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Verlag Langgasse 21

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Samstag, 7. September 1418.

Berliner Abteilung des Wiesbndeuer Tagblatts: «erli» W. 57, An der Apostelkir che 7,1. Fernsprecher: «mt Lütza« «202 und 6203

kibend-Rusgabe.

Nr. 418. . 66. Iahrgang.

Die vereitelte vernichtungsjchlacht.

(D v n unserem militärischen Mitarbeiter.)

Der Beginn des 6. Krieqsjahres brachte unserem Heere die stärkste Belastungsprobe, die es bisher zu tragen hatte. Die zahlenmäßige Übermacht des Gegners nahm wieder gewaltige Form an, wie bei Beginn des Krieges, als wir nach zwei Fronten kämpfen mußten, und von Osten her > die ungeheure, russische Dampfwalze sich gegen unsere'Grenzen heranschob. Wir wissen, wie sie geendet hat. Nun soll die a m e r i k a- nische an ihre Stelle treten. Hindenburg und Luden­dorff haben erst vor einigen Tagen Gelegenheit genom­men, darauf hinzuweisen, daß die amerikanische ebenso wenig wie die russische unser Heer werde überwinden können.

Als am 18. Juli dieses Wahres die große feind- liche Gegenoffensive ihren Anfang nahm, ahnte keiner, welch ungeheure Massen General Fach seinen Plänen zu opfern gedachte. Bisher wurden an der Hauptkampfstelle nicht weniger als 12 0 f r a n z ö- sisch-englische und 16 amerikanische Divi­sionen festgestellt. Fach wollte nicht einen Sieg, son- dern er wollte die größte Dernichrungsschlacht der Weltgeschichte schlagen. Die Methode der „Staffel­schlacht" gab ihm Gelegenheit, seine starke Übermacht .fs raffinierteste auszunutzen. Dann dehnte er immer i'iter seine Flügel zu beiden Seiten aus in der Absicht,

: useve dünnen Flanken zu umfassen und zu zerdrücken. Gleichzeitig sollte die Staffelschlacht das Z e n t r u m zerreiben, um mit der Umfassung den Durchbruch zu er- zielen. Schon jetzt steht es fest, daß seine großen Pläne gescheitert sind. Die Vernichtungsschlacht wird Fach nicht schlagen.

Wir haben auch weiter unsere Front zurückverlegt und verkürzt und sind näher gegen die Linie Cambrai- St. Quentin zurückgegangen. Die Schlacht ist noch nichtzuEnde. Fach hat noch stark -e Kräfte in der Reserve, und besonders die amerikanischen Divi­sionen dürften der Auffüllung der abgekämpften Heeres­körper dienen. Schwere Tage stehen unserem Heere noch bevor. Aber der Vernichtungswille unserer Feinde wird auch weiterhin unbefrredigr bleiben, denn auch die stärksten amerikanischen Hilfen können den GeistdesSieges in unserem Heere nicht zerstören.

Engländer und besonders Franzosen ergehen sich be­reits in kühnsten Erwartungen. Ter vorübergebende Erfolg läßt sie bereits den Zusammenbruch unseres Heeres als bevorstehend anseben. Sie hoben aus vier Kriegsjahren immer noch nichts gelernt. Noch steht das deutsche Heer unbesiegt da und hat noch immer dem Feinds furchtbare Schläge versetzt, wenn er siegestrunken war. Wir kennen die Pläne unserer Obersten Heeres- leitung nicht. Ihre Zuversicht aber zeigt uns, daß die Feinde vorsichtiger in ihren Erwartungen sein sollten, denn sie könnten sonst eine unliebsame Überraschung er- leben. _

Der Tagesbericht vom 7. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boebn.

Nordwestlich von Langemarck machten bayerische Truppen bei örtlichem Borstoß mehr als 100 Gefangene. Süd­lich von (Ypern schlugen wir mehrfache Angriffe der Eng­länder zurück.

An den Schlachtfronten entwickelten sich heftige I n - fanteriegefechte im Borgelände unserer Stellun­gen. Unsere Nachhuten zwangen den Feind in der Gegend Fins-Lierainont-Lonagvesnes zur Entwicklung und zu ver­lustreichen Angriffen. Unsere Schlachtflieger griffen feindliche Kolonnen bei dem Übergang übe: die Somme bei Brie und St. Ehrist mit Erfolg an. An der Somme und Oise ist der Feind über Ham und Chauny gefolgt und stand am Abend im Kampf mit unseren Nachhuten in der Linie Aubigny-Billequier-Aumont. Zwischen Oise und Aisne lebhafte Borfrldkämpfe. Beiderseits von Bauxaillon wurden stärkere Angriffe des Feindes abgewiesen.

Heeresgruppe Deutscl,er Kronprinz.

östlich von Lailly stehen wir an der Aisne in Ge- fechtssühlung mit dem Feinde. Ans den Höhen nordöstlich von FismeS wirsen wir erneute Angriffe der Amerikaner ab.

Der Erste Generalquartiermeäster: Ludendorff.

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Nack) der Zrontrlickverleaung vom 2./3. Sept.

W. T.-B. Berlin, 6. Sevt. Nach der Rückverlegung unserer Stellung am 2. und 3. September haben Groß kämpfe nicht mehr stattgefunden. Nachdem der Feind lange nichts be­merkt hatte und immer noch auf unsere alten Stellungen schoß, fühlte er erst zögernd, lange nach Beendigung unserer Bewegung, durch Patrouillen, denen Tanks beigegeben waren, gegen unsere zurückgebliebenen Nachhuten vor. In den «vürrüloenden Winkel bei Arleur waate er sich noch nicht

hinein. Erst am 4. September, nachmittags, fanden hart­näckige Kämpfe bei Jnchy und Moeuvres statt. Der starke Verkehr auf den Straßen und die Schanzarbeiten der Eng­länder in unseren alten Gräben bei Arlsnx und westlich Ecourt-St. Quentrn wurden van unserer Artillerie wirksam unter Feuer genommen. Allmählich erst wirkte das Zer­störungsfeuer des Gegners stärker, dagegen setzte er die sinn- Iife Zerstörung von Douai durch Granaten mittleren und schwersten Kalibers fort. Gestern wurde durch Volltreffer, das schöne Theater vernichtet; der Westteil der Stadt steht in Flammen. Eambrai wurde durch Bombenabwürfe schwer heimgesucht; viele Einwohner wurden wiederum getötet oder verwundet. Ein feindliches Bombengeschwader von sieben Flugzeugen kreiste am 4. Sept. gegen 11 Uhr vor- iniltags über Valenciennes, als es überraschend von unseren Kampffliegern angegriffen wurde. Sie warfen darauf wahl­los in die innere Stadt ihre Bomben ab. Das Portal der St. Peterskirche wurde getroffen.. Von diesen sieben Flug­zeugen wurden zwei noch über Valenciennes, weitere drei auf dem Rückwege bei Douai abgeschossen.

Die Erfolge unserer Bomben- und Jagd- Geschwader.

IV. T.-B. Berlin, 6. Sept. In den drei Nächten vom 1. zum 2., vom 2. zum 3. und vom 3, zum 4. September be­legten die deutschen Bombengeschwader militäri­sche Ziele hinter der französischen und englischen Front in zahlreichen Flügen mit der Riesensumme von 201257 Kilo­gramm Bomben. Eine Fluggeugbesatzung warf, in vier Fingen allein 3200 Kilogramm Bomben. Bei den An­griffen galt es vor allem, die für den Nachschub des Grotz- kampfgebiets wichtigen Bahnhöfe und Haupt- stapelplätz« zu treffen. So wurden die Bahnhöfe oon Papering he, Döllens. St. Pol, Abbeville, Lrhons und Roz ir­res ausgiebig mit Bomben beworfen und überall gute Treffer erzielt. Zahlreiche Brände und Explosionen bezeichneten noch stundenlang nach dem Angriff die Wirkung der deutschen Bomben. Ferner galt es, die stark belegten Ortschaften hin­ter der feindlichen Front anzugreifen und die Truppen zu be­unruhigen. Zahlreiche Brände und Explosionen von MunitionSstapeln in Peronne, Croisilles, Combles, Rohe und Montdidier leuchteten den deutschen Fliegern noch lange auf ihrem Heimflug. Wo zahlreiche Lichter in Waldlagern starke Belegung verrieten, wurden sie ausgiebig mit Boniben und Maschinengewehren angegriffen. Den Straßen­verkehr bekämpften die deutschen Geschwader wiederholt erfolgreich mit kleinen Bomben und Maschinengewehren. Marschierende Kolonnen zerstoben in schleuniger Flucht und suchten in Gräben und hinter Hecken Deckung vor dem mörde­rischen Maschinengewehrfeuer. Ein Flugzeug erzielte aus niedrigster Höhe mehrere Volltreffer in einer langen Muni­tionskolonne zwischen Brahe und Peronne; zwei Wagen slogen mit starker Explosion in die Luft. Auf mehreren feindlichen Flugplätzen vernichteten die Brandbomben Zeli- hallen und verursachten Explosionen von Benzintanks. Bei allen Flügen war die feindliche Gegenwehr durch Abwehr­kanonen, Maschinengewehre, Scheinwerfer und FagdsluWeuge auffallend stark. Um so höher sind die Leistungen der deut­schen Geschwader zu bewerten. Sie reihen sich würdig den Taten der deutschen Jagdflieger an, die vom 1. bis einschließ­lich 4. September 131 feindliche Flugzeuge und 28 Ballone zum Wsturz brachten.

Oberst Lgli über ö?« Lage.

Basel, 6. Sept. (KV.) In seinem Bericht «brr die allge­meine Kriegslage weist O b e r st E g l i an Hand von Zahlen nach, daß die Reuter- und H a v a s - Agenturen die Gesangenen- und Beuteangaben geflissentlich fälschen, um bei der großen Masse der Leser den Eindruck zu erwecken, als ob die Deut- schen bei der planmäßigen Zurückverlegung ihrer Front große Bcrluste erlitten hätten. Ziehe mm die Ausdehnung des Kampfgebietes und die Tauer der Kämpfe in Betracht, so er- kenne n,an sofort, daß die Gefangenen- und Beutszahlen im Rahmen dessen bleiben, was unter den gegebenen Verhältnissen und er- m eidlich ist. Rückschlüsse aus eine Demoraltsiernng der Truppen ließen sie nicht zu.

Weiter heißt es dann. Immer wieder kehrt in der deutsch- feindlichen Presse die Meldung wieder, daß di« Deutschen nicht mehr in der Lage seien, ihren Einheiten den erforderlichen Ersatz der abgehcnden Mannschaften zuzuführen, und doch berichteten alle, die von Deutschland kommen, daß in allen Garnisonen des Hinterlandes nrch immer eine große Zahl felddiensttauglicher Sol­daten vorhanden sei. Ganz abgesehen von dem normalen Zuwachs sind in den letzten Monaten eint große Zahl von Kriegsgefangenm aus Rußland und Rumänien zurückgekehrt, die nach entsprechender Ausbildung als Ersatz im Westen verwendbar sind.

12000 Tonnen.

W. T.-B. Berlin, 7. Sept. (Amtlich. Drahtbe eicht.) An der englischen und nocdfcanzösischen Küste versenkten unsere Unterseeboote 12 000 Bruttoregistertonnen.

Der Chef des Admiralstaks der Marine.

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Oer Schksfsranb der Union.

IV. T.-B. Lima (Peru), 7. Sept. (Drahtbericht. Reuter.) Der Kongreß hat ein Abkommen zwischen Peru und der: Vereinigten Staaten von Amerika über die Benutzung deur- scher Schiffe, die in Callao interniert sind, durch die Ber­einigten Staaten gebilligt.

Die Ratifikation der deutsch-russischen Zusatzverträge.

IV. T.-B. Berlin, 6. Sept. (Amtlich.) Im Auswärtigen Amt sind heute die Ratifikationsurkunden zu den am 27. August Unterzeichneten deutsch-russischen Verträgen, nämlich dem Ergänzungsvertrag zum Friedensvertrag sowie dem Finanzabkommen und dem Privatrechtsabkommen zur Ergänzung des deutsch-rusiischen Zusatzvertrages, ausgetauscht worden. Die Verträge werden demnächst veröffentlicht werden.

V/. T.-B. Berlin, 7. Sept. (Drahibericht.) Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Worötlaut der am 27. August Unterzeichneten deutsch - russischen Verträge. Der deutsch- ruffische Ergänzuugsvertrag zum Friedensvertrag zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und Rußland andererseits besagt in seinem ersten Kavitel über die Demarkations- und Grenzkom­missionen für alle Fronten, an denen deutsche und ruffische Truppen sich gegenüberstehen, sollen, so weit es noch nicht geschehen, sofort deutsch-ruffische Kommissionen zur Festlegung der Demarkationslinien gebildet werden. Die Demarkationslinien sollen so getroffen werden, daß zwischen den beiderseitigen Fronten neutrale Zonen entstehen, die von den beiderseitigen Heeresangehöcigen, mit Ausnahme der Parlamentäre, nicht betreten werden dürfen. So weit zwischen den beiderseitigen Fronten nicht bereits ein geregelter 'Verkehr besteht, wird ein solcher von den Temar- kationskommissionen eingerichtet werden.

Im zweiten Kapitel über die Loslösungsbe­strebungen im russischen Reiche heißt es: Deutsch­land wird, so weit in dem Friedensvertrag oder in diesem Ergänzungsvertrag nichts anderes bestimmt ist, sich in die Beziehungen zwischen dem ruffischen Reiche und seinen Teil­gebieten in keiner Weise einmischen, insbesondere also die Bildung selbständiger Startswesen in diesen Ge­bieten weder veranlassen noch unterstützen.

Im dritten Kapitel über die nordrussischen Ge­biete heißt es. daß Deutschland die Gewähr daftir über­nimmt, daß von finnischer Seite nicht irgendwelche Ein­griffe auf russisches Gebiet erfolgen, während Rußland alle verfügbaren Mittel anwendet, um in Wahrung seiner Neu­tralität die Entente st reitkräfte aus dem nordrussischen Gebiete zu entfernen.

Das vierte Kapitel handelt von Estland, Livland, Kurland und Litauen und besagt, daß Rußland den ijj, Ellland und Livland bestehenden tatsächlichen Verhältnffsen Rechnung trägt, auf die Staatshoheit über diese Gebiete so­wie auf jede Einmffchunq in deren innere Verhältnisse ver­zichtet. Ihr künftiges Schicksal wird im Einvernehmen mit hier Bevölkerung bestimmt werden. Das Kapitel enthält sodann Vereinbarungen zur Erleichterung des ruffischen Handelsverkehrs über Estland, Livland, Kurland und Litauen. Danach soll Rußland in Reval, Riga und Windau Freihafengebiete zugewiesen erhalten, in denen die Lagerung und Untoackunq der aus Rußland eintreffenden oder für Rußland bestimmten Waren unbehindert stattftndet und die Abfertigung des Austritts aus dem ruflischen Zoll­gebiet und dessen Eintritt in dasselbe durch ruffische Beamte stattfinden kann.

Nack» dem 5. Kapitel wird Deutschland das von ihm be­setzte russische Schwarzmeergebiet außerhalb Kaukafiens nach der Ratifizierung des zwischen Rußland und der Ukraine ab- zuschließenden Friedensvertraqes räumen.

Im 8. .Kapitel erklärt sich Rußland damit einverstanden, daß Deutschland Georgien als selbständiges Staatswesen anerkennt. Rußland wird im Gebiet von Baku die Förderung von Rohöl und Rohölprodukten nach Kräften unter- stützen und von den gewonnenen Mengen ein Mertel, jedoch monatlich mindestens eine noch zu vereinbarende bestimmte Tonnenzahl an Deutschland überlaffen. So weit die ge­wonnene Menge zur Lieferung dieser Tonnenzahl nicht aus­reicht wird sie durch anderweit gewonnene Mengen ergänzt.

Im 7. Kapitel erkennt Deutschland das Eigentum Ruß­land? an den nach der Ratifizierung des Friedensvertrages von den deutschen Streitkräften beschlagnahmten russi­schen Kriegsschiffen an und ebenso den Anspruch Rußlands auf Vergütung für russiiche Vorräte, die nach dem Friedensschluß außerhalb der Ukraine und Finnlands von deutschen Streitkrüften beschlagnahmt worden sind.

Das deutsch-ruffische Finanzabkommen besagt im Artikel 2, Rußland wird zur Entschädigung der durch ruffische Maßnahmen geschädigten Deutschen unter Berücksichtigung der entsprechenden russischen Gegenforderungen und unter An­rechnung des Wertes der nach dem Friedensschluß von dev deutschen Streitkräften in Rußland beschlagnahmten Vorräte den Betrag von sechs Milliarden Mark an Deutsch- land zahlen. Von diesen 6 Milliarden Mark wird der Betrag von 1% Milliarde Mark durch die Überweisung von 245 564 Kilogramm Feingold und 545 440 000 Rubel in Banknoten kezcblt werden. Die Überweisung erfolgt in fünf Teilbeträgen, nämlich einem am 10. September 1918 zu zahlenden Betrag vrn 42 860 Kilogramm Feingold und 92 900 000 Rubel in Banknoten, und vier am 30. September, 31. Oftober. 80. November und 31. Dezember 1918 zu zahlenden Beträgen vrn ie 50 576 Kilogramm Feingold und 113 635 000 Rubel in Banknoten. Der Betrag von einer Milliarde Mark soll durch Lieferung russischer Waren getilgt werden. Die Waren sind im Werte von je 50 Millionen Mark bis zum 15.- Noveuiber und 31. Dezember 1918. im Werte vaa jli