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Mittwoch, 18. September 1918.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 433. ♦ 68. Jahrgang.
Eine gemeinsame Antwortnote der Alliierten?
Br. Rotterdam, 17. Sevt. (Eig. Drabtbericht. zb.) Der parlamentarische Berichterstatter der „Daily New s" erfährt aus diplomatischen Kreisen, daß die Alliierten eine gemeinsame Note verfassen werden, welche die durch die ö st e r- reichische Note und andere Friedensversuche geschaffene Lage aufklären will. Man nehme den Standpunkt ein, daß die österreichische Rote unbestimmt sei und ein Antrag, Besprechungen «in.suleitcn, in jedem Fall von Deut s ch- l a n d kommen müsse, weil Deutschland der Hauptgegner sei. Weiter wird betont, daß die Vereinigten Staaten nicht gewillt sind, einen Frieden anzunehmen, der den Osten Lern Westen opfern würde und daß die Alliierten die Aufhebung der Verträge von Brest-Litowsk, die Räumung Serbiens, Rumäniens, Montenegros, Nordfrankreichs und Belgiens fordern müssen. In französischen diplomatischen Kreisen nehme man den Standpunkt ein, vatz di« österreichische Note eine Kriegslist zu dem Zweck sei, die Alliierten zu spalten. Der Erklärung Balfours werde eine positive Äußerung aus Paris folgen. In den politischen Kreisen'Londons meint man, so schließt der Mitarbeiter der „Daily News", daß die Note, weil sie Deutschland nicht binde, wertlos sei und daß, wenn sie Deutschland binden solle, sie auch von Deutschland auSgehen müsse.
Br. Haag, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Reuter meldet aus London: Die Antwort der Alliierten ist in den » ä ch st e n T a g e n zu erwarten. Man erhofft wenig Gutes von einer Konferenz, wenn die Zentralmächte nicht zuvor einige Punkte annehmen, so eine Schadensersatzleistung für Belgien und für Serbien.
B. A. Berlin, 17. Sept. :Eig. Drahtbericht, zb.) Die bisher eingegangenen Antworten auf die österreichisch-ungarische Note tragen bisher noch keinerlei amtlichen Charakter. Sie müssen daher mit aller Zuruckhaltung ausgenommen werden. Bon englischen Prcssestimmen haben lediglich der „Manchester Guardian" und dre „Daily News" sich nicht unbedingt abweisend verhalten. Es muß jedoch immer berücksichtigt werden, daß gerade diese liberale Presse, die in früherer Zeit für die öffentliche Meinung maßgebend war, heute gegenüber Lloyd Georges und Northcliffs Stimmungsmache leider nur ganz geringen Einfluß ausübt.
Die Meinung in Paris.
IV. T.-B. Paris, 17. Sept. (Drahtbericht. Havas.) Der österreichisch-ungarische FciedenSvorfchlag, welcher am späten Nachmittag in Paris bekannt wurde, verursachte in politischen Kreisen, wo er als Erkenntnis der durch die Alliierten seit zwei Monaten erzielten militärischen Erfolge betrachtet wurde, keine größere Überraschung. Die Lag« habe stch in der Tat in der letzten Zeit sehr geändert und es bestehe ein , großer Abstand zwischen dem gegenwärtigen Vorschlag und der Rede des Kaisers über seine Auffassung des preußischen Friedens. Der allgemeine Eindruck ist, daß die neue Friedensoffensive unter den gegenwärtigen Umständen nicht zum Ziele kommen dürfte. Im P a l a i ö Bourbon, wo trotz des Sonntags einig« Abgeordnete erschienen waren, wurde erklärt: Die Kriegsziele Frankreichs und die der Alliierten sind bekannt, nämlich Unversehrtheit des Vaterlandes, das Gleichgewicht der Welt, Befreiung aller unterdrückten Völker und Wiedergutmachung angerichteten Schadens. Inmitten aller Wechselfälle des Krieges, so sagten die Abgeordneten, bat sich das Programm Frankreichs nicht geändert. Unsere Feinde beginnen heute zu wanken. Sie glauben nicht mehr an den Frieden durch den Sieg der Waffen. Wir sind anderer Meinung. Frankreich und die Alliierten zweifeln nicht, baß ihre siegreichen Armeen die Verwirklichung des Programms sichern werden, dessen Änderung nicht in Frage kommt. Daß unsere Feinde diese Bedingungen annehmen, dazu ist die Anberaumung einer internationalen Konferenz nicht notig. Das „Echo de Paris" schreibt: Voraussichtlich wird
Spanien den Kabinetten in London und Paris die österreichische Friedensnote übermitteln. An ihrer Ablehnung durch Frankreich, die Vereinigten Staaten, England und die ü bri gen A lli ie r ten ist ni ch t zu zweifeln. Aber es ist zweifelhaft, ob diese Ablehnung formuliert werden wird. Clemenceau und Pichon, die von Paris abwesend sind, wurden sofort von dem österreichischen Schritt verständigt. Nach „Petit Pärchen" werden sich die alliierten Regierungen übec eine passende Antwort verständigen, wobei ste sich mehr an die Völker des Vierbundes als an ihre Leiter wenden werden.
Zusammentritt der Berbandskanferenz in Paris.
Sr. Genf, 17. Sept. (Eig. Drabtbericht. zb.) Die Pariser Zeitungen melden den Zusammentritt der Vcrbandskonferenz rn Paris. Orlando und die italienischen Vertreter sind bereits am 14. d. M. früh in Paris eingetroffen. Sonnino nimmt an den Besprechungen nicht teil.
Balfour. hegt nicht die leiseste Hoffnung!
W. T.-B. London, 17. Sept. (Drahchericht.) Bei einem Festessen der Presse besprach Balfour die österreichisch-ungarische Note und sagt« u. tu: Er sehe in den gemachten Vorschlägen nicht die leiseste Hoffnung, dah das Friedeusziel wirklich erreicht werde. Der Tenor seiner Rede war, daß diese Borschläge zu nichts führen können.
Ablehnung auch in Amerika.
W. T.-B, New York, 17. Sept. (Drcchtkbericht. Reuter.) Di« öffentliche Meinung in den Zeitungen der V«- einigten Staaten verwirft mit wenigen Ausnahmen unzweideutig den österreichischen Friedensvorschlag. Sowohl dre Demokratrschen wie die vepubirksAischen Mitglieder des Kon
gresses stehen der Annahme des österreichischen Vorschlags unter den gegenwärtigen Verhältnissen in gleicher Weise ablehnend gegenüber. Senator L o d g a, der darüber befragt wurde, sagte, er sei nicht der Meinung, daß der Friedensbewegung irgend welche Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. Der Vorsitzende des Ausschusses des Senats für die auswärtigen Angelegenheiten Hitschoock erklärte, das Friedensangebot wäre lächerlich in der jetzigen Zeit. Er riet, Amerika und die Alliierten sollten bis zum militärischen Triumph kämpfen, welcher die vollständige Niederlage des Feindes bedeute. Der Vorsitzende des Ausschusses für die militärischen Angelegenheiten im Repräsentantenbaus der Abg. D o n t sagte, das Anerbieten bedeute ohne Zweifel, daß Deutschland geschlagen sei. Er sei oegcn eine Konferenz. Es fei denn, daß man darunter verstände, der Krieg solle weitergehen, bis der Friede diktiert werden könne.
Ein gemeinsamer Friedensschritt der Neutralen?
Br. Genf, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach schweizerischen Meldungen spricht man in der Schweiz von einem ge- nleinsamen Friedensschritt der neutralen Regierungen. Im Berner Bundeshaus wird die Meldung weder bestätigt noch bestritten. Die schweizerischen Blätter deuten ebenfalls an, daß mit einer Friedensaktion des Papstes zu rechnen sei.
Sr. Stockholm, 17. Sevt. (Eig. Drabtbericht. zb.) Die Wiener Note fand in dem den Frieden herbeijehnenden Schweden die allerbeste Aufnabme, trotzdem die Meinungen iller ten Erfolg der österreichischen Initiative geteilt sind. Allgemein wird die geschickte und taktvolle Art der Note her- vocgehoben, welche das Einlenken erleichtere. Während vielerseits angenommen wird, daß der Schritt seitens der Entente nur zum Zweck der Kriegshetze unter der kriegsmüden Bevölkerung ausgenützt werde, erwecke die Note aber doch in ernsten politischen Kreisen auch benrerkenswerten Optimismus. Die strengnationale ..Stockholms Tid- ningen" meint, in den letzten Wocben sei das Waffenglück Deutschland nicht günstig gewesen, doch wisse die Entente sicherlich, daß es noch ein weiter, unsicherer Weg sei bis zum Einsturz der Westfront und daß dieser Weg durch Ströme von Blut erkauft werden müsse. Falls die neutralen Staaten etwas für den Erfolg der Bemühungen tun könnten, sollten sie sich der Aufgabe nicht entziehen
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Angebliche deutsche Fühlungnahme in Belgien.
B. A. Berlin, 17. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.) Eine Reuter-Meldung weiß von einem angeblichen deutschen Schritt Belgien gegenüber zu erzählen, durch den Belgien gewisse Zukunftsgarantien gegeben werden, wenn cs sich zu einem Verstänitzigungsirieden bereit erklärt. In Berlin ist von einem solchen Schritt der kaiserlichen Regierung nichts bekannt. Inwieweit eine unverbindliche Fühlungnahme mit belgischen Kreisen zu dieser Nachricht Anlaß gegeben hat, entzieht sich unserer Kenntnis.
Italienische Sturmangriffe gescheitert.
W. T.-B. Wien, 17. Sept. (Drabtbericht.) Amtlich verlautet vom 17. September: Zwischen der Brenta und dem Monte Solarolo setzten die Italiener gestern früh nach, starker, bis zum Trommelfeuer gesteigerter Artillerievorbereitung znm Angriff an. Ihre Sturmkolonnen wurden im Brentatal und vom Col Caprile durch unser Feuer zurück- getrieben. Auf dem Asolone vermochten sie unter Wirkung unserer Batterien ihre Gräben überhaupt nicht zu verlassen. Auf dem Monte Pertica. dem Solarolo und auf dem Taffonrücken kam cs zu erbitterten Kämpfen, in denen der Feind gleichfalls restlos weichen mußte. — In anderen Abschnitten vielfach lebhafte Fliegertätigkeit.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei den österreichisch-ungarischen Truppe» keine größeren Kampfhandlungen.
Albanien.
Bei Pojani scheiterten erneute italienische Borstöße.
Der Chef des Generalstabs.
Ein amerikanisches Flugzeug abgefchossen.
IV. T.-B. Wien, 17. Sept. (Drcchtbericht.) Vom Kriegs- Ministerium. Marinesektion, wird verlaukbart: An 15. September, mittags, versuchte ein amerikanisches Landkampsslugzeug die Anlagen von Fiume zu erkunden. Es, wurde in großer Höhe von einer Marineabwehrbatterie getroffen und stürzte brennend ab. Der Rest des Flugzeugs wurde geborgen.
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Die ungarische Wahlreform.
Krisengerüchte.
Nr. Wien, 17. Sept. (Eig. Drahtbcricht. zb.) Der ungarische Ministerpräsident Wekerle ijt' heute in Wien eingetroffen, um von dem Monarchen die Sanktion der Wahlreform zu erwirken. Diese Reform ist nämlich bis heute noch nicht sanktioniert worden. Fn der Umgebung des Kaisers werden Bedenken laut, ob sie völlig den Wünschen entspricht, denen der Kaiser seinerzeit Ausdruck gegeben hat und ob die Reform als demokratisch genug angesehen werden könne. Wekerle will gleichzeitig dem Kaiser seine Pläne über die Mehrheitsbildung mit Graf Tisza vorlegen. Gegen dies« Pläne machen sich Widersprüche innerhalb des Kabinetts Wekerle und auch in der Umgebung der Krone bemerkbar. Namentlich der Ernährnngsminister Prinz Win- dischgrätz steht in einer gewissen Opposition gegen Wekerle. Wenn auch heute noch nicht von einer eigentlichen Krise gesprochen werden kann, so muß doch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß vielleicht in den nächsten Tagen Änderungen in der inneren Politik Ungarns vor sich gehen könne».
Die -Kämpfe der SowjeLtruppen.
Die Rätersgierung in Rußland steht noch immer in schwerem Kampfe auf verschiedenen Fronten gegen dis von der Entente unterstützten Feinde. Rach den letzten Nachrichten scheint st: aber einige Erfolg« erzielt und ihre- Stellung befestigt zu haben. Alle russischen Angaben, von welcher Seile sie auch stammen, bedürfen aber immer der Nachprüfung und dürfen, soweit keine anderweitige Bestätigung vorlisgt, nur nüt großer Vorsicht ausgenommen werden. Vielfach widersprechen jrch auch die einzelnen Angaben, so daß e5 schwer ist, ein zutreffendes Bild von der Lage zu erhalten. Soweit sich Klarheit gewinnen läßt, hat stch die Situation der Räte-- regierung in der letzten Zeit folgendermaßen gestaltet: Das Gebiet, das augenblicklich in unbestrittenem Besitz der Räteregierung ist, wird im W e st e n durch das von den deutschen Truppen besetzte Gebiet in der Linie Narwa - Pskow-Polock-Orscha-Mohilew-Comel-Bjelgorod begrenzt. Von dort zieht sich die Grenze nach O st e n bis zur Wolga und wendet sich dann nach Süden bis zum Kaukasus. Im Osten läuft die Grenze am Kaspischen Meer bis zur Mündung des Ural und geht dann über Simbirsk-Kasan in die Gegend von Permi. Die Nordgrenze verlänft vom Ural östlich Peru« in gerader Linie nach Petersburg. Gegen dieses Gebiet bat die Entente von verschiedenen Seiten aus kriegerische Unternehmungen eingeleitet, durch die in Verbindung mit inneren Unruhen die Räteregierung gestürzt werden sollte. Im allgemeinen haben sich von drei verschiedenen Abschnft- ten größere Kämpfe entwickelt. Im Norden an der Murmanküste, in der Mitte an der Tschechenfront und im Süden im Gebiet der Kosaken sowie im Kaukasus.
Im Norden sind etwa 18- bis 20 000 Menu En- tentetruppen, die aus den verjchieoenjlen Nationalitäten bestehen und zu denen noch etwa 6- bis 7000 Russen und Finnen zu rechnen sind, von der Murmanküste längs der Murmanbahn bis zur Nordspitze des Onegasees vorgerückt und stehen in diesem Gebiet verteilt. Sie stellen nicht nur eine Bedrohung von Petersburg dar, von dem sie nicht mehr allzuweit entfernt find, sondern sind auch eine Gefahr für Finnland. Es scheint, daß der Vormarsch in südlickier Richtung gegen Petrosawodsk am Westufer des Onegasees beabsichtigt ist. Auch in Archangelsk befinden sich englische Streltkräste, die nach Süden vormarschieren. Vor Murmansk und im Weißen Meer sind englische Kriegsschiffe einge- troffen. Im Süden stehen im Dongebiet etwa 50000 Kosaken unter General Kraßnow und südlich davon im Kubangebiet die Freiwilligen-Armee Donikins. Im Kaukasus haben sich die Bergvölker gegen die Bolsche- wiki erhoben. Südlich des Gebirges bat sich der neue Staat Georgien um Tiflis gebildet. Bei Baku stehen Armenier und Russen in Stärke von 8- bis 10 000 Mann. Engländer in Stärke von 2800 Mann sind gelandet, die den Vormarsch nach Norden auf Petrowsk angetreten haben.
Die größte Gefahr drohte der Räteregiernng in der Mitte der Ostfront, wo etwa 60- bis 80 000 Tschechen in Verbindung mit den 20 000 Dutow-Kosaken den Vormarsch über die Wolga gegen Moskau angetreten hatten. Der Widerstand der Bolschewiki wurde noch dadurch erschwert, daß im Rücken ihrer fechtenden Truppen wiederholt gegenrevolutionäre Aufstände aus- brachen, die zum Teil imter Führung tschechischer Offiziere standen. Nachdeni sie niedergeschlagen waren, traten die Truppen der Räteregierung den Vormarsch in der allgemeinen Richtung auf Iekaterinenburg au, an der Wolga, die die Bolschewikitruppen von den Tschechenverbänden trennte, kam eS zu arößeren Zusammenstößen, bei denen es sich um die Gewinnung der Flußüberganges und die Besitznahme der am Strome selbst gelegenen Übergangspunkte und wichtigen Städte Han- delte. Nach den letzten Nachrichten sckreinen daba die Truppen der Räteregieruug erfolgreich gewesen zu sein, wenigstens geben die russischen Berichte die Eroberung von Kasan und Simbirsk an, woniit zwei wichtige Übergangsstellen gewonnen und der Mittellauf der Wolga in Besitz genommen wäre. Es bleibt abzuwarten, ob die Räteftupven dies« Erfolge dauernd zu be- haupten vermögen. Am stidlichen Tefte der Front haben die Bolschewiki dagegen Sys ran wieder verloren. Östlich von Saratow kämpfen sie mit wechselndem AuSgange und Erfolge gegen die Tutowschen Kosaken. Zwischen Wolga und Ural ist die Lage noch ganz ungeklärt. Es scheint dort eine rein russische «ntibolschewistische Be- wegimg entstanden zu sein, die die Tschechenbewegung verdrängt bat. Trotz der «uS Rußland gemeldeten Er- folge der Rätstrnpven kann ihre Lage vorläufig noch nicht als gesichert betrachtet werden, es muß erst die weitere Entwicklung abgewartet werden.
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Rücktritt eines russischen RegierungSmitgliedeS.
W. T.-B. Moskau, 16. Sept. Nach der Zeitung „Mir* ist dgr Justizkommisjar wegen einer Wemurm Ärev«
