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Seite 2. Mittwoch, 4. September 1S18 _

Wiesbadener Nachrichten.

Der Blindenhund.

Ein großer Vorteil ist es für den erwerüstätitzen Blinden, der täglich feine Arbeitsstätte auffuchen oder andere Gänye machen muß, toerm er im Besitz eine? guten Orientie- runykl-errnögenS ist. Das Fehlen des Augenlichts braucht kein Hindernis dazu zu fein. Vielmehr ist es jedem Minden -möglich, sich mir Hilfe einer vielseitigen Ausnutzung der G-e- hörsnxihrnehmungen, der Hautempfindungen, die die Annähe-, rung größerer Gegenftände zum Bewußtsein bringen und hauptsächlich in der Stirngegend eine große Reaktionsfähigkeit besitzen, ferner der Bewegungsempfindungen, die durch Nervenreize in der, Muskeln, Sehnen und Geleniken ausge­lüst werden, und schließlich auch des Geruchfinns, sich in feiner nächsten Umgebung, in Haus, Hof und Garten, allein zu­rechtzufinden. Schwieriger ist es auf der Straße und in un­bekanntem Gelände. Hier vermögen nur -wenige Ganzhlinde ihren Weg ohne Führer zu finden. Unter diefen hat hin und wieder einer versucht, durch Mitnahme eines Begleit- und Schutzhundes fchneller und sichere: vevwärtszukommen. Diese Idee ist neuerdings auch von dem „Deutschen Verein für SanitätAhunde" ausgenommen worden. Er stellt den Kriegsblinden eigens für diesen Zweck abgerichtete Hunde zur Verfügung, die ihrem blinden Herrn jedes Hindernis auf seinem Wege, so weit er es nicht selber wahrzunehmen ver­mag, anzeigen. Die Orientierung in der Örtlichkeit verbleibt dabei selbstverständlich den- Blinden. Mit dem Hund an -der Hand wird mancher Blinde hinau-gehen, der sich allein nicht hinausgewagt hätte. Wem- diese Einrichtung, die gegeinwär- tig größeren Umfang angenommen hat und für die auch in unserer Stadt demnächst eine Werbetätigkeit und die Auffiih- rung eines Films im Kurhaus stattfinden wird, kann vielen Blinden, die ein gutes Orientierungsvermögen besiyen, wert­volle Dienste leisten. _ Cz.

— Zunahme des Postscheckverkehrs. Der Monat August hat nicht weniger als 866 Neuzugänye dem Frankfurter Post­scheckamt gebracht; daS ist bei weitem die höchste jemals er­reichte Monadsziffer. Vergleichsweise fei erwähnt, daß im vorjährigen Monat August die Zahl der Neuanmeldunge-u 803 betrug. Auch das Nxrr verhältnismäßig viel, denn in früheren Jahren beschränkte sich der monatliche Zugang -häufig auf 50 bis 70. Dieses so stark erwachte Interesse für den Poftfcheckberkehr zeigt, wie die außerordentlichen Vorteile die­ser Einrichtung auch in weitesten Kreisen bekannt werden. Bemerkenswert ist neuerdings, daß der größte Teil ider An­meldungen nicht von Frankfurt, sondern -von anderen Plätzen des Bezirks kommt. Das erklärt sich wühl daraus, daß neuer­dings di« Sendungen an dos Postscheckamt portofrei sind. Weiter ist hervorzuheben, daß unter denen, die sich jetzt ein Posifckieckkonto airlegen, Privathaushaltuiiyen und Angehörige des Mittelstandes ü-berwiegen, weil gerade für diese Kreise das Postscheckkonto sehr viele Vorteile bringt. Der große Zu­gang zeigt übrigens erneut, daß nirgends auch nur annähernd so viel Verständnis für das Postscheckkonto vorhanden ist wie gerade in unserem Bezirk.

— Fleischvertrilung. Der wegen jüdischer Feier­tage in einigen Metzgereien auf Donnerstag anberaumte Fleifchverkauf sinidet nur am Nachmittag statt, da es dem FleAchanrt nicht möglich ist, die Schlachtungen so zeitig voc- zunehmen, daß schon am Doni-ersiagvormittag mit dem Ver­kauf begonnen werden kann.

— Ptl;- und WildgeinüselchrtvanVerführung und -Aus­stellung. Am Donnerstag, den 5. September, nachmittags 2i/ 2 Uhr, werden die Damen Agnes Olivia Klein und Fräulein Vaula Ulfert im Interesse der Pil-z- und Wild- gemüfc-At.sstellung eine Lehrfiihruny veranstalten. Erster Treffpunkt:. Haltestelle der „Elektrischen" in Scmne-uberg; zweiter Treffpunkt: 5 y 2 Uhr Hubertushütte. Messer, Körbe, Imbiß sin-d mitzubringen. Die Pilzfucher Wiesbadens wer­den gebeten, sich wie sonst recht zahlreich einfinden zu wollen oder auch aus anderen Waldungen und von selbständigen Ausflügen ein reichhaltiges erlesenes Pilz- und Wildgemüse­material möglichst mit Wurzeln am Freitag oder auch noch Samstagvormittag nach der Aula des Künigl. Ghmnasiu-mS, Luisei platz l0, senden zu wollen. Wegen -der Ausstellung wird die Pilzkontrolle im Haus« der beiden Damen von Donnerstag bis Montag, den S. September, aufgehoben.

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_ Wiesbadener Taglüatt. _

— Ein Wort für die kleinen Hamsterer. Ein Dresdener Arzt schreibt: Hand aufs Herz, wer nur von dem leben soll, was er auf die Lebcn-smittelkarten bekommt, der muß fast verhungern oder wenigstens die Arbeitskraft und Arbeits­frische verlieren. Ich bin als Arzt mit der Lebensführung weiter Kreise, hoher wie niederer, vertraut, aber ich kenne fast niemand, der ohne solche Beihilfen besteht. Hier fei -der Staat, die Verwaltungsbehörde ebenso duldsam, wie eisern streng gegen die gewerbsmäßigen Aufkäufer von Lebens­mitteln und E-ebrauchSgegen-ständell, gegen den Kettenhandel, gegen den SchleichHandel, der gewistenlos und habsüchtig d:e Not der Mitmenschen ausbeutet, um sich zu bereichern. Keine Strafe ist groß genug, die Größe der Gesiinnungsgemeiuhe:t dieser Leute gebührend zu treffen.

— Personal-Nachrichten. Herrn Dr. med. Schlipp hier wurde die Rotc-Kreuz-Medaille 8. Klasse, den Mitgliedern der frei­willigen Samiäitlolonnc Wiesbaden, Kleinerbst, Kühl, L e w i 11 , Metzger, W e r n e r und W i e g e l die Rote Kreuz- Medaille verliehen

— Kleine Notizen. Tie Kochbrunnenkonzerte beginnen Sonn­tags uni 11% Uhr und nickt rin, 12% Uhr, tme wir m der Montag- Abendausgabe irrtümlich berichteten.

wirsdadenev Vergnügung»-Bühnen und Ltebttviele.

* Thalialhcatcr. Ab heute Mittwoch gelangt der erste Film der neuen Alwin-Neuß-Serie „Der Cowboy", Schauspiel in vier Akten, zur Ersiaussützrung. Eine Hauptrolle in diejem Stück hat Paul Rebkopi übcrnl-inmen. Das Beiprogramm bringt unter anderem „Die feierliche Behexung des erinordcten Generalseldmar- schalls v. Etcklioin in Berlin" und einen interessanten militärischen Film unter dem Titel „Dem Endziel entgegen".

* Im Union-Theater, Rdeinstraße 47, werden bis einschließlich Freitag „Mcnschh rdcr ein armes Waisenkind" mit Hedda Bernon, der lustige Schwank „Ledert chlö Vertretung" mit Helene Boß, sowie interessante Naturbilder rcrgcführt.

Nu§ Vrsvinz und

ht. Höchst a. M.. 3. Sept. Die hiesige Polizei hob hier am Samstag zwei große Diebsgesellschasten ans, die sich lediglich mit Itm Ve,triev gestohlener und unterschlagener Bekleidungsstücke be- faßten. Beim Schneider und Althändler Jakob Rosenzweig, Hauptstraße 44, fand man 40 neue Hosen und eine Anzahl Röcke, die er von dem Jnnungsmcister Kar! Hohe in Bad Nauheim, der eine amtliche Berteilungsstelle für Bekleidungsstücke verwaltete, zum Wkitirveririeb auf Schleichhandels»««-!, erhalten hatte. Rosen- zweig wurde verhaftet. Auch der JnnungSmeister Hohe, der gerade ans einem Berständstage in Mainz weilte, wurde dort festgenommen. Der Wert der Sachen lcträgt mehrere tausend Mark. Ferner enl- deckte die Polizei be! dem in der Humbvldtstraße wohnhaften Schneidermeister Hans Stark ein gewaltiges Lager gestohlener Bclleidunp-dtücke im Werte von mehr als 10 008 M., ,r. a. 160 Drilchjackcn, 140 bis 1?l Tiilchhosen, viele Bettücher, 400 zer­schnittene Zcltbabne», wollene Decken, Rucksäcke usw. Stark hat die Marc von dem Arbeiter August H a i n b a ch in Ried erhalten, der sie von dem aroßen Unbekannten gekauft haben will. Im Be- sitze Hainbachs fand man 904 M. bares Geld, doch wird ange- nommen, daß er noch über ein hohes Bankkonto verfügt. Stark wie auch Hcinkach wurden der hastet.

£<;. Nidda, 8 Sept. In der Speiseanstalt des Sägewerks Himmelsbach dahier wurden die 25 Jahre alte Jda Enders und die bOjähi ige Lina Latz, welche beide in der .Küche beschäftigt waren, und sick der vielen vorkommenden Diebstähle an Lebensmittel wegen entschlossen hatten, dieselben zu bewachen, gestern früh ermordet ausgefunden Ter Mörder scheint von seinen Opfern beim Dieb­stahl überrascht worden zu sein. Die Tat ist niit einem großen Holzstück geschehen. Als mutmaßlicher Täter verhaftete man den Nachtwächter des Werks, Kühn aus Geiß-Nidda, einen als roh und gewalttätig bekannten Menschen.

Neues aus aller Welt.

Di« Explosion in Odessa.

W. T... B. Wien, 8. Sept. (Drahtbericht.) Das K. und K. Tilegraphen-Klirespondenzkureau teilt über die Explosion in Odessa mit: Gesicrii un>. 8.3'- Uhr nachmittags explodierten in einem Vorort Odessa? di- ausgedehnten ehemaligen russisch-rumänifchen Munitions­lager Die Explosion dauerte bis Mitternacht. Drei inmitten des Komplexes gelegene Fyroxilm-Magazine wurden durch einen glück­lichen Znsall verschont. Die Explosion dieser Magazine wäre für die ganze Stadt verbangnirvill geworden. Die Zahl der Menschen- Verluste ist legrenzi Die Rettung und Etiidämmungsarbeiten wurden von österreichisch-ungarischen Truppen durchgesührt. Der Brand glimmt fort Tie große Zuckerfabrik Brodsly ist eingeäscheot worden. In der ganzen Stadt lind die Fensterscheiben zertrümmert

Morgen-AnSssabe. Erstes Blatt. Nr. 411 *

worden. Der Schaden geht in die Millionen. Die Magazine standen vor der Übergabe an die ukrainisch-österreichisch-ungarrschen Kom­mandanten. Die Ut fache der Explosion ist unbekannt. ES wird Brandlegung vermutet

Handelsteil.

Berliner Börse,

8 Berlin, 3. Sept (Biss Drahtbericht.) An der Börse war anfangs Realisationsneigung, verbunden mit einem leichten Preisrückgang. Dies war besonders am Montan­markt der Fall, und zwar vornehmlich für oberschlesische Werte, wobei die Niehterhöhung der vielfach erhofften Fisenpreiserhölumg r ieht maßgebend war. Auf den meisten anderen Marktgebieten war aber schon von vornherein eine feste Haltung zu erkennen Diese trat im Verlauf nach­drücklicher hervor und führte auch auf dem Montanmarkt zu einem Geschäft in Schiffahrtsalctien. Von Elektrizitäts­werten stiegen wesentlich Schlickert, von Rüstungswerten Deutsche Waffen. Im freien Verkehr waren Petroleum- werte und Hasper Werke wieder begünstigt. Am Kassa­markt für Indnstriewerte waren Kursbesserungen wieder­um in der Mehrzahl. Russische Werte und einheimische Rentenwerte sind zumeist unverändert. •

Marktberichte- >

W. T.-B. Berliner Produktenmarkt Berlin, 3. Sept. (Drahltericht.) Wie an der. Vortagen, so war auch heute Angebot und Nachfrage für Saatgetreide groß. In den landwirtschaftlichen Sämereien war Seradeila aus der neuen Ernte viel begehrt, doch war noch nicht viel Material zur Hand ln Gemüsesämereien hält die Nachfrage an. Besonders wurde Spinnt wieder vielfach gefragt, ebenso Teltower Rüben. Von Klee- und Grassaaten war das vor­handene Material knapp, so daß der Bedarf nicht befriedigt werden kann. Im Rauhfuttergoschäft hat sich nichts ge­ändert. Die Neuernte macht große Fortschritte, doch dürfte für den freien Handel nicht viel verfügbar sein. Von Er­satzstoffen ist Heidekraut gefragt, ebenso Rapsstroh als Aushilfe für das fohlende Getreidestroh.

Industrie und Handei.

* Aktien-ZtickrrfaliriU Groß-Gerau. Der Abschluß für den 30. Juni 1&8 ergibt bei 100 000 M. Abschreibungen (wie i. V ) einschließlich 14*1042 M. Vortrag (wie i. V.) einen Reingewinn von 363 537 M. (i. V. 288 846 M.), aus dem 20 (15) Proz Dividende auf 600 000 M. Aktien verteilt und 143 537 M. vorgetrogen werden.

* Ludwig Hnpfeld, A.-G. in Böhlitz - Ehrenberg bei Leipzig. Das l.'nternehmen kann nach Leipziger Blätter­meldungen seinen Aktionären wieder einen sehr günstigen Abschluß vorlege». In Börsenkreisen rechnet man mit einer höheren Dividende als der vorjährigen von 20 Proz. Das Unternehmen hat neuerdings auch die Möbelfabrikation aufgenommen und ist zurzeit iu allen Abteilungen flott be­schäftigt

* Weitere Zuckerkänle der Mittelmächte in der Ukraine. Nach einer Meldung aus Odessa haben die Mittel­möchte in der Ukraine bisher 4 Mill. Pud (1310000 Ztr.) Zucker gekauft Nunmehr wird wegen eines weiteren Kaufes von 2!4 Mill Pud (810 000 Zentner) verhandelt Von dieser Menge sollen Bulgarien 4 Proz., die Türkei g sch Proz., von dem Rest Deutschland 60 Proz. und Öster­reich-Ungarn 40 Proz erhalten.

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Z

Ci« rNorge n-Auegab« umfaßt 6 Seiten

Hauptschriftleiter: A. Hegerhorst.

Derantroörtlich für Leitartikeln A. Heg erhörst, für politisch- Nachrichten den lokalen und provinziellen Tel! und Gertchtssaal: C. Losacker: fklr den Unterhaltungsteil: B. v. N a u e n d o r f; für den Handel:i. V.:C. Losacker für die Anzeigen und Reklamen: H. Dorn auf. sämtlich in Wiesbaden Druck u. Verlag der L. Sch eilend er g*!chen Hofbuchdruckerei in Wiesbaden.

Sprechstunde der Schriftleitung 12 bis 1 Uhr.

(17. Fortsetzung.) . Nachdruck verboten.

Oer Grpens-orfer.

Erzählung von Horst Bosemer.

„Durch Zufall erfuhr ich, daß du seit einer Stunde schon hier bist, Krumke. Wirst wohl Nachrichten von Hamburg haben?"

„Allerdings."

„Konnte ich mir denken."

Egon Krusemark drückte ihm den Brief und die Kritiken in die Hand. „Lies!"

Er tat's mit größter Seelenruhe. „Und Was nun?" fragte er dann.

„Wir hofften, mir könnten dir raten."

„Nein. Egon, das könnt ihr nicht", stieß Orpensdorf hart heraus. „Reden wir von anderen Dingen!" °

Er blieb bis Mitternacht, dann fuhr er mit ernstem Gesichte wieder heim. Mochte die Wunde schmerzen, Elfriede Wilten kannte seine Gefühle. Sein Stolz, sein Manneswort verboten ihm, auch nur einen einzigen Schritt weiterzugehen. Ihn warf keine Enttäuschung um, er stand mit festen Füßen auf seiner Väter Land.

Als er die Diele betrat, hob er den Leuchter hoch, las noch einmal den Wappensprnch seines Geschlechtes und ließ dann starren Auges den Kopf sinken.

So waren die Orpensdorfer alle gewesen — und so war's gut und recht.

Den slage man mit Keullen tot.

Der nicht beffolgt der Ehr Gebott!

* \

Elfriede Wilten ging mit bleichem Gesichte einher.

Unter der Hand hatten die Eltern Erkundigungen über Hinrich Steffens eingezogen. Er verließ das Hotel nur, um zu Professor Meyer zu gehen. Weiteres war nicht zu erfahren.

Seine Eltern wollten nichts von ihm wissen. Der Senator Steffens hatte gesagt: „Eines Tages werden

seine Mittel zu Ende gehen, dann werde ich ihm eine Rente zahlen, wenn er Deutschland oerläßt. Mag er sein Heil im Auslande versuchen."

Seine Mutter wollt-? für ihn eine Lanze brechen, aber da wurde ihr Mann grob.

„Wenn der Junge gekommen wäre und Besserung gelobt hätte, ich würde der letzte sein, der ihm Hinder­nisse in den Weg legte. Aber auf der Nase lasse ich mir nicht von ihm herumtanzen."

„Ich traf vorhin Hans Stein", mischte sich Fred ein, „habe für den nie besonders viel übrig gehabt, ist auch so ein leichtsinniger Kumpan. Aber selbst der rückt von Hinrich ab. Er hat ihn neulich ausgesucht."

Er erzählte nun, in welch hochmütiger Weise sich der Bruder gegen seinen Freund geäußert batte.

Grete Steffens erzählte das Elfriede Wilten. „Gib meinem Bruder den Laufpaß. Er hat sich unmöglich in Hamburg gemacht — für alle Zeit."

„Hamburg ist nicht die Welt, Grete."

„So geh hin und wirf dich ihm an den Hals."

Da war Elfriede Wilten aufgestanden und hatte die Freundin mit einem hochmütigen Blicke angesehen. „Ich werde zu ihm geben. Der Vorschlag ist gut. Aber an den Hals werfe ich mich ihm noch lange nicht."

Grete Steffens zuckte die Achseln und ging, empört über Elfriedens Verhalten.

Die Familie Wilten saß am Abend vollzählig zu­sammen. Da kam das Gespräch auf Hinrich Steffens.

„Man wagt sich gar nicht mehr aus dem Hause", sagte Frau W'Iten aufgeregt.

„Ich werde euch Ruhe verschaffen", antwortete Elfriede.

Die anderen sahen sie erstaunt an.

Ihr Bruder stand mit jähem Ruck aufi „Dazu bist du nicht imstande. Zwischen euch müssen sänstliche Brücken abgebrochen sein!"

„Herite noch nicht — vielleicht morgen. Ich gehe jedenfalls zu ihm."

Das war selbst für den ruhigen Senator zuviel. „Davon kann keine Rede sein!" sagte er schroff.

,,Außergewöhnliche Umstände erfordern außerge­wöhnliche Maßnahmen."

„Ja, um Himmels willen, was willst du denn ber ihm?"

„Ihm eine Frage vorlegen."

„Das kann auch brieflich erfolgen, wenn du es für durchaus nötig hältst. Oder ich bestelle ihn hierher."

_ (Schluß folgt.)

Neue Bücher.

* Günther Iagow ' „Savonarola und anderes". (Zkenien-Berlag, Leipzig.) Ein nickst völlig unbegabter Unterselun- daner scheint dieses kleine Buch in leinen Mußestunden geschrieben und damit »neu« den Beweis geliefert zu haben, daß unsere Gym- nasioljugend trotz der Schwere der Zeit noch immer nicht einsieht, daß es Wichtigeres gibt als kitschigd Sentimentalitäten in rührender Form einen, pelangn-eiften Publikum vorzulegen. Dr. A. M.

* „Jahrbuch des R o r d d e u t s ck e n Lloyd 1917/18". (Der Krieg und die Serschissahrt unter besonderer Derücksichtigimg des Norddeutschen Lloyd. 4 Teil.'- (Bremen 1918. Welt - Steife- Verlag, G. m. b H, Berlin.) 346 Seiten. 21 Kupser-Tiefdruck- lilder. Wieder liegt ei» staatlicher neuer Baud des Lloyd-Jahrbuches vor uns Den! reicher Inhalt, der sich seinen Vorgängern an- schließt, zeigt einerseits die weiteren Wirkungen des Weltkrieges auf dre deutsche Seeschiffahrt, andererseits läßt er aber auch erkennen, daß allgemein die Notwendigkeit eines schnellen Wlederausbaues der deutschen Handelsflotte naä, dem Kriege als »ringenv anerkannt ist und daß depreutsprechend von den Beteiligten Maßnahmen getroffen werden mußt:», um nach den, Friedensschlüsse dem ausländischen Wettbewerb gerüstet aeaenüberz»stehen Es ist für alle, die sich für die Seeschiffahrt interesstereit und mit ihr in Bervlndunz stehe», ein sehr wertvolles Handbuch

* „8:ecktSfragen für Haus und Beruf". Bon Referend-ar R Werner. (Verlag L. Schwarz u. Eo., Berlin 8. 14, Dresdener Strotze 80.)

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