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Verlag Langgasse 21

„Tagdianffaus".

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Sonntag, 22. September 1918.

Morgen-Ausgabe. Nr. «3. • «ff. Jahrgang.

Politische Grundlinien.

Nachdem Balfour, Wilson und Clemenceau die öster­reichisch-ungarische Friedensnote ablehnend beantwortet haben, kann man von der bevorstehenden Alliierten» Konferenz in Paris woht nicht erwarten, daß sie der Note gegenüber eine andere Stellung einnehmen werde. Es ist eine S e l b st t ä u s ch u n «, deren Spuren wir leider in manchen Berliner Blättern an­treffen, daß die Taktik der feindlichen Staatsmänner nur darauf hinauslaufe, uns und unsere Verbündeten mit dem Verdachts des absichtlich mißverstehenden Starr­sinns zu beladen. Den feindlichen Erklärungen, so wird gesagt, sei es als Schreckmittel gerade willkommen, daß durch ganz Deutschland der entrüstete Schrei „Ab­lehnung!" gehe. So werde in den feindlichen Haupt­städten bald mit scheinbarem Recht versichert werden, wir hätten die Ablehnung nur in die Erklärungen der Ententepaatsmänner hineininterprelierr, weil wir ge­rade die Ablehnung und nicht die Zustimmung wollten. Traurig genug, daß derartige Auslegungen, wie gesagt, in deutschen Blättern erscheinen können. In Wirklichkeit kann keine Zurückweisung -deutlicher sein als die uns oder vielmehr den Verbündeten an der Donau zu­teil geworden. Auf das Äußerliche hin angesehen, haben mindestens Balfour und Wilson allerdings nicht er­klärt, daß sie sich auf weitere Unterhaltungen mit dem Vierbunde grundsätzlich nicht einigsten wollen und wer­den, sie haben die Mittelmächte nur gefragt, ob sie auf der angcdeuteten Grundlage verhandeln niöchten, und sie haben diese Grundlage sogar ziemlich genau umgrenzt. Balfour hat es getan, indem er uns wissen ließ, zu den englischen Bedingungen gehöre das Verbleiben unserer Kolonien ini britischem Besitz und die Rückgabe von Elsaß -Lothringen an Frankreich; W i l s o n hat es in seiner Weise ebenfalls getan, indem er durch Lansing betonen ließ, daß die bekannten vier­zehn Punkte des Präsidenten vom Januar 1918 nmß- gebend sein müßten. Also wahr ist es schon, die Er­klärung, daß man mit uns überhaupt nichts zu tun haben wolle, ist nicht abgegeben ivorden, aber der sach­liche Unterschied zwischen dein Inhalt der bisherigen Äußerungen der Entent"staatsmänner und einer run­den Ablehnung verschwindet, praktisch genommen, so gut wie ganz; in Clemenceaus geifernder Senatsrede ist er überhaupt nicht mehr erkennbar. Wir werden ja bald wissen, ob in W i e n eine w unendliche Geduld, wie sie zur Fortsetzung der begehrten Unterhaltung jeden- falls gehören würde, wirklich aufgebracht werden soll. In der Note des Grafen Bunan steht der Satz: „Was das erste Mal nicht gelingt, kann wiederholt werden." Hiernach wären unsere Verbündeten also bereit, die Auseinandersetzung weiterzusoinnen wofern es nur irgend möglich ist; die demnächst einlaufenden Anffvor- ten aus dem Ententslager werden also vom Grafen Burian wieder beantwortet werden, und so kann das Spiel geraume Zeit fortgeben, bescheidene Se­rn ii t e r können sich, wenn sie wollen, einbilden, das seien bereits Verbandlungen, aber was dabei heraus­kommen könnte, das wäre doch höchstens die erneute Feststellung der U n m ö g l i ch k e i t, zum Ziele zu gelangen, wenn auf der Gegenseite stets wieder Forderungen erhoben iverden, über deren U n wür­dig k e i t. über deren sachlich? wie moralische Unmög­lichkeit bei uns kein Streit ist. Wir wollen doch die Illusion verabschieden. Wir haben es mit dem unerbittlichen Bernichtungsivillen der Feinde zu tun, und diese furchtbare Tatsache schaffen wir durch dialektische Künsteleien, niit denen die Er­klärungen der Ententestnatsmänncr nnkroskohimi unter­sucht werden, am allerwenigsten ans der Welt. Auch der Abg. S ch e i d e m a an weiß jetzt, worauf es an­kommt: „Was soll geschehen", io fragt er (wie mitge­teilt) im „Vorwärts", „wenn trotz der Bürgschaft der Mittelmächte, durch einen wirklich demokratischen Frie­den dem Gemetzel ein Eade zu machten und durch Ab- rüstungs- und BündniIveeträae si'ir alle Zukunft Kriegen vorznbengen, die Entente den Frieden nicht will' Was soll geschehen, wenn die Gegner unter keinen Umständen zu einem Frieden der Verständigung bereit sein sollten, weil sie uns niederzwingen wollen, um uns dann den Frieden wie ihn ihre GewalWolitiker wünschen, diktieren zu können' Das dann?" Scheide­manns Frage läßt erkennen, daß in der Sozialdemo­kratie der fu r ch t b a r e E r n st der Lage ganz b e- griffen wird. Wir wollen die Antwort, die er selber gibt, nichts dadurch abzuschwächen versuchen, daß wir ibr mit parteipolitischen Einwänden begegnen können, wir lassen uns diese Antwort vielmehr gern gefallen, »veil sie für das, was setzt bei uns nottut. nämlich iür die Zusammenfassung aller Krij.e, für die Er-.ffesselung des kn reu- tzantonieuA in dem Falle, daß wir ilm brauchen, ein ausgezeichneter Ausdruck ist. Scheidemann also antwortete auf leine eigene Frage fol­gendermaßen, es ist der Mühe wer. das aus der Freitag-

Abend-AuSgabe zu wiederholen. „Dann kann e9 doch nur eine- geben: die restlose Organi­st e g :g n g der nationalen Verteidigung. d. h. die Mobilisierung der letzten Kraft, die An­setzung des letzten Hauches an die Verteidi­gung der Heimat! Dann wäre der Augenblick ge­kommen, in dem jeder erkennen wird, daß es um Tod und Leben, um Ehre und Freiheit, um die Zukunft un­seres Volkes, um das Schicksal unserer Kinder und Kin­deskinder geht. Würde dann diese nationale Verteidi­gung organisiert werden können von einer Regie­rung, die allen Konflikten mit Politik treibenden mili­tärischen Stellen ängstlich ans dem Wege gegangen ist?" Es siebt noch mancherlei m Scheidemanns Artikel, wor­über die Meinungen mseinandergehen rnözen, aber der Grundzug kann keinen Widerspruch erwecken. Schlägt für uns die Stunde, wo alles, was unser Volk bisher an Mstrengungen geleistet bat, verhältnismäßig zurückstehen wird Hinte: dev', was wir noch an äußer­ster Energieentfaltung werden aufbringen müssen, dann muß uns diese Stunde einig ffnden. Wir waren es im August 1914, wir sind es nicht mehr, wir werden nicht gut daran sein, wenn wir es nicht recht bald wieder werden. _

Nach der Ablehnung der Wiener Friedensnote durch die Entente.

Di-, Genf, St. Sept. (Eig. Dcahtberrcht. zb.) Nach eine: Meldung de? „Echo, de Paris" können sie amtlichen lit- klärnngen der Entente zu Burin»; Vorschlag derzeit als abgeschlossen gelten. Die Abfassung einer gemein­samen Antwort, so meint das Blatt, könnte vielleicht Un­stimmigketten Hervorrufen.

W. T.-B. Bern, 20. Sept. Die italienischen Blätter besprechen die offiziöse Stefaninotc zu denk Wiener Vorschlag weiterhin einmütig zustimmend. „Epoca" und „Giornale d'Jtalia" erblicken darin die Festlegung der offiziellen Kriegs­formel Italiens. .Giornale d'Jtalia" im besonderen meint, die italienische Regierung hätte nich: klarer antworten-können. Die Erklärung Herrn v. Papers hätte aezeigt, daß die Mittel­mächte gerade entgegengesetzte Ansichten verträten. So lange dies dauere, werde ein Ideenaustausch nicht möglich sein. Die .Tribüne" glaubt festitcllen zu können, daß eine inner- politische Wirkung in den Ententeländern nicht eingetreten sei und Wien daher gründlich enttäuscht sein müsse.

Weitere österreichische Presseerorterungen.

W. T.-B. Wien, 20. Sept. Das „N e .1 e Wiener Abendblatt" schreibt- Fünf Tage sind letzt verflossen, seist em die Note der österreichisch-ungarischen Regierung be­kannt wurde. Die Entente sagt „Nein", die d i p l o m a t' s che Erörterung des Friedensschrittes aber dauert fort Eebr bezeichnend ist jedenfalls, daß immer wieder aus Paris and London die Forderung laut wird, die Mittelmäclstc möchten ihre Kriegsziele Mitteilen. Dieser Wunsch ist die stärkste Be­gründung, die di-- Entente selbst für die Note des Grasen Burian liefert. Auch Wilson wird nicbt behaupten können daß seine 11 Punkte heute noch) in voller Kraft bestünden. Einige davon stoßen auf keinen Widerspruch; die Mehrzahl aber könnte nur durch einen vollständigen überwältigenden Sieg der Entente Geltung erlangen, durch einen Gewalt- iriedcn, der kein dauernder Friede wäre und die guten Ziele Wilsons:' Völkerbund, Abrüstung und Schiedsgerichte, zu in­haltslosen Pbrasen stempeln würde. Gerade diese strittigen Punkte :n Wilson? Friedensprogramm heischen also dringend eine unverbindliche Aussprache. Auch Gompers Einfluß konnte dann nicht verhindern, daß auf der Londoner Arbeiter- kcnferenz ein Beschlußantrag eingebracht wurde, die alliierten Regierungen möchten keine bloß negative Politik befolgen, sondern gemeinsam mit den Vereinigten Staaten die eigenen Kriegsziele klarsiellen. Die Note der österreicknsch-ungarilchen Regierung ist also noch nicht spurlos in dieVerscnkung gefallen. Der Gedanke einer unverbindlichen Konferenz ist nicht ver­wirklicht die Aussprache über den Frieden aber ist ange­schnitten. — Die Jt'it Freie Presse" sagt: Die Frie- denSnote ist znrückgewiesen, die Friedensbewegung läßt sich nicht so rasch zurückweisen. — Die „W iener Allgemeine Zeitung" schreibt: Es entspricht dem Geiste unseres Vor­schlags, daß wir ihn gegenüber allen solchen Voreiligkeiten ruvig und obne weitere psychologische Untersuchung der Stimmung unserer Gegner mlirecht erbalten. Einer solchen Haltung gegenüber kann und wird es der Entente nicht ge­lingen, unsere Absichten weiterhin zu mißdeuten. Sie wird sich sehr genau überleaen müssen, wenn sie ablehnen will, wie sie eine solche Ablehnung vor ihren blutenden und duldenden Völkern im einzelnen rechtfertigen soll. Wir können in. aller Ruhe abwarten, welcher Art Moral wir in dieser Sache auf der Gegenseite begegnen werden.

Eins ünterffutzungsaktion der Ukraine.

St. Wien, 21. Setzt. (Eig. Trahtbericht. zb.) Der ukrai­nische Ministerrat beschloß, an alle neutralen Mächte eine Note zu richten, die die Zustimmung zu dem Vorschlag Burian? auÄpricht. Ferner wurde angeregt, sich mit einer ähnlichen Nete an die Ententemächte zu wenden. Ein Beschluß hierüber wurde noch nicht gefaßt.

Gebete für den Frieden in Schweden.

W. T.-B. Stockholm, 20. Sept. Am Donnerstagabend wur­den in sämtlichen Stockholmer Kirchen vor zahlreichen Zu­hörern Geibete für den Frieden gesprochen.

Herrn Clemenceau.

Hab Dank, alter Tiger, daß Mi so trefflich daö Maul zu solch fulminantem Gebrüll aufgertsstn hast! DaS wird und erwecken. Wir haben vom Frieden geträumt. Nun aber kommt dein Vernichtungsgebrüll. ES wird in ganz Deutschland gehört werden, in den Städten und in den Dörfern, in der Wilhelmstraße und im Reichstag. Auch nach Wien wird es dringen. Herr Clemenceau will Deutschland zerhacken und zerstücken. Schon glaubt er, e? sei besiegt, schon sieht er die Trikol»re über den Rhein und weiter tief in die deutschen Gaue hineinziehen. Ist daS aber des Tigers Absicht, so wird Deutschland ihn zu stellen und niederzuwerfen wissen. Schließlich, das kann niemand von uns verlangen, nicht einmal Herr Clemenceau, daß wir unsere Gurgeln den Messern seiner Seneyalneger und all den anderen Wilden, mit denen Frankreich seine gelichteten Armeen auffüllt, heiteren Gemüt? entgegenhalten. Hat Frankreich noch nicht genug an Hrand und Blutvergießen, an Verwüstung seiner Städte und Felder, an Dezimierung seiner Bevölkerung, an Abhängigkeit von England unö Amerika, an politischer Ohnmacht, so mag es da? Schicksal empfangen, das solcher Verirrung gebührt. Bei Herrn Clemenceau mag e? sich dann bedanken.

Herr Clemenceau will nach Berlin marschieren; er will siegreich kämpfen immer und immer wieder- „Bis zu der Stunde, wo der Feind begreifen wird, daß es keine mög­lichen Verbandlungen gibt zwischen dem Verbrechen und dem Reckt." Herr Clemenceau häste Frankreich den Frieden bringen können. Die Antwort, die er der österreichisch­ungarischen Botschaft entqegenspeit, beweist, daß er e? vor­zieht, seinem Lande die Vernichtung zu bescheren. Deutschland wird sich zu verteidigen wissen. Und an solcher Verteidigung wird der Rest de? französischen Volkes zerschmettern. Wenn Herr Clemenceau wähnt, daß die Zurücknahme unserer Front den Anfang unserer militärischen Ohnmacht bc1>eutet, so wird er sehr schnell erfahren können, daß Deutschland, wenn e? genötigt ist, sich gegen den Raub griff eines tollen Tigers zu wcbren, wahrhaft mit eiserner Mauer und u n - durchbrechbarem Wall geschützt ist. Herr Clemenceau wittert den Tag, den Frankre!ck-s Nationalhymne seit einem Jahrhundert augekündigt bat: „1« jour -ls '.n gloire." Gut oebmillt, eisgrauer Tiger, so gestehst da, daß Frankreich diesen Kr-eg herbeigesehnt und verursacht hat. Und damit die Welt Frankreichs Verbrechen oder vielmehr das seiner Regierung, de? Herrn Poincace, nochmals von jemand er- fäbrt, der es doch schließlich wissen muß, fügt Herr Clemenceau hinzu, daß dieser lang herbeigesehnte Tag, der Tag der Revanche, darum doppelt gesegnet ist, weil Frankreich nicht mehr allein steht- „Frankreich ist nicht mehr allein bei dem Werk der Gerechtigkeit durch die Waffen." Sehr richtig: Frankreich hat durch Jahre Helfershelfer gesucht. Als es in Rußland und England ausreichend Svießgesellsn gefunden hatte, scheute eS nicht mehr davor zurück, seine Kriegsocohun- gegen gegen Deutschland zu schmettern. DaS alles aber nennt Herr Clemenceau „Überfallen werden". Herr Clemenceau kann gewiß gut lügen, aber so gut zu lügen, um Frankreich von furchtbarer Blutschuld rein zu waschen, kann selbst er nicht. Herr Clemenceau füccbtet einen unglückliche» Ausgang seines und seiner Genossen Abenteuer. Noch einmal glaubt er Rettung zu wittern, <Lo treibt er rücksichtslos noch einmal das französische Volk in die deutschen Maschinengewehre hinein Ein Wald von erstarrten Händen wird dafür Zeug­nis geben, daß Hindenburg die deutsch- Mauer zu balten weiß.

Neue englische Mißerfolge vor unserer Siegfriedstellung.

W. T.-B. Berlin, LI. Sept., abends, (Amtlich. Drahtbericht.)

Bor unserer Siegfriedfront zwischen dem Wold von Gouzeaucourt und Hargicourt sind große ein­heitliche Angriffe der Engländer unter s ch w e r st e n B e r l u st e n für den Feind gescheitert.

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Die Tapferkeit unserer Infanteristen bei Mocuvres.

W. T.-B. Berlin, 21. Sept. Ein Beispiel für die Geschick­lichkeit und Tapferkeit, mit der die deutsche Infanterie vor der Siegfricdstellunq kämpft, bilden die Gefechte bei M o e u v re s, das die Engländer bereits zu Beginn de? Monats als genom­men meldeten. Mehrfach verstanden es deutsche Stoßtrupps, in die von den Engländern besetzten Dorftrümmer vorzudrin­gen, die Engländer schwer zu schädigen und Gefangene zurück­zubringen. Am 19. September wurden in MocuvreL 1 Offi­zier und 50 Mann gefangen. MS die Engländer abends schwerstes Feuer auf den Ort legten, wichen die schwachen deut­schen Postierungen an dem Ostrand aus. Die »on den Eng­ländern zur Eroberung de? Dorfes angefehten starken Kräfte stießen ins Leere. Nicht weniger glänzend schlagen sich die deutschen Truppen zwischen Stilette und AiSne. Am Abend des 18. September stießen südlich der Straße Lafiaux-Chavig- non Offizierstellvcrtreter Schön seid e,r und Vizefeldwebel L ü decke mit acht Mann m die französischen Stellungen vor und brachten 1 Offizier und 80 Mann gefangen zurück.

Die Amerikaner als Herren in Frankreich.

Das amerikanische Sternenbanner weht, wie der fran­zösische Funkspruch Nantes vom 7. September der staunenden Welt verkündet, auf dem Pariser Rathaus. Die Amerikaner wissen, warum sie ihre Flagge in Frankreich entfalteu konnten. Nach einem Schreiben des ameriknuffchen Kriegsministers Baker an den Präsidenten Wilson befinden sich in Frankreich 1019115, nach neuen Nachrichlcn sind es Itz^ Millionen Amerikaner. Sie haben sich in Frankreich häuslich eingerichtet. Die französischen Arbeiter in den Munitionsfabriken wurden