Verlag Langgasse 21
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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin IV. 57. An der Apostellirche 7.1. Fernlsrecker: Amt Lüllow 6202 und 6203.
Dienstag, 1. Oktober 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 457. » 66. Jahrgang.
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Der Verlag.
Was die Stunde heischt!
Generalsekretär S t <- g e r w a l d, M. d. H., äußene stch am Sonntagnachinittug in einer großen Verjoninl» luttfl der Arbeiter-Zentrumswählel zu Köln in einer längeren Rede über das Thema A r b e i l e r j ch a f t und politische Zukunftsentwicklung. Am Schlüsse der Ausführungen führte Herr Stegerwald der „Köln. Volksztg." zufolge aus
Für die Zentrumsparlei erweist sich mtl jedeni Tage mehr, daß der Strei: über die Krregszrele sehr überflüssig ist. Das Kriegszrel des deutschen Äilkes ist, sich seiner Haut zu wehren, so lange, bis der Vernichtungswille unterer Gegner gebrockten isr, bis man dem deutschen Volke zuerkennt, daß es. um arbeiten und leben zu können, Luit und Licht in der Welt braucht: alle anderen Einzelfragen werden am Schlüsse des Krieges erledigt. Auch um den Wahlrechtsstreit würde int Zentrumdluger mehr Kraft verbraucht, als notwendig war. Das gleiche Wahlrecht in Preußen kommt rus Anlaß dieses Krieges, weil es nicht au sz uh alten ist. In solchen welthistorischen Stunden haben politische Parteien viel weni. ger Einfluß als man gemeinhin annimmt. Wo es um Staatsnotwendigkeiten geht, hat der Staat Kraft genug, auch die stärkste Partei an die Wand zu drücken. Nachdem wir uns in der Zentrumsportei gründlich an den Köpfen gestabt haben, ist jetzt die Stunde gekommen, wo mir wieder auf einheitlichen Boden treten müssen
Auf dem Gebrete der Weltlage ist in den letzten Tag-n eine ungünstige Wendung einqetreten, die sich indes von Freitag bis beute wieder gebessert bat. Hoffentlich läßt sich dre Zache mrt Bulgarien w i t- der einrenken. Die Heeresleitung erklärt, daß an der Westfront Wesentliches nicht zu b e- fürchten ist. Halten wrc sie rm Oktober, dann wi.d im Winter ein einheitlicher Ausbau der ganzen West- front zu einer Betonfestung von 20 bis 25 Kilometer Tiefe durSgestihrt werden. Alle un- fere Abwehrwaffen besonder? auch gegen die Tanks, wird man vervollkommnen. Für das deutsche Volk st, bt der Zeiger der Weltuhr eine Minute bot 12, um 12 Uhr hat es die Generalprobe abzuleaen, ob cs reif ist für den K a m p f u m s e i n e W e l t g e l t u n g oder ob ihm kleinliche: Patteihader und Zank höher steht als des gesamten deutschen Volkes Zu- kirnst. .
In den nächste» Tagen wird es a u f d e s M e f s e r s Schneide siebe», ob Deutschland entsvrecl^nd seine-- Volkskraft künftig mir den anderen Vö'kem glcichberech- tiat in der Welt «rberten rmd leben darf oder ob ihm ferne künftigen Lebensbedmgrmaen von Washington London, Paris vomeschn-ben werden. In io^chrStunde ist unter allen Uw tind'-n notwendig di; Sch 1 1 e ß u rr g der inneren Front >nit starker politischer Führung. In enticheidenden Stunden des Volkes stolpert man nicht über verfassungsrechtliche Zwirnsfäden. „ _ . .
Ich bin auch dorur, oax man der S 0 z f a l d e m o-
«wü-BjeaA«« arttnriiiinfniiunJ-.: ober i£t rckesit
damit geholfen, daß man der Sozialdemokratie Konzessionen macht und daß man einige Sozialdemokrat.n zu Ministern macht, sonüern auch btc sozialdemokratische Presse und eine Reihe anderer Zeitungen niiiffcu sich dazu entschließen, nicht bloß alle? zu kritrueren, nicht alle Vorgänge durch die Pacteibrrlle zu sehen, sondern auch Worte der Aufmunterung zur Entschlossenheit, Worte der Begeisterung zu finden. Das ist heute, nach vier Jahren Krieg, nicht mehr so leicht wie im August 1914, aber es muß trotzdem, gemacht norden. In vielen Zeitungen sind seit Jahren solche Worte nicht mehr zu finden. Wir brauchen aber jetzt, wo es um Kopf und Kragen seht, einen anderen Geist, ein: andere Stimmung in der Heimat und damit gleichzei.rg an der Front.
Also, wir brauchen eine Regierung der nationalen Verteidigung, aber auch ein geschlossenes Volk der nationalen Verteidigung, ein Volk in dem wieder allseitig der Wille lebendig wird: Wir
lassen uns nicht nnterkriegen, komme, was da wolle. Ein Volk, das sich >v i c ein Mann einig ist in dem Gedanken, Deutschland niutz leben, auch wenn wir sterben müssen. Was wir im bentfdten Volke jetzt brauchen, ist der Geist der ersten Christen aus der Katakombenzeit. Ern Deutschland mit diesem Geiste ist unbesiegbar. Hoffentlich'erkennen alle Stellen, was die Stunde geschlagen hat und was das deutsche Volk von ihnen erwartet.
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Die beabsichtigte Bildung einer Dolksregierung.
B. A. Berlin, 80. Sept. (Eig. Drahtbericht. - zb.) Im Auftrag i-ss Kaisers verhandelte Vizekanzler von Paper bereits heute nachmittag mit den Parteien, um die Bildung einer neuen Negierung vorzubereiten. Selbstverständlich wird man zunächst den Versuch machen, «in Koa-- utionsministerinm aus allen Parteien zu bilden, aber man gebt wohl nickt fehl, wenn man dem Versuch, Konservative und Freikonservative für die neue Regierung zu gewinnen, keine günstige Prognose stellt. Irgendwelche Entscheidungen sind bis zum Abend natürlich noch n-'cht gefallen.
Ein Ausruf des Volksbundes für Freiheit und Vaterland.
Ter „Volksbund für Freiheit und Vaterland" veröffentlicht folgenden Aufruf: -
„Höhnisch und brutal baben die feindlichen Machtbaber ohne Befragen ibrer Volksvertretungen aufs neue den in der Rote Graf Burians gezeigten Weg zum Frieden versperrt. Gewalt lis zum äußersten, voller Sieg über die Mittelmächte! Ein nur von der Macht diktierter Friede nach Niederwerfung Deutschlands und seiner Verbündeten, ein furchtbares Strafgericht über die Bezwungenen! So erklingt es aus Washington, Paris, London und Rom. Unsere Feinde baltcn in Übersckätzung ihrer Waffenerfolge fest an ibrem Vernichtungswillen. De-.tschl.rnd soll reichsländischer Gebiete im Westen und preußischer im Osten sowie seiner Kolonien beraubt, durch Absperrung von Welthandel und Schiffahrt eingeschnürt, durch ungeheure Strafgelder und Entschädigungen zu Boden gedrückt, ein Leben in Dürftigkeit und Enge als Knecht fremder Völker führen. Ein ähnliches Schicksal wird unseren Verbündeten angedroht. Darauf kann das deutsche Volk nur eine Antwort geben: Ein solcher Friede wäre der Tod. Wollen die Feinde den Krieg, so müssen und werden wir diesen Krieg führen mit dem stahlharten Willen der S e l b st e r h a l t u ng, mit der mutigsten Entschließung der Verteidigung, mii dem äußersten Aufgebot aller Kräfte, mit der felsenfesten Beharrlichkeit eines großen und starken Volkes, das um ''ein Leben ringt. Unsere Feinde werden sich in ibren Hoffnungen täuschen. Das deutsche Schwert ist blank' und scharf. Unsere Kraft ist unerschöpflich, unsere Front steht uneischütterlich, und die Heimat steht hinter ihr in Arbeit, Schaffen und Tragen. Nicht eine Stunde länger wollen wir Krieg führen, aber auch nicht eine Stunde früher die Waffen niederlegen, bis wir m einem ehrenvollen Frieden Heim und Herd für immer geschützt, die Unversehrtheit des Reichsgebiets gewahrt, ausreichende Kolonien erlangt und die Freiheit unserer wirtschaftlichen Entwicklung daheim und in der Welt gesichert haben.
Sollen wir aber alle unsere Kräfte bis zum letzten aufbieten, so muß auch unser Volk die sichere Gewähr haben, daß es bis zum letzten Blutstropfen für fein Vaterland kämpft, das ihm heilig und teuer ist. Bolle Offenheit und Wabrbeit soll herrschen. Unstr Volk ist mündig, und der tiefe Ernst unsere? Loses weckt nur und stählt seine Kraft. Not tut die geschlossene Einheit der Reichsleitung und des Reich Stags, die im gegenseitigen Vertrauen unser Schicksal lenken soll. Die Friedensent- schliekuna des Reichstags und die Papstnote der Reichs cegie- rung müssen in ihren Forderungen unverrückt festgehniten werden: keine Annexionen, keine Kontributionen, Seldstbe» stimmungsrecht der Völker. Gesellschaft der Nationen mit Schiedsgericht und Abrüitung. Weg mit den Beschränkungen der staatsbürgerlichen Freiheit, die mit den web^ten der Kriegführung nichts zu schaffen haben. Keine Aersammlungsverbote, kein Eingreifen der Zensur! Bor allem Durchsetzen der preußischen Wahlreform, die eine deutsche Frage ist. mit voller Entschlossenheit. S ö f 0 r t! Fedes weitere Zögern ist verhängnisvoll. Ungeahnte Riesenkräfte ruhen noch in unserem Volk, -sie zur Tat zu bringen, ckt des Gebot der Stunde. Nur im Zeichen der Verteidigung der Vaterlandes, der Freiheit und des Fortschritts find sie zu
vollem Leben berufen. Man säume nicht länger. Alle Rücksichten und Bedenken müssen jetzt schwinden. Eine furchtbare Verantwortung liegt auf den Schultern der Regierenden und der Volksvertretung. Auf zur Wehr fürs Vaterland, das die Feinde vernichten wollen. Auf zur Sammlung aller Volkskräfte im Zeichen der Freiheit!"
Erneute MassenMgriffe der Engländer«
W. T.-B. Berlin, 30. Sept., abends. (Amtlich. Drahtbericht.i I» Flandern im allgemeinen ruhiger Tag. Erneute Maffenangrifse der Engländer gegen und beiderseits Cam- b r a i sind unter schwersten B e r l u st e n für den Feind» gescheitert. Westlich L e Catele haben sich am Abend Kämpfe entwickelt. In der Champagne wnrden Teil- angriffe der Franzosen, östlich der Argonnrn starke Anx, griffe der Amerikaner abgewiefen.
Die bulgarischen Delegierten in Saloniki.
Br. Genf, 30. Sept. sEig. Drabtbericht. zb.) Havas meldet, daß die bulgarischen Delegierten L i a p t s ch e w und General Lukow am Samstag in.Saloniki eingetroffen sind. General Frauchet d'Esperey sollte am Sonntag empfangen werden. In ihrer Begleitung befindet sich der frühere Berner Gesandte Radew. der angeblich als Vertreter de? Königs den Verhandlungen beiwohnte. Radew ist oer Diplomai, von dem behauptet wird, daß er die geheimen Bespreckmngen in der Schweiz geführt hat.
Die Antwort der Entente.
W. T.-B. London, 30. Sept. (Drahtbericht. Reuter.) Wie Reuter erfährt, wird die formelle Antwort an Bulgarien nur nach Beratung mit den Alliierten gegeben werden. Unterdessen wurde die b u l g a r i s ch e Regierung von den allgemeinen Grundlinien der Politik in Kenntnis gesetzt und eS ist anzunehmen, daß die Regie- rvna in Sofia ietzt die formelle Antwort der Alliierten ad» wartet. Inzwischen werden die militärischen Operationen der Alliierten fortgesetzt.
Ein holländisches Urteil über die harten Bedingungen für Bulgarien.
IV. T.-B. Haag, 30. Sept. Der „Nieuwe Courant" schreibt über die Folgen des bulgarischen Schrittes: Der Eindruck befestigt sich, daß man die militärischen Möglichkeiten auf dem Balkan bis aufs äußerste ansbeuten will. In diesem Fall scheint es uns nicht völlig ausgeschlossen, daß Bulgarien a b - schwenkt und zusammen mit den inzwischen angekomnienen Verstärkungen versuchen wird, die Alliierten zurückzu- drängen. Bei großer Beschleunigung des Aufmarsches der Verbündeten könnte ein guter Stratege wohl die eine oder andere verwundbare Stelle finden, wodurch die drohende Katastrophe noch abgewendet werden könnte. „Daily Mail" verlangt die Übergabe des bulgarischen Heeres und die Unterwerfung des bulgarischen Volkes — ein Ansinnen, bo£ den Bukarester Frieden noch weit in den Schatten stellt und ein merkwürdiges Licht auf den Wert der schönen Kriegslosungen der britischen Jingos wirft.
Die Meinung des serbischen Ministerpräsidenten.
Br. Genf, 30. Sevt. (Eig. Drabtbericht. zb.) „ProgreS de Lyon" zufolge erklärte der serbische Ministerpräsident Paschitsch, er glaube nicht, daß Bulgarien annehmbare Friedensvorschläge machen werde, so lange es nicht vollständig g e s ch l a g en sei. ^
Die englische Antwortnote an Oesterreich-Ungarn.
Er. Zürich 30. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) .„Daily Telegraph" meldet: Die englische Antwortnote an Osiecceich- Ungarn, die unterwegs ist. ist in einem höflich aber bestimmten Ton gehalten. In der Note wird die Aufforderung an Österreich-Ungarn gestellt, bestimmte Zugeständnisse zu machen. Die Note ist in siebentägigen Beratungen zwischen den beteiligten englischen Regierungsstellen fertig- gestellt worden. ____________
Der österreichisch ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 30. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 30. September, mittags: Aus dem italienischen Kriegsschauplatz erfolgreich« PatrouillenunterneHmun» gen. Unmittelbar westlich des Ochridasees haben wir, der Lage an der bulgarischen Front Rechnung tragend, nach öriiichen Kämpfen den G- l ä n d e st r e i f e n geräumt.
Der Chef des Generalstabes.
Weiteres Vorrücken der Engländer in Palästina.
W. T.-B. Konstantinopel, 30. Sevr. (Drahtbericht.) Tagesbericht: Palästinafront- Die, Engländer setzten ihren Vormarsch mit Kavalier-e beiderseits der Eisenbahn Deraa-Damaskus und nordöstlich fort. — Auf der übrigen Front Ruhe.
Englischer Pa,ästinaberscht.
W T.-B. London. ?a. Scpi Die Gesmnizaht dm vis zum 27. September genlacklen Gefeneenen heläust sich auf 50 ÜW und dir der erbeuteten Geschiche aus 325
Ein Helfershelfer Bratia. us verhaftet.
W. T.-B. Bukarest, 30. Sept. (D.ahtbcricht.) Wie b«- rnt£ gestern gemeldet, erließ der par a menta rische Unter-
