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Volk.

Volk! Heiliger Name! Mit Blut getauft und aufs neue emporgelebt durch Schmerzen und Nächte ins sriedsame Licht.

Volk! Wir alle find Volk vom Kaiser bis hin zum Geringsten der Knechte des Landes!

Heiliger Name! Weh' dem, der ihn spricht, zu kränken die Niedern!

Heiliger Name! Wir wollen dich sprechen andächtigen Herzens, wie Kinder in Ehrfurcht die Namen: Mutter und Vater!

Ewig ströme Weihe aus dir und der Sinn unsrer Liebe!

' Reinhold Braun.

Sonntag.

Sonne über dem Land .... Wenn die Heide blüht, und es summt lo traumhaft lieblich über der roten Weite, und es knistert im Gesträuch geheimnisvoll still, still.... Oder es ist Frühling und die Luft hängt voll Lerchenliedern, die Wiesen sind bunt und die Felder saftig grün, und so weich weht's in den Hellen Büschen-

Sonne über dem Land, wenn der Sommer glüht, wenn es blau und blutrot leuchtet aus der gelben wogenden Flut der Reise ... Sonnenzarte Lieblichkeit im seidenen Glanz, wenn Dorfkirchglocken läuten und die Menschen durch die stillen Wege geh'n, Blumen pflückend, und die Kinder singend. Stille, schöne Freude, traumhaft­liebliche Erfüllung: Sonntag .... leises Glück!

Und ob's auch im November dunkel stürmt: Der Sonntag hat das leise Lächeln immer in den weiten, dämmergrauen Augen und legt sein mildes Leuchten ringsumher auf alle Dinge deiner Stube, so daß du träumend staunst und seine weiche Stimme wohl verstehst:Nun sei du still. Wie ist das Leben weit.... und alles geht ja doch, wie Gott es will. Sei du nur froh und tue still das deine. Und alle Tage will ich bei dir sein . . . ."

Sonntag .... Morgenlandschaft fern der großen Stadt, darin die Arbeit hämmert. Und das Mädchen, das mich liebt (mit blauen Augen und mit blondem Haar) .... Und das Lied, das

durch den Alltag singt, das alle Abend schön erblüht und leuchtet-

Sonntag, du stille heil'ge Feierstunde meiner Seele.

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Singende klingende Heiterkeit über dem Land. Andere Kleider, andere Wege, anderes Denken. Da schwingt sich bunt die Freude hoch, und überall ist Sonne.

Und ob du auch zu Hause bleibst, du wanderst doch: Traum­wege deiner Seele, deines Lebens Sehnsucht nach, dahin, wo ein helles Leuchten fern den Welten glüht ....

Wenn des Alltags Sorgen abgestreift sind wie die Werktags­kleider, dann ist des Lebens tiefster Segen offenbar, in der Besinn­lichkeit der stillen Stunden. In des Menschen eigenem, tiefstem Wesen liegen die Zusammenhänge aller Ewigkeit. Da öffnen sich des Lebens Tore der Unendlichkeit, und alle Widersprüche sind versöhnt.

Das ist das andere Denken, sind die anderen Wege und ist das andere Kleid der Reinheit und Ursprünglichkeit des Menschen­seins. Und da schwingt sich des Lebens neue Freude hoch und von dort, wo über allen Welten das weiße Leuchten glüht, von dorther ist überall Sonne.

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Des Lebens neue Freude .... Ja, wenn alle Tage Sonntag wäre, Sonntag unserer Seele. Wenn alle Arbeit unserer Seele eignes Wesen wäre .... Dann wäre Sonntagsfreude immerdar, denn in unsrer eignen Seele sind die reichen Gärten roter Sommer­rosen, sind die Weltallsbäume, die unendlich grünen - drin

die Vögel Gottes ihre Lieder singen.

Sonntagabendstille_Blutrot versinkt die Sonnenscheibe hin­

ter weitem, weitem weißen Schnee. In den Häusern glühen schon die Lichter, und immer dunkler schleicht die Dämm'rung langsam an den Wänden her in unsrer Stube ....

Komm', gib mir deine Hand wie ist das Leben weit und reif und unergründlich tief und Leid und Glück so wunderbar verklärt in dieser Stunde, die wir beide wie mit einer Seele fühlen ..

O still die Abendglocken läuten: Sonntagsklänge.

Erich Bockemühl.

Meine Schulbraul.

Von Otto Jürgenscn.

Meine Gedanken schweifen zurück in die Zeit der seligen Kindheit, die Zeit der Schuljahre. Es war eine einfache Dorf­schule, die ich besuchte; aber sie war nicht die schlechteste. Dankbar gedenke ich meines alten Lehrers; er verstand es, uns in anschau- Ücher, packender Weise Rüstzeug fürs Leben mitzugeben.

Nun ist er schlafen gegangen; seinen Leib deckt der grüne Rasen. Aber wenn ich die alte Heimat auffuche, gilt mein Gang nicht zuletzt dem stattlichen Grabstein, den dankbare Schüler und Schülerinnen ihrem treuen Lehrer und Pfadweiser errichtet haben.

Schüler und Schülerinnen! Ja, in unserm Dorfe wußte man noch nichts von denGefahren", die durch den gemeinsamen Besuch größerer Knaben und Mädchen in einer Schulklasse er­wachsen sollen. Wir arbeiteten und spielten zusammen, aber trotz aller Neckereien und allen jugendlichen Übermuts ist nie andres als ein harmloser Verkehr daraus geworden.

EineSchulbraut" hatten wir freilich; die mußte sich jeder Junge wohl oder übel leisten, und wenn er sich nicht selbst eine erkor, so wurde sie ihm einfach von den Kameraden zudekretiert. Die vollzogeneVerlobung" wurde dann mit Kreide an allen möglichen und unmöglichen Stellen verkündet.

Mein Bruder hatte sein HerzTrina Rad" geschenkt, der kleinen, zierlichen Tochter des ehrsamen Meisters JürgenEinrad", wie er allgemein genannt wurde. Dieser etwas eigenartige Bei­name erklärt sich dadurch, daß unser Meister in seinem Beruf als Stellmacher oder Wagenbauer nicht gerade zu den hervor­ragendsten seiner Zunft gehörte. Seine besten Erzeugnisse waren darum auch einräderige Schiebkarren, bei welcher Spezialität nicht so leicht etwas zu verderben war. Bei mehrräderigen Wagen dagegen bestand für ihn die besondere Schwierigkeit darin, die sämtlichen Räder in gleicher Größe herzustellen, was doch im allgemeinen sehr gewünscht wurde.

Als meine Braut galt nach dem Mehrheitsbeschluß der Schul­kameradenAnna Höker" aber ich habe sie niemalslieb" gehabt. Anna Höker war die Tochter eines Hökers und Hausierers, der wegen seiner offen gezeigten Frömmelei allgemein bespöttelt wurde und Anna ging im Sommer barfuß! Nein, ich konnte sie nicht ausstehen und grollte darum meinenFreunden", die diese Wahl für mich getroffen hatten. Daß sie es auf eine besondere Neckerei abgesehen hatten, war mir klar, aber ich war machtlos gegen ihre Ränke bis daß ein eigenartiger Zufall mir zu Hilfe kam und mich dierechte" finden ließ.

llnser Lehrer ließ uns vielfach Gedichte lernen, die wir dann, frei vor der Klasse stehend, deklamieren mußten. Die Auswahl der Gedichte überließ er ganz unserm Ermessen, wollte er doch gerade unser» Geschmack kennen lernen. Durch die freie Dekla­mation aber leitete er uns zu einem mehr selbständigen, freier» Wesen an, was bei der an nnd für sich schüchternen Dorfjugend doppelt angebracht war. Abwechselnd mußte ein Knabe oder ein Mädchen vor das Pult treten und sein Gedicht frei vortragen.

Es war in der letzten Nachmittagsstunde. Ich hatte mit dem Ausruf" von Theodor Körner den Anfang gemacht.Frisch auf,