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Verlag Langgasse 21

„Tagdlaltha»-".

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Sio’aäaHt 21 . ohne Sringtrlobu. Mi 4.65 vierleliShrlich durch allf drulwrn 1‘oftanflalifn. ou«ld>I»ft!u4 Lellkllaeld. — Befuge - Leflellunge» nehmen außerdem enigegen^ in Wiesbaden die Aineiqftelle Bl»- mnrarina 1». low» die Aurnabeiiellen i» allen Teilen der vtcdt: in Biebrich die dorriqen Äui< ,-beklcllen und in den benachbanen Landorten und im «Heingnu die deireffendeu Tngdlall-Träger.

12 Ausgaben.

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Berliner AbtrUnug deS W»eSb»de»er Ta,»lattS: Berlin V. 57, An der Ap-p-Mrch» 7.1. Frrnjprech«; A»t Lützo» 6202 »nd «203.

vienstag, 3. September 1918.

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Morgen-klusgabe.

Nr. 409. ♦ 66. Jahrgang.

Die Gegenoffensive unserer Heinde im westen.

Von General der Infanterie z. D. v. Blume.

Wir stehen vor der Tatsache, daß die über die gerade Verbindungslinie zwischen den beiden nlu^ln vorgeschoben gewesene Mitte unserer westlichen Kampffront eine rückgängige Bewegung ausgesührt hat oder auszuführen im Begriff ist. Die Bewegung unter­scheidet sich von einem Rückzüge im gebräuchlichen Sinne dieses Wortes dadurch, daß sie aus dem freien, vom Willen des Feindes völlig unabhängigen Entschluß un­serer Obersten Heeresleitung entsprungen ist. _ Unsere Feinds werden sie gleichwohl unter Triumphgeschrei zu einem Rückzuge stempeln. Das kann uns gleichgültig sein, aber um unbegründeten Besorgnissen im eigenen Lande vorzubeugen, ist ein offenes Wort über die Be­deutung des Vorganges am Platze. /

Es mag dahingestellt bleiben, ob unserem Angriff auf die feindliche Stellung am Chemin des Dames von Sause aus die Absicht zugrunde gelegen hat, ihn bis an und über die Marne durchzusiihren. Als den Hauptzweck dieses Unternehmens kann man aber wohl ansehen, die feindliche Heeresleitung um Paris be- sorgt zu machen und sie zu veranlassen, starke Kräfte von anderen Fronten fort an die Hauptstadt heranzuzrehen. Dieser Zweck wurde auch, besonders durch das Vordrm- gen bis zur Marne in gewissem, aber nicht in dem ge­wünschten Maße erreicht. Um die erstrebte Wirkung zu steigern und noch mehr feindliche Kräfte weiter nach Osten abzuziehen, wurde der gleichzeitige Vorstoß über die Marne und aus der Champagnefront geplant. Er kam nur halb zur Ausführung, weil sich heransstellte, daß seine volle Durchführung zu große Opfer erfordern würde. Die Folge war, daß der Gegner zwar noch mehr Kräfte zum Schutze von Paris zipammenzog, aber nicht so weit ostwärts, wie für uns erwünscht gewesen wäre, sondern in dem Raume nordwestlich von Paris, wo ihre Anwesenheit uns in der Freiheit unserer Entschlreßun- mn behinderte. Das machte sich mehr und mehr suhl- bar und hieraus ist. so dark man wohl annehmen, der Entschluß der Obersten Heer-sleiffmq entsprungen, durch „Umgruppierung" der Streitkräfte — wie-ernst, IUN die unerwartet verbrechende russische „Dampfwalze von der günstigsten Seite anpacken zu können, und wre damals, als wir in die Siegfriedstellung znrückgrngen — eine neue bessere Grundlage für die Er- reichung unseres Zieles zu gewinnen. Dieses Ziel ist und bleibt die Vernichtung der ferndlrchen Strert- kräfte. Die Kunst der Heeresleitung besteht wesentlich darin, eine geeignete Grundlage hierfür zu schäften. Und wenn dieser Zweck die zeitweilige Preisgabe von Gebietsteilen erfordert, darf der Feldherr hiervor um so weniger zurückschrecken. als eine gewonnene Schlacht auch weithin über Gebietsiragen entscheidet. Zumal rn Feindesland wiegt ein Opfer an Landbesitz leicht, wenn eine Waffenentscheidung in Frage steht.

verbeut klbenbberichtvom 2. September.

W. T.-B. Berlin, 2. Sept.. abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Englische Angriffe zwischen S c a r v e und Somme. Siid- Sstlich von Arras und nördlich von Peronne gewannen sie Boden. Reserven fingen den Stoß auf. Beiderseits von B a p a u m e wurde der Feind abgewiesen.

Zwischen Oise und A i s n e baden sich nachmittags nach stärkstem Fenerkampf französische Angriffe ent­wickelt.

*

Ein Bericht des „Vorwärts".

Berlin, 2. Sept. Der Kriegsberichterstatter des „Vor­wärts" meldet von der Westfront vom 30. August unter der Überschrift „Siegreicher aber schwerster Tag des ganzenKriegeS": Der gestrige Tag bat die übermütigen Hoffnungen der Franzosen blutig zerschlagen und klar be. wiesen, daß die deutsckw Front nur daS Gelände vreisgibt, wo die Führung, die mit der Zukunft rechnet, es erlaubt.

„Oas einzig ehrliche, gerechte und nützliche Nrieaszlel."

Die Zerstückelung Deutschlands und die Vernichtung der deutschen Einigkeit fordert DandetS Gesinnungsgenosse Mau mos in der „Action frmcmfe" vom 23. August: Wir äußerten kürzlich die allgemeine Theorie, daß eS gut ist, zu wißen, was man will. Die Verbandsmächte würden dreimal so stark sein, wenn ihre Kri-gSzi-le weniger unbestimmt wären. WeS wollen sie mit Deutschland machen? Wollen sie seine staatliche Einheit bestehen lassen, so verurteilen sie sich zu gewaltigen Anstrengungen in Rußland, denn Deutschland einig und Rußland vernichtet lassen, das hieße Selbstmord begehen. Deutschland muß aufgeteilt werden, wenn Rußland zersplittert bleibt. Aber wir muffen uns darüber klare bestimmte Absichten bilden, und das ist bisher im Kriege nicht unsere starke Seite gewesen, auch gegenüber Polen und Österreich nicht. Die revolutionäre Politik der «»bedingten Anwendung der Kationalitatenpriazip« ist vor»

Albert Thomas proklamiert worden, sie h-at zunächst den Zorn der Revolutionäre erregt, die davon eine endlose Kriegsver­längerung erwarteten, ferner den der Nationalitäten sswer, sobald sie merken, wie Deutschland daraus Vorteil zu ziehen weiß. Andererseits vermißt man eine Politik gegenüber Österreich, die frei von Prinzipienreiterei und Sentimen­talität lediglich die Interessen Italiens und Frankreichs ins Auge faßt. ■ Es gilt, alle. Vorurteil? abzustreifen und klaren Auges das einzig ehrliche, gerecht- und nützliche Kriegsziel anzustreben, nämlich die Vernichtung der deutschen Einigkeit. Statt dessen redet man mit Vorliebe über Nebensächliches und kommt nicht von der Stelle. Gottlob driiigen unsere Heere vor, und das ist eine gute Schule für unsere Diplomatie.

„Fort mit den französischen Denkmälern."

Unter dieser Überschrift wird in der ..Kreuzztg." aus den Reichslanden geschrieben: Von allen Deutschgesinnten wird die entschiedene Forderung erhoben, bei der jetzigen Ein­schmelzung der Bronze- und Kapferdenkmäler mit den fran­zösischen Denkmälern in den Städten Metz. Straßburg und Colmar endlich auszuräumen, dies um so mehr, d-.i diese Denkmäler immer wieder zum Ausgangspunkt deutsch­feindlicher Kundgebungen gemacht werden oder doch dazu dieren, die französischen Erinnerungen bei alt und jung wachzuhalten. _

Oer Mordanschlag auf Lenin.

Lenins Tod nicht bestütiot.

W. T.-B. Berlin, 2. Sept. Über die von Reuter ver- breitete Nachricht vom Tode Lenins ist an zuständiger Stelle nichts bekannt. Bei der hiesigen russischen Vertretung ging ncch heute nacht ein Telegramm ein, wonach der Zustand Lenins sich gebeffert hätte.

Die Erbitterung der Menge.

W. T.-B. Moskau. 2. Sept. (Drahtbericht.) über den Mordanschlag auf Lenin berichtet die „Jswesiija" noch, daß die an dem Altentat beteiligten Frauen von der Meng« fast zerrissen wurden. Nur das Einschreiten einiger Partei- genossen verhinderte ein Lynchgericlst. Arbeiter, die in einer großen Zahl an einer Versammlung in der Michelsonschen Fabrik teilgenammen hatten, gingen unter dem Eindruck der Geschehnisse noch lange nicht auseinander. Die Nachricht von dem Mordanschlag verbreitete sich in kurzer Zeit durch die ganze Stadt. — Über die Person des Mörders UritzkijS meldet „Krasnaja Gazetta", daß ec sich Leonid Akimowitsch Kanne- gießer nannte und erklärte, Jude zu sein.

Line veröffentlichunsi derMoskauer Rsqlernnq

W. T.-B. Moskau, 2. S:pt. (Dcahtbericht.) Der stell­vertretende Chef der außerordentlichen Kommission Peters gibt folgendes bekannt: Das verbrecherische Abenteuer unserer Feinde nötigt uns. mit Massenterror zu antworten. Wer mit der Waffe in der Sand ohne Erlaubnisschein er- griffen wird, wird sofort erschaffen. Wer gegen die Räte­gemalt agitiert, wird verdöstet und in ein Konzentrations­lager verbracht. Alle Vertreter des räuberischen Kapitals und alle Svetulanten werden zu öffentlichen Zwangsarbeiten hecangezvgen. Ihr Eigentum wird konnszicrt werden.

über die A t t e n t ä t e r i n . die den Mordversuch gegen Lenin versucht hat, meldet di- außerordentliche Komniiffion, daß sie sich weigert, ihre Mitschuldigen anzugeben und zu

sagen, wober ste das bei ihr gefundene Geld hat. Sie sei

im Jahre 1917 anläßlich der Explosion in Kiew als Anar­chistin zu Zwangsarbeit verurteilt worden und nabe sich im Gefängnis an die Rechtsfoz: rlcevaliitionäre angrschloffen. Sie sei kürzlich aus der Krim in Moskau erngetröffcn. Nach weiteren Zeuge,raussagen war an dem Anschlag eine ganze Gruppe von Personen beteiligt. Zuerst vertrat ein Gym- n a l i a st von 18 Jahren Lenin den Weg und reichte rbm einen Zettel. Dann näherten sich ihm die beiden Frauen

Die Täterin floh auf die Straße und wucd- dort festge­

nommen und :n das Kriegskommiffariat verbrach». Man fand bei ihr vergiftete Zigaretten. Laut .Mir" ist der Name der Täterin Kaplan.

Nach einer Meldung der „Prawda" vom heutigen Tage findet am 2. September eine Sitzung sämtlicher Rayon-Räte statt, um über Maßnahmen zur Unterdrückung der Versuche der Gegenrevolution und über den Schuh der Rätegewalt zu beraten. Am 3. September verhandelt da? Plenum des- MoSkau-r Rate? mit den Rayon-Räten und den Arbeiterorganiiation-n über dieselbe Frage.

vie geqenrevolutionSre Verschwörung.

W. T.-B. Moskau, 31. Aug. Die heutige „Prawda" meldet: Zwischen dem 24. und 26. August verhaftete die außerordentliche Kommission über 100 Teilnehmer an der gegenrevolutionären Verschwörung. Es wurde eine Menge von Dokumenten und Korrespondenzen vorge­funden. Aus dem Untersuchungsmaterial geht hervor, daß die Weißen Gardisten von mit falschen Pässen um­herreisenden Agenten der anglo-fcanzöüschen Regierung große Summen erhalten. Auch die Angelegenlwit der Expropriation der fünf Millionen Rubel in der Zentral- Konsumgenossenschaft beginnt sich aufzuklären. Sie war das Werk der Weißen Gardisten und rechten Sozial­revolutionäre. wie aus Dokumenten und Verhören her­vorgeht. Dieselben Kreise bereiteten auch eine Expro­

priation im Zentralkollegium für Kriegsgefangene und Flüchtlinge vor, wobei beabsichtigt war, die Wache um- zubvingen und drei Millionen Rubel zu rauben. Dre nächste Absicht der Verschwörer war, eine Verschärfung der Verpflegungskrisis in Petersburg und Moskau her- vorzurusen durch Schädigung des Eisenbahnverkehrs, durch BrückensprenAingen und die Zerstörung von Zügen mit Lebensmitteln und militärischen Ladungen. Durch Erschwerung der inneren Lage sollte die Stellung der Rätetruppen an der tschecho-ilowakrschen und an der Nordfront geschwächt werden. ES wurde festgestellt, daß die Verschwörer gute Verbindung mit anderen Städten sowie mit Räte-Jnstitutionen hatten. In einem aufge- gefundenen 'Befehl heißt es, man muffe sich' zu einem baldigen Aufstand in Moskau vorbereiten. Die weißen Regimenter bestanden fast ausschließlich aus Offizieren. Zivilisten dienten nur als Hilfstruppen. z. B. die Gym­nasiasten als Aufklärer oder Wachposten. An Mitteln fehlte es nicht.

Der Vorsitzende der außerordentlichen Kommission Dsentschinski ist gestern nach Petersburg abgereist an­läßlich der Ermordung des Vorsitzenden der dortigen außerordentlichen Kommission Uritzki.

vie Gewaltherrschaft b*t EnglSnder im Murmanyebret.

W. T.-B. Moskau, 2. Sept. (Drahtbericht.) Wie die Zeitung „Znamja" berichtet, meldeten Flüchtlinge vom Murman, daß die Engländer den größten Teil der Getreidevorräte nach England geschafft haben. In Archangelsk besteht die Regierung aus Mit­gliedern der Konstituante und den Gouvernements Olonotz, Perm. Wlogda und Iatka und dem Vorsitzen­den der 12. Armee Lichatsch. Zu Anfang der Tätigkeit der neuen Regierung wurde eine Anleihe von 10 Mil­lionen Rubel ausgeschrieben. Die Verwaltung bestellte in England russisches Papiergeld nach altem Muster. Die militärisckien Kräfte der Engländer sind an- ge b l i ch s ch w a ch. Es haben sich ihnen 2000 russische Freiwillige ongeschloffen. Die Verbündeten begannen mit der Aufstellung eines slawisch- britischen Bataillons unter folgenden Bedingungen: Tienst- dauer bis Kriegsende, strenge Disziplin, englische Uni- form. Die Organisation einer Armee wird beschleunigt, da es den Verbündeten aus Mangel an HilsZkrästen bisher nicht aelungen ist, die Station Kotlas zu besetzen, um sich im Oktober mit den Tschecho -Slowaken zu ver­binden. Auch macht sich Mangel an Lebens­mitteln bemerkbar.

Lin vorstost der Engländer in dos Innere Rnstkonds mlhalffcht.

S. Stockholm, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Vom »»örtlichen Kriegsschauplatz wird gemeldet: Der Versuch der Engländer, an der nördlichen D i n a entlang in das Innere des Landes einzudringen, ist mißglückt. Die Suwjet» truvpen nahmen eine Reibe von Dörfern, wobei viele Maschi- nengewebre erbeutet wurden. Die Bevölkerung des Gebiete-i fft begeistert für die Sache der Sowjets.

Neue Enthüllungen über bi« Entente- Treibereien.

8. Stockholm, 2. Sept. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Verhaftung einer großen Zahl von Ententeagenten in Petersburg förderte eine Reihe höchst interessante Schriftstücke und Pläne der Entente in Rußland zutage, di« jetzt in der „Nowa Gazetta" initgeteilt werden. Da- nach wollten die Ententeagentm bereits Mitte August in Petersburg Hungerkrawalle und ilnruhen Hervor­rufen, um sie gegebenenfalls zu Umwälzungen auszu­nutzen. Gleichzeitig sollte die verbündete Murman- Armee in Richtung auk Perersburg vorrücken.« Die Besetzung von Petro Sawodsk sollte das Signal zum Losschlagen sein. Petersburg sollte sich als u n a b- hängig von den Moskauer Sowjets betrachten und sich als Hauptstadt des reorganisierten Rußlands er- klären. Ein Bürgerrat. gelailet von dem Bürgermeister, sollte bis zum Zusammentritt der neuen Regierung die Geschäfte führen. Diese sollte ausschließlich aus der Entente ergebenen Personen bestehen. Die Liste lautete: Kerenski, Ministerpräsident: Iswolski, Minister des Äußern: Terestschenko. Handelsminister-. Stachowitsch, Minister des Innern. Eine bereits vorgedruckte Proklamation der neuen Regierung besagt, daß Rußland wiederum seine Bundespflicht erfülle und den Brest er Vertrag aufhebe. Seit den Erfolgen der Arbeiterarmee dürfte die Entente der Erfüllung ihrer Wünsche ferner sein als je.

Oas englisch, amerikanische Geheimabkommen gegen Japan.

Nr. Brrlin, 2. Sept. (Eig. Dcahtbericht. zb.) In Moskau sind nach der „Voff. Zty." an amtl,rl>er.Stelle Nach- ricliten singet, offen, nach denen sich das Bestehen eines ge­heimen englisch-amerikanischen AbkommeaK gegen Jap«» vollkommen bestätigt.