Berkas Langgaffe 21
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Montage 9. September 1918.
klbend-klusgabe.
Nr. 420. ♦ 66. Jahrgang.
hie Verständigung;- - Lott Gewaltpolitik.
Der jetzt bekannt gegebene Wortlaut derErgänzungs- vcrträge zum Brest-Litowsker Friedensabkommen zeigt klar und deutlich, daß es keine Redensart ist, wenn in dem Dokument von „freundschaftlicher Verständigung und wechselseitigem Entgegenkommen" gesprochen wird. In der Tat hat ja auch das mehrere 100 Mitglieder zählende Exekutivkomitee der Sowjetregierung nahezu einstimmig (gegen nur 2 Stimmen) das Abkomnien genehmigt, das, wie es scheint, soqar über die Kreise der Marrmalisten hinaus eine verhältnismäßig nicht schlechte Aufnahme gefunden hat.
Für uns ist bei diesem Zusatzabkommen in politischer Beziehung vor allem der ausdrückliche V e r z i ch t Rußlands auf seine bisherige Staats.ad er Hoheit über Livland und E st l a n d von Bedeutung. Tie neue Grenze dieser Gebiets gegen Rußland toll erst durch eine deutsch-russische Kommission genauer festgelcgt werden. Danach wird Deutschland das von ihm östlich dieser Grenze besetzte Gebiet unverzüglich räumen, während die Räumung des Gebietes östlichnier Bcresina, also Weiß-Rußlands, nach Maßgabe der im Art. 2 des Finanzabkommens festgelegten Barzahlungen erfolgen wird. Durch Gewährung des zollfreien Durchgangsverkehrs zu den baltischen Häfen ist Rußland die Abtretung des Baltenlandrs wesentlich erleichtert worden. Das künftige Schicksal von Livland und Estland soll im Einvernehnien mit der Bevölkerung geregelt werden, und zwar in Verhandlungen, die, wie wir hören, bereits in den nach st en Tagen in Berlin beginnen werden.
Was das Do n g e b i e t östlich derEisenbahn Rostock- Woronesch betrifft, so soll es sreigegeben werden mit des.Dknetz-KoUenLeckenL, das fürs-erste in»
LMoahme deuffchem 8
euffchem Betrieb bleibt. Die Räumung jenes Gebietes wird aber abhängig von dem Abschluß des Friedens- Vertrages zwischen Rußland und der Ukraine. In. Kau- kasien ist der neue Staat Georgien geschaffen worden; doch sind hier noch russisch-türkische Gebietsdifferen- zen vorhanden, bei denen Deutschland vermitteln wird, womit die Anwesenheit des türkischen Großwesirs Talaat-Pascha in Berlin zusammenhängt. Schon jetzt ist aber das Gebiet von Baku, das durch die Ölversorgung auch für uns von großer Wichffgkeit ist, den Russen zugesichert, eine Sache, die freilich einen Haken hat: Sie müssen nämlich erst die Engländer von
dort vertreiben.
Roch weit schwieriger ist für Rußland sine andere militärische Aufgabe, die ihm in Art. 5 des Ergänzungsvertrages gestellt wird. Danach soll Rußland alle verfügbaren Drittel anwenden, um in Wahrung seiner Neutralität die Ententestreitkräste aus den nordischen Gebieten zu entfernen, während Deutschland hierbei für die Neutralität von finnischer Seite garantiert. Angesichts des Vorgehens der Entente im Mnrmangebiet und in Sibirien und der jetzt aufgedeckten verbrecherischen Verschwörung gegen den Bestand der Sowjetregierung bedarf es aber wohl gar nicht erst jener ausdrücklichen Verpflichtung, um die derzeitige russisthe Negierung zur Notwehr gegen ihre Bedränger anzuspornen: denn es handelt sich dabei um ihren Bestand, ja um den Rußlands. Die Enthüllungen der Sowjetregierung über die britische Blut- und Mordtaktik, über die unter Anleitung der Ententemissionen ins Werk gesetzte Gegenrevolution bilden eine treffliche Erläuterung zu den Reden der feindlichen Staatsmännxr über die angeblich imperialistische Politik Deutschlands. Die Alliierten befolgen dabei die Taktik jenes Diebes, der, um die Verfolger von sich abzulenken, ielbst rief: Haltet den Dieb! Vergleicht man die deutsch-rllssischen Zusatzverträge mit dem Vorgehen der Entente gegen und in Rußland, so werden wohl auch die Neutralen nicht darüber im Zweifel sein können, auf welcher Seite die Verstän- digungs- und auf welcher Seite die Gewaltpoliffk zu suchen ist.
Ein Ausfluß jener Verständigungspolitik ist es auch, wenn Deutschland sich in wohltuendem Gegensatz zu der Entente verpflichtet, sich n i ch t in die Beziehungen zwischen dem russischen Reiche und seinen Teilgebieten einzumischgn. Und von der Verständigungstaktik ist endlich auch unser Finanzabkommen mit Rußland diktiert. Denn bei den 6 Milliarden Mark, welche Rußland an uns zu zahlen hat. und von denen die Ukraine bezw. auch Finnland eine Milliarde über- nehmen dürften, handelt es sich nicht um eine Kriegsentschädigung, sondern um einen Ersatz für die Schäden, welche deutschen StaatsangeMigen auf russischem Boden und innerhalb der russischen Herrschgewalt durch Kriegszerstörunyen und durch' Kriegsgesetze verursacht sind, ferner um die Abfindung für di« in deutschem Bo- iifc befindlichen annullierten russischen Staatscnüstrhen,
weiter ran die Abfindung deutscher Anrechte an die unterdessen verstaatlichte russische Industrie und dergleichen mehr, und endlich um den Ersatz der Aufwendungen für die Unterbringung und Ernährung der russischen Kriegsgefangenen. Was die sechsprozentige Anleihe von 2% Milliarden Mark betrifft, die Deutschland auf Grund des Finanzabkommens übernehmen soll, so geht sie über den Betrag der in deutschem Besitz befindlichen russischen Staatsanleihen, bezw- staatlich garantierter Wertpapiere, um über eine Milliarde hinaus. Der nach dem Umtausch der affen russischen Werte verbleibende Überschuß dürfte zur Begleichung von Ent- schädigunasforderungen deutscher Staatsangehöriger an die russische Regierung Verwendung finden, während eine Auflegung der russischen Anleihe zur allgemeinen Subskription selbstverständlich nicht beabsichtigt ist, schon mit Rücksicht auf unsere eigenen Kriegsanleihen, denen wir doch nicht selber Konkurrenz machen wollen.
Der Reichstag und die Zukunstsstagen.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
8 A Berlin, 9. Sept (Eig. Drahtbericht, zb.) Die allgemeine Lage und die politischen Ereignisse der letzten Zeit, die jeden Augenblick neue Ansordecungen an die deutsche Politik stellen können, verursachen diplomatische und parlamentarische Kreise zu lebhafter Beschäftigung mit den Zukunftsfragen und den Bedingungen, die schon jetzt für ihre Lösung geschassten werden muffen. Da zweifellos, will man allen Gesichtspunkten Rechnung tragen, neue Kräfte her- angezogen werden müssen, andere ausscheiden wollen, da sic sich nicht mehr stark genug glauben, ihre Aufgabe durchzu- fübren. werden wieder, wie stets in solchen Situationen, Ge- lücbte konsumiert und kolportiert. Vielfach beschäfiigen sic sich mit der verstärkten Beteiligung des Parlaments an der pclitischen Leitung, die zweifellos jetzt nicht nur dem Reichstag, sondern au ch der Regierung selbst erwünscht ist. Daß man sich mit immer größerer Verärsttvoctung belastet und immer unangenehmere öffentliche Parlamentsdebatten hcrbeiführt, wenn man die Volksvertretung und die Regierung als verschiedene Faktoren, nicht als gegenseitige Ergänzung betrachtet, haken nunmehr auch Kreise erkannt, die sich lange Zeit dagegen energisch sträubten. Man glaubt, daß ihr Standpunkt erheblich dazu beitragen wird, den Einfluß des Parlaments zu stärken, wenn auch nicht etwa in Form einer Erweiterung seiner Befugnisse, so durch Heranziehung der staatsmännisch befähig st en Köpfe, die därin sitzen, zur praktischen Mttacbe.it Diese Pläne, die, wie versichert wird, schon seit einiger Zeit an maßgebender Stell: besprechen werden, haben zu den verschiedensten Kombinationen geführt. Wiener Meldungen berichten, man erzähle sich in dortigen Abgeordnetenkreisen, Graf H e r t l i n g werde von seinem Posten scheiden und durch Dr. Sols ersitzt werden. Die Abgeordneten Erzberger und Scheidemann sollten als Vertreter ihrer Parteien in die Regierung eintreten. Wie gesagt, handelt es sich um müßige Kombinationen, denn Genaues weiß bisher niemand, was schon daraus hervorgeht, daß der Reichstag, dessen Parteien doch befragt werden müssen, noch in den Ferien ist. Daß Verschleppungen aber vermieden we-den sollen, geht aus der Tatsache hervor, daß, wie die „Voss. Ztg." meldet, vermutlich Ende dieser Woche der interfraktionelle Ausschuß der Mehrheitsparteien des Reichstags zusammentreten wird, um über die Lage zu beraten. Ob diese Information zutrifft, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, da in der augenblicklichen Situatton sich jeder hütet, sich durch bestimmte Erklärungen sestzulegen. Immerhin ist die Durchführung der angedeu- teten Neuerung nur eine Frage der Zeit. Daß sie komnien wird, ist gewiß. Über das Wie und Wann allein ist man noch Im Zweifel, der aber vielleicht noch vor Zusammentritt des Hauptausschusses, d. h. Anfang Oktober, gehoben sein wird.
Abgewiesene weitere Angriffe.
Ein Fliegerangriff auf Mannheim.
565 feindliche Flugzeuge im Kugustvernichtet gegen 143 deutsche.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Örtliche Kämpfe nördlich vom Ploegsterrtwalde und am L a - B a s s ee - K a u a l. Nördlich von Armen- tiereS griff der Feind von neuem an; wir wiesen ihn ab uud machten Gefangene.
Im Kanal-Abschnitt Arleux - Havrineourt Artillerietätigkett und Erkundungsqefechte. Südlich der Strasse Peronne - Cambrai setite der Feind seine Angriffe unter Einsatz stärkerer Kräfte gegen die Linie Gonzeaucourt - Epe dp - nördlich von Pempleu fort; sie scheiterten unter schweren Verlusten für den Gegner. Unsere Bortruppen verwehrten gestern überlegenem Feinde das Vordringen über St. Simon und den Grvzat- Kanal. Erkundungsgefechte zwischen Oise uud Aikette. Zwischen Ailette und Aisne brach der Feind nach mehrfachen vergeblichen Trilangriffen gegen Abend zn geschlossenem Angriff vor; er wurde auf der ganzen Front, teilweffe im Nahkampf und durch Gegenstoß, blutig astgewiesen.
Zwischen Aisne und Besle scheiterte« Teilangrisfe; in der Ehampagne Teikvoritöße des Gegners.
Aus eincm englischen Geschwader, das zum Angriff auf Mannheim vorstiess, wurden fünf Flugzeug« abgeschossen.
Im A u g u st wurden an den deutschen Fronten 565 feindliche Flugzeuge, davon 63 durch unsere Flugabwehr- gcschütic, und 63 Fesselballone abgeschosseu. Hiervon sind 251 Flugzeuge in unserem Besitz, dry Rest ist jeusetts her feindlichen Linien erkennbar abgestürzt.
Wir haben im Kampfe 143 Flugzeuge und 86 'Fessel- stillonc verloren.
Der Erste Gciieralquartiermerster: Luden Vorst.
In unseren neuen Stellungen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Jnfanterieabteilungen brachten aus belgischen Linien östlich von Merkem Gefangene zurück. Nördlich von Armentieres wiesen wir erneute Angriffe der Engländer a b.
An fort Schlachtfront stehen wir überall in unseren neuen Stellungen. Der Feind suchte gestern südlich der Straße Peronne - Cambrai mit stärkeren Kräften an sie heran- zukvmmen. Nachhuten stellten ihn zum Kampf, wichen über- legerem Gegner kämpfend aus und schlugen am Abend westlich der Linie Gonzeaucourt - Epehy - Templenx heftige Angriffe ab. Beiderseits der Samme ist der Feind auch gestern nur zögernd gefolgt. Wir stehen mit ihm in Linie Vermand-St. Simon und am Crazcrt Kanal in Gefechtsfühlung. Nördlich der Aisne hat sich der Aitilleriekampf verschärft. Westlich von Premontre-Brancourt scheiterten starke Teilangrisfe des Gegners. Südlich der Ailette hat sich der Feind an unsere Linien östtich von Baixaillon herangearbeitet. Starke Angriffe zwischen Vauxeillon und westlich von Vailly, die sich bis zum Abend- mehrfach wiederholten, wurden abgewiesen.
Zwischen Aisne und Vesle ließ die Kampftätigkeit nach.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Die großzügige Rückverlegung beendet
W. T.-B. Berlin, 8. Sept. Am 8. August erfolgte der englisch-französische Angriff gegen die Armee von Marwitz, der zum Einbruch zwischen A n c r e und Avre führte und in seiner Folge den Entschluß der deutschen Obersten Heeresleitung zu einer großzügigen Rückverlegung ihrer Linien veran- laßte. Am 8. September meldet der deuffche Heeresbericht, daß die deutschen Truppen überall in ihren neuen Stellungen stehen. Genau einen Monat brauchten die Engländer und Franzosen also, um das Gelände in verlustreichen Kämpfen gegen zähe Nachhuten mühsam und blutig wieder in ihren Besitz zu bringen, das die Deutschen Ende März in acht Tagen in einem unerhört raschen und erfolgreichen Vorstoß durchmesien haben.
Wie der deuffche Heeresbericht am Tage des Über- raschungserfolges Haiqs zwischen Ancre und Avre offen meldete: „Der Feind ist in unsere Stellungen eingebrochen", io meldet er am 8. September ebenso kurz, daß die Deuffchen in den neuen Stellungen stehen. Der Rückzug über dieses Gelände, das noch die Spuren der Z e r st ö r u n g von der deuffchen Frontverlegung aus dem Jahre 1917 trägt, das die schauerliche Sommewüste birgt und im Osten von einer kilometertiefen Trichterzone vor der Siegffiedstellung begrenzt wird, während im Westen an der im Bewegungskrieg erstarrten Front die Engländer und Franzosen eine neue Todeszone schufen, dieser Rückzug stellte bei den beschränkten, hier zur Verfügung stehenden Verbindungslinien unerhörte Anforderungen an Truppe und Führung. PI angemäß reihte sich eine Frontverlegung an die andere. Wo dem Gegner örtliche Einbrüche in die von Tag zu Tay sich verschiebenden Linien gelangen, wurde ihre Wirkung durch Gegenangriffe oder großzügige operative Maßnahmen stets aufgehoben. Die nächtliche Ablösung vom Feinde gelang fast immer unbemerkt ohne größere Opfer, als die Naffrr von Rückzugsgefechten sie bedingt. Der beste Beweis dafür sind die geringen Gefangenen- und Bentezahlen, die die Engländer im späteren Verlauf ihrer Känipfe melden konnten: Kriegsmaterial, Munition und Ver- pflegung, wie alles, was dem Feinde von Wert sein könnte, konnte rechtzeiffg und in Ruhe zurückgeführt werden. Die Deutschen sind jetzt wieder an b e w o b n- ten Gegenden mit all ihren Hilfsmitteln. .Die Engländer und Franzosen mit ihren Hilfsvolkern liegen nach einem unerhört verlustreichen und anstrengenden Vormarsch in der Zone des Todes und der Verwü st u n g, die sie größtenteils selber geschaffen haben. Bewohnbare Dörfer und Städte yöbt es hier längst nicht mehr. Was die- EnMader
