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Dienstage 10, September 1918. WOrgeN-KUSgaÜE. Nr. 421. . 66. Jahrgang.
stniieiianM. Oittnnnn ano stunmiimt.
(Entwicklungslinie und Ausblicke.)
Nun Dr. jur. Ehrenhard, Oberlehrer in Neuwied.
Eingeleitet durch die Bestimmungen vom 18. August 1908 hat das ganze höhere Mäochenschulwesen eine erfreuliche Forteutn icklung genommen. An die stelle der früheren verpönten Töchterschulen traten in jtraffem Aufbau die Lyzeen. Darüber hinaus wies die Dreiteilung der Studienanstalt, des OberlvzeumS und der Frauenschule ganz neue Verheißungsvolle Woge. Die Studienanstalten, den Knabenanstalten im wesentlichen angeglicben, nahmen bereits einen beachtenswerten Aufschwung. Noch mehr war das bei den Oberlhzcen der Fall. Diese Anstalten, das frühere Lehrerin:,enseminur im Gewände der Oberrealschule, blühten ganz besonders empor. Das erklärt sich wohl schon daraus, datz man diese Schulgattung in den Lebrerinnensem'naren gewissermaßen schon hatte und nur entsvrechend umzugestalten brauchte. Daneben kam noch die Frauenschule, tastend und unsicher, viel angefeindet und bespöttelt, ohne Berechtigungen für die, welche diese Schule ducchgemacht hatten. Jedenfalls war sie von den drei Schulgattungen diejenige, von der man am wenigsten wußte, was sie eigentlich sollte und wollte. Zum mindesten gingen die Meinungen darüber sehr auseinander. u:ü> vielen schien die Frauenschule wieder so etwas wie die früheren Töchterschulen, eine Schule, wo man sich als höhere Tochter so etwas mit etwas beschäftigte. Auch heute tobt ja der Kampf um die Frauenschule immer noch. AIS dann der Krieg kam. entstand von selbst die Frage: Wie werden sich diese drei Schulgattunqen weiter entwickeln? Wird der Krieg auch hier seine Schatten hereinwerfen? Nun, viele halten wohl gemeint, daß bei den größeren Vermögensopfern, welche die Familie in der Kriegszeit zu bringen hatte, man sich den L.'.xus, auch die Tücher auf eine höhere Schule zu chicken, nicht weiter würde leisten können; oder man dachte, die Mädchen seien jetzt im Hause dringender nötig. Im ersten Augenblick hielt man also die so segensvolle Entwicklung zum.
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war der Fall. Studienanstalten ^ und Oberlhzeen nahmen während des Krieges sogar zu. Die Entwicklungslinie hatte sich demnach gar nickst verschoben. Also, schloß man weiter, war diese Entwicklung auch die richtige. Dem äußern Scheine r och ist sie es auch. Aber die nötigen Unterlagen für eine gereckte Beurteilung fehlen doch, aus dem einfachen Grunde, weil der Frauenschule ihre volle Entwicklungsfähigkeit nicht gegeben war. Bei der geringen Anzahl derartiger Schulen kann man überhaupt gar nicht sagen, daß der Fug vorwiegend nach den beiden anderen Anstalten ginge. Jedes kleinere Städtchen muß ja jetzt sein Oberlyzeum haben; daß aber jede Stadt eine Frauenschule haben müßte, da? wollen viele immer noch nicht einsehen. Die Neigung, Frauenschulen zu errichten, war bereits vor dem Kriege nicht sehr groß, vor allem schon deshalb, weil man den Absolventinnen der Frauenschulen keine eigentlichen Berechtigungen mit auf den Weg gegeben hat. Im Frieden konnte uns dieser Stand der Dmpc immerhin noch gleichgültiger sein, aber jetzt im Kriege, wo die Familie und der Staut bis in ihre Grundfesten erschüttert werten, ist doch ein tatkräftiges vickeant oorirnftss om Platze. Soll cs auf der Linie weitergehen oder nicht? Ist es recht und kann man es verantworten, verantworten vor allem vor den kommenden Geschlechtern. daß unsere höhere Lehranstalten für die weibliche Jugend sich vorwiegend nach der wissenschaftlichen Seite entwickeln? Das sind Fragen, die wir prüfen müssen.
Studienanstalt und Oberlhzeum erziehen aus der Familie heraus, die Frauenschule in die Familie hinein. Diese Binsenwahrheit wird auch der begeistertste Schulwiffen- schaftler, die überzeugteste Frauenrechtlerin nicht bestreiten können. Studienanstalt und Oberlhzeum sollen eigentlich nur für eine Minderbeit da sein, für eine kleine Gruppe von Begatten. Jetzt ist das Umgekehrte der Fall. Beide Schulgattungen sind geradezu überlaufen. Wie früher jeder Junge, so wird jetzt jedes Mädchen auf die höhere Schule geschickt. Ist da? geistzge Proletariat auf den Knabenschulen schon ein drückender Hemmschuh, auf den Mädchenschulen ist es ein nationales Unglück Kräfte werden hier an einer Arbeit eingesetzt, für die sie doch nicht richtig nutzbar gemacht werden können. Energien, die an anderer Stelle Wunder wirken könnten, werden sinnlos verpufft. Es gibt ja auch außer der Frauenschule noch Gelcgenbeiten, sich zu betätigen, obwohl ja die Frauenschule eigentlich die Schule aller Frauen sein sollte. Daß die Studienanstalten und Oberlhzeen so gut besucht sind, beweist ja an und für sich nicht, daß diese beiden Anstalten das sind, was wir brauchet. Zahlen beweisen nicht immer überzeugend, gerade so wenig, wie die bestbesuchte Schule auch die beste zu sein braucht. Während des Krieges mögen die Dinge ja noch lo laufen; auch nach dem Kriege, in der ersten Zeit vor allem, wird man die Absolventinnen der Obeilyzeen und Studienanstalten dringend benötigen, um die Lücken, die in den verschiedenen Berufen entstanden sind, zu schließen. Die Oberlhzeen und Studienanstalten, wird man dann sagen, haben also ihre Pflicht getan; sie waren am rechten Platze und haben tüchtigen Ersatz herangcbildet. Aber die nächsten Jahre nach dem Kriege werden vorübergehen. Allmählich treten wieder mehr Männer in die Berufe ein. Wobio dann mit den vielen Absolventinnen der Studienan- staltrn und Olwrlvzeen? Die ganze Entwicklung erfordert dann ohne weiteres eine Ablenkung der Übervölkerung aur die Frouerftchule, denn es gibt dann Nötigeres zu tun.
Durch den Krieg ist der Unterbau des Staates, die Familie, in ihren Grundlagen untechöhlt worden; Lücken sind entstanden, manches ist morsch und brüchig geworden, besonder? in moralischer und wirtschaftlicher Beziehung Was leisten Oberlhzeen und Studienanstalten für den Wiederaufbau der deutschen Familie und damit des deutschen Staates? Erziehen sie uns Mütter und Hausfrauen? Und die brauchen wir doch vor allem nach dem Krieg;, denn ohne geordnete Verhältnisse im kleinen kein Fortschritt im großen, ohne gesunde und tüchtig- Familien kein gesunder, tüchtiger Staat. Und nun noch einmal die Frage von oben' ist es richtig, daß die Mehrzahl der weiblichen Bildungsanstalten sich in ihrem Oberbau vorwiegend nach der wissenschaftlichen Seite entwickelt? Trotz der großen Bildungsarbeit, die hier geleistet wird, muß ich die Frage verneinen. E? war schon vor dem Kriege zu bezweifeln, ob diese Entwicklungslinie die rechte war; der Krieg stellt uns vollends ganz andere Aufgaben. Nach diesen stirchtbaren Jahren, welche der Familie blutende Wunden geschlagen haben, nach den Opfern, die an das Vermögen gestellt werden, wird der Schwerpunkt der weiblichen Erz.iebung wieder von den Höhen der Wissenschaft in die Tiefe unseres Seins zurückverlegt werden müssen. In der Familie müssen alle gesunden Kräfte, Zucht und Ordnung. Fleiß und Sparscrmkesi wieder neue Keime treiben. Die Erziehung für die Familie, die Erziehung zur Mütterlichkeit muß der Angelpunkt unserer ganzen Arbeit an der weiblichen Jugend werden. Fürs Haus müssen wieder Frauen hcran- gebildet werden und so ausgebildet werden, daß sie allen Aufgaben gewachsen sind. Der kleinere Bruchteil, die Begabten, mögen dann ihren wissenschaftlichen Neigungen weiter nachgehen. Hätten wir überall schon Frauenschnlen, dann würde eine Scheidung der Geister wohl eher eintreten; Studienanstalten und Oberlhzeen würden nicht vollgepfropft mit Mädchen, welche diese Schulen nur besuchen, weil ibnen ihre eigentliche Schule fehlt. Leider wird die Frauenschule, wie es aussieht, noch fernerhin ein Stiefkind bleiben, denn gerade während de? Krieges, wo sie am nötigsten wäre, können keine -Rüngründnngen erfolgen. Die Lust dazu wird auch nicht wachsen, wenn man der Frauentzstule keine größeren Berechtigungen gewährt. Der Deutsche ist nun einmal ein Exomensund Berechtigungsmensch, Wer mehr geprüft und patentiert ist, g'lt ja hei uns nichts. Man kann es deshalb auch verstehen, daß die iungen Mädchen sich mehr nach den beiden anderen Schulyattungen drängen. Nun, das letzte Wort ist ja in dieser Frage noch nicht gesprochen. Einstweilen geben ja die neuen Bestimmungen sehr begrüßenswerte Möglichkeiten. Die Dinge sind ja hier noch allzu sehr im Fluß, als daß nicht noch Wünsch; übrigblieben.
Die Frage der Erziehung unserer Mädchen ist zu ernst und bedeutungsvoll, als daß sich bloß die Schulmänner damit beschäftigen müßten. Auch die weitesten Kreise, besonders die Schnldeputationen und Kuratorien, sollten sich dafür ein- setzen. Gerade letzteren darf es nicht gleicksgültig sein, was sur eine Schule sie gründen, denn der alte Satz, daß die Sünden der Väter an den Kindern beimgesucht werden, bewahrheitet sich eben auch >ruf dem Gebiete der Schulpolitik. Ohne Zweifel wird der Einfluß der Frau in der kommenden Zeit wachsen. Geben wir ihr vor allem die Schule, die sie braucht. Vergiß das beste nicht! möchte man auch hier sagen. „Echte Weiblichkeit" muß das erste Hauptfach der eigentlichen weiblichen Erziehungsanstalt bleiben. Sollen wir erst warten, bis ganze Generationen verzogen und verbildet sind? Diesen Luxus können wir uns nicht leisten. Also haben wir vor allem Schulen nötig, die füc das Haus und zur Mütterlichkeit erziehen. Im Schoße der Mütter ruht die Entwicklung und der Kulturfortschritt der Nation. Zurück zu den Müttern! das muß die Losung sein.
Erneute Angriffe der Engländer.
W.T.-B. Berlin, 9. Sepi., abends. (Amtlich. Dralhtbericht.) Beiderseits der Straße Peronne-Canibrai sind erneute Angriffe der Engländer gescheitert.
An den übrigen Frontabschnitten nichts Neues.
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Ein Fliegerheld.
Br. München, 9. Sept. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Bei dem letzten Luftangriff auf Karlsruhe ist es dem Vizeföld- webel und Flieger Emil Baer gelungen, den englischen Geschwaderchef abzuschießen. Seine Kampf- stasfcl hat aus dessen Geschwader fünf Flugzeuge her- ansgeschoffen. Vizefeldwebel Boer wurde zum Offizier befördert und zum Eisernen Kceiiz 1. Klasse vorgeschlagen.
17000 Tonnen im englischen Sperrg-bftt.
W. T.-B. Berlin, 8. Sept. (Amtlich.) Im englischen Sperrgebiet wurden von unseren U-Booten 11090 Brutto- registertonnen vevseackt.
Ter Chef de? Mmiralstalbs der Marine.
Bedrohung der BoNckervikiführer.
Br. Basel, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Dir Nene Korrespondenz meldet aus Stockholm, daß die Sowjet- regicrung fortgesetzt Briese erhalte, in denen ihr gedroht wird, daß sich neue Gewaltakte vollziehen werden gegen die Häupter der Bolschewiki, sofern die Aitenlälerin Kaplan, wclclse auf Lenin geschossen hat, hingerichtet würde. Inzwischen jedoch ist das Todesurteil gegen sie bereits vollzogen worden.
vie Zurückhaltung von Engländern und Franzosen.
Br. Basel, 9. Sept. (Eig. Dcahtbericht. zb.) „Echo de Paris" meldet: Die Konsuln Englands und Frankreichs
trafen in ArchangelS ein. Die Konsuln in Petersburg und Moskau sowie 400 Staatsangehörige werden von den Bolschewiki durch Vocenthaltung der Reisepässe zurück- gehclten.
Bereitstellung eines BefreiungSherreS.
Br. Basel, 9. Sept. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Der englische Oberbefehlshaber in Archangelsk erhielt Befehl zur Bereitstellung eines Expeditionsheere» zur Befreiung der in Rußland festgehaltenen Engländer.
Die Russen in Italien.
Br. Basel, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Secolo" meldet aus Rom: Die rrrssischen Staatsangehörigen in Italien werden seit drei Tagen als feindliche Ausländer ausgezeichnet.
Eine neue Kriegserklärung.
Br. Basel, 9. 2:pt. (Eig. Doahtlericht. zb.) Havrs melde: an? Land in: Die kibirifche Regierung in
Omsk hat Deutschland den Krieg erklärt.
Beschleunigung der russtsck-ukrainischen Zriedenr Verhandlungen.
W. T.-B. Kiew. 9. Sept. Der Ministerpräsident L y s o « g u b gab den Pertretern der deutschen Presse als Zweck seiner Berliner Reise an, er wolle Deutschland um die Vermittlung zur Beschleunigung der ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen bitten. Deutschland hätte sich dazu bereit erklärt.
Das Wolfs-Bureau erfährt an zuständiger Stelle, daß auf russischer Seite derselbe Wunsch besteht, die Frie- dcnsverhandlungen möglichst bald zu Ende zu führen.
Die bisherijge Ausfuhr aus der Ukraine.
Berlin, 9. Sept. Laut „B. L.-A." sind seit Beginn des Warenaustauslchs Arischen der Ukraine und Deutschland bis 17. August einschließlich aus der Ukraine nach Deutschland 2181 Waggons Getreide, 4429 Waggons Lebensmittel und 905 Waggons mit Rohstoffen auSgeführt worden.
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Die Ausreise der Zarin bewilligt.
Br. Basel. 9. Seot. 'Eig. Trahtbecicht. zb.) „Journal des Debats" meldet an? Madrid: Nach offiziösen Meldungen hat die Zarin die Bedingungen der Bolschewikiregierung angenommen und auf alle ihre Ansprüche auf den finanziellen Nachlaß des Zaren im In- und Ausland für sich und ihre Rechtsnachfolger verzichtet, worauf die Erlaubnis zur Ausreise gegeben wurde. Der königliche Hof in Madrid befahl, die Bereitstellung des königlichen Schlosses in San Sebastian.
Beitritt Griechenlands zum Londoner Abkommen.
Br. Basel, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Times" meldet, datz Griechenland dem Londoner Abkomnren gegen einen Soridersrieden beigetreten sei.
österreichisch-ungarische Tagesbericht,
W.T.-B. Wien, 9. Sept. (Dcahtbericht.) Amtlich verlautet vom 9. September, mittags: Auf dem MontePer- s i c a wurden vorgestern abend und gestern früh italienische Angriffe durch unser Feuer abgeschlagen. Der Feind erlitt schwere Verluste.
Der Chef des Generalstabs.
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Oie polnische $ragc„
Br. Breslau, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Österreich bat noch Informationen der „Voss. Ztg." den Geheimvertrag mit der Ukraine bezüglich desCholmerLandes gekündigt und das Cholmer Gebiet bereits wieder dem Militärgouvernement Lublin unterstellt. Es soll in Wien den polnischen Vertretern ausdriicklich erklärt worden sein, datz Österreich- Ungarn in der galizischen Frage den Polen gegenüber zu weiteren Zugeskandnissen bereit sei, ob indessen diese Zugeständnisse genügen, die im Augenblick ins Stocken geratene Lösung des polnischen Problems zu beschleunigen, steht noch dahin.
Die deutsch-österreichisch-ungarischen Zovorrhandlungen.
Br. Budapest, b Sept (Eig. Drahtbericht, zb.) über die Zollvechandlungcn mit Deutschland meldet der Berichtefttatter des „A; Eft": Es waren drei prinzipielle Auffassungen, die um Der- wirklichung gerungen haben. Eine verlangte die Zollunion, die zweite das- Präfcrcntialübcreinkommen und schließlich die dritte wollte den Handklsvertragsabschluß. Die Zollunion wurde von ungarischer Seite, Icscniers von dcn ungarischen Agrariern gefordert. Außer den ungaftsckcn Agrariern waren Anhänger des Mittel. europagelanlenS in Deutschland die Verfechter dieser Lösung. Für den HaudilStcrtrag haben nur sehr wenige gesprochen. Die Mehr- heit trat für Vräscrentialübcreinkommen in dem Sinne ein, daß ein Vertrag zwischen der Mrnarchie und Deutschland abgeschlossen wird, der gewiss: Mcisihegünüigungen den vertragschließenden Teilen zusichert, die von später in den Vertrag eintrctenden Parteien nicht mehr erlangt werden können Diese Auffassung von dem Präfe- levtialübercinlommen hat gesiegt und der Vertrag mit Deutschland wird auf dieser Grundlage stehen.
