Verlag Langgasse 21
bwrllkr-Holle grifft!« von 8 Utjr morgen» M* 7 lltzr ödend»
wöchentlich
vezugs-Brei» für beide Ausgaben: Mk. 1.20 monatlich, Ml. 3.80 vi«leljäbrlich durch den Verlag Langgaffe 2t, ohne Bringerlodn. Mk. «.8S vierteljährlich durch alle deurichea PotzanKallen. aurjchliehlich Bestellgeld. — Bezugs - Beftelluuge» nehmen oitßordem eatgegen: in Wiridaden die Zweigstelle Bi»- marckrtng l». sowie die Au»gabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Aus- gabeftellen und in den benachbarten Landorten und i« Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
12 Bus gaben.
Fernruf:
„Tagdlatihaus" Nr. 6650 -53 Bon 8 Uhr morgen« bi» 7 Uhr abend», anher Sannt»,».
Anrriaeu-Preis für die Zeile: 23 Pf«. für »etliche Anzeige»; 35 Pig. für au,to°«ige Anzeige», 1.S5 Bll. für örtliche Reklamen; 250 Mk. für auswärtige Reklamen. - Bet wiederholter Aufnahme >-itt>er- ändrNer Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entivrechender Rachlag. — Anzeigen-Annadme: Für dte Adend-Au»gabe bi» 12 Ilhr nttttaj»; für die Morgen-Ausgabe bi» 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme von Anz«gen an vorgefchriebeneu Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Berliner Abteil»», des Wiesbadener TagblattS: «er«, V. 57, A» der Apestellirche 7.1. Ker»,»recher: Amt Lützo« 6202 »ud 6203.
Mittwoch, 28. Srrgust 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 400. . 66. Iaifrgang.
wiederum ein Tag schwerer Kämpfe.
Ein erfolgloser englischer Durchbrirchs- versuch an der Searpe.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Aug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boehn.
Bei Langemark und nördlich der Lys wurden feindliche Teilangriffe abzewiesen.
Die Armee des Generals n. B e l o w (Otto) stand gestern wiederum in schwerem Kampf. Der Schwerpunkt der englischen Angriffe lag südlich der Scarpc. Durch Massen- einsatz an Panzerwagen englischer und kanadischer Jufanterie suchte der Feind beiderseits der Heerstraße ArraS-Cambrai erneut den Durchbruch zu erzwingen.
Unsere in der Linie Pelves—östlich von MoiichyCroi- s i l l c S kömpfenden Truppen (pommersche. wcstpreußische, hessen-nassauische und elsäsiische Regimenter) haben den mit gewaltiger Übermacht an Menschen und Material am frühen Morgen geführten Stoß des Feindes in erbittertem Kampf dicht östlich von Pelves bei Bic-en-Artois und Croi- stlleS a « f g e f a n g e n. Fm Verein mit württembergischen Bataillonen brachten sie am Nachmittag mit erneuter Kraft in tiefe» Gliedern an der Heerstraße vorgetragene feindliche Angriffe zum Scheitern. Auch mehrfach wiederholte Anstürme des Gegners gegen Boiry-Notre Dame und nordöstlich von EroisilleS brachen zusammen. Ter Feind hat gestern schwere Berluste erlitten. Biele Panzerwagen wurden dnrch Geschütze und Miitcnwerfer aus vorderster Linie vernichtet. Batterien des Reservc-Feldartillerie-Regi- ments Nr. 26 feuerten bei Bic, offen vor unsere Infanterie anffakirend, aus nächster Entfernung in die dichten Linien des Feindes Der Kampf griff' gegen Mittag auch auf daS Nord- t:fer der S c a r p e und nach Süden bis M o r y über. Mehrmalige Angriffe des Feindes wurden hier abgewtesen.
Beiderseits cher Straße von Bapaume blieb die Kraft der feindlichgü^Angriffe gegen die Vortage zurück. Der Engländer, der beiderseits der Stadt überraschend nnd mit Artillerievorbereitung, aber ohne Einsatz von Panzerwagen mehrfach vorstieß, wurde überall zu rückgeschlagen.
Nördlich der S o m m e führte der Engländer heftige Angriffe gegen unsere neue Linie zwischen F l e r S und C u rlu. Wir wiesen ste ab und nahmen Flers und Longuc- val, wo der Feind vorübergehend eindrang, im Gegenangriff wieder. Südlich der Somme scheiterten Teilvorstöße des! Gegners.
Zwischen Somme und Oise haben wir unsere Linien vom Feind a b g e s e tz t, die Trümmerfelder Chaulnes und Rohe ihm somit kampflos überlassend. Dnrch unsere erfolgreiche Abwehr war der Gegner seit dem 20. d. M. zmn Einstellen seiner Angriffe an dieser Front gezwungen worden. Dadurch wurde die reibungslose Duirch- führung unserer Bewegung ermöglicht, die sich in den letzten Rächten, vom Feind völlig ungestört, vollzog.
Zwischen Oise nnd A i s n e blieb die Gefechtstätigkett auf kleinere Jnfantertekämpfe beschränkt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der B e S l e brachten mecklenburgische Grenadiere dank hartnäckigen Eingreifens ihres Führers Oberleutnant B ö l ck e vom Grenadier-Regiment '80 einen Angriff der Ame. rikaner gegen Bacoches zum Scheitern. Badische Truppen erstürmten Fismette im Besletal. Boi beiden Unternehmungen erlitt der Angreifer schwere Verluste umd ließ mehr alS 250 Gefangene in unserer Hand.
In den Argonncn wurden bei erfolgreichem Borstoß Italiener gefangen. I
Der Erste Generalqnartiermetster: Ludendorss.
Oie Magervelber.
Seit einiger Zeit scheint es in Deutschland einen neuen Beruf zu geben, nämlich den der Klageweiber, der darin besteht, daß angebliche Männer den Heeresbericht dazu mißbrauchen, über den einen oder den anderen den Feinden überlassenen Ort in Zittern und Greinen zu verfallen. Es dürste richtig fern, diesen Geographiewahn einmal zu belehren. Die Orte, um die es sich hier zumeist handelt, stzrd wirklich nicht einmal eine Träne wert. Zwar stehen'die Namen dieser Städte und Dörfer noch stolz auf den Landkarten, in Wirklichkeit aber befinden sich dort nur noch airsgebrannte Trümmerhaufen, und wenn wir bei der Kennzeichnung dieser Brandstätten überhaupt den einstigen Namen noch anwenden, so geschieht das eben nur, unr über den Ort, um den es sich handelt, noch halbwegs zu orientieren. Hinter keinem dieser Namen aber steht noch irgend ein bedeutsamer Wert. Auch ist nicht anzu- nobmen, daß die Franzosen, wenn sie nun in mich einen von uns ihnen wieder überlassenen Ort einsiehen, sich . sonderlich freuen. Im Gegenteil: ne bekommen alsdann fedesmal nur aufs neue den Beweis geliefert, wie furchtbar ihr Land zerstört worden ist rrnd wie grauenhaft die ausgeblutete Wunde ist. in die das nördliche FcarrLceich sich während dieser Kriegsja^e verwandelt Lat. '
Aber nicht nur solche völlige Wertlosigkert der von uns geräumten Orte macht das Klagen über solche Freigabe so sinnlos; wesentlicher ist es, das; anscheinend immer wieder vergessen wird, wie b e d e u- tungslos für den eigentlichen S i n n unserer Heeresführung das Kleben 'an bestrmmten geographischen Punkten ist. In früheren Zeiten mag es vielleicht ausschlaggebend gewesen sein, einen^Ort zu halten oder ihn zu verlieren. Die in o d e r n e Ta k t i! ist wesentlich e l a st i s ch e r. Hier kommt es nicht darauf an, unter allen Umständen stehen zu bleiben und so dem Feinde ein möglichst günstiges Ziel zu bieten, gerade uni gekehrt hält sie es für richtig, im gegebenen Augenblick die Frontlini? elasttich zurückzubiegcn,
um so dem Feinde und seinen Anstrengungen die Niederlage des Luftstoßes zu bereiten. Man kann sich die langen Gesichter vorstellen, mit denen dann die eingebildeten Sieger avancieren und statt der erhofften Erfolge, nämlich der Vernichtung der deutschen Armeen, nichts vorfinden als zersprengte Steine und Verkohlte Balken.
Wir sollten nie vergessen, daß das Land, über das setzt die furchtbaren westlichen Kämpfe hin- und her- brausen, nicht unser Land ist und daß wir darum sozusagen verschwenderisch damit u in gehen können. Unser aber sind die Truppen nnd unser ist das Material: da allerdings müssen wir mit weiser Voraussicht Sparsamkeit walten lassen. Nichts wäre verkehrter als stehen zu bleiben, tvenn ein Zurückgehen den größeren Erfolg darstellt. Und der Erfolg rst in der Tat größer, wenn durch solch Au s w e i ch e n die eigentliche Absicht des Feindes vereitelt wird und ihm statt dessen nur das billige Vergnügen wird, ein Stuck Erde in Besitz zu nehmen, ans de:n einst, wie es die Landkarten aussagen, ein Dorf oder eine Stadt gestanden hat. Wir möchten meinen, daß dann, was dos Klagen betrifft, die, Reihe mehr, am Feinde als an uns ist. Die Klageweiber, deren Tätigkeit somit jeder Begründung entbehrt, machen sich dem- gemäß rurr lächerlich. In üaÄell« Kapitel der
Lächerlichkeit, der vollständigen Urteils l o s i g l e i t. ja schon mehr in das Kapitel der K r i e g s v s v ch o s e, gehört übrigens ein Fall, der uns hier aus Wiesbaden erzählt wird und der uns, das „Wiesbadener Tagblatt", insbesondere angebt. Also da erzählen sich ausgewachsene Leute, die militärischen Aufsätze des „Wiesbadener Tagblatts" über den Verlauf der .Stümpfe irrt Westen, die selbstverständlich aus deutscher nii li- tärischer Feder stammen und vorjchristsgemäß dev deutschen militärischen Zensur Vorgelegen baden, ieicn von englischer Seite in das „Wiesbadener Tagblatt" hineinlanciert, vermutlich auch gegen englisches Gelds Wahrscheinlich deshalb, weil in dreien Aufsätzen auch einmal mit deutscher Ehrlichkeit ein deutscher Mißerfolg! zugegeben wird, wenn es fein mutz. Für diese Sorte von „Kritikern" muß eigentlich auch der Kriegsministev v. Stern mit den Engländern in Berbiirdung stehen; wenn er neulich in einer Unterredung zugegeben hat, daß die ersten englischen Übecraichungserwlge „eine deutsche Schlappe" gewesen seien. Die Feststellung genügt wohl. Die Leute aber, die an solchen Bestechungs- Wahnvorstellungen leiden nnd so törichtes GeschwäH herumtragen, stehen in der Tat mit den am Geographiewahn leidenden Klageweibern in Männerhosen auf einer Sttrse.
* .
Der englische Zehlschlag beiderseits vapaume.
(Bon unserem Kriegsberichterstatter.)
Großes Hauptquartier, 36. August.
In Kämpfen nördlich von Mory hat der Feind vorgestern außer Tanks und Infanterie auch wieder «ine berittene Schwadron eingesetzt, die auf nahe Entfernung herange- lassen und dann säst restlos zusammengefchosssn wurde. Wieder wie in der alten Sommeschlacht hat es sich bei Kämpfen weiter südlich ereignet, daß unsere Verteidiger aus den Gräben gesprungen sind» um gegen die anstürmende Überzahl besseres Schußfeld zu haben und den Feind freistehend auf der Brustwehr durch Schnellfeuer zur Umkehr zu zwingen. Den Angriff beiderseits Bapaume mit dieser: Stadt als nächstes Ziel wollten die Engländer um jeder« Preis durch Masseneinsatz von Tanks und von Infanterie iw unerhörter Dichte erzwingen. Er scheiterte und die Verlusts des Feindes waren ungeheuer. Stellenweise sind wir hiev zum Gegenstoß übergegangen. Ein Angriff, den wir gestern« rrm 7 Uhr abends bei Favreuil unterna-hmen, stieß in einer« eben in Vorbereitung befindlichen starken englischen Angriff und hob diesen auf. Auf dem Südteil des englischen Offen- sivfeldes kam ein Angriff mehrerer Divisionen zu gut vor» wärts und drückte die feindliche Linie dort in voller Breitq zurück.
Aus den Gefoiigenenaussagen bestätigt cs sich vollkommen, daß der Fernd im Vertrauen auf seine Vorbereitungen, die er noch niemals in solchem Umfang gettoffen hatte, bestimmt damit gerechnet hatte, diesmal mit.einem öden wenigen Schlägen die deutsche Kampfkraft zu des reg er« und zu zertrümmern. Wir haben heute den sechsten Dag )erk dem Losbrechen der englischen Offensive. Die Linie v e läuft bei Wamcourt bis St. Leger wie in den letzten Tagen) folgt dann dem Ostrand von Mory. dem Westrand von Behagnies, Sapignies, geht dann durch AvenneS, westlich Lignh- Thilloy durch Eancourt-L'Abbaye über Martinpuich uni» Conialmaison, das heißt, daß der Feind irnmer noch nicht auch nur seine Offensivziele des ersten Tages hat erreichen könne». Wvhrn er aber gekommen ist, das lehren ihn die neuen Verluste und die riesigen englischen und französischen Gräberfelder der Sommeschlacht, wessen er sich unterfangen hat, altz er die deutsche Verteidigung schlagartig überrennen wollte.
Zwischen der Aillette und der Aisne nahmen die heftigen Teilkämpfe um wichtige Geländepuukte ihren Fort- gang. Der Ilbsicht des Feindes, seine Angriffe bei Po uat- St. Mard zu wiederholen, kamen mir gestern früh nmi 8 Uhr 30 Min. durch einen eigenen Angriff zuvor, der seine, Vorbereitungen zunichte machte. Jan Vordringen durch daq tioseingefchmittene Tal und über den kahlen Bergrücken hin», weg, nahmen wir dem an Zahl und Kampfmitteln weit überlegenen Feind die Sähe 124 östlich des Dorfes (den sogenannten Jnselberg) und die Malhotel-Fermc. Die bei den Kämpfen dieser Gegend gemachten Gefangenen gehörten vier verschiedenen französischen Divisionen an. Dichte Bodennebel verhindern heute die Fortsetzung der Fliegerkämpfe. (Kb.)
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Dem feindlichen Ourchbruchsziel in der aroften Vorveaunysscklackt nickt naher!
W. T.-B. Berlin, 27. Aug. Die schweren Kämpfe zwischen Arras und Somme brachten den Feind am 26. August trotz erb-'ttertet Anstrengungen und trotz Ernsatzes aller Kampfmittel und frischer Truppen seinem Durchbruchsziel nicht! näher. Die deutsche Führrmg fügte dem Feinde durch rechtzeitige? Ausweichen und unerwartete Gegenstöße immer wieder schwere Verluste zu.
Die Verbreiterung des englischen Angriffsraum«» nach Norden übe: die S-arpe hinaus zwingt die britisch^ Führung zu ua.«jy; »»L«».» reicher e r» eUifti.
