Verlag Langgasse 21
„TagblanhauS".
Kchalter-Haüe geöffnet von 8 Ildr morgens bis 7 Uhr abends.
wöchentlich
Bezugs-Preis für beide Ausgaben: Mk. 1.20 monatlich, Mf. 3.80 vierteljährlich durch den Verlag Lunggaffe 21 . ohne Bringer lohn. Mk. 4.65 vierteljährlich durch alle deutfchen Poftanftalten. ausjchliehlich Beftellaeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen, in Wiesbaden die Zweigstelle Bis. marikrtug IS, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatihaus" Ar. 8850-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.
Auzeigen-Preis für die Zeile: 25 Pfg. für örtliche Anzeigen; 35 Pfg. für auswärtige Anzeigen; 1.25 Alt. für örtliche Reklamen; 2.50 Mk. für auswärtige Reklame». — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entivrechender Nachlaß — Anzeigeu-Annahme: Für die Abend-Ausgabe bi« 12 Uhr mittags; für die Morgen-Ausgabe bi» 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgefchriebenen Tagen und Plätzen wird keine Bewähr übernommen.
W. 57, An der Apostelkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 u.tu
Mittwoch, 18. September 1918. _9lt. 436. - 66. Jahrgang.
Balsours Ablehnung der österr. Friedensnote.
XV. T.-B. London, 17. Sept. Bei dem Frühstück, das das Königliche Kolonialinstitut den britischen Pressevertretern gab, hielt B a l s o u r eine Rede, worin er (wie schon kurz in der beutigen Morgen-Ausgabe mitgeteilt) aus die österreichische Friedensnote einging Er sagte' Man mutz bsi meinen Ausführungen bedenken, dah sie innerhalb zweier Stunden, nachdem ich die Note aus der Presse kennen gelernt hatte, niedergeschrieben sind und datz ich keine Gelegenheit hatte, mich mit meinen Kollegen zu beraten. Was ich sage, mutz daher ausschliehlich als persönliche Äußerung eines Mitgliedes der Regierung angesehen werden. Ich will gleich ausfuhren, daß ich mit der österreichisch-ungarischen Note in der Meinung übereinstimme, dah die ganze Zivilisaticn auf dem Spiele steht. Was schlägt der Fe-nd vor, um den Zustand zu beenden? Nach meiner Ansickt folgendes: Keinen Waffenstillstand, sondern Anknüpfung von Besprechungen durch unverantwortliche Personem Ich verkenne nicht, datz eine solche Besprechung unter gewissen Umständen ein kostbares Mittel sein könnte, um zu einer Übereinstimmung zu gelangen.
Aber besteht auch nur die geringste Aussicht, daß unter den
gegenwärtigen Verhältnissen nutzbringende Besprechungen angebahnt werden können?
Ich kann das nicht einseben, wie lehr ich diese Verschlage auch günstig aufzunehmen wünsche. Während der ganzen vier Jahre haben die Deutschen weder durch ihre Regierung noch durch irgendein verantwortliches Mitglied ihrer Regierung Vorschläge gemacht, die man als ein Friedensangebot bezeichnen kann. So viel ich mich erinnere, kam niemals ein konkreter Vorschlag über Bedingungen, unter denen die Deutschen Frieden schließen wollten. Sind die denffche und die österreichische Regierung von der Überzeugung abgewichen, dah die Ehrerbietung vor den Rechten anderer Völker keineswegs mit ihren eigenen Rechten und legitimen Interessen unvereinbar ist? Das wäre die größte Annäherung seitens der beiden Regierungen. Es gibt sebr viele Fragen, über die ich Besprechungen für unschätzbar halte Aber nähern wir uns dem Stadium, wo diese Frage entschieden werden kann? Ich fürchte, nein. Bevor wir in dieses Stadium eintreten, sind noch g r ö h e r e Fragen zu entscheiden. Über diese grötzeren Fragen ist kein Irrtum möglich. Die abweichenden Haltungen der Regierungen sind nicht mihzuversteben. Ihre Stellung ist mir völliger Deutlichkeit mitgeteilt. Was nützt es dann, in unverantwortliche Besprechungen einzutreten? Lasten Sie mich das an der gegenwärtigen Lage erläutern. Bevor wir das österreichische Anerbieten über Be- sprechungen nichtoerantwortllcher Personen erfuhren, lasen tDtt
die amtliche Erklärung des deutschen Vizekanzlers.
Er hielt eine lange Rede, in der er sich vollkommen deutlich und durchaus unmißverständlich über verschiedene wichtige Fragen äutzerte. Kannten die amtlichen Stellen in Wien, die Verfasser dieser Note, die Rede des Vizekanzlers oder kannten sie sie nicht? Er ist Vizekanzler zum Teil deswegen, weil er der Vertreter des deutschen Liberalismus ist, besonders weil man glaubt, datz er die Gunst der R e i ch s- tagsmehrheit besitzt. Deswegen spricht er nicht für die Extremisten, sondern für den liberalen Flügel der Regierung. Er ist vollkommen deutlich. Nehmen Sie zuin Beispiel Belgien. Er gebrauchte merkwürdige Worte, aber ich nehme an, dah er sagen wollte, Deutschland fühle, dah es wirklich die Unabhängigkeit Belgiens wiederherstellen mühte. Deutschland sagt nicht ausdrücklich, datz es irgend etwas tun muh, um die Wohlfahrt Belgiens wiederherzustellen oder datz es den Ländern, die es verwüstet, tyrannisiert und beraubt hat, Entschädigungen geben wird, aber es scheint, datz, wenn Belgien zustimmen will, gewiffe Änderungen in seinen inneren Verhältnisten vorzunehmen, es seine Unabhängigkeit zurückerhalten kann. Ich glaube, das ist die deutlichste Erklärung, die wir bis jetzt über diese Frage von irgendeinem deutschen Regiernngsvertreter gehört haben. Achten Sie darauf, datz sie ausdrücklich zurück- w e i st, was wir für eine Selbstverständlichkeit halten, nämlich
die Wiederherstellung und Entschädigung von Belgien, das so unerhört behandelt worden ist. Deuffchland hat jetzt der Bolschewiki-Regierung 300 Millionen Pfund Entschädigung für Verluste abgerunqen, die es seiner Ansicht nach von Rutzland erlitten hat. Nur möchte ich gern wissen, was für Unrecht Rutzland Deutschland getan hat, das mit dem deutschen Unrecht an Belgien verglichen werden könnte. Sollen wir es ernst nehmen, datz Deutschland 300 Millionen von Rutzland nimmt und keinen Schilling Entschädigung an Belgien gibt? Wenn das die Meinung der deutschen Regierung ist, so kann keine Besprechung etwas nutzen. Es ist ein deutlicher und klarer Unterschied der Anschauungen und eine Besprechung würde Schwierigkeiten dieser Art nur stärker hervortreten lasten, aber sie könnte sie nicht entfernen. Dann scheint Deutschland auf
der Rückgabe der denffchen Kolonien zu bestehen. Ich werde diele Frage nicht diskutieren, aber ich sage auch hier wieder nachdrücklich, das ist eine Frage, worin ein Mißverständnis nicht obwalten. kann, wobei die Deutschen auf der einen Seite stehen und wir auf der andern. Ich halte es für unmöglich, datz irgendwelche Besprechungen so grohe Schwierigkeiten Überdrucken könnten. Oder Deuffchland die Macht iiver jene unglücklichen Bevölkerungen zurückzugeben, die es mißbraucht hat, die Deutschland wieder die Kontrolle über jene Flottenstützpunkte geben könnte, die es nicht nur zum Kontrollen der Verbindungslinien zwischen einem Teile des /britischen Reiches machen würde, sondern auch zum Herrn der Linie und de§ ganzen Verkehrs. (Beifalls Wie soll da durch Besprechungen eine Ksnigunz erzielt werden ? Ich weiß es nicht.
Elsaß-Lothringen
ist ein anderer Punkt. Deutschland erklärte in den letzten Wochen ausdrücklich durch seinen Vizekanzler, dah es nicht beabsichtige, die Grenzen des Deutschen Reiches zu ändern oder deutsches Gebiet aufzugeben, in dem unter allen Umständen auch Elsaß-Lothringen einbegriffen sein wird. Wie kann eine Besprechung in diesem Falle Erfolg haben? Ich vermag es nicht zu sehen. Dann nehmen Sie Deutschlands ungeheuerliche Ansprüche im Osten Europas. Der liberale deutsche Vizekanzler hat erklärt, datz das Schicksal Polens und das Schicksal derjenigen Völker, die der Ostgrenze Rußlands benachbart sind, sowie der Friede von Bukarest, der Rumänien in die Lage eines Vasallen bringt, in Kraft bleiben werden und datz Deutschland allein regeln wird, welchen Grad von Knechtschaft seinem östlichen Nachbarn auferlegt werden soll. Das ist endgültig und deutlich; ein Mißverständnis ist nicht möglich. Keine dialektische Gewandtheit wird Schwierigkeiten dieser Art mildern, bis diejenigen, die das Schicksal Deutschland? lenken, ob es das Hauptquartier, der Kaiser, Kanzler, Vizekanzler oder der Reichstag ish bereit sind aufrichtig zu sein oder wenigstens bereit zu einer Lösung sind, die in Übereinstimmung mit dem ist, was unsere Alliierten für eine Sache der Gerechtigkeit, Zivilisation, des Rechts und deS Friedens halten; so lange sind bloße Besprechungen nutzlos. Die Völker der Ententeländer wünschen ernstlich, ja sogar leidenschaftlich den Frieden, aber sie sind nicht so töricht, wie einige ihrer Kritiker bei den Mittelmächten anzunehmen scheinen. Sie wissen sehr wohl, dutz Deutschland bereit ist, die vorbandenen Probleme in einem Geiste anzusehen, der sehr verschieden ist von dem, der ihre Staatsmänner beseelt, weshalb Besprechungen nutzlos sein müssen. Deswegen bin ich zu dem Schluß gezwungen, daß, wenn sie solche Aorschläge Vorbringen, w:e diese, sic es nicht tun, weil solche Vorschläge angenommen werden würden und nicht, weil sie glauben, diese Vorschläge könnten etwa dazu beitragen, einen Alliierten von einem anderen zu trennen oder irgend ein? Meinungsverschiedenheit, die unter den Alliierten bestehen könnte, zu verschärfen und auf diese Weise das gemeinsame Bemühen um den Sieg, das sich jetzt an allen Fronten— in Frankreich, Italien, Mesopotamien, wie in Rutzland — zeigt, zu schwächen. Ich bin mit großem Widerstand, aber fast ohne Zweifel zu der Schlußfolgerung geneigt, datz dieser Vorschlag nicht ein Versuch ist, zu einem Verständigungsfrieden zu kommen, sondern ein Versuch, um die Kräfte zu schwächen, die sich an der Front als zu stark für sie erweisen, indem man auf diejenigen ehrenhaften und doch irregeleiteten Gefühle zu wirken versucht, die nach ihrer Ansicht in allen Ländern bestehen und welche glauben, eine Wirkung zu ihren Gunsten herbeizuführen, die ihren Absichten dienen soll.
Der Vorschlag kann den Frieden nicht bringen, und ich bin so gut wie sicher, daß er keine Uneinigkeit unter den Alliierten Hervorrufen wird. Ich glaube, datz in vollstem Ratze gegenseitiges Vertrauen herrscht. Alles, was dieses Land tun kann, ist geschehen und wird geschehen, um jich ein gegenseitiges Vertrauen zu erhalten. Wenn der deutsche Versuch beabsichtigt, sich in Präsident Wilsons Farben zu kleiden, oder eine Rolle zu spielen, von der er annimmt, datz sie Wilson gefällt, so ist er sebr plump, weil er unaufrichtig ist. Wie er sich auch kleiden mag, die gepanzerte Faust kommt immer wieder zum Vorschein, und sicherlich sind auch diejenigen im Recht, die glauben, datz Verhandlungen niemals wirksam oder nutzbringend sind, bis diejenigen, die für die deutsche Politik verantwortlich sind, verstehen, datz durch bloßes Leihen oder die geschickte Anwendung von Wilsons Worten durch ihre Politik in demselben Augenblick, wo sie überall den Lehren Wilsens zuwiderhandeln, auch nicht der einfachste Bürger in den alliierten Ländern irre- gesübrt werden'kann. Daher werden Sie nach dem, was ich sagte, bald zu dem Urteil kommen, daß es beinabe nicht zu glauben ist, datz dieser Vorschlag irgendwelche nützliche Folgen haben kann. Je mehr dieses Dokument im Zusammenhang mit der deutschen Handlungsweise und den deutschen Äußerungen betrachtet wird, desto mehr ist ersichtlich, datz dieser Plan keine andere Wirkung haben kann, als Hoffnungen zu erregen, deren Verwirklichung unmöglich isr. Und er bringt uns dem leidenschaftlich ersehnten Frieden nicht näher, der nicht nur den Leiden, die wir durchmachen, ein Ende bereitet, sondern uns Bürgschaften bringen soll, datz unsere Kinder nicht dieselben Leiden erdulden. (Langer Beifall.)
Während in Berlin unter den Reichstagsparteien noch die Verhandlungen hin lind her gehen und manftich über die Modalitäten einigen will, unter denen der politische Betrieb wieder ausgenommen werden soll, wäh- rend man sich dort im Kleinkrieg törichresten Parteiengezänkes erschöpft, scheint im Rate der Entente also be- reits entschieden zu sein, welche Antwort auf den Vor- schlag des Grafen Burian erfolgen wird. Balfour erklärt zwar seine Ausführungen ohne Fühlung mit den eng- lischen Ministerkollegen innerhalb zweier Stunden improvisiert zu haben; aber die Taktik der Entente gegen- über der österreichisch-ungarischen Note legt er doch schon so weit hinreichend fest, daß wir uns aus seiner Er- klärung wie aus den weiteren unten wiedergegebcnen englischen Preßstimmen nunmehr ein klares Bild über die Wirkung der Note Burrans machen können. Es sieht in allen wesentlichen Punkten leider genau so aus, wie wir es von Anfang an befürchtet haben. Der neue Wiener, ohne Fühlung mit Berlin unternommen^ Schritt ist ein n e u e r S ch l a g ins Wasser, der der Sache der Mittelmächte wieder nur lediglich
Schaden bringt. Es ist keine Annehmlichkeit, das an der Hand der Rede Balsours nun feststellen zu müssen. Aber wir können den Kopf doch nicht in den Sand stecken, sondern müssen die Dinge so ansehen, wie sie wirklich sind. Aus Paris, aus Washington — Wilsons neue hochtrabende Antwort unten sagt genug —, aus London, überall ist das Echo dasselbe, überall ein hochfahrendes Nein. Einen geschickteren Augenblick hätten unsere verehrten österreichischen Bundesbrllder sich schwerlich aussuchen können. Zwar sind freilich die Staatsmänner der Alliierten zu klug, um sich — aus innerpolrtischen Gründen — aus eine formlose Absage einzulassen, sie tun das, was sie ein „gewissenhaftes und sorgfältiges Prüfen des gegnerischen Angebotes" nennen. Das heißt, äußerlich beraten sie scheinbar ernsthaft den Wiener Vorschlag miteinander, allein ihr Entschluß ist bereits gefaßt und er lautet eben nicht anders, wie er vorausgesehen werden konnte, nämlich: Ablehnung! Das Programm der Entente lautet ungeändert: Sieg bis zur Niederlage des Gegners! Seit den letzten zwei Jahren sind eine Reihe von Friedensangeboten von seiten der Mittelmächte an die Entente erfolgt und jedes dieser Angebote war um etliche Grade gegen die früheren herabgesetzt. Die Entente sieht also ganz deutlich, daß sie, j e l ä n g e r der Krieg dauert, den Frieden zu um so günstigeren Bedingungen für sie erlangen wird. Das alles ist geschehen und geschieht noch heute, obgleich die Truppen der Mittelmächte tief drinnen'in Feindesland stehen, obgleich sich an die Waffen der denffchen Armee eine Reihe von Siegen geheftet haben, denen die Gegner auch nicht einen annähernd gleichwertigen Erfolg an die Seite stellen können. Trotzdem hat man niemals davon gehört, daß die Gegenseite in so düsterer Stimmung gewesen wäre, um mit Friedensangeboten an die Mittelmächte heranzutreten, ganz im Gegenteil, sie hat bisher in dieser Frage stets den schroffsten Standpunkt einqenommen. Pessimismus. Mutlosigkeit, Nörgelei und Friedensbeltelei sind a u s- schließlich auf unserer Seite zu finden, ein Ve» halten, das so gar nicht im Einklänge mit den tatsächlichen Erfolgen steht, ja ihm geradezu widerspricht.
Während auf den Schlachtfeldern die ungeheuersten Leistungen vollbracht wurden, ist die Diplomatie der Mittelmächte Schritt für Schritt zurückgewichen, hat eine Position nach der anderen geräumt und, nachdem sie während des ganzen Krieges schon immer in der Defensive sich befunden hatte, scheint sie jetzt sich dazu anzuschicken. über Hals und Kops idie Flucht zu ergreifen. Was Wunder, daß die Ententediplomatie eine kräftige Verfolgung aufnimmt, nunmehr von einem Ausgleich, einer Versöhnung, von irgendwelcher Nachgiebigkeit, von einer Verständigung nichts wissen will, da sie ja mit dem gegenteiligen Verfahren bisher die besten Erfolge erzielt hat. Neuerdings erschallt von drüben her in der Antwort Wilsons der Ruf, daß die Mittelmächte auf Rücksichten und auf Gnade nicht zu rechnen hätten, daß sie sich entweder völlig unterwerfen müßten oder anderenfalls eben vernichtet würden und — der brave deutsche Spießer, der daheim hockt und über die Not der Zeiten jammert, wird wiederum erschrecken, die Hände über den Kopf zusammenschlagen, zu jainmcrn beginnen und sagen: „Wie soll dies nur alles enden?" Merkt denn niemand, daß in dieser Methode, durch Worte und durch diplomatische Handlungen, den Gegner auf den Kopf zu schlagen, ein wohldurchdachtes S y st e m liegt, ein System, das darauf hinausläuft, den Krieg, der durch die Waffen zugunsten der Entente nicht entschieden werden kann, eben durch Worte zu gewinnen, durch Manöver, durch Propaganda, durch Lügen und durch Erklärungen, von denen man sich — leider mit Recht — sugge/tiven Einfluß versprechen darf. Wie überflüssig jeg- lichesFriedensan gebot gewesen ist — von demjenigen des Dezembers 1916 augefangen, über die bekannte Reichstagsresolution vom Juli 1917 bis zur Note Burians —, hat man ja zur Genüge erfahren müssen und es läßt sich keine größere Torheit denken, als diese fruchtlosen und schädigenden Versuche zu wiederholen. aus denen niemand mft der qanzen Welt die Friedensbereitschaft mird herauslesen wollen, sondern man sie stLndia als Schwächezeichen ausgelegr. gedeutet und dementsprechend verwertet hat. Es ist doch wahrhaftig verkehrte Welt, wenn die siegreichen Mittelmächte unausgesetzt um Frieden bitten, dis unterlegenen Gegner aber die stolzen Herren spielen, die den Zeitpunkt noch nicht für gekommen erachten, um „nachzugeben". Was uns auf das allerd ringendsw nottut, das sind keine neue Friedensanaebote und Burian-Noten, sondern das ist die Hinweg, räumung aller inneren Schwierigkeiten, die schleunige Erledigung der preußischen Wahl- reformfrage voran!, das ist die W l e d e r h e r st e l- lung der geschlossenen, inneren, einheit- lichen Front, des einmütigen Willens rum.
