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Illustrierte

Wntler-Ieitung

des

Miesbsclener Tagblatts.

Iklr..

20. Isbrgsng.

1918 .

(Alle Rechte für sämtliche Artikel und Illustrationen Vorbehalten.)

Dirrstortcr ttadjh

Erzählung von ilt arte Gerb ran dt.

machte spät abends die Rüche rein, denn Mutter war nicht ganz wohl und hatte sich früh gelegt. Als Ilse fertig war, leuchtete sie noch unter den Rüchentisch in den runden Rorb, der zu ihrer großen Ireude dort stand. Mies, die schwarz-weiße Hauskatze, hatte drei noch blinde Junge, und da sie auf alle Art an den Tag gelegt hatte, daß sie die menschliche Behandlung durchaus für angemessen hielt, ihren Nachwuchs zu beschützen, so hatte man sie schließlich gewähren lassen. Selig betrachtete Ilse bte' dretz kleinen Pelzfleckchen, die von der Alten im palbkreis umgeben wurden. Einen Teller mit angewärnrter Milcht stellte sie sorgfältig dicht neben den Rorb.So, nun seid ihr versorgt."

- Mies aber achtete nicht darauf, sondern beunruhigte sich wegen des Lichtes. Erst als Ilse es auf den Tisch stellte, hob sie an zu schnurren und deutete damit an, daß sie jetzt zufrieden sei.

Das Licht war unten mit einer niedlich geschnitzten Papierkrause umgeben, damit es fest im Leuchter steckte. Ilse fiel es ein, daß die Mutter gesagt hatte, das sei eigent­lich gefährlich und sie solle die Rrause ja entfernen, sobald die Rerze tief herabgebrannt sei. Noch aber war sie hoch; Ilse war stolz auf dies kleine Werk, das sie ebenso wie die Papierzacken am Regal und Rüchenbrett heute zustande gebracht, und darüber vergaß sie, das Licht auszulöschen.

Sie begab sich ins Schlafzimmer, in dem friedlich die verschleierte Hängelampe brannte, wie soeben an das Lager der kleinen Rätzchen, trat sie jetzt auch an das Bett ihres jüngsten Schwesterchens, Mausi genannt, wie hold die Rleine mit ihren roten Apfelbäckchen dalag! Ilse hatte sie so lieb sie hätte sie gleich emxorreißen und ans perz drücken können. Aber sie hauchte nur einen Ruß auf die Stirn, auf der das blonde Pärchen im Atemzug wehte, und betrachtete dann noch zärtlich die beiden anderen Geschwister, perbert und Lieselotte. Alles schlummerte ruhig, alles war ge­sund, und die Mutter hatte vorhin, als Ilse das Teegeschirr geholt, auch gesagt, ihr sei schon viel besser.

Froh entkleidete sich Ilse, um zu Bett zu gehen.past du auch das Licht gelöscht?", fragte die Mutter, halb im Schlaf.

Ja", antwortete Ilse, in der festen Überzeugung, es getan zu haben. Sie war's schon gewohnt, daß die Mutter sie an dieses oder jenes erinnerte, sie war etwas vergeßlich. Einmal hatte sie Salz statt Zucker in die Apfelsuppe ge­schüttet, und alle hatten voll Abscheu aufgeschrien, als sie den Löffel zum Munde führten. Sie dachte nach: Gott sei Dank heute war ihr nichts Derartiges passiert! Neulich hatte sie perberts hübsches Bilderbuch im Garten über­sehen, als sie die Spielsachen hereinholte, vom Tau war es auseinandergeleimt und verdorben. Der arme Rerl harte

sehr geweint, es schmerzte Ilse jetzt noch, wenn sie daran dachte. Und einmal o, das war schrecklich! hatte sie mit Mausi, die vor ihr aufZdem Tisch saß, gescherzt und getollt, und dabei nicht achtgegeben. Bei einem paar wäre die Rleine seitwärts umgeschlagen und zu Boden gefallen, wenn die Mutter nicht rasch hinzugesprungen wäre. Dann wäre Mausi für ihr Leben lang unglücklich gewesen, vielleicht buckelig, vielleicht sonst ein Rrüppel. Ls wurde Ilse angst und bange, als sie daran dachte. Sie richtete sich im Bett auf und faltete die pände.Lieber Gott, hilf mir doch, daß ich nicht so vergeßlich bleibe!" betete sie.Sonst richte ich noch noch einmal ein Unheil an. B, lieber^Gott, das wäre zu furchtbar!"

Nebenan in der Rüche klang ein jlautesMiau!" Ilse legte sich leise hin. wenn die Ratze hörte, daß sie noch wach war, so wollte sie womöglich ins Zimmer; Ilse kannte das verwöhnte Tier. Und als sie nun so regungslos lag, schlief sie auch ein, obgleich Mies noch ein paarmal ihr dringlichesMiau" ertönen ließ.

Unterdessen brannte das Licht in der Rüche ruhig weiter. Mies hatte es anfangs nicht in der Grdnung ge­funden, aber da sie doch nun die Leute gewarnt hatte und die trotzdem zur Ruhe gegangen waren, meinte sie, dies sei eine Neuerung, die wohl gar aus zarter Rücksicht auf sie eingeführt werde obgleich, meinte sie, recht überflüssiger­weise. Denn sie sah nachts schon, was sie sehen wollte. Ja, die Menschen! Sie machen's oft verkehrt, auch wenn sie's gut meinen.

Damit schlief auch Mies ein. Die Rerze aber brannte tiefer und tiefer herab. Jetzt erreichte die Flamme die Man­schette. pui, war das eine freudige Begegnung! poch'auf sprang die Flamme. Und da war sie auch schon ums den ganzen Papierkranz gerast, und wieder sprang sie, jetzt breit und mächtig geworden, empor, haschte nach der Fenster- gardine einmal noch einmal: jetzt war sie oben, fuhr wild und gierig nach allen Seiten umher, und im Nu war das leichte Gewebe ein loderndes Feuer.

Mies schreckte aus dem Schlafe auf, wußte sogleich: Pier passiert etwas Gefährliches, packte kurz entschlossen ihre Jungen und trug sie, eins nach dem anderen, an die Schlafstubentür; hier erhob sie mit Schreien und Rratzen das fürchterlichste Lamento, zu dem die Rleinen mit ihren piepsenden Stimmchen nach Rräften beisteuerten.

Nein, die Ratze macht es zu arg," seufzte drinnen die Mutter.Sie muß morgen auf den Pausboden."/W

Das hatte Ilse, die schon seit einem Weilchen wach war, gleich gefürchtet,wenn die dumme Mies doch bloß still wäre!" dachte sie.

Aber nein! Es war, als ob die Ratze ordentlich gegen die Tür sprang und mit den Rrallen daran herunterschrammte.