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Mesbsciener Tagblatts.
Br. y.
20. Jabrgang.
1918 .
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Märchen von Johanna weiskirch.
* ief, tief in einem dunklen Wald lag vor alten Zeiten ein Berg, den die Leute meilenweit im Umkreis den Zauberberg nannten. Einer erzählte es dem anderen, daß er von einem großen Zauberer bewohnt würde, der alle tausend Jahre einmal seine unterirdischen märchenhaften Schätze verließe, um zur Zeit der Soirnwendfeier durch den Wald zu wandeln, wer dann das Glück habe, ihm zu begegnen, den nehme er mit sich und mache ihn unmenschlich reich.
So hatte der Schweinehüter auch einmal dem Traumjörg erzählt, der seitdem noch verträumter als früher in die Welt sah. Der Traumjörg war ein Findelkind, das der Nachtwächter vor Jahren in einer herrlichen Sonnwendnacht auf der Schwelle des Gemeindehauses entdeckt hatte. Seitdem war er Gemeinde-Ziehkind, das nirgends eine, feste Unterkunftsstätte hatte. Die Ortseinwohner nahmen den Jörg der Reihe nacy zu sich, und so hatte er es bald besser, bald schlechter. Aber niemals wurde dem vater- und mutterlosen jungen Liebe und Fürsorge zuteil, und so kam es, daß seine großen blauen Augen immer mit dem Ausdruck großer Sehnsucht in die Welt sahen. Darum hatte man ihm auch den Namen „Traumjörg" gegeben. Nach der Erzählung des Schweinehüters konnte Traumjörg gar keine Ruhe mehr finden, weder bei Tag noch bei Nacht. )mmer mußte er an den Zauberer und seine märchenhaften Schätze denken. Dabei vergaß er häufig, seiue Pflichten zu erfüllen und hatte dafür von seinen Brotgebern manche Strafe zu erleiden.
Eines Tages schickte ihn der Bauer, bei dein, er gerade das Essen bekam, in die nächste Stadt, um gegen Butter und Eier waren einzutauschen. Da Markttag war und es sehr viel Schönes zu sehen gab, hatte sich Traumjörg verspätet, so daß es schon dunkelte, als er sich auf den Heimweg machte. Der Kopf war ihm so voll von allem Geschauten, daß er garnicht merkte, wie er mehr und mehr vom rechten weg abkam. Erst als er müder und müder wurde und immer noch nicht am Ziel war, schaute er sich um und merkte zu seinem großen Schrecken, daß er sich mitten in cinenr großen Wald befand. Das Mondlicht beschien den Pfad, auf dem er ging, taghell, und er sah aus, als ob er mit eitel Silber bestreut wäre. Traumjörg sah mit erstaunten Augen umher, wo mochte er nur sein? wie würde der Bauer schelten, daß er so lange aushlieb! wenn nur der Wald eiu Ende nehmen wollte, damit er sehen konnte, wo er sich eigentlich befand! Traumjörg schritt noch eine weile weiter, aber dann befiel ihn eine solche Müdigkeit, daß er sich niedersetzte und den Kopf auf den Korb legte. Er hatte auf einmal gar keine Angst mehr in dem weiten stillen Wald und dachte, daß es so in dem Walde aussehen müßte, in dem der Aanberberg lag. Als Traumjörg das
gedacht hatte, schlief er ein. Auf einmal wurde er von einen: Gesang, der näher und näher kam, geweckt. Line wunderbare glockenreine Stimme sang:
„Ich heiße Glaf und bin ein Zwerg,
Ich wohne im gold'nen Jauberberg; wer mir heut begegnet im Forst und Tann,
Den mache ich zum glücklichen Mann/'
Traumjörg rieb sich die Augen und meinte, geträumt zu haben. Aber es war Wirklichkeit. Don der mondhellen Waldschneise her kanr der Gesang, und da sah er auch schon langsamen Schrittes eine sonderbare Gestalt auf sich zuschreiten. Es war ein kleines verhutzeltes Männchen mit einem großen Höcker und einem bis auf die Erde reichenden eisgrauen Barte, das da singend näher kam und vor Traumjörg stehen blieb. Der rührte und bewegte sich nicht, sondern sah in atemloser Erwartung dem Männchen in das kluge freundliche Gesicht. Alles, 'was er vom Zauberberg gehört hatte, fiel ihm mit einemmal wieder eiu. Sollte er am Ende in den Bereich des Zauberers gelangt sein?
„Guten Abend, mein lieber Freund, bist du endlich gekommen? )ch habe tausend Jahre auf dich gewartet", sagte das Männchen zu Traumjörg und fügte hinzu: „Nun laß uns gleich gehen, denn das warten ist mir lang genug geworden. Tausend Jahre sind einer sehr lange Zeit."
Traumjörg erhob sich langsam, rieb sich noch einmal die Augen und fragte: „Ja, wohin sollen wir denn gehen? )ch muß ins Dorf und den: Lauern die Sachen im Korb bringen, sonst geht es nur schlecht."
„Ach was, laß den Korb nur stehen, wo er steht, und folge mir", sagte das Männchen und sah Traumjörg mit freundlichen Blicken an.
Den: armen Jungen wurde auf einmal seltsan: zu Mute. „Sag einmal, du liebes Männchen, bist du an: Ende der große Zauberer aus dem Zauberberg, von dem sich die Leute so wunderbare Dinge erzählen?" fragte er.
„Du hast ganz recht geraten, mein Junge, der bin ich, aber nun sage nur auch, wer du bist", antwortete das Männchen.
„)ch heiße )örg und bin nur ein armes Findelkind, das weder Vater noch Mutier hat. weil ich so gerne träume, neunen die Leute mich Traumjörg. Mich hat kein Mensch auf Erden lieb", sagte Jörg traurig.
„was träumst du denn immer Schönes", fragte das Männchen.
„Ach, ich träume immer von meinen Eltern, die ich gar nicht kenne und von herrlichen Schätzen, die ich nie haben werde."
„was nicht ist, kann noch werden", sagte has Männchen. „Komm nur mit mir. So schön, wie es nun in der wirklich-
