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Verlag Langgafse 21

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Frettag, 20. September 1918. MOrgeN-AUSgttbe.

Nr. 439. * 66. Jahrgang.

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Angriff und Verteidigung.

Weil Deutschland vom ersten Kriegstage an seine Armeen in die feindlichen Lande hmslngejchickt hat, weil es gewaltige Gebiete feindlichen Landes in Besitz nahm, haben unsere Gegner behauptet, öatz Deutschland einen Angriffs- und Raubkrieg zu führen beabsichtigt habe. Heute, da die deutschen Armsen wohlüberlegt sich elastisch zurückbiegen und einen Teil dieses feindlichen Landes, mit dem sie naturgemäß verschwenderisch umgehen kön­nen, freigeben, jubeln unsere Feinde, daß nunmehr Deutschland sein Raub wieder abgejagt werde und schnell fügen sie hinzu, daß die Behauptung von Deutsch- lands Verteidigungskrieg, wie sie gerade während der letzten Wochen innner wieder von deutsäien Staatsmännern aufgestellt worden ist, nichts anderes wäre als die Folge eben jener Rückverlegung der Fron­ten, nichts anderes als sin Zugeständnis, daß es mit demAngriffskrieg nicht vorangegangen sei, nichts anderes als eine Verhüllung des Zusamnienbruchs der eigent­lichen deutschen Absichten. Auf den ersten Blick mag es fast so scheinen, als hätten unsere Feinde recht. Aber es gehört nicht viel Überlegung dazu, um festzustellen, daß Deutschland, auch wenn es vom ersten Kriegstage an nichts anderes gewollt hat, als sich zu verteidigen, ge­radezu genötigt gewesen ist, den Krieg so schnell und so tief wie irgend möglich in das feindlich; Gebiet hineinzu­tragen.

Was heißt Verteidigung? Abwehr des Angriffs. Wie aber hätte Deutschland solche Abwehr zu leisten vermocht, ohne dabei das eigene Land furchtbarer Verheerung auszusetzen, wenn es eben nicht sofort und mit einem einzigen großen Schlag das Kampffeld weit von seinen Grenzen fort in das Gebiet der Angreifer hineinver­schoben hätte. Die Verteidigung kann heutzutage nicht so vorgenommen werden, daß eine starre Grenze gleich einer Mauer festgehalten wird. Der Kampf wogt hin und her. Man muß sich bewegen können. Dazu aber braucht man Raum. Und dieser Raum ist, wenn der Kampf ihn durchtobt bat, verwüstet und verbrannt. Be­greift man solchen Tatbestand, so muß man zugeben, daß Deutschland den Verteidigungskrieg gar nicht anders führen konnte als so, wie es ihn angelegt hat: es mußte im Angriff in die feindlichen Länder eindringen. Aber hinter solchem Angriff stand als politische Absicht nie etwas anderes als der unbedingte Wille, den Feind von den Grenzen fernzuhalten, das Heimatgebiet unver­sehrt zu lassen.

Es ist darum ein schwerer Trugschluß wenn unsere Feinde meinen, daß Deutschland erst jetzt die Maske des „Verteidigers" sich vorgebunden habe, und daß die Staatsmänner, die den Charakter des deutschen Ver­teidigungskrieges so nachdrücklich betonen, dies nur in der ihnen aufgezwungenen Verlegenheit tun. Sehr richtig hat darum eine halbamtliche Erklärung kürzlich festgestellt: „Der Charakter des deutschen Kriegs war, so angriffsfreudig er militärisch auch immer gewesen ist, politisch stets der eines Verteidigungskriegs." Auch wenn, was heute niemand wissen kann, die deutschen Armeen nochmals hier oder dort oder auf der ganzen Front imAngriff hervorbrechen, so wird auch dies an dem Charakter des Kriegs nichts ändern. Unsere Feinde aber werden früher oder später schon einsehen lernen, daß Deutschlands Verteidigungskrieg gewonnen war in dem Augenblick, da es uns gelang, im Angriff siegreich vor­zustoßen. Wir waren dadurch in die Lage versetzt, aus­zuhalten, solange es unteren Femden Spaß macht, ihr eigenes Land verwüstet und verbrannt zu sehen.

Italiens Antwort auf Burians Note.

W. T.-B. Rom, 19. Sept. (Drahtbericht.) Die Agenzia Stefani veröffentlicht folgende Note: Bis jetzt hatte die italienische Regierung von der österreichischen Frie­densnote nur Kenntnis aus den Veröffentlichungen der Tele- graphen-Agentur. Wenn indes der vom Wiener Korrespon- tenz-Bureau verbreitete Tert genau ist, so mutz die italie­nische Regierung betonen, daß der österreichische Vorschlag dar­auf abzielt, einen Vorwand für FciedenSverhandlaagen zu schaffen, ohne irgendwelche greifbaren Unterlagen and ohne die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Erfolges. Die neuer­lichen Erklärungen der österreichischen und der deut­schen Staatsmänner, die jedes Zugeständnis ars- scklictzen und die Verträge von Bcest-Lituwsk als endgültig bestätigen möchten, machen jede zweckdienliche Eröff­nung von Verhandlungen unmöglich. Die Entente und die Bereinigten Staaten ließen ihre lebhafte Bereit­willigkeit zu einem gerechten Frieden er. kennen und gleichzeitig auch die wesentlichen Grundlage», auf denen dieser Frieden aufgebaut sein mutz. Über diese Punkte sagt die österreichische Note nicht ein Wort, besonders auch darüber nicht, was sich auf die unmittelbaren italieni­schen Ansprüche bezieht. Diese sind der österreichischen Regierung wohl bekannt, ebenso wie sie von den Alliierten anerkannt wurden. Sie schließen in sich die Erfüllung der völkischen Einheit durch Freigabe jener italienischen Volks­stämme ein, die bis jetzt unter Österreich standen, sowie di? Verwirklichung der Bedingungen, die für Italiens Sicherheit unumgänglich notwendig sind. So bange die österreichische

Regierung nicht zeigt, daß auch sie die'e besonderen Ziele anerkennt, ebenso wie die anderen allgemeinen und beson­deren Ziele, für die alle Alliierten vereint kämpfen, so lange wird Italien nicht vom Kampf aklaffen, um die Menschheit zu einer befferen gesicherteren Grundlage zu führen, ducch cinen dauernden Frieden, der aus Freiheit und Gerechtigkeit errichtet ist.

Gar keine Aussichten!

— Berlin, 19. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die öster­reichisch-ungarische Friedensnote hat bisher im feindlichen Ausland eine Behandlung erfahren, auf Grund deren die „Germania" sagt: Es sind gar keine Aussichten vorhanden, datz die von Bnricm vorgeschlagene Aussprache zwischen den kriegführenden Mächten erfolgen wird. Ms unmittelbares Er­gebnis bliebe dann die Feststellung übrig, datz unter den gegen­wärtigen Verhältnissen noch immer nicht über den Frieden verhandelt werden kann. Wenn Wiener Blätter betonen, ein Erfolg sei auf alle Fälle sick-cr. nämlich der, datz die feind­lichen Regierungen vor ibreri Völkern die Verantwortung für die Zurüchr-eisung übernvhnien, so könnte man über den Wer: dieser Wirkung eine andere Auffassung haben. Bei der gegen die Mittelmächte, und besonders gegen Deutschland. geschürten Erbitterung würden die Herren Wilson, Lloyd George und Elcmenceau es eher als besonderes Verdienst betrachten, die Friedensnote abzuweisen und es werde ihnen von der über­wiegenden Mehrheit der feindlichen Blätter zweifellos auch als Verdienst angerechnet. Nebenbei bemerkt die ..Germania' noch, datz die Note vorher in Berlin bekannt gewesen sei, mau habe hier aber die Verantwortung für einzelne Formulierun­gen nicht übernehmen können und die Wiener Regierung allein Vorgehen lasten.

W. T.-B. Bern, 19. Sept. Aach der amerikanischen Ab­lehnung ist, wie das „Berner Tagblatt" ausführt, die Burian- Note gegen st andslos geworden, denn es sei klar, datz es dabei nur aus Wilson ankam. Wäre Wilson seinen schönen Reden getreu als Friedensfreund aufgetreten, so hätte die Entente gar nicht gewagt, etwas dagegen zu sagen. Eine furchtbare Verantwort rüg falle somit auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Sckleier sei endlich gefallen; die Welt erkenne, datz Amerika die Vernichtung zweier g-otzer europäischer Völker sich zum Ziele genommen habe.

W. T.-B. Bern» 19. Sept. Der „Secolo" glaubt, datz die Erklärung Lansings das Todesurteil des Wiener Ver­suchs- bedeute. — Im allgemeinen wird von der italienischen Presse eine rasche Gesamtnote der Entente verlangt, die jedoch an die feindlichen Völker gerichtet sein müsse. Im übrigen bleiben die Kommentare schroff ablehnend, sie werden nur umfangreicher.

Weitere ablehnende Pressestimmen aus England.

IV. T.-B. London, 18. Sept. „Daily Chronic!e" schreibt: Es ist jetzt sicher, datz der österreichisch-ungarische Vor­schlag zurückgewiesen wenden wird. Die Ententemächte müssen von dem Beispiel Wilsons beeinflutzt werden, sie sind aber doch verpflichtet, eine eingehende Antwort zu geben. Sie schulden es sich, den Völkern und den Demokratien der Welt zu zeigen, daß sie nicht von einem imperialistischen Ehrgeiz beseelt sind und keinen Grund haben, Deutschland zu vernichten. Die Ant­wort mutz den Völkern Deutschlands und Österreich-Ungarns Hoffnung und nicht Verzweiflung bringen. — Die „M or - ning Post" sagt: Balfrur hat im wesentlichen das gleiche gesagt wie Wilson. Wenn kein Mißverständnis zwischen den Kriegführenden vorhanden wäre, könnte eine Diskussion nütz­lich sein, der Krieg bedeutet aber Gegensätze in den Anschau­ungen, zwischen denen ein Ausgleich unmöglich ist. Der Feind nimmt entweder die auferlegten Bedingungen an oder nicht. Was ist darüber noch zu reden. — „Daily News" schreibt: Wilson verweist in seiner Zurückweisung der Vor­schläge praktisch auf seine 14 Punkte. Es ist Sache der Alliier­ten, insgesamt der amerikanischen Führung zu folgen und die formale Annahme der 14 Punkte zu fordern.— Die „Time s>" schreibt: Wilsons überzeugende Antwort aus die Einladung -Durians ist, wie sie sein sollte und wie, -wie wir nicht zweifeln, auch die Antwort der Entente sein wird. Wenn Deutschland selbst kommt und das fertige Urteil der Alliierten und der Ber­einigten Staaten über die Ergebnisse des Kriegs -annimmt, das Deutschland in der Antwort der Alliierten auf di« deutsch­österreichisch-ungarische Friedensnote vom Dezember 1916 mi-t- g-etcilt wurde, dann wird es für die Alliierten angemessen sein, ihre Ansichten hinsichtlich der Friedenskonferenz auszu- sprechen.

Eine vernünftige französische Stimme.

Sr. Bern, 19. Sept. (®iq Drahtbericht, zb.) Jeder ver­nünftige Franzose fühl», wie sein Herz höher schlägt, schreibt der „Populaire" in seinem Artikel vom 17. September, aber, so fährt das Blatt fort, allo Vernünftigen werden gleichzeitig mit tiefer Entmutigung aus ihren Zeitungen gelesen haben, daß die österreichische Einladung von den Alliierten zurück­gewiesen werden wird. Die Presse lehnt diese Einladung ab, diese Macht des Bösen in der Finsternis, der Infamie, die nie genügend deutlich gebrandniarkt werden kann. Aber diesmal müssen die Alliierten antworten, wie sie schon — und das wäre noch besser gewesen — vor einigen Monaten auf eine gewisse Anregung hätten antworten müssen. Aber es genügt nicht, Karl I. als eine Puppe. Burian als einen falschen Heuchler darzustellen. Man mag über Habsburger und Hohenzollern denken, was man will, sicher ist, daß sie die Initiative zum Frieden ergriffen haben und datz dieses Wort nicht ausgesprochen werden kann, ohne tiefen Widerhall zu wecken. Unsere Antwort muß die Möglichkeit des sofortigen Friedens erwägen und seine wesentlichen Bedingungen genau augeben. Sie mutz die Gefühle der Volks müssen wieder- geben, nicht aber Begierden des Besitzenden. Das Ende des Artikels und einige Stellen im Innern sind von der Zensur gestrichen.

Heftige Teilangriffe der Engländer abgewiesen.

W. T.-B. Berlin, 19. Sept.. abends. (Amtlich. Drahtbericht.)

An der gestrigen Schlachtfront zwischen dem Walde von Havrincourt und der Somme beschränkte sich der) Engländer auf heftige Teilangriffe, die überall abgewiesou wurden. -

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Fernbeschiehung von Metz.

W. T.-B. Metz, 19. Sept (Drahtbericht.) Die hiesigen Zeitungen bringen die amtliche Mitteilung, in der es heißt: Seit mehreren Tagen beschießt d«^ Feind Metz aus einem weittragenden Geschütz. Diese Beschießung ist alle Jahre hindurch, die der Krieg schon dauert, stets möglich gewesen und wurde lange erwartet. Die modernen Geschütze haben eine weit größere Tragweite als etwa die Ent­fernung von Pont-a-Mousson nach Metz. Die jetzige Beschießung hängt also keineswegs damit zusammen, datz der Feind nach unserer Räumung des St. Mihiel-Bogens der Stadt näbergekommen ist. Sie ist nur eine Begleiter­scheinung der letzten Kämpfe westlich und südwestlich von Metz und wird bald aufhören, wenn diese sich erst sestgelaufen haben. Daher sind auch vom Gouvernement keinerlei Ände­rungen in den Bedingungen über die Ein- und Ausreise aus dem Gouvernement Metz erlassen.

Zur Anwesenheit des türkischen GrotzwesirS im Hauptquartier.

W. T.-B. Konstantinopel, 18. Sept. Der „Tanin" bezeich­net es mit großer Befriedigung, daß Kaiser Wilhelm beim Empfang des Grohw-esirs im .Hauptquartier türkische Mar­schallsuniform trug u-nd dadurch seine herzliche Gesinnung gegenüber >der Türkei bewies.

Rußland.

Verhaftung von Ententegesandten.

— Berlin, 19. Sept. (zb.) Wie dem „B. L.-A." aus Petersburg berichtet wird, sind die Ententegesandten am rumänischen Hof in Jassy, die nach dem Friedens- schlutz zwischen Rumänien und Deutschland nach Rußland ge­kommen -waren, hier aus Anordnung der Bolschewiki-R-egie- rung verhaftet worden. Es handelt sich hierbei um den Ver­treter Englands, den der Vereinigten Staaten und die Ge­sandten Frankreichs und Italiens.

Die Lage im Uralgebiet.

W. T.-B. London, 18. Sept. (Reuter.) Die „Daily Mail" erfährt aus Wladiwostok vom 14. September, daß das erste direkte Telegramm aus Ufa eingetroffen ist. In diesem Tele- gramni teilte der frühere Minister im Kabinett Kerenski Asksentiew dem Befehlshaber der Alliierten mit, datz die Kosakenführer aus den Distrikten Schutsk, Astrachan, Oren- burg, Semir und Dsche-ntschensko mit den Tataren in Ufa Zu­sammenkunft abhielten. Die Abgeordneten der gesamtrussi­schen konstituierenden Versammlung, Vertreter der Städte in Sibirien und im Wolgadistrikt, ebenso wie die Regierungen vom Ural und -Estland waren anwesend. Zweck der Konferenz war die Bildung einer Regierung für Rußland.

Ein polnischer Protest in Moskau.

W. T.-B. Warschau, 19. Sept. Die Warschauer Presse ver- öifentlicht folgendes Telegramm L e d n i ck i s aus Moskau au das Staatsdepartement in Warschau: In allen Fällen, in denen unseren Staatsbürgern Gewalt angetan wurde, insbe­sondere anläßlich der Erschießung der Brüder Lutosla-wski, proteistierte ich. Das Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten erließ ein Dekret, das die Ver­haftung fremder Staatsangehöriger verbietet, trotzdem finden Verhaftungen unserer Staatsbürger immer noch in ganz Ruß­land statt. Insgesamt wurden acht Polen erschossen. Viele sind bereits durch Schutzbriefe gerettet.

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Deutschland und die Ukraine.

Depeschenwechsel zwischen Skoropadski und Kaiser Wilhelm.

W. T.-B. Berlin, 19. Sept. (Diahtbericht.) Der H-etma n aller Ukrainer Skoropadski ist von dem Besuch in Deutschland wie-der nach der Ukraine zurückgekehrt und in Kiew einge- troffen. Von der R-eise sandte er folgendes Telegramm an den Kaiser: In dom Augenblick, in dem ich Deutschland ver­lasse, darf ich Eurer Majestät meinen tiefgefühltesten Dank aussprechen für den gütigen und herzlichen Empfang. Die großen und schönen Eindrücke, die ich gewonnen, werden mir unvergeßlich bleiben. Sie bestärken mich aufs neue in der Überzeugung, datz mit Hilfe des mächtigen Deutschen Reichs die junge Ukraine zu einem arbeitsamen starten Staat sich entwickeln wird zum Segen weiter Völker.

Der Kaiser antwortete: Eurer Durchlaucht danke ich bestens fiir das freundliche Telegramm von gestern. Es ge­reicht mir zur großen Freude, daß Eure Durchlaucht befrie­digende Eindrücke mitgenommen und insbesondere sich per­sönlich davon überzeugt haben, mit welchem Matz von Inter­esse und Sympathie bei uns das Wiede cerblühen des ukraini­schen Reiches verfolgt wird. Die Anknüpfung persönlicher Beziehungen für die maßgebenden Persönlichkeiten im Deut­schen Reiche wird, wie ich hoffe, das gegenseitige Vertraue» und Verstehen fördern und dadurch die weitere Zusammen­arbeit wesentlich erleichtern.