Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

„Tagblatthaus".

Schalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bi- 7 Uhr abends.

wöchentlich

Bezugs-Preis für beide Ausgaben: Mt 1.20 monatlich, Mt 3 60 vierteljährlich durch den Verlag Lnnaaajje 21. ohne Brmgeriet», Mt 4.65 vierteljährlich durch alle deutjchen Postanstalten. ausichlietzlich Beuellgeld — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckring 19. iowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorlen und im Rbeingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin

12 Ausgaben.

Fernruf;

..Tagblatlhaus" Sir. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Ubr abends, außer Sonntags.

Anzeigen-Preis für die Zeile: 25 Psa. für örtliche Anzeigen; 35 Psg. für auswärtige Anzeigen; 1.95 Ml. für örtliche Reklamen; 2.50 Mk. für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Ausnahme unver­änderter Anzeigen in kurzen Zwiichenräumen entivrechender Nachlaß. — Anzeigen-Annahme: ssür die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr minags; sür die Morgen-Ausgabe bis 3 Ubr nachmittags. — »ur die Ausnahme von Anzeige» an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

W. 57, An der Apostelkirche 7,1. Fernsprecher Amt Lützow 6202 Uiiv Oäud.

Donnerstag, 12. September 1918.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 425. ♦ 66. Jahrgang.

Die polnische Krisis.

Der Rücktritt des Kabinetts Steezkowski ist mitten hinein geplatzt in die Verhandlungen zwischen Polen und den Mittelmachten und bildet einen eigen­artigen Epilog zu dem Besuch des Prinzen Radziwill und des Grafen Honikiei im deutschen Hauptquartier. Es gehört ein starker Glaube dazu, wenn von Warschau aus die Demission des Ministerpräsidenten mit seinem erschütterten Gesundheitszustaiiö oegründet wird. Die Auslassungen der polnischen Parteipresse und der Vor­sitzenden des interparteilichen oezw. des monarchisch» konstitutionellen Klubs, des Herrn Szwiezynski und des Grafen Rostworowski, lassen keinen Zweifel darüber, daß es sich um eine politische Krankheit handelt, deren Keime in dem scharfen Gegensatz zwischen den Aktivisten und den Passivisten zu suchen sind.

Die ersteren sind bekanntlich für beit engen Anschluß an die Mittelmächte und vertceren durchaus den Stand­punkt der Note, welche die polnische Regierung am 29. April d. I. nach Berlin und Lien gerichtet hat und worin ein Bündnis mit den Mittelmächten, ein Mili­tärvertrag und ein Handelsabkonimen als Grundlage der Beziehungen zwischen Polen und den Mittelmächten bezeichnet werden. Die Passivisten vertreten demgegen­über die Taktik, daß fürs erste überhaupt keine endgülti­gen Abmachungen mit den Mittelmächten, vor allem mit Deutschland, getroffen werden sollen, und daß die Regelung der polnischen Frage erst im Rahmen der all­gemeinen Friedensverhandlungen nach dein Ende des Weltkrieges, also auch im Einvernehmen mit den Alliierten, vor sich geben 'oll.

An der Spitze dieser Opposition, die sich offen gegen die derzeitig schwebenden Verhandlungen Zwischen der Polnischen Regierung und den Mittelmächten richtet, steht der interparteiliche Klub, der der Regierung mit einem Mißtrauensvotum drohte. Da aber die diesem Klub angeschlossenen Realisten in ihrer Haltung min- bestens schwankend waren, während die bürgerliche und die sozialistische Linke, die nicht im Staatsrat vertreten sind, zwar nicht unbedingt das Programm der Aktivisten unterstützen, aber es doch nicht grundsätzlich bekämpfen, so lag durchaus die Möglichkeit, in, vielleicht sogar die Wahrscheinlichkeit vor, daß das Kabinett im Staatsrat, von dessen 110 Mitgliedern bisher nur 90 Obstruktion angekündigt hatten, eine Mehrheit für ihre Politik ge­funden hätte, besonders wenn eine geeignete Umbildung des Ministeriums vorgenommen worden wäre.

Der Ministerpräsident Steczkowski. dessen Krank­heit ihn jedenfalls bisher nicht an der Führung der Ge­schäfte verhindert hatte, ließ sich aber durch die in den oppositionellen Klubs gehaltenen Roden und durch die Artikel der den gleichen Standpunkt vertretenen Zei­tungen einschüchtern, übermittelte dein Regentschafts­rat sein Demissionsgesuch, und das Gesamtkabinett folgte diesem Beispiel, ohne auch nur in: Staatsrat die Probe auf das Exempel zu machen. Unter diesen Um­ständen blieb dem Regentschaftsrat nichts weiter übrig, -als dies Gesuch zu genehmigen. Er beauftragte das bis­herige Kabinett mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte und vertagte den Staatsrat. der im Septem­ber zusammentreten sollte, aus unbestimmte Zeit, stellte sich aber zugleich einstimmig auf den Standpunkt, daß die Verhandlungen in Berlin und Wien trotz der Kabi- nettskrisis fortgesetzt werden sollen. Was die Verhand­lungen mit der deutschen Regierung betrifft, so haben die Spezialberatungen, an denen von unserer Seite Unterstaatssekretär Frhr. v. Stumm und Prinz Hatzfeld, von polnischer Seite Graf Honikier beteiligt sind, an diesem Dienstag in Berlin begonnen. Es sollen dabei vor allem die Militär- und Eisenbahn­konvention, die Zollfrage und die Grenz­linien nach Rußland und Litauen hin geregelt werden.

Freilich ist nicht zu verkennen, daß die Festlegung des Verhältnisses zu Polen durch die erwähnten kriti­schen Zustände sehr erschwert wird, und es muß mit aller Deutlichkeit ausgesprochen werden, daß die Schuld hieran nicht allein auf polnischer Seite liegt. Die Agi­tation der Passivisten wird jedenfalls wesentlich dadurch erleichtert, daß zwischen Berlin und Wien noch immer keine endgültige Einigung über die polnische Frage erzielt worden ist. Tritt man doch auf österreichi- cher Seite noch immer für die austro-polnische Lösung ein, obwohl diese von deutscher Seite mit zwingenden Gründen als unannehmbar gekenn­zeichnet worden ist. und obwohl sogar die Mehrheit der Polen sichtlich davon nichts wissen will. Man sollte doch an der Donau anerkennen, daß man durch das Ernver- siandnis mit der Kandidatur des Erzherzogs Stephan !Ür die polnische Krone den österreichischen Wünschen sehr weit entgegengekommen ist und aus dem polni­schen Programm endlich die Forderung nach der Per­sonalunion streichen, die, weil sie unerfüllbar ist, nicht Nur die Verhandlungen zwischen Deutschland Lvd

der Donaumonarchie erschwert, sondern auch die Opposition in Polen ermutigt, die gedeihliche Lösung des polnischen Problems wenn nicht zu hintertrerben, so doch zu verschleppen. Gerade die jüngste Kabinetts­krisis sollte in dieser Beziehung für die Wiener politi­schen Kreise eine Lehre und eine Warnung be­deuten!

fördliehes

Ardianje:

\N| - Pefrösairodsa yrO/mu yp Petersburg o

ShxKholi

itaiUsfjur

Wjatta üi «owgoroo Kasan

— Kosfronfy. •jarosstaTys' 'Wladimir

»Is'imbirslt

Sara™

Q S T E R R. UNGARN

Stawropol

IULGARIEN

WnSsWi

—Sch warzes Jfeei

ISn-tfänf.— j .

Trapsiuol II

Erzeruino

SreK/mc der nßstschen Oher/tonai

r—s Sicfiemngstime Kir den Kreis Baku ,, ~

ßrossmsland nach dem deutsch-russischen Iroanzorm /ertrag

Das deutsch-russische Finanz-Abkommen.

Berlin, 11. Sept. (Amtlich.) Das am 6. September *>. I. ratifizierte deutsch-russische Finanzabkommen enthält Be­stimmungen über die Herausgabe der beiderseitigen Bank­depots und Bankguthaben, wobei unter Bankguthaben fällige Geldforderungen jeder Art gegen Banken und Bankiers zu verstehen srnd. Diese Bestimmungen haben eine neue Auffor­derung der deutschen Gläubiger zur Anmeldung ihrer An­sprüche, so weit sie sich gegen Banken und Bankiers im Ge­biet der Sowjetrepublik richten, notwendig gemacht. Zu die­sem Zweck hat der Reichskanzler am 7. September d. I. eine Bekanntmachung erlassen, die außer im „Reichsanzeiger" auch in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 8. Septem­ber und in einem großen Teil der Tagespresse veröffentlicht ist. Die eingehenden Anmeldungen werden am '25. Septem­ber 1618. am 15. November 1918 und am 15. Februar 1916 dem russischen Staatskoimmssar mitgeteilt. Die Anmeldungen sind zwar an sich bis zum 31. Januar 1619 zulässig, die Auf­nahme in die erste Liste vom 25. September d. I. hat aber den Vorteil, daß die darnach herauszugebenden Depots und Guthaben, so weit die Ansprüche leinen Anlaß zu Beanstan­dungen geben, bereits am 25. Oktober d. I. zu übergeben sind, während für die späteren beiden Listen ein entsprechend späterer Termin (31. Dezember, 31. März) für die Auszah­lung vorgesehen ist. Wenn auch sür die Aufnahme in die erste Liste keine Gewähr üternvmmen werden kann, so ist doch um­gehende Anmeldung bierncch zu empfehlen. Wegen der Ein­zelheiten, insbesondere auch wegen der Notwendigkeit der Ein­reichung einer beglaubigten Quittung, wird auf den Wortlaut der Bekanntmachung verwiesen. Formulare werden wegen der Kürze der Zeit nicht avsgegeben. Die Adresse des Staats­kommissars lautet: Staattckommissar für die deukschen Depots und Guthaben 'bei russischen Banken, Berlin W. 8, Kronen­straße 42.

Schwedische Stimmen zum deutsch-russischen Zusatzvertrag.

IV. T.-B. Stockholm, 10. Sept. Zu dem Zusatzvertrag zum Brester Frieden schreibt „ Ästonbladet": Was man als neutraler Beobachter sofort feststollen kann, ist das Streben der deutschen Regierung, Klarheit zu schaffen, so daß beide Teile unzweideutig wissen, wonach sie sich zu richten haben. Dies erste Werk Hintzes ist der Grundpfeiler zu einem Werk, das Ordnung schafft und einen dauerhaften so­wie sür beide Teile nutzbringenden Handelsaustausch ermög­licht. — „Nya Daglight Allehanda" betont vor allem, es sei ungeheuer interessant zu sehen, wie hier zwei Staaten, die sich auf grundsätzlich verschiedener Grundlage aufbauten, ge­meinsame Formeln zur Lötung der gegenseitigen wirtschaft­lichen Beziehungen gesucht haben. Da Deutschland sich ver­pflichtete, sich nicht in Rußlands innere Angelegenheiten zu mischen, müßte es ja auch zugeben. daß es eine eigene

Angelegenheit der russischen Nation sei, falls diese als sozia- l i st i s ch e r Staat existieren wolle, wenn sie nur die aus­ländischen Mitbürger für ihre gesetzlich erworbenen Rechte schadlos halte.

*

Mus der Ukraine.

W. T.-B. Kiew, 11. Sept. Tie Verpflegung Kiews hat sich nach Mitteilung des Verpslegungsministers der-, artig gebessert, daß die tägliche Brotration vom 10. Sep­tember an von ein viertel auf ein halbes Pfund erhöht werden kann. — Die Freiwilligenarmee setzt ihren Vor­marsch nach Süden von Gelendschik am Schwarzen Meer fort und steht anderthalb Tagesmärsche von Tuspse. — Die Versammlung des Don-Heeres beriet in geschlosse­ner Sitzung die äußere Politik des Atamans Krasznow und gab ihre Zustimmung und Billigung aller von ihm vorgenommenen Maßnahmen.

Deutsch-ukrainische Verhandlungen.

IV. T.-B. Kiew, 11. Sept. (Drahtbericht.) Morgen wird die ukrainische Delegation des Verbands sür Handel, In­dustrie, Finanzen und Landwirtschaft nach Berlin abreisen zwecks Meinungsaustauschs mit den leitenden Handels- und Jndustriekreisen der Mittelmächte. Das Programm der Be­sprechungen ist gemeinsam mit dem Ministerium für Handel und Industrie, sür Landwirtschaft und Finanzen ausge­arbeitet. _ ■ ,

Ansprache des Kaisers an die Kruppschen Arbeiter und Arbeiterinnen.

W. T.-B Esten, 11. Sept. (Drahtbericht.) Nachdem Herr Krupp von Bohlen und Halbach dem Kaiser für sein Erscheinen gedankt und ihm die herzlichen Wünsche der Werk­angehörigen für die weitere Besserung im Befinden der Kaiserin ausgesprochen hatte, hielt der Kaiser folgende Ansprache:

Meine lieben Freunde van den Kruppschen Werken! Schon lange hat es mich in diesem Kriege zu Ihnen hii gezogen; aber, wie Sie wissen, haben mich vielfach militärische und politische Pflichten aut die verschiedensten Schlachtfelder in len verschiedensten Gegenden des vom Weltkriege umtobten Europas gerirren. Deshalb habe ich meinen Plan, zu Ihnen zu kommen, immer wieder aufschieben müssen. Nunmehr ist es mir zu meiner Freude jedoch gelungen, hierher zu kommen und die Werke, die ich von meiner frühesten Kindheit an in ihrer Entwicklung beobachten konnte und deren Besuch mich immer wieder erfüllt hat mit der höchsten Bewunderung deutscher Wissenschaft, Ersindungsgeist und Tatkraft, zu be­sichtigen. Es gilt heute.

dem Kruppschen Direktorium, den Werkleitern, den Arbeitern und Arbeiterinnen meinen kaiserlichen Dank ausznsprechen für die geradezu überwältigende Art und Weise, in der die Krupvschen Werke dem deutschen Heer und seinem obersten Kriegsherrn zur Verfügung ge­standen haben

und weit über menschliches Ermessen und Hoffen hinaus das Material geliefert haben, das die Armee im Laufe der stei­genden Anforderungen in diesem gewaltigsten aller Kriege von ihnen hat verlangen müssen. Gewaltiges ist geleistet worden, vom Direktorium herab bis zum letzten Arbeiter und vis zur letzten Arbeiterin, und das unter steigenden Schwie­rigkeiten der Ernährung, Schwierigkeiten in der Bekleidung, unter Verlust, Trauer und Sorge aller Art, von denen kein Haus verschont geblieben ist, weder das Fürstenhaus, noch das schlichteste Arbeiterhaus. Und nun noch dazu die steigen­den Anforderungen an die deutschen Frauen, die nicht allein die Sorgen fiir Kinder und HauS ohne den Mann rragen mußten, sondern obendrein ihre Kraft in der Fabrik unter verschärfter Mühewaltung einsetzen mußten, um Waffen und Verteidigungsmirtel den Männern draußen nicht fehlen zu lassen. Eine ganz ungeahnte Mobilmachung ist es gewesen, diese zweite industrielle Mobilmachung, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes, Anforderungen, wie sie noch nicht an das deutsche Volk gestellt worden sind, und trotzdem ist ihnen willig und freudig entsprochen worden. Ta möchte ich vor allem ihnen meinen warmen Dank als Landesvater aussprechen, Sen Frauen sowohl als auch den Mädchen und Männern, daß sie so opferwillig ihre Pflicht ge­tan babeu, trotz der drückenden Sorge von Not und Elend, die unS alle betroffen hat. Es soll in unserem Volke niemand glauben, daß ich darüber nicht Bescheid weiß. Ich habe auf meinen Fahrten durch das Land' mit mancher Witwe, mit manchem Bauer und in Ost und West mit manchem Landwehr­mann upd Landstnrmmann gesprochen. der dos Herz schwer hatte von Sorgen, die aber überstrablt wurden von dem Ge­danken, erst die Pflicht, das aadece kommt später. Ich habe ihre Sorgen mit teilnehmendem Herzen empfunden. Was an landesväterlicher Anregung hat geschehen können, um die Last nach Möglichkeit zu lindern und die Sorgen unseres Volkes zu verteilen, das ist geschoben. Es hätte manches anders gemacht werden können, und daß darüber hier und da Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder. Aber wem ver­danken wir dieses letzten Endes? Wer hat davon schon im Anfang des Krieges gesprochen, daß die deutschen Frauen und das deutsche Kind ausgehungert werden sollten? Wer ist es gewesen, der den furchtbaren Haß in diesen Krieg binein- gebracht bat? Das waren die Feinde. Wir wollen uns doch darüber klar sein, wie die Dinge stehen.

Ein jeder von Euch, bis in die fernste Ecke unseres Bater- londes hinein weiß, daß ich kein Schritt unversucht gelnssen habe, unserem Volke und der Geiamtbeit der gesitteten europäischen Welt diesen Krieg möglichst abzukürzen.

Im Dezember hps Jahres 1916 habe ich ein offenes. Laxes und unzweideutiges Friedensangebot :m Namen des Deutsche»