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Dott m. tü Cl 11 6 t. (Nachdruck verboten.)
ußt du wirklich heute abend abreisen, Willy?" — fragte die junge Frau des Leiters der Filiale einer hauptstädtischen Bank ihren Gatten, als dieser ihr rnitteilte, er sei telegraphisch beordert worden, sich anr folgenden Vormittag bei dem ersten Direktor der Bank wegen einer wichtigen Angelegenheit einzufinden.
„Natürlich muß ich noch heute abend fort, Liebchen", erklärte perr Bertram. „Das miserable Nest hier hat so schlechte Eisenbahnverbindung, daß ich nicht vor zwölf Uhr mittags in Berlin wäre, wenn ich erst morgen früh fahren wollte. Überdies — das Telegramm lautet dringlich."
Dora ließ den Kopf hängen. „Ich bleibe so ungern allein, Willy", seufzte sie. „Das Mädchen liegt krank zu Bett; dein Buchhalter hat Urlaub und so habe ich keine Menschenseele in meiner Nähe, wer wird denn morgen deine Stelle vertreten?" — „Ach, es gibt momentan nicht viel zu tun", entgegnete Bertram. „Das kannst du zur Not besorgen und wenn ich rechtzeitig wieder fortkomme, bin ich sicher vor acht Uhr morgen abend zurück."
Die junge Frau schien noch nicht beruhigt zu sein, „während des Tages fürchte ich mich ja nicht", sagte sie, „aber die ganze Nacht allein zu bleiben! Und noch dazu mit der Summe, die heute bet dir eingezahlt worden ist! wie leicht können da Diebe die Gelegenheit zuin Einbrechen benutzen!"
„pah, davor brauchst du dich nicht zu fürchten", warf Bertram leicht hin. „Erstens — wer weiß denn, daß du allein bist, du furchtsames Hühnchen? Und zweitens hast du ja das Telephon. Von deinem-. Bett aus kannst du die Polizei anrufen und in zwei Minuten ist pilfe da. Ich darf wirklich nicht wegbleiben, wenn der Direktor so dringend nach nrir verlangt, — das mußt du einsehen, Liebchen, und eine vernünftige Frau sein."
Seufzend ergab sich Dora in das Unvermeidliche. Nachdem ihr Gatte nochmals sorgfältig sämtliche Türschlösser geprüft und alles verriegelt hatte, begab er sich zur Bahn. Er schritt tüchtig aus, ein Liedchen vor sich hinpfeifend und sich im stillen der poffnung hingebend, es handle sich bei der Reise um eine für ihn günstige Sache. Und so vertieft war er in diesen angenehmen Gedanken, daß er gar nicht die beiden verdächtigen Gestalten bemerkte, die in geringer Entfernung an ihm vorübergingcn.
„Der mag nur pfeifen!" — raunte der eine seinem Genossen zu. „wenn er heimkommt, wird's ihm wohl vergangen sein."
„Seid Ihr so sicher, daß er lang genug wegbleibt?" fragte der andere. • ~
Sein Gefährte lachte leise in sich hinein.
„Und ob! pake ja die ganze Geschichte selbst angezettelt. Ein Kamerad in Berlin hat die Depesche aufgegeben, die den jungen perrn auf morgen früh zehn Uhr zum Direktor der Bank bestellt."
„was Ihr für ein Schlaukopf seid!" — staunte der Jüngere. „Von Euch kann man was lernen."
Sie hatten sich inzwischen dem paus genähert, in dem sich die Bankfiliale befand. „Vor Mitternacht dürfen wir uns nicht heranwagen", bemerkte der ältere der Gauner. „Natürlich gehen wir durch die pintertüre herein. Sie ist zwar gut verriegelt, doch das hat nichts zu sagen. Mit meinem kleinen Instrument hier bring' ich's leicht fertig, den Riegel loszulösen. Sind wir drin, so schleicht Ihr nach oben, wo die Frau schläft. Stört sie aber nicht, so lang sie sich nicht rührt, wenn sie was merkt, wird sie wahrscheinlich die Polizei alarmieren wollen, doch das schadet nichts, denn ich Hab' die Leitung? durchschnitten, als ich gestern als Maurer verkleidet eine Reparatur am Pause vornahm. Ihr müßt nur eines verhindern: daß sie den Kopf zum Fenster hinausstreckt und Lärm schlägt. Zur Not macht sie mit Bettüchern oder mit Eurem Knüppel stumm. Ihr habt ihn doch bei Luch? — Grinsend zog der andere einen kurzen polzstock hervor, dessen oberes Ende mit Blei gefüllt war. Der ältere nickte zufrieden und dann legten sie sich hinter dichtem Buschwerk auf die Lauer.
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Mit angsterfülltem Perzen erwartete Dora die Nacht. In ihrer nervösen Erregung konnte sie den Gedanken nicht los werden, daß eine Diebesbande die Abwesenheit ihres Mannes benützen und einen Einbruch in die Bank versuchen werde. Von dieser Furcht beherrscht vermochte sie kein Auge zu schließen, obgleich lange Zeit alles vollkommen ruhig blieb. Unausgesetzt angestrengt lauschend, glaubte sie bald nach Mitternacht schleichende Schritte auf dem Gartenkies zu vernehmen, die sich dem Pause von der Rückseite näherten. Überzeugt, daß sie sich nicht getäuscht hatte, trat sie aus ihrem Zimmer an das Treppengeländer, wo sie eine weile regungslos stehen blieb. Nach kurzer Zeit hörte sie den dumpfen Fall eines schweren Gegenstandes auf die Fußmatte; dann strich die kühle Nachtluft bis zu ihr hinauf. Jetzt wußte sie sicher, daß die Hintere Eingangstüre geöffnet worden, daß jemand heimlich ins paus cin- gcdrungen war. Diese Gewißheit drängte sie zu raschem pandeln. Geräuschlos kehrte sie in ihr Zimmer zurück, um telephonisch die Polizei herbeizurufen. So energisch sie aber auch anklingelte, es kam keine Antwort. Ein jäher verdacht regte sich in ihr. Die Telephonleitung nrußte zerstört worden sein. Sicher hatten die Spitzbuben für ihren
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