Verlag Langgaffe 21
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Zreitag: 6. September 1918.
klbend-Kusgabe.
Nr. 416. . 66. Jahrgang.
Die planmäßige Coslöfung fortgesetzt.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boehn.
Erkundungsabteilungen des Feindes, die zwischen Aper» and La Bassee vorstießen und nördlich von Lens unter starkem Fenerschlag vorbrachen, wurden abgewiesen. Anr Abend wiesen hessische Truppen zwischen Ploegsteert und BrmentiereS mehrfache Angriffe des Gegners zurü»k. Wir machten hierbei mehr als 100 Gefangene. Erfolgreiche Vorstöße in die englischen Graben bei B n l l u ch.
Im Vorgelände unserer neuen Stellungen kam es zu heftigen Jnfanteriegefechtcn an der Straße Bapaume- Cambrai, am Walde von Havrinconrt und auf der Höhe östlich des Tertille-Abfchnitts. Stärkere Angriffe, die der Feind auf der Linie Neuville- Manancourt-MoiSlains führte, wurden abgewiesen. Aus P e r o n n e und über die Somme ist der Feind erst gestern zögernd unseren Nachhuten gefolgt. Zwischen Somme und Oise drängte er stärker nach und stand am Abend westlich der Linie Ham-Chauny. Auch zwischen Oise und A i s n e hat sich die Loslösung vom Gegner plangemäß vollzogen. Unsere Posten stehen mit ihnen in Gefechtsfühlung in der Linie Amignh-BaeisiS- Laffaux-Conde.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Östlich von Soissons ist der Feind über die B e s l e gefolgt. Unsere Jnfanterieabteilnngen nnd Artillerie haben ihn lange ausgehalten und ihm Berlnste zugefügt. Aus den Höhen östlich von F i s m e s wurden stärkere Angriffe der Amerikaner abgewiesen.
Der Erste Generalqnartiermeister: Lndendorff.
*
Aus den Kämpfen vom 2. und 3. September.
W. T.-B. Berlin, 5. Sept. Der Angriff am 2. Sept., den der Gegner mit starken Kräften erneut gegen den Abschnitt zwischen der Oise und Aisne richtete, brachte ihm nur einen geringen Geländegewinn. Ec mußte sich mit einer geringen Einbuchtung der deutschen Linie südöitlich Toucy-le-Chateau bis zu dem auf der Höbe der Straße Coucy- Soiffons gelegenen Örtchen Ternh-Sarny begnügen und da- ftir eine Menge zerschoffener Tanks und Toter auf dem Kampfplatze lassen. Auch der Einsatz von Amerikanern, Italienern und Marokkanern, die den Anstürmen neue Kraft nnd Elan verleihen sollten, konnte den Erfolg nicht erweitern.
Am Nachmittag des 3. Sept. versuchte er, die kleine Beule in der Richtung auf V a u x a i l l o n zu erweitern und zur selben Zeit das südlich von Laffaur nach der Aisne zu auslaufende Höhengelände zu gewinnen. Wie an den vorhergebenden Tagen war der Himmel mit schweren Regenwolken überzogen. Ein plötzliches Aufhellen gegen Mittag gestattete den eigenen Truppen Einsicht in die feindlichen Absichten, so daß der Ansatz zu einem Angriff in dem zusammengefaßten Artilleriefeuer, das hartnäckig auf den Bereitstellungsräumen lag und den Gegner beträchtlich zu stören vermochte, nicht in der beabsichtigten Weise zur Entwicklung kommen konnte.
Ein Urteil Stegemanns.
Basel, 6. Sept. Anr Schluß seine? Berichtes über die Kriegslage schreibt Militärkritiker Stegemann im „Bund": An der Vesle ist es nockj recht still geblieben. An erfolgreiches Vorgehen der Armee Pershing gegen die Aisne und den Damenweg glauben wir nicht. Es wird dazu starker französischer Artillerie und flankierender Angriffe der Nachbac- armeen bedürfen. Denn der frontale Angriff auf den Damenweg ist die schwierigste Aufgabe, die einer Armee gestellt werden kann. Man wird erst aus den Maßnahmen, tie Fach östlich von Soissons anordnet, und aus dem Kräfte- einschluß, den Haig für Flandern erübrigt hat, erkennen können, wie sich die Alliierten den Fortgang einer erfolgreichen Offensive denken, die jetzt auf neue Hindernisse stößt und alles an deren Überwindung fesseln muß, um nicht in einem strategischen Rückzug zu enden, der, wie der Joffres. im Stellungskrieg erstarrt und dem Gegner, der seit deni 18. Juli von Aushilfen lebt, die Initiative zurück, gibt.
Der wiener deutsch'e Mtlitärbavollmächtigts über die Lage im westen.
W. T.-B. Wien, 5. Sept. Die „Neue Frei« Presse" meldet. General v. Cramon machte den Journalisten Mitteilung über die militärische Lage an ter Westfront. Cr hatte sich vor einigen Tagen an Ludeutcrfs init tcr Frage gewandt und die Antwort erhalten, daß die ganzen Bewegungen an der Westfront sich vollkommen programmästig vcllzichen und keinerlei Anlaß vorhanden sei, die Situation irgendwie ungüstig zu beurteilen. Cramon fuhr fort: Man dürfe nicht übersehen, daß die Berichterstattung der Franzosen und Engländer ganz übertrieben und falsch sei, mn dazu bestimmt, die kriegSmüde Stimmung aufzupeitschen und die ungeheuren Verluste der Franzosen und ihrer Verbündeten leichter ertragen zu helfen. Wer von der Westfront komme, wisse ganz genau, daß die Stimmung dort überall zuversichtlich ist. Daran andere auch die Propaganda nichts, welche die Entente mir verwerflichen Mitteln führe. Ich kann nur wiederholen. schloß Cramon. daß nicht der g e r i n g st » Anlaß zur Beunruhigung vorhanden ist; man kann nicht immer vorwärts gehen, es muß auch einmal ein Rückschlag kommen
und er wird in Ruhe ertragen werden können, zumal wir alle die feste Überzeugung haben, daß ein Durchbruch der Entente vollkommen ausgeschlossen ist. An len Hindenburg-Slellungcn muß jeder Widerstand zerschellen.
«eine Hoffnung mehr auf einen vurchbrnch der deutschen Front.
Daß man auch in Len Kreisen der englischen Jingos nicht mehr mit einem Durchbruch der deutschen Front rechnet und gezwungen ist, von neuem alle Hoffnungen aus den Feldzug von 1919 zu setzen, zeigen folgende Ausführungen der „Mornilig Post" vom 26. August: Mit großer Anstrengung haben wir die infolge von Rußlands Zusammenbruch entstandene schwere Krisis an der Westfront Überständer! nnd das gefährliche Mißverhältnis der Kräfte ausgeglichen. Jedoch dürfen wir nicht vergessen- daß Hindenburg ein Spezialist in Rückzügen ist, und müssen daher nicht kleinmütig werden, wenn er seine Linie verkürzt, die beste Verteidigungslinie wählt und sie behauptet, in der Absicht, die Initiative wieder aufzunehmen- sobald wir uns im Angriff erschöpft haben. Der deutsche Plan geht dahiik, durch Abnutzung unserer Kräfte unseren Willen zur Fortführung des Kriegs zu erschüttern, und nichts kann den deutschen Absichten besser entsprechen, als daß wir uns geradezu in die schwersten Kämpfe einlaffen. Jetzt wird von uns der Durchbruch noch nicht erstrebt. Fach, Petain, Haig und Pershing denken nicht daran, die Deutschen auf einen Streich vernichten zu wollen. Sind im nächsten Frühjahr die Amerikaner in voller Zahl zur Stelle und gut auS- gebildet, so haben wir die moralische Gewißheit des Sieges. Bis dahin dürfen wir unsere Kräfte nicht durch hartnäckige Angriffe auf die Hindenburg- oder eine andere Linie abnutzen. Erst im Feldzug von 1919 dürfen wir zur höchsten Krcrstentfaltung schreiten, und werden dann schnell die siegreiche Entscheidung des Kriegs .herbeiführen. Das Kriegskabinett muh in den nächsten sieben Monaten alles tun,-um unser Heer in Frankreich nach Möglichkeit zu verstärken. An-» derensalls werden wir bei der Schlußabrechnung nicht die führende Rolle spielen, auf die wir nach der Größe unserer Interessen und unserer Opfer ein Recht haben.
Keim« einer Friedensbewegung in Frankreich?
Dr. Zürich, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach eine: Meldung der „Züricher MovgenFtg." hat die republikanische Liga in Frankreich eine Bewegung ins Leben gerufen, die für eine diplomatische Auswertung der militärischen Lage eintritt. Bon der Liga werden Unterschriften für eine Petition gesammelt, durch welche die französische Regierung aufgesvrdert werden soll, die an der Westfront errungenen Erfolge nicht zur Verschärfung des KriegSwillems auszumünzen, sondern sie einer großzügigen Friedensaktion dienstbar zu machen.
13090 Tonnen im Mittelmeer.
W. T.-B. Berlin, 6. Sept. (Amtlich. Drahtbericht.) Unsere Mittelmeer-Untecseeboote versenkten 13 000 Bruttoregistertonnen Schiffsraum.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die Lntenteverfchwörung gegen d?« Sowjetregierung.
W. T.-B. Cioikholvi, 5. Sept. Das Jungsozialistenblatt „Sven § ka Politiken" macht in einem Leitartikel darauf aufmerksam, taß das Aitcntar auf Lenin in einein für die Entente (ehr güngstigcn Augenblick verübt worden sei. Das Blatt schreibt ini Anschluß hieran: Geht der Plan dahin, nachdem man freie Lust im Westen bekommen hat. die Rechnung im Osten fertig zu machen? Greift man hierfür zum Attentat als dem letzten Mittel, nachdcni die Versuche der Streitkräfte, die Proletarier- Regierung zu stürzen, mißglückt sind? Man kann sagen, beinahe instinktiv ist der Mörder Uritzki? in den englischen Klub geflohen, wo er alle Räumlichkeiten gut kannte und sich bereits länger aufpchalten batte. Seine Flucht deutet direkt auf den letzten Ursprung des Attentats nnd auf die Art jener Beeinssussnngen hin, deren reife Frucbt cs ist. Die Entente, welche die Menschlich, fett, die Freiheit und den dauernden Frieden verkörpern witl, ist schließlich nicht davor ziirückgeschrccki, die Methoden der zaristischen Spionagcprovokationen anzuwenden. Ihre Handlanger hatten einen kurzen Weg zu den Schulen des Zarismus siir die Atterttatstechnik und zu dessen siüheren Spionagezentralen in den westeuropäischen Hauptstädten. Das Attentat lenkt jedoch den Blick weit über Rußland hinaus. Waren nicht ähnliche Kräfte seit dem Anfang des Krieges am Werke? War nicht die Ermordung y a u r c S eine Tat. die in einer gleich großen Verschwörung gegen den Frieden der Völker ihren Ursprung hat. die jetzt das russische Volk zwingt, sich im Bürgerkrieg zu zerfleischen und zu verbluten? Ist nicht Rußland von 1918 bloß eine Wiederholung von Europa von 1914?
Verhaftung aller Engländer in Ruhland!
Berlin, 6. Seht. Dem „89. L.-A." wird berichtet: Die Sowjetregierung habe wach englischen Meldungen die Verhaftung aller englischen Staatsangehörigen zwischen IS und 46 Jahren cmgeordnct. Das Blatt meint, die Sowjetregiel rung habe guten Grund, Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Denn nicht genug, >datz die Engländer die Verschwörung gegen die russische Regierung anzettelten, sie haben auch noch die Stirn- sich über die Verletzung der diplomatischen Immunität wegen des Vorfalls in der englischen Botschaft zu beschweren
Die englische Hand in den letzten Attentaten!
W. T.-B. Petersburg, 3. Sept. Nach Pressemeldungen erklärte Sinowjew, Uritzki sei auf englische Veranlassung hin ermordet worden. Ebenfalls seien die Urheber des Attentates auf Lemn Engländer.
Ein richtiges Moskauer Spionagesnstem sür die Engländer.
Stockholm, k, Sept. In Moskau wurde eine Organisation früherer Telcprapbcnbeanitec entdeckt, 'eie eine Stellung bei der Telegrophcnabtcilnng cinnahmen, um die Engländer mit wichtigen Nachrichten auf geheimem Wege zu versehen. 30 Beamte wurden verhaftet. Die eingeleitete Untersuchung wird fortgesetzt.
Weiteres zu den Bestechnngsversuchcn gegenüber den Letten.
W. T.-B. Moskau, 5. Sept ..Jswestija" teilt weiter über die anglo.ftauzösische Verschwörung mit: Mit Wissen der außerordentlichen Kcmmission wurde ein fiktives lettisches Nationalkoniitee gegiiindet, das auf Lockharts Wünsche einging, seine Geldangebete zunächst aber zurückwies. In einer ge- Heimen Sitzung bei den» am er:konischen Gesandten Pool wurde die Frage der lettischen Autonomie besprochen. Die Diplomaten machtet kaum ein Hehl aus ihrer Verwunderung über die Der- ttauensseliakeit der Letten, die zi: glauben schimen, daß für die Entente jetzt Zeit sei, sich mit selchen Kleinigkeiten abzugeben. Nach der erwcbrten Sitzung nahm ein Beitrauensmann des Komitees 700 000 Rubel, die ibm von Leckhart ohne Quittung übergeben wurden. entgegen, lieferte aker diesen Betrag an die SicherheitS- b e h ö r d c ab.
Ein neutrales Urteil über die Entente- Machenschaften.
W. T.-B. Haag, r, Sept. „Her Vaderland" schreibt: Die Ans. sehen erregenden Enthüllungen in Rußland lassen keinen Zweifel, daß die diplomatischen Vertreter Englands und Frankreichs die Haupte, n st ist er der große» Verschwörung gewesen sind, deren Ziel es war, die Sowjettruppen zu öestechen und den Rat der Vclkskommissare zn stürzen, die Militärdiktatur in Moskau eufxui'chten und Rußland von neuem aus die Seite der Alliierten in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen. Der Mord- anschlog gegen Lenin wird auäi mit diesen Plänen zusa.nmenhängen. Es wird irtercffaiit sein zu hören, auf welche Weise die Kabinette in London und Pari» sich dieser Verschwörung gegenüber verantworten weiden. Vorläufig sind ans der englischen Botschaft 40 Havpischuldlstc vcrbastet. darunter der C h e f «er englischen Mission Lcckhart. der wohl der Hauptanstifter dieser Verschwörung großen Stils zn sein scheint.
kladek über die Laqe der Räterepublik-.
W. T.-B. Moskau, 5. Sept. über die internationale Lage berichtete R a d e k: Die Lage der Räterepublik fet
bedeutend besser als vor sechs Monaten. Von Deutschland habe die Räterepublik nichts zu fürchten. Deutschland wird sich nicht in unseren sozialen Aufbau einmischen. Das englische Murman-Abenteuer wird mit dem Beginn des Winters ins Wasser fallen. Bis die Japaner ihre Truppen herangebracht haben- haben wir die Tschecho- Slowaken geschlagen. Wir appellieren nicht an die Waffengewalt, aber wenn man uns überfällt, werden wir unsere Eroberungen zu schützen wissen.
Die neue russische Nachrichtenzentrale.
W. T.-B. Moskau, 6. Sept. (Drahtbericht.) Unter dem 4. September meldet die „Prawda", die Vereinigung der bisherigen Petersburger Telegraphen-Agentur und der offiziellen Prcssebureaus zur Zentralbehörde der russischen Telegraphen-Agentur, deren Pressetelegramme mit der Auszeichnung „Rosta" erscheinen werden.
ltrassin über die Notwendigkeit eines deutsch- russischen lvereneustsusches.
W. T.-B. Moskau, 5. Sept. Nach der „Jswestija" äußerte sich Krassin über den Zusatzvertrag zum Brester FrierenS- vertrag folgendermaßen: Die nächste Aufgabe Rußlands mutz die Entwicklung de? Warenattstausches mit Deutschland sein. Geschieht diese? nicht, wenn auch nur in minimalem Umfang, so besteht die Möglichkeit eines neuen Kriegs Überfalles Deutschlands. AuSgeführt sollen die Waren werden, welche wir nicht unbedingt notwendig baben oder die wir nicht ausnützen können, so Metallabfälle, Hanf, Flachs, Leder, Felle, Borsten, Haar, Holzmaterial und, wenn die sibirischen Wege ftei »erden, vielleicht auch Butter und Talg Wenn Rußland wirtschaftlich Deutschland boykottieren würde, wird die deutsche Kriegspartei dieses für chre aggressive Zwecke auSnützen. Die überwiegende Majorität des deutschen Volkes, auch der Handels- und Jn- dustriewelt, ist für ein volles Übereinkommen mit Rußland. . Deutschland wird zweifellos auch einen fünften Minierfeldzug aushalten können. Die Entkräf- mr.g Deutschlands darf nun nicht in dem Sinne verstanden werden, daß es den Krieg nicht weiter bestehen könnte. Dank seiner wundervollen Organisation und der Disziplin des ganzen Volkes, seiner Geduld und Ausdauer, wird Deutschland wahrscheinlich imstande sein, die Lasten des Krieges noch einige Jahre zu tragen.
Von der Epzarin.
Basel, 5. Sept. Die Madrider HavaS-Agentur gibt eins Äußerung des „El Sol" wieder, daß man das Gerücht über die E r m o r d u n g der Zarin und einer ihrer Töchter sÄhr v o r s i chsti a aufnehmLll müsse, feetm dir- Verhandlungen des
