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Sette B. Dienstag, S4 September 1918.

Wiesbadener TaabZatt.

Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Ar. 448.

bewährt, daß m-rn mit aller Sorgfalt zu prüfen hat, ob es sich nicht empfiehlt, sie in anzepahter Form mit in den Frieden hinüber zu nehmen. An Stelle des Zwanges soll dann aber der auf Einsicht gegründete Wille der Beteiligten die Zügel führen.

Mit allem Nachdruck betone ich dir?, »eil immer wieder,

bald hier, bald dort, die Sage auftaucht, al? trage sich die

Regierung mit dem Gedanken, daS Wirtschaftsleben in

eine Zwangsjacke zu stecken.

Glauben Sie das nicht! Treten Sir solchen Ausstreuungen entgegen. Nicht dom wohlmeinenden Zwange ded Staates, sondern von der wohlberatenen Einsicht der Beteiligten erwarte ich, erwartet die Regierung dir fördernde Vntwick- lung. Aus diesem Grunde lege ich auch so grofjen Wert darauf, zu allen Vorbereitungen für die Zeit nach dem Kriege nicht nur den Rat, sondern die Mitarbeit derer zu ge­winnen, die im Erwerbsleben durch hervorragende Leistungen Ansehen unter ihren Berufsgenoffen erworben haben. Nun werden Sie vielleicht einwerfen: Ja, wenn die Negierung arnndsätzlich Handel und Wandel nach dem Kriege gewähren lassen will, wozu dann die Vorbereitung von Einrich­tungen. die denen der KriegSzeit noch so ähnlich find? Nun. meine Herren, wären wir, wenigstens Ihr Präses und ich. darüber einig, daß nicht daran zu denken ist, daß sich der Übergang von der gebundenen zur freien Wirtschaft mit einem Zuge vollzieht, daß eben ein Übergang stattfinden muß, innerhalb dessen der unmittelbare Eingriff deS Staates mehr und mehr zurücktritt, um den einzelnen oder frei gekitteten Körperschaften Raum zu geben. Wer aber kann voraussehen, wie sich dieser Übergang vollziehen wird, und welche Hemmnisse, die ja nicht nur aus unseren eigenen Zuständen, sondern auch au» dem Ausland Herkommen, sich entgegenzustellen? Wie oft erwiesen siel; im Kriege unter verhältnismäßig einfachen Bedingungen die Voraussagen der erfahrensten Sachkundigen als irrig! Wie viel schwerer ist eS. voranSzusagen, wie die Entwicklung im weiten Rahmen der Weltwirtschaft vor sich gehen wird? Alle«, wa» wir hier tun können, aber auch tun müssen, ist, unS vorbereiten, um. gebe die Entw'cklung. wie sie wolle, im gegebenen Augen­blick die richttge Entschließung fassen und durchführen zu können. Darum wird eS aber auch nicht möglich sein, schon jetzt ein feste» Programm für unser gesamte» Wirt­schaftsleben oder auch nur fiir einzelne Erwerbszweige auf- zu stellen. Alle jetzt vorbereiteten Maßnahmen bedeuten eigentlich nur die Rahmen, dir. wenn die Stunde kommt, auSgeüllt werden müssen. Deshalb mein Bestreben, auch für die Wahrnehmung der staatlichen Einrichtungen Organe zu schaffen, dir mit dem EcwrebSzweig, ftir den sie bestimmt sind, verwachsen sind.

Männer, nicht Borschriften!

.Bravo!) Da» ist, kurz gesagt, der Sinn, wenn Reich», kommissare berufen werden, um im Verein mit den Nächstbe- teiligten die Maßnahmen der Übergangszeit zu leiten. Meine Herren, ich will hier abbrechen. Ich habe Ihnen ja ver- sprachen, mich nur auf wenige Worte zu beschränken. Es wäre noch viel grundsätzlich zu erörtern, und wenn ich mich da auf da» Gebiet von Einzelheiten brgeben wollte, dann würde ich die ganze Zeit, die uns heute vereinigt, für mich allein beanspruchen und doch nicht zu Ende kommen. Aber :ch denke, wa» ich gesagt habe, genügt, um den Geist erkennen -u lassen, in dem d,e Geschäfte des Reichswirtschaft»» a m t e S geleitet werden. Lesen oder hören Sie einmal von einem andere» Geiste, etwa von einem, der sich mit dem Avrlitz eines Tyrannen, Handschellen, • Daumenschrauben, spanischen Stiefeln und anderen niedlichen Geräten beschäftigt, um Handel und Wandel unbarmherzig zu knebeln, dann wissen Sie. das sind Gespenster, mit denen man Kinder grau- licht macht, aber nicht freie und schaffensfrohe Männer; und unter solchen, denke ich, befinde ich mich hier. Die kurzen Fahrten, die ich gestern und heute durch Ihre ehr­würdige Stadt machen konnte, und da» unter dem Druck der KriegSv-rhälinisse verhalten«, aber überall nach Betätigung dringende Leben in den von mir besuchten Betrieben lasten mich da» erkennen. Darum schließe ich mtt der eindring­lichen Bitte' Lasten Sie sich auch durch die weiteren Bedräng­niste de» Krieges den frohen Mut der Hanseaten nicht beugen. Meine Herren, vertrauen Sie auf Gott, auf unsere gerechte Sache und uitter tapferes Heer. Vertrauen Sie auch ein wenig auf die zur Führung der Reichsgeschäfte berufenen Männer und ihre Vertreter. Bor allem vertrauen Sie aus Ihre eigene Kraft und arbeiten Sie mit uns an der Erhaltung und — Gott gebe es b a l d — an der Wiederaufrichtung unseres wirtschaftlichen Lebens. Dann wird eS dieser Stadt und unserem Deutschen Reiche nicht fehlen.

Der Tagesbericht vom 24. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 24. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Äriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Nordwestlich von Dixmuiden und nordöstlich von Apern machten wir bei erfolgreichen Unternehmungen 70 Gefangene. Nördlich von MocuvreS wurden Teilan- griffe des FeindcS abgewiefen. Die Artillerietätigkeit war im Kanalabfchnitt südlich von Arleux gesteigert.

Heeresgruppe Boehn.

In örtlichen Gegenangriffen nahmen wir füd» lich von Billers GuiSlai» und östlich von Epehy Teile der in den letzten Kämpfen in FrindeShand verbliebenen Gra­benstücke wieder und machten hierbei Gefangene. Gegen­stöße des Feindes wurden abgewiefen. Zwischen Omig- nonbach und der Somme lebte der Artilleriekampf am Abend auf.

Leutnant R « m e h errang seinen 41. Luftsieg.

Bei den anderen Heeresgruppen keine besonderen Kamps- handlnngen. Lebhafte ErkundungstStigkeit in der Champagne. Der Erste Generalquartirrmrister: Ludendorff.

Die Admiralstabsmeldung.

W.T.-B. Berlin, 33. Sept. (Amtlich.) Auf dem Mittelmeer-Krisgsschauplas haben unsere Ü-Boote 20 000 Bruttorrgistertanneu

Schiffsraum versenkt, darunter einen französisch n Truppentransportdampfer nahe der französischen, Küste. Der Chef drs Adnüralstabs der Marine.

Der Mißerfolg der Rekrutierung in Irland.

W.T.-B. Rotterdam, 24. Sept. (Drahtbericht.) Ter „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Man erwartet, daß bei dem Wiederz nsammentritt des Parla­ments anr 12. Oktober mne königliche Verordnung zur Einführung der Dienstpflicht rn Irland erscheinen wird, die, wenn das Parlament nicht dagegen auftritt, vier­zehn Tage später in Kraft treten wird. Die freiwilli e Rekrutierung ist völlia mißlungen. Sie ernab anstatt der erwarteten 60 00» nur 7000 Mann. Der loyale Teil der Irländer in der Grafschaft Ulster blieb hinter den Erwartungen ebenso zurück wie das unionisti- sche Irland. __

Die neue Einkommensteuer der Bereinigte» Staaten.

W.T.-B. Washington, 23. Sept. (Drahtberrcht.) Das Repräsentantenbaus hat mit 330 gegen 7 Stimmen hi« Ein­kommensteuervorlage, die 1600 Millionen Dollar e,»bringen soll, angenommen. Die Vorlage geht jetzt an den Senat.

Der Arbeitermangel in den Bereinigte» Staaten.

Br. Berlin, 23. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie aus einer Berner Meldung hecvorgeht, wird der Arbeitermangel m den Vereinigten Staaten tagtäglich bedrohlicher, da eS, wie es heißt, sämtliche Reserven au gelernten und ungelernten Arbeitern völlig aufgebraucht sino und ta ks fraglich erscheint, ob der gegenwärtige und zukünftige Bedarf an gelernten Arbeitern überhaupt gedeckt werden kann, selbst wenn aste Industrien, die nicht direkt für den Krieg tätig sind, ihre gesamte Arbeiterschaft zur Verfügung stellen müßten. ___________

Die polnische Ministerkrifis.

W. T.-B. Warschau, 28. Sept. Die Warschauer Presse bringt die Mitteilung, daß KucharzewSki sich entschloß, die Leitung des Kabinetts zu übernehmen. „Kurjer PolSki" berichtet, saß KurcharzewSki am Sonntagvormittag dem Regentschaft trat die Zustimmung zu der ihm a »gebotenen Mission erklärte. Der Regentschaftsrat wird die Kandidatur KucharzewSkiS den Ze nt r a l m äch t e n zur B« st Sti­ll ng vorlegen. Die Rekonstruktion des Kabinetts ist noch iese Woche zu erwarten, worauf die Einberufung deS Staatsrats erfolgt. „Kurjer WarSzawski" erfährt, daß nur der Landlwirtschaftsminister Dzierzbierki und der Justiz- minister Higersberger ersetzt werden sollen. Auch der Rück- ttttt deS Direktors der HeereSkommisston, deS Prinzen Franz Radziwill, sei wahrscheinlich.

Der Kaiser a« dle kurländksche Synode.

W.T.-B. Berlin, 24. Sept. (Drahtber.) Der Präsident der kurländischen Synode, Generalsupeciiitendent v. Berne» witz, hat an den Kaiser das folgende Telegramm gec.chlet: „Eure Majestät wollen der soeben zum erstennial seit Kriegs» beginn zusammengetcetenen Geistlichkeit des kurlüiidischen Konsistorialbezirks gütigst gestatten, ihrer tiefen Dankbarkeit dafür Ausdruck zu geben, daß der allmächtige Gott Eure Majestät dazu auSecsab. dieses Land von langen Leiden und schioerem Druck zu befreien. Die turländischen Synodalen wisset- aus langer Erfahrung, wie schwer der Kampf für Frei- heit und Recht, für Glauben und Volkstum ist. Sie sehen in Eurer Majestät den Vorkämpfer für diese höchsten Güter und ! flehen zu Gott, daß er Eure Majestät segne und behüte and seinen Schild über Seine Majestät halte, damit Recht und Wahrheit endlich siegen." — Das Antworttelegramm lautet: »Großes Hauptquartier, 21. Sept. An den Vräsi- j denten der kurländischen Synode, Generalsuperintendent j v. Bernewitz, in Riga. Über das freundliche Gedenken der ) kurländischen Synode bei ihrem seit KrieaSbeginn erstmaligem ; Zusammentritt habe ich mich außerordentlich gefreut. Ich z danke von Herzen für die treuen Friedenswünsche und boffe ^ zu Gott, daß die innige Fürbitte für den endgültigen Sieg ; von Wahrheit und Recht in dem Deutschland ,aufqe- • zwungenen Daseinskampf Erklärung findet. Den y Beratungen der Synode und der verantwortungsvollen Arbeit 1 der gesamten kurländischen Geistlichkeit wünsche ich auch weiterhin des Allmächtigen Beistand, damit in dem vom fremden Joch glücklich befreiten Kurland ein s glaubensstarkes und von sittlicher Kraft erfülltes - Geschlecht sich der Bewegung deutscher Kultur und deutschen l Wesens immerdar erfreue. Wilhelm."

Abschredsfeier für Talaal-Pascha.

Ansprache deS Grohwesir».

W. T.-B. Berlin, 24. Sept. (Drahtbericht.) Die „Deutsch- türkische Vereinigung" veranstaltete gestern abend s zu Ehren des GroßwesirS Talaat-Pascha im Marmor- ) saal d«S Hotels „Esplanade" einen öffentlichen Emp- j fangS abend, an welchem die Spitzen der RrichSregierung . und die Vertretungen oer Verbündeten teilnahmen. Die Gäste | wurden von Direktor Dr. Schacht, Professor Dr. Jocckh und Direktor Dr. Alexander empfangen. Dr. I a e ck h begrüßte j den Großwesir in einer politischen Rede, worauf T a l a a t - , Pascha in folgender Ansprache erwiderte: „Meine Herren! s Vor Gott und der zivilisierten Menschheit sind wir jederzeit in der Lage, beweisen zu können, daß wir diesen blusigen Krieg zur Verteidigung unserer Selbständigkeit und unserer Ehre führen. ; Auch Staaten habe» Rechte und Pflichten, welche der Bürger hat. Sie haben für Erhaltung ihrer Ehre und ihres Ansehens, ohne welche weder Menschen noch Staaten leben können. Sorge zu ttagen. Diese? hohe Ziel vor Augen, haben wir stet» den Frieden erstrebt. Der Freund der Menschlichkeit und der Zivi- ) lisaticn, der mächtige deutsche Kaiser, hat al» erster die Hand ; zum Frieden gereicht. Unsere Feinde wiesen aber den Vor- ; kchlag zurück. So wie jetzt, glaubten sie auch damals, daß e» ! eine Fall« sei. Meine Herren! Auf meiner Herreise hatte ich die Ehre, in Wien vom Kaiser empfangen zu werden. Ich sah j auch Baron Burian, und er sprach zu mir ernst und voll inni- | qer Aufrichtigkeit über meine Gedanken für Beendigung die­ses völiervern:cht"nden Kampfes. Mein erlauchter Herrscher j und geliebter Padischah hat seit jeher den Frieden für die ge­quälte Menschheit gewünscht, und auch der Zar der Bulgaren hot bei jedem meiner Besuche geäußert, daß auch er von den > gleichen Wünschen beseelt sei. Wir wissen, daß auch unsere ; Völker diese Wünsche unserer Herrscher teilen. Unsere Geg- ; net intrigieren und beeinflussen ine öffentliche Meinung ihrer Völker und scheuen sich, in Besprechungen einzutre- ten. weil sie von der Reekitmäßigkeit ihrer Ziele nicht überzeugt sind. Wenn unsere Gegner die Überzeugung von ihrem Recht gehabt hatten, wären sie za der Besprechung gekommen und hätten versucht, die ganze Welt von der Rechtmässigkeit ihrer Ansprüche zu Lberzeugen. Sie wagen es nicht und gestehen damit ihr Unrecht ein. Sie behaupten, für die Freiheit der kleinen Rationen und für di« Befreiung der Welt zu kämpfen. Auch wir haben die Übe^e.igung, kür diese Ziele den Kampf ausgenommen zu haben. Mögen sie kommen und für ihre Be- bauptung die Gründe Vorbringen. Der ganzen Welt können wir Mitteilung von unseren Besprechungen machen, auf daß die Welt sich ihre Meinung bildet. Aber unsere Gegner kom- men nicht und wollen nicht kommen, n-etl ihr« Worte nicht ernst gemeint sind. Viele Nationen seufzen unter dem Joch unserer Gegner, welche euch uns vernichten wollen und dazu immer neue Nationen gegen ihre Überzeugung zum Dlut-

Aus Aunst und Leben.

* BerNnrr Theaterbrirf. In Max Reinhardts tkleine m Schauspielhaus kam am 31. September «in junger Schweizer, Siegfried G i e d i o n. mit den drei Akten «A r b e i t zu Wort. ES ist ein Stück, das auf dramatische Wirkungen verzichtet und sich aus Auseinandersetzungen um und über da» Thema „Arbeit" beschränkt. In ihnen klingt manche» gedanklich Feine, und eS klingt aus chnen vielleicht ein« Hoffnung für GiedionS Zukunft. Vielleicht... Denn noch ist alle» Werden und Wollen, und zunächst vermißt man den lebendigem Strom, der Teilnahme erzeugt und warme? Mitempfinden spendet. Im Mittelpunkt der fadendünnen Handlung steht ein schon reiferes Mädchen, Helen« Brunold. Sie sehnt sich nach sozialer Betätigung und erhört daS Derben de» ungeliebten Fabrikbesitzer» Dr. Vogel, weil sie in der Sorge um sein« zahlreichen Arbeiterfamilien einen Auslaß für dieses Sebnem zu finden glaubt. Al« sie ihn jedoch m,t einer anderen überrascht, wendet sie sich wieder ihrem Han» zu, dem einzigen in der Dichtung, der von der Arbeit nicht übertrieben viel hält und daS Dafein rein vegetativ nimmt... Die einzelnen Charakter« find gut auseinandergehalten, di« Liebe zur Arbeit wird nicht ohne Geschick in wechselnder Ge­stalt gezeigt, im ganzen aber handelt es sich hier doch mehr um wortreich« Erörterungen ohne zwingende Kraft, und so mischte sich zum Schluß in den nicht ßchr starken Verfall auch Wider­spruch. Gredion zeigt« sich auf der Bühne. Mit ihm die ver­dienten Darsteller: Fräulein Pünkötdy rmd die Herren «iemann. Berge« und Gebühr.

_ ,, Richard Wrld«.

Schweizer Mnsikfest in Leipzig. Wir lernten einen ganz anderen Othmar Echoeck kennen, als ihn uns sein violin- konzert offenbarte. Die Lieder de« jungen Meister« find Um- sche Gebilde, deren melodischer Muß und wechselnde Farbe zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Frau Ilona Durigo beherrschte die Materie meisterhaft und brachte di« verschied«, nen Stimmungen der Lieder zu restloser Geltung. Besonders m dem musikalischen Erfassen, der Gedieht«: Ravenna", „Marrenlred ", „Keine Rast". „Mit einem gemalten Bande", ^uf dem Rhein" ttat du; hohe Meisterschaft dsS Komponist« und der Sängerin voll in die Erscheinung — Dr: Kammer- musika bend br achte bcS_ zwei» Guettot itt «is-Mull (C*. 10) ' Ä ' Variatioiwn, «ob!

latenftnrmrnte ant

von Hermann Suter, dessen tat matioay * ist, sm cmaesö

Klavier in Es-Dur von Han« Huber (Op. 12V) ist ein melodi­sche« Werk voller Frische und Grazie, — ein Musizieren, wel­ches dem Herzen wohltut. Volkmar Andreae war mit einem kleinen Trio in D--Moll (Op. 29) vertteten, dessen Meiler Teil — Allegretto — am meisten ansorach. Wir werden diesem liebenswürdigen Opus 2S wohl noch recht oft begegnen. Die Künstler des Gewandhausorchefter», an der Spitze die Herren Wollgandt und Professor Julius Klengel, sowie Herr Professor Willy Rehberg (Mannheim) führten den Abend zu einem vollen wohlverdienten Erfolg. — An der Spitze des Metten Orchefter- konzertS stand Hermann Suter mtt seiner großen D-Moll- Sinfonie (Op. 17). Der Rteifter hoi hier Thema und Melo­dien seiner Heimat verarbeitet, deren Originalität und musika­lische Durchführung besonder« im zweiten Satz — Capriccio militaresco — ihren Höhepunkt erreicht. Bon Fritz Brun lern- ten wir „Berheitzung" kennen, für gemischten Chor. Orgel und Orchester, in dessen überflüssiger Kraftentfaltnng die Kom- Position unterging. Don Othmar Echoech hörten wir drei Lieder mit Orchester — von Fritz Brun instrumentiert —, von Frau Durigo herrlich vovgetragen. Di« melancholische gleiche Mim- mung^ der drei Gesänge war der Zusammenstellung nicht von Vorteil. Ferner gab un» der junge Meister noch „Dithyrambe", für gemischten Dovpe-Ichor, «rohe« Orchester und Orgel (Op. 22), ein großzügiges Werk, vom Bachverein unter Leitung feines Meister» Professor Straube prachtvoll vorpettagen. „Elfenreigen" von Friedrich Klos« ist «in reizen- de» lyrilches OpuS voller Wärm«; Meister Artur Nikisch setzte alle Feinheiten der Partitur in hellstes Licht. Der Abend wurde mit einer Passacaglia von Darblen eröffnet, ein Pracht- voll konzipiert und durchgeführtes Stück, in dem Professor Straube seine groß« Kunst ganz und voll erglänzen ließ. Wenn wirk daS Fazit des Schweizer MustkfesteS ziehen, so können wir von einem großen durchschlagenden Erfolg be­richten. M a x R i k o f f.

* Die St. JohanniSkirch« in Mainz. Wie bekannt, wurde die Mainzer Johanniskirche durch einen feindlichen Flieger­angriff nicht unerheblich beschädigt. Damit ist nicht nur eines der interessantesten und ältesten, sondern auch eine» der meist- umstrittenen Maurer Bauwerke betroffen worden. Soll doch schon die Leiche de» heiligen Bonifatiu» gelegentlich ihrer über- führung nach Fulda in dieser Krrche übernachtet haben. Sie ,var nach Ansicht namhafter Gelehrter in frühesten Zeiten de: Mainzer Dom, also die Haupttirche der BifchofSstadt. Völlige fl achest d a r üb er wurde üwegon bis zur m 4t »>

Wonnen, obgleich so ziemlich Älle Mainzer Forscher und Lokal­kirchenhistoriker Stellung dazu genommen haben. Neuere Schriftsteller tragen keine Bedenken, auf Grund einzelner Quellen und literarischer Zeugnisse, die zumeist dem Nachlaß deS Sammlers Bodmann entstammen, der Johanniskirche die Ehr«, di« Ateste bischöfliche Kathedrale gewesen zu sein, zu­zuerkennen. Im Gegensatz hierzu vertrat der verstorbene LandgerichtSdirektvr Bcckenheimer (Mainz) die Auffassung daß eine ältere Martinskirche, für die man früher die Johanniskirche hielt, in >dem Bau des neuen monumentalen Doms, der heute di« Stadt Mainz beherrscht, aufgegangen sei. Neuerdings schickte sich der Leiter des hessische» DentmalS- archivS und bekannt« Kunsihistorlker Professor Kautzsch (Darm- ftadt) an, die Beweiskette zugunsten der Johanniskirche end­gültig zu schließen, indem er die bestehenden Überlieferungen über sie in Beziehung zu den Funden setzte, die bei deren Um­bau gemacht wurden. Sein En-durteil über die Geschichte de» allen Dom» lautet: „Die Johanni Ski rche ist der alte Dom von Mainz". Dies« Sicherheit und souverän« Form der Aussage konnte aber den Kirchenhiftoriker Pfarrer Dr. Andrea» Ludw Veit (Neckarsteinach) nicht abhalten, nochmal» kritisch das ur> kurchliche Material zu sichten und insbesondere den historischen Tchl der Studie Kautzsch nachzuprüfen. Nach dem Ergebnis seiner Forschungen hält Veit dr« Beweiskette zuungunsten der JöhanniStirch« geschlossen. Kautzsch hat aber darauf erwidert, ernzeln« Jrrtümer zugeftanden, blieb aber doch bei seiner Au- sicht, daß St. Johann der alte Dom sei. Di« Kirche ist berert« seit dem IS. März 1828 Eigentum der evangelische» Gemerirde. Stark herftellungSbedürftig, wurde sie 1006/07 nach de» Plänen des damaligen Denkmolpflegers für Rhei «Hessen, Pro­fessor Friedrich Pützer, umgebaut und bildet heut« eine Zierde der Stadt Mainz. Die angerichteten Beschädigungen lassen sich leicht wieder beseitigen, sie betreffen keine historischen Teile de» Baues. o. L.

Aleine Chronik.

v'ldendr Kunst und Musik. Zur Feier de« 60. Geburts­tags des Leipziger Lperndirektors Professor Otto L o h s e wunde der erste Akt seiner Oper „Der Prinz wider W i l l e n", der im Februar dort di« vollständige Uraufführung erlebt, in der Oper aufgesührt. Der Intendant der städtischen Dbeater Gehrimrut Meyer-Daldeck. Oberbürgermeister Dr Rothe und Oberspielleiter Lert hielten Ansprachen, in denen ji< di« Verdienste Otto Lohje» um das Leipzig« M-usiÜctz»