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(Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge verboten.)

£Ui9 TUt-Nassau-Saarbrücken.

Mitgeteilt von Hermann Usener-Ktipstein. (Schluß.)

Vier Briefe der Fürstin Eatharina von Nassau,

Gräfin von Ottweilcr, geb. Kest.

Fürstin Catharina von Nassau, Reichsgräsin von Ottweiler, an ihre Tochter Luise.

Mannheim, den 18. Januar 1818.

Vor einigen Tagen kam das mir zugesandte Kistchen mit der wunderschönen Tasse wohlbehalten an. Sie gefällt mir sehr, und ich statte Dir anbei meinen gehörigen Dank ab, Luise. Zum Ge­brauch nehme ich aber diese schöne Tasse nicht, sie könnte mir sonst zerbrochen werden. In meinem Schlafzimmer auf dem serre ü hijou erhielt sie ihren Platz.

Der Gedanke mit Dolkoroka ist allerliebst! und ich kann Dir zum Trost sagen, nreine Gute, bei ihr sind leinen ein wenig zierlich formierten Schnurrbart und zu große Ohren hat die Katze) die langen Haare um den Hals und die Brust gerade so wie bei Dol- koroky, dem Kater, als er noch jünger war. Dieser hatte um Kopf und Hals einen ordentlichen caput radiatum, was die Kattel bezeugen kann, die ihn in seiner großen Schönheit gesehen. Aber das Weibchen Dolkoroka war die Schönste.

Das Portrait, meine gute Luise, welches Du reklamierst, ist eingerahmt und hängt in meinem Speisesaal neben dem Portrait des Fürsten, meinem selig. Gemahl. Dieses Stück, das zu dem für die Gräfl. Ottweilersche Familie gestifteten Vermögen gehört, betrachte ich als völlig in meinem Besitz, — ich erwarte also, daß Du mich beim Bundestag belangst.

Das Ministerium zu Berlin hat mir geantwortet, daß nach den Friedensverträgen meine Forderung an die ehemalige Saarbr. General- und Speciallandkasse dem Herzog!. Haus Nassau zur Last und Bezahlung anheim falle, — bei welchem die preußische auswärtige Gesandtschaft sich tätig verwenden werde, um die baldige Berichtigung zu bewirken. — Amen!

Komme ich hier an den Bundestag??? — Antwort: Wahr­scheinlich. —

Da ich Dir von Rechts wegen eine indemnit6 für das große Portrait schuldig bin, und damit Du für solches nicht ein Zimmer notwendig hast, >vie ich einst für meine Flötenuhr in Saarbrück, so schicke ich Dir als Ersatz für besagtes Portrait ein anderes, welches nicht so viel Raum erfordert, und ich füge auch noch zwei andere hinzu. Jenes, mit Perlen garniert, möge als mein Neujahrs­geschenk an Dich gelten. Ich konnte Dir kein Geld senden, indem ich selbst stark den Mangel an barem Geld empfinde, was die Welt zwar nicht glaubt, aber leider doch wahr ist. — Noch muß ich eine Bemerkung machen, Luise, nämlich: Du kannst Dir etwas darauf einbilden, das mit der Einschrift versehene Portrait erhalten zu haben. Bringe ihm stets Hochachtung und Liebe dar! — Du erhältst alles durch den ersten Postwagen nebst einem Schüchtelchen, in welchem ich Dir verschiedene Briefe sende, die Du mir alle wieder zurückschicken mußt. Lese die Briefe *) von Adolphe und seinem Freund Graf von Pückler, und es wird Dir klar werden, daß die

*) Abgedruckt in „Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saar­gegend". Heft 8 (1901). Originalbriefe im Besitz von Erzellenz Schilling v. Canstatt in Baden-Baden.

Aussagen des Bicarius bloß fanfaronnade von jenem Offizier gewesen sein müssen. Indem Adolphe nicht nach Moskau kam, sondern in Gefangenschaft, so dürfte er wohl nicht mehr am Leben sein — nach allen anderen Nachrichten. Aber welch' ein gräßliches Gemälde, wenn es sich so verhielte, wie der Vicarius erzählt. — Guter Gott! stärke meinen Glauben, daß ich nicht lästere, wenn die besten Menschen ein solches Schicksal ertragen müssen. — Adolphe*) und Pückler waren Universitätsfreunde, und als Pückler hörte, Adolphe sei in Württemb. Dienst, so ging er, wie dieser, auch zu des Königs Garde. Ich muß also eher Pückler Glauben schenken. Er hatte mir schon früher geschrieben, als er noch auf dem Rückmarsch war, aus Thorn nämlich, von wo er mir meldete, daß Adolphe gefangen worden sei, und er es sich zur Pflicht mache, mich zu benachrichtigen. Hieraus stellte ich ihm, als er in Stuttgart ankam, verschiedene Fragen, welche er in beigelegtem Brief beant­wortet hat. — An den Hauptmann von Hofmann habe ich ebenfalls geschrieben, erhielt aber noch keine Antivort. — Der Vicar scheint, nach seinem Brief zu urteilen, ein guter Mensch zu sein.

Du hast eigentlich Adolphe nur mehr als Kind gekannt, des­wegen sollst du einige seiner Briefe hier finden, damit Du Dir einen Begriff von seiner Herzlichkeit, seiner unverstellten Auf­richtigkeit und Liebe gegen mich machen kannst. Es sind 7 Stück, welche Du mir alle, nebst den übrigen beigefügten, gut verwahrt, zurücksenden mußt.

Nun wird geschlossen. Ich brachte Dir ein großes Opfer, indem ich Dir einen so langen Wisch geividmet habe. Das Schreiben ist mir verhaßt, seit ich so viel Unangenehmes schreiben mußte. Ich sage Dir adieu, Luise, nochmals vielen Dank für die schöne Tasse. Lebe wohl, wohl! — , C.

P. 8. Heute, den 20., geht der Postwagen ab, der das Schüchtel­chen mit nimmt.

Adresse: An Matthias Kest, Sohn des Daniel Kest, wohnhaft in Fechingen unweit Saarbrücken.

Mannheim, den 31. Mai 1827.

Seinen Brief vom 18. August verflossenen 1826er Jahres kam hier an, während ich verreist gewesen ivar, und von welcher Reise ich erst nach langen Monden ivieder zu Hause gekommen bin. — Sein 2ter Brief vom 20ten Mai laufenden Jahres kam mir vor einigen Tagen zu. Da ich nun iveder ihn noch seiner Hand Unterschrift kenne, so muß er vor allen Dingen uni ein schriftliches Zeugnis bei dem Maire oder Bürgermeister von dem Ort, in dem er wohnt, ansuchen und selben bitten, daß mmi ihm ein Zeugnis erteilet, daß er wirklich der Sohn von Daniel Kest ist, für ivelchen er sich ausgibt. Hat er nun dies schriftliche Zeugnis erhalten, so schickt er selbiges durch d i e P o st hierher, dann werde ich sorgen und ihm etlvas zur Unterstützung auf sicherem Wege zu­kommen lassen. Er braucht den Brief mit dem Schein nicht frei zu machen, damit er sich keine Unkosten damit verursacht. — Mein heutiges Schreiben wird er durch die Post erhalten.

Adieu, ich grüße ihn.

*) Kameralist. 1805 im Korps Rhenania, später int Korps Suevia in Heidelberg. 1810 im Korps Ondolia in Erlangen.

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