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Mittwoch. 28. Sugust 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 399. ♦ 66. Jahrgang.
„Sachwalter nationaler Geiaint- interessen."
Die 'a hl reichen Vorschläge zur Reform des auswärtigen Dienstes kranken vielfach an einer gewissen Ein- sertrgkeit. Es ist ja auch natürlich, wenn heute von großen industriellen oder wirtschaftlichen Korporationen Eingaben über die Umgestaltung unseres politischen Außendienstes gemacht werden, io wird den bisherigen Kehlern und Mängeln eine übertriebene Bedeutung beigemessen. Die Außenpolitik war bisher zu wenig Wirtschaftspolitik, sie darf in Zukunst aber nicht nur Wirtschaftspolitik sein. Es ist darum sehr erfreulich, daß ein guter Auslandskenner, Arnold Rcchberg, in einer lesenswerten Schrift („Neuorientierung", Verlag der „Berliner Börsenzeitung" vom Standpunkte der nationalen GüsamLinteressen an die Krage der Neugestaltung unseres auswärtigen Dienstes herantritt. Auch Rech- berg verkennt nicht, daß die richtige Beurteilung wirtschaftlicher Faktoren zu cinein Haupterfordernis für die moderne Diplomatie geworden ist. Theoretische Kenntnisse und eine kurze Lehrzeit vermögen aber noch nicht den Nachweis bedeutsamer wirtschaftlicher Befähigung zu führen. Diesen kann erst die Praris erbringen. Und wie dies in Landwirtschaft. Handel und Industrie ist. so liegen die Dinge auch auf den anderen Gebieten, die bisher int Auslandsdienst stiefmütterlich behandelt wurden. Unser Auslandsdienst braucht ausgezeichnete Kenner der Presse und des Nachrichtenwesens, wir müssen tüchtige Militärs und hervorragend begabte juristische Fachleute im Auslandsdienst haben. Darum muß künftighin die Auswahl der diplomatischen Beamten nicht an bureaukratische Vorbildung und an bestimmte Examina geknüpft sein, sondern den Tüchtigen ans allen Ständen muß der Zugang zum auswärtigen Dienst.offenstehen. Um sie zu gewinnen, muß der Staat' allerdings sich den großzügigeren Bezahftmgsmethoden r Privatwirtschaft anbeauemen. Weder der Adel noch l^r Beamte sollen zurückgefetzt ~ werden, aber ausge- ' Rossen muß ihre Bevorzugung gegenüber den Anwärtern aus den freien Berufen sein. Die innere Gliederung denkt sich Rechberg w. daß an der Spitze des Auswärtigen Amtes der Staatssekretär und drei Unter- matssekretäre stehen. Das Amt selbst zerfällt in eine allgemeinpolitische Abteilung als Zentralstelle und in sechs weitere Zlbteilunqen, die die Zentralstelle umgeben und sekundieren. Diese sechs Abteilungen sind: die wirtschaftspolitische Abteilung, die Presse-Abteilung, die militärische Abteilung, die arbeitspolitische Abteilung, die juristische Abteilung und die Nachrichten-Abteilung. Die Botschaften und Gesandtstbasten, und soweit erforderlich die General-Konsulate bestehen ihrerseits aus Beamten der allgemeinpolitischen und der sechs Spezial- Abteilungen, wobei grundsätzlich der dienftälteste Beamte aus der allgemeinpolitischen Abteilung dem Botschafter beziehungsweise Gesandten oder Generalkonsul im Rang am^nächsten steht. In der praktischen Arbeit würden die Spezialabteilungen rille Anregungen der- folgen, softrn sie von der rllgemeinpolitischen Abteilung als im Interesse unserer Gesamtpolitik liegend erachtet werden und uwgekebrt. Rechberqs Vorschläge sind seden- falls für die Reform des auswärtigen Dienstes beachtenswert. und sie bedeuten eine gute Ergänzung der Interesfentenomgaben.
3ur Lase Im wetten.
Die feindlichen Gegenangriffe bei Crecy-au-Mont
W. T.-B. Berlin, 2f>. Agg. Die Gefangenen, die bei dem Verstoß der preußischen Garde westlich von Crecy-au-Mont ringebrackt wurden, gehören vier französischen schwarzen und weißen Divisionen an. Nachdem unser Angriff, der um 6.30 Uhr vormittags einsetzte, die Höhe südlich Pont St. Mard gewonnen hatte, wurden am Borniittag drei starke feindlich« Gegenangriffe abgeschlagen. Am Nachmittag, setzte der Feind weitere Angriffe an. die bis zum Einbruch der Dunkelheit orchielten jedoch sämtlich scheiterten.
Etwas mehr Rücksicht beim französischen Menschcneinsatz?
Br. Paris, 27. Lug. (Eig. Drahtbericht, zb.) I« den letzten Tagen der Kämpf« zwischen Oise und Aisne hat sich eine auffallende -Veränderung in der Wahl der französi- schen Angriffsunttcl herausgebildet. Die Last der ersten Angriffe wird von m ech a n i sche n Kampfmitteln getragen, dir in der Hauptsache aus Sturmwagen. Bomben. Maschinengewehren und Kampffliegern bestehen. Die Infanterie folgt dieser Sturmwelle in erheblicher Entfernung unid wird erst dann eingesetzt, wenn die französische Heeresleitung sich eines Erfolgs sicher glaubt.
klqitationsrerfen englischer Minister.
Br. Basel, 27. Aug. (Eig. Drahtbericht zh.) Lloyd George und die übrigen Minister des englischen Kabinetts werden demnächst Agitationsreisen durch ganz England antreten. um die Fortsetzung des Krieges
zu betreiben.
Clemenceaus Zuversicht.
Br. Bern, 27. Aug. (Eig. Drahtvcricht. zd.i Ctemencean empfing vor seiner erneuten Abreise zur Front Parlamentarier. denen er erklärte, seine Informationen seien so g u t, daß er noch in diesem Herb st eine Wendung des ganzen Weltkriegs erwarte.
Wilson und die Lügen von deutschen Greucltaten.
W. T.-B Berlin, 26. Aug. Der Chef des Stabes der amerikanischen Armee. General Keston March, hat sich nach einer Berner Meldung, der „Köln. Zig." vom 23. August über rie angebliche grausame Behandlung der amerikanischen Gefangenen in Deutschland geäußert. Er erklärte die in den Vereinigten Staaten verbreiteten Schauergeschichten für unbegründet, da ihm der diplomatische Vertreter Spaniens rn Deutschland mitgeteilt habe, die Amerikaner würden dort genau so behandelt wie all' übrigen Gefangenen. — Vielleicht nimmt Wilson, der sich augenscheinlich um die Dementierung der deutschen Greuel durch den amerikanischen Höchstkommandierenden, General Pershing, nicht gekümmert hat, wenigstens von dieser Äußerung des.amerikanischen Generalftabschefs Kenntnis und hört aas. im Lande der Lvnchmorde vcn erfundenen deuffchen Greueltaten zu reden.
Heimat und Front.
Berlin, 27. Aug. Der „Berk. Lok.-Anz." veröffentlicht einen ihm zur Verfügung gestellten Brief, den ein seit 1914 im Felde stechender Offizier an seine Angehörigen geschrieben hat. Darin heißt es: Auf Regen folgt Sonnenschein. Auf die jetzige Zeit des Stillhaltens wird wieder die Zeit des frischen Draufgehens folgen, die wir alle ersehnen. Wenn mal eine gedrückte Stimmung hier vorn entstehen will, so entsteht sie nie aus der Truppe selbst heraus, sondern kommt stets aus der .Heimat. Das liegt wohl daran, das dieselbe trotz ihres Riesenanteils an der Kriegführung ihre Leistung überschätzt. Selbst wentr die .Heimat zurzeit an körperlicher Arbeit mehr leisten muß cüs der Soldat, selbst wenn der Soldat unzweifystaft in der Ernährung besser gestellt ist als die Allaemernheit in Deutschland, so wird doch alles dies ausgewogen durch die nervenzerrüttenden Eindrücke des Kampfes, durch die Strapazen in Dienst und Wetter und die ständige Todesgefahr, die ihn in tausenderlei Formen umgibt. Dazu kommt noch die Unregelmäßigkeit des Soldatenlebens. In der -Heimat tut gewiß jeder ,seine nicht leichte Arbeit, er bat aber seine Regelmäßigkeit und seine geistige Ablenkung.
Oie Kämpfe in Russisch-Ostasien.
Die Niederlage der Uftchecho-Slowaden.
W. T.-E. Stockholm, 27. Aug. Ern Telegramm -au? Moskau an „Politiken" bestätigt, baß die Tscheche-Slwvaken b e i N i k o l a j c w s k geschlagen wurden und daß die Stadt von den Bolschewisten eingenommen worden ist. Es wurden dabei große Mengen an Kriegsgerät erbeutet. Die Verluste der Tschecho-Slowaken sind sehr groß.
vie schwierige Lage der Ententetruppen.
Ei» englischer Bericht.
W. T.-B. Amsterdam, 27. Aug. (Drahtbericht.) Nach einem hiesigen Blatte meldet der Sonderberichterstatter der „Times" tu EHarbin vom 21. August, daß die Kainpftätig- teit an der klssurifront am Morttag stark zugenommen habe. Die beide» Fronten der alliierten Streitkräfte seien angegriffen worden. Die Kosaken hätten vier Kanonen verloren und 160 Manu. Die t sch e ch i s ch e n, englischen und französischen Truppen wurden in den Kamps verwickelt, später auch die japanischen. Ihre Gesamtverluste betragen ungefähr 360 Mann an Toten und Verwundeten. Die Frontlinie wurde 6 Meilen zurückge- r ommen. Japanische Tcuvpen treffet: wasch im Kampfgebiet; ein. Man glaubt, daß eine feindliche, 4600 Mann starke Truppe vcm Khankasce aus. ungefähr 100 Meilen nördlich von Wladiwostok, gelandet und nach Gradekowa geschickt worden sei, uni die stbirische Bahnlinie zu beiden Seiten zu besetzen und die Verbindung zwischen Wladiwostok und Charürn abzuschneiden. Wie schwierig die Lage ist, kann aus. der Tatsache entnommen werden, daß ein -ansehnlicher Teil der tschechischen Truppen zurückgebracht wurde, um die Bahn zwischen Nikolsk, nördlich von Wladiwostok, Grodekowa zu besetzen.
Mnerikanisckies Darlehen für Wladiwostok'.
Japanische Truppenz-tsammenziehung am Uffnri.
W. T.-B. Amsterdam, 27. Aug. (Drahtbericht.) Das Revtersche Bureau meldet a.-s Wladiwostok- SSt;' verlautet. haben die Amerikaner der Gemeinde Wladiwostok Zßß Millionen Rubel geliehen. — Die Japaner konzentrieren ihre Truppen an dec ll s s u r i f r o n t. Matrosen von Evea- newky. die von Vanzeraittomovilen nnterstützt waren. Hab« r die Bolschewisten angegriffen.
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3ur Lage in Mosirarr.
W. T.-B. Moskau, 21. Aug. (Drahtbericht.) Die. hiesige Pi csfe meldet: Hier traf eine.russischem Abordnung. ein, die beauftragt ist, mit der Sowjetregierung über.ose Ligur-
dation der ruffischen Staatseinrichtungen im Kaukasus zu verhandeln. — Tie Entente gewährte der sibirischen Regierung einen weiteren Vorschuß von 100 Millionen. -— Erbeutete Schriftstücke beweisen die Werbearbeit des frqnzösi schc n Bevollmächtigten Janean unter den Weißgardisten und Tschechen in Samara, von wo aus audt lebhafte Beziehungen mit Tutoff und der sibirischen Regierung unterhalten worden sind. — Die Regierung in Omsk befahl die Mobilisierung der Jahrgänge 1880 und 1800. — Der japanische Konsulatssekretär Nidkawa und der Attache der chinesischen Gesandtschaft Livatan sind ans Petersburg hier eingetroffen und haben den Volkskommissaren fiir auswärtige Angelegenheiten einen Besuch abgestattei.
Eine kommunistische Rede Lenins.
W. T.-B. Moskau, 27. Ang. (Drahtbericht.) Nack einer Meldung der „Jswestija" äußerte Lenin in einer am 23. August abgehaltenen Parteivers.rmmlung, daß die Kommunisten fiir die Beendigung des imperialistischen Krieges und den Sozialismus kämpfen. Bereits bei Beginn des Krieges habe er erklärt, daß der einzige Ausweg aus dem imperialistischen Krieg seine Verwandlung in diesen Bürgerkrieg sei. Der Bürgerkrieg in Rußland muffe noch viele Monate, vielleicht Jahre dauern. Der Kapitalismus sei eine internationale Macht. Er köicne daher nur in allen Ländern. nicht aber in einem einzelnen, vernichtet werden. Der Krieg gegen die T s ch e ch o - S l o w a k e n sei ein Krieg gegen die Kapitalisten der ganzen Welt. Durch einen Sieg über die Tschecho-Slowaken hätten di» Bolschewiff die Möglichkeit, sich so lange zu hakten, bis die Weltrevolntiou ausbreche.
Weitere tiefeinschneidendr sozialistische Entcignungs- mafinahmen.
W. T.-B. Moskau, 27. Aug (Drahtbericht.) Nacki der ..Prawda" hat das Zentral-xekutivkmnitee in der Sipung vom 22. August den Erlaß eines Dekrets beschlossen, welches in alle» Städten den - Privatbesitz auf Grundstücke beseitigt. In Städten über 10 000 Einwohner wird das Recht de? Privotbesitzes auf 'ämtliche Bauten abgescbafft. deren Ertrag einschließlich des Gruabsrücksertrags über die von den Ortsbehörden iM Wichten Normen hilwusgehen. Hypotheken »her 10 000 RiMl werden annulliert und die früheren Eigentümer den Mietern gleichgestellt. Da? Dekret erstreckt sich nicht auf JndastrieunternehmUngen.
Fiir die Sowjetmacht.
W. T.-B. Kurik, 27. Slug. (Drahtbericht. Meldung der Petersburger Telegravhen-Agentur.) In der Plenarsitzung des nengewählten Sowjets der Deputierten der Eisenbahner ist eine Resolution zur Unterstützung der Sowjetmacht angenommen worden. Der Sowjet der Eisenbahner r wird sich die größte Mübe geben, um die Arbeitstätigkeit zu heben und zur Stärkung der Sowjetmacht, der sozialen Revo- lution und zum Triumph der Arbeiter und ärmsten Bauern nach Kräften beizutragen.
Wechsel im Bolkskommiffariat des Auswärtigen?
Br. Moskau, 27. Aug. (E g. Drahtbericht. zb.) 'Nach Jnformationskreisen, die der Sowjetregieoung nahestehen. ist der frühere Botschafter in London, Litwinow. zur Übernahme eines Postens von großer Bedeutung auser- sehen. Wie es heißt, soll es sich um das Bolkskommiffariat des Auswärtigen handeln. DaS Eintreffen Litwinows >oird anfangs September hier erwartet.
Zum Besuch des ukrainischen Miuistrrpkäsidenten in Berlin.
W. T.-B. Kiew, 27. Aug. (Drahtbericht.) „Rubitnicza Gazeta" meldet, daß der Rat i-es ukrainischen Nationalbundes gegen die Berliner Äußerung des Ministecpräsidentcu Lvsogub protestieet habe, da dicft Äußerung nicht der Wirklichkeit und drei Fnleresse des ukrainischen Volkes entspreche. Auch die „R,'wr Rawa" erklärt sich mit den Äußerungen de? Ministerpräsidenten nirbt einverstanden. — „Wvdrodshennia" glaubt nicht, daß Lvsogub die Äußerung über die Föderation getan habe, da diese in Widerspruch m:t den Äußerungen des- Hetman stünden. Das ukrainische Volk laffe nicht von seinem St rat. Von ciner .Einignüg mit Rußland könne keine Rede sein
Oer österreichisch-ungarische Vormarsch in Albanien.
W. T.-B. Wien, 27. Aug. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 27. August, mittags: An mehreren Stellen der italrenischeu Front Artillerie kämpfe und Patrouillen- gesechte. — Bozen und Gries waren neuerlich das Ziel feindlicher, aber schadloser Fliegerangriffe.
Auf dem albanischen Kriegsschauplatz haben unsere siegreichen Truppen in Bersolgnng des geworfenen Gegners südlich Fieri und Berat Raum gewounen. Auch beiderseits des Tomoricatalcs iRebenfluh des oberen TevoliS», wo französische Abteilnngen hartnäckigen Widerstand leisteten, wurden die feindlichen Stellungen erstürmt und der Feind zum Rückzug gezwungen.
Der Chef des GenergfftMs.
