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Nr. 3S3. Samstag, »4, August 1918. _

Gm mt?5«3et4itd*l, ganz eigenartiges LustspielHarrison und Barrison", die Geschichte eines schiefen Unternehmens, sowie inter. effmtte Raturbilder vei vollständigen das gute Programm.

* Thaliatheoter. Ab heute Samstag gelaugt der erste Film der iteaeu Beind-Aldor-Serie, das große SchauspielDer Weltspiegel", zur Erftcmffübrmkg. Das gediegene LustspielDer Preisboxer" und int ere ssan te militärische Aufnahmen des König!. Bild- und Film- cmrtes ergänzen den reichhaltigen Spielplan.

* Di« Ü.-T.-Lichtsdiele, Rheinstraße 47, bringen ab Samstag bis einschließlich Montag zwei ganz bervorragende Neuheiten!Der iMeffrn im Monde" oderLiebe vermag alles" und den Schwan! Jrrungen-Wirrungcn" Interessante Ralnrbilder beschließet! dos Programm.

* Im Odeon-Lichtspieltheater wird vom 24. bis 27. August als Erstaufführung der große FilmDie erwachende Venus" in vier Affen, Detektiv-Drama mir dem berühmten Deteffiv Phemtomas, dorgeführt. Dazu tritt ein reizendes LustspielFürstin Kiki" »ich eine schöne NaturaufnahmeDie Wendelstein,bahn".

dem Landkreis wiesbadsn-

Dotzhen». 23. Aug. Bei einer dieser Tage hier abge- halten«» Versteigerung des Ertrages von ca. 70 Zwetschenbaumen wurden ganz unglaublich hohe Preise erzielt, so bis über 60 M. für einzelne Bäume, sc daß ein Pfund sich am Baum schon bis auf 2 M. stellt, llnd das bei einem Höchstpreise von 0.20 M. für ein Pfund Ter Schütze Bernhard Kurze kn ab erhielt das Efferne Kreuz.

Sport.

* Fvßbakl. Den hiesigen Sportfreunden werden am kommenden Sonntag auf dem Sportplatz an der Waldstraße zwei interesiantc Wettspiele geboten. Um 3 Uhr treffen sich im Rückspiel die erste Mannschaft der Spielvereinigung Wiesbaden und die erste Mann­schaft des im Westkreis in der 1. Klasse spielenden Faßballvereins Wormatia" Worms. Uni 6% Uhr begegnen sich ebenfalls im Rückspiel die zweite Mannschaft der Wiesbadener Spiclvereinigung und die zweffc Cif des Sportvereins 1908 Höchst. Im Vorspiel siegte Höchst mit 6:1.

* Zum Tode eines bekannten Sportsmannes. Am 22. August, morgens, fand in dem Krematorium des Südfriedhofes die Ein­äscherung des Chcmiker-Jngcnimrrs Otto Grandpair in aller Stille statt. Ter im vollendeten 42. Lebensjahre Dahingeschiedene war als langjähriger Meisterschastsringer von Deutschland ein be­kannter Sportsmann, der besonders auf dem Gebiet der Athletik Hervorragendes leistete

* Eine Tagung des deutschen Schwimmverbandes. Gelegent­lich der Austragung ber Kriegs meist erschaffen int Schwimmen, die am 23. tntb 24. August im Demschrn Stadion zu Berlin stattfinden, hält der Deutsche Schwimmverband in Berlin eine Vorstandssitzimg ab. Sie wird sich in der .Hauptsache mit der Neuerganisternng des Verbands, der durch die außerordentlich hohe Zahl führender Per­sönlichkeiten. die ihm der Krieg entzog, gelockert wurde, befallen. Als weitere Punkte stehen u. a. zur Verhandlung: Einigung des Deutschen SchwimuNetbandv mit der Deütschen Schwim.ncrlchaff, Verhältnis znm Arbeffer-Schwimwerbund. Anlegung von Schwimm­bahnen bot den projektierten Kanalbauwn, Gefährdung der Bolks- gesnudbeit durch Schließung der Hallenbäder, Stellnngnabme zum Jugendgesetz. Jugendwehrkompanien und Schwinrmumcc'ichi. Der Verband zählte ver Kriegsausbruch etwa 70 000 Mitglieder, von welchen weitaus de: größte Teil im Felde steht. Durch den ffarkeu Zustrom der Jugend ist aber das Leben in einem großen Teil der Vereine auf der Hohe geblieben.

Gerrchlssaa?.

wc Großer Schmucksachendiebstohl. Am 1. November v. I. hatten die Möbelttansporieure Phrlipp Jungblut, Ludwig Nikolai und Karl Perske von hier. im Auftrag einer hiesigen Speditions­firma in der Aarstroße einen Umzug zu bewirken. Das Möbleinent ging nach Berlin. Als es dort aber ankam, stellte sich heraus, daß ein Schrank gewaltsam geöffnet war und aus chm eine Holzkassette nnt 10- bis 15 000 M. Schmuckgegeirständen ganz fehlte, während eine Bleibkassettc. weiche etwa 2000 M., meist in Silbergeld, ent­halten hotte, ihres Inhalts beraubt war. Bon den Schmuckgegen- ständcn konnte feftgestelli werden, daß sie, zum Teil durch Vermitte­lung der Geliebten bezw. Ehefrau dee Transporteure, der Witwe Henriette Müller, bezw. der Ehefrau Nikolai, an den Bäcker Anton Mayer bezw. den Geldar bette: Karl Kohl für 750 M. bezw. 450 M. zu Geld gemacht worden waren. Während Perski überhaupt nicht beteiligt sein will, behaupten die Angeklagten Mayer und Kohl, auch nicht im entferntesten an die Möglichkeit, daß die Sachen gestohlen fein könnten, gedacht zu baden. Das Urteil belegte Jungblut mit 1 Jahr 3 Monaten, Nikolai mit 9 Monaten, di« Witwe Miller mit 3 Monate«, die Ehefrau Nikolai mit 2 Monaten, Anton Mayer mit 6 Monaten und Kohl mit 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, während Perski sreigesprochen wurde.

Im U-Vookhafen.

Bon einem Besuch in einem deutschen U-Wvotlhafen ent­wirft der schwedische Schriftsteller Nils Christiernffon inNya Dagligt Allehcrida" die sckgemde fesselnde Schilderung:Tief drinnen in einer Bucht der Nordsee, durch Inseln und Riffe, um vom Mineufelderm und Batterien nicht zu sprechen, ge- schützt, traf ich die mir vr« früher her schon bekannteRugia", einen der weltbekannten Hapag-Linic wnyehörendon Riesen. Mer dem ganzem Schiffsirumpf breiteten weifte SorMMAdtte schützende Flügel, und.von dem hohen Äai führte eine solide Holzbrücke direkt cm Bord. Tief uwten plätscherte schmutziges Wasser, aber die .Ltugia" pflügte keine Wellen mehr. Sie war ein festes Mied in dem militärischen Lttiordn-nngen geworden, dtze, um der furchtbaren jüngstem deutschen Waffe, derr U-Bvoten, Schutz und Ruhe zu bereiten, getroffen worden warsn, sie werr das Kaseonenkschoff der U-Gootoffiziere und eines Teils der Besatzungen, die zu Haufe waren. Die Rugia" war im Letzten 'Angenbitck nach Hause gekmmnen, um der ^Sperre, die von der engstschen Flotte vor der deutschen Küste ausgelegt wurde, noch zu entgehen. U>ud kaum hatten die wahnsinnig aufgeregten, verwirrtem und GtnnMtfcc.it Paffa­giere das Schiff verlassen, so wurde es mit voller Fahrt nach einer der größt« Seefestungen Deutschlands geschickt, um t« einigen Stunden die ganze BeviMerung einer mittelyroften schwedischen ProvimAstadt vom ihrem geräumten Wohnungen im eine jetzt schon drei Kahre 'dauernde BerLaumiung in einer crlles-ve^chlingemdem Großstadt zu bringen. Die Militärischen BerhMniffe machten dem Umzug notwendig. Aus dem fried- Lsthen Ort mit feir«r kleinen Garnison würde mit einemmal eine grafte Festung ohne Zivilbevölkerung. Und nach banger, einförmiger Ruhezeit in einer arrsgestorbenem Hafenstadt wurde dieRmgia" wieder zum Militärdienst eingezogen, um mrt-rwch ein paar beschösibigunlMofem Ozeandampfern zusam­men ein ideales U-Wootheim zu werden. 'Ein U-Boot bietet, auch wenn es zu den neuelften deutschem U^Kreuzerm gehört, M^-MWÄch üe ArMu iten.4Aa»m. Nach einem Monat oder

Wiesbadener Tagblall.

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Wette 5.

Neues aus aller Welt»

Was ein Diebstahl au den Tag bringt. Berlin, 22. Aug. Dieser Tage prangte ein Plalat an den Berliner Anschlagsäule», wonach aus einer Wohnung am Kursürstendamnt für rund, 40 000 Mark Wertgcxenstände gestohlen worden sind, und zwar fast sämt­lich Goldsachen Das Berzeichnis der gestohlenen Goldsachen ist unter den, Gesichtspunkt der vaterländischen Pflicht der Goldsachen­ablieferung böchs, ausfällig. Erwähnt sei dazu, daß die Dame auch in anderer' Beziehung recht gut zu hamstern verstanden hat. Es kamen ihr nämlich bei dem Diebstahl nicht weniger als 16 Paar feinste Damenstiesel abbanden, sämtlich ans Brüssel stammend und mit den Firmenstempeln dortiger Geschäfte versehen. Es muß dort also eine recht rege Auskaufstätigkeit für die Dame itattgefunden haben. Man sicht, manche Leute Verstehe» cs auch jetzt noch recht gut, dafür zu srrgen, daß siekeine Not" Mdcn. Freilich muß erst ein großer Einbruchedicbstabl geschehe», um solche Dings ans Licht zu bringen.

Eine entsetzliche Bluttat. W. T.-B. Warschau, 23. Aug. (Drahtbericht ) Hier wurde gestern eine entsetzliche Mordtat ent­deckt. In der Roten-Krcuzstraße wohnt eine Familie Jaworski, bestehend aus Pater, Dlinlter, drei Töchtern und einem 16jährigen Sohn, der bereits in einer Besserungsanstalt war. Als der Vater gestern aus der Fabrik heimkehtte, sand er die Wohnungstüre ver­schlossen. Nachdem man sie ausgebrocheu, bot sich ein entsetzlicher Anblick dar, die drei Töchter und die Mutter lagen, mit der Axt erschlagen, auf dem Boden. Die Frau gab noch schwache Lebens- zeichen von sich. Das seltsame gleichgültige Wesen des 16jährigen Sohnes und Dlulspuret: an seinen Händen führten zu seiner Ber- hastung. Ter Junge gestand das Verbrechen ein.

Handelsteil.

Das voraussichtliche diesjährige Ernteergebnis.

$ Berlin. 23. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über die Aussichten der diesjährigen Ernte wird uns von zu­ständiger Seite mitgeteilt: Trotz der überaus

schlechten Frühiabrswitterung ist es uns gelungen, ein den Verhältnissen entsprechendes gutes Ergebnis zu erzielen. Es ist dabei vor allem darauf hinzuweisen, daß die Anbau­fläche für Kartoffeln um etwa ein Fünftel vermehrt werden konnte Wenn trotzdem die Frühkartoffelernte schlecht ausgefallen ist, so muß das eben auf den Einfluß der Witterung zurückgeführt werden. Die Spätkartoifeln sind um so besser geraten, wenn ihr Ergebnis auch Dicht ar. die überaus gute Quantitätsernte des Vorjahres heran­reicht, in der Qualität dürfte sie dagegen entschieden besser werden. Ähnlich ist das Verhältnis beim Brotge­treide : Der Sommerroggen hat unter- der Witterung ge­litten, der Winterroggen dagegen ist um 10 bis 15 Proz. besser als im Vorjahr. Ebenso hat der warme Witterungs­umschlag in der letzten Zeit auf die Hafer ernte noch einen guten Einfluß ausgeübt, während die R.auhfutter- örnte schlecht ausfällt. Höchst erfreulich ist es, daß die Anbaufläche für Ölfrüchte erheblich im letzten Jahre vermehrt werden konnte, so daß in dieser ffinsicht auf eine bessere Versorgung zu hoffen ist.

Berliner Börse.

$ Berlin, 23. Aug (Eig. Drahtbericht.) Der glänzende Abschluß von Hoesch und die beabsichtigte Aus­schüttung des Dividenden-Ergänzungsfonds als Bonus, was man in den Börsenkreisen als einen Beweis dafür ansieht, daß sich die Verwaltung allen Möglichkeiten der Zukunft gegenüber gewappnet fühlt (vergl. Bericht in der gestrigen Aber.d-Ausgabe), lenkte die Aufmerksamkeit auf Montan­werte und besonders natürlich auf Hoesch. Diese wurden im freien Verkehr bis um 30 Proz. höher umgesötzt. Eine günstige Rückwirkung hiervon ging auf Phönix- Aktien aus, wo die Veröffentlichung des Abschlusses noch bevor­steht imd die Hoffnung auf einen glänzenden Ausfall neue Nahrung erhielt. Sonst war die Kursgestaltung an der Börse wenig verändert bei im allgemeinen stillem Ge­schäft. Die anderen Montanwerte, Schiffahrts-, Elektrizi- täts- und Rüstungsaktien weisen nur geringe Veränderungen auf. Niedriger notierten Große Berliner Straßenbahnen, Türkische Tabakaktien und Badische Anilin-Aktien. Der Kassamarkt für Industriewerte zeigt festes Aussehen. Der Rentenmarkt war still und zumeist unverändert.

Banken und Geldoiark 1 .

* Rumänische Natinnalbauk. Die rumänische Regie­rung verhandelt gegenwärtig über die Frage der Übersied­lung der Bank nach Bukarest. Nach erfolgter Übersiedlung soll das von aer Banca Generala Romana ausgegebene Papiergeld eingezogen werden.

Industrie und HandtL

* Das Deutsche Kriegswirtschaftsmuseuni in Leipzig hat in letzter Zeit eine größere Anzahl Landesstellen des Kriegswirtschaftsmuseums begründet so I. B. in Berlin, Braun schweig. Breslau, Danzig, Köln, Königsberg, Mann­heim, Oppeln, München. Rostock, Stettin und Weimar. Die kleineren deutschen Bundesstaaten sollen gemeinsame

Lardesstellen erhalten ,

* Die neuen Geschäftsbedingungen im Verkehr mit den

Mühlen Zwischen der Reichsgetreidestelle, dem Deutschen Müllerbund, dem Verband Deutscher Müller, dem Verein deutscher Handelsmüller und Vertretern mehrerer Städte fand kürzlich eine Beratung statt, um über die Be- dingungen für das Wirtschaftsjahr 1918/19 zu beschließen. Nach langen Erröterungen wurden von der Reichsgetreide- stelle folgende Zugeständnisse gemacht: Für die Netto­

packung für Heereslieferungen soll eine Entschädigung von 30 Pf statt bisher 20 Pf und für das Lagergeld eine Aufbesserung um 1 M. auf 3.50 M. gewährt werden, sodann ist vom 15. September ab für die 85proz. Gersten Vermahlung ein Zuschlag von 2 M. bewilligt worden. Die Müllerver­bände haben sich mit dieser Regelung der Dinge, nament­lich hinsichtlich des Mehllohnes nicht einverstanden erklärt.

* Verleihung von Bergwerkseigentum. Der Gewerk­schaft Freundschaft zu Betzdorf ist unter dem Namen Friede I das Bergwerkseigentum in dem in der Gemeinde Freusburg im Kreise Altenkirchen belegenen, 109 359 Quadratmeter großen Felde zur Gewinnung von Eisenerzen verliehen worden

* Die Kaffee-Einfuhr in der Übergangswirtschaft. In der außerordentlichen Generalversammlung desVereins der am Kaffeehandel beteiligten Firmen in Hamburg er­klärte der Vorsitzende über den Plan der Gründung eines Kaffee-Einfuhrvereins während der Zeit der Übergangs­wirtschaft, daß mit den maßgebenden Stellen in Berlin Verhandlungen statigefunden hätten, die zu einem befrie­digenden Ergebnis führten. Als Mitglieder des Vereins sollen nur Firmen aufgenommen werden, die bis zum 1. August 1914 am Kaffew-lmport beteiligt gewesen sind. Der Verein wird keine Erwerbsgesellschaft sein, sondern soll die Kaffee-Einfuhr überwachen und eine möglichst ge­rechte Verteilung des Kaffees für das ganze Deutsche Reich übernehmen. Der Verein untersteht der Aufsicht des Reichskanzlers. Alle Kaffee - Importfirmen müssen sich mit dem Verein in Verbindung setzen. Die Regierung wird Einfluß auf die Preisbildung haben und diese überwachen, um jedem Wucher entgegen zu wirken.

Marktb«richtt.

W. T.-B. Berliner Produkter.markt. Berlin, 23. Aug. (Drahtbericht.) Die nunmehr eingetretene, hoffentlich an­haltende warme Witterung ist im Interesse der Kartoffelfelder sehr zu begrüßen. Auch für den Rest der Getreideernte ist eine erhöhte Temperatur sehr willkommen Nachfrage und Angebot für landwirtschaft­liche Sämereien bleiben unverändert. Von Gemüsepflanzen sind besonders Kümmelpflanzen offeriert. Von Gemüse­sämereien Spinatsamen, langeind runde Herbstrüben sowie leltower Rüben. Infolge des andauernden Fehlens des Getreidestrohes entwickelt das Geschäft einen leb­haften Verkehr in Rapsstroh. In Heidekraut ist es still.

Berlin, 22. Aug. Produktenpreise für Saatge- treide i 918er Ernte Saatlupinen 88 M. per 100 kg ab Station. Seradella 85 bis 92 M., Rotklee 260 bis 278 M., Wundklee 21C bis 228 M., Weißklee 160 bis 176 M., In­karnatklee 160 ins 176 M., Raygras 160 bis 176 M.,. Kraul­gras 160 bis 176 M., Wiesenschwingel 160 bis H6 M., Tymotee 96 bis 106 M , Esparsette 65 bis 73 M., Wiesenheu 10 M., Kleeheu 11 M., alles Handelspreise per 50 kg ab Station. Lieferung nach 15. Juli per 1000 kg ab Station. Winterweizen 430 bis 446 M je nach Station, Winterroggen 409 bis 425 M. je nach Station. _

_ Vie rikorgen-Ausgave nmfaftt 6 Seiten.

Hauptschriftleiter: St. Hegerhorst.

* Zur Förderung des bargeldlosen Verkehrs. Die

Kölner Privatbankhäuser Deichmann u. Co., A. Levy, Sal. Oppetibeim jun u. Co., Leopold Seligmann, J. H. Stein haben sieb, wie es in Frankfurt a. M. acht Privatbankfirmen bereits getan haben, ebenfalls vereinigt, um gemeinschaft­lich Gelder zur Weitergabe zu übernehmen.

»-antwortlich für Leitartikel: A. Hegerhorst: für polittsche Nachrichten ch den Handel: W. Etz: für den Unterhaltungstell: SB. v. Nauendorf c den Totalen und provinziellen Teil und Eerichtssaal: C. Losacker r die Anzeigen und Reklamen: H. Dornauf, lkimtlich in Wiesbaden, cucku. Verlag der L. Schellenbergsichen Hofbuchdruckerei in Wiesbaden

so sehnen sich sowohl der Ehef wie die Besatzung wach den Bequemlichkeiten des Hafens, urtfc dieNugia" wird eins der Ziele. Das- Heine Schlupfloch des EhofS auf dsm U-Boot wird dort gegen eine kleine Paradewohnung mit Arbeits­zimmer. Salon, lSchlafzimmer und Badezimmer vertauscht, und die Kabinen 1. Klasse reichen für viele aus. Dann müssen diejenMn 2. Klaff« in Änfpruch tzenommen werden, und in den geräumigen und lustigen Abteifnngen 3. Klaffe haben sich Steuerleute. Torpedvmatrvssn und Heiner ihr gemütliches Heim eingerichtet. In den luxuriösen Speisefälen werden keine Diners mit acht Gängen, sondern einfache .deutsche Henislmonns.kcst serviert, und in den Damensalons sitzen sonnenverbramrte Leutnants rittlings über den zierlichen SttWen, und di« Pfeife scheint sich an dem goldemailliertsn Ranchvervot in mindestens sechs lebenden Sprachen nicht im geringsten zu stören. Um das Kasevnenfchiff herum, liegen die U-lBoote selbst. An einem Tage lagen 21 Stück gleichzeitig im Hafen, und dieser Hafen ist doch nur einer der vielen, und die Hauptaufgabe .der U-Wcote ist, das Meer zu pflügen und nicht in Ruhestellung zu liegen. Der Außenwelt und ibefon- ders einem lnstspähenden und bomdenwerfenden Feind n,l- sichtbar, liegen di« qneffteix, und alle können sie in einigen Augsttblicksn sich 'öbenfo unsichtbar und gegen alle hinterlisti­gen Absichten geschützt machen. Jedes Boot hat nämlich seinen eigenen Keinen Hafen mit einem gewaltigen Betondach, das das gange Boot deckt Über die Einzelheiten darf ich fesibst- verständlich nicht sprechen, aber die stärkste Fliegerbombe durchscWägt dieses Dach nicht. Ein jedes kostet auch ungefähr 1 Million 'Mark, und nur dank dein Überfluß der deutschen Staatsforsten an Riesenkiefern hat man sie bauen kämmen... Ein U-Boot ist eben nach Hause gekommen. Sonderibare Menschen! Drei Wochen lang haben sie so ziemlich allein Zwischen Himmel und Erde und dazu auch unter dem Waffer getrotzt, sie haben in der strengsten Isolierung, nicht nur von zu Hause und den Lieben fern, sondern von allem Ledendear gelebt. Und trotzdem stehen sie Über eine halbe Stunde allein auf ihrem Bvotsdcck und blasen eine schmetternde Muffk-

nnmmer nach der anderen. Und mm allen Seiten antworten Musikiristrnnrente. Jedes U-Boot hat miildeistens ein Rtesen- grammoplhon. Ei^ns spielt mit drei Stücken auf einmal! Und von der KomMandoibvücke derRugia" schmettert eine einsame Trompete, während aus dem Musikzimmer im Jntiersten einige zerriffene Miorde den Weg hinauf gefunden haben." Gcwrz -besmidere Bewunderung -hegt ^der schwedifchc Schrift­steller für die verantwortungsvolle Tätigkeit des UsBvotskom- mandanten. Wenn man einmal, so berichtet er, gesehen hat, mit welcher Genauigkeit die Berichte a'bgefaßt werden, die der U-Wootskornmandant seiner Vorgesetzten Be'hördc einzusenden hat, so HW man irgend eirien r.er:nensw«rtcn Irrtum bei der aiMichen ZnsammenzeWnng fco? Gesamtergebnisses für aus­geschloffen. So brauchte einmal z. 83. ein U-Bootschef zum mühevollen Mfassen eines iDerichts, der freilich 70 große Seiren umfaßte, drei bolle Tage. Zudem werden alle An- gaben über versenkte Schiffe von mindestens drei Augen- zengen bestätigt. __ ^d.)

Aus Kunst und Leben.

C. K. Balzac und ser Einbrecher. In dieser Zeit, da die Err.brüche gerade nicht zu den Seltenheiten gehören, wird die folgeiide hübsche Geschichte, die das humorvoll-kaltblüttge Ver­halten des Dichters Balzac bei einem Einbrüche schildert, sicherlich nicht ohne Interesse sein: Ein Dieb schlich in einer Nacht in die Wohnung Balzacs und suchte daselbst den Schreibtisch aufzubrechen, wurde aber bei dieser Beschäftigung durch ein laute? Gelächtec unterbrochen, das aus dem Schlaf­gemach des Schriftstellers herausschalltc. Er drehte sich um und sah im schwachen Mondlicht den dicken Herrn v. Balzac im Bette sitzen, der sich voc Lachen die Hände in dre Sette stemmte. Der Dieb, der sich einmal ertappt sah, faßte ein Herz und fragte, warum der Herr so außerordentlich lache. ,^Jch lache", antwortete der Schristsieller,darüber, daß Sie in der Nacht und ohne Licht da Held zu finden glauben, WA ich bei hellem Tage nichts za erblicken vermag,"

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