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Gelte 8. Donnerstag, 3. Oktober 1918.

Wiesbadener Tagvlatt.

Morgen-Ausgabe. Erste? Blatt. Nr. 4«t.

Unsere Pflicht daheim!

Das mag leichter gesagt vlZ a«SqefiiI;rt sein in Tagen, in denen wie in diesen ernste und ernsteste Nach- lrichten in schnellem Wechsel auf unS einstürmen! Uaseve Bundesgenossen auf dem Balkan baden in hartem Kuncif mit überlegenen Feinden schwere Niederlagen erlitten, die Gegner sehr beträchtliche Erfolge errungen. In Bulgarien sind bereits politi'chc Wirkuirgen alS folgen der Rückschläge auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz eingetreten. Der bulgarische Waffenstillstand unter schmählichsten Bedinqrmgen ist unterzeichnet. Noch ist deshalb freilich nicht jede Hoffnung ge­schwunden, daß es ael'-nam wird, das Gleich­gewicht auf den mazedonisihen Schlachtfeldern wie- der herzustellen. Bulgariens Schritt, der ohne strage die Zeichen der übereiltheit an sich trägt, rückgängig zu machen,, allein es wäre verfehlt die ganze Ange­legenheit des bulgarischen Vorgehens irqendtvie leicht hinzunehmen. Sie muß vielmehr ein Gegenstand ernstester Sorge sein.

DaS um so mehr, als auch unsere türkischen Bundesgenossen in Palästina während der letzten Keit nicht glücklich q-kämvst haben. Wir wissen und stnd davon überzeugt, daß sie es an nicht? fehlen lasten, auch weiterhin treu zum Bunde mit den Mittelmächten zu halten, nichts unversucht lasten, dem Gegner neuen Widerstand entgegenzus.'i;°n. Mein es wäre verkehrt, den Ereignissen an der Palnst'inafcont nicht die Be­achtung entgegenznbringen, die sie verdienen. Was an Deutschland ist. dis osmanifchea freunde zu unter- stützen, ihnen das schwere W-rk der Verteidigung ihres Vaterlandes zu erleichtern, wird geschehen, und man darf in Konstantinopel wwitz sein der aufrichtigen Teil- stahme des deutschen Volke? in den schweren Tagen, die die türkischen Truppen zu bestehen haben.

Gewaltige? Ringen tobt im Westen, Fast an der ganzen Iront vom Meer bi? zu den Vogesen wird niit beispielloser Erbitterung gekämpft. Fran­zosen. Engländer. Amerikaner, farbige Hilfsvölker stürmen gegen unsere Linien an. De: Generalissimus der Alliierten will dir Entscheidung erzwingen. Er wirft alle Kräfte, über die er verfügt, ins sileuer. Mit feinem ungeheuren Aufwand an Kriegs- fgerät und -Material aller Art läßt er seine Armeen anrennen. ES liegt :n der Natur der Sache, daß solch machtvolle Angriffe in starrer Verteidigung nicht ab gewehrt werden tonnen. Die Erfolge, die der ' egner in den verschiedenen Kampfabschnitten errungen 't, sind nicht unbedeutend. Aber die deutschen Strei- i harren aus. so hart und furchtbar die Aufgabe auch in mag, deren Bewältigung von ihnen gefordert wird, isere Gedanken, unser Wünschen und Hoffen ist un- >lässig bei ihnen. Und das muß so sein und bleiben! air dürfen die Kämpfenden nicht ohne die starke Rückendeckung des Vertrauens lasten, das wir ihnen entgeqenbringen. Wohin sollte es führen, was wäre gewonnen, wenn wir uns den, Kleinmut hin- gäben, wenn, wir verzagten? Gerade jetzt mutz sich nsere Z u v e r s i ch t beivähren. In den Hellen Tagen r Siege ist es leicht, auSzuharren und auSz,,dauern, chweres. Hartes wird non Hwr und .Heimat verlangt, er wer auf dem Boden der Wirklichkeit geblieben ist, t kann es nicht überra'ch-n. daß der gewaltige Gene- ' .langrisf der Alliierten fast auf all-n Fronten zur Aus- losung gekommen ist. Jetzt heißt eS. auf die Zähne beitzen. In heißestem Heuer muß sich die dem Vaterland gelobte Treue bewähren. Bedenkt jeder, waS auf dem Spiele stebt, hält sich jeder vor Augen, daß Freiheit und B e st a n d der Heimat, daß die Zukunft der kommendenGefchlechter

gesichert oder untergehen lind gefährdet fein werden, je nachdem wir bestehen oder unterliegen, so kann es nie­mand schwer fallen, treu und nach besten Kräften die Pflicht zu tun.

Deutsches Reich.

Der Schwarze Adlerorden für Graf Hertling.

W. T.-B. Berlin, 2. Cffc (Draytbericht.) Der Kaiser ver­lieh dem Reichskanzler Grafen v. Hertling den hoben Orden tom Schwarzen Adler.

* Einberufung des banertschea Landtags. München. 90. Sevt. Durch Allerhöchste Verordnung ist der bayerische Lanttog, der bis auf weiteres vertagt worden war. zum 14. f lieber einberufen worden.

* Gehaltsbewegung der Bankbeamten. Der Deutsche Bankbeamten-Verein, in dem ungefähr di» Hülste der deut­schen Bankbeamten organisiert ist, wendet fick, in einem Auf­ruf an das deutsche Bankqewerbe und in besonderen Eingaben an die einzelnen Banken und Bankfirmen, der außerordent­lichen Teuerung durch eine allgemeine und durchgreifende« Verbesserung der Entlohnung seiner BerufSangehörigen Rech­nung zu tragen. Dir Berechtigung dieser Folterung wird durch Erhebungen, die über die wirtschaftliche Lage der Bank­beamten veranstaltet worden sind, belegt.

* Die Überschüsse der BirhhandelSverbLnde. Auf Veran­lassung des Deutschen Städtetages und des Fleischergewerbes haben sich die Viehahndelsverbände veranlaßt gesehen, lhre llberschüsse nunmehr auch Stadtverwaltungen für die Zwecke der allgemeinen Versorgung mit Vieh und Fleisch zur Verfügung zu stellen. E? ist dies im Hinblick auf die zu­nehmenden SchlachthofauSfälle von der größten Bedeutung. Zuvor waren den Städten schon ziemlich bedeutende Zuschüsse zur. Errichtung von Gefrierhäusern aus den Überschüssen der ViebbandelSverbände überwies«» worden. Nun sollen die Überschüsse allgemein für derartige Zwecke Verwendung finden.

Wiesbadener Nachrichten.

Vorzeitige Kartoffelbelieferung. Da die Belieferung mit Kartoffeln augenblicklich sehr stark ist, di« Kartoffeln aber noch nicht auf städtische Lager genommen werden können, wird die Bevölkerung nach einer Bekanntmachung des Magistrats ersucht, die KartoAelmenge für di« kommende Woche vom 7. bis 18. d, M. auf Feld 4t vom Donnerstag, den 8., bis SamStag, den 8.. in den Geschäften abzuholen, da am Sonn­tag, den 6., die Felder 40 und 41 der Kartoffelkarte ungültig wenden. Die Bevölkerung wird ersucht, di« Kartoffeln fürsorg­lich aufzu-bewa-hren, was in Haushaltungen leichter möglich ist, wo nur kleine Mengen in Betracht kommen, wie in einem städtischen Keller.

BerkausSregelung bedarfSfcheinvflichttge« Schuhwerks.

Der Magistrat macht die Schuhgeschäfte auf die Verpflich­tung. Bestelltsten für fertiges Sbubwerk und Matzfchuihwerk in ihren Läden aufzulegen, aufmerksam. Nichtbefolgung de: Anordnung zieht Bestrafung nach sich. Vordrucke für Bestell­listen sind bei der Bezugsscheinsielle, ehemaliges Museum. Zimmer 25, erhältlich. Um Jrrtümer zu vermeiden, wird fer­ner darauf hingewrefen, daß die Inhaber eine» gültigen SchustbedarfsscheinS. so weit dieser im April oder Mai d. I. ausgestellt ist. obne Rücksicht auf den AuSftellungort des Scheins -berechtigt sind, bei einem hiesigen Schuhwarenhändler oder Schuhmacher die Eintrogung in di« Bestelliste zu for­dern. Alle Schühbedarfss'.hein«, die nach dem 3t. Mar 1913 ausgestellt find, müssen bis auf weiteres zurückgswiesen wer­den, seien «S nun Wiesbadener Schein« oder Scheine von aus­wärts. r

Freiwillige Krankenpflege. SB« wir hören, sind vom KriegSministerium dem freiwillig im HeereSsanitätSdienst tätigen weibkichex Pflegepersonal in weitgehender Weife Mittel zum Durchhalten in der Bevwundetenfürsorge bewilligt worden. Vom 21. September 1918 ab erhalten sämt­liche Krarckenpflegerinnen auf dem Kriegsschauplatz eine monatliche Löhnung bis zu 185 M., Vollschwestern (d. h.

staatlich geprüfte oder solche mit gleichwertiger Ausbildung! in den staatlichen Lazaretten d-r Heimat eine monatliche Geldvergütung bis zn 129 M. s übrig« Pflegepersonal m den genannten Lazaretten erhält eine Monatsvergütung bi» zu 90 M. Schwesternschülerinnen beziehen vom ersten Tag ihrer Ausbildung an rin Taschengeld von monatlich 30 M. Außerdem können dem gesamten Pflegepersonal außer den bisherigen Bezügen freie Beköstigung, freie Unterkunft und stete Bekleidung gewährt werden. Hierdurch wird selbst unbe­mittelten Frauen ermöglicht, nicht nur in dem ihnen liebge­wordenen idealen Beruf auszuhar«n, sondern auch einem langgehegten Wunsch zu folgen und sich eine kostenlose Aus- bilduna zu verschaffen. Hoffentlich wird sich so manche Schwester, die auv pekuniären Gründen seinerzeit auSgeschie- den war, dem Pflegeberuf wieder zuwenden.

Dir neuesten Pest, und Eisendahn-edShren-Iabellen stad so­eben im Beringe der Pauliims-Druckerei, Trier, erschienen. Sie «ntk,ölten eiae ülnrans mdjtnitige und übersichtliche Zujuiniiien- der Nicki,gjten Post, und Tclcgraphengebuhien (mit den ür

adern und Wiirtten'berp gtlttnbcn Abweichungen!, und der allge­mein gekräiichiiche» Eijendahngebuhren und Bestimmung:» unter Zugrundelegung des preutzisch^essischen Staatsdahuverkehr«.

Personal-Nachrichten. Dem Prtriebsingenieur O. Reese >md dem stol-tisäe» Gopmeifler W. Man» wurde da» Lerdienst- kreuz für Kitef-tilf« ttilttbe«.

Schulnach,schien. Anstellungen: Lehrer Anton Jäger i» Merkelbach. Verletzungen: Lehrer Gustav Schneider von Ram» doch noch Siückcrrhousen, Lehrer Adols Schmidt von Boltenhor» nach Rambach. Lehrer Pi.Helm k a r d « r f von Lllendors nach Frankfurt a. M., Lehrer Philipp R ? b l g von Atzelgist nach Frank- iurt a. M.. Lcbrer Karl G r c l vr» Gerolstein nach Niedergladbach. Rektor Jrseph Tack t-rn Frankfurt a. M. nach Schwanherm.

Aus dem BereinsksSsn.

*Naturschutzpark, ®. B ". Freitag, den 4. Oktober, 8zz 1 hr abend», fmtet tir nächst« Sitzung der Ortsgruppe im -Hctel Eii.hvrn" statt BortragEine Wanderung im Salz- kammergut". Besprechung verschiedener Vereinssragen. Mtt- teilnnger des Bersiantee. Beratung der letzten diesjahcrzen Aando- 'ung. Gäste irillloinaien

A«s Provinz und Nachharschast,

= Bierstadt I. Okt. Gärtner Wilhelm Sternberger ver­kaufte sein in der Brrdcrpaste 7 belegen«» Wohnhaus niit Scheune an Barbier Hcrurich Bierbrauer zum Preise von 22U00 ÜB.

!! Aus dem unteren Rhemgau, 2. -u-li. .Zu den Gemarkungen Lorch und Lo:chhousen ist die Lese der roten Trauben beendet, wah­rend der Notweinherbst rn der Gemarkung Ahmannshaasen morgen seinen Anfang ninimt. Was den Trauben in den letzten Wochen gcsehlt bat, war die Sonne, sie hatten sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiten, und um «inen Weiteren Abgang des anfänglich so viel rrrsprcäknten Behanges durch den Sauerwurm und die eingetretlne RehsLule zu bei hüten, wird man sich auch zu einer

nahen Lese der nuitzen Traubensorten

en müssen. Die

wird der dittiehrige Ertrag demjenigen des letzten Jahres, also einem güten baibcu Herbst entsprechen. Das Berlanisgeschäst in roten Trauben war ziemlich lebhaft und die Preise bewegten sich in einer ganz enormen Höhe. Für Porrngieserrrauben wurde-, z.öü M. und für Frühburgunter (Spät- oder Klebrotj 3 75 M. für das Pfund bez ahlt. _ _

Neues aus aller Welt.

Stock- orrkoeping almoe-Slockholm ein schweres Ersen-

Schwere» Sisentabnunglück in Schwede«. Vf. T-

vlm, 2. Okt. sDradtleritht.) In der Räh« von ar sich gestern aus der Linie Malmoe-Stockholm ein -ohnunalück ereignet. Em nordwärts fahrender Zug entgleist« ia- srlge Unrerminnrung des Eisenbahndammes durch Regen. Der ganze Zug lief vom Glers« und geriet in Brand. Genaue Zahle» über Tote und Verwundete liegen noch nicht vor. Bisher wurde sestgestellt, daß wir.igstens sieben Personen getötet wurden.

Für lS« 000 SH. Juwelen und Silbersacheu gestohleu. Berlin,

8. Okt. Ein grcsicr Wohuungseinbrr-ch wurde de, dem Baron von Oheimb in der Karjerin-Augusta-Straße 75/78 verübt. Die Wvh- nungsinhaber sind verreist und hatten «me Frau mu der Bewachung der Wohnuno betraut. Als diese gestern Umschau hielt, fand sie, daß Diebe eingetrunaen waren, di« kostbaren Schmucksachen, Edel­stein«, silbernes Tuselgerät und Bestecke, ferner Pelze und Pelz- niäntel tm Werte ton lbvvvb SB. gestohlen hatten. Bon de« Ein­brecher» fehlt jede Spur

30 000 SH. unterschlage». Berlin, 3. Okt. Der bei einer hrrsigr» Großbank «te Ledrling angestellt- 17 Jahre alte Sohn acht­barer Eltern bat tir Bank durch geschickte Fälschungen innerhalb weniger Monat« um über 30 000 M. bctrogen, dis er in leicht­sinniger Grsclljchest durchbrachte. Zum Abhebeu d-s Geldes benutzte er einen etrichaltcrigen Freund, dem er erzählte, daß er mit Glück aus der Börse gesprcl» r>nd seine Gewinne unter fingiert:« Name« bei der Bank biuterlegk hob« Für die Abhebung des Geldes gab er seinem Freunde jedesmal 50 bis 100 M. Er wurde nun ver­haftet.

Ein Poliztiwachtmeifter ermordet. Berlin. 2. Okt. In der Freitapnocht wurde der Poltzeiwachtmeister Scharfer in Guben bei der Bersclgung ton Felddreben cruiorder. Die Leiche wurde morgen» auf einem Feldweg gesunde«.

Gerichtssaal.

we. Unverbesserlich Die heute 21 Jahr« alte Elisabeth Rampe aus Treysa ist die Tochter braver Eltern, aber kaum der Schulzucht

Bor der Siräitammer gestand die Rampe, abgeiehen von eine«

gelegt« Geständnis nochmal zu 2 Jahren GefängnrL verurteilt.

(23. Fortsetzung.»

Nachdruck verboten.

Scrnkt Brigitten.

Eine alte Geschichrc aus Reval.

Von Mia Mrmirr-Wrobirwska.

Die Sonne fttea im Ostrn.

Jede Stunde dünkte den- Einsamen aus der s?e!sen- znsel länger denn sein zanzes voriges Leben. Bis zur Erschöpfung irrte er auf dem Eilande um.

Die Sonne stand im Mittag.

Er hob die Arme Hinirnel und schrie laut um Hilfe in seiner arausen Rot.

Die Sonne sank im Westen.

Er lauert« am Ufer stumpf und hsssnunsiSlos.

Und da es dunkelte, da kein Mölvenschrei die große Stille zerriß und nur b'e Wellen mit dumpfem Ton an den Felsen schlupen uno die siiberbiasie Nacht des Nor- Lens kühl und pespensterhaft über die araucn Wasser flina. da erstiep er V.3 östliche Ufer, so schroff zum Moere abfällt, und schickte sich an zum Sprung in d e Tiefe, faltete zuvor die Hände und wollte ein letztes Ge- Let sprechen, doch mit «in» dü,'?te ihn solche- enie Last.'- rnnsi, schämte sich vielmehr seines Lrleinalaubens und besann -sich auf das Wort ded .Heren, so tm 68. Psalm stehet:Wir haben einer Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode 'rreftet", wiederholie solches tröstliche Sprüchlein viel- Male und kam ihm ein Abcnd Heines Lebens jat deutlich in den Sinn.

Er kniete nieder auf den ^els. Seine Seele ward zum stillen Tempel, da er sprach' ..H-ili Mutter Gotte-! Die du mir meine vislqeliehte Briaitta lwit aekallen nach schwerer Krankheit, mußt ich dir's kein rech en Dank, vermeinte vielmehr in meinem hyffärtiaen Sinn, solches fei kein- Gnade der H-il'a-n, vielmehr hätte der Ehillirous es bewirket niit feinen Tranklein. Heil'pe Mutter Gottes! H--b all mein aebaut auf ird'sh Hab und Gut und soll nun allbier sterben, wann d> iKaigen Äpflein verzchc» sind, euren jämmerlichen Ta­

in Hunaer und Durst. Heilige Muttrr Gottes! So du mir willst helfen von solchem klöalichen Ende und mih willst lassen schauen die Türme meiner Vaterstadt und mein peliebtes Weib, will ich dir opfsrn all mein Geld und Gut, will der schwedischen Hcili.ren, so meiner B i- pitta ist erschienen in Todesnot, eia Klostor bauen für Munken und Süstern und will selber meine Taae bi» schließen in heiliqer Still- di>- zu Lob und Preis, heilige Königin des Himmels! Amen.*

X.

Dort, wo das sehende Äuge der Holtapvelschen in einer stillen H-rbststund: den aotischen Giebel und die Kreuzgänge alswie im Nebel d-s Künftigen geahnt oder geschauet, am Ausgang des ssorell:nbach-s ins M er erhob sich im Frühling des Jahres 1436 in s i er Vollendung der weitläufige Bau des Brigiltenk'osters. als dessen Gründer der l-hronist die drzi Revaler K uf- herren Gerlach Kruse, Hinrich Hu rer und Heinz Schiral- bach nennet.

Selbige drei hatten all ihre irdische Habe an den Bau gewendet. Etliche vermögende Dürrer der Stadt, die Ritterschaft aus Harrien und der Wieck, a-ch der König von Schweden bat en beigesteuert. Heinz Schwal» bach hatte den Bau gel-itct.

Nun war er vollendet in s-in-r stillen, großen Schöne. In etlichen Tagen, am vierten Sonntag nach Trinitatis, sollte der Bischof Heinrich von Uexküll daS Kloster weihen.

Doch batten schon fünf Jahre früher einige Schwestern und Brüder den halbfertigen Bau bezogen und ihr stilles Leben alldort begonnen.

Am Freitag vor der Klosrerweibe war es. da saß im Gartlein an der Süds-itr der Nonnenbehausungen in sttllem Nachmittagssonnsnschein die schivedische Schwester Cbristino Locke, so der Edre gewürdigt ward, die erste Äbtissin des Klosters zn werden.

Vor einem Beet voll w--r Lilien kniete eine zwe t: Schwester und zog die Unkräutlein zwischen den swlzen

Blumen aus der Erde. Unter dem schivarzen Belum (Kopftuch) sahen ihre stillen, blauen Augen g t s nft hervor. Ihr Gesicht war gütig, und so viellelcht vor langen Jahren Leidemchafton ihre scharfen Spuren hineingezeichnet hatten, waren solche doih von der heilen­den Zeit verwischt worden.

Die Äbtissin betrachtete prüfend di; Kniende. In ihrem klugen Antlitz war ein Kampf zu lesen.

Mehrfach schien es. als wolle sie zn reden beginnen» dann wieder schloss-n sich ihr- Lippen fester aufeinandtzr. Endlich sprach sie:Schwester Brigitta! Iünf Jahre haben wir gehauset zu dritt, Dchwestrr Katharina. Ihr und ich. und ist keine Irgge über meine Lippen gerangen. Nun.weihet am Sonntag zissnmt Kirchen und Kloster der heilige Bischof sechzehn Jungfrauen aus Eu er Vaterstadt, sechs Prssbgter und viele Laienbrüder, also daß unsere Gemeinschaft und unser Leben ein andeieS sein wird. Drum gebühret mir zu wissen, was Wa! res sei an dem, so die Leut; reden von Euren vergangenen Tagen in der Welt? Ist Bruder Gs-lach, der Sonntag als unser oberster Beichtiger b-i unS einziehet. Euer Gatte gewesen?"

Schwester Brigitta blickte die Äbtissin an mit ernsten Augen und nickte.

Er war mein Gatt- doch brach mein sündig Herz ihm die Treue, sust da er heimwartsschisfete von Lübeck. War ein arger Sturm, d-r zettckellt« sein Schiff, also daß alle von der Mannschaft den Tod fanden, nur er ward gerettet. Drei Tage und drei Räch e h-t er in Todesnot verbracht auf einer -infamen I-kseninsel nr- hat zu Gott gerufen in i-iner Angst, hat auch ein G'> lübde getan, so Gott ihn wollte ercettm. er wer'e e n Kloster bauen der heiligen B' i'i"a. Und ,st am dritten Tag um Sannenaufiong -in Sckiift berang seoelt. H-b n hie Leut» ihn zuvörderst 'sir »'!« G ftrnst gch fiten haben sich bekreuzigt und wollten w-i'ers--e'n doch bot er l ut um Hilfe aeschrim. asso daß sie sich seiner erbannten und ihn mit sich nahmen.^

Fortsetzun, folgt.