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Samstag» 3t. Kugust 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 403. * 66. Iahrgang.

weltveitstanz.

Die Entente hatte beabsichtigt, Deutschland mit erner einzigen kraftvollen Umarmunq zu zermalmen. Em Konkurrent sollte aus der Welt geschafft werden. Dre Aufgabe war klar und eindeutig. Unter dem Gesichts­winkel unserer Feinde war sie schließlich auch immerhin verständlich. Es kam nur darauf an. daß die Absicht gelang. Sie ist nicht gelungen. Und aus der kurzen, des Erfolgs gewissen Umarmung ist ein langjähriges, noch um reinen Schritt dem Ziele nahegekoinrnenes Ringen geworden. Schon werden einige der Teilnehmer müde und längst hat der Krieg gegen den deutschen Welteroberer" jeglichen Sinn oerloren, denn heute muß jeder halbwegs vernünftige Erdbewohner wissen, daß Deutschland niemals daran gedacht hat, mit Raubpranken in das Fleisch anderer Doller hineinzu­fahren. Gerade darum aber, um solche Einsicht zu zer­stören und um den Völkern immer wieder neue Kriegs- lust einzuflößen, um sie immer wieder anzustacheln, die Gewaltlösung einer aussichtslosen Aufgabe zu versuchen, haben die Regisseure der Entente zu einem Mittel ge­griffen, das man nicht eigentlich der Politik zurechnen kann, das man vielmehr unter den schwersten Krank- yeitserscheinungen der Weltgeschichte wird registrieren müssen. Die Entente predigt gegen Deutsch­land einen regelrechten Kreuzzug. Deutschland wird als der Abschaum aller meusclsiiä>er Genieinheit. #8 der Weltstörenfried, als der Zerbröcher der heiligsten Gesetze, als der Unterhöhler jeder sittlichen Kultur ge- brandmarkt. Von den Gentlemen der Londoner City bis hinab zu den Kralkaifern erhebt sich ein bewaffneter Heerbann, um die Menschheitvor Deutschland zu retten", um Deutschland, das apokalyptische Tier, zu er schlagen. r . . , r .,

Bis zu welchem Grade der Lächerlichkeit sich dieser gegen Deutschland feindlich die Beine schwingende Voitstanz bereits entwickelt hat. zeigt unter vielen an- deren Symptomen der Wortlaut, mit dem die kleine Republik C o st a r i c a uns den Krieg erklärt hat. Das Dokument dieser Kriegserklärung ist soeben bekannt ge worden. Es begründet den Kriegsentfchluß damit, daß Deutschland alle höchsten Ideal? der Menschheit verletzt habe.Deutschland hat ein Attentat auf die Grund- lehren des internationalen Rechts verübt, hat die Menschenrechte, namentlich die der Freiheit und des Rechts verhöhnt, hat die Selbständigkeit der kleinen Nationen tödlich bedroht." Nun wird es selbst dem Kundigsten aus der Republik Costarica schwer fallen, auch nur einen Fall nachzuweisen, wo Deutschland der amerikanischen Republik einen Schaden zugesügt habe. Wohl aber wird jedermann dort wissen, daß seit langen Jahren zwischen Deutschland und Costarica die besten Beziehungen geherrscht haben und daß Costarica nicht gerade schlechte Geschäfte mit Deutschland gemacht hat. Nun ließe es sich schließlich verstehen, daß die kleine mittelamerikanische Republik dem Drucke der naben Union nachgegeben hat, daß sie so gegen besseres Wissen Interessen opfert, um drohender Gefahr zu entgehen. Wenn sie aber solchen Entschluß in Worte kleidet, wie die oben zitierten, so ist das immerhin ein Beivms dafür, daß der Veitstanz, den die anglo-amerikanische Regie heraufbeschworen hat, tatsächlich schwere Opfer fordert. Wir werden gegen solche Krankheit und deren Umgreifen nur wenig tun können, dennoch halten wir es nicht für aanz unzweckmäßig, wenn Männer wie Solf und Prinz Max und denen verwandte es zum niindesten versuchen, den Kreuzzugswahn zu beschwören.

Erneute englische Grotzangkiffr gescheitst.

W.T.-B. Berlin, 80. Aug abend«. (Amtlich. Drahtbericht.)

Große englische Angriffe auf breiter Front s üb 8 ft sich von Area« sind gescheitert, örtliche Kämpfe nordöstlich Noyo« und an der Ailette.

Kein strateaNcke» Siel erreicht.

Englische Zugeständnisse.

lstr. Haag. 80. Slug, (ab.) Die englischen Berichter- statte: cm der Westfront räumen in ihren Berichten ein, daß bisher lein strategisches Ziel erreicht worden fei. ES fei un­möglich, die Deutschen in einem Tage lahmzulegen, dafür seien ihre Linien zuzäheundzuelastisch. Insbesondere äußern sie, daß bi» zum Eintreffen der amerikanischen Reserven in größerer Zahl eS sich darum handle, da? bisher Erreichte aukzunützen. Dem Berichterstatter Reuters im französischen Hauptquartier zufolge hat die deutsche Nachhut insbesondere mit zahlreichen Maschinengewehren hartnäckigen Widerstand geleistet, wobei es zu erbitterten Gefechten kam. Die holländische Presse verweist bei Besprechung der mili- tätigen Lage auf bie andere Taktik nyd auf die

andern Methoden, die sich an d;c Westfront in dem allmählichen Rückwärtsverlegen von einzelnen Frontteilen äußern.

Neutrale Sachverständigenurteile.

Br. Gens, 30. Aug. (zk>.) DieZürcher Morgen- zeitung" schreibt- Als nüchterne Tatsache der englischen Siegesmeldungen bleibt bestehen, daß es den Alliierten mS zur Stunde nirgends geglückt ist. dem Gegner eine Niederlage beizubcingen oder gar dessen Front zu durchbrechen. Da der Geländeverlust für die deutsche Heeresleitung im Feindeslands gar keine Rolle spielt, die Beute und Gefangenenzahl der vorwärtsdrängenden Alliierten innerhalb der üblichen Grenzen bleibt, die ständigen Angriffe der Alliierten deren Kraft aber in großem Matze abnützen, so muß angenommen werden, diß man im Großen deutschen Hauptquartier mit dem Gang der Dinge zufrieden ist.

Oberst Egli schreibt heute in denBasler Nachrichten"' Seit dem 18. Juli wurde die deutsche Front um über 60 Kilometer terkürzt, was einer Ersparnis von über 25 Divisionen csteich- kcmmt, selbst wenn man den Umstand nicht in Betracht zieht, daß einzelne der neuen Abschnitte, wie z. B. cm der One, von Natur viel st fer sind als dir orsherigen Stellungen. ES ist also wohl ei- v r .tum zu glauben, daß die Deutschen mit ihren Reseri zu Ende sind. Oberst Egli hält die mili­tärische Lage vcr Deutschen noch für günstig und bemerkt, daß ein Durchbruchsversuch der Alliierten nur dann Aussicht auf Erfolg haben könne, wenn man die feindlichen Stceitkräfte durch den Angriff auseiuaiidertreibt, während dre Deutschen sich gegenwärtig auf einen engeren Raum zurückziehen, also ihre Front verdichten und damit naturgemäß auch verstärken.

Die Australier in der vordersten Linie.

W. T.-B. London, 30. Aug. (Drahtbericht.) Der amt­liche australische Heeresbericht vom 29. August besagt, daß bei Abgang der Meldung die Australier etwa 2 Meilen von den Rändern von Peronne standen.

Die schwere« Verluste der Engländer in 1917.

Nach derNorHhire Post" vom 6. August 1918 zahlten die britischen Lcbensversicheoungsgescllschaften während der vier Kricgsjahre 7 500 000 Pfund Sterling für 436 000 Policen aus. Sie bezahlten allein während des letzten Jah­res etwa 3 000 000 Pfund Sterling, d. h. fast ebensoviel wie in den drei ersten Jahren des Kriegs zusammen. Welch schwere Ansprüche an die Mittel der Gesellschaften gestellt werden, wird aus der Tatsache ersichtlich, daß allein in einer Woche 16 Gesellschaften über 47 000 Pfund Sterling auSzahl. ton. Das ist mehr, als sie im Anfang des Kriegs während eines Monats zu zahlen gezwungen waren. BiSher zahlt« eine der größten Gesellschaften über 4 000 000 Pfund Sterling auf 190 000 Policen; vier andere zahlten jede von über 400 000 bis über 500 000 Pfund Sterling für durchschnittlich 35 000 Policen. Die Ansprüche kamen nicht allein von Soldaten und Seeleuten, sie schließen alle Arten Kriegsarbeiter ein und auch eine beträchtliche Anzahl Nichtkömpfcr, die bei Luft- schiftangriffon oder durch den deutschen U-Dootkrieg ihr Leben verloren.

Ein deutsches Luftgeschwader über LumbreS.

W.T.-B. Bern. 29. Aug.Echo de Paris" veröffentlicht eine amtliche Mitteilung aus Boulogne-sur-Mer. wonach Lumbres durch ein feindliches Lust.zrschwader in der Nacht vom 21. zum 22. August bombardiert wurde. Bon der Zivil- bevölkerung wurden mehrere Personen getötet.

Beschleunigter Flugzeugbau in Amerika.

W.T.-B. Rotterdam, 30. Aug. (Drahtbericht.) Dem Nieuwe Rotterd. Courant' zufolge erfährtDaily Telegraph" unter dem 28. August aus New York- Die Ernennung des Leiters der Flugzenpherstellung Ryan zum Gehilfen deS KriegSsekvetärs wird als erster Scbritt zum beschleunigten Flugzeugbau in Amerika aufgcfaßt. Die Ausführung des gesamten LuftschiffahrtsproqrammS kommt dann unter RyanS Ausiicht. Der Kongreß wünschte die Ernennung eines Luft- schiffghrtSministerS mit einem Sitz im Kabinett, aber Wilson war dagegen. ^

Dasaktuelle Problem".

Br. Genf, 30. Aug. (zb.) Großes Aufftben erregt ein Artilel derH u m a n i t i", der unter dem TitelDas aktuelle Prrblem des Kriege" andeutet, daß der jetzige Zeitpunkt, der der Entente militärisch« Erfolge gebracht habe, der richtige zur Erörterung der Friedens- Möglichkeiten sei, und daß die Mehrheit der fran- göfischen Sozialisten in der Kammevgruppe für die nunmehrige Ausnützung der Friedensbsftrebungen einzutce- ton entschlossen sei.

Amerikas Beitritt zum Londoner Vertrag?

W. T.-B. Köln, 30. Aug. (Drahtbericht.) Unter dieser Überschrift berichtet dieKöln. Ztg." au» Zürichs Die Neue Korrespondenz berichtet aus Bern, daß in dortigen politi­schen Kreisen das Gerücht umgehe, die amerikanische Regie- rung werde nackstehend eine Erklärung veröffentlichen, die einer Zustimmung zum Londoner Vertrag gleichkomm«. Mit großem Nachdruck wird seit einiger Zeit in den italrenischen Blättern, namentlich imCorriere della Sera", gefordert, daß über die Stellung Amerikas zum Londoner Vertrag"- klärung gegeben werde. -

Oie Ereignisse im lvjlen.

Ltttrutzland findet sich mit dem Srester Frieden ab.

DieKöln. Ztg." meldet aus Kiew: Die Zeitung Taurisches Wort" beschreibt unter der ÜberschriftNorden und Süden" die wirren Zustände im Sowjet-Rußland und führt dann mit Bezug auf die Ukraine folgendes aus: Wenn hier der bolschewistische Rausch in einigen Klassen auch noch nicht endgültig verflogen ist, so ist dcch zu meisten, daß ganz allgemein Ruhe und Ordnung im Land gewünscht werden. Das Land kommt wieder in die alten Geleise. Das schwache Ausflackern des Bolschewismus ist wie ein letztes Wetterleuch­ten eines abziehenden Gewitters. In maßgebenden Kreisen fängt man an, sich in die durch den Brest-Litowsker Friede» geschaffene Lage zu schicken. Sogar Miljukow schreibt an den Hauplausschutz seiner Partei: Ihr könnt den Brester Frieden nicht anerkennen, sobald euch beliebt, aber er ist nun einmal da, und als solcher bindend nicht nur für diese, sondern auch für jede andere Regierung. Nur so kann ein Realpolitiker schreiben. Wir müssen endlich offen gestehen, daß dieser Frie­den für uns der einzige Ausweg aus diesem unglücklichen Krieg war. Es ist vielleicht kein ehrenvoller Friede, aber Wunder gibt es heute nicht mehr. Nur Arbeit und wiederum Arbeit kann uns zu Macht und Ehren bririyen. Diese An­sicht scheint immer tiefere Wurzeln zu fassen.

Widerstand im japanischen Volke gegen die Intervention in Sibirien?

Vaderlrnd" (Haag) schreibt am 19. August 1918: Nach Reuter sind die hohen. Reispreise nur ein Vorwand für das Volk, um seinen Hatz gegen die Kriegsgewinnler zu äußern. Vielleicht haben die ganzen Unruhen, die sonderbarerweise mit der Expedition nach Sibirien zusammenfallen, aus) eine tiefere Ursache als nur Haß gegen die Kriegsgewinnler. Wir wisse» »ienig von Japan, doch wohl genügend, um sagen zu können, daß die Sympathie für den Verband dort außer­ordentlich gering ist und der Widecstand gegen neue kriege­rische Unternehmungen, name ntlich gegen die Expedition in Sibirien, sehr groß ist. die Unruhen mit der Ausfüh-

rung der Expedition zusnmmenfallen, gibt wenigstens zu denken Ek könnte sein, daß das japanische Volk den Vorteil dieser Unternehmung nur für die Kriegsindustrie und di« Großhändler sieht und sich dafür nicht hergeben will.

Die litauische Kbordnuna.

Br. Berlin, 30. Ang. (Eig. DraMericht. zb.) Die litaui- sche Abordnung, die unter Führung des Taryhapräsidenten Smettona vor einigen Tagen hier eingetroffen war, will sich heute, wie derL.-A." hört, aus einige Wochen noch der Schwei - begeben, um dort mit Vertretern der in Amerika lebenden 7500 Litauern Fühlung zu nehmen. Nach ihrer Rückkehr wird die Taryba-Abcrdnung die Verhandlungen über die litauische Staats- und Thronsrage mit den deutschen amt- lichcn S-tellen ausnehmen, um zu versuchen, von deutscher Seite Anerkennung des litauischen StaatSrats unter Rechts, gültigkeit der Wahl ihres Kandidaten zum König von Litauen zu erlangen. Als künftige Staatsfvrm in Litauen ist eine konstitutionelle Monarchie mit einem Zwei­kammersystem gedacht.

Br. Berlin, 30. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die litau­ische Abordnung ist vor ihrer Abreise noch der Schwerz heute vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Hintze emp­fangen worden. __

Italienische vorstötzs im Gegenstotz zurückueschlaqen.

Erfolgreiche österreichische SturmtrnppSnntrrnehmungen. W.T.-B. Wien, 30. Slug. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 80. August, mittag?:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Südlich von Meri übersielen Kavalleriesturmtrupp» einen Stützpunkt und hoben einen Teil der Besatzung aus.

Auch im Concei-Tal betätigten sich unsere Sturm- trupp» mit Erfolg.

Auf der Hochfläche der Siebengemeinden lebte die GefcchtStätigkeit beträchtlich auf. Bei Asiago und nördlich des C o 'l d e l R o s s o unternahm der Feind nach leb-- Hafter Slrtillerievorber-.'itnng mehcere Vorstöße, die teils durch Feuer, teils im Gegenstoß zurückqeschlagen wurden.

Gestern früh griffen unsere Großflugzeuge den Bahnhof Mente Belluna an und belegten ihn mit 56 Bomben.

Albanien.

Keine besonderen Kampfhandlungen.

Der Chef deS Generalstub«.

Die steigenden Kriegsausaaben Italiens.

W. T.-B. Bern, SO. Aug. -Drahtbericht.) Nach italieni­schen Blättern ist der Dnrchschn-tt der monatlichen KriegS- ausgaoen Italiens von 661 Millionen im Jahre 1915/16 auf 1242 Millnmen im Jahre 1916/17 und aus 1786 Millionen Lire im Jahve 1917/18 gestiegen. Seit Ausbruch des Weit- kriegs Hot Italien für Rüstungen und Kriegszwecke 60 M:ll,. erben Lire auS-gegeben.