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Verlag Langgafse 21

„Tag-latthauS".

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Htmnä.Cni» fftr beite «usaabe«: TOt. 1.20 monotllch, Ml. »SO «ierteliLhrlich durch den Derl»° «7«hueBringerl°dn°Ml.«.65 »ierleljädrUch durch alle deuNchen P°ft»nst»lten.<u-S>»„,A,ch BeslkÜgelb. — vrzugs-Beiielluugen nehmen außerdem enkgegen: m Wr^duden die Zweigstelle BlS- marckruig 1». sowie die Ausa-b-ftelleu in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus- gabestellen und in den benachbarten Landorten und NN lliheingau die belresscnden Tagblatt-Trager.

12 Ausgaben.

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„Tagblatthau»" »!r. SK50-SL.

Bon 6 llhr morgens bi, 7 Uhr abends, außer Sonnt,».

Montag, 30. September 1918.

An unsere Leser!

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Der Verlag.

Abend-Ausgabe.

Die bulgarische Friedensbitte.

Der Schritt, den der Ministerpräsident Malinow in verräterischer Kopflosigkeit unternommen hat, in dem er unter Bruch der Bündnisverträge der Entente Waffenstillstand und einen Frieden vorichlug. der für Bulgarien auf alle Fälle schimpflich lern würde, kommt für die Kenner der dortigen Verhältnisse immerhin nicht völlig überraschend. Es war betannt, daß die sehr ungünstigen E r nä h r un g s v er- hältnisse eine starke Kriegsmud lgkelt rm Lande erzeugt hatten und daß ebenso die Versorgung der Armee sehr zu wünschen übrig ließ. Dazu kain dann die Mißvergnügtheit über den B u k a r e st c r F r l e den der den Bulgaren zunächst die Nord dobrudscha vorenthielt und bis zu der noch immer nicht erfolgten Regelung der tü^kisch-bulgarischen Grenz streitigkeiten ein Kondominium der Mächte vorfah. Als dann die Nachrichten über die ungünstige Gestaltung der militärischen Lage in Mazedonien, vor allein zwischen Warda und Cerna, eintcaien, scheint Malrnow völlig dre Nerven verloren zu haben. Und da er, als er den bündnistreuen Radoslawow ablöste, ent sprechend seiner russophilen Bergangenhen sich ohne hin nur mit Vorbehalt zur Vrerbundpolrtik be kannte so schien er zu der Meinung gekommen zu fern, daß er mit der Ge q e n s e i t e letzt ein besseres Ge­schäft würde machen köimen.

Daß Malinow völlig ans eigene Fan st gehandelt habe, war von vornherein nicht anzunehmen, und die Meldung, daß die Parteien des R e g i e r u n g s v l'o ck s dabei mit ihm Sand in Sand gingen, ist jedenfalls nicht ohne weiteres als unglaubwürdig zu bezeichnen. Un­klar ist, inwieweit die bulgarische Heeres leitung dabei mit im Spiele war. Als unwahr­scheinlich aber wird man es bis auf weiteres ansehen müssen — dafür sprich: auch eine unten wiedergeberie Meldung —, daß K ö n i g F e r d i n a n d, der a:n besten weiß, daß Bulgarien seine Wiedergeburt nach denr Niederbruch in den Balkankriegen der deutschen Waffen Hilfe verdankt, hinter Malinows Aktion swht Nicht nur auf der Haltung des Königs, der bisher nie irgendwelche Zweifel an keiner Bundestreue gelassen hat sondern auch daraus, daß sich im ganzen Lande eine starke Gegenströmung gegen diesen neubulgar:scheu Malinowismus geltend macht bernhen die Hoffnun­gen, daß es doch noch gelingen kann, diese schmachvolle Extratour-rückgängig zu machen. Schon die nächsten Tage — denn heute, am 30. September, tritt die Sobranje zusammen — 'verden zeigen müssen, welchen Erfolg man sich von der bereits eingeleiteten Gegen­aktion der bundestreuen Elemente ver- sprechen kann, wobei wir ausdrücklich betonen möchten, dcch wir uns auf keine Reaiernna in Bulgarien festlegen, sondern mit der gehen werden, die uns die Treue wahrt.

Steht die Lage somit aus des Messers Schneide, so liecst noch kein Anlaß vor. den bulaari- scheu Bundesaenossen bereits ans unserem Konto zu streichen. Bieten sich doch immerhin mehrere Revrsions- ausfichten. Einmal wäre es nicht ausgeschlossen — jeden frrra sehen die rmMhenerlichen h arten und sch t mp f

liehen „Bedingungen", die die Entente stellt, so aus daß sie gar nicht wirklich auf Malmows Friedensangebot eingeht, was ja unmittelbar 'einen Sturz zur Folge haben müßte. Aber mehr Aussichten ichernt uns die Rechnung auf den Widerstand der bundestreuen Ele­mente in Bulgarien selbst und vor allem auf die deut­scherseits eingeleiteten militärischen SUB’ nahmen zu versprechen, die ja zugleich geeignet stno, den Widerstand gegen Malinows Perffdre zu stutzen und zu verstärken. In der Tat ist dir Lage, das sagt aucy der ehemalige bulgarische Generalissimus Sawow. dessen Ausführungen wir unten wiedergeben, der bulgarischen Armee gar nicht so verzweifelt, wie sie Herr Malrnow angesehen zu haben scheint, wenn auch die wenigen deut­schen Bataillone, die bei dem Vorstoß der Saloniki- Armee einzugreisen vermochten, das Weichen der vulgär.* schen Divisionen nicht aufhalten konnten, -^etzt aber sind neue deutsche Truppen bereits an der bulgarischen Front eingetroffen und weitere Verstärkungen stnd ebenso wre österreichisch-ungarische Kontingente unterwegs, ^fese Kräfte werden hoffentlich genügen, der mrlitarnchen Lage eine so günstige Wendung zu geben, daß sie der Gegenbewegung in Bulgarien silbst den erforderlichen Rückhalt geben könnte. Im übrigen mochten wir aus­drücklich feststellen, daß wir niit die,er militärischen Hilse nicht nur dem bulgarischen Bundesgenossen — das ist er ja bis auf weiteres noch — die Bundestreue wahren, sondern daß wir damit zugleich unser- e r g e n e n ^ n- teressen vertreten, uit3 den Weg n ci d) St o n ft ct n* tinopel sichern und die Türkei schiitzen.

Immerhin müssen wir aber, uni alle Möglich­keiten ins Auge zu fassen, auch mu der rechnen, daß sich Bulgarien zu einem Sonderfrieden entschlösse. Es ist klar, daß das von größter Tragweite nicht nrir für die Lage aus dein Balkan, sondern für un­sere ganze Kriegführung wäre, ^e mehr wrr dadurch gezwungen wären, uns m der Folge nur aus unsere eigene Entschlossenheit , und Ge- sch lassen heit zu verlassen, um. so dringender ist es notwendig, uns die letztere äu,stchern, die innere Einheitsfront unter moglrchit schneller Ben leoung der innerpolitischen Meinungsverschiedenheiten und der gegenwärtigen krisenhaften Erscheinungen tn voller Geschlossenheit wlederherzustellen. Er- freulicherweise macht sich sowohl bei den Verhandlungen im H a u p t a u s s ch u ß wie oei den Beratungen der Parteien —- die erfreuliche Schwenkung der national- liberalen Partei teilten wir bereits in der Sonntags- Ausgabe mit - eine starke Wendung nach dieser Rlch- tung hin bemerkbar. Ob die Wiederherstellung oer- inneren Einheit nun Graf Hertlin g, der ^ gestern seinen Rücktritt anqebotm hat. oder sem N ach so l g e r durchsetzt, ist weniger von Belang — geschehen muß ste jedenfalls, und zwar sofort! Die Stunde ist ernster als je eine zuvor in diesem ungeheuerlichen Kriege .Schuldfragen dazu zu erörtern, halten wrr für zwecklos und schädlich. Aber gehandelt werden muß!

*

Die Entlassungsgesuche Herttings und v. Hintzes.

W T-B Berlin, 29. Sept. Reichskanzler Graf Sert- lina und Staatssekretär des Auswärtigen v.Hintze sind gestern abend ins Große Hauptguartier abgeveist.

Berlin, 30. Sevt. Wie die „Bost. Ztg" hört, haben so­wohl der Reichskanzler wie auch der Staatssekretär rm Answürtigen Amt v. Hintze dem Kaiser ihre Portefeuilles bereits zur Verfügung gestellt. Graf Hertling scheint Ur­sprünglich auch gestern noch nicht entschlossen gewesen zw sein, seine Entlassung einzureichen. Wenigstens läßt der Umstand daraus schließen, daß er erst nach der Abreise des Staatssekretärs v. Hintze und des Chefs des Zivilkabinetts v Berg den Plan faßte, a»ck dem Kaiser über die Lage Bor­trag zu kalten. Da der Abreise des Kanzlers unmittelbar der Besuch des Reichstagspräsldent-n Fehrenbach voran- gegangen war, darf man wohl daraus schließen, daß die lange und ernste Unterredung, die der K a n z l e r und der Reichs- tagspräsidrnt als alte Parteifreunde mitein­ander hatUn, von großem Einfluß auf die Entschließung des Kanzlers gewese« ist.

Die Rücktrittsgesuche angenommen.

Br. Berlin, 30. Sept. (Ctg. Drahtbericht, zb.) Wie die „B. Z." meldet, hat der Kaiser die Rücktrittsaesuche des Reichskanzlers Gras Hertling und des Staats­sekretärs des Auswärtigen Herrn o. Hintze anqrnnom- men. Die Entscheidung über die Persönlichkeiten der N a ch f o l g e r des Grafen Hertling «ad des Herrn von Hintze ist noch nicht gefallen.

Die Bestrebungen der Parlamentarisierung.

B. : A. Berlin, 30. S-Vt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Im Reichstag ging es heute den ganzen Vormittag sehr ruhig zu. Weder der Hauptausschuß noch die Fraktionen lvaren zu Besprechungen zusammengetreten. Erst um 12 Uhr findet -ine Sitzung der national- liberalem Fraktion statt, zu der sämtliche Wit-

Nr. 45«. * 66. Jahrgang.

glichet telegraphisch nach Berlin berufen worden fitth. Der Hauptausschuß tritt um 2 lUjr zusammen, ^m Anschluß daran finden nertraulrche Besprechungen der Ausschußmitglieder mit Vertretern der Regierung über die allgemeine Lage statt. Wie,die weiß, sollen heute mittag von einer elnflußreicken Per sönlichkeit mit Wissen der Regierung d>e ersten Verhand­lungen mit.den Parteien über die,V e r? " b e r u n- gen des Reqierungssystems emgelertet Uerden, die sich aus der Forderung der Reichstags mehr- heit nach Parlamentarisierung ergeben.

Das preußische Staatsministerlum als Hemmschuh.

Das preußische Staatsministerium hat sich «eqen.eine recht erheiblichie Muderheit gegen die Aufhebung des Artikels 9 der Reichsverfassung ausgesprochen.

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König Ferdinand versichert seine Bnndestrene.

Berlin. 30. Sept. Der „Boss. Ztg" wird aus SBjen^j meldet, daß König Ferdinand an Kaiser Karl eine Botschaft gerichtet hat, in der er den Kaiser seiner Bundestreue versiert. -- Die „Neue Freie-Presse" veroffentli^t Mit­teilungen des Professors an der Budapester OrientabÄenne. Straus, der schon in Fciedenszeiten mrt dem König von BM garten in Verbindung stand, die dieser aus Sofia erhalten hat Es heißt darin- König Ferdinand verharrt auf seinem Posten und tritt den Ereignissen in de^ Hoffming auf dre < 5 ilfe der Zentralmächte entgegen. Der Komg hat di« Friedensbedingungen nicht gebilligt und auch von dem Friedensschritt seiner Regierung nichts gewußt.

Vertrauensvolle Äußerungen des bulgarischen Generals Sawow.

w T -B Budapest, 29. Sept. (Meldung des Ungarisch«,

Ko rr esporck enz-Bureaus.) Der frühere Oberkommandant der bulgarischen Armee, Generäl Sawow, erklärte heute über die bulgarischen Ereignisse und die durch ste geschaffene Lag« folgendes: Die derzeitige Situatton Bulgariens ist nicht sa schlecht, als mau glaubt. An der Front und rm! Innern zeigten sich a«wisse Unruhen. Diese benu^ei der Feind zur Erkämpsung seines Erfolge? in Mazedomem AN dies ist lediglich als vorübergehend anzusehen, vt ach kurz er Zeit wird die Lage zufolae der Maßnahmen, dr« von dem Oberkommando der bulgarischen und verbundeteni Armeen getroffen wurden, wiederhergestellt fern. Sr« wissen wobl, daß der südliche Kriegsschauplatz nicht bloß bec» ftnige Bulgariens, sondern des gesamten Brerbundes ist. In­folge dieses Umstandes kann man volles Vertrauen haben, daß der zeitweilige Erfolg des Feindes durch dre Bmonettes unserer tapferen Armeen bald zunichte gemacht sein wird.. Was- den Frieden betrifft, so will unser Bund auch Opfev bringen, um ihn zu erreichen. Da aber unsere Feinde gegen! den Frieden sind, so muß der psychologische Moment abge- wartet werden, in dem wir einen Frieden schließ«! können», der unsere Gebiete und unser Recht auf Dasein wahren wird, Ick, glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich behaupte, daß dieser Moment nicht mehr fern ist. Eben infolge der« Nähe dieses Augenblicks müssen wir noch einige Opfer bringen, müssen Geduld haben und in vollem Vertrau.«u.dev Zukunft entgegensehen.

Die Stellung Makrnows. ■'

Br. Berlin, 30. Sept. (Erg. Drahtbericht, zb.) Meldun­gen. die heute aus Sofia eingottoffen sind, rechnen ziemlich zuversichtlich mit der Möglichkeit, daß die Sobrcmie gegen Malinow entscheiden wird. Malinow hatte schon bisher nr der Sobranje nur eine kleine Majorität und man nimmt all­gemein an. daß mindestens 16 muselmanische Deputierte, bie­der Sobranje angeböceu und bisher Malinow, unterstützt haben, sich jetzt gegen ihn entscheiden werden. Für den tftul, daß Malinow fallen sollte, dürfte der Führer der euren de^ beiden stambulowisttschen Gruvpen der Sobranje, D ob c Petkow. an die Spitze der Regierung gestellt werden.

Bor der Antwort der Entente.

W. T.-B. Paris, 28. Sept. (Havas.) Die mit Bulgarien.^ kriegführenden Ententeregierungen find mit den Vorschlägen Frankreichs, betreffend die auf die b'.ilgarische Note zu er* teilende Antwort, befaßt. In Unterredungen Clernrnceau» mit Lloyd George konnte Übereinstimmung ia aflerr- Punkten festgestellt werden.

Berliner Presfeftimmen.

Br. Berlin, 30. Sept. <E:g. Drahtbericht, zb.) Das „Berliner Tageblatt" schreibt zur Lage auf den» Balkan: Wie es in Bulgarien steht, wissen wir noch immeg nicht genau, aber vieles läßt darauf schließen, daß iu«- bulgarische Regierung die Verhandlungen mit der Enteutei fortsetzt und daß man sich bereits über die Bedingu»» gen unterhält. Rächt nur vollständige Unterbrechung der politischen und militärischen Beziehungen zwischen Bulgarin und den Mittelmächten, sondern auch das Recht, die S8et* bindungslinie zwischen Bulgarien und Ostern reich-Ungarn durch Streitkräfte der Alliierten zu besetzen, wird verlangt. Es ist klar, daß damit der Landweg, zwischen den Mittelmächten und der Türkei ver­barrikadiert würde, und einer Hindeutung aus die Folgen be­darf es kaum. Die Türkei, deren Truppen gegenwarttg m P alästina nordwärts zurückkluten, käme in eine mehr als fckivierige Sittiatton. Man mutz auch daran erinnern, datzi Herr v H i n tz e von der Langsamkeit, mit der Sumonuti feit einiger Zeit den Friedensv-rttag durchführt, gesprochen bat — Im „Vorwärts" heißt es: Die FriedenSfrmiude mtz de». Euter^LlaudL?» k ä now LiwM 4 Wi* JBLÄB