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Langgalle
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D onne rst a g, 3. Oktober 1918.
Abend-Ausgabe.
Nr. 462. - 66. Jahrgang.
Der augenblickliche Stand der Regierungskrise.
Der Kaiser und Hindenburg in Berlin.
W. T.-B. Berlin. 2. Oft. Der Kaiser und Generalfeldmarschall v. Hindenburg sind heute nachmittag zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetrofffn.
Eine Beratung des Kaisers im Reichskanzlerpalais.
IV. T.-B. Berlin. 2. Oft. Heute nachmittag fand im Nsichskanzlerpalais unter dem Vorsitz des Kaisers eine Beratung statt, an der der Reichskanzler Graf Heriling, GßUelnIfeldmarfchall v. Hindenburg, P: > uH Max von Baden, Vizekanzler v. Payer, der Vizepräsident des Staaismimsteriums Dr. Friedberg, der Eher des Gebeimen ZwilkabinettS v. Berg und mehrere Staatssekretäre teilnahmen.
Bor der Ernennung des Prinzen Mar von Baden zum Reichskanzler.
B. A. Berlin, 3. Oft. (Eig. Drahtbericht. #>.) Die Ernennung des Prinzen Max von Banden zum Reichskanzler und preußischen Ministerpiäsidenien wird heute mittag vollzogen werden. Di« anderen Mitglieder der neuen Regierung werden erst im Lauf des heutigen Tages endgültig von den Parteien bestimmt werden, als deren Vertreter sie in die Regierung eintreten werden.
B. A. Berlin, 3. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Zu der Ernennung des Prinzen Max von Baden zum Reichskanzler, die, wenn auch noch nicht formell vollzogen, so doch als feststehende Tatsache oen ertet werden kann, ist noch zu erwähnen, daß es gestern abend auch in der sozialdemokratischen Frak- iionssitzung in später Stunde gelang, alle Widerstände zu beseitigen und die Zustimmung zur Berufung des Prinzen Max von Baden zum Reichskanzler mit ollen gegen 17 Stimmen zu erteilen. In gleicher Richtung erfolgte die Entscheidung desZentrums. Weiter kann noch mitgeteilt werden, daß die Besprechungen mit den Führern der P arte i e n, die nicht der Mehrheit wnyehören, in der Hauptsache den Zweck hatten, die in Frage kommenden Parteien über die Absichten des Prinzen und über fein zukünftiges Programm zu informieren. Unter den drei Mehrheitsparteien herrscht jetzt volle Einmütigkeit. Die Beratungen mit dem Prinzen Max den Baden sind abgeschlossen.
Prinz Mar restlos auf dem Programm der Mehrheitsparteien.
Berlin, 3. Oft. Die Berufung des Prinzen Max von Baden zum Reichskanzler kann, wie die „Voss. Zrg." behauptet, wenn auch nicht scrmell, so doch in Wirklichkeit als vollzogene Tatsache betrachtet werden. — Wie bet „B. L.-A." schreibt, hat sich der Prinz restlos auf das Programm der MebrbeitLparteien gestellt. — Im „B. T." heisst e§: Der Prinz will dos Kabinett ausschliesslich aus Mitgliedern der Mehrheitsparteien bilden. Auch die Nationalliberalen dürfen, ganz abgesehen von den Koisserbativen, davon ausgeschlossen oleiben. Dagegen sollen die nationalliberalen Politiker Krause, Schisser und Friedberg in ihren Ämtern bleiben. Das Programm des Prinzen Max lehnt sich an das Aktionsprogramm der Mebr- heitsparteien an, weist in einigen Punkten eine präzisere Fassung auf, geht in anderen über di? Forderungen der Mebr- beitsparteien "hinaus und stellt allem den Gedanke» voran, dem deutschen Volke den Fried « nzu geben. — Die „Börsrn- zeitung" schreibt: Bevor die neile Regierung ihr Programm entwickeft bat, wird man sich jeder Beurteilung der Art ihrer Zusammensetzung zu enthalten haben. Sollten auch die Rationalliberalen an ihr nicht teilnehmen, so wird dies für die Partei kein Anlass sein, die Regierung zu bekämpfen. Die nationalliberale Reichstagsfraktion wird ihre Haftung ausschliesslich nach dem Programm der neuen Regierung einrichten müssen. Die Personalsragen spielen nur eine zweite Rolle. — Der „Vorwärts" sagt: Di? neue Regierung wird es als ihre Ausgabe betrachten, der Well vr.d dem deutschen Volke den Frieden wiederzugeben. Dieser soll ein dauernder sein. Er soll sich auf den Völkerbund gründen und die allgemeine Abrüstung ermöglichen sowie di« politische und wirtschaftliche Freiheit der Völker sichern.
Die Nationalliberalen schließen sich aus.
. B. A. Berlin, 3. Oft. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die natio- nakkiberale Fraktion wird nicht in den Block der Mehr- heitSparteien und di« Regierung eintreten. Wie es heisst, werden noch im Lauf des heutigen Tages der Vizepräsident des preußischen StaatSministeriumS Dr. Friedberg und der Staatssekretär im Reichsjustizamt Dr. v., K r a u s c im Einverständnis mtt der nationalliberalen Fraktion ihre Demission anbieten. Im übrigen erklärt die Fraktion, der neuen Regierung gegenüber einen vollständig sachlichen Standpunkt eiuzunehmen und ihre Haltung zur Regierung nur nach ivaterlandischen Gesichtspunkten zu orientieren.
Ungeklärt ist bis jetzt noch die Frage, ob man die Posten von parlamentarischen Unterstaatssekretären schassen wird, oder ob Abgeordnete als >Staats- sekretäre ohne Portefeuilles in die Regierung eintreten. Das neuzubildende Reichspresseamt soll nicht nur die Ausgabe haben, die Angelegenheit der deutschen Presse zu regeln, sondern eine Zentralstelle der Auslandspropaganda und de« amckick« Pressedienstes werden. , Im übrigen heisst e£ dass es eine der ersten Aufgaben der neuen Regierung sein tMth. die jUai*-* «*f da« sein militäritche Gebiet
z« beschränken. Die Aufbebungdes Artikels 9. Absatz 2, der Re ichSver fa ss u n g stösst noch immer auf grosse Schwierigkeiten. Dem Vernehmen nach soll diese Angelegenheit jetzt so geregelt werden, dass die Regierung dem Reichstag eine Novelle vor legen soll mit dem Inhalt, dass Artikel 9, Absatz 2, der Reichsversassung aus das Gesetz, betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers, keine Anwendung fin- den soll. Bis zur Erledigung dieser Novelle werden die Abgeordneten die Staat ssekretoriate kommissarisch verwalten.
Die Verteilung der Ämter.
Merlin, 8. Oft. Berliner Blätter melden über die Verteilung der Ämter folgendes; D>e Fortschrittliche Volkspartei erhält zwei Staatssekretäre, nämlich den Vizekanzler und Len Staatssekretär im Reichsamt des Innern, feri.er zwei llnterstaatssekretäre, nämlich in dem (neu zu schaffenden) Reichsvresseamt und in dem (neu zu schaffenden) Reichsarbeitsamt. Das Zentrum den Staatssekretär des Reichswirtschaftsamts und den Staatssekretär tes Reichspresseamts, ferner drei Unierstaatssekretäre, nämlich im Auswärtigen Amt, im RcichSarbeitsamt und im Reichsschatzami. Die Sozialdemokraten den Staatssekretär im Reichsarbeitsamt und drei Unterstaatssekretäre, näiulich im ReichswirffchaftSamt. im Kriegseruährungsamt und in der Reichskanzlei. Es ist vorgesehen, dass unter Umständen noch Zentrum und Sozialdemokvatte die Unterstaats- sekretoriate der Reichskanzlei und im Auswärtigen Amt mtt» einander tauschen.
Berlin, 2. Oft. In der fortschrittlichen Presse wird die Neubesetzung der Reichsämter aus den Reihen der Mehr- heitsparteien bereits lebhaft erörtert. Dabei ist auch die Rode von einem neu zu schaffenden Reichspress eami, das sich mit der Pretzgesetzgebung, Propaganda, Zensur usw. zu beschäftigen haben würde und dessen Staatssekretär das Zentrum, dessen Unterstaatssekretär die Fortschrittliche Volkspartei stellen sollen. Während sich dies noch geheimnisvolle Reichspresseami nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen auch mit der Propaganda zu befassen haben würde, taucht auch wieder das Projekt eines eigenen Propagandaministeriums auf.
Ein Ministerrat in Sachsen.
Berlin, 3. Oft. Wie aus Dresden gemeldet wird, fand unter dem Vorsitz des Königs am Mittwoch in Gegenwart des Kronprinzen eine Sitzung des sächsischen Gesamtministeriums statt Sie dürfte sich mtt den Reichsverfassungs- frageu beschäftigt haben. Irgendeine Mitteilung über die gefassten Beschlüsse liegt nicht vor.
IV. T.-B. München, 2. Oft. StaatSmin-ister v. Dan dl ha: sich heute abend nach Berlin begeben.
Die Herrenhausarbeit an der Wahlreformvorlage.
W. T.-B. Berlin, 2. Oft. In der heutigen Sitzung der Kommission des Herrenhauses wurde in der Einzelberatung der Bestimmungen der Wahlrechtsvorlage fortgefahren. Als wesentliche Ergebnisse der Verhandlungen und Abstimmungen ergab sich dabei bisher Nachstehendes' 1. Unter Abänderung der Beschlüsse deS Abgeordnetenhauses wird die Regierungsvorlage wie dechcrge stellt, indem die für die Ausübung des Wahlrechts vorgeschriebene Zeit des Wohnsitzes von zwei Jahren auf e i n Jahr er» mähigt wurde. Ferner wird nunmehr derjenige, welcher innerhalb derselben Gemeinde aus einem Wahlbezirk in den anderen zieht, dadurch »ich: für die Wartezeit seines Wahlrechts beraubt, sondern er wählt innerhalb dieser Zeit noch in seinem früheren Wahlbezirk. 2. Die WahluusschliessungS- gründe bleiben im wesentlichen, wie im Abgeordnetenhaus beschlossen. 3. Die Wahlpflicht wurde beibehalten unter Abänderung der Strafbestimmungen. 4. Die Feststellung der Wählerlisten soll alljährlich erfolgen mit bindender Kraft für ein Jahr. Die Verhandlung, wurde bei § 19 abgebrochen. Fortsetzung morgen.
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Der Eindruck des Systemwechsels bei uns in den nordischen Landern.
IV. T.-B. Elnistiania, 2. Okt. Sämtliche Morgenblätter dom 1. Oktober werden rollständig beherrscht von der Berliner Meldung über die Kaifcrbrtjchast und den Systemwechsel in Deutschland, die allgemein auch in, Pocke den stärksten Eindruck machte. Während der Rücktritt Hertlings als endgültig angesehen wird, herrscht Zweifel über die Stellung des Staatssekretärs v. Hintze. Die Blätter bringen den Wortlaut der Kcüserbotschaft unter großen Kopfüberschriften mit den Bildern des Kaisers. Hertlings, Hintzes, Scheide- manns, Eberts und Erzbergeis. Die Kommentare in „Aftenposten". „Berdensgano" und „Zideno Tegn" erörtern sämtlich in ruhiger und sachlicher Weise ebne. Gebässtgkeit die neu geschaffene Lage. Der Sieg des demokratischen Gedankens wird allgemein unterstrichen
W. T.-B. Stockholm, 2. Okt. Das Jungsozialistenblatt „Folkctz Daablad" schreibt Für den kommenden Frieden, der jetzt zwersellos in Sichtweite rückt, und für die Gestaltung der Zukunft ha: der beginnende parlamentarische Durchbruch in Deutschland größeren Wert und Bcdtutvng als die Wilsonschrn Reden und die kapttolistisch-militär-sche Maschmerie, aus welcher der amerikanische Präsident einen dauernden Frieden hervorzanbern will. Hierdurch wird auch die ganze bi? jetzt im Kriege geltende Problenr. slellung kischüttert. Im selben Augenblick, in dem die Entente durch ihre Haltung gegen den russischen Bolks willen ihre Schcinden, akratie und ihren PrositegoismuS enthüllt, betritt Deutlckland Uli Weg. aus dem der Dockrwille der Parlamentaristcruiffi mit Temikratisierung und Abrüstung entgegen» ttcidt. Hiermit gewinnt das brutsche Volk die Sympathie der übrige» Welt, während die Wagschale für dre Regierungen der Weststaatrn immer tiefer stntt, deren Wille, mit den Völkern der Zentralmächte in L-crbuidooo zu trete», jetzt aus «tue ernste Probe gestellt wird.
Die fortgesetzte Abwehr.
Neue feindliche Teilangriffe in Flandern gescheitert.
Armentisres und Lens kampflos geräumt.
• W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Oft. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boehn.
' In Flandern wurden feindliche Angrisfe nördlich von Staden, nordwestlich und westlich von Roeselare ab- gewiesen. Wir machten hierbei etwa 209 Gefangene. Ebenso scheiterten am Abend Teilangriffe des Gegners beiderseits der Straße Ypern-Menin. Armcntieres und Lens wurden in der Nacht vom 1. zam 2. d. M. kam P f - los geräumt. Wir bezogen rückwärtige Stellungen östlich dieser beiden Städte. Der Feind ist im Laase des Abends teilweise nach starker Artillerievorbereitung auf verlassene Stellungen über dir Linie Fleurbaix-La Bassee-Hnllnch gefolgt. Vor Cambrai ruhiger Tag. Teilangriffe des Gegners aus der S ch r l d e n i e d e r u n g bei und südöstlich von Rnmully wnrden abgewiesen. Stärkere Angriffe und Vorstöße gegen unsere neuro Linien nördlich und südlich von St. Quentt» scheiterten.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Südwestlich von A n i, d l e Chateau und nördlich von Filain schlugen wir Teilangriffe des Gegners ab. SchleS- wig-hoistrinifche Regimenter verteidigten ihre S'cllnngen auf dem Rücken des Chemin des Dames gegen starke feindliche Angriffe. Borfrldkämpfe vor unseren neuen Linie» nord- westlich von ReimS. Der Feind stand hier am Abend inj Linie Chandardes-Cormicy nud dicht vor dem Lisnekanal.
In der Champagne sebte der Franzose mtt starke» Kräften seine Angrisfe östlich der Suippes gegen S t. M a r > e- ä - P v sowie zwischen S o m m e - P y und M o n t h o i s fort. Örtliche Einbruchstellen südlich von Orfeuil wnrden in Gegenstößen verkleinert. Auf der übrigen Front sind die Angriffe vor unseren Linien gescheitert. Buch beiderseits der AiSne und in den Argonnen blieben Teilangriffe des Feindes ohne Erfolg.
. Der Erste Genrralquarttrrmeistrr: Ludendorff.
Der sechste Schlachttag.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
Über sechs Kampftage liegen jetzt seit dem Beginn der grossen Fochschen Offensive in der Champagne die Berichte vor, so daß sich schon einigermaßen ein Bild über den Verlauf der grossen gewaltigen Kampfhand- lung gewinnen lässt. Zur allgemeinen Beruhigung kann festgestellt iverden, daß dem Gegner trotz seiner Überlegenheit, trotz seiner fortgesetzten Angriffe der angestrebte Durchbruch nirgends gelungen ist. Zwar hat er an verschiedenen Stellen auch größere örtliche Erfolge erzielt, aber er Hut nicht vermocht, sie dauernd z» erweitern und sie zn einem Durchbruch auszugeitalten. Auf der ganzen weitausgedehnten Front von der Nordseeküste bis zur Mosel stehen die deutschen Truppen unerschüttert und ungebrochen in ihren, znni Teil rückwärtigen Stellungen da und haben ihren vollen Zusammen- hang und ihre Geschlossenheit bewahrt.
Der Kampf hat sich immer weiter ausgedehnt. Als neue Kampffelder ist die Gegend südlich von La Besnes und der Raum bei St. Quentin sowie der Abschnitt an der Vesle neuhinzugetreten. Da der Gegner noch immer über frische Reserven verfügt, muß auch weiterhin mit neuen Angriffen auf bisher unberührten Abschnitten gerechnet werden, woff'ir in 'erster Linie Lothringen und sogar die Vogesen in Betracht kommen würden. Wir müssen uns daher noch auf weitere schwere Kämpfe gefasst mgchen. Der Gegner hat die Grenze seiner Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht und ist nach den bisher erfolalosen Vorstössen und nach der ganzen allgemeinen militärischen Lage gezwun- gen, auch den letzten Mann in das Gewoge des Kampfes zu werfen, um die von ihm gesuchte Hauptentscheidung herbeizusühreu.
Der Gegner verfolgt anscheinend , den Grundsatz, feine Streitkräfte und technffchm Streitmittel auf möglichst schmalem Raum zu vereinigen, um mit ihnen wuchtige Massen stoße gegen die deutschen Stellungen zu führen und tiefe Keile in die deutschen Stellungen vorzutreiben. Ist ihm dies gelungen, so versucht er, von ihnen aus flankierend gegen die gebliebenen Teile der deuffchen Linien vorzngehen, um sie von bei» den Seiten aus aufzurollen. Gegen dieses Angriffs- verfahren wendet die deutsche Heeresleitung ein bewegliches Abwehrverfahren an, indem sie die in ungünstiger Loge befindlichen deutschen Truppen freiwillig zurücknimmt. Dadurch vermeidet sie unnötige Verluste, hält die Geschlossenheit der ganzen Front aufrecht ur.d stellt die Verbindung mit den Nachdarabschnitten wieder her. Die dadurch erzielte Frontverkürzung bringt eine b» deutende Lruppenersyarniö hervor, der Gegner, deüen
