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Verlag Langgasse 21
„Tagblatthaus".
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Samstag. 24. Rugust 1918.
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_ Morgen-Kusgabe.
Nr. 393. ♦ 66. Jahrgang.
Polnische Sorgen.
Von einer in der Polenfrage vorzüglich unterrichteten Seite erhalten wir folgende Mitteilungen: In
Wien jagen sich zurzeit die Konferenzen und Audienzen tn der Polenfrage. Prinz JannszRadziwill, der bekanntlich dem Warschauer Krourat imd dem Ministerrat persönlich Bericht über die Verhandlungen rm deutschen Hauptquartier erstattet hat, weilt jetzt wieder tu Wien, wo er schon vor seiner Deuschlmrdreise wertläufige Beratungen niit den polnischen Führern hatte. Sein neuer Wiener Aufenthalt beweist, daß die Ergebnisse der Beratungen im deutschen Hauptquartier doch noch beträchtlichem Widerstand auf österreichisch- ungarischer Seite begegnen. Warrim in einer so schwierigen Sache Vogelstraußpolitik treiben? Die Wiener Regierung hat bisher die anstro-po lnische Lösung rn ihrer stranimsten Form vertreten. Sie hat im deutschen Hauptquartier erklärt, daß sie sich auch mit einer anderen Lösung der polnischen Frage abfinde, wenn dadurch für Österreich keine unmögliche Lage in Galizien geschaffen werde. Und sie hat die Kandidatur des Erzherzogs Stephan nicht nur genehmigt, sondern sogar empfohlen. Das ist die Sachlaqe. Mehr ist aber bis jetzt nicht entschieden. Die ganze Rechnung ist ja ohne dre Polen gemacht. Wie denken die österreichischen Polen darüber? Die Wünsche der galizi- s ch e n Polen gehen bekanntlich nach einer Vereinigung mit dem Königreich Polen. Diele Wünsche könnten nur bei Durchführung der austro-volnischen Lösung erfüllt werben. Prinz Radziwill wird demnächst auch wieder nach Krakau fahren und sich mit den polnisch- galizischen Ansichten z,r verständigen suchen. Da die österreichischen Polen es noch immer verstanden haben, sich unabänderlichen Verhältnissen geschickt anzupassen' wird man sich in Galizien vielleicht am ehesten beruhigen. Was aber hat der Ministe'-- und Kronrat in Warschau beschlossen? Fst er init der von Deutsch- land befürworteten Bildung eines selbständigen polnischen Königreichs und der Wabl eines östeimeichi- schen Erzherzogs zum König von Polen zufrieden'-' Man weiß das in der Öffentlichkeit noch nicht. Man weiß nur das eine, daß die anfiro-polnische Lösung auch m Warschauer Regierungskreisen siark im Kurse gesunken ist und daß PrinzRadziwill seine neuenErklärun- gen m Wien m diesem Sinne abaibt. Nicht aus besonderer Vorliebe für Deutschland ist man jetzt in Polen fiir die deutschen Vorschläge, sondern weil man — wenigstens im aktivisfischen Polenlaqer — einsiebt daß man mit der austro-polnischen Lösung in absehbarer Jett mcht weiter kommt. Was die vazifistischeu oder gar die ententefreundlichen Cliquen in Polen wollen, wird natürlich von Wien aus ebenso ignoriert, wie von Berlin aus. Ganz neuerdings stellt sich niin berans. daß auf volnischer Seite ein Meinungsstreit tobt, ob die grundlegende Frage der Staatlichkeit entschieden werden soll, b e v o r man sich über die Person des künftigen Polenkönigs schlüssig wird oder i'.mgekehrt. Eine etwas merkwürdige Schwierigkeit, denn am 2. SevtemIber soll sa schon die Königs- Wahl stafifinden. Bis dahin können sich die polnischen Instanzen Wohl kaum über die grundleaenden Staatsrechtsfragen entschieden haben. Man muß ibnen jetzt vor allem Gelegenhefi geben, sich mit den Vertretern Deutschlands und Österreich-Unaarns ziisamnien an einen Konferenzfisch zu setzen. Durch Rundreisen einzelner Vermittler allein wird lo schnell kein greifbares Ergebnis zustande kommen, insbesondere ist es sehr zu wünschen, daß der polnische Mini sterpräsident Steczkowski seinen Kuraufenthalt im Badeort Krimnica in Galizien abbricht und in die Verhandlungen eingreift. Ihm obliegt es, offiziell Farbe zu bekennen. Ihm gegenüber wird man auch die deutsche Stellungnahme genau festlegen. Die Abkehr von der a u st r o - v o l n r s ch e n Lösung wurde vielfach als eine „deutsche Neuorientierung" bezeichnet. Ja, es soll von einflußreicher polnischer Seite der Vorschlag gemacht worden sem, einen preußischen Hohenzoll er n- Prinzen als Gegenkandidaten ailfzustellen wer Träger der preußischen Krone hat sich gegen solche Pläne geäußert, aus konfessionellen und aus anderen Gründen. Die deutsche Regieruna bat solche Bestrebungen in keiner Weise gefördert, so wenig sie irgendwo und irgendwann die Kandidatur des Erzherzogs Stephan bekämpft hat. Mit Wonne iviirde die feindliche Propaaanda solches Gegenkönigtum aukgreifen um einen Bruderzwist innerhalb der Mittelmächte zu schüren. Nein, Deutschland wird bei der deutschen Neuorientierung in Polen nur das eine erwarten und verlangen, daß die Verträge und Konventionen mit dem künftigen Königreich Polen den deutschen Interessen voll gerecht werden. Enttäuschungen, wie z. B. beim rumänischen Friedensvertrag, sollen ausgeschlossen bleiben.
vie Forderungen der Aktivisten.
Ni. Wien, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach Mitteilung maßgebender Persönlichketten Kongreß- Polens in der „Neuen Fr. Presse" fordern die Aktivisten die Erfüllung folgender Bedingungen, um ein lebensfähiges Polen zu schaffen: Integrität Kongretz-Polens, Integrität Galiziens, Aufstellung fester Grenzen zwischen Polen und Rußland und Zugang Polens zum Meer.
Rußland.
Eine neue Partei Miljukows.
8. Stockholm, 23. Ang. (Eig Drshlbericht. zb.) Wie „Jswestia" mitteilt, hat Miljnkow seinen A u s- t r i t t aus der Kadettenpartei erklärt und beabsichtigt, eine neue politische Partei unter dem Namen „Konstitnfionell-monarMtische Partei" an Stelle der früheren „Konstitutionell-demokratischen ' Partei" zu gründen.
8. Stockholm, 23. Ang. „Odesikij Listok" berichtet über die Ankunft des früheren Moskauer Oberbürgermeisters Tschelnokow und im Anschluß daran über seine Aussage über den letzten Kongreß der Kadetten in Petersburg. Danach steht Miljukow in seiner deutschen Orientierung nicht so vereinzelt da wie ursprünglich berichtet wurde. Die Zweiteilung der Kadetten in zwei Lager, in ein deutsch- und in ein entente-orientiertes, ist sicher. Der Flügel Milsukows wird demnächst einen eigenen Zentralkongreß nach Moskau einberusen.
3usammenkck»lutz der Geyenrevolutionäre.
Br. Wien, 23. Äug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus Moskau meldet die Polnische Preffeagenmr- Die Gegner der Bolsche- wiki-Regierung, die Kletten, die Volkssozialisten, die rechten Sozialrevolutionäre und die Menschewiki, haben eine Organisation unter dem Namen „Bund zur Wiedergeburt Rußlands" geschaffen.
Siegreiche rkämpfe der Sowjettruppen,
Bolschewistischer Kriegsbericht.
W. T.-B. Moskau, 22. Aug. (Petersburger Telsgraphen- Agemitur.) Fm Bezirk von Kasan -finden Kämpfe statt, die für die Eowjettruppeu siegreich sind. Wir nahmen das Dorf Was s i li ew k a ein. — Südlicher Frontabschnitt: 36 Werst südlich von Glan wurde das Dorf Beresowska von einer -feindlichen Kavallerieabteilung eingenommen, doch wurde der Gegner durch den Ansturm unserer Kavallerie vernichtet, aus diesem Dorf verdrängt und nach der Ansiedlung Wutgarinsk und nach Pekatschew zurückgeworfen. Hier inmhten wir Gefangene. -- Nor döstlicher Abschnitt: In der Richtung auf Katschmann, südöstlich von der Station Obosevni, ist -der Gegner von der -Station -Swings! zurückge-schlagen worden. — N o r d -k a u k a s i s che r Abschnitt: Ter Gegner nahm die Dörfer Pitschuga und -Evsowka -ein u-nd -begann den Anmarsch auf die Ansiedlüng O-AowSa, nordöstlich von Dschumrak. Unser Kommando ergriff alle Maßm-ahmen zur ykbwehr des Gegners, der an dem- selben Tage tn der Richtung von Welikokliajiza die Ansiedlung Pestschani verlor.
3um englisch-amerikanischen Geheimvertrag «regen Japan.
W. T.-B. Bern, 22. Aug. (Drahtbericht.) In einem Leitartikel unter der Überschrift „Im Osten geht die Sonne auf" schreibt die „Zürcher M o r g e n z e i t u n g": Wieder einmal eine Enchüllung. Die Entente soll Japan für „seine guten Dwnsie" nichts Geringeres als die drei großen Sunda- Jnseln Borneo, Java und Celebes versprochen haben. Sumatra scheint die Entente Holland lassen zu wollen. Auf ihr wird der Holländer gute Wächterdienste zugunsten des englischen Südasiens leisten können. Holland wird sich dereinst wehren müffen, wenn den Japanern beim Essen der Apped? kommen sollte. England hat so ohne weiteres einen Bundesgenossen, der in seiner eigenen Haut die Englands verteidigt. Ob Holland diese Rolle zusagen wird, nachdem es durch die Beschützer der kleinen Staaten den größten Teil seines angestammten Kolonialreiches verloren haben wird? fragt der Artikelschreiber, und fährt dann fort: Es stehen hinter dem Geheimabkommen vom 3. Juli 1916 noch andere Fragen, z. B. die: Wird sich Frankreich in Sinter-Indien noch lehr wohl fühlen, wenn es von Javan so völlig eingekreist ist? Was wird das englische Australien sagen, wenn man ihm den Gelben, gegen den es sich seit Jahrzehnten verzweifelt wehrt, offiziell zum nächsten Nachbarn gibt? Endlich, wird England sich in Indien selbst noch lange zu .Hause fühlen, wenn nur noch die Straße von Singapore Japan von Indien trennt? Es sind geradezu ungeheure Ausblicks, die sich dem iapani scheu Imperialismus in jenem angeblichen Geheimvertrag auftun. Der Artikelschreiber schließt mit der Betrachtung, daß noch Var nicht 20 Jahren der englischen Staatsmänner höchste Idee ein großer Bund zwischen England, Amerika und Deutschl-rnd war. der der ganzen Weit endgültig das Gesicht aufprägen sollte. Es war das germanische Gesicht gewesen. Mancheni, der heute an Deutschland? Stelle neben England steht, wäre das nicht eine reine Freude gewesen, aber wird es ihm eine reinere Freude sein, im Spiegel der Welt künftig das gelbe Gesicht zu sehen?
Spanien und Deutschland.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
N. A. Berlin, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) ,-as Reutersche Bureau hat über einen spanisch-deutschen Notenwechsel verschiedene Telegramme verbreitet, die ein falsches Bild der angeblichen Lage geben. Von zuständiger Seite wird uns zur Richtig- stssllung d?s Sachv?'.'hlilts mitqeteill. daß es sich bei der ganzen Angelegenheit überhaupt um keinen N o t e n w e ch s e l gehandelt hat. Das spanische Ministerium hat vielmehr dem hiesigen spanischen Vertreter die Weisung zugehen lassen, der deutschen Regierung mitzu- terlen, die Versenkung spanischer Schiffe habe einen solchen Umfang (20 Prozent des Gesnmt- bestandcs) erreicht, daß die spanische Regieruna bei künsfigen Versenkungen einen Ersatz der Schiffe aus den Beständen des deutschen Schiffsraums ins Aug-e fassen müsse. Die deutsche Regierung hat demgegenüber zu verstehen gegeben, daß eine solche Forderung sehr ernste Folgen für das deutsch-spanische Verhältnis haben könne und die Hoffnung ausgedrückt, daß sich die Anael-egcnheit in anderer Weise regeln lassen werde. Es ist außerordent- lich bedauerlich, daß die spanische Regierung, deren Ve- dürfifissen gegenüber trotz der Schwierigkeiten von Deufichland jede nur mögliche Rücksicht genommen wurde, sich zu derartign Forderungen, offenbar beeinflußt von der Ententeprovaganda, hat Hinreißen lassen. Wir werden natürlich auch jetzt versuchen, den spanischen ökonomischen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung zu kragen,d schon mit Rücksicht auf die altbewährte deutsch- s Pani sche F r e n n d f di a ft. Es wird aber von der deutschen Regierung unbedingt ans dem Recht des Tauchbookskri-egs bestanden werden.
Erneute englische Angriffe int westen.
W. T.-B. Berlin, 23. Aug., äbeuds. sAm-tlich. DralMericht.)
Erneute engkrsihe Angriffe nordwestlich B a p ir u m e, bei Albert und südlich der S o m m e. Unsenr Gegenangriffe sind im Gange. Heftiger Feuerkitmpf zwischen Aillette und Msne.
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Erfolgreicher Vorstoß deutscher Seestreitkraft e.
Swel feindliche Torpedoboote gesunken.
W. T.-B. Berlin, 23. Aug. (Amtlich. Drahtbericht.) In der Nacht vom 22. zum 23. August haben leichte Streitkräfte des Marinekorps feindliche Seestreitkräfte auf Dünkircheu» Recde angegriffen. Gegen drei feindliche Torpedoboote wurden Torpcdotreffer erzielt. Zwei der Fahrzeuge sind gesunken. Trotz starker Gegenwirkung sind unsere Streitkräftc vollzählig und ohne Verluste wieder ein- getroffen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Fachs zweiter kjauptfchlay.
Steigende Heftigkeit der Artillerieschlacht.
Br. Basel, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der. ,Temps" meldet, dre Artillerieschlacht habe an dee Front überall mit steigender Heftigkeit eingesetzt; sie habe auch die bisher ruhig gebliebenen Front- teile ergriffen. Der zweite Hauptschlag des Malschalls Fach sei in der E n t wä ck l u n g. Weiter besagt eine Meldung der „Zürcher Morgenpost", dab die französischen Verluste im Zentrum am Dienstag furchtbar waren und die der bei Brieux zurückgeschlagenen französischen Truppen geradezu grauenhaft.
Anlcriknnische Hoffnungen.
— Haag, 23. Aug. Reuter meldet aus WashingtonDer amerikanische Generalstabsches March erklärte vor dem Heeresausschuß des Senats, daß nach seiner Meinung achtzig Divisionen von je 45 000 Mann genügen würden, um die Entscheidung au der Westfront zugunsten der Enwnte herbeizuführen.
poincarös Schuld am Weltkriege.
Die „Köln. Ztg." schreiiht: Die Züricher Zeitschrift „T a 3 Buch", die vor kurzem eine Unterredung veröffentlichte, die ihr Mitavbeiter vor Kriegsausbruch mit dem Zaren gehabt hat, eine Ibnterredung, in der der Zar die Schuld Poiucares am Weltkrieg erhärtet hat, veröffentlicht heute einen offenen Brief an Poineare. der weitere vevbürgte und für den fianzösischen Präsidenten schwer belastende Äußerungen des Zaren enthält. Darnach hat der Zar gesagt: Ich ardeite für deu Frieden Europas, Poincare .für die Eroberung Ebsaß-Lothringlens. Poincarös Ehrgeiz ist eine Gefahr für -Europa. Wenn Poincarös Amtszeit. vorüber :st, halte ich den Frieden für gesichert.
Keine Erhöhung der Pariser Brotration.
W. T.-B. Bern, 23. Aug. iDvahtbericht.) Eine amtliche Mitteilung an die Pariser Presse besagt, van einer Erhöhung
