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Verlag Langgaffe 21

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Freitag, 13. September 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 427. - 66. Jahrgang.

Vizekanzler v. Payer über die Lage.

W. T.-B. Stuttgart, 12. Sept. (Drahtbericht.) In «ins­öffentlichen Versammlung unter dem Vorsitz des Oberburgec- meistcrs Lautenschläger hat heute vormittag im dicht gefüllten Saal des Bürgermuseums der Stellvertreter des Reichskanz­lers Exzellenz v. Payer über die politische Lage gesprochen. Der Versammlung wohnten die Spitzen der bürgerlichen und Militärischen Behörden bei, ferner zahlreich« Parlamentarier, die ersten Kreise von Handel und Gewerbe, Angehörige aller Berufssthichten, auch die in Stuttgart anwesenden Staats- minister waren erschienen. Der auf Urlaub befindliche Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Frechere v. Weizsäcker war durch den Wirkl. Staatsrat v. Gemmlngen vertreten. „ _

Vizekanzler v. Payer sagte in einer Rede u. a.: Wenn ich heute in meiner alten Heimat zu meinen Mitbürgern spreche, so habe ich nicht die Absicht, in daS großeinteonatui- nale Red-etournier zwischen leitenden Staatsmännern der kriegführenden Völker auch für meine Person einzutreten. Wir verfolgen diese Reden mit dem größten Interesse. Sie sind für die Beurteilung der jetzigen Lage für die spätere Geschichte von böchster Bedeutung. aber sie haben einen Fehler: Sie lind, da sie auf zahlreiche Einzelheiten eingehen und wcitläuffge Zusamu enibänge behalten müssen, für die große Masse des Volkes weder z> gänglich noch verständlich.

Ich möchte mich daher für meinen Teil mehr an die Adresse unseres Volkes wenden, nicht mit der Er­mahnung zur Vorsicht gegenüber den moralischen und politi­schen VergiftungSvcrsuchen unserer Feinde, das hat eben erst Se. Majestät der Kaiser in einer Weise getan, daß niemand den Eindruck seiner Worte zu verstärken vermöchte, wohl aber möchte ich versuchen, doch den Ursachen der zurzeit unver­kennbaren, übrigens nicht bloß in Deutschland und bei seinen Bundesgenosien allein, sondern trotz der weibisch aufgeblase­nen neuesten militärischen Erfolge unserer Gegner auch be: deren Hilssvölkern sich bemerkbar machenden gedrückten Stimmung aOf den Grund zu gehen. Ich glaube, man würde dem deutschen Volk Unrecht tun, wenn man sie zu einem wesentlichen Teil aus die jüngsten Rückschläge an der West­front zurucksühren wollte.

Der eigentliche Grund unserer gedrückten Stimmung liegt nicht in solchen Teilcrzühlungcn, sondern in dem mehr auf den Gemütern lastenden Gefühl, datz sich die FriodenS- aussichten imnier weiter hinausziehcn und datz man der Möglichkeit eines fünften KrtegswinterS entgegensetzen muß.

Das ist kein Empfinden, welches auf Deutschland und seinen Bundesgenossen allein lasten würde, dieses Elend tragen alle Kriegführenden in der gleichen Weise. Wir sind eben alle Menschen und leiden leider gleichermaßen unter dem Verlust von Millionen Männern, wir sorgen uns gleichermaßen um die Verwundeten, die Kranken, die Gefallenen und die Hin­terbliebenen, Einschränkungen und Entbehrungen erschweren uns allen das Dasein. Unsere Staatsschulden erreichen eine phantastische Höhe. Wir streiten uns aller Orten gegen die von dem Krieg untrennbare Verkümmerung unserer persön­lichen Freiheit, und sämtliche kriegführenden Staaten Euro­pas müssen, wenn sie nicht blindlings sich gestehen, daß je länger sich dir europäischen Völker zerfleischen, um so sicherer die historische Vormachtstellung des geschwächten und verarmten Europas zugunsten klüger berechnender Völker verloren gehen wird.

Je langwieriger nach den bisherigen Erfahrungen das Rin­gen um die militärische Kriegsentschädiguug ist, um so be­deutungsvoller wird die Frage, welcher Teil wird den finan­ziellen, wirtschaftlichen cder politischen Druck am längsten aushalten? Daß unsere Feinde an militärischer Technik und Erfahrung, an Genialität und Tatkraft der Führung, an Tüchtigkeit und Ausbildung der Soldaten und in der Leistunassähigkeit der Offiziere uns überlegen seien, werden unsere Feind« selber nicht im Ernst glauben, so sehr ihre letz- ten Erfolge ihnen den Kamm haben schwellen lassen. In der Haupffache setzten sie daher ihre Hoffnung auf

das Eingreifen der Vereinigten Staaten, und wer wollte verkennen, datz vor allem die Mitwirkung der amerikanischen Truppen an der Front eine schwere und wohl noch steigende Belastung für uns bedeutet. Unsere Feinde vergessen aber dabei, daß, wenn die Amerikaner jetzt zu

Hunderttausenden an der Front eintreffen, wir vorher Millio­nen von Rufs«, Serben und Rumänen außer Gefecht gesetzt haben, die von neuem für die Antike der Entente zurückzuge- winncn. erfolglos sein dürfte, der vierjährige Krieg ist zum größten Teil auf feindlichem Boden geführt worden. Ich Europa wird er heute fast restlos im feindlichen Gebiet ge­führt. Was das bedeutet, haben i ur wenige gesehen, sonst würde dieser Vorteil unendlich höher bewertet werden, als es in der Regel der Fall ist.

Der Nnterseebootskricg hat nicht so rasch »nd nicht so sicher gewirkt, wie wir ihn seinerzeit berechnet haben.

Es ist wertlos, jetzt darüber zu sprechen, wer den Fehler ver­schuldet hat, ober wir sind nicht die einzigen, die sich in diesem Weltkriege einmal verrechnet haben. Wir sind dadurch leider um eine Hoffnung ärmer geworden, aber das rechtfertigt noch nicht, dev Unterseebootskcieg in seiner Wirkung zu unter­schätzen, wie das vielleicht mir einem gewissen Unwillen jetzt geschieht. Seit Über Iahr:sfr-st lichtet er in einer Durch­schnittszahl den feindlichen Schiffsraum rast genau in dem von ihm erwarteten Maße. Doch sind unsere Feinde zu­sammen nicht in der Lage, die dabei entstehenden Verluste an Schiffsraum durch Neubauten auSzugleichen. Der fast un- verhüllte Raub der neutralen Schiffe durch die Entente kann nicht wiederholt werden Je mehr Truvven aus den Ber­einigten Staaten an die Westfront lomnien, um so größer

ist der Bedarf an Sckiiffcn für MannichaftSersatz, Kriegsbedarf und für die Lebensmittel dieser Truppen.

Die Auffüllung der feindlichen Heere durch die Ameri­kaner tragt also ihre Begrenzung in sich. :

Wir haben un? entgegen aller Erwartungen gehalten. Technik und Erfindungsgeist haben uns über die schlimmsten Klippen geholfen. Bei unseren Gegnern ist auch ein ungeheurer Mangel eingetreten. Fehlt es bei uns an Baumwolle und Ol. so gehen unseren Feinden die Kohlen aus, die man doch vor allem l raucht.

Knapp sind die Lebensmittel hüben und drüben. Aber schon beute dürfte sich auf diesem Gebiete daS Blatt zu unseren Gunsten gewendet haben. Gegen Osten ist die Welt wieder offen 'ür unS.

DaS besetzte Gebiet Rumäniens und der größt? Teil deS früheren Rußland sind für unsere Ernährung erschlossen, während die Zufuhren unserer Feinde an Lebensmitteln und Rohstoffen zurückstehen müssen gegenüber den Rufen der Front nach amerikanischen Heeren und deren bleibenden Versorgung. Unsere Aufgabe ist auch nicbt, wie dereinst in den Freiheitskriegen des vorigen Jahrhunderts, daS Vater­land aus den Händen deS Feindes zu befreien. Wir haben nur dafür zu sorgen, daß der Krieg im fremden Land weiter­geführt wird.

Wir kämpfen für das Leben, um HauS und Hof; wir kämpfen um unser gutes Recht, und das sind unüberwind­liche Streitgenoffen.

Es bleibt nur die Hoffnung unserer Feinde, wir würden demnächst innerlich eher zusammenbrechen als sie. Ich kenne die Psyche unserer Feinde genügend. u:n die Frage für sie beantworten zu können. Manchmal gewinnt man den Ein­druck, als ob Niederlagen und Verluste, di? Not und Ent­täuschungen eher ihre Widerstandskraft in bewundernswerter Weise erböhen; manchmal scheint aber die unbarmherzige Verfolgung derer, die auch nur an den Frieden denken, in llnigcn Ländern auf kein allzu großes Vertrauen auf die Festigkeit der Volksstimmung hinzuweisen.

Für Deutschland könne» wir sicher sagen, daß eS, unbe­irrt von allen Meinungsverschiedenheiten, in diesem Wett­kampf von Ausdauer und innerer Kraft nicht unter- liegen wird.

So viel Mühe sich auch unsere Feinde geben, Uneinigkeit zwischen-uns zu säen, wir sind stark genug, unsere Meinungs­verschiedenheiten^ über politische Macht und politisches Recht, lis zu den Ernährungsfragen hinunter, so weit sie nvsge- ftchten werden, auch mitten im Kriege zur Entscheidung zu bringen. Wenn wir uns auch auf den verschiedensten Ge­bieten die Wahrheit ungeschminkt sagen, manchmal sogar mehr, als nötig, st> ist Sas eine häusliche Angelegenheit, aas ier kein Dritter Nutzen ziehen kann. Weit über all dem steht für jeden von uns das Bewußtsein, datz wir von einem Fleisch und Blut sind rnd daß wir in der Stande der Gefahr erst recht zusammenhalten müssen.

Eine Pflicht aber haben wir allerdings alle, und ich an­erkenne sie auch für meine Person, enttäuschte Hoffnungen müssen verhütet, berechtigte Forderungen müssen erfüllt wer­den, und zwar rechtzeitig, tatsächlich bestehendem Schaden muß abgeholfen werden.

Maßgebend scheint mir in dieser Beziehung das Schicksal der preußischen WahlrechtSvorlage, einer längst nicht mehr preußischen, sondern eminent deutschen Frage,

schon unter dem Gesichtspunkt, daß unverkennbar von der Ent­scheidung dieser Frage auch das größere oder geringere Maß von Vertrauen abbängt, das die Bevölkerung nicht bloß der preußischen, sondern auch der Reichsregierung entgegenbriwgt. Und es bedarf keiner Auseinandersetzung, in wie hohem Grad dieses Vertrauen bedingt wird von einer weiteren Hin­ausschiebung der Entscheidung. Darüber herrscht wohl voll­ständiges Einverständnis, so sehr man auch eine Auflösung und Neuwahl während des Kriegs nicht wünschen mag, die übrigens durchaus nicht solche Gegensätze auftühren würden, wie es das neu« Wahlrecht tut.

Neue Kämpfe

mit Franzosen und Amerikanern.

W.T.-B. Berlin. 12. Sept.. abends. lAmtlich. Draht- bericht.t Zwischen den von ArraS und Peronne auf Cam- brai führenden Straßen sind erneute Angriffe der Engländer gescheitert. Zwischen Maas und Mosel griffen Franzosen und Amerikaner im Bogen von- St. Mihicl an. Kämpfe dauern an.

*

Das Anrennen gegen unsere neuen Stellungen.

W. T.-B. Berlin, 12. Sept. (Trahtbericht.) Nach einer Panse im eiiMch-französischcn Vormarsch, die die Schwierigkeit des Nachschubs infolge der planmäßigen deutschen Zerpörungen der Ver- bintungslinien i» dem geräumten Gebiet bewirkten, sind die Eng. ländcr und Franzosen nunmehr mit starken Kräften durch das ge- räumte Gcliet hindurch. Sic haken am 10. Sevtember zu ge. schlcsscnen Angriffen gcgeii die neuen deutschen Stellungen ang.>- setzt, aus dem die ganze Front entlang rollenden Artillerieseuer und dem Geplänkel der Patioi.illen stellten lich am Morgen zwei große Angriss-chandlungen he,aus, und zwar einmal vor dem Walde von Havrinconrt bis südlich Epehy, zum. andern bei der Straße Hani- St. Quentin. Auf dem nördlichen Angrlsfsstüzet brach sich der' englische Angriff gegen den Wald von Havrinconrt, sowie gegen den Hvhenlückcii von Gi-uztaricourt und das ochecrschend gelegene Epehy Hier ßcbcn die Deutschen überall noch tn den alten eng­lischen Stellungen vor der Siegfrtcdlüiie. Bor allem gegen Epehy richteten sich die englischen Anstrengungen. Dreimal rannten die Engländer gegen die Trümmer des Ortes, um S>4, um 9V. vnd am Abend Jcdcimal wurden sie abgewiesen. Nicht besser erging es den ncutceländischen Regimentern, die nördlich des Waldes von Havrimrnrt stürmten Vor St. Quentin rückte» die Franzcsen an der gleichen Stelle an wie im Frühling 1917, wo sie alles daran setzten, die Stadt in einem überraschenden Sturm zu nehmen. Die gleiche Stadt, die sie dann im weiteren Verlause

der Kämpfe zu einem sarmlrsen Trümmerhaufen zusammenschossen. Auch dieser Versuch der Franzosen, die überraschend in den Morgen­stunden und dann »rchmals am Nachmittag, teilweise ohne Feuer- vortercitung. gegen die deutschen Linien anrannten, mißlang, sw wurden jedetmal abgrsch.lagen. Slcichzcitig versuchten dre Fran­zosen ani Abend des Tages cinen geschlossenen Angrrsf zwischen »er Äilctte und Llsc, dessen Schwergewicht sich gegen den Raum von Lasfaux und Tauxaillon richtete. Die französische Absicht, die daraus abzielte, durch einen Einbruch in da» Ailettetal in den Rücken der AisnrsieÜuug des Ehemin de» Dames zu kommen, 'mißlang trotz des starken Kiäfteeinsatzer. Nördlich der Straße SotssouS-Lao-l wurden olle Angriffe vor den deutschen Limen a b - gewiesen. Südlich der Straße wurde ihre Wucht bereits durch da» deutsche Artillerieseuer aus die französisch»» Bereitstellungen gebrochen. __

Ernste Lage in Moskau und Petersburg.

Amsterdam, 11. Sept. Dem „Alzemecn Handelsblad" zufolge erfäkrt .Daily Expreß", daß die Lage in Moskau und Petersburg außergewöhnlich ernst wird und daß die englische Negierung dadurch in eine schwierige Lage kommt. Es be­finden sich mindestens tausend Engländer, darunter einige Personen in hoher Stellung, in ungesunden Ge­fängnissen oder sind auf andere Weise von den Boffche» wiki der Freiheit beraubt. Die englische Regierung wird wabwctieinlich dem Verlangen der Dolschewiki. daß Litwinotv und seine Genossen freigelassen werden sollen, als Br- lingung siir die Freilassung der englischen Untertanen in Rußland, keine Aufmerksamkeit schenken. Genugtuung für die Ermordung de? Kapitäns Cromie. d«S englischen Marine- attockes in Petersburg, wird die erste Bedingung fein, die die Bolfchewiki erfüllen müssen.

Brandstiftung und Straffenmord in Petersburg.

Br. Rotterdam» 12. Sept. (Eig. Drnbtbericht. zb.) Eine Depesche von der amerikanischen Gesandtschaft in Christians« berichtet nach einer dort eingetroffenen zuverlässigen Nach­richt, daß Petersburg an zwölf Stellen angezündet sei und es werde in den Straßen gemordet.

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Dis polnische Krisis.

VV. T.-B. Warschau, 12. Sept. (Drahtbericht.) .^Kurier WarschawSki" hat auf ein« Anfrage, ob eS wahr fei, daß der Regentschaftsrat nur für die deutsche Lösung der pol­nischen Frage sei, von einer ©eite, die über die Politik des RegentschaftsratS gut untcrichtet fei, die Antwort erhal­ten, daß jetzt die deutsch« und die österreichische Lösung er­wogen würde, daß jedoch di« Wahl zwischen beiden davon ab- hängen werde, bei welcher Polen die größten Vorteile erlange. Unter etwaigen GebieiSerwerbungen würden die Ge­biete im O st e n am höchsten gestellt, und nach dieser Richtung hin werde der Regentschaftsrat bei den Unterhandlungen mit den Mittelmächten seine Bemühungen geltend machen. Die Unterhandlungen in der polnischen Frage würden weite« ge­führt und nach ihrem Abschluß werde sich die Regierung um Genehmigung der Ergebnisse an die S-taatSvertrctung wenden. _

Der englische Gewerkschaftskougreff «egen Schutzzoll und neue Kriegstreiberei.

W. T.-B. Bern, 12. Sept. (Drahtbericht.) Der fünfte Verhandlungstag des britischen Gewerkschaftskongresses in Derby führte die nach den Ereignissen des Vortages nicht mehr fragliche Entscheidung über Havelok Wilsons Versuch lierbei, die englische Arbeiterschaft durch Gründung eine« neuen kriegstreiberischen politischen Arbeiter­partei zu spalten. Sein Antrag wurde nach einer ziemlich gereizten Debatte mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Weitere Ereignisse waren die einstimmig angenommene Ent- fckließung zugunsten von H o m e r u l e in Irland und die mit Mehrheit angenommene Resolution zugunsten der Auf­rechterhaltung des freien Handels nach dem Kriege. Naynor von den Londoner Schriftsetzern wie» bei der Be­gründung der Resolution auf di? unlängst von der Regierung angrkünbigten VorzugSkälle innerhalb des britischen Reiche» hin, gegen welche die Arbeiterschaft auf der Hut sein müsse. Er verurteilte sehr energisch das Treiben des australi­schen Premierministers H u g b e s der als hoher - Kriegs­herr der Schutzpolitik das Land bereise. Versuche, die Reso­lution durch den Hinweis zu Fall zu bringen, daß die ver­änderten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege Schutz­zölle zur Sicherung der Lebensbedingungen der englischen Arleiterschaft notwendig machen könnten, waren vergeblich. Die Restluticn wurde mit 2 711000 Stimmen gegen 591 000 Stimmen angenommen.

Ein Charakterbild von GompcrS.

XV. T.-B. Berlin, 10. Sept. Das Genfer Blatt „Feuille" gibt das folgende Bild des Sozialistenführers GomperS: Samuel Gompers ist weder Sozialist noch Arbeiter, noch echter Amerikaner. Gompers hat niemals zur amerikanischen sozia­listischen Partei in Beziehung gestanden. Er ist außerdem ein in den Vereinigten Staaten naturalisierter Engländer und bat niemals aus seinen ultra-englandfreundlichen Ge­sinnungen seit dem Beginn deS Kriege» ein Hehl gemacht. Er is: ein tt: ollen Sätteln gerechter, skruvelloser Politiker. Durch seine Geschicklickkeit in der Organisation von Streiks erlangte er eine antokratische Stellung. Er ist in der ameri­kanischen Arbeiterwelt gefürchtet, ist aber weniger populär. Er hat ein hübsches Vermögen zilsammengebracht. das ihm ein komfortables Leben gestattet. Sein Dahn hat eine gut- lezablte Stellung in einem Deprrt«m»nt der Regierung in Washington Er ist ein offene» Geheimnis in Amerika, daß die lerubmten Eisenbahnerstreiks im Herbst 1916, die zu­gunsten der Streikenden von Wilson geschlichtet wurden, was ihm die Stimmen der Eisenbahner bei seiner Wieder­wahl einbrachte, das Werk Gompers waren, der sie ohne Zweifel auf Befehl seines höchsten Chefs in Szene setzte.