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Seite 4. Donnerstag, 12. September 1818.

Wiesbadener Tkgblatt

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr. 425.

Aus dem Landkreis Wiesbaden.

wc. Biebrich, 10. Sept. Eine Handwerkerversammlung in der Turnhalle beschästigte sich mit der Frage des Zusammenschlusses zu Zwangsinnungen. Handwerkskammer - Shndrkus Schroeder aus Wiesbaden hielt einen einleitenden Vertrag und nachdem sich ver­schiedene Anwesenden im Sinne dieser Anregung ausgesprochen hatten, Unterzeichneten die Handwerker Anträge, welche die Grün­dung von Zwangsinnungcn für die Schreiner und Glaser, die Wagner, die Schuhmacher. Tüncher und Lackierer sowie Metzger verlangen. Die Anträge gehen an den Regierungspräsidenten und es wird dann eine Abstimmung unter den beteiligten Handwerkern ver­anstaltet.

'wc- Biersladt, 12. Sept. Einem in der letzten Sitzung des Ge­meinderats gefaßten Beschlüsse gemäß soll hier ein weiterer Ge- meindesekretär angestellt werden.

Aus Provinz und Nachbarschaft.

Riidcsheini. 11. Sept Die Weinberge im Berg und Ober- seid sind am Samstag geichlossen worden. Im Rheingaukreis er­gab die Ludcndvrfs-Speude etwa 112 000 M.

Höchst a. M., 11. Sept. Aus dem Bahrchm Aschassenourg wurde am letzten Freitag ein Eisenbahnwagen Mt G e r st e im Werte von 15 0 0 0 M. beschlagnahmt, de: für ein größeres industrielles Werk in Höchst a. M. bestimmt gewesen sein soll, alsDeck- mantel aber die Adresse eines Höchster Fuhrgeschästes trug. Ein Aschasfenburger Pclizeibeamter reiste zur Feststellung des Emp­fängers hierher, mußte aber erfahren, daß kein größeres Werk in Höchst srch zu erinnern weiß, irgendwo im weiten Bahernland jemals eine Ladung Gerste bestellt zu haben. Auch das Fuhrgeschäst weiß von der Gerstesendung nichts.

Ried, 11. Sept. Beim Laubheusammeln stürzte der 10jährige Schüler Will; Schüler von einem Baum ab und zog sich neben einer Gehirnerschütterung mehrere Körperquetschungen zu. Das Kind mußte dem Höchster Krankenhause zugeführt werden.

PC- Ricder-Erlenbach, 10. Sept. Dieser Tage kam auf der hiesigen Bürgermeisterei ein Brief an, der beim Offnen einen 20.-M.- Schein enthielt; beim näheren Zusehen kam noch ein 5-M.-Schein zum Vorschein, außerdem ein Brief ohne Unterschrift, in dem der unbekannte Schreiber mitteilte, daß er dieser Tage in Nieder-Erlen- bach gewesen sei, um Apfel zu kaufen, aber keine erhalten habe. Auf dem Heimweg habe er sich Apfel von den Bäumen gepflückt und im Rucksack heimgetragen. Beim Wiegen hätten sich 40 Pfund er­geben. Für diese und zugleich als Strafe für den Felddiebstahl sende er 25 M., die er dem Beschädigten auszuhändigen und den Rest für Gemeindezwecke zu verwenden bitte. Der Fall beweist wieder ein­mal,,so sagt dieNeue Tageszeitung", auss deutlichste, wohin wir mit unserem Ernährungsshstem gekommen sind, denn ohne die dringendste Not hätte ein solcher Mann nicht Lpsel von den Bäumen weggenommen.

= Mainz, ic. Sept. Die Befürchtung, daß mit dem Tage der Herabsetzung der Gemüsepreifc die Gemüse sofort wieder vom städti- scheu Markte verschwinden würden, hat heute schon in der schroffsten Form ihre volle Bestätigung gesunden. Da die Höchstpreise für Weißkraut und Wirsing sowie für Rotkraut um einige Pfennige pro Pfund herabaesctzt wurden, so boykottierten di- Erzeuger heute nach dem alr erprobten Gewaltnüttel einfach wieder den Wochenmarkt. Wer heute nack Kraut oder Wirsing auf dem Mainzer Markt Um­schau hielt, der kan, nicht aus seine Rechnung. Nicht ein Exemplar der genannten Gcmüsearten war zu sehen, während bisher hierin nicht der geringste Mangel herrschte. .Dieses Gebühren muß um so eher verbittern, als doch der Preis von 18 Pf. pro Pfund Weiß­kraut (bisher kostete es 24 Pf.) für die jetzige Zeit wahrlich hoch genug ist. Das zeigt recht ausfallend auch die Tatsache, daß in den städtischen Verkaufsstellen große Mengen Weißkraut zu 12 Ps. im Pfund heute seilgeboten wurden. Früher kostete Kraut um diese Zeit höchstens 4 bis 5 M.! allein heute geht es ohne eine Verteuerung von 400 bis 500 Proz nicht,lieber mag dann das Kraut uff em Feld verfaule"._*

Gerichtssaal.

wc. Ein diebischer Postoushclser. Der Postaushelfer Eduard L. in Wiesbaden lag bis zum Februar d. I. die Bestellung der Postsachen in cineni Bezirke an der Schwalbacher Straße ob. Es wurde in diesem Bezirke außerordentlich viel über das Ausbleiben erwarteter Briese, besonders Feldpostsendungen, geklagt, und der Verdacht, daß L. unehrlich sei und Postsachen unterschlage, fand seine Bestättguna durch eine Haussuchung bei ihm. L. wurde alsbald aus seiner Stelle entlasten und jetzt von der Strafkammer zu einem Monat, seine Frau wegen Beihilfe bei der Unterschlagung zu einer Woche Gesängnrs verurteilt. Letztere wird zur bedingten Begnadi- gung in Vorschlag gebracht.

wc. Die HotelwLsche gestohlen. Zwei leichtsinnige junge Mäd­chen aus Frankfurt, die Näherin Emilie Dauth und die Photo- graphcnacdrlfin Frieda Baumann, machten am 7. August eine Reise nach Wiesbaden. In ernem Hotel stiegen sie ab, verbrachten dort eine Nacht und machten sich andern Morgens mit dem gesamten Bettzeug einem Teppich sowie einer Schreibmappe. Gegenstände rm Werte von über 1000 M, davon. In Biebrich, wohin sie sich an-

geblich gewandt harten, um nach Mainz überzusetzen, konnten sie sestgenomnien werden Die Dauth ist rückfällige Diebin. Sie wurde von der Strafkammer zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr, ihre Koniplizin zu einer gleichen von vier Monaten verurteilt.

Neues aus aller Welt.

Diebstähle bei der Leipziger Herbstmeste. Leipzig, 10. Sept. Bei der diesjährigen Hcrbstntessc in Leipzig, die bekanntlich von über 100 050 Personen beiucht war, find auffallend viele Hotel- diebstäble vcrgckonlmcn. In einem besseren Gasthaus verschwand nicht nur die Bettwäsche, sondern cs wurden auch gleich die Betten initgcncmmep. Ein Hotel, in dem ebenfalls Wäsche entwendet wurde, beklagt außerdem den Verlust einer großen Anzahl Messer, be­sonders Tessertnicstcr. In cineni anderen Hotel, in der Nähe des Hauptbahnhofs, sind außer den Bettüchern auch die Gardinen ge­stohlen worden. In den Wirtschaftsräumen des Leipziger Haupt- bähnhoss wird von jeher viel entwendet. Man hat sich deshalb schon veranlaßt gc,ehen, in den Wartcräumcn der dritten Klasse ein Pfand bei der Abgabe von Löffeln zu nehmen. Während der Metzwoche ist der Abgang von 500 Lösseln zu verzeichnen. Sie können also nur in der zweiten Klasse verschwunden sein. Eine Frau wurde dabei ertappt, als sie Schüsseln auf dem Tisch in einer großen Tasche zu verstauen suchte. Als man die Personalien aus­nahm, niuchte nian die Entdeckung, daß die Diebia eine Geschäfts­frau in Leipzig war.

Handelstell.

Das Ergebnis der Breslauer Messe.

Aus Breslau wird berichtet: Die Breslauer Messe ist insgesamt vcu rund 2SC 000 Personen besucht worden. Aller­dings ist die Zahl der tatsächlichen Einkäufer, gemessen an dieser Besuchsziffer. recht tescheiden. Der Durchschnitts­besuch beziffert sich täglich auf etwa 15 000 Verkäufe wurden namentlich in Maschinen, Möbeln, Kurzwaren, Papiergeweben, Erzeugnissen der Bekleidungsindustrie, Glas und Lederwareu vorgenommen, auch die Wagon­fabriken haben befriedigende Ergebnisse erzielt. Daneoen berichten auch die Aussteller von Werkzeugmaschine und Trockenanlagen von erfüllten Erwartungen. Die Leitung der Breslauer Messe beabsichtig^ die nächste Messe unter Berücksichtigung der laut gewordenen Kritiken so zu ge­stalten, daß den tatsächlichen Einkäufern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Einkäufe so vorzunehmen, daß sie von der Menge der nur Besichtigenden nicht gestört werden.

Berliner Börse.

K Berlin. 10. Sept. (Eig. Drahthericht,) Auch heute be­wahrte die Börse ihre feste Haltung. Die Unternehmungs­lust hielt sich allerdings zurück und das Geschäft ent­wickelte sich infolge dessen ziemlich schwerfällig. Bei geringen Umsätzen erfuhren die Kurse im allgemeinen nur wenig bedeutende Veränderungen nach oben und unten. Kauflust bestand anfangs besonders für Bochumer und Deutsch-Luxemburger. Dagegen gaben Rheinmetall-Aktien weiter nach und auch oberschlesische Eisenindustrie sowie Obers« biesischer Eisenbahnbedarf stellten sich niedriger. Phönixaktien konnten ihre anfänglichen Gewinne nicht voll behaupten. In Elektrizitätsaktien war die Kursbewegung nicht eiifheitlich. Von Rüstungswertan erfuhren Hirsch­kupfer eiae bedeutende Steigerung und auch Daimleraktiett zogen bemerkenswert an, ohne jedoch den Gewinn voll aufrecht erhalten zu können. Schiffahrtsaktien blieben bei steten Kursen vernachlässigt. Für russische Werte hielt sich gute Meinung.

Industrie und Handel.

* Deutscher Industrie- und Handelstag. Der Staats­sekretär des Reichswirtscbaftsamts teilte dem Deutschen Industrie- und Handels tag mit, daß er die dauernde Fühlung zwischen diesem und seinem Ressort für wertvoll halte. Er habe deshalb einen Reichskommissar bei dem Deutschen Industrie- und Handelstag ernannt und hierzu den Direktor im Reichswirtschaftsamt. Herrn Müller, bestimmt. Der Staatssekretär würde es mit Dank erkennen, wenn seinem Kommissar von aller, wichtigeren, den Deutschen industrie- und Handelstag beschäftigenden Angelegenheiten mündlich oder schriftlich Kenntnis gegeben würde.

w Rheinische Stahlwerke. Duisburg, 10. Sept. Der Abschluß der Rheinischen Stahlwerke zu Duisburg- Meiderich wird, wie verlautet, eine Dividende von 15 Proz. aufweisen. Der Vorstand der Rheinischen Stahlwerke steht dieser Blättermeldung völlig fern. Die Aufsichtsrats­sitzung. worin über die Bilanz des genannten Werkes be­schlossen wird, finde* am 18. September statt. Der Vor­stand ist nicht in der Iwge. eine höhere Dividende als 12% Proz. in Vorschlag zu bringen.

* Die Nähmaschinen- und Fahrräderlabrik Bernh. 8t»wer, A-G. in Stettin, war in der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres 1818 bis ao die Grenze ihrer Leistungs­fähigkeit beshäftigt. Entsprechend den sehr erheblichen Umsätzen konnte für diesen Zeitabschnitt auch ein recht günstiges Ergebnis erzielt werden, welches dasjenige in der Vergleichszeit des Vorjahres übertrifft. Die Aussichten für die zv eite Jahreshälfte erscheinen günstig, la das Unter­nehmen noch belangreiche Aufträge vorliegen hat.

* Diisseldorf-Ratinger Maschinen- und Apparatebau- A.-G in Ratingeil Der Aufsichtsrat schlägt der auf den 12. Oktober d. J. einzuberuferden Hauptversammlung nach als reichlich bezeichneteu Abschreibungen und Rücklagen 8 Proz. Dividende vor. Im Vorjahre, ist der Überschuß zu innerer Kräftigung des Unternehmens verwandt worden. Fernerhin soll Beschluß gefaßt werden über eine Erhöhung des Aktienkapitals um den Betrag von 171800 M. auf 850 000 M.

Marktberichte.

W. T-B_ Berliner Ptwfakfeemarkt. Berlin . l£L Sept., (DrahtberfcM.) Die im Boden beündlidten: Hackfrüchte bähen durch tasaa Witterne« der letzten "Eage sehr gelitten und es ist za hoffen, daß eine Besserung des Wetters ein- tritt. um großen Schaden zu verhüten. Mit der feuchten Witterung bängt auch die Notwendigkeit zusam me n. Gerste und andere Getreidearten vor der Verarbeitung zu trocknen. Was erster« an betrifft, so sind oft zu hohe Temperaturen angewandt worden, wodurh die Keimfähigkeit gemindert wird. Es wird daher zur Vorsicht geraten. Im_ hiesigen Verkehr mit Bodenerzeugnissen ist kaum eine Ändereng eingetreten. Saatgetreide gegen Saatkarten sowie Raps und Rüben gegen Vereüiefcfnngsschein haben resehnäMgen Verkehr. Dasselbe ist von landwirtschaftlicheil Sämereien zu si~g p.ii. Mohren. Kürbise und andere Gemüse werden andauernd lebhaft gefragt. Rauhfutter ist im freien Ver­kehr sehr knaoo.

Untere MW. Moiejieüet

machen mir darauf aufmerksam, daß das Abonnement

auch draußen bei ihrem Feidpostamt angemeldet und auch dort mit Mt. 1.75 für den Monat bezahlt werden kann.

Es ist außerdem unbedingt erforderlich zur Vermeidung von Lieferungsstörungen daß die Feldbestellungen spätestens 8 Tage vor Ablauf der Bezugszeit erneuert und gleich­zeitig bezahlt werden.

In Fällen, in denen das Feldpost-Abonnement von Angehörigen oder Bekannten daheim bestellt wird, kann die Erneuerung auch auf dem Postamt des Heimawrtes erfolgen.

Empfehlenswert für die Feldpostbezieher draußen sowohl, als für die Besteller auf dem Postamt des Heimawrtes, ist es, wenn das Monnement gleich für mehrere Monate bewirkt wird, um Unterbrechungen in der Lieferung vorzubeugen.

Mlag des Wiesbadener Tagblatts.

Die Morgen-Ausgabe umfaßt 8 Seiten.

Hallprjchristlelter; A. Hc^crhorzt.

Verantwortlich bür Satarttk«!: A. H«s«rHorft:.für poittische, Nachrichten den1okaIE^>md»proviit«g«n'Trir'>md Los»<ker:»ftlrw«t

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Wchltötigkeits-Vorstellung

zum Besten der im Kriege Erblindeten

Samstag, den 14. September 1918, abends 8 Ahr,

im grohen Saale des

Kurhauses zu Wiesbaden.

Einmalige AuMhrung des Originalfilms

.Dem Licht entgegen

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Der Erlös des Abends wird dem Hauptverein für Sanitätshunde in Oldenburg Protektor Seine Königliche Hoheit Großherzog von Oldenburg als Beitrag zur Errichtung einer Kriegsblinden-Heimstätte über­wiesen. Der Hauptverein hat es sich gleichzeitig zur Aufgabe gemacht, den im Kriege Erblindeten Führerhunde zur Erleichterung ihrer Berufstätigkeit zur Verfügung zu stellen. FreiwMge Spenden nimmt entgegen die Mitteldeutsche Creditbank. Filiale Wiesbaden. Konw: Kriegsblindenführerhunde.

Im Laufe des Abends erfolgt die Verlosung eines von Herrn Kunstmaler Meyer-Elbing in Wiesbaden gespendeten Ölgemäldes, den Kopf eines Sanitätshundes in natürlicher Größe darstellend. Jede einzelne Eintritts­karte berechtigt zur Teilnahme an der Verlosung und trägt auf der Rückseite die Losnummer.

Nach der Vorführung findet in den Gesellschaftsräumen des Kurhauses eine zwanglose gesellige Zu­sammenkunft mit improvisierten künstlerischen Darbietungen statt. Vorbestellungen von Tischen werden rechtzeitig an die Direktion des Wirtschaftsbetriebs Kurhaus Wiesbaden erbeten. F473

Die Preise Ser Plätze sind folgende:

Loge.Mk. 10.

Mütelgalerie, 1. und 2. Reihe ........ s.

1. Parkett, 1. bis 20. Reihe. 6.-

1 . Parkett, 21. bis 26. Reihe.......... 4 .

Kartenverkauf an der Kurhauskasse.

Mittelgalerie, 3. bis letzte Reihe ..Mk. 3.

Ranggalerie ... 3..

2. Parkett. 2 .

Ranggalerie, Rücksitz.. . 2.-

Der Arbeitsausschuß.

Kgl. Kamnierhcrr von Heimburg. Vorsitzender.

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