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Verlag Langgasse 21

„Tagbtatthaus".

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wöchentlich

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gabestellen und m den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin

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W. 57, An der Apostelkirche 7,1« Fernsprecher: Amt Lützow 6202 u»<> oJsud.

Sonntag, 29. September 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 455. ® 68. Jahrgang.

An unsere Leser!

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Das „Wiesbadener Tagblatt" kostet daher vom 1. Okwber d. Js. ab für beide Ausgaben in Wiesbaden:

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;*> wöchentlich.

Der Verlag.

Ost und West.

_ Herr v. Payer hat im Hauptallsschuß den in seiner Stuttgarter Rede eingenommenen Standpunkt behaup­tet, und er hat ihn doch auch wieder aufgegeben. In Stuttgart hatte er erklärt, daß der Ostsriede bestehen bleiben müsse, wie er ah„eschlo>sen sei, daß die anderen Kriegführenden nicht yinernredea dürsten. Das hat der Vizekanzler jetzt mit anderen Worten abermals gesag., und er hat auch mit unverkennbarer Wirkung gefragt, ob sich etwa England, das Ägupten in die Tasche gesteckt hat, beim Friedensschluß um iinsere und unserer Ver- bündeten Genehmigung bemühen werde. Dann aber hat Herr v. Payer zugegeben, daß das vom Staats­sekretär Sols gebrauchte Bild von dem Rahmen, dem erst ein Inhalt gegeben werden soll, doch wohl zutrifft. Mit anderen Worten, der natürlichen Entwicklung der Dinge soll nicht vorgeqr:sfen werden, und die späteren Verhandlungen mit den Westmächten werden wahrschein­lich sogar direkten Anlaß zu Erweiterungen und Ver­tiefungen auch des Friedens von Brest-Litowsk geben.

So Herr v. Payer, und dan-it ist, ivie gesagt, ausge­sprochen, daß die Stuttgarter Rede teils weiter gel en soll und teils nicht. ES steht nach ZwiesPÄtrgkeit und innerer Unsicherheit aus, braucht aber keineswegs beide Urteile zu rechtfertigen. Vielmehr ist nur ausgesprochen, daß wir festhalten wollen an deni Erreichten, daß wir aber gleich nicht starrsinnig sein wollen und iverden, und daß wir somit auch über die Ostwagen auf dein Friedens­kongreß erneut sprechen werden, schon weil dies ja wirk- lich unumgänglich ist, unumgänglich selbst vom Stand­punkt derer, die den Ententemächten schlechterdings kein Einspruchsrecht zugestehei: wollen.

Wir haben eine Tatsache anzuerkennen, um die nie­mand selbst mit dem stärksten Aufgebot von Selbst- Herrlichkeit unserer Entschlüsse herumkommt, und die e Tatsache ist, daß wir der Entente in bezug auf die Ost- fragen den Mund nur daun verbieten können, wenn wir sie vernichtend geschlagen haben weiden. Fehlt diese Vorbedingung, so wird wohl oder übel nicht zu vermeiden sein, daß keine Friedensverhandlung nach Westen hin beginnen kann, ohne daß Amerika, England und Frankreich die Einbeziehung der Ostfragen fordern. Ist jene Vorbedingung erreicht, so können wir noch viel mehr als die Ausschiltung der Ostfcagen bewirken; wir werden alsdann auch die oon Herrn v. Payer aufgewor- fene Frage, ob sich England unseren Einspruch gegen seine Eroberung Ägyptens gefallen ließe, positiv dahin beantworten können, daß sich die Herren in London dies allerdings, und zwar sehr gründlich, gefallen lassen müßten, d Die Situation ist aber ganz klar: Siegen wir vollständig, so werden wir vieles unternehmen können, was wir ohne diese Voraussetzung eben nrcht unter­nehmen können. Weil es aber so liegt, bleibt die Frage in Kraft, ob es wohlqetwr ist. unseren Slanövunkt hin­sichtlich der Ostfrag m w, wi-> es in Stuttgart ganz, im Hauptausschuß halb und halb geschehen ist, zu formu­lieren und uns damit vielleicht nur neueSchwierig- keilen auf dem Wege zum Frieden zu bereiten. Denn es handelt sich wohlgemerkt nicht um den Inhalt der

mrt Rußland abgeschlossenen Verträge, auch nicht um Kern und Wesen unserer Randstaatenpolitrk, sondern eS handelt sich einzig darum, ob es geraten sein kamr, mit genau umschriebenen Grunds.rtzen zu kommen, an denen ja gar nichts liegt, wenn nur die Sache behauptet wird, die uns also nur unliebsaine Störungen verursachen können.

Wir befinden uns bei unseren Betrachtungen im Einklang mit eruem Beurteiler von der anderen Seite des bürgerlichen Parteileoens her, mit dem Professor Otto Hoetzsch, der zu dem Programm des Herrn von Payer in der „Kreuz,zeitnng" bemerkt: „Abgesehen da- von, daß seine These, im Osten sei und bleibe fih uns Frieden, sowohl durch die Entwicklung in Ostkorelien wie durch andere unberechenbare Ereignisse lederzeit in Frage gestellt werden kann .sei noch einmal betont, daß die Entente weder die deut<ä>e Friedensbeschlüsse im Dsten noch eine Verbindnnq der fri'heren russischen Randstaaten mit Deutschland anerkennen will. Die Bethmannsche Idee, die Herr v. Payer wieder vertu t, kommt heute unter allen Umstünden zu spät. Wer also heute den Frieden im Westen durch Veiständrgung er­reichen und im Osten den Brester Frieden festhalten will, betritt eine schiele Ebene. Denn wie will er ans­schließen, daß auch die Ostlragen von England in diese Verständigungsbesprechu.ngen mit bineingezoaen wer- den? Zur Anerkennuua des Brester Friedens kann Eng- land nur durch Gewalt gezwungen werden — e? wäre Selbsttäuschung, wenn wir diesen Sachverhalt nicht un- umwunden anerkennen wollten."

Ob man ihn nun aber anerkennt oder nicht, die Ge­walt der Tatsachen setzt sich eben durch. Das ist für uns durchaus kein Grund zum Klfinmut, es ist nur ein Grund dazu, die Wirklichkeit zu nehmen, wie sie ist. Zum Kleinmut sehen wir auch angesichts der allerdings ernsten Entwicklung, den die Dinge zurzeit in Bulgarien nehmen, so wenig Veranlassung, daß wir es mit Erstaunen und Bedauern vernommen haben, wie ge- läufig dem Reichskanzler in seiner Rede rm Haupt­ausschuß das Operieren mit der „Mißstimmung" im Volke gewesen ist. Wariun mußte der Reichskanzler davon sprechen, und zwar rtidjt bloß einmal, sondern mehrere Male? Warum mußt.' er sagen, daß die „Miß­stimmung" weit über das berechtigte Maß hinausginge? Die ganze Darstellung ist swies, sie bringt in das tief? und schwere, mit vollster Verantwortlichkeit ausaesüllte Gefühl vom großen Ernst der Zeir ein Element des Kleinlichen, Nervösen, Nörgelnden, alles Empfindungen, die wohl auch in manchm Kreisen vorhanden sind, die wir aber als beherrschend nickt anzuerkennen vermögen. Den Feinden könnte es nur recht sein, wenn die Manier, wie der Reichskanzler oon der „Mißstimmung" qw sprachen hat, schließlich m einer Erweichung unseres berechtigten Krnftaesiihls führte. Unsere Pflicht blnbt es, dem unerbittlich m Vernichtnngswitten der Feinde dieselbe harte Entschlossenheit entgegen.zu- stellen, unbeugsam in der Verteidigung, eb r auch rnit der nie eclähwenden Gewißheit, daß der Swg demjenigen gehört, der die st ä r k st e n Nerven be­hält. Und das wollen und müssen wir sein.

Aber gewaltige Aufgaben bleiben uns ge­stellt, auch wenn wir unsere Ziele in klarer Erfassung der m i l i t ä r i s ch - v o l i t i s ch e n G e s a m t l a g e auf das Maß dessen beschränken würden, was, teils aus­gesprochen und teils deutlich erkennbar, hinter dem sozialdemokratischen Aktionsprogramm siebt. Wir wol­len und werden über Elsaß-Lothringen keinerlei Diskussionen zulassen, wir wollen und müssen ein aus­reichendes Gebiet zu k o l o n i a l p o l i t i s ch e r Bekäti- gung wieder in Besitz nehmen, wir wollen die F l a m e n nicht schutzlos der Rache finer französisch infizierten bei- gischen Regierung ausliefern. Beschränkt man sich auf diese drei Punkte, io hat man bereits eine eindringliche Vorstellung davon, was es heißt, mit der Entente unst besonders mit den angelsächsischen Mächten zum Frie­den zu gelangen. Elsaß-Lothringen sollen wir an Frank, reich abgeben, die Kolonien sollen uns dauernd vorent- balten bleiben. Velaren sollen wir sogar bedinaunas- los räumen, alles Zumutungen, über die man bei uns nur sprechen könnte, wenn die Feinde am Rhein stän­den. sa auch dann nicht einnial.

Die Feinde werden sich täuschen, Hochinut kommt vor dem Fall. __

Die englische liberale Föderation für den Krieg

W. T.-B. London, 28. Seht. Die National Liberal Fede­ration. die aestern in Manchester ihre Tagung eräffnete, hat eine Resolution angenommen, in der die Durchführung des Kriegs befürwortet wurde, bis ein gerechter und dauernder' Friede erreicht sei. Der Antrag, daß die liberale Parte: für eine Untersuchung der Friedensmöglichkeiten eintreten und alle von den feindlichen Ländern vcrgebrachten Vorschläge freundlich erwägen solle, wurde von einer überwältigenden Mehrheit abgelehnt. Der Antragsteller wurde dauernd unterbrochen.

Die bulgarische Sonderaktion.

Die Entscheidung des Führers der Entente- Truppen.

B. A. Berlin, 28. Sept. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Wie jetzt bekannt wird, hat die Entente das Angebot des Ministerpräsi­denten Malinow, einen Waffenstillstand zu gewähren, a b- g e l e h n t. 1 ' Der Führer der Ententetr uppen bat erklärt, daß er nicht gewillt sei, Bulgarien eine Waffen­ruhe zu gewähren. Dagegen haben sich unsere Feinde bereit erklärt, in Besprechungen einzut.eten. ' B:s zur Stunde steht noch nicht fest, ob die offizielle Delegation Sofia bereits verlassen hat. Indessen scheint sich eine andere bulgarische Delegation im Hauptquartier der Entente einge- fnnden zu haben, die den oben erwähnten negativen Bescheid erhalten hat. Bei dieser Delegation soll sich ein Ameri­kaner befunden haben, eine Tatsache, d-e nur dadurch er­klärt wird, daß Bulgarien bis zum heutigen Tage seine diplo­matischen Beziehungen zu Amerika nicht abgebrochen hat. Die Entente hat außerdem die Bedingung gestellt, daß, wenn eine Delegation aus Sofia mit dem Oberkommandiecenden verhandeln wolle, diese die Truppypi nur an der briti­schen Front passieren dürfe. Bezüglich der Hal­tung des Königs muß immer wieder betont werden, daß dieselbe vollkommen einwandfrei ist: König Ferdinand steht nach wie vor, wie nicht anders zu erwarten war, treu z u seinen Verbündeten. Über die Ankunft deutscher Truppen in Sofia liegen b Shec au amtlicher Stelle noch keine bestimmte» Nachrichten vor.

Das Ziel der Entente: Unterbrechung der Bahn Berlin-Konftantinopel.

Br. Berlin, 28. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Tat­sache, daß da? Gesuch MalinowS um Waffenruhe seitens der Entente abgelehnt wurde, ist wohl kein Hindernis­grund, da, wie die „Voss, Ztg." schreibt, eS sehr wohl zu einer d i p lo mat i sch e n A n n a h er u ng gekommen sein kann, und -doch der militärische Vormarsch sortg-fietzk wird. Anschei­nend ist die Entente ausgezeichnet über die inneren Vor­gänge in Bulgarien u n t e r r icht e t, sie weiß, daß sich -eine starke Gegenwirkung gegen da-s Vorgehen Malinow-s ergab. Ihr Bestreben muß deshalb darauf gerichtet sein, unabhängig von der Konstellation, die in Sofia die Oberhand behält, sich ein m ög l i ch st g r o tz e s F a u stpsa n d zu sichern und der im Zuge befindlichen Gegenaktion der Mittelmächte militärisch und damit auch politisch zuvorzukommen. Ihr Ziel ist -die U n - terbrechung der Eisenbahnlinie Berlin-Kon­st a n t i n o p e l, und die Entente ist naturgemäß bestrebt, die­ses Ziel auch dann zu erreichen, wenn ihre Hoffnung auf Maluiorv teilweise scheitert.

Die innerbulgarischen Verhältnisse.

Bl - Berlin, 28. Sept. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Der „L.-A." bringt eine Unterredung mit einem bekannten Parla­mentarier, der sich Freund des bulgarischen Volkes nennt und infolge mehrmonatigen Aufenthalts in Bulgarien in dc>- Kriegs zeit als Kenner der bulgarischen Verhältnisse ange­sehen werden kann. Im Verlauf dieses Gesprächs tagte er. Zar Ferdinand ist nicht der Mann, der den König von Bayern und den König von Sachsen in seine Arme schließt und ihnen dabei sozusagen den Dolch in den Rücken stößt. Der Einfluß des Zaren Ferdinand aus die Sobranje und auf die Liberalen, insbesondere auf die Radoslawisten und Stambulo- wisten ist stark. Die Bedeutung der Liberale» in der Sobranjü entspricht, auch etwa der Zahl nach, derjenigen unseres Zen­trums. Mal'.-nows Einfluß ist gewiß nicht zu unterschätzen, ich glaube aber, daß es dem populären und starken König gelin­gen wird, Malinoiv, Lukow und Radow schnell als das zu ent­larven und an den Pranger zu stellen, was sie sind: Ver­räter am Leben des bulgarischen Volkes. Militärisch wird der Schaden sicher auch schnell eingerenkt werden, und für das Urteil dessen, der die bulgarische Volksseele kennt, wird gerad» der Umstand einen wesentlichen Faktor bilden, daß der Feind bereits ein Stück des heiligen bulgarischen Bodens betreten hat. Auch von dem Eingreifen des Generals L. o d o row, der sozusagen als Nationalheld gilt, verspreche ich mir sehr viel. Ich halte, um nur noch eins zu sagen, Malinow dopen für fähig, daß er, um sein Ziel schnell zu Ende nt j-|>iclen, womöglich dem Volt die Tatsache verschwiegen bat, dar, die leidige Frage des Kondominiums in der Dobrudscha. die auf die bulgarische Volksstimmung verbitternd gewirkt bat' .inzwischen z ug u n ste n.B n l g a ri e n s g e l ö st ist. Ist die-' aber der Fall, dann hat Malinow um so schneller ausgespielr

-r-nc «rrmmung in Bulgarien.

„ ?•!*"' 28 «. ^ (Drahtbericlit.) Das „Fremden.

Uatt schreibt: Urne m hiesigen politischen Kreisen verlautet, hat die Niedermge der bulgar-lchen Armee in Bu.ganen selbst große Erregung bcrborgcrnfen. Es heißt, daß die Regierung Maio- ne Ws aus- dielen Berbaltnisien vielleicht die politischen Kons - quenzen zieht. In: Verlaufe einer Besprechung mit den bei ihm crichienenen dentichcn naiu.ialen Mitglieder des Aussüusie- de>- österreichischen Tclcgenrnin fiir auswärtige Angelegenqeiten er­klärte Graf Burran. daß tiotz der Ereignisse in Bulgarien die Ge- samtlage nrchi als zn kritisch beurteilt zu werde.» braucht Aus weitere- Anfragen reu den Delegierten bekundete Gras Burian, daß Österreich-Ungarn in tollem Cmvernehmrn mit Deutschland Vor­gehen werde. Das Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reiche bleibe nach wie vor fest und unerschütterlich

Die Auffassung der Lage in Wien.

Ni. Wien, 28. Sept. (Ei.;. Drabibericht. zb.) Von in­formierter politischer Seite wird mitgeteilt Tie durch die mitltärischen Umstände plötzlich gesch.iffsne neue p o l i t i s che Situation in Bulgarien kann von der Bevölkerung der Mittelmächte m i t a l l e r R u t, e n n d E n t s ch l o s s e n h e it betrachtet werden, übertriebene Gerüchte, die bei solchen An-