zum Scheitern. An der Aisne- und Kanal- Front sehr rege Erkundungstätigkeit. Östlich von Reims haben wir in vorlet.ter Nacht unsere vorderen Stellnngeff zwischen Prnnatz und St. Marie-ä-Py vom Fernde unbemerkt geräumt und rückwärtige Linien bezogen. Der Feind ist gestern über Prunay-Dontnen- St. Souplet gefolgt.
Auf dem Schlachtfelde in der Champagne nahmen wir im Gegenangriff die noch im Besitz des Feindes verbliebenen Teile des ><°>öbenzuge8 nordwestlich von Domme- Pp wieder. Nach stärkster Feuervorbereitung priff der Feind beiderseits der von 2omme-Py nach Narden führendev Straße in breiter Front an. Unter schweren Berlnsten fü» de» Feind sind seine Angriffe gescheitert. Brandenburger und Schleswig-Sosteiner, Gardefnsiliere, pommcrfche, badische und rheinische Regimenter zeichneten sich bei der Abwehr deS Feindes besonders aus.
Beiderseits der Aisne Artilleriekämpfe ohne Infanterie-
tätigkeit. , . „„ ,,
Zwischen Argonnen und Maas hat der Amerikaner gestern erfolglos angegriffen. In den Argonnen und am Ostrand des Waldes schlug württemhergische Land, wehr seinen mehrfachen Ansturm ab. Östlich der Aire stieß er bis in die Höhe von Excrmont vor. Der Ort selbst, der vorübergehend verloren war, wurde wiedergenommen. Beiderseits von Gesnes wiesen badische, elsaß-lothringische und westfälische Regimenter j e d e n A n st u r m vor ihren Stellungen ab. Besonders schwer waren die amerikanischen Angriffe, die sich beiderseits der Straße Montfancount-Banchcville gegen das Waldgelände südlich von Cunel richteten. Wo der Feind vorübergehend in unsere Linien eindrang, warf ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück. Das Infanterie-Regiment 458 zeichnete sich hierbei besonders aus. Auf dem äußersten Unken Flügel des Angriffsfeldes haben bayrische Reserve-Regimenter ihre Stellungen voll behauptet. Der Kräfteeinsatz deS Amerikaners bei seinen gestrigen Angriffen an Panzer, wagen, Infanterie und Artillerie war außerordentlich st a r k, seine blutigen Verluste waren außergewöhnlich hoch.
Bei Abwehr feindlicher Panzerwagen zeichneten sich be- sonders aus: In Flandern Leutnant Becker vom Feld-j artilleric-Regiment 16, die dritte Batterie vom sächsischen Fuß. artillerie-Regiment 19 unter Leutnant Postreneckh, Bize» feldwebel Witt der zweiten Batterie vom Fußarfillerre- bataillon 127, Oberleutnant v. Glas und Leutnant E n ck e r der 9. Batterie bayrischen Feldartillerie-Regiments 8.
In "Ser Champagne und an der Maas die Leutnants, R i k l - s s e r und S t e h l i n vom 4. Gardefeldartillerieregiment, Leutnant Scharfer vom Feldartillerieregime^t 4 ,
