Verlag Langgafle 21
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Dienstags 27. Slugust 1918.
Mvrgen-Kusgabe. Nr. 397. ♦ 66. Jahrgang.
Der Vatikan.
Wie schwierig die Lage des Vatikans durch den Krieg geworden ist. darauf wird wieder einmal von der „Germania" aufmerksam gemacht, und ihre Darlegungen können jedenfalls Beachtung auch in anderen als den katholischen Kreisen beanspruchen. Es besteht gegenwärtig so gut wie gar keine Verbindung zwischen den Mittelmächten und dem Vatikan, die Entente hat dafür gesorgt, daß der Papst als Friedensstifter und als Vermittler völlig ausgeschaltet worden ist. Dafür haben unser? Feinde selber ihre Beziehungen zum Vatikan immer enger geknüpft. England hat jetzt einen diplomatischen Vertreter beim Hl. Stuhl, Portugal die alten Verbindungen wiederherqestellt, China und Japan wollen in der Bewegung nicht zurückstehen, selbst das atheistische Frankreich macht Miene, wieder den Weg nach Rom zu suchen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß es ihn, wenn auch schweren Herzens, uach einiger Zeit gefunden haben wird, und die Vereinigten Staaten werden vielleicht noch eher als die französische Republik einen Vertreter beim Vatikan haben. Deutsche Prälaten aber weilen in Rom nicht mehr, ausgenommen den Kardinal Frühwirth und den Bischof Esser. Nur einmal seit Ausbruch des Krieges mit Italien war ein deutscher Kardinal in Rom, ein österreichisch-ungarischer überhaupt noch nicht. Nach der „Germ." haben diese' Zustände unter den deutschen Katholiken eine große Beunruhigung hervorgcrufen. die weit mehr auf dem religiösen als auf dem politischen Gebiete liegt. Den Katholiken der Ententestaaten werde es nicht beneidet, daß sie unbehinderten Zutritt zum Papste haben, aber die deutschen Katholiken wollen auch ihre eigenen Ansprüche auf die Verbindung mit Rom geltend machen. Es ist ja nicht viel Neues, was uns das Berliner Zentrumsblatt erzählt, gleichwohl lenken wir die Aufmerksamkeit auf diese Darlegungen, einmal weil sie wirklich zeigen, daß auch auf deni behandelten Gebiets dir Feinde unter englischer Führung unendlich rührig und wahrlich nicht erfolglos sind, sodann, weijs es sich einigermaßen verlohnt, eine von der „Germ " aufgestellte For- derung näher zu betrachten. Diese Forderung geht dahin, daß der kommende Friedensschluß dem Papste wieder seine volle Freiheit und Unabhängiokert bringen müsse. Auchörcn müsse die unwürdige hilflose Lage, in der sich der Papst insofern befinde, als ihm der freie Verkehr mit der Außenwelt, insbesondere mit einem großen Teile der katholischen Christenheit und einer Anzahl von Regierungen, mit denen er bis zum Kriege diplomatische Beziehungen iinterhielt, untersagt oder wenigstens durch die Verhältnisse unmöglich gemacht p>erde. Wir haben Verständnis dafür, daß unsere katholischen Volksgenossen, soweit sie ihre Blicke nach dem Vatikan richten, vom Friedenskongreß die Lösung der römischen Frage in einem Sinne erwarten, der der päpstlichen Freiheit und Unabhängigkeit vollkommen Rechnung ttäqt, aber wir meinen, daß der Weg zu diesem Ziele jedenfalls unendlich lang und mühselig sein dürfte. Es gibt in der Hauptsache zwei Möglichkeiten, um zu dem von der „Germ." gezeigten Ziele zu gelangen: Entweder wird die Entente mitsamt Italien so geschlagen, daß sie sich von den Mittelmächten jede Be- dingung. auch die Wiederherstellung des Kirchenstaates, gefallen lallen nmß, oder die Entente erwartet ihrerseits Vorteile von der Gewährung völliger Unabhängigkeit an den Vatikan und nöttgt Italien mit gelindem Zwangs, das Erforderliche zu leisten.. Jene wie diese Möglichkeit dünkt uns nicht gerade im Bereiche der Wahrscheinlichkeit zu liegen: wie aber den Zentrums- wünschcn sonst Erfüllung werden konnte, das sehen wir nicht. Und so wird es Wohl dabei bleiben, daß das Schicksal des Vatikans nicht sowohl von paviernen Bürgschaften als von den Machtbedingungen abhängen wird, die sich gerade im Kriegs um „Garantien" nicht zu kümmern pflegen. Dem Papst wird man im übrigen die Anerkennung nicht versagen dürfen, daß er sich in seiner schwierigen Lage nach Möglichkeit neutral verhält. Zuweilen gab es bei uns Wohl einigen Anlaß zu Beschwer- den, wie es denn z. B. die Frage ist. ob die Behandlung der belgischen Angelegenheiten durch den Vatikan immer im Einklang mit dem gewesen ist, was unsererseits billigerweise beansprucht werden konnte, aber auch in diesen Fällen wird die Reichsleitung die Verhältnisse erwogen haben, die dem Vattkan eine Richtung vorzeichneten, so daß wohl Verschiedenes geschehen oder unterbleiben mußte, was bei völlig freier Entschließung so nicht geworden wäre. Im ganzen aber wird man Wohl zufrieden sein können._
Da? angebliche englisch-amerikanisch- Geheimbündnis.
Br. Zürich, 26. Aug. (Eig. Drabtbericht. zb.) Der britische Botschafter in Washington Lord R e a d i n g erklärte, daß an der Meldung, er sei aus London gekommen, um ein Ostensiv- und ein Defenslvbündnis zwischen Großbritannien und den Vereintsten Staaten zu arrangieren, kein wahres Wort lei.
Ein bedeutender Sieg der Sowjettruppen.
Ruffischcr Kriegsbericht.
W.T.-B. Moskau, 26. Aug. (Drahtbericht.) An allen Punkten der östlichen Front gehen die Kämpfe init großen Erfolgen für uns vor sich. Hartnäckige Kämpfe finden um den Besitz beherrschender Stellungen statt, deren Ergebnis der Rückzug des Feindes auf der ganzen Linie ist. Alle Angriffe der Kosaken, die mit starken Kräften auf Novansensk vorrückten, wurden mit großen Verlusten abgewiesen und der Feind zur Flucht gezwungen, nachdem er auf dem Schlachtfelds über 460 Tote und viel Kriegsmaterial, darunter Maschinengewehre, zurückgelassen hat. Die Tschecho-Slowaken wurden bei NikoIajewsk geschlagen. Die Stadt ist in unserer Gewalt. Das gesamte feindliche Kriegsmaterial wurde erbeutet, darunter Geschütze, Maschinengewehre und eine Unmenge von Geschossen. Die Verluste des Gegners sind groß. In Richtung Sysran rücken wir unter Kämpfen vor. Die Station Nowospaskaja wurde von uns besetzt. Im Bezirk von Kasan vertrieb unser Artilleriefeuer den Gegner von dem Krasnyberg, dessen wtt uns bemächtigten. Die auf dem Krasnyberg erbeuteten feindlichen Geschütze wurden von uns sofort gegen den Feind verwendet Die Schlüsselstellung der Stadt ist somit in unsere Hände gefallen. In der Nähe von Jekaterinenburg wurde von uns die Stellung besetzt, welche es uns ermöglicht, den weiteren Vormarsch auf diese Stadt sortziisctzen.
8. Stockholm, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus dem Bezirk Kasan wird von dem Hauptquartier der russischen Armee die Einnahme von Wassi l-i ew k a, 35 Werst südlich Elan, gemeldet.
Enalifcho Iwangsrebrutierunq in Gstkarelien.
8. Stockholm, 26. Aug. Mg. Dvahtbericht. zb.) In dem besetzten Oftkarelien versuchen die Engländer jetzt, die Einführung der Wehrpflicht aller Männer von 16 bis 40 Jahren duvchgusetzen.
Finnische überlauter in der Entente-Armee.
8. Stockholm, 26. Aug. Mg. Drahtbcricht. zb.) Nach Mitteilungen von Mi r läuft rn beftnden sich unter der Entente-Armee an der Murmanküste eine Anzahl ftüherer finnischer Roter Gardisten, die aus Rußland geflohen waren, da sie dort dem Hungertod ausgesetzt waren. Sie ließen sich durch einen ftühercn Führer der Roten Gardisten Rahja, der später nach Petersburg zurückkehrte, anwerben. Rahja, der wegen Verrats der Arbeitevsache mit dom Tod 'bestraft worden war, glückte es jedoch, feine Freilassung durchzusetzen.
Ein Petersburger Sowjetkongreß.
W. T.-B. Moskau, 25. Aua. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.i Im Smolnh-Jnstitut in Petersburg wurde der Kongreß der Sowjets des Petersburger Gouvernements eröffnet. An diesem Kongreß nahmen 167 Delegierte aus 107 Gemeinde i teil. Von den Delegierten sind 55 Kommunisten, 51 Anhänger de: Kommunisten. 2 linke Sozialrevolutionäre, 1 rechter Sozialrevolutionär und 30 Parteilose.
Oie finnische Nöniqswahl.
8. Stockholm, 26. Aug. Mg. Drahtbericht, zb.) Nach der Helsingsorser Zeitung „SvenSka Tidninyen" wird voraussichtlich Herzog Adolf F r i e d r i ch die finnische Königskrone annehmen. Der Herzog hegt sehr große Sympathien für Finnland.
Ein neuer Anwärter für den finnischen Thron?
Berlin, 26. Aug. Aste der ,B. L.-A." erfährt, kommt für die finnische Thronfolge die Kandidatur des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg nicht mrbr in Frage. Die Verhandlungen nach anderer Seite schweben noch. Der finnische Landtag tritt Mitte September wieder zusammen und wird den Termin für die KönigSwahl noch fortsetzen.
Wirrschaftliche Maßnahmen in Frunland.
8. Stockholm, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. K.) Wie gemeldet wird, beabsichtigt die finnische Industrie die Einrichtung einer finnischen Warenmesse sowie bedeutende Erweiterung der Banken.
Finnische Kommandosprache.
W. T.-B. Helsingfors, 24. Aug. (Drahtbcricht.) Ein Erlaß des Kriegsministers erklärte bis zur Losung der Frage im Wege der Gesetzgebung di« finnische Sprache als Kommandosprache in der Armee. Die Schwedisch sprechenden Rekruten werden zu besonderen Abteilungen vereinigt, in denen die Unterrichtssprache schwedisch ist.
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Die Kalandskonferonz.
W. T.-B. Stockholm, 26. Aug. (Drahtbcricht.) Verhandlungen .zwischen Schweden, Finnland und Deutschland zur Sch l e i s u n g der A a l a n d s b e s e st i g u n g e n finden seit dem 21. tu Mhamm unter dem Vorsitz des Landeshauptmanns Frelle, eines Mitglieds der schwedischen Abordnung, statt. Die Unterhändler besichtigten die befestigten Plätze und fahren am nächsten Montag nach Stockholm, wo die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Ausdehnung des englischen Angriffs bis nördlich der Scarpe.
W. T.-B. Berlin, 26. Aug., abends. (Amtlich. Drahtbericht.)
Ausdehnung der englischen Angriffe bis nördlich der Scarpe. Beiderseits von B a p a u m e nördlich der Somme hestige Kämpfe. Die Angriffe des Feindes sind im großen gescheitert, teilweise sind Gegenamgrisfe noch im Gange. Longneval »nd Montauban, die vorübergehend verloren gingen, wurden wieder genommen. Zwischen Somme und Oise außer örtlichen Kämpfen nördlich der Avre ruhiger Tag. Toiilkämpfe nördlich der Aisne.
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U-Vootskrreg und Zochfche Offensive.
W. T.-B. Stockholm, 26. Aug. (Drahtbericht.) „21 f t o rill l a d e d" schreibt: Bei der Fortsetzung der Offensive des Generals Foch spielen wahrscheinlich auch ökonomische Faktoren mit, die ihm nicht erlauben, zu warten. Aus Lloyd GccrgeS letzter Rede geht die zunehmende Kohlennot hervor. Mit dem Kohlenvorrat in Italien und in England sieht es schlecht aus. Merkwürdigerweise wurde Foch durch den llnter- stebootskrieg in die Zwangslage versetzt, die Entscheidung zu suchen, ehe alle Industrien außer der zur Herstellung von Kanonen wegen des Mangels an Kohlen eingestellt werden müssen. Vielleicht nähert sich Frankreich dem Zustand, der in Rußland nach Bruffilows Offensive geherrscht bat. Die Debatte über die Wehrpflicht der Jahresklasse 1020 hat dies wenigstens teilweise offiziell bekräftigt.
Die neueste deutsche Rückzngstaktik.
Br. Basel, 26. Aug. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Der militärische Mitarbeiter der „Basler Nationalztg." schreibt: Der Gmd der Ablösung der Ententetruppen im Vor- marsch oder mit anderen Worten die Wirksamkeit der neuesten Rückzugstaktik der Deutschen wird darüber entscheiden, wieweit man zurückgehen mutz.
Günstige Wirkung des englischen Mißerfolgs.
Br. Zürich, 26. Aug. (Erg. Trahtbericht. zb.) Wie noch dein „Zürcher Tagesouz." verlautet, ist der Gesamt- plan Fachs durch das Versagen der englischen Offensive beeinflußt worden. Die Schweizer Militärkrittker stellen übereinstimmend fest, daß für die Deurschen, ganz besonder? für die Armee Boehn die Abweisung der Engländer eine beträchtlich« Verbesserung der Lage bedeutet.
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Ein schwerer Unfall des Flicgerhauptmanns Berthold.
München, 24. Aug. Der Fliegerheld Hauptmann Berthold aus Ditterswind bei Ebern in Unter- franken hat bei einem nach seinem 44. Luftsieg erfolgten Absturz außer einem doppelten Armbrucb auch innere Verletzungen erlitten. Lebensgefahr besteht nicht.
Die Einnahme von Berat und zieri.
Verfolgung der Italiener.
IV. T.-B. Wien, 26. Aug. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 26. August, mittags:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Asolonegebiet erfolgreiche Vorfeldgesechte. I» der Nacht zum 25. August griffen bei der Verfolgnng feindlicher Geschwader unsere Flieger das Flugfeld bei Padua an und richteten beträchtlichen Schaden an.
Albanien.
Die Gegenoffensive des Generalobersten von Pflanzer-Baltin hat gestern zur Gewinnung von F i e r i «nd Berat geführt. Damit sind jene Örtlichkeiten wieder in unserer Hand, deren Besetzung vor 6 Wochen dio Italiener als entscheidende Wendung in der Aeriafrage begrüßt hatten. Fieri siel nach blutigem Streiten und heißen Kämpfen. Die Verfolgung des weichenden Gegners ist ausgenommen. In Berat drangen unsere Braven, allen Mühsalen des Kriegsthcaters gewachsenen Truppen gestern früh in umfassender Vorrückung ein. Bald nachher wurde der Feind von den beherrschenden Höhen S p i r a g r i und Pinja geworfen.
Auch im oberen Devoli bauten wir unsere Erfolge weiter aus. Tie Verluste der Italiener an Kämpfern und Kriegsgerät sind sehr groß.
Der Chef des Generalstabes.
Der verlauf der Salzburger Verhandlungen.
Ni. Wien, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) über den bisherigen Verlauf der Salzburger Verhandlungen wird 'bekannt: Die Delegierten hüben sich in den grnndlegen- • den Fragen des Wirtfchaftsbündnisfes geeinigt und formulierte Entwürfe fertiggestellt, die den Regierungen znr Prüftng vorgelegt werden, von diesen aber natürlich nur im Zusammenhang mit der Gestaltung des ganzen Bündnisses beurteilt werden können. Jedenfalls kann gesagt werden, daß die Verhandlungen längst über das Problem, ob Zollunion, cb Meistbegüirftigung oder Handelsvertrag, hinaus sind. Das Wirtschaftsbündmis wird nicht auf irgend ein zcllpolitifches Schlagwort eingestellt werden, sondern sich aller Mittel bedienen, die zur gegenseitigen Durch- 1 dringung des Wirtschaftslebens der VeMiindeten taugli ch. jirüp
