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Berliucr Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin

12 Ausgaben.

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TagblatihanS" Nr. 6650-53.

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Sonntag, 15. September 1918. Nr. 431. » 66. Jahrgang.

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Deutschlands Wille.

Wenn unsere Feinde auch nur im geringsten Neigung haben zu hören, was Deutschlands Wille ist und wie es über die Beendigung des Krieges denkt, so müssen sie es nunmehr, nachdem in der langen Folge der Reden, die von unseren verantwortlichen Männern während der letzten Wollen gehalten worden sind, auch der Kaiser und der Vizekanzler - gesprochen haben, endlich wissen. Dieser Wille des deutschen Volks erstrebt nichts anderes als die Sicherung der Existenzberechtigung, als den Zustand, wie er war, bevor der von England Inszenierte Einkreisungskrieg uns überfiel. Em reinerer Ausdruck als der, den diese beiden Reden bis ins klernsle hinein gezeichnet haben, kann von dem Begriff und von der Wahrheit des Verteidigungskriegs nicht gegeben werden. Ausdrücklich hat der Kaiser daraus verwiesen, daß das deutsche Volk seine Gegner nicht habt irnd daß es nichts anderes erstrebt, als sein Vaterland frei zu wissen uüd darum frei zu machen. Beide Männer sprachen aus der festen Überzeugung heraus, daß Deutschland, wenn es um seine Existenz mm» mehr schon vier Jahre lang den Krieg führt, nicht überwunden werden kann und mag der Kampf auch noch so lange dauern, daß aber Deutschland ebenso >ehr bereit ist, jederzeit dem Weltgrauen ein Ende zu be­iten, sofern die Feinde einsthen, daß ihr Vernich- rngswille sich nicht durchzusetzen vermag, .er Vizekanzler hat im einzelnen die Bedingungen an­gegeben, unter denen Deutschland von jeher und so auch heute noch bereit gewesen war und bereit ist, sich mir seinen Gegnern zu verständigen. Ununiwunden gesteht er zu, daß, wenn Deutschland einerseits unter allen Umständen darauf bestehen muß, daß es kein Quadrat­meter seines Territoriums daran gibt, es anderer» seits ebenso entschlossen ist, alles das, was es im Kampf den Gegnern an Land abgenomnien hat, diesen wieder zurückgibt. Deutschland erbebt den selbstver­ständlichen Anspruch aus die Kolonien, die vor dem Kriege sein eigen waren, wobei es zu einer Diskussion über etwaige Zusammenlegungen und Austausche be­stimmter Länder bereit ist. Hat Deutschland die Sicher­heit dafür, daß es das wiederbekomnit, was es vor dem Kriege besaß, so wird ;s nicht zögern, die Länder zu räumen, die es jetzt noch besetzt hält. Dies gilt auch für Belgien. Ohne Belastung und ohne Vorbehalt soll Belgien geräumt werden, wenn xene Vorbedingungen erfüllt sind und wenn dafür Sorge getragen ist, daß in dem neuerstandenen und freien Belgien Deutschland um keinen Grad schlechter behandelt wird als feder andere Staat. Wir können einigermaßen darauf gespannt sein, wie nunmehr England, das ja oft genug erklärt bat, daß Belgien die einzige Ursache sei. den Krieg gegen Deutschland noch fortzuführen, nunmehr auf Papers Er­klärung, die ohne Zweifel das Äußerste an Offen­heit ist und zugleich ein vielleicht schon nicht unbedenk- liches Maximum jedes nur zu erwartenden Zuge­ständnisses. antworten wird. Kat England auch nur im geringsten die Absicht, dem Menschenmorden, dessen , Aussichtslosigkeit ihm inzwischen an der Kindenburg- . Linie wohl klar geworden ist »nd jedenfalls von Tag j zn Tag mehr klar werden wird, ein Ende zn bereiten, so muß es nunmehr sich mit Deutschland an den Verhand­lungstisch setzen. Und dies um so mehr, als durch den Vizekanzler das große Zugeständnis erfolgt ist, da? Deutschland auf eine Kriegsentschädigung, die es nach Gesetz und Recht wohl zu beanspruchen hätte, eben um des überflüssigen Blutvergießens willen der- zichtet. Will England wirklich eine Neuordnung der Welt, das Schiedsgericht und den Völker­bund, so kann es setzt nicht anders bandeln Llovd Georges letzte Rede in Manchester sieht allerdings noch nicht im geringsten darnach aus!, als den Willen Deutschlands, wie er durch die Reden des Kaisers und des Vizekanzlers zum Ausdruck gekommen ist, in glei­cher Gesinnung zu beantworten. Ter Wille Deutsch­lands stickt den Frieden der Welt. Aber nur unter einer Bedingung, nämlich unter der, daß der Existenz- berechtiguna des deutschen Volkes nie wieder das zer­störende Nein der Entente entaeaengehalten wird.

Der deutsche Abenddericht vom 14. September.

W. T.-B. Berlin, 14. Sein., abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Bei Havrincouet örtliche Kämpfe. Zwischen Ailette vnd A i s n t sind starke Angriffe des Feindes gescheitert. Zwischen M a a ««und Mosel auch heute ruhiger Tag.

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Eine friedensfein bliche französische Note.

Br. Bafel. 14. Sevt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die tzavas- Agentur verbreitet folgende Mitteilung: In dem Augenblick, da die Lage in Deutschland und Qsterreich-Ungarn schwn'rig wird, rurternehmen die Mittelmachte eine neue Friedens­offensive. Sie versuchen, einen diplomatischen Feldzug einzulcitcn in der Absicht, die Mittelmächte vor einer Katastrophe zu retten, die unvermeidlich erscheint. Es tritt nicht einer allein auf dem Kampfplatz auf; der König

von Bauern, Finanzmänner. Industrielle. Sozialisten, sie alle betonen in gleicher Weise die Reinheit ihrer Absichten und die Überzeugung, daß der Krieg nicht auf dem Schlachtfelde entschieden werden kann. Es ist das alte Manöver, das aber dem gleichen Sclstcksal der Niederlage verfällt. Die Entente wird nicht in die Schlinge geben.

Ein französischer Admiral über die Wirkungen de« A-Bootkriegs.

IV. T.-B. Bern, 14. Sept. Admiral Degony kommt in derInformation" auf die Rede Lord Robert Eecils vom 2. September in London hinsichtlich der Wirkungen des U-B aotkriegs zurück und erklärt, die Ausführungen CecilS müßten zum Nachdenken veranlassen. Tie Rede, deren Wort­laut in Frankreich noch nicht bekannt sei, weise aus neue pein­liche Entbehrungen und neue Opfer hin. Das Leben werde immer teuerer, das sei das Ergebnis des dreieinhalbjährigen U-Bootkriegs, über den man so lange himveggegangen sei und gegen den man nur mehr oder weniger glückliche Abwehrmittel gesunden habe. Man müsse nun endlich Mut zu der Erklärung finden, daß der U-Bootkrieg noch lange nicht ü b e r w u n- ü^e n sei. Degouy verlangt schließlich eine Offensive zur See gegenDeuischland, da man nur so auch den Neu­tralen Mut machen könne, ihre Schiffe ausfahren zu lassen.

Ein Protest des Komitees der ägyptischen Jugend in Genf.

W. T.-B. Bern, 14. Sept. (Drcchtbericht.) Der Vor­sitzende des Komitees der ägyptischen Jugend in Genf, Mohamed F a h m t, hat heute der schweizerischen Presse den folgenden an Lloyd George gerichteten Brief zugcstellt: Einern ebenso heiligen wie schmerz­lichen Erinnern und Ägypten getreu, gestatte rch mir nochmals, die Ihnen wohlbekannten Gesüble zum Aus­druck zu bringen. In der durch den Krieg geschaffenen allgemeinen Verwirrung konnten alle wahrhaften Demokraten Gerechtigkeit und Freibeil für andere Völ­ker nicht erhoffen, solange das ägyptische Volk seirie Be­freiung nicht durchgesetzt hat. Heute vor 30 Jahren hat sich England Ägyptens bemächtigt. Unser Vaterland erleidet seither allem Recht und allen wiederholten Versprechungen zum Trotz die ungerecht­fertigte und nie zu rechtfertigende Herrschaft Ihrer Re­gierung. Ihre Übernahme der Leitung der Staats­geschäfte Großbritanniens gab mehreren Lion uns stär­kende Hoffnungen. Diese Hoffnungen gründeten sich auf Ihre Ansichten, auf Ihre eigenen Erklärungen und auf ihre frühere politische Haltung gegenüber Ägyptens. Jahre sind verstrichen, weift entfernt von der Erfüllung unserer legitimen Hoffnung, lesen und hören wir jeden Augenblick Erklärungen Ihrer ausgelprochenen Ideen, die Ihre Volkstümlichkeit zunichte machten. Als Beleg hierfür seien die Worte Bonar Laws in seiner Rede vom 8. März angeführt, wonach England Ägypten mir dann anfgeben würde, wenn es selbst eine völlige Niedeklage i erleide. Könnte man uns unter diesen llntständen tadeln, wenn wir den Erfolg der englischen Waffen nicht wünschen. Hier und in den anderen neutralen Ländern stellen wir taktisch eine Verstärkung der Propaganda fest, die davon überzeugen soll, daß die englische Politik durch die Wohlfahrt, die sie nach Ägypten bringt, für Ägypten nützlich ist. Ich will mich nicht mit dem Nach­weis aufholten, daß diese materiellen Vorteile nicht dem ägyptischen Volke, sondern nur dem englischen Jnperia- lismus zugute kommen. Selbst wenn man diese Tat­sache znläßt, so rechtfertigt der relativ blühende Zustand Ägyptens die verlängernde Herrschaft über unser Volk gegen seinen Willen keineswegs. Was würden Sie sagen, wenn Ihre Feinde einen ähnlichen B o r w a n d gegenüber den von ihnen besetzten Ländern geltend macken würden? Erneut protestiere ick gegen die Besetzung Ägyptens durch das englische Heer.

Die englisch« Gewaltherrschaft in Irland und Indien.

Sr. Bern» 14. S«pt. (Eig. Drohtbericht. zb.) DaSBerner Tagblatt" meldet au? London:Daily News" berichtet, daß aestern di« amtlicke Statistik der Ö p s e r des irischen Auf­stands veröffentlicht wurde. Allein im Stadtdistrikt Dublin wurden während de? Osterfestes 3064 Perionen getötet. Dar­unter 2535 Zivilisten, 434 Sonaten. 45 Polizisten. Ferner wurden 14 Teilnehmer fiisiliert und 144 Personen in? Zucht­haus reworfen. Einer amtlichen englischen Mitteilung zu­folge sind im Fahre 1-117 inDritisck-Jndien ausschließ­lich der Cingcborenenstnoten 537 Männer «mS politischen Gründen hinge richtet werden.

Das Programm der neuen Lansdswn-Partei.

Br. Bern, 14. Sept. (Eig. Drahtbericht. zb.)Daily Ehroni le" berichtet: Tie neue Larsdowri-Partei, die für die Neuwahlen im llnterhaus gegründet wurde, hielt ihre erste Versammlung ab. Eine zweite wird am Mnmenden Sonntag in London stattfinden. TaS Programm der Partei ver­langt: 1. Verständigung; 2. Abrüstung; 8. Schiedsgerichte;

4. Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und 5. Vcrzicht- leistunq auf den Wirrschaftskrieg nach dem Krieg.

Lloyd George an Influenza erkrankt.

W. T.-B. London, 14. Sept. (Drahtbericht. Reuter.) Llovd George leidet an Influenza mit hohem Fieber und Hals­schmerzen. Er muß das Bett hüten und war infolgedessen genötigt, alle Verabredungen rückgängig zu machen.

Die Neutralen und der deutsch-feindliche Boiikottbeschluß der englischen Serlcute.

W. T.-B. Amsterdam. 33. Sept. LautAlgemeen Han­delsblad" schreibt die ZeitschriftEconomist" über Len Be­schluß des Verbandes der englischen Seeleute, 'die Deutschen nach dem Kriege zu boykottieren: Wenn es den Seeleuten glückt, die Regierung dazu zu bringen, kiese Politik einzuschlagen, so würde die Folge davcn ein teures und kompliziertes System von Ursprungszert: - fikation sein. Wenn es nun auf diese Weise wirklich ge­länge, die deutschen Waren von England lern zu- halten, so würden sie auf die neutralen Märkte kommen und den Wettbewerb, mit dem untere Exporteure auf diesen Märkten zu kämpfen haben, nur noch verschlimmern. Außer­dem würde dieses System auf dev Handel einen hemmenden Einfluß üben, und das in einer Zeit, m der e» von größter Wichtigkeit ist, daß der Handel so wen-q nie möglich erschwert wird. Jede derartige Maßregel würde also u n? selbst ebenso benachteiligen wie Deutschland.

Schweden und der Gedanke der völligen Noröseefperre.

XV. T.-B. Stockholm, 13. Sept. In der schwedischen Presse erregt ein Aufsatz de? bekannten englischen Marine- schriftstellers Archibald H u r d; in dem er vorschlägt, daß man englischerseits Maßnahmen treffen solle, um die Nord­see durch Minen vollkommen adzusperren, großes Aufsehen. Nur vier kleine Nationen, so heißt eS in dem Artikel, sieben zwischen den Alliierten und einer solchen Maßnahme, die wahrscheinlich der Untersec- bootsräuberei gleich ein Ende machen würde. Somit empfiehlt es sich, zn überlegen, ob nicht die Weltinteressen es er­fordern, daß die Nordsee abgesperrt wird.

England und die schwedischen Kohle:» ia Spitzbergen.

IV. T.-B. Stockholm, 13. Sept. WieNha Dagligt Alle- handa" aus zuverlässiger Quelle erfährt, erlaubt England nicht, daß Schwede» sein-» in den schwedi'chen Felderii auf Spitzbergen gebrochenen Kohlen heimführt. Nur 400 Tonnen dürfen nach Gothenburq gebricht werden, die übrigen müssen nach Norwegen gehen.

Die Unterstützung der feindlichen Ausländer in den Vereinigten Staaten.

W. T.-B. Washington, 14. Sept. (Drohtbericht. Reuter.) Staatssekretär Lansing kündigte die Bildung eine« natio­nalen Unterstützungskomitees für die feindlichen Ausländer an, das sich aus hervorragenden amerikanischen Bürgern zu­sammensetzt und dessen Präsident Dr Morman Bridge in Washington ist. Die schwedische und schweizerische Gesandt­schaft werde sich in die Aufsicht über das Unterstühungswerk für die bedürftigen Familien interniertqß feindlicher Ausländer teilen und die Unterstützung loyaler deutscher und österreichisch-ungarischer Staatsangehöriger, die finanzieller oder anderer Hilfe bedürfen, organisieven.

Russisch-ukrainische Einigung.

XV. T.-B. Wien, 14. Sept. DieGolos Kiewa" schreibt: Von autoritativer Seite wird mitgeteilt, daß gegenwärtig die Möglichkeit für die Einigung zwischen der ukrainischen und russischen Friedensdekegation in allen Streitfragen erreicht sei. Für beide Teile sei die versöhnende Mittellinie gefunden. Es soll eine Plenarversammlung stattgefunden haben, worin fest- gestellt wurde, daß alle Schwierigkeiten beseitigt werden rönnen.

BuchananscheEnthüllungen".

Br. Bern, 14. Sept. (Eig. Drcchtbericht. zb.) Der frühere englische Botschafter am Zarenhof Sir Buchcman hat vor eini­gen Tagen bei einem Mittagsmahl im britisch-russi­schen Klub in London erklärt: Ter jetzige Zar war immer ein treuer und lcyalcr Alliierter von England. Es ist eine Tatsache, daß im Sommer 1916 ein Versuch durch den deut­sche« Kaiser gemacht wurde, den Zaren durch Argumente, die auf wechselseitigen dynastischen Interessen basierten, zu einem Friedenzuverführen, war der Zar aber katego­risch -ab lehnte.

Die Ermordung der Zarin widerrufen.

W. T.-B. Kopenhagen, 14. Sept. (Drahtbcrichl.) . Nach einer Blätternachricht aus Stockholm meldet das dortige bolschewistische BlrttFolkets Dagblad", daß der Volkskom­missar Tschitscherin die Meldung über die Ermordung der Z a r i n und ihrer Töchter sowie Gerüchte über Massen­morde an Unschuldigen dementrert.

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Die Verrichtung der Konigsresidenz in Helsingfors.

W. T.-B. HelsingforS, 14. Sept. (Drcchtbericht.) Als Auf­enthalt für den kommenden König wird der ehemalige kaiserliche Palast mit der größten Beschleunigung ein­gerichtet. Das bisher dort untergebrachtc Amt zieht aus. Die ehemalige Sckloßkapclle wird als Bibliothek für den König ein­gerichtet. Der Ankauf eines Landgutes in der Nähe von Helsingfors als Residenz der königlichen Familie ist geplant.

Ein Besuch deutscher Journalisten in Helsingfors.

IV. T.-B. Helsingfors, 14. Sept. (Drshtbericht.) Heute nachmittag ist von Reval eine Gesellschaft deutscher Jour­nalisten hier eingetroffen. Sie statten Helsingfors einen mehrtägigen Besuch ab. Während des dreitägige«. Aufenthalts wird den Gästen Gelegenheit geboten werden, auf Ausflügen zu Lande und zu Wasser die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen, dem Reichsverweser und mehreren Senatoren ihre Aufwartung zu macken und mit den finnischen Berufsgrnossen in nähere Berührung zu kom­men. Die Preise widmet den Gästen herzliche Will- kommenartikel. Am Samstagabend gibt die ftmstsche Regierung zu Ehren ihrer Gäste ein Empfangsessen.

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